Burg Hülshoff

Burg Hüls­hoff

Burg Hülshoff

Burg Hüls­hoff

Ent­ste­hungs­zeit: 11. Jahr­hun­dert erst­mals er­wähnt
Bur­gen­typ: Nie­de­rungs­burg
Er­hal­tungs­zu­stand: Er­hal­ten
Stän­di­sche Stel­lung: Dros­ten
Bau­wei­se: Baum­ber­ger Sand­stein, Back­stein­zie­gel
Ort: Ha­vix­beck
Geo­gra­phi­sche Lage 51° 58′ 17,2″ N, 7° 30′ 16,1″ O
Höhe: 71 m ü. NHN

Burg Hüls­hoff ist eine ty­pi­sche müns­ter­län­di­sche Was­ser­burg, de­ren Name sich von der Be­zeich­nung Hül­se (auch Hüls­busch, Holst, eng­lisch hol­ly) für die Stech­pal­me ab­lei­tet. Sie liegt zwi­schen Ha­vix­beck und dem müns­ter­schen Vor­ort Ro­xel und ge­hört seit 1975 zur Ge­mein­de Ha­vix­beck. Die Burg war von 1417 bis 2012 Stamm­sitz der Frei­her­ren Dros­te zu Hüls­hoff und ist das Ge­burts- und El­tern­haus der Dich­te­rin An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff.

Baubeschreibung

Burg Hüls­hoff stellt sich bis heu­te als ge­schlos­se­ne Re­nais­sance­an­la­ge dar, de­ren hohe Drei­staf­fel­gie­bel schmuck­los ge­hal­ten sind. Auf dem First der Haupt­burg be­fin­det sich ein Dach­rei­ter mit ei­ner Sturm­glo­cke, mit der weit­hin hör­bar Alarm ge­schla­gen wer­den konn­te. Die Was­ser­burg steht auf zwei In­seln, die durch eine Brü­cke ver­bun­den sind. Im 17. und 18. Jahr­hun­dert wur­de die An­la­ge in For­men des Ba­rock er­neu­ert, um­ge­baut und er­wei­tert, wo­bei der Baum­ber­ger Sand­stein zu­sam­men mit Zie­gel­mau­er­werk zum Ein­satz ka­men. Der 1628 er­rich­te­te Gärt­ner­sturm zeigt seit dem 19. Jahr­hun­dert ein, ur­sprüng­lich an an­de­rer Stel­le an­ge­brach­tes, Rei­ter­re­li­ef, das Hein­rich I. von Dros­te-Hüls­hoff (1500–1570) dar­stellt, der bei der Er­obe­rung der Stadt Müns­ter von den Täu­fern be­tei­ligt ge­we­sen ist. Über dem Ein­gang der Haupt­burg be­fin­det sich das Dop­pel­wap­pen Dros­te zu Hüls­hoff-Tra­vel­mann des Bern­hard II. von Dros­te zu Hüls­hoff, das ur­sprüng­lich ei­nen von Hein­rich I. ge­bau­ten, im 18. Jahr­hun­dert ab­ge­ris­se­nen, Er­ker zier­te.

Baugeschichte

Die An­la­ge wur­de erst­mals im 11. Jahr­hun­dert als Ober­hof „Hoff ton Hul­sho­ve“ (Hof zum Hüls­hoff) ur­kund­lich er­wähnt. Schon 1388 er­war­ben die Her­ren von De­cken­brock, die sich nach ih­rem erb­li­chen Dros­ten­amt des Dom­ka­pi­tels Müns­ter be­nann­ten, den in der Nach­bar­schaft von Hüls­hoff lie­gen­den und spä­ter zum Guts­be­sitz ge­hö­ri­gen Hof Wit­to­ver. Jo­hann IV. von Dros­te, der, wie an­de­re Erb­män­ner in Müns­ter wirk­te und leb­te, Be­sit­zer des Ober­ho­fes De­cken­brock, kauf­te dann 1414 eine Par­zel­le vom Hüls­ho­ve, heu­te der nörd­li­che Teil des Schloss­parks. 1417 kauf­te er von sei­ner ent­fern­ten Ver­wand­ten Jut­ta von Scho­ne­beck auch das Haus Tor Ku­len, ur­kund­lich be­reits 1347 er­wähnt und den Ober­hof Hüls­hoff. Den Ur­kun­den zu­fol­ge stand auf ei­ner In­sel im da­mals noch klei­ne­ren Haus­teich nur ein Haus mit di­cken Mau­ern. Die heu­ti­ge Vor­burg hat­te ei­nen Gra­ben im süd­li­chen Be­reich, wo sich da­mals der Zu­gang be­fand. Die Fa­mi­lie nutz­te die Burg zu­nächst als Land­sitz, vor al­lem in den Som­mer­mo­na­ten.

Burg Hülshoff | Sammlung Duncker

Burg Hüls­hoff | Samm­lung Duncker

Erst Hein­rich I. (1500–1570) ver­leg­te, be­dingt durch die Er­fah­run­gen der Täu­fer­zeit, sei­nen stän­di­gen Wohn­sitz nach Hüls­hoff, nahm den Na­men Dros­te zu Hüls­hoff an und mach­te die Burg für fast 600 Jah­re zum Stamm­sitz sei­ner Fa­mi­lie. Zwi­schen 1540 und 1545 er­bau­te bzw. er­wei­ter­te er das Haupt­haus durch den west­li­chen Flü­gel und be­fes­tig­te die Burg. Er ließ den Teich durch ei­nen Ka­nal ver­grö­ßern. Stär­ker be­fes­tigt wur­de die An­la­ge 1580 durch sei­nen Sohn, den Bür­ger­meis­ter von Müns­ter Bern­hard II. von Dros­te zu Hüls­hoff (1542–1624). Er er­rich­te­te Um­fas­sungs­mau­ern, den (im 19. Jahr­hun­dert ab­ge­bro­che­nen) Al­ten Hun­de­turm (sei­ne ur­sprüng­lich dort an­ge­brach­te Wet­ter­fah­ne mit dem Wap­pen Dros­te-Tra­vel­mann ist heu­te auf dem Neu­en Hun­de­turm zu se­hen) so­wie ei­nen Re­nais­sance-Er­ker (im 18. Jahr­hun­dert ab­ge­bro­chen). Des­sen Sohn Hein­rich II. (1597–1666) muss­te, durch wie­der­hol­te Be­la­ge­run­gen und Plün­de­run­gen im spa­nisch-nie­der­län­di­schen und im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg, die Be­fes­ti­gung aber­mals ver­stär­ken. Er schüt­te­te 1628 die jet­zi­ge Lin­den­al­lee, den heu­ti­gen Haupt­zu­gang zur Burg, auf und pflas­ter­te sie. Dank der Be­fes­ti­gun­gen ver­tei­dig­te man sich in Hüls­hoff noch im 18. Jahr­hun­dert mit 18 Mann und eben­so vie­len stets ge­la­de­nen Ge­weh­ren.

Hein­rich Jo­hann I. Dros­te zu Hüls­hoff (1677–1739) hat­te zu Be­ginn des 18. Jahr­hun­derts am nörd­li­chen Teichu­fer vier Kas­ta­ni­en pflan­zen las­sen, die im­mer wie­der durch neue er­setzt wur­den. Ihm ver­dankt Hüls­hoff auch die Ei­chen­al­lee, die von Nord­wes­ten auf die Lin­den­al­lee zu­führt. Von sei­nem zwei­ten Sohn, dem Dom­herrn Ernst Con­stan­tin I., wur­den der süd­li­che Teil des Som­mer­bo­s­ketts und die Vor­gän­ger der Kas­ta­ni­en­al­lee ge­pflanzt, die von Nor­den auf den Haus­teich zu­führt. Das In­ne­re des Her­ren­hau­ses wur­de am Ende des 18. Jahr­hun­derts durch den Gou­ver­neur von Müns­ter, Ge­ne­ral Hein­rich-Jo­hann von Dros­te zu Hüls­hoff (1735–1798), um­ge­baut, wo­bei auch die Fens­ter die heu­ti­ge Form er­hiel­ten. Der Pa­vil­lon im nörd­li­chen Teil des Som­mer­bo­s­ketts, das so­ge­nann­te Tee­häus­chen, war ein Ge­schenk sei­nes Bru­ders, des Dom­de­chan­ten Ernst Con­stanz von Dros­te zu Hüls­hoff (1736–1799). De­ren Nef­fe Cle­mens-Au­gust II. von Dros­te zu Hüls­hoff, Va­ter der Dich­te­rin An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff, ließ das süd­lich ge­le­ge­ne, sump­fi­ge Ge­län­de tro­cken­le­gen. Dazu ließ er die Stich­grä­ben von dem öst­li­chen und west­li­chen Turm der Vor­burg zum Haus­teich aus­he­ben. Der fast ver­lan­de­te Gra­ben zwi­schen den bei­den Tür­men wur­de ver­tieft. Auf ihn geht auch die heu­ti­ge Form des Parks zu­rück, der ihn als Land­schafts­gar­ten ge­stal­ten ließ.

Im 19. Jahr­hun­dert gab es die letz­ten grö­ße­ren Ver­än­de­run­gen. 1868 wur­de auf Kos­ten des Or­ni­tho­lo­gen Fer­di­nand von Dros­te zu Hüls­hoff (1841–1874) der Neue Hun­de­turm er­rich­tet. Die Burg­ka­pel­le im neu­go­ti­schen Stil wur­de durch sei­nen Bru­der, den Land­rat von Müns­ter Hein­rich von Dros­te zu Hüls­hoff (1827–1887), an­ge­baut.

Erst in den sieb­zi­ger Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts be­kam die Vor­burg durch Jut­ta von Dros­te zu Hüls­hoff so brei­te Grä­ben, dass man von ei­ner In­sel­la­ge spre­chen kann. Sie rich­te­te das Re­stau­rant im Burg­kel­ler neu ein, ließ den Park um­zäu­nen und leg­te ei­nen Ro­sen­gar­ten so­wie eine Lie­ge­wie­se an.

Von der Burg mit ih­ren Ne­ben­ge­bäu­den aus wur­de das Rit­ter­gut Hüls­hoff be­wirt­schaf­tet, das im 19. Jahr­hun­dert durch die Ne­ben­gü­ter Rüsch­haus, Vö­ge­ding und Brock er­wei­tert wur­de und da­mals über 1250 ha um­fass­te. Auch ein Teil des al­ten Stamm­gu­tes De­cken­brock ge­hör­te vom 18. bis 20. Jahr­hun­dert wie­der dazu.

Heutige Nutzung

Denkmal für Annette von Droste-Hülshoff im Garten von Burg Hülshoff

Denk­mal für An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff im Gar­ten von Burg Hüls­hoff

Burg Hüls­hoff und ihr Park sind ge­gen Ein­tritts­geld zu be­sich­ti­gen. Es gibt Füh­run­gen durch die In­nen­räu­me, die v.a. an die Dich­te­rin An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff er­in­nern. Der Burg­kel­ler und im Som­mer der Hof wer­den durch das Burg­re­stau­rant be­wirt­schaf­tet. Burg Hüls­hoff ist zu­dem für ihre gro­ße und ge­pfleg­te Park­an­la­ge be­kannt. Ne­ben ei­ner Viel­zahl von Rho­do­den­dron­bü­schen, die im Mai er­blü­hen, lo­cken ins­be­son­de­re im Som­mer blü­hen­de Hor­ten­si­en di­rekt hin­ter dem Haupt­ein­gang vie­le Be­su­cher an. Der land­schaft­lich ge­stal­te­te Park un­ter­teilt sich in ver­schie­de­ne Teil­be­rei­che. Im Wald be­fin­det sich ein klei­nes Tee­haus. Im Mai fin­det auf dem Park­ge­län­de all­jähr­lich das Fes­ti­val „Gar­ten­träu­me“ statt, im No­vem­ber das Fes­ti­val „Win­ter­träu­me“.

Burg Hüls­hoff mit In­ven­tar und den ver­blie­be­nen Län­de­rei­en wur­de von ih­rer letz­ten Ei­gen­tü­me­rin, Jut­ta Frei­frau von Dros­te zu Hüls­hoff 2012 in die An­net­te von Dros­te zu Hüls­hoff-Stif­tung ein­ge­bracht. Im Jahr 2014 wur­den für eine Sum­me von rund 2,5 Mio. Euro um­fang­rei­che Sa­nie­rungs­maß­nah­men durch­ge­führt, nach­dem man fest­ge­stellt hat­te, dass der aus dem Jahr 1417 stam­men­de Dach­stuhl akut ein­sturz­ge­fähr­det war. Be­glei­tend zur Dach­stuhler­neue­rung wur­de das Haupt­haus neu ein­ge­deckt. Die Ka­pel­le wur­de ori­gi­nal­ge­treu mit neu­en Schie­fer­schin­deln ver­se­hen und ihre Fens­ter wur­den neu ein­ge­fasst.

Die Burg Hüls­hoff ist Sta­ti­on der 100-Schlös­ser-Rou­te. Der Rad­weg ver­bin­det auf vier Rund­kur­sen die Schlös­ser im Müns­ter­land.

Geburtshaus der Dichterin

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff wur­de 1797 auf Burg Hüls­hoff ge­bo­ren und ver­brach­te hier bis 1826 ihre Kind­heit und Ju­gend.

Du Va­ter­haus mit dei­nen Thür­men,
Vom stil­len Wei­her ein­ge­wiegt,
Wo ich in mei­nes Le­bens Stür­men
So oft er­le­gen und ge­siegt, –
Ihr brei­ten laub­ge­wölb­ten Hal­len,
Die jung und fröh­lich mich geseh’n,
Wo ewig mei­ne Seuf­zer wal­len
Und mei­nes Fu­ßes Spu­ren ste­hen.“

An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff

Mit Hil­fe der 2012 of­fi­zi­ell an­er­kann­ten An­net­te von Dros­te zu Hüls­hoff-Stif­tung wird das Ge­burts­haus dau­er­haft für die öf­fent­li­che Nut­zung er­hal­ten und bie­tet ein Do­mi­zil für li­te­ra­ri­sche Ver­an­stal­tun­gen, Aus­stel­lun­gen und For­schungs­vor­ha­ben.

Fotostrecke Burg Hülshoff

Lage der Burg Hülshoff

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