Haus Vogelsang

Haus Vo­gel­sang

Haus Vo­gel­sang ist ein ehe­ma­li­ger Adels­sitz süd­lich der Lip­pe im Dat­tel­ner Stadt­teil Ah­sen. Das Haus war na­mens­ge­bend für die in der Nähe lip­pe­auf­wärts ge­bau­te Schleu­se Vo­gel­sang und steht als Bau­denk­mal un­ter Denk­mal­schutz. In der Nähe der An­la­ge liegt die In­sel, auf der frü­her das Haus Rau­schen­burg stand.

Das An­we­sen ist heu­te Sitz ei­nes Be­triebs für Grün­flä­chen­ma­nage­ment und be­her­bergt Bü­ros so­wie tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen. Es kann nur von au­ßen be­sich­tigt wer­den.

Geschichte

Haus Vo­gel­sang war ein mit­tel­al­ter­li­ches fes­tes Haus, das in ei­ner ers­ten Bau­pha­se auf ei­ner künst­li­chen In­sel er­rich­tet wor­den war. Ver­mut­lich in ei­ner zwei­ten Bau­pha­se wur­de der Haus­teich samt süd­lich da­von lie­gen­der Vor­burg durch ei­nen Was­ser­gra­ben mit ova­ler Form um­ge­ben. Die An­la­ge war im Be­sitz des 1331 erst­mals er­wähn­ten Kon­rad von Re­che­de, der Haus Vo­gel­sang von Lud­wig II. von Hes­sen, dem Fürst­bi­schof von Müns­ter, als Le­hen er­hal­ten hat­te. Kon­rad war Erb­mar­schall des Fürst­bis­tums Müns­ter und stand so­mit der Rit­ter­schaft des Fürst­bis­tums vor. Um 1350 ver­kauf­te er aber die Erb­mar­schalls­wür­de an Jo­hann II. von Mor­ri­en. 1366 wur­de das Le­hen an Jo­hann Sob­be ge­nannt Co­el­re und sei­ne drei Söh­ne über­tra­gen. Die­se Fa­mi­lie blieb rund 150 Jah­re lang Be­sit­ze­rin, ehe 1514 Ger­hard Dob­be mit dem An­we­sen be­lehnt wur­de.

Haus Vo­gel­sang auf der preu­ßi­schen Ur­auf­nah­me von 1842 (heu­ti­ges Blatt 4309 Reck­ling­hau­sen)

Adel­heid Ka­tha­ri­na, die Erb­toch­ter aus der Ehe Wil­helm Dob­bes und sei­ner Frau Anna Ma­ria von Ve­len, brach­te den Be­sitz durch ihre Hei­rat im Jahr 1650 an die Fa­mi­lie ih­res Man­nes, Diet­rich von Bra­beck zu Hack­furt und Lo­haus. Im Jahr 1718 wur­de das An­we­sen ver­stei­gert, neu­er Be­sit­zer wur­de ein Mit­glied der Fa­mi­lie von Wes­ter­holt, das die An­la­ge aber noch im sel­ben Jahr an Fer­di­nand von Plet­ten­berg, den Ei­gen­tü­mer von Schloss Nord­kir­chen, ver­kauf­te. Un­ge­fähr aus je­ner Zeit stammt das Aus­se­hen des öst­li­chen Vor­burg­ge­bäu­des. Aber das Haus ver­blieb nicht lan­ge in Plet­ten­ber­ger Be­sitz, denn es wur­de spä­tes­tens 1723 an den Hil­des­hei­mer Dom­scho­las­ter Jobst Ed­mund von Bra­beck ver­äu­ßert und ge­lang­te da­mit zu­rück an die­se Fa­mi­lie. Jobst Ed­mund brach­te das Haus zu­sam­men mit et­li­chen an­de­ren Be­sit­zun­gen in West­fa­len in ei­nen Fa­mi­li­en­fi­dei­kom­miss ein, der vor­sah, dass die Bra­beck­schen Gü­ter an die Fa­mi­lie von Twi­ckel zu Ha­vix­beck fal­len soll­ten, wenn die Fa­mi­lie von Bra­beck im Man­nes­stamm aus­ster­ben soll­te. Die von Bra­beck führ­ten die An­la­ge im 18. Jahr­hun­dert als land­wirt­schaft­li­chen Groß­be­trieb, zu­sätz­lich be­saß Haus Vo­gel­sang Zoll- und Fi­sche­rei­rech­te auf der Lip­pe so­wie eine Fähr­be­fug­nis und Jagd­rech­te. 1783 er­war­ben die von Bra­beck auch das we­ni­ger als drei Ki­lo­me­ter ent­fernt lie­gen­de Haus Rau­schen­burg vom Hil­des­hei­mer Dom­ka­pi­tel.

Die Be­stim­mun­gen des Fi­dei­kom­mis­ses ka­men 1817 mit dem Tod des le­di­gen und kin­der­lo­sen Gra­fen Cle­mens von Bra­beck, mit dem die Fa­mi­lie im Man­nes­stamm aus­starb, zum Tra­gen. Al­ler­dings kam es zum Streit über das Erbe, denn Cle­men­sʼ Schwes­ter Phil­ip­pi­ne und de­ren Mann An­dre­as Otto Hen­ning zu Stol­berg-Stol­berg be­an­spruch­ten das Haus Vo­gel­sang für ih­ren Sohn Bo­tho Fe­lix. Schluss­end­lich kam es zu ei­nem Ver­gleich zwi­schen den Streit­par­tei­en, und Vo­gel­sang kam an Cle­mens Au­gust von Twi­ckel, Haus Rau­schen­burg hin­ge­gen an An­dre­as zu Stol­berg-Stol­berg, der es am 12. Juli 1827 für 20.000 Reichs­ta­ler an Cle­mens Au­gust von Twi­ckel ver­kauf­te. Sei­ne Fa­mi­lie be­wirt­schaf­te­te Vo­gel­sang aber nicht mehr selbst, son­dern ver­pach­te­te die An­la­ge.

Nach 1900 wur­den die Ge­bäu­de des An­we­sens zu ei­nem Ju­gend­frei­zeit­heim der ka­tho­li­schen Pfar­re St. Ma­riä Heim­su­chung Ah­sen um­ge­baut. Da­bei wur­de dort auch eine Ka­pel­le ein­ge­rich­tet, die je­doch heu­te nicht mehr exis­tiert. In der Nach­kriegs­zeit dien­te Haus Vo­gel­sang als Flücht­lings­un­ter­kunft für Ost­deut­sche, ehe es ab 1956 an das ka­tho­li­sche La­ger­werk Reck­ling­hau­sen ver­mie­tet war. 1989 ver­kauf­te die Fa­mi­lie von Twi­ckel das An­we­sen an die Ruhr­koh­le AG, wel­che die Ge­bäu­de zum Sitz ei­nes Be­triebs für Grün­flä­chen­ma­nage­ment um­ge­stal­te­te. Als sol­cher wird das Haus noch heu­te ge­nutzt.

Beschreibung

La­ge­plan des Hau­ses Vo­gel­sang
© Sir Ga­wain / Wi­ki­me­dia Com­mons, via Wi­ki­me­dia Com­mons

Kern des Hau­ses Vo­gel­sang war ein klei­nes fes­tes Haus, das auf ei­ner etwa 22 × 22 Me­ter mes­sen­den, qua­dra­ti­schen In­sel in­mit­ten ei­nes gro­ßen Haus­teichs stand. Sein Aus­se­hen ist nicht über­lie­fert, und be­reits 1842 exis­tier­te es nicht mehr, denn die west­fä­li­sche Ur­auf­nah­me aus je­nem Jahr zeigt die In­sel be­reits ohne jeg­li­che Be­bau­ung. Heu­te ist sie von Bäu­men um­stan­den und kann über eine lan­ge Holz­brü­cke er­reicht wer­den. Die eins­ti­ge Be­bau­ung konn­te an­hand von we­ni­gen Fun­da­men­tres­ten auf der In­sel nach­ge­wie­sen wer­den. Be­mer­kens­wert ist, dass die Exis­tenz von Haus Vo­gel­sang zwar durch Le­hens­ur­kun­den bis in das 14. Jahr­hun­dert zu­rück­ver­folgt wer­den kann, die An­la­ge aber erst auf ei­ner Kar­te aus dem Jahr 1796 zum ers­ten Mal ab­ge­bil­det wur­de.

Süd­lich und west­lich der Haupt­in­sel la­gen die Wirt­schafts­ge­bäu­de der in­ne­ren Vor­burg, die – ge­mein­sam mit dem Haus­teich – rund­her­um von ei­ner durch den Klos­ter­ner Müh­len­bach ge­speis­ten Gräf­te um­ge­ben wa­ren. Der Was­ser­gra­ben ist heu­te – mit Aus­nah­me des süd­öst­li­chen Teil­ab­schnitts – noch er­hal­ten. Von der in­ne­ren Vor­burg ist nur ein zwei­ge­schos­si­ger Ba­rock­bau aus dem 18. Jahr­hun­dert noch nicht mo­dern über­baut. Das lan­gegstreck­te Ge­bäu­de ist ver­putzt und be­sitzt ei­nen gel­ben An­strich. Sei­ne zwei Ge­schos­se sind von ei­nem Walm­dach be­deckt. Die Längs­sei­ten des Baus sind durch Fens­ter in elf Ach­sen un­ter­teilt, wo­bei das Erd­ge­schoss auf der zur In­sel ge­wand­ten Sei­te an­statt zwei­er Fens­ter Ein­gangs­tü­ren mit Ober­lich­tern auf­weist. Dar­über be­fin­den sich gro­ße Wap­pen­stei­ne. An der Süd­ecke des Hau­ses steht ein zwei­ge­schos­si­ger, qua­dra­ti­scher Eck­turm mit ei­ner ge­schweif­ten, schie­fer­ge­deck­ten Hau­be.

Au­ßer­halb der Gräf­te liegt im Süd­wes­ten an der Zu­fahrt zur An­la­ge eine äu­ße­re Vor­burg mit wei­te­ren Öko­no­mie­ge­bäu­den, wo­von eine Fach­werk­scheu­ne aus dem 18. Jahr­hun­dert das äl­tes­te ist. In ih­rem Dach­stuhl sind Tei­le aus noch äl­te­ren Ge­bäu­den ver­baut. Im rech­ten Win­kel zur Scheu­ne steht ein Wohn- und Wirt­schafts­ge­bäu­de aus Back­stein mit ei­nem Krüp­pel­walm­dach.

Zu Haus Vo­gel­sang ge­hört auch eine alte Was­ser­müh­le mit nörd­lich an­schlie­ßen­dem, klei­nem Gar­ten­are­al, die au­ßer­halb der Gräf­te im Os­ten der An­la­ge lie­gen. Das Mühl­rad wur­de durch Auf­stau­ung des Klos­ter­ner Müh­len­bachs be­trie­ben. Der zwei­ge­schos­si­ge Müh­len­bau be­steht aus Fach­werk und be­sitzt ein ho­hes, zie­gel­ge­deck­tes Walm­dach. Sei­ne Ge­fa­che sind mit Back­stein aus­ge­mau­ert.

Fotostrecke Haus Vogelsang

Lage des Haus Vogelsang

Lizenz

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