Schloss Nordkirchen

Schloss Nordkirchen

Schloss Nord­kir­chen

Das Schloss Nord­kir­chen ist eine ba­ro­cke Schloss­an­la­ge im süd­li­chen Müns­ter­land und liegt gut 25 Ki­lo­me­ter von Müns­ter ent­fernt. Sie liegt auf dem Ge­biet der Ge­mein­de Nord­kir­chen im nord­rhein-west­fä­li­schen Kreis Coes­feld. Das denk­mal­ge­schütz­te Was­ser­schloss ist die größ­te und be­deu­tends­te Ba­rock­re­si­denz West­fa­lens und wird auf­grund sei­ner Aus­ma­ße und ar­chi­tek­to­ni­schen Ge­stal­tung auch als das „West­fä­li­sche Ver­sailles“ be­zeich­net.

Die Ur­sprün­ge des heu­ti­gen Schlos­ses lie­gen in ei­ner Was­ser­burg der Fa­mi­lie Mor­ri­en, die Ger­hard III. von Mor­ri­en zu Be­ginn des 16. Jahr­hun­derts zu ei­nem der am bes­ten be­fes­tig­ten Was­ser­schlös­ser des Müns­ter­lan­des aus­bau­en ließ. Nach Aus­ster­ben der männ­li­chen Fa­mi­li­en­li­nie ver­kauf­ten die Er­ben die An­la­ge 1694 an Fried­rich Chris­ti­an von Plet­ten­berg, den Fürst­bi­schof von Müns­ter. Sei­ne Fa­mi­lie ließ das Schloss im 18. Jahr­hun­dert im Ver­lauf von mehr als 30 Jah­re an­dau­ern­den Bau­ar­bei­ten zu ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven, ba­ro­cken Re­si­denz um­ge­stal­ten. Nach Ab­schluss der Ar­bei­ten 1734 zähl­te der Nord­kir­che­ner Schloss­gar­ten zu den be­rühm­tes­ten Gär­ten Eu­ro­pas.
Als der Schloss­herr Fer­di­nand von Plet­ten­berg 1737 starb, hin­ter­ließ er ei­nen hoch­ver­schul­de­ten Be­sitz, den nach­fol­gen­de Ge­ne­ra­tio­nen nur mit Mühe un­ter­hal­ten konn­ten. Als die Fa­mi­lie von Plet­ten­berg 1813 im Man­nes­stamm aus­ge­stor­ben war, ging das Ei­gen­tum des An­we­sens über die Erb­toch­ter Ma­ria von Plet­ten­berg auf die Fa­mi­lie ih­res Man­nes, die Gra­fen Es­ter­házy, über. Sie lie­ßen Ver­än­de­run­gen im Gar­ten und an den In­nen­räu­men vor­neh­men. Nach dem kin­der­lo­sen Tod des letz­ten männ­li­chen Es­ter­házy auf Schloss Nord­kir­chen ver­kauf­ten sei­ne un­ga­ri­schen Ver­wand­ten die An­la­ge an den Her­zog En­gel­bert-Ma­ria von Aren­berg. Er ließ die mitt­ler­wei­le recht her­un­ter­ge­kom­me­nen Ge­bäu­de nicht nur sa­nie­ren und mo­der­ni­sie­ren, son­dern ver­grö­ßer­te über­dies das Haupt­ge­bäu­de. Auch den gro­ßen Schloss­gar­ten ließ er zum Teil wie­der­her­stel­len und er­wei­tern. Nach­dem die her­zog­li­che Fa­mi­lie das Schloss nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs nicht mehr als Wohn­sitz nutz­te, ver­fiel die An­la­ge all­mäh­lich. 1949 mie­te­te das Land Nord­rhein-West­fa­len das Schloss an und be­trieb in den zwi­schen­zeit­lich ein­sturz­ge­fähr­de­ten Schloss­ge­bäu­den nach ei­ner ers­ten Re­no­vie­rung ab 1950 sei­ne Lan­des­fi­nanz­schu­le, aus der spä­ter die Fach­hoch­schu­le für Fi­nan­zen des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len ent­stand. 1958 er­warb das Land die Schloss­in­sel samt Haupt­ge­bäu­de so­wie ei­nen Teil des Schloss­parks und star­te­te eine lang­jäh­ri­ge Re­stau­rie­rungs­kam­pa­gne, die mit der Wie­der­her­stel­lung der ba­ro­cken Ve­nus­in­sel nörd­lich des Schlos­ses 1991 ih­ren vor­läu­fi­gen Ab­schluss fand. Er­wei­te­rungs­bau­ten für die Fach­hoch­schu­le wur­den ins­be­son­de­re 1970/1971 an den Rän­dern des Schloss­parks er­rich­tet.

Schloss und Park wur­den von der UNESCO als „Ge­samt­kunst­werk von in­ter­na­tio­na­lem Rang“ für schutz­wür­dig er­klärt. Die Ge­bäu­de be­her­ber­gen noch heu­te die Fach­hoch­schu­le für Fi­nan­zen Nord­rhein-West­fa­len mit rund 1000 Stu­die­ren­den. Im Ge­wöl­be­kel­ler ist ein Re­stau­rant un­ter­ge­bracht. Ei­ni­ge Be­rei­che des Schlos­ses sind für Be­su­cher frei­ge­ge­ben und kön­nen im Rah­men von Füh­run­gen be­sich­tigt wer­den. Im Jahr 1988 mach­ten 50.000 Be­su­cher von die­ser Mög­lich­keit Ge­brauch. Der Schloss­park ist eben­falls für die Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich. Die Schloss­ka­pel­le kann für Trau­un­gen an­ge­mie­tet wer­den.

Geschichte

Die Anfänge

Bo­den­denk­mal der ehe­ma­li­gen Burg­an­la­ge im Hirsch­park

Schloss Nord­kir­chen geht – wie fast alle Was­ser­schlös­ser West­fa­lens – auf eine mit­tel­al­ter­li­che Was­ser­burg zu­rück. Schon im frü­hen Mit­tel­al­ter gab es dort ei­nen Ober­hof, den Lud­ger, der ers­te Bi­schof von Müns­ter, um 800 ge­mein­sam mit 33 da­zu­ge­hö­ri­gen Un­ter­hö­fen von Karl dem Gro­ßen er­hal­ten und dann der neu ge­grün­de­ten Ab­tei Wer­den ge­schenkt hat­te. Die Vog­tei­rech­te dar­über la­gen nach 1225 bei den Gra­fen von der Mark, die sie an­schei­nend an die Her­ren von Lü­ding­hau­sen ver­lehnt hat­ten. Ers­tes in Nord­kir­chen ur­kund­lich nach­weis­ba­res Fa­mi­li­en­mit­glied war Jo­hann I. von Lü­ding­hau­sen, ge­nannt Mor­ri­en, des­sen Fa­mi­lie ab 1275 auch den Wer­de­ner Ober­hof zu Le­hen trug. Er ge­hör­te zur Burg­mann­schaft der bi­schöf­li­chen Lan­des­burg Botz­lar so­wie des Bis­ping­hofs in Müns­ter und be­wohn­te spä­ter ein „fes­tes Haus“, des­sen Stand­ort öst­lich des heu­ti­gen Schlos­ses im so­ge­nann­ten Hirsch­park ver­mu­tet wird. Da­bei han­del­te es sich wahr­schein­lich um eine klei­ne Mot­te nörd­lich der heu­ti­gen Stra­ße nach Ca­pel­le nahe dem Gor­bach, wäh­rend der Ober­hof an ei­ner Stel­le im heu­ti­gen Schloss­park lag, die Mor­ri­en­sches Loch ge­nannt wird. Jo­hanns Sohn Jo­hann II. leg­te den Na­men von Lü­ding­hau­sen end­gül­tig ab und er­warb um 1350 die Erb­mar­schalls­wür­de des Fürst­bis­tums Müns­ter von Con­rad von Re­che­de. Die von Mor­ri­en stell­ten so­mit den An­füh­rer der west­fä­li­schen Rit­ter­schaft des Fürst­bis­tums und den Vor­sit­zen­den der Land­ta­ge im Müns­ter­land.

Besitz der Familie von Morrien (1368 bis 1694)

Jo­hann III. von Mor­ri­en ließ nahe dem Dorf Nord­kir­chen an der Stel­le des heu­ti­gen Schlos­ses ab 1398 ei­nen neu­en Fa­mi­li­en­sitz er­rich­ten. Da die­ser als Was­ser­burg ge­plant war, wur­de ein künst­li­cher See aus­ge­ho­ben, der sich aus ei­nem na­tür­li­chen Quell­ho­ri­zont speis­te.

Das 15. Jahr­hun­dert brach­te für die Fa­mi­lie Mor­ri­en eine stän­di­ge Stei­ge­rung ih­res An­se­hens und ih­rer Macht. 1444 er­hielt Ger­hard II. von Mor­ri­en den Wer­de­ner Ober­hof mit al­lem Zu­be­hör für sich und sei­ne Fa­mi­lie „auf ewi­ge Zei­ten in Erb­pacht“. Die Ge­gen­leis­tung da­für war nur ein sehr ge­rin­ges Jah­res­geld. Ab etwa 1528 ließ Ger­hard III. von Mor­ri­en den Fa­mi­li­en­sitz als Schloss neu bau­en und da­bei er­wei­tern. Um sie vor An­grif­fen mit mo­der­nen Feu­er­waf­fen zu schüt­zen, woll­te er sie mit ei­nem weit­läu­fi­gen Ver­tei­di­gungs­sys­tem aus Wäl­len und Was­ser­grä­ben um­ge­ben. Um da­für Platz zu schaf­fen, hat­te er be­reits 1524 die um das Jahr 1000 ge­bau­te Dorf­kir­che ab­rei­ßen las­sen, die nach lan­gem Rechts­streit 1536 an ih­rem heu­ti­gen Platz neu er­rich­tet wur­de. Ein Stein­kreuz im Schloss­park mar­kiert heu­te den eins­ti­gen Kir­chen­stand­ort. Auch das Dorf muss­te aus stra­te­gi­schen Grün­den den neu­en Fes­tungs­wer­ken der Was­ser­burg wei­chen und wur­de 1530 rund 500 Me­ter wei­ter nörd­lich neu an­ge­legt.

Das alte Schloss Nord­kir­chen vor dem Ab­bruch 1703, Vo­gel­schau von Pe­ter Pic­to­ri­us d. J., um 1703

Der Schloss­neu­bau war ein Werk des Coes­fel­der Bau­meis­ters Hen­ric de Su­ers und sei­nes Soh­nes Jo­hann, die schon das Schloss Her­ten für die Fa­mi­li­en Ste­cke und Nes­sel­ro­de er­baut hat­ten. Der Schloss­teich wur­de da­bei er­wei­tert und in eine vier­ecki­ge Form ge­bracht. Nach Fer­tig­stel­lung in den 1530er Jah­ren war die An­la­ge rund 150 Jah­re lang ei­nes der am stärks­ten be­fes­tig­ten Was­ser­schlös­ser des Müns­ter­lan­des. Ihr Aus­se­hen hielt Pe­ter Pic­to­ri­us der Jün­ge­re 1703 in ei­ner far­bi­gen Vo­gel­schau fest. Dem­nach be­stand das Schloss aus ei­ner Vor­burg mit Tor­haus, Ka­pel­le und Wirt­schafts­ge­bäu­den wie Stal­lun­gen, Brau­haus und Mar­stall so­wie ei­ner süd­lich da­von ge­le­ge­nen Kern­burg. Bei­de Tei­le la­gen auf In­seln. Die Haupt­burg be­stand aus ei­nem Her­ren­haus am Süd­rand der Kern­burg­in­sel mit go­ti­schen Fi­al­gie­beln und run­den Tür­men an den süd­li­chen Ecken. An der zum Hof ge­wand­ten Nord­fas­sa­de stand ein gro­ßer Trep­pen­turm mit stei­lem Helm und Zwie­bel­hau­be. Par­al­lel zum Her­ren­haus stand an der Nord­sei­te der In­sel ein wei­te­rer Trakt mit Trep­pen­gie­beln. Die bei­den Flü­gel wa­ren durch Ver­bin­dungs­bau­ten an den Ost- und West­sei­ten mit­ein­an­der ver­bun­den. Die Ge­bäu­de wa­ren all­sei­tig von ei­ner In­nen­gräf­te um­ge­ben, der ein ho­her Wall mit vier wuch­ti­gen Bat­te­rie­tür­men an den Ecken vor­ge­la­gert war. Das Ma­te­ri­al für den Bau des Walls stamm­te aus der brei­ten Au­ßen­gräf­te, die das Erd­werk an al­len vier Sei­ten um­gab. Die drei­ge­schos­si­gen Eck­tür­me be­sa­ßen ein Ke­gel­dach, das von ei­ner Wet­ter­fah­ne ab­ge­schlos­sen war. Bei ei­nem Durch­mes­ser von ca. 24 Me­tern wa­ren ihre Mau­ern bis zu fünf Me­ter dick. Der nord­öst­li­che von ih­nen dien­te als Tor­turm, von dem eine Holz­brü­cke zum Tor­haus der Vor­burg mit sei­nen fia­len­be­setz­ten Trep­pen­gie­beln führ­te. Das letz­te Stück der Brü­cke war da­bei als Zug­brü­cke aus­ge­führt.

Im Jahr 1561 lös­te Ger­hard IV. von Mor­ri­en die Erb­pacht der Nord­kir­che­ner Le­hen des Wer­de­ner Klos­ters ab. Es ge­lang ihm also, Nord­kir­chen aus dem Lehns­ver­hält­nis zur Kir­che zu lö­sen und die Be­sit­zun­gen zum Al­lo­di­al sei­ner Fa­mi­lie zu ma­chen. Die­ses über­stand den Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg voll­kom­men un­be­scha­det, denn – so­weit be­kannt – wur­de das Schloss nie an­ge­grif­fen. Trotz­dem gab es im Kriegs­jahr 1627 Auf­re­gung in Nord­kir­chen. Jo­hann IV. von Mor­ri­en brach­te sei­ne Fa­mi­lie da­mals in arge Schwie­rig­kei­ten, denn ob­wohl er selbst Käm­me­rer des Bi­schofs Fer­di­nand I. von Bay­ern und da­mit ei­nes ka­tho­li­schen Lan­des­fürs­ten war, be­trieb er die An­wer­bung zwei­er Re­gi­men­ter für Chris­ti­an IV., den pro­tes­tan­ti­schen Kö­nig von Dä­ne­mark. Weil die­ser als Lan­des­feind galt, wur­de Jo­hann IV. des Lan­des­ver­rats an­ge­klagt und für schul­dig be­fun­den. Alle sei­ne Gü­ter im Fürst­bis­tum wur­den kon­fis­ziert. Er selbst kam zwar wie­der frei, starb aber am 30. März 1628 bei ei­nem Sturz vom Pferd, ohne vom Dä­nen­kö­nig je­mals das von ihm vor­ge­streck­te Geld zu­rück­zu­er­hal­ten. Sei­ne Wit­we, Anna So­phia von Lim­burg-Styrum zu Bor­cu­lo, konn­te für ihre Kin­der die Auf­he­bung der Ent­eig­nung be­wir­ken, in­dem sie zum ka­tho­li­schen Glau­ben über­trat. Anna So­phi­as äl­te­rer Sohn Fer­di­nand wur­de 1670 in den Reichs­frei­her­ren­stand er­ho­ben. Als er 1688 starb, kam Schloss Nord­kir­chen als Erbe an sei­nen jün­ge­ren Bru­der Jo­hann Bern­hard. Der aber starb am 11. Ja­nu­ar 1691 eben­falls kin­der­los, und so fiel der Be­sitz an die acht noch le­ben­den Kin­der von Ju­lia­na Adol­pha So­phia von Mor­ri­en, der äl­te­ren Schwes­ter Fer­di­nands und Jo­hann Bern­hards, die mit dem Frei­herrn Fer­di­nand von Weichs zu Roes­berg ver­hei­ra­tet war. Weil kei­ner der Er­ben sei­ne Ge­schwis­ter aus­zah­len konn­te, um al­lei­ni­ger Herr auf Nord­kir­chen zu wer­den, ent­schlos­sen sich die Er­ben zum Ver­kauf der An­la­ge. Ma­ria So­phia von Weichs über­nahm ge­mein­sam mit ih­rem Mann, dem Gra­fen Ja­kob von Ha­mil­ton, die Fe­der­füh­rung bei der Ver­äu­ße­rung.

Eigentum der Familie von Plettenberg (1694 bis 1833)

Dispositionsentwurf für den Schlossneubau; zu erkennen ist das alte Schloss und der geplante Neubau

Dis­po­si­ti­ons­ent­wurf für den Schloss­neu­bau; zu er­ken­nen sind das alte Schloss und der ge­plan­te Neu­bau

Der Fürst­bi­schof von Müns­ter, Fried­rich Chris­ti­an von Plet­ten­berg-Len­hau­sen, er­warb das land­tags­fä­hi­ge Gut Nord­kir­chen am 24. Ok­to­ber 1694 für 250.000 Reichs­ta­ler und ver­grö­ßer­te den Be­sitz und Ein­fluss­be­reich durch Zu­kauf wei­te­rer Län­de­rei­en und Ge­richts­bar­kei­ten in der Um­ge­gend. An­schlie­ßend brach­te er ihn am 15. Sep­tem­ber 1695 in ei­nen mit sei­nen le­ben­den vier Brü­dern be­grün­de­ten Fa­mi­li­en­fi­dei­kom­miss ein. Da­nach ba­gann er da­mit, das be­stehen­de Was­ser­schloss zu ei­nem re­prä­sen­ta­ti­ven Stamm­sitz sei­ner Fa­mi­lie aus­zu­bau­en, denn bis­her be­sa­ßen die von Plet­ten­berg nur al­ter­tüm­li­che Her­ren­sit­ze im Sauer­land. Für den ge­plan­ten Um­bau und die Mo­der­ni­sie­rung der vor­han­de­nen Ge­bäu­de en­ga­gier­te er 1697 Gott­fried Lau­renz Pic­to­ri­us, der an­fäng­lich nur klei­ne­re Um­bau­ten vor­sah. Ab März wur­de Pic­to­ri­us bei den Pla­nun­gen durch den aus Den Haag stam­men­den Ja­cob Ro­man un­ter­stützt. Er war Hof­ar­chi­tekt des Statt­hal­ters der Nie­der­lan­de und hat­te zu­sam­men mit Da­ni­el Ma­rot das Schloss Het Loo in der Nähe von Apel­do­orn er­rich­tet. Ab 1699 ar­bei­te­te auch Pic­to­ri­us’ jün­ge­rer Bru­der Pe­ter mit an den Nord­kir­che­ner Plä­nen. Ein Ent­wurf, zu dem zu­sätz­lich Ste­ven Ja­cob­sz Ven­ne­kool An­re­gun­gen ge­ge­ben hat­te, fand 1702 end­lich die Zu­stim­mung des Kir­chen­fürs­ten und wur­de von ihm zur Aus­füh­rung ge­neh­migt. Er sah nicht mehr nur ei­nen Um­bau der be­stehen­den Ge­bäu­de vor, son­dern de­ren Ab­riss und ei­nen voll­stän­di­gen Neu­bau im Stil des fran­zö­si­schen Ba­rock-Klas­si­zis­mus vor. Die fei­er­li­che Grund­stein­le­gung fand am 13. Juni 1703 im Bei­sein des Bau­herrn statt. Zu­vor wa­ren in der Zeit von 1700 bis 1702 die al­ten Vor­burg­ge­bäu­de nie­der­ge­legt wor­den; mit dem Bau­schutt wur­de der Gra­ben zwi­schen der Kern­burg- und Vor­burg­in­sel ver­füllt. Die dar­aus ent­stan­de­ne neue und grö­ße­re Schloss­in­sel wur­de er­höht und zu ei­nem gleich­mä­ßi­gen Recht­eck ge­stal­tet. Die sie um­ge­ben­de Au­ßen­gräf­te wur­de be­gra­digt die ho­hen Däm­me wur­den ab­ge­tra­gen. Eine gan­ze Kom­pa­nie sei­ner Sol­da­ten ließ der Fürst­bi­schof für die ge­wal­ti­gen Erd­be­we­gun­gen in Nord­kir­chen an­tre­ten. In den fol­gen­den Jah­ren wur­de bis 1706 die Kern­burg ab­ge­ris­sen; ihre Stei­ne fan­den beim Bau des neu­en Schlos­ses Ver­wen­dung. Trotz des To­des Fried­rich Chris­ti­an von Plet­ten­berg im Mai 1706 gin­gen die Bau­ar­bei­ten un­ge­hin­dert wei­ter. Die Auf­sicht über die Bau­stel­le über­nahm sein Bru­der, der Dom­propst Fer­di­nand von Plet­ten­berg als Vor­mund für den Er­ben des Fürst­bi­schofs, den 18-jäh­ri­gen Wer­ner An­ton von Plet­ten­berg. Nach­dem Wer­ner An­ton im Juni 1711 un­er­war­tet an ei­ner Lun­gen­krank­heit ver­stor­ben war, ging das Erbe auf sei­nen jün­ge­ren Bru­der Fer­di­nand über, der eben­falls un­ter der Vor­mund­schaft sei­nes On­kels stand. Als die­ser 1712 ver­starb, wur­de Fer­di­nand mit 22 Jah­ren al­lei­ni­ger Herr von Nord­kir­chen. Der Bau war der­weil so weit fort­ge­schrit­ten, dass be­reits mit der In­nen­aus­stat­tung des Corps de Lo­gis so­wie der Sei­ten­flü­gel be­gon­nen wor­den war. West­lich der Ge­bäu­de lag ein von 1704 bis 1707 an­ge­leg­ter for­ma­ler Gar­ten im hol­län­di­schen Stil. Er wur­de durch sich kreu­zen­de Wege in recht­ecki­ge Kom­par­ti­men­te un­ter­teilt und be­saß an den bei­den west­li­chen Ecken run­de Tür­me. Die mäch­ti­gen Bat­te­rie­tür­me an den Ecken der Schloss­in­sel hat­ten acht­ecki­gen Pa­vil­lons wei­chen müs­sen.

Generalplan für den Schlossneubau von Gottfried Laurenz Pictorius, 1703

Ge­ne­ral­plan für den Schloss­neu­bau von Gott­fried Lau­renz Pic­to­ri­us, 1703

Fer­di­nand von Plet­ten­berg führ­te das Werk sei­ner Vor­gän­ger wei­ter fort. 1714 wur­de die Schloss­ka­pel­le im nach ihr be­nann­ten Ka­pel­len­flü­gel an der Ost­sei­te der Schloss­in­sel fer­tig­ge­stellt. Das Vieh­haus im eins­ti­gen Vor­burg­be­reich konn­te 1716, der 1712 be­gon­ne­ne Pfer­de­stall mit Reit­haus und Kut­schen­re­mi­se 1720 voll­endet wer­den. Im Jahr 1718 ließ der Schloss­herr den Bau ei­ner Oran­ge­rie im West­gar­ten be­gin­nen, die heu­te Ora­ni­en­burg ge­nannt wird. Die Ent­wür­fe dazu stamm­ten von Pe­ter Pic­to­ri­us dem Jün­ge­ren und sa­hen auch eine Nut­zung als Gar­ten­ka­si­no vor. Etwa im glei­chen Jahr fand die Aus­stat­tung der Re­prä­sen­ta­ti­ons­räu­me im Erd­ge­schoss des Corps de Lo­gis ih­ren Ab­schluss. 1719 war die Schloss­an­la­ge Schau­platz ei­nes kost­spie­li­gen Feu­er­werks, das an­läss­lich des Be­suchs des frisch ge­wähl­ten Fürst­bi­schofs von Müns­ter und Pa­der­born, Cle­mens Au­gust von Bay­ern, ge­zün­det wur­de. Es war das ers­te pri­va­te Feu­er­werk in West­fa­len. In den Fol­ge­jah­ren mach­te der Schloss­herr eine glän­zen­de Kar­rie­re am Hofe des Fürst­bi­schofs, dem er 1723 die Wahl zum Erz­bi­schof von Köln si­chern konn­te. Als Dank da­für er­nann­te Cle­mens Au­gust von Bay­ern ihn zum Pre­mier­mi­nis­ter sei­ner Fürs­ten­tü­mer. 1724 folg­te die Er­nen­nung in den Reichs­gra­fen­stand durch Kai­ser Karl VI. Plet­ten­berg war zu je­ner Zeit die ein­fluss­reichs­te und mäch­tigs­te Per­sön­lich­keit am kur­fürst­li­chen Hof. Die da­mit ver­bun­de­nen Ein­kom­men in­ves­tier­te er un­ter an­de­rem wie­der in sein Schloss Nord­kir­chen. Dort war 1723 zum ers­ten Mal Jo­hann Con­rad Schlaun ak­tiv. In den nach­fol­gen­den Jah­ren wur­de die­ser zu­se­hends in die Pla­nun­gen ein­be­zo­gen und er­setz­te schließ­lich Pe­ter Pic­to­ri­us den Jün­ge­ren als Bau­lei­ter vor Ort.

Un­ter sei­ner Füh­rung be­gann 1725 eine groß­zü­gi­ge Um­ge­stal­tung des Schloss­gar­tens und der süd­li­chen Vor­werk­in­sel. Dazu zähl­te un­ter an­de­rem der Aus­bau der Ora­ni­en­burg zu ei­nem zwei­ge­schos­si­gen Som­mer­schloss mit Fest­saal. Das Ge­bäu­de wur­de dazu um eine Eta­ge auf­ge­stockt und sei­ner Nord­sei­te ein Vor­bau für ein Trep­pen­haus an­ge­fügt. Der Au­ßen­bau war im De­zem­ber 1725 fer­tig, die In­nen­aus­stat­tung des neu­en Ober­ge­schos­ses dau­ert aber noch bis 1732 an. Da die Ora­ni­en­burg ihre ur­sprüng­li­che Funk­ti­on als Oran­ge­rie nun nicht mehr er­fül­len konn­te, er­rich­te­te Schlaun ab 1729 ein neu­es Oran­ge­rie­ge­bäu­de wei­ter west­lich im der­weil um­ge­stal­te­ten und ver­grö­ßer­ten Gar­ten. Die Ent­wür­fe zu des­sen Neu­pla­nung im streng fran­zö­si­schen Stil lie­fer­te der kur­baye­ri­sche Was­ser­bau-In­ge­nieur und Gar­ten­in­spek­tor Do­mi­ni­que Gi­rard, ein Schü­ler von An­dré Le Nô­tres. Er hat­te be­reits die Gär­ten der Schlös­ser Nym­phen­burg, Schleiß­heim, Au­gus­tus­burg in Brühl und des Wie­ner Bel­ve­de­res ge­plant. Für den neu­en Gar­ten muss­ten er­heb­li­che Men­gen Erde be­wegt und auf­ge­schüt­tet wer­den, um die nö­ti­gen pla­nen Flä­chen zu er­hal­ten, denn er soll­te nach sei­ner Voll­endung in etwa die dop­pel­te Grö­ße be­sit­zen. So wur­de aus dem von Pic­to­ri­us ge­plan­ten Gar­ten im hol­län­di­schen Stil wur­de ab 1727 eine weit­läu­fi­ge An­la­ge mit Bou­lin­g­rins, Was­ser­bas­sins mit Fon­tä­nen, Was­ser­kas­ka­den, ei­nem hö­her ge­le­ge­nen Bro­de­rie­par­terre und ta­pis verts ge­nann­ten Ra­sen­strei­fen. Dazu ka­men Tei­che, Bos­ket­te und Ka­bi­nett­gärt­chen mit Baum­sä­len. Nörd­lich der „Ora­ni­en­burg” wur­de ein wei­te­rer Par­ter­re­gar­ten mit drei­ecki­ger Bro­de­rie­flä­che an­ge­legt, west­lich des Som­mer­schlos­ses ent­stand ab 1728 ein Irr­gar­ten. Vor der neu­en Oran­ge­rie lag ein sym­me­trisch ge­stal­te­ter Ge­mü­se­gar­ten mit qua­dra­ti­schem Grund­riss, der je­doch kein Nutz­gar­ten war. Die zum Ver­zehr ge­dach­ten Ge­mü­se wur­den in Nutz­gär­ten öst­lich und nörd­lich des neu­en Schlos­ses kul­ti­viert. Zum Nord­kir­che­ner Ba­rock­gar­ten ge­hör­te auch eine Fa­sa­ne­rie de­ren Ge­bäu­de nach Ent­wür­fen Schlauns in der Zeit von 1717 bis 1719 er­baut wur­de. Sie er­setz­te ei­nen Vor­gän­ger­bau Pe­ter Pic­to­ri­us, des­sen Stand­ort bis heu­te nicht er­mit­telt wer­den konn­te. Ne­ben Fa­sa­nen wur­den dort un­ter an­de­rem Pfau­en, Wach­teln, Tau­ben, Ägyp­ti­sche und Eng­li­sche Hüh­ner so­wie Ka­na­ri­en­vö­gel ge­hal­ten. Der neue West­gar­ten war üp­pig mit Gar­ten­skulp­tu­ren aus­ge­stat­tet und wur­de 1727 durch eine neue Brü­cke mit der Schloss­in­sel ver­bun­den. Nach Be­en­di­gung al­ler Ar­bei­ten war er ei­ner der schöns­ten und be­rühm­tes­ten Gär­ten Eu­ro­pas. Süd­lich schloss sich der von 1704 bis 1724 an­ge­leg­te „Tier­gar­ten” an, der den Schloss­be­woh­nern als künst­li­ches Jagd­re­vier dien­te.

Zeichnung des Westgartens von Johann Conrad Schlaun und Dominique Girard, 1725

Zeich­nung des West­gar­tens von Jo­hann Con­rad Schlaun und Do­mi­ni­que Gi­rard, 1725

Ab etwa 1730 ent­stand bis 1735 beim Schloss un­ter der Lei­tung Jo­hann Con­rad Schlauns ein wei­te­rer Gar­ten, zu dem Schlaun selbst die Ent­wür­fe lie­fer­te. Nörd­lich des Haupt­ge­bäu­des ent­stand ent­lang der Mit­tel­ach­se un­ter Ein­be­zug ei­nes al­ten Teichs der so­ge­nann­te Nord­gar­ten. In des­sen Zen­trum lag ein Ka­bi­nett­gar­ten mit ei­nem von ho­hen He­cken ein­ge­fass­ten Was­ser­bas­sin, das von in Form ge­schnit­te­nen Ei­ben um­ge­ben war. Auf ei­ner Halb­in­sel ge­le­gen, konn­te die­ser Gar­ten nur von zwei Sei­ten­däm­men im Os­ten und Wes­ten er­reicht wer­den, nicht je­doch di­rekt vom Schloss­ge­bäu­de aus. Eine Ter­ras­se mit zwei Par­terres und run­den Fon­tä­nen­be­cken, di­ver­se Gar­ten­skulp­tu­ren und Ra­sen­flä­chen mit baum­be­stan­de­nen Plät­zen so­wie zwei dia­go­nal ver­lau­fen­de, al­le­en­ar­tig ge­stal­te­te Däm­me run­de­ten den Nord­gar­ten ab. Zeit­gleich lei­te­te Schlaun auch Um­ge­stal­tun­gen im In­ne­ren des Corps de Lo­gis. Nach sei­nen Plä­nen wur­den das Spei­se­zim­mer und die Wohn­räu­me des Schloss­herrn durch füh­ren­de Bon­ner Hof­künst­ler, wie zum Bei­spiel den Kunst­schrei­ner Heydel­off oder die Stu­cka­teu­re Car­lo Pie­tro Mor­seg­no so­wie die Brü­der Car­lo Pie­tro und Gio­van­ni Do­me­ni­co Cas­tel­li, ver­än­dert. Das Spei­se­zim­mer er­hielt da­bei eine weiß-gol­de­ne Aus­stat­tung im Stil des Ré­gence, die ers­te ih­rer Art in ganz West­fa­len. Das da­bei ge­schaf­fe­ne In­te­ri­eur ist ne­ben dem Fest­saal im Schloss Lem­beck die schöns­te er­hal­te­ne Raum­ge­stal­tung die­ser Epo­che in Nord­rhein-West­fa­len.

Li­tho­gra­fie des Schlos­ses Nord­kir­chen um 1860

Die Ar­bei­ten am Schloss wa­ren im Gro­ßen und Gan­zen 1734 ab­ge­schlos­sen. Von 1703 bis Ende des Jah­res 1733 wa­ren für den Schloss­neu­bau 216.188 Ta­ler auf­ge­wen­det wor­den. Die Um- und Neu­ge­stal­tung der Gar­ten- und Au­ßen­an­la­gen schlu­gen ab 1726 mit wei­te­ren 28.907 Ta­lern zu Bu­che. Der Bau­herr konn­te nur mit knap­per Not die letz­ten Bau­rech­nun­gen be­zah­len. Schuld an sei­ner fi­nan­zi­el­len Not­la­ge war vor al­lem, dass er ein Jahr zu­vor beim Kur­fürs­ten in Un­gna­de ge­fal­len war, weil sein Vet­ter, der Vize-Obrist­stall­meis­ter Fried­rich Chris­ti­an von Be­ver­för­de, den dem Kur­fürs­ten nahe ste­hen­den Deutsch­or­dens­kom­tur Jo­hann Bap­tist von Roll am 5. Mai 1733 in ei­nem Du­ell ge­tö­tet hat­te. Cle­mens Au­gust von Bay­ern gab Fer­di­nand von Plet­ten­berg, der an der Sa­che voll­kom­men un­be­tei­ligt war, die Schuld an die­sem Un­glück und ent­ließ ihn im Sep­tem­ber 1733 aus al­len Staats­äm­tern. Der Kur­fürst ließ sich in sei­nem Zorn so­gar dazu hin­rei­ßen, Schloss Nord­kir­chen 1734 mi­li­tä­risch be­set­zen zu las­sen. Ab dem 23. No­vem­ber je­nen Jah­res be­la­ger­ten des­halb drei Kom­pa­ni­en Sol­da­ten die Schloss­an­la­ge sechs Tage lang, ehe es ih­nen ge­lang, sie ein­zu­neh­men. Die Trup­pen muss­ten die An­la­ge aber bald wie­der räu­men. Nach dem Bruch mit sei­nem lang­jäh­ri­gen Dienst­herrn ging Fer­di­nand von Plet­ten­berg nach Wien und be­gab sich dort in den Dienst Kai­ser Karls VI. Bei sei­nem Tod im März 1737 hin­ter­ließ er sei­ner Frau Bern­har­di­ne Fe­li­ci­tas von Wes­ter­holt-Lem­beck und sei­nen Kin­dern ei­nen hoch ver­schul­de­ten Be­sitz. Al­lein auf Schloss Nord­kir­chen las­te­te eine Hy­po­thek von 98.000 Ta­lern. Sei­ne Wit­we muss­te Mö­bel, Glas, Por­zel­lan und Ge­mäl­de aus der Kunst­samm­lung ih­res Man­nes ver­kau­fen, um das Schloss mit Mühe hal­ten zu kön­nen.

Fer­di­nands Sohn Franz Jo­seph erb­te das Schloss und leb­te mit sei­ner aus al­tem Wie­ner Adel stam­men­den Frau Aloy­sia von Lam­berg in der ös­ter­rei­chi­schen Haupt­stadt; zu­letzt in arm­se­li­gen Ver­hält­nis­sen. Schon zu Leb­zei­ten über­trug er die west­fä­li­schen Fa­mi­li­en­be­sit­zun­gen sei­nem äl­tes­ten Sohn Franz Jo­seph An­ton, der ge­zwun­gen war, das Fa­mi­li­en­sil­ber zu ver­kau­fen, um über die Run­den zu kom­men. Nach sei­nem Tod über­nahm sein jün­ge­rer Bru­der Cle­mens Au­gust von Plet­ten­berg die Ver­wal­tung der Gü­ter für den noch min­der­jäh­ri­gen Nef­fen, aber er starb schon 1771 – wie auch sein äl­te­rer Bru­der – an der Schwind­sucht. Bis 1769 war die Ge­samt­schuld der Fa­mi­lie auf 603.475 Ta­ler an­ge­stie­gen. Be­reits seit 1764 stand der Nord­kir­che­ner Fi­dei­kom­miss un­ter lan­des­herr­li­cher Ad­mi­nis­tra­ti­on. Mit Franz Jo­seph An­tons Sohn Ma­xi­mi­li­an Fried­rich starb die Fa­mi­lie von Plet­ten­berg am 2. Sep­tem­ber 1813 im Man­nes­stamm aus. Er hat­te es ge­nau­so we­nig ver­stan­den, gut zu wirt­schaf­ten, wie sei­ne Vor­gän­ger und weit über sei­ne Ver­hält­nis­se ge­lebt. Die Fol­gen wa­ren eine im­mer hö­he­re Ver­schul­dung, und eine Ver­nach­läs­si­gung des Nord­kir­che­ner Schlos­ses, weil das Geld für ei­nen an­ge­mes­se­nen Un­ter­halt fehl­te.

Eigentum der Familie Esterházy de Galántha (1833 bis 1903)

Schloss um 1880

Schloss um 1880

Ma­xi­mi­li­an Fried­richs Al­lein­er­bin war sei­ne ein­zi­ge Toch­ter Ma­ria, die zu je­nem Zeit­punkt erst vier Jah­re alt war. Sie wuchs un­ter Vor­mund­schaft ei­nes ent­fern­ten Ver­wand­ten, des Frei­herrn Ma­xi­mi­li­an Fried­rich von Ket­te­ler, auf. Ihm ge­lang es, die Fi­nan­zen des Schlos­ses Nord­kir­chen zu sa­nie­ren, in­dem er alle Be­sit­zun­gen au­ßer­halb des Müns­ter­lan­des und di­ver­se Stü­cke des Schloss­in­ven­tars ver­kauf­te. Mit ih­rer Voll­jäh­rig­keit im Jahr 1833 über­nahm die Er­bin so­mit ein kon­so­li­dier­tes An­we­sen, das sie am 16. Fe­bru­ar 1833 in ihre Ehe mit dem Gra­fen Ni­ko­laus Franz von Es­ter­házy de Galán­tha brach­te. Das Paar wähl­te Nord­kir­chen ne­ben Wien und der Burg Forch­ten­stein zu ei­ner sei­ner Haupt­re­si­den­zen und be­auf­trag­te den Düs­sel­dor­fer Gar­ten­bau­di­rek­tor Ma­xi­mi­li­an Fried­rich Wey­he mit der Um­ge­stal­tung der Schloss­in­sel und des Nord­gar­tens zu ei­nem in je­ner Zeit be­lieb­ten Land­schafts­gar­ten im eng­li­schen Stil. Wey­he kre­ierte eine Gar­ten­in­sel mit ge­schwun­ge­nen Ufer­li­ni­en und zwei bir­nen­för­mi­gen Bin­nen­tei­chen. Ge­schlän­gel­te Wege führ­ten an Baum­grup­pen und So­li­tär­pflan­zun­gen vor­bei. Bei den Ar­bei­ten zwi­schen 1834 und 1840 ver­schwand der alte von Jo­hann Con­rad Schlaun ent­wor­fe­ne Gar­ten kom­plett. Erst­mals wur­de die­ser Be­reich di­rekt mit dem Schloss­ge­bäu­de ver­bun­den. Dazu wur­de an der Nord­sei­te des Corps de Lo­gis ei­gens ein klei­ner Land­strei­fen ge­schaf­fen, von dem eine guss­ei­ser­ne Brü­cke ab Ja­nu­ar 1834 zum neu ge­stal­te­ten Gar­ten­be­reich führ­te. Bis 1849 wur­de spo­ra­disch wei­ter am Gar­ten ge­ar­bei­tet. So wur­den auch die bei­den klei­nen Ka­bi­nett­gär­ten west­lich und öst­lich des Corps de Lo­gis land­schaft­lich um­ge­stal­tet, die Oran­ge­rie re­pa­riert und ein neu­es Ana­nas-Haus ge­baut. Der West­gar­ten blieb im Gro­ßen und Gan­zen un­ver­än­dert. Ma­ria und ihr Mann lie­ßen auch im Schlos­sin­ne­ren Ver­än­de­run­gen vor­neh­men. In der Zeit von 1848 bis 1850 sorg­ten sie für eine Neu­aus­stat­tung der Bi­blio­thek und rich­te­ten um 1850 im West­teil des Corps de Lo­gis ne­ben der obe­ren Hal­le ei­nen Rit­ter­saal ein. Im Erd­ge­schoss muss­te die Ré­gence-Tä­fe­lung des Spei­se­zim­mers we­gen Wurm­be­falls 1850/51 ver­än­dert wer­den. De­ren weiß-gol­de­ne Pa­nee­le aus Ei­chen­holz wur­den da­bei ab­ge­laugt und holz­sich­tig ge­macht, was dem da­ma­li­gen Zeit­geist der Ro­man­tik ent­sprach. Ma­ri­as Sohn Ni­ko­laus Jo­sef von Es­ter­házy de Galán­tha rich­te­te 1868 auf der Schloss­in­sel mit 15 an­de­ren ad­li­gen Voll­blut­züch­tern das „Ers­te West­fä­li­sche Voll­blut­ge­stüt“ zur Zucht von Renn­pfer­den ein. Ende des 19. Jahr­hun­derts ließ er den so­ge­nann­ten Renn­platz süd­lich des West­gar­tens an­le­gen. Zu­letzt führ­te er das Ge­stüt, das für ei­ni­ge Jah­re der größ­te Renn­stall in West­deutsch­land war, al­lei­ne. Als er 1897 un­ver­mählt starb, fiel das Schloss Nord­kir­chen an sei­ne un­ga­ri­schen Ver­wand­ten, die je­doch kein In­ter­es­se an der An­la­ge hat­ten.

Eigentum der Herzöge von Arenberg (1903 bis 1958)

Schloss Nordkirchen vor 1913, Ansicht von Süden

Schloss Nord­kir­chen vor 1913, An­sicht von Sü­den

Sechs Jah­re nach dem Tod des letz­ten Nord­kir­che­ner Schloss­herrn aus der Fa­mi­lie Es­ter­házy ver­kauf­ten sei­ne Er­ben den Gü­ter­kom­plex samt Schloss­in­ven­tar am 1. Ok­to­ber 1903 für sechs Mil­lio­nen Gold­mark an den Her­zog En­gel­bert-Ma­ria von Aren­berg. Sei­ne Fa­mi­lie war durch den Koh­le­berg­bau im Ruhr­ge­biet zu au­ßer­or­dent­li­chem Reich­tum ge­kom­men. 1913 galt er als „der mit Ab­stand reichs­te Grund­be­sit­zer West­fa­lens“.

Für 200.000 Mark ließ er bis Mai 1906 die über­fäl­li­ge In­stand­set­zung von Dä­chern und Ka­mi­nen so­wie eine Mo­der­ni­sie­rung der Wohn­räu­me vor­neh­men. Schloss Nord­kir­chen er­hielt eine Zen­tral­hei­zung, eine elek­tri­sche Licht- und Klin­gel­an­la­ge so­wie eine neue Was­ser­ver­sor­gung und ei­nen Te­le­fon­an­schluss. Die klei­ne Kam­mer­ka­pel­le wur­de zum Ba­de­zim­mer der Her­zo­gin um­ge­wid­met und bis 1970 als sol­ches be­nutzt. Auch der Ka­pel­len­flü­gel des Haupt­schlos­ses soll­te – mit Aus­nah­me der Ka­pel­le selbst – um­ge­baut und im Ober­ge­schoss eine Bi­blio­thek ein­ge­rich­tet wer­den. Von den Plä­nen wur­den je­doch nur für das Trep­pen­haus rea­li­siert.

Die Um­bau­ten ge­scha­hen nach Plä­nen des fran­zö­si­schen Ar­chi­tek­ten René Ser­gent, die un­ter an­de­rem den Ab­riss der Wirt­schafts­ge­bäu­de und Wacht­häus­chen vor­sa­hen, um Platz für eine mo­nu­men­ta­le, die Schloss­in­sel um­rah­men­de Ga­le­rie zu schaf­fen. Die be­stehen­den Ge­bäu­de soll­ten nach Ser­gents Plä­nen neu um­man­telt wer­den. Die­se ka­men je­doch nicht oder nur ru­di­men­tär zur Aus­füh­rung, die Wacht­häus­chen wur­den aber wie vor­ge­se­hen 1910 ab­ge­ris­sen.

Ab Ende 1906 schmie­de­te der neue Schloss­herr Plä­ne zur Reba­ro­cki­sie­rung der Schloss­gär­ten. Die Ent­wür­fe dazu lie­fer­te der Pa­ri­ser Gar­ten­ar­chi­tekt Achil­le Duchê­ne. Er war zu je­ner Zeit in­ter­na­tio­nal füh­rend in der Ge­stal­tung neo­ba­ro­cker fran­zö­si­scher Gär­ten. Die Neu­ge­stal­tung um­fass­te die Ab­hol­zung der Bäu­me auf den um­ge­ben­den Däm­men und auf der Vor­werk­in­sel, um die Schloss­ge­bäu­de wie­der frei­zu­stel­len. Haupt­au­gen­merk lag je­doch auf der kom­plet­ten Ver­än­de­rung des Nord­gar­tens zu ei­ner recht­ecki­gen In­sel mit Ra­sen- und Bro­de­rie­par­terres. Die von Wey­he ge­pflanz­ten Bäu­me wur­den alle ge­ro­det und die Bin­nen­tei­che be­sei­tigt; der Gar­ten wur­de ein­ge­eb­net.

Duchê­nes Gar­ten ori­en­tier­te sich je­doch nicht am ba­ro­cken Schlaun-Ent­wurf, son­dern hat­te eine voll­kom­men ei­gen­stän­di­ge Form. Aus dem schma­len Land­strei­fen nörd­lich des Schloss­ge­bäu­des wur­de 1908/1909 eine Ter­ras­se, von der eine neue 40 Me­ter lan­ge Trep­pen­an­la­ge als Er­satz für die ei­ser­ne Wey­he-Brü­cke di­rekt zum neu­en Gar­ten­par­terre führ­te. Der Schloss­teich nörd­lich der neu­en Gar­ten­in­sel er­hielt als neue Be­gren­zun­gen an der Nord- und Süd­sei­te gro­ße Frei­trep­pen­an­la­gen mit plas­ti­schem Schmuck. Am Rand der nörd­li­chen Mar­mor­trep­pe soll­ten Skulp­tu­ren lie­gen­der Fi­gu­ren auf­ge­stellt wer­den, wel­che die vier Flüs­se Rhein, Ti­ber, Nil und Eu­phrat dar­stel­len soll­ten, je­doch sind nur der Rhein und der Ti­ber tat­säch­lich ver­wirk­licht wor­den. Die Fi­gu­ren wa­ren nur ei­ni­ge von sehr vie­len, mit de­nen der Her­zog von Aren­berg den bis 1911 weit­ge­hend fer­tig­ge­stell­ten In­sel­be­reich des Nord­gar­tens aus­stat­ten ließ. Teil­wei­se han­del­te es sich da­bei auch um Ko­pi­en äl­te­rer Sta­tu­en aus dem 18. Jahr­hun­dert.

Achil­le Duchê­ne lie­fer­te auch zwei Ent­wür­fe für die Er­neue­rung des ba­ro­cken West­gar­tens, von de­nen bis 1914 je­doch nur ein­zel­ne Tei­le aus­ge­führt wur­den und so­mit der west­li­che Gar­ten le­dig­lich in gro­ben Zü­gen wie­der­her­ge­stellt wur­de. Nicht rea­li­siert wur­de zum Bei­spiel ein auf­wän­di­ges Bro­de­rie­par­terre vor der Ora­ni­en­burg, das je­doch auf ei­ner Vo­gel­schau­dar­stel­lung aus Mar­cel Fou­quiers Pu­bli­ka­ti­on De l’Art des jard­ins du XVe au XXe siè­cle aus dem Jahr 1911 dar­ge­stellt ist. Öst­lich der Schloss­in­sel ent­stand ab 1907, eben­falls nach Ent­wür­fen Duchê­nes, ein neu­er Ost­gar­ten. Da­für wur­de die Stra­ße von Nord- nach Süd­kir­chen, die bis zu je­nem Zeit­punkt di­rekt ne­ben der Schloss­gräf­te ver­lief, um 100 Me­ter in Rich­tung Os­ten ver­legt und als Ei­chen­al­lee neu an­ge­legt. An­schlie­ßend wur­de auf den dor­ti­gen Acker­flä­chen ein Bos­kett­wald mit ei­nem 180 × 50 Me­ter gro­ßen Spie­gel­wei­her, dem so­ge­nann­ten Schwa­nen­teich, an­ge­legt. Die­ser war von Ame­ri­ka­ni­schen Lin­den und Skulp­tu­ren nach ost­asia­ti­scher Ma­nier um­ge­ben. Ende 1910 wa­ren die Ar­bei­ten ab­ge­schlos­sen und schlu­gen mit ins­ge­samt 498.000 Mark zu Bu­che.

Die Ora­ni­en­burg nach Bau des ers­ten Sei­ten­flü­gels, 1912

Vie­le der Än­de­run­gen auf dem Schloss­are­al soll­ten 1911 zu ei­ner vom ex­klu­si­ven Au­to­mo­bil­club Deutsch­land or­ga­ni­sier­ten Au­to­mo­bil-Lang­stre­cken-Ral­lye ab­ge­schlos­sen sein, denn die­se mach­te un­ter an­de­rem auch auf Schloss Nord­kir­chen Sta­ti­on. Weil die Ver­an­stal­tung un­ter der Schirm­herr­schaft des Prin­zen Hein­rich von Preu­ßen stand, ging sie als Prinz-Hein­rich-Fahrt in die Ge­schich­te ein.

Doch auch nach die­sem Groß­ereig­nis er­fuhr das Schloss noch wei­te­re, tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen, denn Kai­ser Wil­helm II. hat­te an­ge­kün­digt, wäh­rend der gro­ßen Kai­ser­ma­nö­ver im Müns­ter­land An­fang Sep­tem­ber 1914 sein Haupt­quar­tier im Schloss auf­schla­gen zu wol­len. Der Her­zog be­fürch­te­te Platz­pro­ble­me bei der Be­her­ber­gung der kai­ser­li­chen En­tou­ra­ge, und so ließ er 1913/1914 die bis­her frei­ste­hen­den Sei­ten­flü­gel des Schlos­ses durch Pa­vil­lon­bau­ten im Stil des Neo­ba­rocks mit dem Corps de Lo­gis ver­bin­den, um zu­sätz­li­chen Wohn­raum zu schaf­fen. Die Plä­ne dazu lie­fer­te der Di­rek­tor des Bau­amts des West­fä­li­schen Bau­ver­eins, Al­bert Jo­sef Löf­ken. Das Schloss wur­de mit die­ser Er­wei­te­rung sei­nem Vor­bild, dem Schloss Ver­sailles, noch ein we­nig ähn­li­cher, und erst seit der Aren­ber­ger Zeit ist für die Nord­kir­che­ner Schloss­an­la­ge der Bei­na­me „West­fä­li­sches Ver­sailles“ nach­weis­bar.

Zur glei­chen Zeit er­fuh­ren auch die Wirt­schafts­ge­bäu­de im Vor­burg­be­reich eine um­fas­sen­de Ver­än­de­rung. Um für den Kai­ser­be­such hel­le Vor­ge­bäu­de für Emp­fän­ge und zur Un­ter­brin­gung von Au­to­mo­bi­len zu ha­ben, ließ der Her­zog die da­ma­li­gen Bau­ten fast voll­stän­dig nie­der­rei­ßen und Neu­bau­ten mit Man­sard­dä­chern er­rich­ten. Le­dig­lich im öst­li­chen Ge­bäu­de ist et­was von der al­ten Bau­sub­stanz er­hal­ten ge­blie­ben. Vor dem Neu­bau dien­te es als Vieh­stall, da­nach be­fan­den sich Au­to­ga­ra­gen dar­in. Der neue West­bau be­her­berg­te nun eine gro­ße Hal­le als Fest­raum.

Auch die Ora­ni­en­burg wur­de ei­nem Um­bau un­ter­zo­gen. In der Zeit von 1911 bis 1913 er­hielt sie nach Plä­nen des Ar­chi­tek­ten Fer­di­nand Kort­mann zwei Sei­ten­flü­gel. So wur­de Platz für die Er­wei­te­rung der Pfer­de­zucht und zur Un­ter­brin­gung von Be­diens­te­ten ge­schaf­fen. Der Mit­tel­saal im Erd­ge­schoss dien­te fort­an als her­zog­li­cher Mar­stall. Wei­te­re Um­bau­ten, die der Schloss­herr in Vor­be­rei­tung auf den kai­ser­li­chen Auf­ent­halt ver­an­lass­te, wa­ren der Neu­bau der Ge­bäu­de auf der Vor­werk­in­sel so­wie die voll­stän­di­ge Über­ar­bei­tung des Ca­pel­ler Tors. Doch der ge­plan­te Be­such Wil­helms II. wur­de durch den Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs ver­ei­telt, und alle Bau­ar­bei­ten ka­men zum Er­lie­gen.

Reba­ro­cki­sier­ter Nord­gar­ten, 1911

Nach Kriegs­en­de gab die Fa­mi­lie von Aren­berg Schloss Nord­kir­chen als Wohn­sitz auf und zog sich auf ihre bel­gi­schen Be­sit­zun­gen zu­rück. Wert­vol­le Ta­pis­se­ri­en aus dem gro­ßen Fest­saal wa­ren schon 1914 nach Brüs­sel ge­bracht wor­den, im April 1919 wur­den nun auch die kost­bars­ten Stü­cke des Schloss­in­ven­tars weg­ge­schafft. Nach­dem die An­la­ge im Mai 1920 kurz­zei­tig von Kom­mu­nis­ten be­setzt ge­we­sen war, wur­de das Schloss Ende 1920 ge­räumt und al­les von Wert im Ost­flü­gel ver­sam­melt. Dort wohn­te, zu­min­dest zeit­wei­se, der Sohn des Schloss­herrn, En­gel­bert Karl von Aren­berg, der mit der Ge­schäfts­füh­rung des deut­schen Fa­mi­li­en­be­sit­zes be­auf­tragt war. Ent­spre­chend wird der öst­li­che Pa­vil­lon heu­te Erb­prin­zen­flü­gel ge­nannt.

1921 mie­te­te die Reichs­post das Schloss­ge­bäu­de, um dort ab 1922 ein Er­ho­lungs­heim zu be­trei­ben. Die eins­ti­ge Fa­sa­ne­rie dien­te bis 1924 noch als Land­ar­bei­ter­un­ter­kunft, war aber 1926 schon rui­nös, so­dass sie 1935 schließ­lich ab­ge­ris­sen wur­de. Die Park­an­la­gen wur­den seit den 1920er Jah­ren nur noch für die ab 1923 in der Ora­ni­en­burg be­trie­be­ne Zucht von Wild­po­nys und Tra­ber­pfer­den oder land­wirt­schaft­lich ge­nutzt. Die Par­terre­flä­chen des West­gar­tens dien­ten nun als Heu­wie­sen, die Bos­ket­te wur­den forst­wirt­schaft­lich ge­nutzt. Die feh­len­de gärt­ne­ri­sche Un­ter­hal­tung der Gar­ten­flä­chen zog ei­nen all­mäh­li­chen Ver­fall der Park­an­la­gen nach sich.

Zu Be­ginn der 1930er Jah­re wur­de das Pos­ter­ho­lungs­heim auf­grund man­geln­der Nach­fra­ge ge­schlos­sen. We­gen der nied­ri­gen Aus­las­tung der Ein­rich­tung hat­te es an Geld ge­fehlt, die Schloss­ge­bäu­de an­ge­mes­sen zu un­ter­hal­ten. Ent­spre­chend be­stand im Juni 1933 ein In­stand­set­zungs­be­darf in Höhe von 40.000 Reichs­mark (ca. 171.000 Euro).

Der Reichs­post folg­te die NSDAP als Nach­mie­te­rin. Sie rich­te­te 1933 im Schloss eine Gau­füh­rer­schu­le für den Gau West­fa­len-Nord ein, die in Pacht auch die Gär­ten so­wie die Land­wirt­schaft der An­la­ge über­nahm. In An­we­sen­heit von Gau­lei­ter Wal­ter Mey­er und Ober­prä­si­dent Fer­di­nand von Lü­n­inck fei­er­te die Schu­le am 18. Sep­tem­ber 1933 Er­öff­nung. Doch Mie­te und Pacht wur­den nur schlep­pend und un­voll­stän­dig ge­zahlt, so­dass die nö­ti­gen Un­ter­halts­ar­bei­ten wie­der nicht vor­ge­nom­men wer­den konn­ten. Es kam zur Auf­lö­sung des Miet­ver­trags am 1. März 1940. Ab je­nem Jahr be­fand sich ein Kriegs­ge­fan­ge­nen­la­ger im Schloss­park.

Der Zwei­te Welt­krieg hat­te kaum Aus­wir­kun­gen auf das Schloss, le­dig­lich das Dach des nord­öst­li­chen Eck­pa­vil­lons wur­de bei ei­nem Brand­bom­ben­tref­fer zer­stört. 1945 von ver­schie­de­nen Mu­se­en zum Teil als Kunst­de­pot ge­nutzt, blieb das Schloss nach Kriegs­en­de vor Plün­de­run­gen ver­schont, weil es als „bel­gi­scher Be­sitz“ an­ge­se­hen wur­de.

Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen und Nutzung als Fachhochschule

Nach dem Tod sei­nes Va­ters wur­de En­gel­bert Karl von Aren­berg 1949 neu­er Herr auf Nord­kir­chen. Er ver­mie­te­te das Schloss im sel­ben Jahr an das Land Nord­rhein-West­fa­len, das dort sei­ne Lan­des­fi­nanz­schu­le ein­rich­te­te. Der Schul­be­trieb star­te­te im Mai 1950. Die Mie­te be­trug eine sym­bo­li­sche Mark im Jahr. Im Ge­gen­zug ver­pflich­te­te sich das Land, für den bau­li­chen Un­ter­halt des Schloss­ge­bäu­des zu sor­gen. Die­ses war zu je­ner Zeit in ei­nem de­so­la­ten Zu­stand. Tei­le wa­ren so stark ein­sturz­ge­fähr­det, dass die Feu­er­wehr die An­wei­sung hat­te, das Ge­bäu­de bei ei­nem Brand nicht zu be­tre­ten. Trotz­dem konn­te ein Feu­er, das am 3. Fe­bru­ar 1953 im Ka­pel­len­flü­gel aus­brach, rasch ge­löscht wer­den. Der Trakt wur­de 1957 mit Aus­nah­me der Schloss­ka­pel­le in­nen voll­stän­dig um­ge­baut und be­her­bergt heu­te eine gro­ße, mo­der­ne Bi­blio­thek mit Le­se­saal. Die Schü­ler­zah­len stie­gen so schnell an, dass nach und nach wei­te­re Ge­bäu­de der An­la­ge an­ge­mie­tet wur­den. Im April 1958 er­warb das Land die Schloss­in­sel samt den dort be­find­li­chen Ge­bäu­den so­wie den öst­li­chen Teil des Parks für 3,5 Mil­lio­nen Mark (ca. 8.100.000 Euro). Der west­li­che Teil des Schloss­are­als blieb je­doch beim Haus Aren­berg.

Es be­gan­nen lang­jäh­ri­ge In­stand­set­zungs- und Re­stau­rie­rungs­maß­nah­men am Schloss, für de­ren drit­ten Ab­schnitt al­lein Nord­rhein-West­fa­len 1,3 Mil­lio­nen Mark (ca. 3.000.000 Euro) zur Ver­fü­gung stell­te. Zu den Ar­bei­ten zähl­ten die ru­di­men­tä­re Wie­der­her­stel­lung des Duchê­ne-Gar­tens nörd­lich des Haupt­ge­bäu­des so­wie die Neu­pflas­te­rung des Eh­ren­hofs samt der Re­kon­struk­ti­on sei­nes ba­ro­cken Par­terre­beets. Die Vor­burg­ge­bäu­de wur­den zu Lehr­räu­men um­ge­baut so­wie die Bau­ten auf der Vor­werk­in­sel ab­ge­bro­chen und in Zie­gel­bau­wei­se wie­der­errich­tet, um an­schlie­ßend zur Un­ter­brin­gung von Lehr­gangs­teil­neh­mern zu die­nen. Ab 1970 fand die In­stand­set­zung des Erd­ge­schos­ses im Ost­flü­gel statt, und die we­gen Bau­fäl­lig­keit ge­sperr­te West­brü­cke wur­de re­kon­stru­iert. Sie er­hielt 1971 auf der Ost­sei­te ein Pen­dant, das die Schloss­in­sel mit der von Früh­jahr 1969 bis Ok­to­ber 1971 im eins­ti­gen Ost­gar­ten neu er­rich­te­ten Men­sa so­wie Schwimm- und Sport­hal­le ver­band. Für die­se Neu­bau­ten war trotz Pro­tes­ten der Denk­mal­pfle­ger der Schwa­nen­teich ent­fernt wor­den.

Der­weil reich­ten die Un­ter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten in den be­stehen­den Ge­bäu­den zu Be­ginn der 1970er Jah­re nicht mehr aus, um der wach­sen­den Schü­ler­zahl ge­recht zu wer­den, und so er­rich­te­te das Land bis 1974 in dem nord­west­lich des Schlos­ses lie­gen­den Wald­stück „Sun­dern“ ei­nen neu­en, mo­der­nen Ge­bäu­de­kom­plex mit gro­ßem Park­platz als Wohn- und Lehr­saal­zen­trum für Do­zen­ten und Stu­den­ten. Im Au­gust 1973 kauf­te das Land Nord­rhein-West­fa­len auch den etwa 10 Hekt­ar gro­ßen West­gar­ten samt der Ora­ni­en­burg, die an­schlie­ßend bis 1978 ei­ner um­fas­sen­den Re­stau­rie­rung un­ter­zo­gen wur­de. Ihr gro­ßer Saal dient seit­her als Fest- und Ta­gungs­raum so­wie als Kon­zert­saal. Dort fin­den heu­te un­ter an­de­rem die Nord­kir­che­ner Schloss­kon­zer­te statt. Die üb­ri­gen Räu­me wer­den seit 1977 von der Ver­wal­tung der Fach­hoch­schu­le für Fi­nan­zen ge­nutzt.

Von 1973 bis 1974 wur­de die Schloss­ka­pel­le re­stau­riert, ehe sich ab 1975 Re­stau­rie­rungs- und Re­kon­struk­ti­ons­ar­bei­ten in den Re­prä­sen­ta­ti­ons­räu­men des Corps de Lo­gis an­schlos­sen. Da­bei wur­den 1910/1913 ent­fern­te Trenn­wän­de wie­der ein­ge­zo­gen und die En­fi­la­de der Ap­par­te­ments wie­der­her­ge­stellt. Ende der 1970er Jah­re droh­te die von Jo­hann Con­rad Schlaun er­rich­te­te Oran­ge­rie ein­zu­stür­zen. Um sie vor dem end­gül­ti­gen Ruin zu ret­ten, wur­de sie ab 1986 von Grund auf sa­niert und in den 1980er Jah­ren zu­sam­men mit dem Are­al des eins­ti­gen Oran­ge­rie­gar­tens süd­lich da­von an pri­va­te In­ves­to­ren ver­kauft. Sie wird heu­te als Wohn- und Aus­stel­lungs­raum ge­nutzt. Die Räum­lich­kei­ten in ih­rem Ge­wöl­be­kel­ler kön­nen für Fei­er­lich­kei­ten ge­mie­tet wer­den.

1989 be­gann die Wie­der­her­stel­lung der Ve­nus­in­sel im Nord­gar­ten ge­mäß ei­nem im Jahr 1981 er­ar­bei­te­ten Park­pfle­ge­werk. Für die Re­kon­struk­ti­on wur­de auf Ori­gi­nal­ent­wür­fe Achil­le Duchê­nes und alte Luft­bil­der zu­rück­ge­grif­fen. Die Ar­bei­ten dazu dau­er­ten bis 1991 und ver­ur­sach­ten Kos­ten in Höhe von rund ei­ner Mil­li­on Mark (ca. 800.000 Euro), von de­nen 210.000 Mark (ca. 175.000 Euro) der Kul­tur­fonds der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft über­nahm. Zu­letzt kauf­te Nord­rhein-West­fa­len im Jahr 2004 auch das süd­lich an den West­gar­ten gren­zen­de Wald­ge­biet Tier­gar­ten mit zu­sam­men über 1000 Hekt­ar Forst­flä­chen. Ins­ge­samt be­fin­den sich nun­mehr gut 70 Hekt­ar Schloss­park in Lan­des­ei­gen­tum.

2008 dien­te das Schloss als Ku­lis­se für den Fern­seh­film Krupp – Eine deut­sche Fa­mi­lie, da man für die Auf­nah­men am Stamm­sitz der Fa­mi­lie Krupp, der Vil­la Hü­gel in Es­sen, kei­ne Dreh­ge­neh­mi­gung be­kom­men hat­te.

Beschreibung

Lageplan Schloss Nordkirchen Urheber: Wikipedia/Devilm25

La­ge­plan Schloss Nord­kir­chen Ur­he­ber: Wikipedia/Devilm25

Das Schloss liegt in­mit­ten ei­nes gro­ßen Wald- und Park­ge­län­des an der Stra­ße von Nord- nach Süd­kir­chen. Das Schloss selbst steht auf ei­ner recht­ecki­gen, 130 × 145 Me­ter mes­sen­den In­sel und ist von ei­ner brei­ten, durch ei­nen na­tür­li­chen Quell­ho­ri­zont ge­speis­ten Gräf­te um­ge­ben. Die­se wird von ei­nem be­geh­ba­ren Damm be­grenzt, um den ein wei­te­rer Gra­ben ver­läuft. Das Schloss ist so­mit von zwei Was­ser­grä­ben um­ringt. Die Ecken der In­sel wer­den wie in Ahaus durch vier klei­ne, acht­ecki­ge Pa­vil­lons be­tont, de­ren Be­krö­nung aus Schmie­de­werk be­steht. Ei­ner von ih­nen wird als De­pen­dance des Nord­kir­che­ner Stan­des­am­tes für Hoch­zei­ten ge­nutzt.

Aus Rich­tung Sü­den führt – an der Müns­ter­stra­ße be­gin­nend – eine ge­ra­de, über 1200 Me­ter lan­ge Al­lee auf das Schloss zu, über­quert die Vor­werk­in­sel mit zwei weit aus­ein­an­der lie­gen­den, ha­ken­för­mi­gen Wirt­schafts­ge­bäu­den, um dann nach zwei Brü­cken auf der Schloss­in­sel zu en­den. Die durch sie be­gon­ne­ne rund 2,2 Ki­lo­me­ter lan­ge Mit­tel­ach­se des Schlos­ses ver­läuft durch den Mit­tel­ri­sa­lit des Corps de Lo­gis, um vom Haupt­ge­bäu­de über die Gar­ten­in­sel in ei­ner wei­te­ren Al­lee zu mün­den, die als Blick­ach­se die Sicht schein­bar ins Un­end­li­che fort­führt und im Ort Nord­kir­chen en­det.

Schlossgebäude

Architektur

Auf­grund sei­ner Pracht und Grö­ße so­wie der Auf­tei­lung der Ge­bäu­de und ih­rer Zu­ord­nung zu­ein­an­der führt Schloss Nord­kir­chen den Bei­na­men „West­fä­li­sches Ver­sailles“. Die Ar­chi­tek­tur des Schlos­ses ori­en­tiert sich aber nicht aus­schließ­lich an fran­zö­si­schen Vor­bil­dern, es fin­den sich auch An­klän­ge an den Klas­si­zis­mus nie­der­län­di­scher Was­ser­schlös­ser. Die­se bei­den Tra­di­tio­nen wur­den in Nord­kir­chen mit ty­pisch west­fä­li­schen Merk­ma­len kom­bi­niert; so ka­men bei den Ge­bäu­den ro­ter Back­stein, hel­ler Sand­stein aus den Baum­ber­gen und aus Ib­ben­bü­ren so­wie sauer­län­di­scher Schie­fer als Bau­ma­te­ri­al zum Ein­satz.

Der Zu­gang zum Schloss er­folgt aus süd­li­cher Rich­tung über zwei hin­ter­ein­an­der lie­gen­de Brü­cken. Die Zu­fahrt läuft da­bei axi­al auf den Mit­tel­bau des Schlos­ses zu. Der Be­su­cher durch­quert da­bei drei Tore: das Süd­tor, das Lö­wen­tor und das Frau­en­tor. Das Lö­wen­tor ge­währt Zu­gang zum Vor­burg­be­reich der Schloss­in­sel und war vor den Um­bau­ten des 20. Jahr­hun­derts an bei­den Sei­ten von Wacht­häus­chen flan­kiert. Sei­ne Tor­pfei­ler tos­ka­ni­scher Ord­nung be­sit­zen kan­ne­lier­te Zwil­lings­pi­las­ter. Auf den Pfei­lern ste­hen Lö­wen­skulp­tu­ren, wel­che die Wap­pen der Fa­mi­li­en Plet­ten­berg und Wes­ter­holt-Lem­beck hal­ten und 1717 vom Bild­hau­er Ru­dolf Sten­gel­berg an­ge­fer­tigt wur­den. Die heu­ti­gen, ein­ge­schos­si­gen Öko­no­mie­ge­bäu­de mit Man­sard­dä­chern ent­stan­den in den 1910er Jah­ren im neo­ba­ro­cken Stil und er­setz­ten zwei­flü­ge­li­ge Vor­gän­ger­bau­ten mit Krüp­pel­walm­dach.

Eine nied­ri­ge, nach Sü­den aus­schwin­gen­de Mau­er trennt die ehe­ma­li­ge Vor­burg vom Kern­burg­be­reich. In ih­rer Mit­te be­fin­det sich das Frau­en­tor, des­sen tos­ka­ni­sche Tor­pfei­ler Zwil­lings­säu­len be­sit­zen. Sie wer­den von Seg­men­ten be­krönt, auf de­nen weib­li­che Fi­gu­ren mit den Fa­mi­li­en­wap­pen Plet­ten­berg und Wes­ter­holt lie­gen. Sie wur­den 1718 eben­falls von Ru­dolf Sten­gel­berg ge­schaf­fen. Die Pfei­ler wer­den von zwei ste­hen­den Frau­en­skulp­tu­ren flan­kiert, wel­che die Tu­gend und die Ehre per­so­ni­fi­zie­ren. Es han­delt sich um 1914/1915 an­ge­fer­tig­te Ko­pi­en von Fi­gu­ren, die ur­sprüng­lich Jo­hann Wil­helm Grö­nin­ger ge­schaf­fen hat­te. Vom ehe­ma­li­gen Kern­burg­be­reich füh­ren Brü­cken im Wes­ten, Nor­den und Os­ten in den um­lie­gen­den Schloss­park. An der west­li­chen Brü­cke be­fin­det sich das Marstor. In den Ni­schen sei­ner rus­ti­zier­ten, mit Fest­ons ge­schmück­ten Tor­pfei­ler ste­hen von Sten­gel­berg ge­lie­fer­te Mars- und Ares­sta­tu­en. Be­krönt sind sie von Skulp­tu­ren­schmuck aus Hel­men, Rüs­tun­gen und Kriegs­ge­rät.

Der Mit­tel­punkt der Schloss­an­la­ge ist das Haupt­ge­bäu­de, be­stehend aus ei­nem zwei­ge­schos­si­gen Corps de Lo­gis mit Eck­pa­vil­lons und et­was nied­ri­ge­ren, win­kel­för­mi­gen Sei­ten­flü­geln. Die­se wa­ren frü­her frei­ste­hend und sind seit der Aren­ber­ger Zeit durch qua­dra­ti­sche Pa­vil­lon­bau­ten, den so­ge­nann­ten Erb­prin­zen­flü­gel und dem Ver­wal­tungs­flü­gel, mit dem Corps de Lo­gis ver­bun­den. Die Ge­bäu­de­trak­te sind alle mit Man­sard­dä­chern aus­ge­stat­tet, sit­zen di­rekt auf den Fut­ter­mau­ern des Schloss­gräf­te auf und um­rah­men in U-Form ei­nen Eh­ren­hof. Die bei­den Sei­ten­flü­gel, Die­ner­schafts- und Ka­pel­len­flü­gel ge­nannt, be­sit­zen rus­ti­zier­te Zie­gel­pi­las­ter und dop­pelt ge­schwun­ge­ne Gie­be­lauf­sät­ze mit Zie­gel-Werk­stein-Glie­de­rung. Ihre Ge­stal­tung folgt fran­zö­si­schen Vor­bil­dern und be­fin­det sich in ähn­li­cher Form am Her­zogs­pa­last von Di­jon. Am Ka­pel­len­flü­gel wird die an­sons­ten per­fek­te Sym­me­trie der An­la­ge nicht voll­stän­dig ein­ge­hal­ten; Im Ge­gen­satz zu sei­nem Pen­dant, dem Die­ner­schafts­flü­gel, be­sitzt er ei­nen Dach­rei­ter mit Glo­cke. Das Por­tal zur Schloss­ka­pel­le ist von Pi­las­tern flan­kiert. Über sei­nem Ge­sims hängt eine Stein­ta­fel mit der In­schrift

FRIDERICUS CHRISTIANUS
D. G. EPISC. et PRINC. MONAST.
BURG. STROMB. et DNUS in BORCKELO
L.B.a. PLETTENBERG ex LENHAUSEN et
DNUS in NORTKIRCHEN FUNDAVIT AO 1705.

und er­in­nert da­mit an die Grund­stein­le­gung die­ses Trakts. An den Sei­ten der Ta­fel stel­len zwei Fi­gu­ren den Evan­ge­lis­tenen Jo­han­nes und den hei­li­gen An­to­ni­us von Pa­dua dar. Am Die­ner­schafts­flü­gel be­fin­det sich eine für Mit­tel­eu­ro­pa ein­zig­ar­ti­ge Son­nen­uhr. Sie zeigt nicht wie sonst üb­lich die di­rek­te Zeit an, son­dern die An­zahl der hal­ben Stun­den nach Son­nen­auf­gang zur Zeit der Tag­und­nacht­glei­che am 21. März und 23. Sep­tem­ber um sechs Uhr. Eine Acht be­deu­tet dort 10 Uhr (6 + 8 x 0,5).

Zwei Sphin­gen säu­men die halb­run­de Frei­trep­pe, die zum rund­bo­gi­gen Haupt­por­tal des Corps de Lo­gis in des­sen drei­ach­si­gem Mit­tel­ri­sa­lit führt. Dort tra­gen io­ni­sche Ko­los­sal­pi­las­ter ei­nen Ar­chi­trav, der eben­so wie die Fens­ter­rah­men aus Sand­stein be­steht. Dar­über be­fin­det sich ein li­se­n­en­ge­schmück­tes At­tika­ge­schoss mit fla­chem Drei­ecks­gie­bel. Des­sen Gie­bel­feld zeigt zwei Lö­wen, die das von Ak­an­thusor­na­men­ten um­ge­be­ne Plet­ten­berg-Wap­pen hal­ten. Vor den vier At­ti­ka­pi­las­tern ste­hen Frau­en­skulp­tu­ren, wel­che die vier Jah­res­zei­ten re­prä­sen­tie­ren. Sie wur­den dort erst Mit­te des 19. Jahr­hun­derts auf­ge­stellt. Ihr heu­ti­ger Zu­stand ist wie je­ner der üb­ri­gen Werk­stein­tei­le des Ri­sa­lits das Er­geb­nis ei­ner Er­neue­rung in der Zeit von 1963 bis 1966. Auch der Mit­tel­ri­sa­lit der Gar­ten­sei­te be­sitzt ein Plet­ten­berg-Wap­pen im Fron­tispiz. Un­ter ei­ner Gra­fen­kro­ne ist es von Po­sau­ne spie­len­den Put­ten be­glei­tet, die Vo­lu­ten und Blu­men­gir­lan­den hal­ten. Der Ri­sa­lit selbst ist et­was brei­ter ge­hal­ten als der an der Hof­sei­te. Sein At­tika­ge­schoss ist seit­lich von Waf­fen­tro­phä­en flan­kiert und ahmt da­mit den Mit­tel­ri­sa­lit im Mar­mor­hof des Schlos­ses Ver­sailles nach.

Innenausstattung

Im In­ne­ren des Schlos­ses ist die Aus­stat­tung des 18. Jahr­hun­derts noch weit­ge­hend er­hal­ten. Es zei­gen sich drei ver­schie­de­ne Ein­rich­tungs­sti­le: Ne­ben dem Länd­lich-Ba­ro­cken aus der An­fangs­zeit des Schlos­ses gibt es die prunk­vol­le De­ko­ra­ti­on, die un­ter Fürst­bi­schof Fried­rich Chris­ti­an von Plet­ten­berg ver­wirk­licht wur­de, und die Ré­gence-Än­de­run­gen zur Zeit Fer­di­nand von Plet­ten­berg. Der rus­ti­ka­le Ba­rock mit eher schlich­ter Aus­stat­tung er­scheint vor­nehm­lich im Ober­ge­schoss des Corps de Lo­gis, das – mit Aus­nah­me des Ost­flü­gels – für die Un­ter­brin­gung von Gäs­ten vor­ge­se­hen war. Auch der west­li­che Teil des Erd­ge­schos­ses war für Be­su­cher, in die­sem Fall für Fürs­ten und hohe Gäs­te, re­ser­viert, wäh­rend der ge­sam­te Ost­flü­gel die re­prä­sen­ta­ti­ven Wohn­räu­me des Schloss­herrn und sei­ner Fa­mi­lie ent­hielt. Der Kel­ler mit Kreuz­grat­ge­wöl­ben nahm frü­her Kü­che, Vor­rats­räu­me, Spei­se­zim­mer für land­wirt­schaft­li­che Ar­bei­ter und Die­ner­schaft so­wie Wohn- und Schlaf­räu­me für Mäg­de und Ge­sin­de auf.

Vom Haupt­por­tal ge­langt der Be­su­cher in das Ves­ti­bül mit ei­nem grau-wei­ßen Plat­ten­bo­den. Sei­ne schwarz mar­mo­rier­ten Säu­len an der Wand be­stehen aus Holz und sind in­nen hohl. Die ba­ro­cke Stuck­de­cke stammt von An­to­nio Riz­zo (auch Ric­co ge­schrie­ben) und zeigt zwei al­le­go­ri­sche Ge­mäl­de Jo­hann Mar­tin Pic­to­ri­us’, das Glück und den Ruhm des Hau­ses Plet­ten­berg dar­stel­lend. Die bei­den Ala­bas­ter­büs­ten in die­sem Raum stel­len Fer­di­nand von Plet­ten­berg und sei­ne Frau Bern­har­di­ne von Wes­ter­holt zu Lem­beck dar. Sie stam­men von Jo­hann Wil­helm Grö­nin­ger, der sie zwi­schen 1721 und 1724 schuf. Vom Ves­ti­bül führt eine gro­ße Holz­trep­pe in die so­ge­nann­te Ah­nen­ga­le­rie im Ober­ge­schoss. Sie be­sitzt eine stuck­ver­zier­te Bal­ken­de­cke und ein Ei­chen­holz-Lam­bris. Der Name des Raums rührt von den zahl­rei­chen Por­trät­ge­mäl­den der Her­ren von Mor­ri­en und ih­rer Ehe­frau­en an den Wän­den her.

Eine Tür in der Nord­wand des Ves­ti­büls mit dem Al­li­anz­wap­pen Plet­ten­berg-Wes­ter­holt dar­über ge­währt Zu­tritt zum Herz­stück der präch­tig aus­ge­stat­te­ten Prunk­räu­me im Erd­ge­schoss, dem 14 × 9 Me­ter gro­ßen Ju­pi­ter­saal. Die­ser etwa 5,5 Me­ter hohe Fest­raum wird heu­te auch Her­ku­les­saal ge­nannt, weil die De­cken­ge­mäl­de die Hel­den­ta­ten und die Apo­theo­se des Her­ku­les dar­stel­len. Die Stuck­de­cke stammt von An­to­nio Riz­zo, die pracht­vol­le Stuck­ver­zie­rung an den Auf­sät­zen der schwar­zen Mar­mor­ka­mi­ne schuf Gas­paro Mol­la im dem Jahr 1713. In den Eck­ni­schen stan­den frü­her Mar­mor­büs­ten der vier Jah­res­zei­ten. Dar­über hän­gen Ge­mäl­de von Jo­hann Mar­tin Pic­to­ri­us, der eine un­ge­wöhn­li­che Mal­tech­nik ver­wen­de­te. Die mit Gold ge­höh­ten Se­pia­ma­le­rei­en auf Kup­fer zei­gen Sze­nen aus den Me­ta­mor­pho­sen Ovids. Wert­volls­te Ein­rich­tungs­stü­cke die­ses Raums wa­ren frü­her sechs Ta­pis­se­ri­en aus der Brüs­se­ler Werk­statt Au­wer­cx. Sie wur­den 1709 be­stellt, 1711 ge­lie­fert und zeig­ten Sze­nen aus der Te­le­mach-Ge­schich­te nach Ent­wür­fen Jan van Or­leys. Der Saal wird heu­te für Vor­trä­ge, Kon­zer­te, Se­mi­na­re und fest­li­che An­läs­se ge­nutzt.

West­lich schlie­ßen sich dem Ju­pi­ter­saal die Kai­ser­zim­mer an, die an die Be­su­che Kai­ser Karls VI. und Franz Ste­phans I. in Nord­kir­chen er­in­nern. Im ers­ten Raum, dem Kai­ser-Wohn­zim­mer, zeigt das De­cken­ge­mäl­de him­mel­stür­men­de Ti­ta­nen, wäh­rend die Su­pra­por­ten Por­träts der Köl­ner Kur­fürs­ten sind. Im De­cken­ge­mäl­de des zwei­ten Zim­mers, einst Schlaf­zim­mer für hoch­ge­stell­te Be­su­cher, bringt Pro­me­theus den Men­schen das Feu­er. Das Bett, das dort stand, ist heu­te im Mu­se­um der Burg Al­te­na zu se­hen. Das sich öst­lich des Fest­saals an­schlie­ßen­de Ost­ap­par­te­ment be­steht – eben­so wie das West­ap­par­te­ment mit den Kai­ser­zim­mern – aus zwei Räu­men und ei­nem an­schlie­ßen­den klei­nen Ka­bi­nett. Der ers­te Raum wird „Bau­ern­hoch­zeit“ ge­nannt. Der Name geht auf Ta­pis­se­ri­en mit hol­län­di­schen Mo­ti­ven zu­rück, die frü­her in die­sem Zim­mer die Wän­de zier­ten. Das Ge­mäl­de der Stuck­de­cke von Jo­hann Mar­tin Pic­to­ri­us zeigt Ce­res und Bac­chus, zwei gro­ße Por­träts an den Wän­den stel­len den Kur­fürs­ten Ma­xi­mi­li­an II. Ema­nu­el von Bay­ern und sei­ne Frau The­re­se Ku­ni­gun­de von Po­len dar. Das zwei­te Zim­mer die­ses Ap­par­te­ments wird nach dem Mo­tiv sei­nes De­cken­ge­mäl­des Olympzim­mer ge­nannt. Sei­ne Su­pra­por­ten zei­gen vier Sin­ne. 1910 ließ der da­ma­li­ge Schloss­be­sit­zer den Raum durch Ent­fer­nen ei­ner Trenn­wand mit der „Bau­ern­hoch­zeit“ zu ei­nem gro­ßen Zim­mer ver­ei­nen. Bei den Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten in den 1970er Jah­ren wur­de der Ori­gi­nal­zu­stand wie­der­her­ge­stellt. Da­bei wur­den auch die Wän­de al­ler Räu­me, aus­ge­nom­men der des Fest­saals, mit Sei­de be­spannt, nach al­ten Mus­tern ge­webt.

Öst­lich des Ves­ti­büls liegt das Spei­se­zim­mer mit ei­ner von Jo­hann Con­rad Schlaun ent­wor­fe­nen Aus­stat­tung im Stil des Ré­gence. Die Stuck­de­cke wur­de von den ita­lie­ni­schen Meis­tern Car­lo Pie­tro Mor­seg­no und den Brü­dern Cas­tel­li ge­stal­tet, von de­nen auch die Stuck­ver­zie­run­gen des Gel­ben Ap­par­te­ments im Schloss Au­gus­tus­burg stam­men. Die Tä­fe­lung ist aus Ei­chen­holz und be­saß frü­her ei­nen wei­ßen An­strich mit Gold­ver­zie­run­gen. In die Pa­nee­le der Nord­wand sind zwei gro­ße Ganz­kör­per­por­träts der bei­den Kur­fürs­ten Jo­seph Cle­mens und Cle­mens Au­gust von Bay­ern ein­ge­las­sen. Die Su­pra­por­ten zei­gen Schwes­tern und Schwä­ger der Grä­fin Bern­har­di­ne von Wes­ter­holt-Lem­beck. An der west­li­chen Stirn­wand des Raums hän­gen zwei von dem Fran­zo­sen Ro­che­daux ge­fer­tig­te Mar­mor­wasch­be­cken in Mu­schel­form. Der Kron­leuch­ter stammt aus Mu­ra­no. Öst­lich ne­ben dem Ves­ti­bül liegt das so­ge­nann­te Klei­ne Ves­ti­bül, das auch Kut­scher­ka­bi­nett ge­nannt wird. Ne­ben ei­ner Stuck­de­cke von An­to­nio Riz­zo be­sitzt es eine in West­fa­len sel­te­ne Schein­ver­tä­fe­lung, die nicht aus Holz be­steht, son­dern auf die Wand auf­ge­malt ist.

Vom Klei­nen Ves­ti­bül ge­langt der Be­su­cher über den so­ge­nann­ten Spie­gel­gang in die Erd­ge­schoss­räu­me des öst­li­chen Pa­vil­lons, der sich dem Corps der Lo­gis an­schließt. Größ­tes Zim­mer ist der Gel­be Sa­lon, der sei­nen Na­men von der gel­ben Sei­den­be­span­nung sei­ner Wän­de er­hielt. Der Raum ent­stand durch das Zu­sam­men­le­gen drei­er Zim­mer nach Ent­fer­nung ih­rer Zwi­schen­wän­de. Dies schlägt sich auch in der Ge­stal­tung des Rau­mes nie­der. Das süd­li­che Drit­tel trägt die ge­stal­te­ri­sche Hand­schrift Jo­hann Con­rad Schlauns und be­sitzt eine reich de­ko­rier­te Stuck­de­cke der Stu­cka­teu­re Mor­seg­no und Cas­tel­li so­wie eine in Gold ge­fass­te Tä­fe­lung. Die bei­den nörd­li­chen Drit­tel wur­den 1910 un­ter dem Her­zog von Aren­berg neu ge­stal­tet. Im Sa­lon fin­den heu­te Kon­fe­ren­zen, Ta­gun­gen und Emp­fän­ge statt. Ihm schließt sich das klei­ne Amor­ka­bi­nett an. Des­sen Stuck­de­cke stammt wie­der­um von den Ita­lie­nern Mor­seg­no und Cas­tel­li und zeigt Amor mit sei­nen At­tri­bu­ten. Ne­ben die­sem Ka­bi­nett liegt die klei­ne Haus­ka­pel­le, auch Kam­mer­ka­pel­le ge­nannt. Ur­sprüng­lich dien­te die­ser Raum als Ar­chiv und be­sitzt aus Brand­schutz­grün­den eine De­cke mit Kreuz­ge­wöl­be. Der Raum wur­de un­ter Schlaun als Ka­pel­le um­ge­stal­tet, de­ren Stuck­de­cke eben­falls von Car­lo Pie­tro Mor­seg­no und den Brü­dern Cas­tel­li ge­fer­tigt wur­de. Die Wän­de sind mit po­lier­tem Stuck­mar­mor ver­klei­det. Die eins­ti­ge Al­tar­ni­sche wird von ko­rin­thi­schen Säu­len flan­kiert. Sie ist heu­te leer, weil der frü­he­re Al­tar nicht mehr vor­han­den ist. An­statt des­sen hängt an der Al­tar­wand – um­ge­ben von ei­nem Stuck­rah­men aus Blu­men und Put­ten – ein wahr­schein­lich zeit­ge­nös­si­sches Für­bitte­bild Wol­ter von Plet­ten­bergs, dem Or­dens­meis­ter des Meis­ter­tums Liv­land. Ein zwei­tes Por­trät von ihm hängt am Ka­min im Grü­nen Sa­lon, des­sen Tä­fe­lung und Wand­be­span­nung de­nen des Gel­ben Sa­lons äh­neln. Der Blaue Sa­lon mit sei­ner Ro­ko­ko-Stuck­de­cke dien­te frü­her als Schlaf­zim­mer. Dies er­gibt sich durch das ihm an­ge­schlos­se­ne Toi­let­ten­zim­mer, auch Ba­de­ka­bi­nett ge­nannt. Weil es im 20. Jahr­hun­dert als Ba­de­zim­mer ge­nutzt wur­de, sind sei­ne Wän­de bis auf Knie­hö­he mit Delf­ter Ka­cheln ver­se­hen. Das Fres­ko dar­über wur­de erst bei Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten in den 1970er Jah­ren wie­der­ent­deckt und in­stand­ge­setzt.

Ne­ben der klei­nen Kam­mer­ka­pel­le gibt es im Schloss noch die gro­ße Ka­pel­le Ma­riä Him­mel­fahrt, nach wel­cher der Ost­flü­gel be­nannt ist. Sie gilt als das be­deu­tends­te hoch­ba­ro­cke Werk die­ser Art in West­fa­len und ist bei Hoch­zeits­paa­ren sehr be­liebt. Jähr­lich fin­den dort etwa 500 Trau­un­gen statt. Das Got­tes­haus er­hebt sich auf qua­dra­ti­schem Grund­riss und nimmt die Höhe bei­der Ge­schos­ses des Flü­gels ein. Die Wän­de sind durch Pi­las­ter ver­ti­kal ge­glie­dert. Das von Ste­fa­no Mel­chion üp­pig stuck­ier­te Mul­den­ge­wöl­be be­sitzt in der Mit­te ein zen­tra­les De­cken­ge­mäl­de mit der Him­mel­fahrt Ma­ri­ens als Mo­tiv. Es er­schafft die Il­lu­si­on ei­nes hoch­ge­wölb­ten Him­mels. Vier ova­le Eck­me­dail­lons zei­gen in Trompe-l’œil-Technik die Evan­ge­lis­ten Mat­thä­us, Mar­kus, Lu­kas und Jo­han­nes. An den Sei­ten gibt es vier Schein­öff­nun­gen im Stuck mit Dar­stel­lun­gen aus der Lau­re­ta­ni­schen Li­ta­nei, die in Ca­sein-Tech­nik di­rekt auf die De­cke auf­ge­bracht wur­den. Die De­cken­ge­mäl­de stam­men al­le­samt von Jo­hann Mar­tin Pic­to­ri­us. Über dem Al­tar­ni­schen­bo­gen in der Ap­sis be­fin­det sich das Wap­pen des Fürst­bis­tums Müns­ter mit Plet­ten­ber­gi­schem Herz­schild. Der Al­tar­auf­satz mit ver­gol­de­ten Ro­cail­len im Stil des Neo­ro­ko­ko dar­un­ter ist eine Stif­tung des Gra­fen Ni­ko­laus Franz von Es­ter­házy de Galán­tha aus dem Jahr 1846; der Ori­gi­nal-Auf­satz mit ei­nem Ge­mäl­de Raf­fa­els war schon da­mals nicht mehr vor­han­den. Die Al­tar­be­krö­nung in Form ei­ner Ma­don­na wur­de erst 1976 an­ge­schafft und er­setz­te eine sil­ber­ne Vor­gän­ge­rin. Die bun­te Blei­ver­gla­sung der Ap­sis-Fens­ter mit den Wap­pen der Fa­mi­li­en Es­ter­házy und Plet­ten­berg stammt eben­falls aus der Es­ter­házy-Zeit. Zur Aus­stat­tung der Schloss­ka­pel­le zäh­len zwei Mar­mor­büs­ten von Jo­hann Wil­helm Grö­nin­ger aus der Zeit um 1710. Sie stel­len die trau­ern­de Ma­ria und den dor­nen­ge­krön­ten Chris­tus dar.

Von der gro­ßen, sei­ner­zeit im Schloss un­ter­ge­brach­ten Kunst­samm­lung Fer­di­nand von Plet­ten­bergs ist nur noch ein Bruch­teil in den Räu­men zu se­hen. Plet­ten­bergs Kol­lek­ti­on um­fass­te zahl­rei­che Ta­pis­se­ri­en, Ge­mäl­de und Skulp­tu­ren nam­haf­ter Künst­ler, dar­un­ter Wer­ke von Raf­fa­el, Reni, Tin­to­ret­to, Ti­zi­an, Pous­sin, van Dyck, Ru­bens, Rem­brandt so­wie Jerô­me Du­ques­noy dem Äl­te­ren. Ei­ni­ges wur­de schon kurz nach Plet­ten­bergs Tod 1737 in Rom und Ams­ter­dam ver­kauft, um die im­mensen Hy­po­the­ken til­gen zu kön­nen, an­de­re Stü­cke nahm die Wit­we von Cle­mens Au­gust von Plet­ten­berg, Ma­ria Anna von Ga­len, nach ih­rer zwei­ten Hei­rat mit Cle­mens Au­gust von Ket­te­ler mit nach Schloss Har­kot­ten in Sas­sen­berg. Nach dem Kon­kurs des Ket­teler­schen Guts Schwar­zen­ra­ben ge­lang­te vie­les 1995/1999 in den Kunst­han­del. Ei­nen wei­te­ren Ader­lass er­litt die Samm­lung kurz vor dem Ver­kauf 1903, als ein grö­ße­rer An­teil der noch im Schloss vor­han­de­nen Ob­jek­te nach Un­garn ge­bracht wur­de. Fast der ge­sam­te Rest­be­stand wur­de dann in der Aren­ber­ger Zeit fort­ge­bracht. Zu den we­ni­gen in Nord­kir­chen ver­blie­be­nen Stü­cken zäh­len die Ganz­kör­per­por­träts Kai­ser Karls VI. und sei­ner Frau Eli­sa­beth Chris­ti­ne so­wie ein Knie­bild des Kur­fürs­ten Karl Al­brecht von Bay­ern von Jo­seph Vi­vi­en. Auch die bei­den Grö­nin­ger-Büs­ten Fer­di­nand von Plet­ten­bergs und sei­ner Frau so­wie ein Stand­bild ih­res Soh­nes Franz Jo­seph im Trep­pen­haus ge­hö­ren zu der Kol­lek­ti­on. Nicht mehr vor­han­den ist hin­ge­gen der über­aus kost­ba­re Haus­rat des 18. Jahr­hun­derts wie das Mo­bi­li­ar, Tisch­ge­rä­te, Sil­ber­wa­ren und Por­zel­lan.

Ein Groß­teil des eins­ti­gen Bi­blio­theks­be­stan­des be­fin­det sich heu­te im Stadt­mu­se­um Müns­ter. Die Hand­schrif­ten­samm­lung wur­de 1963 an die Uni­ver­si­täts- und Lan­des­bi­blio­thek Müns­ter ver­kauft, die 1991 auch die Mu­si­ka­li­en­samm­lung er­warb. Das Schloss­ar­chiv ging als Ge­schenk des Her­zogs be­reits 1923 an das Lan­des­mu­se­um Müns­ter und wird heu­te im LWL-Ar­chiv­amt für West­fa­len auf­be­wahrt.

Schlosspark

Die Schloss­ge­bäu­de sind von ei­nem rund 172 Hekt­ar gro­ßen Schloss­park um­ge­ben, der ein An­ker­gar­ten der Gar­ten­rou­te Müns­ter­land des Eu­ro­pean Gar­den He­ri­ta­ge Net­works ist. 1994 dien­te er als Ku­lis­se für ei­ni­ge Sze­nen des Films Nich’ mit Leo. Rund 70 Hekt­ar des Parks, da­von etwa 20 Mor­gen Was­ser­flä­che, sind Ei­gen­tum des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len und öf­fent­lich zu­gäng­lich. Rund 50.000 Be­su­cher zählt der Nord­kir­che­ner Schloss­park pro Jahr. Ihn durch­zie­hen 23 Al­le­en mit ei­ner Ge­samt­län­ge von 7,5 Ki­lo­me­tern. Die Ross­kas­ta­ni­en, Lin­den, Rot­bu­chen, Ahor­ne und Pla­ta­nen die­ser Al­le­en stam­men oft noch von den Erst­pflan­zun­gen im 18. Jahr­hun­dert, sind aber an vie­len Stel­len schon seit Jahr­zehn­ten in ei­nem schlech­ten Zu­stand und müs­sen er­setzt wer­den. Mög­lich wird dies nun durch das Pro­jekt Hoch­zeits­bäu­me, bei dem Hoch­zeits­paa­re, die sich im Schloss trau­en las­sen, ei­nen Baum spen­den und in ei­ner ge­mein­sa­men Pflanz­ak­ti­on zwei­mal im Jahr alte, ma­ro­de Bäu­me er­set­zen. Der Schloss­park ist Le­bens­raum für zahl­rei­che Wild­tie­re, dar­un­ter Ha­sen, Reb­hüh­ner, Fa­sa­ne, Stock­enten, Fisch­rei­her, Ku­ckuck und Nach­ti­gall.

Zwölf von der Fach­hoch­schu­le für Fi­nan­zen an­ge­stell­te Gärt­ner küm­mern sich um die Pfle­ge des in Lan­des­be­sitz be­find­li­chen Teils des Parks. Von den einst präch­ti­gen Schloss­gär­ten des 18. Jahr­hun­derts, die von Zeit­ge­nos­sen au­ßer­or­dent­lich ge­rühmt wur­den, sind nur we­ni­ge Par­ti­en er­hal­ten oder wie­der­her­ge­stellt. Für die Zu­kunft ist nach dem für Nord­kir­chen er­ar­bei­te­ten Park­pfle­ge­werk je­doch eine zu­min­dest teil­wei­se Re­kon­struk­ti­on des gro­ßen West­gar­tens in sei­nen Grund­struk­tu­ren vor­ge­se­hen.

Ostgarten

Der Ost­gar­ten des Schlos­ses be­steht über­wie­gend aus Wald, der von zahl­rei­chen grad­li­ni­gen We­gen durch­zo­gen ist. Von der Schloss­in­sel ist die­ser Teil des Gar­tens über die An­fang der 1970er Jah­re er­rich­te­te Ost­brü­cke er­reich­bar. Ihr Aus­se­hen und ihre Form wur­den de­nen der ba­ro­cken Brü­cken nach­emp­fun­den. Sie führt zur mo­der­nen Men­sa der Fach­hoch­schu­le und zu der et­was wei­ter öst­lich ge­le­ge­nen Sport- und Schwimm­hal­le auf dem Are­al des ehe­ma­li­gen Schwa­nen­teichs.

Süd­lich die­ses Ge­bäu­de­kom­ple­xes liegt ein We­ges­tern mit dem Chi­ne­sen­brun­nen in der Mit­te. Das Was­ser­be­cken des Brun­nens hat ei­nen Durch­mes­ser von elf Me­tern und eine bis zu zehn Me­ter hohe Fon­tä­ne. We­gen der da­mit ver­bun­de­nen brei­ten Was­ser­streu­ung wird sie heu­te aber nur bis zu ei­ner Höhe von ma­xi­mal sie­ben Me­ter be­trie­ben. Skulp­tu­ren in ost­asia­ti­scher Ma­nier um­rah­men den Brun­nen. Sie stel­len Man­da­ri­ne, Sa­mu­rais, Bud­dhas, aber auch ein­fa­che Bau­ern dar. Sie wur­den in der Zeit von 1910 bis 1914 von dem Bild­hau­er Reicks aus Lü­ding­hau­sen an­ge­fer­tigt und ste­hen seit 1972 an der jet­zi­gen Stel­le. Frü­her säum­ten sie den Schwa­nen­teich.

Nordgarten mit Venusinsel

Der wich­tigs­te Be­reich des heu­ti­gen Schloss­parks be­steht aus der dem Schloss nörd­lich vor­ge­la­ger­ten Ve­nus­in­sel. Sei­nen Na­men er­hielt die­ser Gar­ten­teil we­gen der mehr­fach dort auf­ge­stell­ten Ve­nus-Skulp­tu­ren. Er wur­de 1989 bis 1991 in sei­ner neo­ba­ro­cken Form re­kon­stru­iert und ist vom Corps de Lo­gis über eine etwa 10 × 50 Me­ter mes­sen­de Ter­ras­se er­reich­bar, von der eine brei­te Frei­trep­pen­an­la­ge zu der et­was tie­fer ge­le­ge­nen, 240 × 130 Me­ter gro­ßen Gar­ten­in­sel führt. De­ren Mit­tel­punkt bil­det ein Bro­de­rie­par­terre mit in Form ge­schnit­te­nen Buchs­bäum­chen, Ei­ben und Li­gus­ter. West­lich und öst­lich da­von fin­den sich ein­fa­che­re Ra­sen­par­terres, die von 1,30 Me­ter brei­ten, mit Buchs­bäum­chen ein­ge­fass­te Blu­men­ra­bat­ten be­glei­tet wer­den. Ins­ge­samt fin­den sich auf der Ve­nus­in­sel in 4470 Me­ter lan­gen Ein­fas­sun­gen und in 280 m² flä­chi­ger Be­pflan­zun­gen rund 59.000 Buchs­baum­pflan­zen. Da­zwi­schen lie­gen 1250 m² Flä­chen und Wege, die mit Kies aus wei­ßem Car­ra­r­a­mar­mor be­deckt sind. Um auch im Win­ter Far­big­keit zu er­zie­len, sind wei­te­re Gar­ten­flä­chen mit ro­tem Splitt aus Por­phyr aus­ge­streut. Die Ve­nus­in­sel wird an ih­rer Ost- und West­sei­te durch von Kas­ta­ni­en­bäu­men ge­säum­te Wan­del­gän­ge, so­ge­nann­te Pro­me­noirs, be­grenzt, die etwa ein Me­ter hö­her lie­gen als der Par­ter­re­gar­ten. Ent­lang die­ser schnur­ge­ra­den Wege ste­hen Büs­ten rö­mi­scher Cae­sa­ren und Phi­lo­so­phen.

An der Nord­sei­te der Ve­nus­in­sel liegt ein rund 67 × 183 Me­ter mes­sen­den Spie­gel­wei­her, zu dem brei­te Trep­pen hin­un­ter­füh­ren. Nörd­lich des Wei­hers liegt ein We­ges­tern, von dem fünf grad­li­ni­ge Wald­we­ge – zwei da­von durch Tor­pfei­ler flan­kiert – in das um­gren­zen­de Wald­ge­biet star­ten.

Westgarten mit Oranienburg und Orangerie

Fasanerie, 1935 abgebrochen

Fa­sa­ne­rie, 1935 ab­ge­bro­chen

Von dem einst präch­ti­gen West­gar­ten sind heu­te nur noch we­ni­ge Res­te er­hal­ten, dar­un­ter ein Was­ser­bas­sin und eine neo­ba­ro­cke Ba­lus­ter­brüs­tung. Die ur­sprüng­li­che Dis­po­si­ti­on des Gar­tens ist aber noch zu er­ken­nen, ob­wohl er heu­te als Pfer­de­wei­de ge­nutzt wird. Einst war er der ein­zi­ge gro­ße Ba­rock­gar­ten fran­zö­si­schen Stils in West­fa­len. In sei­nem Are­al fin­den sich zwei dach­lo­se Rund­tür­me aus Back­stein, wel­che die Nord­west- und Süd­west­ecke der noch von Gott­fried Lau­renz Pic­to­ri­us ent­wor­fe­nen Vor­gän­ger­an­la­ge mar­kie­ren. Sie wur­den ver­mut­lich frü­her als Tee­häus­chen ge­nutzt. Der nörd­li­che von ih­nen dien­te ab 1725 als Zu­gang zum nörd­lich da­von lie­gen­den Irr­gar­ten. Dem Gar­ten­are­al schließt sich im Sü­den der wald­be­stan­de­ne Tier­gar­ten an, der von der Süd­kir­che­ner Al­lee durch­quert wird.

Die Ora­ni­en­burg war ur­sprüng­lich als Oran­ge­rie er­rich­tet, aber schon kurz dar­auf zu ei­nem Park­schloss um­ge­baut wor­den. Sie ist ein zwei­ge­schos­si­ger Zie­gel­bau mit Man­sard­dä­chern, des­sen sech­sach­si­ger Mit­tel­teil von zwei ein­ach­si­gen Pa­vil­lons mit ab­ge­run­de­ten Ecken flan­kiert wird. Den Pa­vil­lons schlie­ßen sich nach Os­ten und Wes­ten eben­falls zwei­ge­schos­si­ge, aber nied­ri­ge­re Sei­ten­flü­gel an. Fens­ter- und Tür­ge­wän­de sind aus hel­lem Werk­stein. Die Fens­ter be­sit­zen ab­wech­selnd Ver­da­chun­gen aus Seg­ment- und Drei­ecks­gie­beln. Die Mit­tel­ach­se des Schlöss­chens ist in ba­ro­cker Tra­di­ti­on be­son­ders be­tont. Das Por­tal ist von ei­nem Seg­ment­gie­bel be­krönt, dar­un­ter fin­det sich im auf­ge­bro­che­nen Ar­chi­trav das Al­li­anz­wap­pen Fer­di­nand von Plet­ten­bergs und sei­ner Frau Bern­har­di­ne von Wes­ter­holt-Lem­beck. Das dar­über lie­gen­de Fens­ter wird von ko­rin­thi­schen Säu­len flan­kiert und ist durch ei­nen Drei­ecks­gie­bel ab­ge­schlos­sen, auf dem zwei Frau­en­fi­gu­ren sit­zen und Fest­ons hal­ten. Im Erd­ge­schoss be­fin­det sich ein von Pe­ter Pic­to­ri­us ent­wor­fe­ner Fest­saal mit zwei an­gren­zen­den Ka­bi­net­ten. Er be­sitzt eine stuck­ver­zier­te Mul­den­de­cke, de­ren De­kor mehr­heit­lich von dem ita­lie­ni­schen Künst­ler Rai­nal­di stammt.

Nord­west­lich der Ora­ni­en­burg steht die sehr schlicht und funk­tio­nell ge­hal­te­ne Oran­ge­rie mit den für Jo­hann Con­rad Schlaun so ty­pi­schen ab­ge­run­de­ten Ge­bäu­de­ecken. Sie war sein ers­ter Bau in West­fa­len. Ihr ei­nes Ge­schoss wird von ei­nem pfan­nen­ge­deck­ten Walm­dach ab­ge­schlos­sen, das frü­her Gau­ben und Schorn­stei­ne be­saß. Nörd­lich schlie­ßen sich dem Bau zwei kur­ze Sei­ten­flü­gel an, in de­nen frü­her die Gärt­ner­woh­nun­gen un­ter­ge­bracht wa­ren. Die Mit­tel­ach­se des Ge­bäu­des wird durch ei­nen Ri­sa­lit be­tont, des­sen Drei­ecks­gie­bel im Gie­bel­feld das Al­li­anz­wap­pen Plet­ten­ber­g/Wes­ter­holt-Lem­beck un­ter ei­ner Gra­fen­kro­ne und mit der Ket­te des Or­dens vom Gol­de­nen Vlies zeigt. West­lich und öst­lich schlos­sen sich der Oran­ge­rie frü­her nied­ri­ge Ge­wächs­häu­ser mit ei­ge­nen Hei­zungs­an­la­gen an, doch sie sind heu­te nicht mehr er­hal­ten.

Das etwa 77 × 39 Me­ter gro­ßen Fa­sa­ne­rie­ge­län­de ist heu­te noch durch die Res­te sei­ner Um­fas­sungs­mau­er zu er­ken­nen. Sie soll­te sei­ner­zeit Schutz vor Wind und Wet­ter so­wie tie­ri­schen Räu­bern bie­ten. Das ehe­ma­li­ge Fa­sa­ne­rie­ge­bäu­de wur­de 1935 ab­ge­ris­sen. Es war ein ein­ge­schos­si­ger Zweck­bau, be­stehend aus ei­nem Mit­tel­pa­vil­lon mit schie­fer­ge­deck­tem Man­sard­dach so­wie zwei ga­le­rie­ar­ti­gen Sei­ten­flü­geln in der Form von Vier­tel­krei­sen, an de­ren Stirn­sei­ten je­weils wie­der ein Pa­vil­lon stand. Im Mit­tel­pa­vil­lon, der über dem Ein­gang ein vom Bild­hau­er Jo­hann Bern­hard Fix ge­fer­tig­tes Al­li­anz­wap­pen aus dem Jahr 1730 zeig­te, wohn­te der Fa­sa­nen­meis­ter, wäh­rend in den bei­den Flü­gel­bau­ten samt End­pa­vil­lons Vo­lie­ren un­ter­ge­bracht wa­ren. Die an­fangs of­fe­nen Bo­gen­öff­nun­gen der Flü­gel wur­den spä­ter mit Fens­tern ver­schlos­sen.

Gartenskulpturen

Gär­ten und Al­le­en des Schlos­ses sind reich mit Skulp­tu­ren ver­ziert. Ins­ge­samt fin­den sich 385 Ex­em­pla­re im Schloss­park. Die Skulp­tu­ren in den bei­den Kas­ta­ni­en­al­le­en des West­gar­tens ste­hen an ih­rem al­ten Platz; die ur­sprüng­li­che Ord­nung und Auf­stel­lung der meis­ten an­de­ren ist nicht re­kon­stru­ier­bar und so­mit nicht ori­gi­nal. Aus­nah­men hier­von bil­den die bei­den Eber­sta­tu­en in den Ra­sen­par­terres so­wie die Skulp­tur des Früh­lings in der Mit­te des Bro­de­rie­par­terres auf der Ve­nus­in­sel. Sie wa­ren wie vie­le Skulp­tu­ren des Nord­gar­tens nach 1950 an an­de­ren Stel­len im Park auf­ge­stellt wor­den und kehr­ten mit der Re­kon­struk­ti­on der Ve­nus­in­sel an ihre an­ge­stamm­ten Plät­ze zu­rück.

Die ers­te be­leg­ba­re Lie­fe­rung von Gar­ten­skulp­tu­ren er­folg­te im Jahr 1721 durch den Müns­te­ra­ner Bild­hau­er Jo­hann Wil­helm Grö­nin­ger. Die von Grö­nin­ger nach an­ti­ken Vor­bil­dern ge­stal­te­ten Göt­ter­fi­gu­ren wur­den 1725 nach Plä­nen von Jo­hann Con­rad Schlaun zwi­schen den Bäu­men der neu an­ge­leg­ten Kas­ta­ni­en­al­le­en auf­ge­stellt. Dar­un­ter be­fan­den sich Ab­bil­der von Ve­nus, Mars, Ju­pi­ter, Apol­lo, Bac­chus so­wie zwölf Va­sen und eine Her­ku­les­sta­tue, wel­che die be­deu­tends­te Plas­tik un­ter den Grö­nin­ger-Schöp­fun­gen ist. Wei­te­re Skulp­tu­ren im Park stam­men von den Bild­hau­ern Pan­hoff, Jo­hann Bern­hard Fix und Jo­hann Chris­toph Mans­kirsch, der un­ter an­de­rem Sta­tu­en von Her­ku­les, Mars, Apol­lon, Flo­ra so­wie zwei Ve­nus-Fi­gu­ren und zwei Sa­tyrn schuf.

Et­li­che Fi­gu­ren im Um­feld des Schlos­ses sind in­zwi­schen ver­wit­tert oder be­schä­digt, wenn nicht so­gar be­reits gänz­lich ver­lo­ren. Die meis­ten Skulp­tu­ren in bes­se­rem Zu­stand stam­men aus den Jah­ren 1910 bis 1919, nach­dem die Gär­ten im neo­ba­ro­cken Stil re­stau­riert wor­den wa­ren. Das trifft in be­son­de­rem Maße auf den Be­reich der Ve­nus­in­sel zu.

Bildergalerien

Hauptburg

Westflügel

Kapellenflügel

Sehenswertes im Ehrenhof

Orangerie

Pictoriusbau

Wirtschaftsgebäude

Capeller Tor

Chinesenbrunnen

Neue Orangerie

Oranienburg

Lageplan Skulpturen an den Alleen

Lageplan Schloss Nordkirchen Urheber: Wikipedia/Devilm25 geändert durch BGD

Burgallee

Herkulesallee

Lageplan Skulpturen auf der Venus-Insel

Lageplan Schloss Nordkirchen Urheber: Wikipedia/Devilm25 geändert durch BGD

Auf der Venusinsel

Büsten

Auf der Terrassenmauer

Im Innenbereich

Sonstiges

Im Schlosspark

Hinweisschilder

Feuerwerk

Lage des Schloss Nordkirchen

Lizenz

© Ur­he­ber­recht für die Fo­tos auf die­sen Sei­ten be­stehen bei Bern­hard Gro­ße-Drenkpohl.
Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Schloss Nord­kir­chen aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­to­ren ver­füg­bar.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://grosse-drenkpohl.de/schloss-nordkirchen/

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

Scroll Up