Burg Vischering

Burg Vischering

Burg Vi­sche­ring

Die Burg Vi­sche­ring ist eine müns­ter­län­di­sche Was­ser­burg am nörd­li­chen Rand der nord­rhein-west­fä­li­schen Stadt Lü­ding­hau­sen. Trotz ei­nes fast voll­stän­di­gen Neu­baus im 16. Jahr­hun­dert hat die Burg ih­ren wehr­haf­ten Cha­rak­ter weit­ge­hend er­hal­ten. Un­ter den zahl­rei­chen Bur­gen und Schlös­sern des Müns­ter­lan­des ist sie eine der äl­tes­ten und best­erhal­te­nen An­la­gen.

Als Trutz­burg durch den Bi­schof von Müns­ter in der zwei­ten Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts ge­grün­det, ent­wi­ckel­te sich die Burg zum Stamm­sitz der Fa­mi­lie Dros­te zu Vi­sche­ring, de­ren Ei­gen­tum die An­la­ge heu­te noch ist. Der Name Vi­sche­ring wur­de für die Burg aber erst ab der zwei­ten Hälf­te des 14. Jahr­hun­derts ge­bräuch­lich. Bei ei­nem Brand im Jahr 1521 wur­de die An­la­ge weit­ge­hend zer­stört. Sie wur­de bis 1580 wie­der­auf­ge­baut und gleich­zei­tig im Stil der Re­nais­sance er­wei­tert. Nach­dem die Ei­gen­tü­mer ih­ren Wohn­sitz 1690 nach Schloss Dar­feld ver­legt hat­ten, war Vi­sche­ring lan­ge Zeit un­ge­nutzt und wur­de nur von ei­nem Rent­meis­ter ver­wal­tet. Nach Be­schä­di­gun­gen im Zwei­ten Welt­krieg und an­schlie­ßen­den Wie­der­her­stel­lun­gen pach­te­te der da­ma­li­ge Kreis Lü­ding­hau­sen die Burg, um sie als Kul­tur- und Bür­ger­zen­trum zu nut­zen. Dazu wur­den von Be­ginn der 1970er bis in die Mit­te der 1980er Jah­re um­fang­rei­che Re­stau­rie­rungs­maß­nah­men an den Ge­bäu­den durch­ge­führt.

Die ge­sam­te An­la­ge steht seit dem 8. Ok­to­ber 1986 un­ter Denk­mal­schutz und be­her­bergt heu­te un­ter an­de­rem das Müns­ter­land­mu­se­um. Au­ßen­be­sich­ti­gun­gen sind je­der­zeit un­ent­gelt­lich mög­lich.

Geschichte

Anfänge

Die Burg ver­dankt ihre Grün­dung im 13. Jahr­hun­dert Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen dem Bi­schof von Müns­ter, Ger­hard von der Mark, als Lan­des­herrn und den Her­ren von Lü­ding­hau­sen, den Rit­tern Her­mann I. so­wie sei­nem Bru­der Bern­hard. Die­se hat­ten et­was süd­lich der Burg Lü­ding­hau­sen wohl ohne Ein­ver­ständ­nis des Bi­schofs die Burg Wolfs­berg er­rich­tet, und so ließ Ger­hard von der Mark kurz vor 1271 die Burg Vi­sche­ring als Zwing­burg auf ei­ner etwa 80 Me­ter lan­gen Sand­in­sel in ei­nem Ste­ver­arm er­bau­en, um die lan­des­herr­li­chen Rech­te des Bis­tums ge­gen­über den auf­rüh­re­ri­schen Lü­ding­hau­se­ner Brü­dern zu si­chern. Mit ei­ner Ur­kun­de vom 25. Juli 1271 be­lehn­te er den Mi­nis­te­ria­len Al­bert III. von Wulfheim (1268–1315) mit der An­la­ge und gab sie ihm als erb­li­ches Kun­kel­le­hen. Die Fa­mi­lie von Wulfheim stand zu je­ner Zeit schon rund 100 Jah­re lang als Dros­ten im Dienst der Müns­te­ra­ner Bi­schö­fe und nann­te sich nach ih­rem Be­sitz bei Lem­beck. Aus der Lehns­ur­kun­de ist er­sicht­lich, dass sich Ger­hard von der Mark nicht nur das Öff­nungs­recht für die Burg si­cher­te, son­dern die­se zu­gleich als bi­schöf­li­che Lan­des­burg ge­plant war. Al­ler­dings fand der vor­ge­se­he­ne Aus­bau zu ei­ner sol­chen nie statt, ob­wohl die Burg wahr­schein­lich von vorn­her­ein als Zwei-In­sel-An­la­ge ge­plant und an­ge­legt wor­den war und nicht erst spä­ter zu ih­rer heu­ti­gen Grö­ße her­an­wuchs. Al­bert stan­den zur Ver­tei­di­gung der An­la­ge drei Burg­man­nen zur Sei­te. Zu­dem wur­den ihm vom Bi­schof ein Ka­plan, ein Pfört­ner und ein Wäch­ter zu­ge­stan­den.

Burg Vischering Blick auf die Vorburg und die Brücke zur Hauptburg

Burg Vi­sche­ring Blick auf die Vor­burg und die Brü­cke zur Haupt­burg

Nach­dem die Amts­be­zeich­nung Truch­sess im 12. Jahr­hun­dert in den Fa­mi­li­en­na­men über­nom­men wor­den war, ver­dräng­te die Be­zeich­nung Dros­te ihn 1309 kom­plett und wur­de an­statt des­sen zum Fa­mi­li­en­na­men der Burg­be­sit­zer, ob­wohl Dros­te ur­sprüng­lich ei­gent­lich nur die Ver­ball­hor­nung des Wor­tes Truch­sess ge­we­sen war. Spä­tes­tens ab 1455 nann­te sich die auf der Burg an­säs­si­ge Fa­mi­lie Dros­te zu Vi­sche­ring, um sich von dem seit 1414 exis­tie­ren­den an­de­ren Fa­mi­li­en­zweig na­ment­lich zu un­ter­schei­den. In je­nem Jahr teil­ten die bei­den Brü­der Hein­rich und Jo­hann den Fa­mi­li­en­be­sitz un­ter­ein­an­der auf und be­grün­de­ten da­mit zwei Fa­mi­li­en­li­ni­en. Im Tei­lungs­ver­trag ist von ei­nem „olde steyn­hus to Vi­sche­rinck“ und ei­nem „nye steyn­hus mit dem berch­v­re­de“ die Rede. Von dem dort ge­nann­ten Berg­fried sind heu­te je­doch kei­ne ober­ir­di­schen Spu­ren mehr vor­han­den. Ver­mut­lich stand er im öst­li­chen Be­reich des In­nen­hofs. Die da­ma­li­ge mit­tel­al­ter­li­che An­la­ge be­saß al­ler Wahr­schein­lich­keit nach zur Au­ßen­sei­te hin noch kei­ne Fens­ter und war dort nur mit schma­len Schieß­schar­ten aus­ge­stat­tet. Eine Vor­burg ge­hör­te schon da­mals zum Be­sitz, denn die­se wur­de spä­tes­tens Mit­te des 14. Jahr­hun­derts an­ge­legt. Der Tei­lung des Fa­mi­li­en­be­sit­zes folg­ten – vor al­lem wäh­rend der Mün­s­te­r­i­schen Stifts­feh­de 1450 bis 1457 – mehr­fach Ver­pfän­dun­gen und Ver­käu­fe. So kam es, dass der Erb­mar­schall des Fürst­bis­tums Müns­ter, Ger­hard II. von Mor­ri­en auf Nord­kir­chen, im Lau­fe des 15. Jahr­hun­derts fast alle Be­sitz­rech­te an Vi­sche­ring in sei­ner Hand ver­eint hat­te. Da aber sei­ne Toch­ter Rich­mond 1473 Hei­den­reich Dros­te von Vi­sche­ring hei­ra­te­te, kam die Burg zu­rück in Dros­ten­hand.

Neubau im Stil der Renaissance

Heidenreich Droste zu Vischering vollendete den Neubau der Burg im 16. Jh.; Porträt von 1570

Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring voll­ende­te den Neu­bau der Burg im 16. Jh.; Por­trät von 1570

Im Jahr 1521 wur­de die Kern­burg durch ein ver­hee­ren­des Feu­er weit­ge­hend zer­stört. Jo­hann von Dros­te zu Vi­sche­ring be­gann des­halb mit ei­nem Neu­bau des heu­ti­gen West­flü­gels im Stil der Re­nais­sance, der um ein Ge­schoss hö­her war als sein Vor­gän­ger. Der Wie­der­auf­bau auf al­ten Fun­da­men­ten und un­ter Ein­be­zug der noch er­hal­te­nen Bau­sub­stanz dau­er­te meh­re­re Jahr­zehn­te, so­dass Jo­hann sein Ende nicht mehr er­leb­te, denn er starb um 1540. Voll­endet wur­de der Roh­bau 1552 mit der Fer­tig­stel­lung des neu­en Süd­flü­gels durch sei­nen Sohn Hei­den­reich (1507–1588), des­sen Wap­pen ge­mein­sam mit dem sei­ner Frau Jas­pa­ra von Ho­berg zu Kal­den­ho­ve an der Hof­fas­sa­de zu fin­den ist. Bei den Ar­bei­ten wa­ren Fens­ter in die zu­vor ge­schlos­se­ne Ring­mau­er ge­bro­chen wor­den, so­dass der Ver­tei­di­gungs­cha­rak­ter der Haupt­burg ein we­nig ge­min­dert wur­de. Ein Ka­min im Süd­flü­gel mit der Jah­res­zahl 1570 be­weist je­doch, dass der In­nen­aus­bau des neu­en Wohn­baus noch bis zu je­nem Jahr dau­er­te. Bis 1580 war der Bau des Trep­pen­turms voll­endet. West- und Süd­flü­gel wur­den durch den so­ge­nann­ten Zwi­schen­bau mit­ein­an­der ver­bun­den. Die­sem füg­te Hei­den­reich Dros­te von Vi­sche­ring (1540–1622) im Jahr 1617 an der gräf­ten­sei­ti­gen Au­ßen­sei­te ei­nen An­bau hin­zu, der weit in den Haus­teich hin­ein­rag­te: die so­ge­nann­te Aus­lucht.

17. bis 19. Jahrhundert

Wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Kriegs wur­de die Burg ver­mut­lich kurz vor dem 3./4. Fe­bru­ar 1633 durch hes­si­sche Sol­da­ten be­setzt. Ob es da­bei zu kämp­fe­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen kam, ist nicht be­kannt. Die Be­sat­zer blie­ben eine Wei­le: Noch min­des­tens bis Ok­to­ber 1634 war die An­la­ge in hes­si­scher Hand.

Südwest-Ansicht der Burg Vischering auf einer alten Lithografie<br />1837 bis 1840

Süd­west-An­sicht der Burg Vi­sche­ring auf ei­ner al­ten Li­tho­gra­fie
1837 bis 1840

Zur Zeit Chris­toph Hei­den­reichs Dros­te zu Vi­sche­ring (1652–1723) als Burg­herr war Vi­sche­ring nicht mehr die al­lei­ni­ge Re­si­denz der Fa­mi­lie. Durch sei­ne Amts­pflich­ten als Erb­dros­te des Bis­tums Müns­ter weil­te Chris­toph Hei­den­reich zeit­wei­se auch in Ahaus und Holt­wick. Als ihm nach dem Tod sei­nes On­kels Gos­win 1690 das von die­sem im Jahr 1680 er­wor­be­ne Schloss Dar­feld zu­fiel, ver­leg­te er sei­nen Wohn­sitz gänz­lich dort­hin. Burg Vi­sche­ring wur­de nach­fol­gend von ei­nem Rent­meis­ter der Fa­mi­lie ver­wal­tet, die dort nur noch sel­ten zu Gast war. So nimmt es nicht wun­der, dass in den Jah­ren nach dem Weg­zug der Dros­tes kei­ne grö­ße­ren bau­li­chen Ver­än­de­run­gen mehr an der An­la­ge vor­ge­nom­men wur­den. Erst 1720 än­der­te sich dies, als Chris­toph Hei­den­reich den Vor­burg­be­reich neu ge­stal­ten ließ. Im Zuge der ent­spre­chen­den Bau­ar­bei­ten wur­de dem dort seit dem 16. Jahr­hun­dert be­stehen­den Bau­haus ein zwei­flü­ge­li­ges Wirt­schafts­ge­bäu­de an­ge­fügt. Die nächs­te – je­doch nur klei­ne – Ver­än­de­rung fand erst wie­der im 19. Jahr­hun­dert statt. Nach­dem die Fa­mi­lie am 21. Ja­nu­ar 1670 in den Frei­her­ren­stand er­ho­ben wor­den war, folg­te 1826 durch den preu­ßi­schen Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. die Er­he­bung in den Gra­fen­stand für Adolf Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring (1769–1826). Dies äu­ßer­te sich in der Er­gän­zung des Vi­sche­rin­ger Trep­pen­turms mit ei­ner of­fe­nen Kro­ne aus Holz und ei­ner Wet­ter­fah­ne auf sei­ner Hau­be.

Mit dem Um­zug von Ma­xi­mi­li­an Graf Dros­te zu Vi­sche­ring und sei­ner Frau So­phie Grä­fin von Wald­burg-Zeil von Dar­feld nach Vi­sche­ring am 30. Ok­to­ber 1893 kam wie­der mehr Le­ben in die Burg. Um sie für das Gra­fen­paar als Do­mi­zil wohn­lich her­zu­rich­ten, wur­den um­fang­rei­che Mau­rer- und Schrei­ner­ar­bei­ten im In­ne­ren aus­ge­führt. So stammt ver­mut­lich die his­to­ris­ti­sche Holz­ver­tä­fe­lung der Wän­de im ers­ten Ober­ge­schoss der Kern­burg aus je­ner Zeit.

Sanierung, Kriegszerstörung, Wiederherstellung

Die Som­mer der Jah­re 1911 und 1912 wa­ren sehr tro­cken und sorg­ten da­für, dass der Was­ser­spie­gel des Haus­teichs ra­pi­de ab­sank. Fol­ge war, dass die Pfahl­rost­grün­dung der Burg zum Teil frei­lag und de­ren Pfäh­le zu mo­dern be­gan­nen. Sie ver­lo­ren da­bei ihre Trag­fä­hig­keit, wes­we­gen die ge­sam­te Burg­an­la­ge aus­ein­an­der­zu­bers­ten droh­te. Ris­se von bis zu 15 cm Brei­te zeig­ten sich in den Fas­sa­den. In der Zeit von 1927 bis 1929 lie­ßen die Bur­gei­gen­tü­mer des­halb eine sta­ti­sche Si­che­rung vor­neh­men. Die In­stal­la­ti­on von Stahl­be­ton­ele­men­ten und Ra­di­al­an­kern sorg­te für eine Aus­stei­fung des ein­sturz­ge­fähr­de­ten Mau­er­gür­tels. Das Si­che­rungs­kon­zept stamm­te von Ge­org Rüth, der auch schon an der Si­che­rung des Main­zer Doms be­tei­ligt ge­we­sen war.

Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs de­to­nier­te im No­vem­ber 1944 eine Luft­mi­ne am Wall­kopf der Burg. Die da­durch ent­stan­de­ne Druck­wel­le er­zeug­te zahl­rei­che Schä­den an den um­ste­hen­den Bau­ten. So wur­de die Ge­trei­de­müh­le voll­stän­dig zer­stört und ihr Mühl­stein da­bei bis vor die Ka­pel­le auf dem Vor­werk ge­schleu­dert. Die Müh­len­in­sel ver­lor da­durch kom­plett ihre wirt­schaft­li­che Be­deu­tung für die Burg. Durch den Bom­ben­tref­fer wur­de auch die Brü­cke zur Vor­burg be­schä­digt, eben­so wie das Zug­brü­cken­tor zur Haupt­burg. Der Er­ker am Tor­haus der Kern­burg stürz­te ab. Ne­ben zer­stör­ten Dach­par­ti­en und zer­bro­che­nen Fens­ter­ver­gla­sun­gen brach­te die Druck­wel­le aber auch ein bis da­hin un­be­kann­tes Aus­stat­tungs­stück zum Vor­schein: Im so­ge­nann­ten Rit­ter­saal fiel der De­cken­putz her­ab und leg­te dar­un­ter far­big or­na­men­tier­te De­cken­bal­ken frei. Die um­fang­rei­chen Kriegs­schä­den wur­den im Zeit­raum von 1948 bis 1952 weit­ge­hend be­ho­ben. Die Re­pa­ra­tur des Zug­brü­cken­tor­bo­gens er­folg­te 1951, der zer­stör­te Tor­haus­er­ker wur­de 1952/3 wie­der­her­ge­stellt. 1962/63 folg­ten noch wei­te­re In­stand­set­zungs­ar­bei­ten.

Einrichtung des Münsterlandmuseums

Nordansicht der Burg Vischering in Lüdinghausen

Nord­an­sicht der Burg Vi­sche­ring in Lü­ding­hau­sen

Zu Be­ginn der 1970er Jah­re pach­te­te der da­ma­li­ge Land­kreis Lü­ding­hau­sen die Burg­an­la­ge, um sie als Kul­tur­zen­trum zu nut­zen. Un­ter an­de­rem soll­te dort ein Mu­se­um ein­ge­rich­tet wer­den. Zu die­sem Zweck folg­ten zwi­schen 1970 und 1972 um­fang­rei­che In­stand­set­zun­gen an der An­la­ge, bei de­nen zum Teil auch Rück­bau­ten vor­ge­nom­men wur­den, um den his­to­ri­schen Zu­stand wie­der­her­zu­stel­len. Un­ter an­de­rem wur­de das Gräf­ten­sys­tem in sei­nem früh­neu­zeit­li­chen Zu­stand wie­der­her­ge­stellt. Bei Ar­bei­ten im In­ne­ren der Kern­burg ka­men da­bei sel­te­ne Sec­co­ma­le­rei­en aus dem 16. Jahr­hun­dert und ein ver­mau­er­ter, un­ter Putz ver­bor­ge­ner Ka­min im Rit­ter­saal ans Ta­ges­licht. Aus­schach­tungs­ar­bei­ten im In­nen­hof der Haupt­burg leg­ten 1,45 Me­ter un­ter dem heu­ti­gen Hof­ni­veau zu­dem die Fun­da­men­tres­te des ver­mut­lich ehe­ma­li­gen Berg­frieds frei. Die er­hal­te­nen Tei­le des Pfahl­ros­tes wur­den im Fe­bru­ar 1972 und im Juni 1973 ar­chäo­lo­gisch un­ter­sucht. Mit­hil­fe der Dend­ro­chro­no­lo­gie konn­ten sie auf die Zeit um 1270 da­tiert wer­den und ge­hö­ren da­mit sehr wahr­schein­lich noch zum Be­stand der durch Ger­hard von der Mark ge­grün­de­ten An­la­ge. Wei­te­re je­doch nicht ge­nau da­tier­ba­re Bo­den­fun­de sind so­gar noch äl­ter und zei­gen, dass auf dem Burg­platz schon vor 1271 stei­ner­ne Ge­bäu­de ge­stan­den ha­ben. 1972 wa­ren die Wie­der­her­stel­lungs- und Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten so weit ge­die­hen, dass der Land­kreis Coes­feld, als Rechts­nach­fol­ger des Krei­ses Lü­ding­hau­sen, in je­nem Jahr das Müns­ter­land­mu­se­um er­öff­nen konn­te. Bis 1975 war auch die Re­stau­rie­rung des Trep­pen­turms ab­ge­schlos­sen.

Ab 1979 folg­ten um­fas­sen­de Um­bau- und Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten im Vor­burg­be­reich, denn das dor­ti­ge Bau­haus und sei­ne ehe­ma­li­ge Räu­cher­kam­mer aus dem 19. Jahr­hun­dert soll­ten eben­falls mu­se­al ge­nutzt wer­den. Für die üb­ri­gen Wirt­schafts­ge­bäu­de war die Nut­zung als Gas­tro­no­mie und für Ver­an­stal­tun­gen vor­ge­se­hen. Der Dach­stuhl des Bau­hau­ses, ein Vier­stän­der­haus, wur­de nach al­ten Vor­bil­dern fast voll­stän­dig er­neu­ert. Weil das Ge­bäu­de im 19. und 20. Jahr­hun­dert als Schwei­ne­stall ge­dient hat­te, war sei­ne Stän­der­kon­struk­ti­on ent­fernt wor­den und wur­de nun zu An­schau­ungs­zwe­cke an der West­sei­te re­kon­stru­iert. Im Jahr 1982 folg­te die Wie­der­her­stel­lung der Räu­cher­kam­mer, ehe 1983 mit der Re­stau­rie­rung der ehe­ma­li­gen Re­mi­se be­gon­nen wur­de. Bei den Um­bau­maß­nah­men im Bau­haus tra­ten Fun­da­men­tres­te und Pfäh­le zu­ta­ge, die dend­ro­chro­no­lo­gisch un­ter­sucht wur­den. Die Er­geb­nis­se be­wie­sen, dass dort zwei Vor­gän­ger­bau­ten exis­tiert hat­ten: ein ers­ter aus der Zeit um/nach 1315 und ein zwei­ter von etwa 1360. Nach Ab­schluss der Ar­bei­ten konn­te die Aus­stel­lung 1984 in der Vor­burg er­öff­net wer­den.

Heutige Nutzung

© von Sir Gawain (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

La­ge­plan der Burg­an­la­ge
© von Sir Ga­wain (Ei­ge­nes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wi­ki­me­dia Com­mons

Die Burg­an­la­ge dient heu­te als Kul­tur­zen­trum des Krei­ses Coes­feld. In die­sem Rah­men fin­den im Rit­ter­saal zum Bei­spiel Kon­zer­te und Vor­trä­ge statt, wäh­rend die Räu­me im Ober­ge­schoss des Re­mi­sen­baus für kunst- und kul­tur­ge­schicht­li­che Wech­sel­aus­stel­lun­gen ge­nutzt wer­den. The­ma­tisch wech­seln sich zeit­ge­nös­si­sche Kunst der Re­gi­on und Ar­bei­ten in­ter­na­tio­nal be­kann­ter Künst­ler, wie bei­spiels­wei­se Edu­ar­do Chil­li­da, ab. Ge­mein­sam mit dem in der Burg be­hei­ma­te­ten Müns­ter­land­mu­se­um lo­cken die Ver­an­stal­tun­gen rund 80.000 Be­su­cher pro Jahr nach Vi­sche­ring. Für de­ren leib­li­ches Wohl sorgt ein Café/Bistro im ehe­ma­li­gen Pfer­de­stall der Vor­burg.

Im Rah­men der Re­gio­na­le 2016, ei­nem Struk­tur­för­de­rungs­pro­gramm des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, ste­hen die Bur­gen Vi­sche­ring und Lü­ding­hau­sen im Fo­kus des Pro­jek­tes Was­ser­Bur­gen­Welt. Im Zuge die­ses Pro­jek­tes soll die mu­sea­le Be­deu­tung Vi­sche­rings un­ter an­de­rem durch bau­li­che Ver­än­de­run­gen ge­stei­gert wer­den. Über das Müns­ter­land­mu­se­um hin­aus soll Vi­sche­ring im Ziel­bild zum Kom­pe­tenz­zen­trum für Bur­gen und Schlös­ser des gan­zen Müns­ter­lan­des auf­stei­gen, das Un­ter­stüt­zung in Form von Mar­ke­ting, Fach­se­mi­na­ren, Nut­zungs­kon­zep­ten, Er­fah­rungs­aus­tausch und ge­mein­sam nutz­ba­ren, teu­ren In­ves­ti­ti­ons­gü­tern be­reit­stellt. Des Wei­te­ren sol­len die Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen den bei­den be­nach­bar­ten Was­ser­bur­gen und der Lü­ding­hau­ser Alt­stadt stär­ker be­tont wer­den. Die sie ver­bin­den­den of­fe­nen Fluss- und Kul­tur­land­schaf­ten sol­len at­trak­ti­ver ge­stal­tet und Sicht­ach­sen zwi­schen den drei Eck­punk­ten ge­schaf­fen wer­den.

Beschreibung

Die Georgskapelle

Die Ge­orgs­ka­pel­le

Burg Vi­sche­ring ist eine Zwei-In­sel-An­la­ge, be­stehend aus ei­ner Vor­burg mit Wirt­schafts­ge­bäu­den und ei­ner öst­lich da­von ge­le­ge­nen Kern­burg mit den herr­schaft­li­chen Wohn­ge­bäu­den, die auch Ober­burg ge­nannt wird. Bei­de Tei­le lie­gen auf ei­ge­nen In­seln in ei­nem etwa 137 × 81 Me­ter gro­ßen Haus­teich und sind von ei­nem kom­ple­xen Sys­tem aus Wäl­len, Tei­chen und Gräf­ten um­ge­ben, die von der Ste­ver ge­speist wer­den. Rund um den Haus­teich, der auch In­nen­gräf­te ge­nannt wird, ver­läuft ein schma­ler Damm mit ei­nem Rund­weg für Fuß­gän­ger. Auf ihm wach­sen 300 bis 400 Jah­re alte Stie­lei­chen und eine gro­ße Som­mer­lin­de. Die­se ist eine von drei Ein­zel­bäu­men auf dem Burg­are­al, die als Na­tur­denk­mal ge­schützt sind. Ge­gen­über der Aus­lucht der Kern­burg fin­den sich zu­dem ei­ni­ge fremd­län­di­sche Ge­höl­ze, dar­un­ter Schein­zy­pres­sen, Pla­ta­nen, Ei­ben und ein Trom­pe­ten­baum. Um­ge­ben ist der Damm von ei­ner Au­ßen­gräf­te, die wie­der­um von ei­nem Wall um­rahmt wird. Auch auf die­sem gibt es ei­nen Fuß­gän­ger­rund­weg, der im süd­li­chen und öst­li­chen Teil von bi­zarr ge­form­ten etwa 350 Jah­re al­ten Hain­bu­chen ge­säumt ist. Die hohe Zahl al­ter Bäu­me auf dem Burg­ge­län­de deu­tet auf eine groß an­ge­leg­te Land­schafts- und Gar­ten­pla­nung, die schon im 17. Jahr­hun­dert be­gann. Tat­säch­lich wur­den in der ers­ten Hälf­te des 17. Jahr­hun­derts erst­mals ein gro­ßer Gar­ten und ein Kräu­ter­gar­ten er­wähnt. Die­se darf man sich je­doch nicht als ei­nen re­prä­sen­ta­ti­ven Schloss­park vor­stel­len, son­dern viel­mehr als Nutz­gär­ten, in de­nen Obst und Ge­mü­se zur Ver­sor­gung der Burg­be­woh­ner an­ge­baut wur­den. Sie be­stan­den noch min­des­tens bis 1780. Die Mehr­heit der heu­te rund um Vi­sche­ring vor­han­de­nen Bäu­me wur­de al­ler­dings erst im 18. und 19. Jahr­hun­dert ge­pflanzt.

Vorwerk und Mühleninsel

Wirtschaftsgebäude der Vorburg: die zweiflügelige Remise (links) und das Bauhaus (rechts)

Wirt­schafts­ge­bäu­de der Vor­burg: die zwei­flü­ge­li­ge Re­mi­se (links) und das Bau­haus (rechts)

Er­reich­bar ist die Burg­an­la­ge über eine 90 Me­ter lan­ge Lin­den­al­lee, die von Wes­ten auf die Vor­burg zu­führt. Die Al­lee durch­quert da­bei ein Frei­heit ge­nann­tes, lang­ge­streck­tes Vor­werk­are­al, des­sen frü­he­re Be­fes­ti­gun­gen wie Mau­ern, Gräf­ten und Wäl­le heu­te ver­schwun­den sind. Le­dig­lich die Res­te ei­nes Tor­baus sind noch vor­han­den. Der Weg zur Vor­burg pas­siert das so­ge­nann­te Pfört­ner­haus aus dem 19. Jahr­hun­dert und die Ge­orgs­ka­pel­le, ei­nen schlich­ten Zie­gel­bau mit spät­go­ti­schem Fisch­bla­sen-Maß­werk in den Fens­tern. Sein pfan­nen­ge­deck­tes Sat­tel­dach trägt ei­nen Dach­rei­ter. Die Ka­pel­le wur­de 1495 ge­weiht und be­sitzt in ih­rem In­ne­ren noch im­mer die ur­sprüng­li­che Al­tar­plat­te. Die­ser Al­tar hat we­der ein Re­ta­bel noch sons­ti­ge Auf­bau­ten. Auf ihm steht ein recht­ecki­ger Ta­ber­na­kel, des­sen Tü­ren im Na­za­re­ner­stil be­malt sind, und eine stei­ner­ne Leuch­ter­bank. Dar­über hängt an der Al­tar­wand ein Epi­taph in Re­nais­sance­for­men, das na­he­zu ge­nau­so breit wie der Al­tar ist. Es er­in­nert an den 1588 ver­stor­be­nen Erb­dros­ten Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring und zeigt eine von Wap­pen ge­rahm­te Kreu­zi­gung. Der reich ver­zier­te flä­mi­sche Kron­leuch­ter an der höl­zer­nen Flach­de­cke wird auf das 17. Jahr­hun­dert da­tiert. Dar­über hin­aus fin­den sich in dem als Grab­ka­pel­le ge­nutz­ten Bau­werk noch et­li­che Grab­plat­ten und -denk­ma­le der Fa­mi­lie Dros­te zu Vi­sche­ring.

Ehe der Be­su­cher die Vor­burg­in­sel be­tritt, muss er zu­vor noch die so­ge­nann­te Müh­len­in­sel, auch Wall­kopf ge­nannt, über­que­ren. Sie be­sitzt ih­ren Na­men, weil sie frü­her Stand­ort zwei­er was­ser­be­trie­be­ner Müh­len war. Die­se hat­ten in Vi­sche­ring eine lan­ge Tra­di­ti­on, denn schon für das Jahr 1289 ist an­läss­lich ei­nes Streits mit den Her­ren von Lü­ding­hau­sen dort eine Müh­le ur­kund­lich über­lie­fert. Die Öl­müh­le wur­de be­reits im 18. Jahr­hun­dert ab­ge­ris­sen, wäh­rend die Korn­müh­le noch bis 1944 exis­tier­te. Sie war ein ein­fa­cher Fach­werk­bau, des­sen Holz kurz nach 1355 ge­schla­gen wur­de. Als das Ge­bäu­de 1944 durch eine Luft­mi­ne zer­stört wur­de, schleu­der­te die De­to­na­ti­ons­wel­le den Mühl­stein aus Gra­nit bis vor die Ge­orgs­ka­pel­le, wo er noch heu­te liegt. Zwi­schen den bei­den Müh­len­stand­or­ten be­fin­det sich das für die Ver­tei­di­gung der Burg einst sehr wich­ti­ge Wehr, das für die Was­ser­re­gu­lie­rung des weit ver­zweig­ten Gräf­ten­sys­tems der An­la­ge ver­ant­wort­lich war. Es kann über eine Brü­cke aus dem Jahr 1862 über­quert wer­den. Seit 1549 exis­tiert in der süd­west­li­chen Ecke des Wall­kopfs eine klei­ne Schlupf­pfor­te. Sie zeigt über dem Tür­sturz die Wap­pen der Er­bau­er­fa­mi­li­en Müns­ter, Dros­te, Ho­berg und Knehem. Der Durch­gang ist an bei­den Sei­ten von Schieß­schar­ten flan­kiert.

Vorburg

Zugbrücke an der Vorburg

Zug­brü­cke an der Vor­burg

Vom Wall­kopf führt eine von stei­ner­nen Pfei­lern flan­kier­te Brü­cke aus dem Jahr 1719 über die In­nen­gräf­te zum Tor der tra­pez­för­mi­gen Vor­burg. Die Brü­cke über­spannt aber nicht die ge­sam­te Was­ser­brei­te, so­dass ein letz­tes, klei­nes Stück von ei­ner her­un­ter­ge­las­se­nen höl­zer­nen Zug­brü­cke über­wun­den wird. Das Tor be­sitzt Zin­nen so­wie ei­sen­be­schla­ge­ne Tor­flü­gel und ist links und rechts von nied­ri­gen Wehr­mau­ern mit Schieß­schar­ten flan­kiert. Über der rund­bo­gi­gen Tor­durch­fahrt fin­det sich ein spät­go­ti­scher Wap­pen­stein mit dem Al­li­anz­wap­pen des Jo­hann Dros­te zu Vi­sche­ring und sei­ner Frau Eli­sa­beth von Müns­ter. Dar­un­ter be­rich­tet die In­schrift RENOV[AT] MCMXLV vom Wie­der­auf­bau nach den Kriegs­zer­stö­run­gen von 1944.

Be­herr­schen­der Bau des Vor­burg­ge­län­des ist der huf­ei­sen­för­mi­ge Wirt­schafts­hof, der in etwa die nörd­li­che Hälf­te der Vor­burg­in­sel ein­nimmt. Er be­steht aus dem ein­ge­schos­si­gen Bau­haus an der Ost­sei­te, dem sich west­lich im spit­zen Win­kel der zwei­ge­schos­si­ge Re­mi­sen­bau an­schließt. Die­ser stammt aus dem Jahr 1720, was an sei­nen Mau­er­an­kern in der Form die­ser Jah­res­zahl ab­zu­le­sen ist, und wur­de von Chris­toph Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring und sei­ner zwei­ten Frau Adel­heid Mag­da­le­na von Na­gel un­ter Ver­wen­dung äl­te­rer Bau­sub­stanz er­rich­tet. Da­von kün­det das Al­li­anz­wap­pen des Paa­res über ei­nem der Ein­fahrts­to­re. Das Erd­ge­schoss die­ses Vor­burg­teils wur­de aus Bruch- und Block­stei­nen er­rich­tet, wäh­rend das Mau­er­werk sei­nes Ober­ge­schos­ses aus Back­stein be­steht. Die Re­mi­se bot nicht nur La­ger­platz, son­dern be­hei­ma­te­te auch die Pfer­de­stäl­le und die Woh­nung für den Ver­wal­ter. Das Bau­haus wur­de ur­kund­lich erst­mals 1414 er­wähnt. Da­bei han­del­te es sich aber um ei­nen Vor­gän­ger des heu­ti­gen Ge­bäu­des, denn die­ses wur­de erst nach ei­nem Brand im Jahr 1584 neu er­rich­tet. Das be­zeugt eine ent­spre­chen­de In­schrift in sei­nem rund­bo­gi­gen Tor­ge­wän­de, die von den Wap­pen der Er­bau­er, Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring und sei­ner Frau Jas­pa­ra von Ho­berg zu Kal­den­ho­ve, be­glei­tet wird. Das wuch­ti­ge Ge­bäu­de ist ein längs­recht­ecki­ger Fach­werk­bau mit pfan­nen­ge­deck­tem Sat­tel­dach. Es han­delt sich da­bei um ein für das Müns­ter­land ty­pi­sches Vier­stän­der­haus. Im Erd­ge­schoss lag frü­her mit­tig eine lan­ge Die­le, an die sich zu bei­den Sei­ten Stal­lun­gen an­schlos­sen. Im Dach­ge­schoss be­fand sich ein gro­ßer Heu­bo­den. Bei Um­bau­ar­bei­ten in der Zeit von 1980 bis 1983 wur­de das Bau­haus zu ei­ner Vier­stän­der­hal­le ver­än­dert, um bes­ser für die vor­ge­se­he­ne mu­sea­le Be­stim­mung ge­nutzt wer­den zu kön­nen.

von Sir Gawain (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia

Grund­riss des ers­ten Stocks in der Kern­burg
von Sir Ga­wain (Ei­ge­nes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wi­ki­me­dia Com­mons

An der Süd­sei­te der Vor­burg­in­sel steht ein klei­ne­rer Back­stein­bau, dem sich an der Ost­sei­te ein Fach­werk­haus an­schließt. Bei die­sen Ge­bäu­den, die bei­de nach Mit­te des 16. Jahr­hun­derts ent­stan­den sind, han­delt es sich wahr­schein­lich um das Brau- und das Back­haus der Burg Vi­sche­ring. Letz­te­res ist mit ei­nem funk­tio­nie­ren­den Stein­back­ofen aus­ge­stat­tet, der bei be­son­de­ren An­läs­sen in Be­trieb ge­nom­men wird. Durch eine Hin­ter­tür ist es mög­lich, über ei­nen Holz­steg auf den Damm zwi­schen In­nen- und Au­ßen­gräf­te zu ge­lan­gen.

Kernburg

Eine etwa 25 Me­ter lan­ge Holz­brü­cke führt zur Kern­burg mit an­nä­hernd kreis­för­mi­gem Grund­riss. Frü­her war der Zu­gang durch eine Zug­brü­cke ge­si­chert; die da­zu­ge­hö­ri­ge Platt­form, auf der die her­un­ter­ge­las­se­ne Zug­brü­cke auf­lag, war noch Ende des 19. Jahr­hun­derts er­hal­ten. In ih­rer Form als Ring­man­tel­burg ist Vi­sche­ring ein­zig­ar­tig im Müns­ter­land. Sie grün­det auf ei­nen Pfahl­rost aus Ei­chen­holz, der in den schlam­mi­gen Grund des Haus­teichs ge­trie­ben wur­de. Des­sen nor­ma­ler Was­ser­stand be­trägt 1,50 Me­ter. Die heu­te sicht­ba­re Bau­sub­stanz der Haupt­burg stammt aus der Zeit der Spät­go­tik und Re­nais­sance. Als Bau­ma­te­ri­al ka­men Feld­stei­ne, Zie­gel und Hau­stein zum Ein­satz. Letz­te­rer wur­de für de­ko­ra­ti­ve Zier­tei­le, Me­dail­lons und Ge­wän­de ge­nutzt und ist aus Baum­ber­ger Sand­stein. Das stei­le Sat­tel­dach ist mit den im Müns­ter­land nur sel­ten ver­wen­de­ten Bi­ber­schwanz­zie­geln (auch Och­sen­zun­gen ge­nannt) ge­deckt, die zum Teil noch aus dem 16. Jahr­hun­dert stam­men.

Dem Tor­haus an der West­sei­te der Kern­burg schließt sich im Nor­den ein klei­ner An­bau an. Süd­lich des Tors fin­det sich der West­flü­gel. Den süd­li­chen Teil der Haupt­burg bil­det ein Saal­bau mit dem so­ge­nann­ten Rit­ter­saal im Erd­ge­schoss. Die bei­den Ge­bäu­de­flü­gel sind durch den Zwi­schen­bau mit­ein­an­der ver­bun­den. An der Naht­stel­le von Süd­flü­gel und Zwi­schen­bau be­fin­det sich die so­ge­nann­te Aus­lucht, ein drei­ge­schos­si­ger An­bau, der in den Haus­teich hin­aus­ragt. Hof­sei­tig ist dem Süd­flü­gel ein Trep­pen­turm mit ei­ner Wen­del­trep­pe in sei­nem In­ne­ren vor­ge­baut. Die Kern­burg­in­sel wird im Os­ten und Nord­os­ten von ei­ner di­cken Ring­mau­er ab­ge­schlos­sen, die ei­nen zwi­schen 35 und 38 Me­ter mes­sen­den In­nen­hof be­grenzt.

Torhaus und Westflügel

Tor­haus und West­flü­gel

An­hand ei­ner In­schrift und der Wap­pen von Jo­hann Dros­te zu Vi­sche­ring und sei­ner Frau Eli­sa­beth von Müns­ter kann das zwei­ge­schos­si­ge Tor­haus der Haupt­burg auf das Jahr 1519 da­tiert wer­den. Es über­stand als ein­zi­ger Teil den Brand im Jahr 1521 und ist da­mit der äl­tes­te er­hal­te­ne Bau der An­la­ge. Der Rah­men zur Auf­nah­me der eins­ti­gen Zug­brü­cke und die Zug­rol­len sind noch er­hal­ten. Die ein­zel­nen Ge­schos­se des Baus wer­den an der Au­ßen­fas­sa­de durch Ge­sim­se mit go­ti­schen Was­ser­schlä­gen von­ein­an­der ab­ge­setzt. Im zwei­ten Stock­werk fin­den sich zwei klei­ne Quer­stock­fens­ter. Auf de­ren Höhe hängt am nörd­li­chen Gie­bel ein Ab­ort­er­ker, der erst nach 1891 zu ei­nem Ab­ort­schacht ver­än­dert wur­de. Links ne­ben dem run­den Tor­bo­gen mit an­schlie­ßen­der ton­nen­ge­wölb­ter Durch­fahrt fin­det sich an der Au­ßen­sei­te auf Höhe des ers­ten Stock­werks ein von Kon­sol­stei­nen ge­tra­ge­ner Er­ker, des­sen Wur­zeln im ers­ten Vier­tel des 17. Jahr­hun­derts lie­gen. Nach sei­ner Zer­stö­rung im Zwei­ten Welt­krieg wur­de er in al­ter Form wie­der­her­ge­stellt. Nörd­lich schließt sich dem Tor­haus ein klei­ner ein­ge­schos­si­ger Fach­werk­an­bau an, der auch Ka­pel­len­an­bau ge­nannt wird und auf der Ring­mau­er auf­setzt. Er wur­de wahr­schein­lich von Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring (1507–1588) für sei­ne zwei­te Frau Ka­tha­ri­na Kock er­rich­tet. Sein zwei­stö­cki­ger, fi­alen­ge­schmück­ter Gie­bel weist Ähn­lich­kei­ten mit dem des Burg­stein­fur­ter Rat­hau­ses aus dem Jahr 1561 auf.

Rittersaal Burg Vischering

Rit­ter­saal Burg Vi­sche­ring

Süd­lich des Tor­hau­ses steht der schlich­te West­flü­gel der Haupt­burg. Er wur­de nach dem Brand von 1521 un­ter Ver­wen­dung von noch er­hal­te­ner Bau­sub­stanz neu er­rich­tet. Sei­ne zwei Ober­ge­schos­se er­he­ben sich auf ei­nem ho­hen Kel­ler­ge­schoss, des­sen stich­bo­gi­ges Kreuz­grat­ge­wöl­be auf Rund­stüt­zen ruht. Im ers­ten Stock des sich süd­lich an­schlie­ßen­den Zwi­schen­baus be­fand sich frü­her die Schlaf­kam­mer des Dros­ten, die spä­ter als Wohn­zim­mer der Erb­dros­ten­fa­mi­lie ge­nutzt wur­de. Der re­nais­sance­zeit­li­che Ka­min in die­sem Raum stammt aus dem Jahr 1570. An der Au­ßen­sei­te der bei­den Ge­bäu­de­tei­le lässt sich gut der Wie­der­auf­bau nach dem Feu­er auf und an der mit­tel­al­ter­li­chen Ring­mau­er nach­voll­zie­hen. Deut­lich sind dort im Bruch­stein­mau­er­werk die Back­stein­par­ti­en der Ein­grif­fe sicht­bar, mit de­nen Fens­ter ein­ge­fügt und die bis­he­ri­ge Bau­sub­stanz um ein Ge­schoss er­höht wur­de.

Den süd­li­chen Be­reich der Kern­burg­in­sel nimmt ein zwei­ge­schos­si­ger Saal­bau mit ton­nen­ge­wölb­tem Kel­ler aus dem drit­ten Vier­tel des 16. Jahr­hun­derts ein. Sein Bau wur­de sei­ner­zeit über den al­ten Be­ring hin­aus in den Haus­teich vor­ge­scho­ben und da­mit die kreis­run­de Form der An­la­ge ein we­nig durch­bro­chen. An der Au­ßen­sei­te be­sitzt der Flü­gel dop­pel­te Ent­las­tungs­bö­gen über den gro­ßen Fens­tern. Er er­hielt sei­nen Na­men von dem gro­ßen Rit­ter­saal im Erd­ge­schoss mit ei­ner da­ne­ben lie­gen­den Saal­kam­mer, was zur Zeit des Baus eine weit ver­brei­te­te Raum­auf­tei­lung war. Die Grund­flä­che der bei­den Räu­me weist da­bei das ty­pi­sche Ver­hält­nis von 1:2 auf, wo­bei die Saal­kam­mer in spä­te­rer Zeit durch eine Zwi­schen­wand in zwei Hälf­ten ge­teilt wur­de. Auch der Saal war durch nach­träg­li­che Wän­de in meh­re­re Räu­me un­ter­teilt, ehe er zu Be­ginn der 1970er Jah­re im Zuge der Mu­se­ums­ein­rich­tung wie­der in den Ori­gi­nal­zu­stand rück­ge­baut und re­stau­riert wur­de. Ohne Zwi­schen­wän­de ist er ei­ner der größ­ten Säle im Müns­ter­land. Bei der Re­stau­rie­rung wur­de durch Zu­fall sein gro­ßer Ka­min an der Ost­wand wie­der­ent­deckt. Zu­ge­mau­ert ver­barg er sich un­ter ei­ner Putz­schicht. Auf dem Sturz be­sitzt er Sand­stein­re­li­efs mit den Wap­pen der Fa­mi­li­en Dros­te, Müns­ter, Ho­berg und Knehem. Sei­ne Da­tie­rung 1570 weist auf das Ende des lang­jäh­ri­gen In­nen­aus­baus die­ses Trakts. Ne­ben sei­nen ori­gi­na­len, mit far­bi­gen Or­na­men­ten ver­zier­ten De­cken­bal­ken be­sitzt der Rit­ter­saal noch eine wei­te­re be­son­de­re Aus­stat­tung: In der Süd­west­ecke des Raums sind in Fens­ter­ge­wän­den und an den sie rah­men­den Flä­chen Wand­ma­le­rei­en in Form von Men­schen- und Tier­ge­stal­ten er­hal­ten ge­blie­ben. Die­se wur­den al sec­co auf den Putz auf­ge­tra­gen und sind ein in West­fa­len nur sel­ten er­hal­te­nes Bei­spiel von pro­fa­ner Wand­ma­le­rei. Sti­lis­tisch deu­ten sie auf eine Ent­ste­hung im drit­ten Vier­tel des 16. Jahr­hun­derts.

Die Auslucht

Die Aus­lucht

An der Hof­fas­sa­de des Süd­flü­gels fin­den sich zwi­schen den Fens­tern des ers­ten Stocks kreis­run­de Stein­me­dail­lons in Re­nais­sance­for­men, die ne­ben der Jah­res­zahl 1552 das Wap­pen des Bau­herrn Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring und sei­ner Frau Jas­pa­ra von Ho­berg zei­gen. Ihr Durch­mes­ser be­trägt 1,07 Me­ter. Sie sind, ne­ben zwei wei­te­ren Stein­me­dail­lons über den hof­sei­ti­gen Kel­ler­ein­gän­gen, die ein­zi­gen de­ko­ra­ti­ven Ele­men­te an der Fas­sa­de. Die Kel­ler­me­dail­lons fin­den sich in go­ti­sie­ren­den, 1,30 Me­ter ho­hen Drei­pass­re­li­efs und zei­gen ver­mut­lich die Por­träts des Bau­herrn und sei­ner Frau, wo­bei Letz­te­res be­reits stark ver­wit­tert ist. Zum Süd­flü­gel ge­hört ein schlan­ker, acht­ecki­ger Trep­pen­turm, des­sen Wen­del­trep­pe die bei­den Ober­ge­schos­se des Trakts mit­ein­an­der ver­bin­det. Der Turm wird au­ßen von so­ge­nann­ten deut­schen Bän­dern und ver­schie­de­nen Ge­sims­ar­ten ho­ri­zon­tal ge­glie­dert. In den obe­ren Eta­gen wur­den gla­sier­te Zie­gel ver­wen­det, um das Mau­er­werk mit de­ko­ra­ti­ven geo­me­tri­schen Mus­tern auf­zu­lo­ckern. Weil der Turm frü­her auch als Wach­turm dien­te, wird das obers­te sei­ner Ge­schos­se von ei­ner Wachstu­be ein­ge­nom­men, die an je­der der acht Sei­ten ein Fens­ter be­sitzt. Die schie­fer­ge­deck­te Hau­be des Turms wird von ei­ner höl­zer­nen Kro­ne mit Me­tall­über­zug und ei­ner Wet­ter­fah­ne be­krönt.

Im Süd­wes­ten ragt die Aus­lucht auf fast qua­dra­ti­schem Grund­riss weit in den Haus­teich hin­ein. Er­rich­tet zwi­schen 1617 und 1622, ist sie der jüngs­te Teil der Burg­an­la­ge. Ihre bei­den Ober­ge­schos­se be­sit­zen ein Back­stein­mau­er­werk mit Werk­stein­glie­de­rung und hel­ler Eck­qua­de­rung. Aus­ge­präg­te Gurt-, Kranz- und Fens­ter­brü­cken­ge­sim­se an al­len drei Au­ßen­sei­ten glie­dern de­ren Fas­sa­den in ho­ri­zon­ta­ler Rich­tung. Auf Höhe des ers­ten Stock­werks be­sitzt der Bau ei­nen Er­ker mit fla­chem Drei­ecks­gie­bel und vier Fens­tern, der mit Be­schlag­werk aus geo­me­tri­schen For­men wie Ro­set­ten und Waf­fel­ei­sen­mo­ti­ven ver­ziert ist. Die Wap­pen des Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring (1540–1622) und sei­ner Frau Cor­ne­lia Ket­te­ler zu Ho­ve­stadt wei­sen sie als Er­bau­er der Aus­lucht aus, die 1617 – er­kenn­bar an ei­ser­nen Mau­er­an­kern an den Längs­sei­ten – mit der Er­rich­tung be­gan­nen. Voll­endet wur­de der Bau aber von ih­rem Sohn Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring (1580–1643) und sei­ner Frau Mar­ga­re­te von Raes­feld. Da­von zeugt das Dop­pel­wap­pen der bei­den mit der Jah­res­zahl 1622 am Gie­bel der Aus­lucht. Die­ser ist ein ty­pisch müns­ter­län­di­scher Drei­staf­fel­gie­bel, des­sen halb­kreis­för­mi­ge Auf­sät­ze ku­gel­be­setzt sind und eine Fä­cher­fül­lung be­sit­zen. Der Raum im ers­ten Ge­schoss des Baus weist in der Mit­te des Fuß­bo­dens eine run­de Fall­tür auf, durch die ein dar­un­ter lie­gen­der Kel­ler­raum er­reich­bar ist. Dass es sich bei die­sem nicht um ein ehe­ma­li­ges Ver­lies han­delt, zeigt die Tat­sa­che, dass er ei­nen Aus­gang zur Gräf­te be­sitzt. Zu­dem führt eine Wen­del­trep­pe vom Ober­ge­schoss in den Kel­ler. Viel eher han­delt es sich um ei­nen re­nais­sance­zeit­li­chen Tre­sor­raum, in dem bei Ge­fah­ren­si­tua­tio­nen wich­ti­ge Do­ku­men­te und Wert­ge­gen­stän­de in Si­cher­heit ge­bracht und, falls nö­tig, von dort aus von der Burg fort­ge­schafft wer­den konn­ten. Die Dros­ten­fa­mi­lie woll­te mit die­ser Vor­keh­rung wohl ver­hin­dern, dass ihre wert­vol­len Be­sitz­ur­kun­den noch ein­mal ab­han­den­kom­men konn­ten, wie es bei dem Brand von 1521 ge­sche­hen und das ge­sam­te Fa­mi­li­en­ar­chiv ver­lo­ren ge­gan­gen war.

Sämt­li­che Bau­ten der Haupt­burg ste­hen am Rand der Kern­burg­in­sel und um­rah­men auf die­se Wei­se ei­nen Burg­hof, des­sen nörd­li­che und öst­li­che Be­gren­zung die mit­tel­al­ter­li­che Ring­mau­er dar­stellt. An die­sen Sei­ten ist ihr ur­sprüng­li­cher, fens­ter­lo­ser Zu­stand er­hal­ten. Le­dig­lich eine zur Gräf­te füh­ren­de Schlupf­tür durch­bricht das sonst ge­schlos­se­ne Mau­er­werk. Die an der Ba­sis etwa 1,60 bis 1,70 Me­ter di­cke Mau­er wur­de aus dunk­len Ra­sen­ei­sen­stei­nen und aus Schwar­ten­sand­stein er­rich­tet, der ver­mut­lich aus den Bor­ken­ber­gen im Na­tur­park Hohe Mark-West­müns­ter­land stammt. Sie war frü­her we­sent­lich hö­her als heu­te und maß etwa 10 Me­ter. Aus­ge­stat­tet war sie mit ei­nem dop­pel­ten Wehr­gang aus Fach­werk, der wahr­schein­lich zur Gräf­te hin aus­kra­gend war. Die Öff­nun­gen der zu den bei­den Wehr­gän­gen füh­ren­den Tü­ren sind heu­te noch gut an der Hof­fas­sa­de des Süd­flü­gels sicht­bar.

Münsterlandmuseum

Im ers­ten Stock­werk der Kern­burg und im Wirt­schafts­hof der Vor­burg ist heu­te das Müns­ter­land­mu­se­um be­hei­ma­tet, das sei­ne Aus­stel­lungs­stü­cke täg­lich au­ßer mon­tags in acht Räu­men auf 400 Qua­drat­me­tern prä­sen­tiert.

Das Erd­ge­schoss des Bau­hau­ses ist ei­ner spe­zi­el­len Mit­mach-Aus­stel­lung für Kin­der ge­wid­met, die sich mit dem The­ma „Rit­ter und Pfer­de“ be­fasst. Dort kön­nen jun­ge Mu­se­ums­be­su­cher nicht nur die Ex­po­na­te an­schau­en, son­dern selbst aus­pro­bie­ren, wie schwer ein Ket­ten­hemd ist oder wie un­be­quem ein Helm sein konn­te. Das dar­über lie­gen­de Ober­ge­schoss bie­tet Ex­po­na­te rund um das bäu­er­li­che Le­ben und Ar­bei­ten. Dazu ge­hö­ren Ge­rät­schaf­ten für den Acker­bau, Web­stuhl und Spinn­rad, aber auch Aus­stel­lungs­stü­cke zum The­ma Ko­chen und Vor­rats­hal­tung. Das Erd­ge­schoss des nörd­li­chen Re­mi­sen­flü­gels ist Kut­schen und Kar­ren vor­be­hal­ten. Dem Be­su­cher wer­den dort zahl­rei­che Ge­fähr­te aus der Ver­gan­gen­heit prä­sen­tiert, vom vor­neh­men Land­au­er über ei­nen Dog­cart bis hin zur ein­fa­chen Sturz­kar­re. Das Ober­ge­schoss wird für wech­seln­de kunst- und kul­tur­ge­schicht­li­che Aus­stel­lun­gen ge­nutzt.

Die Samm­lung in vier Räu­men des ers­ten Ge­schos­ses in der Kern­burg wid­met sich der Ge­schich­te der Herr­lich­keit, der Burg und ih­ren Be­woh­nern eben­so wie dem The­ma ade­li­ges Le­ben in der Zeit der Re­nais­sance. Nach ih­rer Er­öff­nung 1972 er­fuhr die Aus­stel­lung 1994 eine Neu­ge­stal­tung. Dass Vi­sche­ring einst eine ei­gen­stän­di­ge Herr­schaft war, mit der die nie­de­re Ge­richts­bar­keit für die Her­ren ein­her­ging, ver­deut­licht der gro­ße Fuß­block aus Holz und Ei­sen, in den drei De­lin­quen­ten gleich­zei­tig fest­ge­setzt wer­den konn­ten. Vom Acht­zig­jäh­ri­gen Krieg, von dem auch die Ge­gend um Lü­ding­hau­sen nicht ver­schont blieb, zeugt ein Schatz­fund aus dem be­nach­bar­ten Sep­pen­ra­de. Ein wohl­ha­ben­der Bau­er hat­te zahl­rei­che Sil­ber­mün­zen in zwei Ton­ge­fä­ßen ver­gra­ben, aber of­fen­bar kei­ne Ge­le­gen­heit mehr, sie wie­der aus­zu­gra­ben. Da­ge­gen brach­ten die Burg­her­ren von Vi­sche­ring ihr Hab und Gut in un­si­che­ren Zei­ten mit ei­nem ei­ser­nen Schatz­fass in Si­cher­heit, das sie kur­zer­hand in der Burg­gräf­te ver­senk­ten. Es ist eben­so in der Aus­stel­lung zu se­hen wie das ei­ser­ne Hals­band des Lam­bert von Oer. Da­bei han­delt es sich um ei­nen über zwei Ki­lo­gramm schwe­ren, sechs­ecki­gen Ei­sen­reif, des­sen In­nen­sei­te vier spit­ze Dor­nen be­sitzt. God­dert von Ha­me­ren ließ das von ei­nem Nürn­ber­ger Schmied ge­fer­tig­te Fol­ter­in­stru­ment im Jahr 1520 dem sei­ner­zeit auf Burg Kakes­beck an­säs­si­gen Lam­bert von Oer an­le­gen, um ihn in ei­nem Streit um Land­be­sitz­rech­te zum Ein­len­ken zu zwin­gen. Der da­mals 80-jäh­ri­ge Lam­bert ritt nach Müns­ter, wo ihn ein Waf­fen­schmied von dem Hals­band be­frei­te, in­dem er es auf­mei­ßel­te. Der Reif be­steht des­halb heu­te aus zwei Tei­len, und sein aus­ge­klü­gel­ter Ver­schluss­me­cha­nis­mus ist be­schä­digt.

Ei­nes der kunst­his­to­risch be­deu­tends­ten Stü­cke der Aus­stel­lung ist das aus dem 16. Jahr­hun­dert stam­men­de Ehe­bett des Hei­den­reich Dros­te zu Vi­sche­ring und sei­ner Frau Jas­pa­ra. Das 1,45 × 2 Me­ter gro­ße Him­mel­bett ge­hör­te zum Ori­gi­nal-In­ven­tar der Burg und wur­de dem Müns­ter­land­mu­se­um von der Fa­mi­lie Dros­te zu Vi­sche­ring als Ex­po­nat über­las­sen. Sein Bal­da­chin aus Holz ist – eben­so wie das Kopf­brett – mit pracht­vol­len Re­li­ef­schnit­ze­rei­en ver­ziert. Die­se zei­gen christ­li­che Mo­ti­ve und Sze­nen aus der Ge­ne­sis rund um Adam und Eva. Vie­le der Ab­bil­dun­gen leh­nen sich an Dar­stel­lun­gen aus der To­ten­tanz­fol­ge Hans Hol­beins des Jün­ge­ren an. Au­ßer­dem fin­den sich am Bett die Wap­pen der Fa­mi­li­en Dros­te, Ho­berg, Müns­ter und Knehem, die sich auch am Ka­min im Rit­ter­saal und an der Schlupf­pfor­te auf der Müh­len­in­sel zei­gen. Noch vor­han­de­ne Res­te der frü­he­ren farb­li­chen Fas­sung las­sen er­ah­nen, welch far­ben­fro­hen Ein­druck das Bett einst auf den Be­trach­ter mach­te.

Fotostrecke aus dem Museum

Die Burg in Kunst und Kultur

Ent­wurf: © Heinz Schil­lin­ger

Szene aus Friedrich Wilhelm Murnaus Film Der Knabe in Blau

Sze­ne aus Fried­rich Wil­helm Murn­aus Film Der Kna­be in Blau

Burg Vi­sche­ring ist we­gen ih­rer ma­le­ri­schen Lage und ih­rer weit­ge­hen­den Un­ver­än­dert­heit ein sehr be­lieb­tes Mo­tiv für Post­kar­ten und Fo­tos. Auch die Bun­des­post und die Deut­sche Bun­des­post Ber­lin ha­ben die An­la­ge für sich ent­deckt. In der Brief­mar­ken­se­rie Bur­gen und Schlös­ser er­schien am 11. Ja­nu­ar 1979 eine 90-Pfen­nig-Brief­mar­ke mit der Burg als Mo­tiv. Ge­stal­tet wur­de das Post­wert­zei­chen von dem Gra­fi­ker Heinz Schil­lin­ger. Eben­so fand Vi­sche­ring Nie­der­schlag in der jün­ge­ren Li­te­ra­tur. Aus der Rei­he his­to­ri­scher Kri­mi­nal­ro­ma­ne des Au­tors Den­nis Ehr­hardt mit dem Ti­tel Son­der­berg & Co. stammt die Fol­ge Der Spie­gel von Burg Vi­sche­ring. Sie er­schien im Juni 2012 als Hör­spiel im Zau­ber­mond-Ver­lag.

Au­ßer­dem kann Burg Vi­sche­ring auf eine lang­jäh­ri­ge Tra­di­ti­on als Film-Lo­ca­ti­on zu­rück­bli­cken. In den bis dato zahl­reich pro­du­zier­ten Film-Do­ku­men­ta­tio­nen über die Was­ser­bur­gen und -schlös­ser im Müns­ter­land wird Vi­sche­ring als qua­si fes­te Grö­ße stets er­wähnt. Aber schon im Jahr 1919 wur­de die An­la­ge fil­misch ver­ewigt, denn der Re­gis­seur Fried­rich Wil­helm Murnau nutz­te sie als Ku­lis­se für sei­nen heu­te ver­schol­le­nen Film Der Kna­be in Blau. In den 1980er Jah­ren nutz­te Hans-Chris­toph Blu­men­berg die Burg als Dreh­ort für sei­nen Kri­mi Der Som­mer des Sa­mu­rai mit Nad­ja Til­ler und Cor­ne­lia Fro­boess. Vi­sche­ring stell­te dar­in den Wohn­ort des Film-Bö­se­wichts dar. Auch Gün­ter We­wel war schon auf Burg Vi­sche­ring zu Gast. 1996 wur­de dort mit ihm eine Epi­so­de der mu­si­ka­li­sche Un­ter­hal­tungs­sen­dung Kein schö­ner Land auf­ge­zeich­net.

Fotostrecke Burg Vischering

Fotostrecke Belagerung 2014

Lage der Burg Vischering

Lizenz

© Ur­he­ber­recht für die Fo­tos auf die­sen Sei­ten be­stehen bei Bern­hard Gro­ße-Drenkpohl.
Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Burg Vi­sche­ring aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­to­ren ver­füg­bar.

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