Schloss Cappenberg

Schloss Cappenberg

Schloss Cap­pen­berg

Das Schloss Cap­pen­berg (frü­her Klos­ter Cap­pen­berg) ist ein ehe­ma­li­ges Prä­mons­tra­ten­ser­klos­ter im Orts­teil Cap­pen­berg der Stadt Selm. Es liegt am nörd­li­chen Stadt­rand von Lü­nen, nörd­lich der Lip­pe, am süd­li­chen Ran­de des Müns­ter­lan­des auf ei­ner An­hö­he, dem Cap­pen­berg, um­ge­ben von aus­ge­dehn­ten Bu­chen­wäl­dern, und ist ein Aus­sichts­punkt mit Blick über die Lip­pe­au­en auf das öst­li­che Ruhr­ge­biet von Hamm bis nach Dort­mund. Cap­pen­berg war das ers­te Prä­mons­tra­ten­ser­klos­ter im deut­schen Raum. Der Zu­tritt war dem Adel vor­be­hal­ten. Ende des 17. Jahr­hun­derts kam es zum Neu­bau der Klos­ter­ge­bäu­de. Nach der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on im Zuge der Na­po­leo­ni­schen Krie­ge wur­de es 1803 zu ei­ner Guts­do­mä­ne. Das Ab­tei­ge­bäu­de wur­de zum Schloss um­ge­wan­delt. Im Jahr 1816 wur­de es von dem preu­ßi­schen Staats­mann Frei­herr vom Stein käuf­lich er­wor­ben und dien­te ihm als Al­ters­ru­he­sitz. Cap­pen­berg wur­de zu­sam­men mit den Gü­tern des Klos­ters Sche­da zu ei­ner Stan­des­herr­schaft er­ho­ben und ging spä­ter als Erbe in den Be­sitz der Gra­fen von Ka­nitz über. Ein Teil des Schlos­ses dient heu­te als Mu­se­um, das u.a. Aus­stel­lun­gen der Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz zeigt. Die ehe­ma­li­ge Stifts­kir­che ist heu­te Pfarr­kir­che der ka­tho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de St. Jo­han­nes.

Die Grafen von Cappenberg

→ Haupt­ar­ti­kel: Cap­pen­berg (Adels­ge­schlecht)

Seit dem 11. Jahr­hun­dert hat­te eine Adels­fa­mi­lie Graf­schafts­rech­te im Wes­ten des Bis­tums Müns­ter inne. Seit 1092 nann­te sie sich nach dem Ka­pen­berg bei Lü­nen Cap­pen­berg. Dort stand auch die gleich­na­mi­ge Burg. Die Cap­pen­ber­ger Gra­fen, die mit den Sa­li­ern und den Stau­fern ver­wandt wa­ren und den Drein­gau be­sa­ßen, wa­ren ein mäch­ti­ges und rei­ches Herr­scher­ge­schlecht. Wäh­rend der In­ves­ti­tur­krie­ge, in de­nen sie den Kampf der säch­si­schen Be­völ­ke­rung un­ter Her­zog Lo­thar von Sup­plin­burg ge­gen Kai­ser Hein­rich V. un­ter­stütz­ten, zo­gen Graf Gott­fried und sein Bru­der Otto von Cap­pen­berg im Fe­bru­ar 1121 un­ter der Füh­rung des Her­zogs Lo­thar mit star­ker Hee­res­macht nach Müns­ter. Ein gro­ßer Teil der Stadt wur­de zer­stört, auch der alte Dom ging in Flam­men auf. Be­vor ein Pro­zess ge­gen ihn we­gen schwe­ren Land­frie­dens­bruchs er­öff­net wer­den konn­te, über­gab Gott­fried – aus Reue oder aus Furcht vor dem kai­ser­li­chen Bann – den größ­ten Teil sei­nes Be­sit­zes in West­fa­len dem Grün­der des Or­dens von Pré­mon­tré, Nor­bert von Xan­ten, ent­sag­te dem welt­li­chen Le­ben und zog in ein Klos­ter. Da­mit blieb er – nach da­ma­li­ger Ge­pflo­gen­heit – straf­frei.

Kloster Cappenberg

Klostergründung

Nach Be­schluss des Worm­ser Kon­kor­dats im Jahr 1122 kehr­te er als Gott­fried II., spä­ter als Hei­li­ger Gott­fried ver­ehrt, und letz­ter Graf von Cap­pen­berg zu­rück und grün­de­te an sei­nem Stamm­sitz auf dem Cap­pen­berg das ers­te Prä­mons­tra­ten­ser­stift im deutsch­spra­chi­gen Be­reich. Für sei­ne Frau Ida, auch Jut­ta ge­nannt, Toch­ter des Gra­fen Fried­rich von Arns­berg, und für sei­ne Schwes­ter Ger­ber­ga von Cap­pen­berg rich­te­te er in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft ein Frau­en­klos­ter ein. Cap­pen­berg war da­mit ein Dop­pel­klos­ter. An­fangs ge­hör­ten dem Klos­ter noch Män­ner und Frau­en aus ver­schie­de­nen Stän­den an.

In den Jah­ren nach der Grün­dung über­eig­ne­ten die Gra­fen von Cap­pen­berg dem Klos­ter Stifts­gut aus ih­rem al­lo­dia­len Be­sitz. Hier­zu ge­hör­ten in der Nähe des Klos­ters ge­le­ge­ne Höfe in Cap­pen­berg, Wer­ne, Alsted­de und Men­ge­de so­wie ent­fern­te­re Be­sit­zun­gen in We­sel, Wes­sum und Sa­er­beck.

Gott­fried war zwar zeit­wei­se als Nach­fol­ger des ers­ten Ab­tes des Klos­ters, des Or­dens­grün­ders, vor­ge­se­hen, starb aber be­reits mit 30 Jah­ren in Il­ben­stadt. Ein Teil der Ge­bei­ne Gott­frieds wur­de 1149 nach Cap­pen­berg über­führt und dort be­stat­tet. An ihn er­in­nert eine Grab­plat­te aus dem 14. Jahr­hun­dert im süd­li­chen Quer­haus der Stifts­kir­che.

Von An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff (1797–1846) stammt das 12-stro­phi­ge Ge­dicht: Die Grün­dung des Klos­ters Cap­pen­berg. Das his­to­ri­sie­ren­de Ge­dicht geht auf zeit­ge­nös­si­sche Sa­gen und Er­zäh­lun­gen zu­rück, de­nen Dros­te-Hüls­hoff nach­ge­spürt hat.

  • Der Mond mit sei­nem blas­sen Fin­ger
    Langt lei­se durch den Mau­er­spalt
    Und ko­set, strei­fend längs dem Zwin­ger,
    Nor­ber­tus‘ Stir­ne feucht und kalt.
    Der lehnt an brö­ckeln­dem Ge­stein,
    Sal­pe­ter­flo­cken sei­ne Dau­nen,
    An sei­nem Ohre Heim­chen rau­nen,
    Und wim­melnd rennt das Tau­send­bein.
    …..
    …..
  • Die Hum­pen sind in Hast zer­trüm­mert,
    Bur­gun­der­blut fließt übern Stein,
    Die Lam­pen mäh­lich sind ver­küm­mert,
    Wie Er­den­lust sie qualm­ten ein.
    Doch drü­ben, in des Klos­ters Hut,
    Ent­flamm­te man die ew’ge Leuch­te,
    Und knie­end al­les Volk sich beug­te
    Dem rei­nen Wein, der Chris­ti Blut.

Bedeutung Cappenbergs im Mittelalter

Schloss Cappenberg um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Schloss Cap­pen­berg um 1860, Samm­lung Alex­an­der Duncker

Gott­fried stell­te eben­falls Be­sitz zur Grün­dung des Klos­ters Varlar in der Nähe von Coes­feld und des Klos­ters Il­ben­stadt in der Nähe von Fried­berg (Hes­sen) zur Ver­fü­gung. Von Cap­pen­berg aus wur­den die Klös­ter Clar­holz und Sche­da ge­grün­det. Von Letz­te­rem wa­ren die Frau­en­klös­ter Oeling­hau­sen und Be­ren­trop ab­hän­gig. Die­se bil­de­ten den Fi­lia­ti­ons­ver­band von Cap­pen­berg, wenn­gleich Oeling­hau­sen spä­ter in die Pa­ter­na­li­tät von Klos­ter We­ding­hau­sen wech­sel­te. Au­ßer­halb West­fa­lens be­setz­te Cap­pen­berg die Klös­ter St. Wi­per­ti in Qued­lin­burg und Hei­li­gen­berg in der Graf­schaft Hoya. Für die Be­deu­tung Cap­pen­bergs spricht auch, dass die ers­ten Pröps­te in Un­se­rer Lie­ben Frau­en in Mag­de­burg und Je­ri­chow von dort stamm­ten. Eben­so ka­men Bi­schö­fe von Bran­den­burg, Ha­vel­berg und Rat­ze­burg aus Cap­pen­berg.

Die Haupt­auf­ga­be der Prä­mons­tra­ten­ser ne­ben dem Chor­ge­bet war die Seel­sor­ge­tä­tig­keit. Cap­pen­berg selbst ver­füg­te nicht über Pfarr­rech­te; es wur­den ihm aber ver­schie­de­ne Kir­chen in­kor­po­riert. Im Jahr 1139 über­trug Bi­schof Wer­ner von Müns­ter die Kir­chen in Wer­ne und Ah­len so­wie das Ar­chi­dia­ko­nat in Wer­ne an Cap­pen­berg. Im Jahr 1160 kam auch das Ar­chi­dia­ko­nat in Ah­len hin­zu. Die Kir­che im be­nach­bar­ten Bork wur­de Cap­pen­berg 1175 in­kor­po­riert. Graf En­gel­bert von der Mark über­trug Cap­pen­berg 1254 das Pa­tro­nat über die Kir­che zu Mark, die Fi­lia­le in Hamm und die Ka­pel­le auf der Burg Mark. Der Dy­nast Her­mann von Lohn gab 1278 das Pa­tro­nat über die Kir­che in Stadt­lohn an das Klos­ter. Im Jahr 1318 schenk­te En­gel­bert von der Mark die Pa­tro­na­te über die Kir­chen in Kurl und Me­th­ler an Cap­pen­berg.

In welt­li­cher Hin­sicht konn­te Cap­pen­berg den ur­sprüng­li­chen Be­sitz stark ver­meh­ren. Dies ge­schah durch wei­te­re Schen­kun­gen so­wie durch Kauf. In der Zeit der Klos­ter­auf­he­bung ver­füg­te Cap­pen­berg über­wie­gend in der Nähe des Klos­ters über 7000 Mor­gen Wald, Wie­sen und Acker­land. Hin­zu ka­men mehr als 240 Höfe und Kot­ten von Hö­ri­gen. Cap­pen­berg ver­füg­te zu­dem über be­deu­ten­de öko­no­mi­sche Ver­güns­ti­gun­gen. Dazu ge­hör­ten die Schatz­frei­heit, die Zoll­frei­heit in We­sel und Kai­sers­werth.

Seit der zwei­ten Hälf­te des 12. Jahr­hun­derts nah­men Cap­pen­berg und sei­ne Toch­ter­klös­ter ei­nen ex­klu­siv ade­li­gen Cha­rak­ter an. Au­ßer­dem hielt der Cap­pen­berg Fi­lia­ti­ons­ver­band am Ti­tel ei­nes Props­tes als Klos­ter­lei­ters fest.

Weitere Entwicklung

Das Frau­en­klos­ter ging ver­mut­lich im 14. Jahr­hun­dert ein. Das Män­ner­stift wirt­schaf­te­te er­folg­reich und konn­te ei­nen er­heb­li­chen Reich­tum an­sam­meln, der heu­te noch zum Teil in der auf dem Ge­län­de be­find­li­chen Stifts­kir­che sicht­bar ist. Al­ler­dings führ­ten Reich­tum und Adels­ex­klu­si­vi­tät in Cap­pen­berg, Varlar, Sche­da und Clar­holz dazu, dass sie die Seel­sor­ge in den ih­nen in­kor­po­rier­ten Kir­chen bür­ger­li­chen Pries­tern aus an­de­ren Prä­mons­tra­ten­ser­klös­tern über­lie­ßen. Die Stifts­her­ren selbst führ­ten aber den Pfar­rer­ti­tel, und ih­nen ka­men die Ein­künf­te der Kir­chen zu­gu­te. Seit dem 13. Jahr­hun­dert wur­de der Le­bens­wan­del der Stifts­her­ren, de­ren Zahl 1536 auf zwölf be­grenzt wur­de, häu­fig kri­ti­siert. Es kam ver­schie­dent­lich zu letzt­lich ver­geb­li­chen Re­form­ver­su­chen.

Cap­pen­berg war in den letz­ten Jahr­hun­der­ten sei­nes Be­stehens kaum mehr als eine Ver­sor­gungs­an­stalt für nach­ge­bo­re­ne Söh­ne des west­fä­li­schen Stifts­adels. Die Auf­nah­me­be­din­gun­gen hin­sicht­lich der ade­li­gen Vor­fah­ren wa­ren da­bei ähn­lich streng wie bei den Dom­ka­pi­teln.

Teil­wei­se ver­fie­len die Klos­ter­ge­bäu­de, teil­wei­se wur­den sie wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges zer­stört. Seit dem spä­ten 17. Jahr­hun­dert be­gann ein um­fas­sen­der, sich über Jahr­zehn­te hin­zie­hen­der Neu­bau im Stil des Ba­rock. Da­bei kam es zur bau­li­chen Tren­nung zwi­schen Ab­tei und Kir­che. Das Ab­tei­ge­bäu­de wur­de als Drei­flü­gel­an­la­ge er­baut. Im 18. Jahr­hun­dert plan­te das Fürst­bis­tum Müns­ter zur fi­nan­zi­el­len Aus­stat­tung der Uni­ver­si­tät Müns­ter die Auf­he­bung Cap­pen­bergs. Dazu kam es je­doch nicht.

Ge­gen Ende des 18. Jahr­hun­derts ge­hör­te Cap­pen­berg zu den Ge­bie­ten im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich, die kei­nem Reichs­kreis an­ge­hör­ten. Es war aber nicht reichs­un­mit­tel­bar, ob­wohl es beim Frie­den von Lu­ne­vil­le so be­han­delt wur­de.

Nach der Säkularisation

Nach fast 700-jäh­ri­gem Be­stehen wur­de das Stift im Jah­re 1803 auf­ge­löst und zur preu­ßi­schen Staats­do­mä­ne um­ge­wan­delt. Zwi­schen­zeit­lich un­ter fran­zö­si­scher und ber­gi­scher Ver­wal­tung ste­hend, fiel der Be­sitz 1815 wie­der an den preu­ßi­schen Staat und wur­de 1816 von dem ehe­ma­li­gen Staats­mi­nis­ter Karl Frei­herr vom und zum Stein er­wor­ben. Er re­no­vier­te die Ge­bäu­de und be­wahr­te die An­la­ge vor dem Ver­fall. Zu­sam­men mit dem Klos­ter Sche­da wur­de Cap­pen­berg zu ei­ner Stan­des­herr­schaft er­ho­ben. Vom Stein ver­brach­te auf Cap­pen­berg ab 1817 ei­nen Groß­teil des Jah­res. Er­bin wur­de sei­ne Toch­ter The­re­se (1803–1863), die 1827 Lud­wig Fer­di­nand Graf von Kiel­mann­segg hei­ra­te­te. 1926 ging das Gut als Erbe über das Ge­schlecht von der Gro­eben an die Fa­mi­lie der Gra­fen von Ka­nitz.

Im Zwei­ten Welt­krieg dien­te das Schloss Cap­pen­berg zur Auf­be­wah­rung von Kunst­wer­ken zum Schutz vor den Bom­ben­an­grif­fen der Al­li­ier­ten. So wur­de die Samm­lung des Mu­se­ums für Kunst und Kul­tur­ge­schich­te Dort­mund nach Cap­pen­berg aus­ge­la­gert. Auch Kunst­schät­ze aus ver­schie­de­nen zer­stör­ten Kir­chen West­fa­lens, etwa der Ma­ri­en­al­tar von Con­rad von Soest aus der Dort­mun­der Ma­ri­en­kir­che, wur­den hier ver­wahrt.

Ab 1946 wur­de die Samm­lung des Mu­se­ums für Kunst und Kul­tur­ge­schich­te in Cap­pen­berg aus­ge­stellt. Die Rück­füh­rung der Samm­lung nach Dort­mund er­folg­te erst mit der Neu­eröff­nung des dor­ti­gen Mu­se­ums im Jahr 1983.

1985 mie­te­te der Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe ge­mein­sam mit dem Kreis Unna für 30 Jah­re das Haupt­ge­bäu­de des Schlos­ses an und wan­del­te es zu ei­nem Mu­se­um um. Seit­dem sind u.a. im Schloss Cap­pen­berg von der Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz ku­ra­tier­te Ge­mäl­de-Aus­stel­lun­gen zu se­hen. Nach Ab­lauf des Miet­ver­tra­ges 2015 wur­de die­ser zwi­schen Graf Se­bas­ti­an von Ka­nitz und dem Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe (LWL) für wei­te­re 20 Jah­re ver­län­gert.

Als Un­ter­mie­ter wird der Kreis Unna wie schon in der Ver­gan­gen­heit Künst­ler ein­la­den und ih­nen im Schloss Räu­me zur Aus­stel­lung ih­rer Wer­ke zur Ver­fü­gung stel­len.

Heu­te ist das Schloss Cap­pen­berg ein be­lieb­tes Aus­flugs­ziel; es be­her­bergt ein Mu­se­um und ein klei­nes Café bzw. Re­stau­rant. Es ist Teil der Rou­te der In­dus­trie­kul­tur. Es fin­den dort re­gel­mä­ßig nam­haf­te Ver­an­stal­tun­gen, Kunst­aus­stel­lun­gen und Kon­zer­te (u.a. das In­ter­na­tio­na­le Kam­mer­mu­sik­fes­ti­val un­ter der künst­le­ri­schen Lei­tung der Vio­li­nis­tin Miri­jam Cont­zen) statt, die jähr­lich zwi­schen 60.000 und 80.000 Be­su­cher an­zie­hen.

Auf dem Ge­län­de des Schlos­ses be­fin­det sich ein 1899 er­rich­te­ter ca. 25&nbap;m ho­her Was­ser­turm, der un­ter Denk­mal­schutz steht und 1992 als Aus­sichts­turm wie­der­her­ge­stellt wur­de. Die Zu­fahrt aus nord­west­li­cher Rich­tung zum Haupt­por­tal ist durch zwei auf So­ckeln auf­ge­stell­te stei­ner­ne Lö­wen flan­kiert. Da­nach wird die Stra­ße zu ei­ner Al­lee mit Py­ra­mi­den­ei­chen auf bei­den Sei­ten.

Graf Ka­nitz hat im Juni 2017 den frü­he­ren Wein­berg in der Nähe des Schlos­ses mit etwa 1.000 Ries­ling-Re­ben neu be­pflan­zen las­sen. Man rech­net da­mit, dass nach etwa drei Jah­ren der ers­te Wein auf dem wohl nörd­lichs­ten Wein­berg in Nord­rhein-West­fa­len ge­ern­tet wer­den kann.

Stiftskirche

Grundriss der Stiftskirche um 1890

Grund­riss der Stifts­kir­che um 1890

Die Stifts­kir­che wird heu­te zu drei Sei­ten vom ba­ro­cken Klos­ter­ge­bäu­de um­ge­ben. Äl­te­re An­bau­ten wur­den im Zuge der ba­ro­cken Um­ge­stal­tung der Klos­ter­an­la­ge ent­fernt. Dazu ge­hö­ren Sei­ten­ka­pel­len und Kreuz­gang. Da­her steht die Kir­che frei im Schloss­hof, um­ge­ben von ei­nem Park. Die Kir­che ist weit­ge­hend ro­ma­nisch aus dem 12. Jahr­hun­dert und ist in Form ei­nes la­tei­ni­schen Kreu­zes an­ge­legt. Im 14. und 15. Jahr­hun­dert kam es zu ei­ner go­ti­schen Um­ge­stal­tung der Kir­che, die sich etwa in den Spitz­bo­gen­fens­tern und den Ge­wöl­ben zeigt. Die Kir­che ist eine drei­schif­fi­ge und drei­jochi­ge Pfei­ler­ba­si­li­ka mit ei­nem Quer­schiff und ei­nem zwei­jochi­gen Chor mit ei­nem 5/8-Schluss. Der Chor ist im go­ti­schen Stil aus­ge­führt. Die Kir­che hat kei­nen Turm, son­dern nur ein ein­fa­ches Glo­cken­haus. Die frü­her rund­bo­gi­gen Fens­ter sind teil­wei­se im go­ti­schen Stil spitz­bo­gig ver­brei­tert wor­den. Die­se sind drei­tei­lig mit Maß­werk.

Der Hoch­al­tar wie auch die Ver­gla­sung der Ap­sis sind neu­go­tisch. Zu den zahl­rei­chen be­mer­kens­wer­ten Aus­stat­tungs­ge­gen­stän­den zählt der be­kann­te Bar­ba­ros­sa­kopf aus ver­gol­de­ter Bron­ze aus der Zeit um 1160. Da­bei han­delt es sich um ein Kopf­re­li­qui­ar mit den Ge­sichts­zü­gen Kai­ser Fried­richs I. Durch Otto von Cap­pen­berg, der Tauf­pa­te des Kai­sers war, kam der Kopf nach Cap­pen­berg. Seit­her dient er als Re­li­qui­en­be­häl­ter für Haa­re vom Kopf des Evan­ge­lis­ten Jo­han­nes.

Wei­te­re Ge­gen­stän­de sind das spät­ro­ma­ni­sche Cap­pen­ber­ger Kreuz, ein auf 1210–1220 da­tier­tes Tri­umph­kreuz, von dem nur Tei­le ein­schließ­lich des Kor­pus noch ori­gi­nal sind, so­wie ver­schie­de­ne Grab­denk­mä­ler und Ta­fel­ge­mäl­de, dar­un­ter der Flü­gel­al­tar von Jan Ba­e­gert (um 1530), und das spät­go­ti­sche Chor­ge­stühl aus dem 16. Jahr­hun­dert.

Archiv

Im Schloss be­fin­den sich das Ar­chiv der Stan­des­herr­schaft Cap­pen­berg und das Frei­herr-vom-Stein-Ar­chiv. Dazu ge­hört recht­lich auch das Klos­ter­ar­chiv. Die Be­stän­de wur­den im Jahr 1803 ge­ord­net und 1879 teil­wei­se als De­po­sit an das Staats­ar­chiv in Müns­ter ab­ge­ge­ben. Da­bei han­delt es sich um 1080 Ur­kun­den aus der Zeit zwi­schen 1122 und 1500. In Cap­pen­berg selbst be­fin­den sich noch Ar­chi­va­li­en, die vor al­lem den Klos­ter­be­sitz be­tref­fen. Die­se wur­den 1905 und 1928 er­schlos­sen. Das Fa­mi­li­en-, Guts- und Herr­schafts­ar­chiv um­fasst vor al­lem Ma­te­ri­al aus der Zeit als preu­ßi­scher Staats­do­mä­ne zwi­schen 1803 und 1816 und aus der Zeit des Frei­herrn vom Stein und des­sen Nach­fol­ger als Be­sit­zer der Stan­des­herr­schaft Cap­pen­berg. Das Ar­chiv Stein be­inhal­tet ins­be­son­de­re Fa­mi­li­en­un­ter­la­gen zum Ge­schlecht zum Stein und pri­va­te Ak­ten Steins.

Personenlisten

Vögte von Cappenberg

  • 1115–1160 Herr­scher des Hau­ses Berg erst­mals 1115 er­wähnt bis zur Ber­gi­schen Erb­tei­lung 1160 – an den Al­te­nai­schen Erb­teil.
  • 1160–1180 Eber­hard I. von Berg-Al­te­na
  • 1180–1198 Fried­rich von Berg-Al­te­na (Erb­tei­lung der Li­nie Al­te­na zwi­schen dem äl­te­ren Graf Ar­nold von Al­te­na und dem jün­ge­ren Fried­rich)
  • 1198–1249 Adolf I. von der Mark (Be­gra­ben in der Ka­pel­le des Klos­ters Cap­pen­berg)
  • 1249–1277 En­gel­bert I. von der Mark (Be­gra­ben in der Ka­pel­le des Klos­ters Cap­pen­berg)

Pröpste und Äbte

  • (Nor­bert von Xan­ten) 1122–1126
  • Co­non 1126–1136
  • Otto 1136–1156
  • Otto von Cap­pen­berg 1156–1171
  • Her­mann von Are 1171–1210
  • An­dre­as von Sen­den 1210–1232
  • Hugo von Wer­ne 1232–1257
  • Ar­nold von Ah­len 1257–1270
  • Bru­no 1270–1273
  • Erich 1273–1275
  • Hart­lev 1275–1294
  • Otto 1294–1296
  • War­mund 1296–1299
  • Jo­hann von Cule 1299–1307
  • Wen­ne­mar 1307–1308
  • Diet­rich von Ah­len 1308–1321
  • Lud­wig 1321–1339
  • Diet­rich 1339–1343
  • Wil­helm von Lands­berg 1343–1344
  • Her­mann von Rin­gels­dorf 1344–1369
  • Adolf von der Re­cke 1369–1385 (re­si­gniert)
  • Eber­hard von Fry­dag 1385–1390 (re­si­gniert)
  • Bern­hard von der Horst 1390–1407
  • Ar­nold von Boe­nen 1407–1417
  • Fried­rich Rog­ge 1417–1445 (re­si­gniert)
  • Her­mann von Kö­nigs­berg 1445–1455
  • Lub­ert von Die­pen­brock 1455–1469
  • Bern­hard von Ga­len 1469–1484
  • Lu­dolf von Bö­nen 1484–1492
  • Diet­rich von Ol­den 1492–1511
  • Gott­fried von Haen 1511–1521 (re­si­gniert)
  • Jo­hann von Ket­te­ler 1521–1536 (re­si­gniert)
  • Jo­hann von Har­men 1536–1546
  • Her­mann von Ket­te­ler 1546–1556
  • Kon­rad von Na­gel 1556–1572
  • Gott­fried von Vel­me­de 1573–1583
  • Wen­ne­mar te Kor­te 1583–1613
  • Theo­dor von Hae­ne 1613–1624
  • Jo­hann Rein­hard von Scha­de 1624–1664
  • Franz Diet­rich von Westrem 1664–1671
  • Bern­hard von Westrem 1671–1686
  • Jo­hann Alex­an­der von Ket­te­ler 1686–1695
  • Her­mann Ste­phan von Na­gel 1696–1711
  • Gott­fried Bern­hard von Asche­berg 1711–1713 (re­si­gniert)
  • Jo­hann En­gel­bert von Ket­te­ler 1713–1739
  • Fer­di­nand Mo­ritz von Ket­te­ler 1739–1784
  • Kas­par Fer­di­nand von Bers­worth 1784–1794
  • Fer­di­nand Eli­as von Klein­sor­gen 1794–1803

Fotostrecke Schloss Cappenberg

Stiftskirche

Das Stein’sche Denkmal in Cappenberg

Lage des Schloss Cappenberg

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3 Kommentare

    • Nadine Schneider on 7. Februar 2010 at 18:16
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    Ich fin­de es in­ter­es­sant und zu gleich Wun­der schön ich wer­de es mir auch es mal in Na­tur an se­hen denn das lohnt sich be­stimmt. Das auf denn Bil­dern sagt doch auf je­den Fall aus gehe und schaue es dir an.

    1. Hal­lo Na­di­ne,
      Cap­pen­berg ist im­mer schön, auch für Spa­zier­gän­ge in den um­lie­gen­den Wäl­dern.
      Scha­de, dass der Link nicht funk­tio­niert hat, den Du ein­ge­ge­ben hat­test.

      Gruß Bern­hard

    • Dr.M.Eichenauer on 20. November 2012 at 12:38
    • Antworten

    Gu­ten Tag,
    ich hät­te gern den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der von Schloss Cap­pen­berg für November/Dezember 2011 zugesandt!Sprich, Kon­zer­te und Weihnachtsmarkt!Danke

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