Dez 172016
 

Wil­helm Em­ma­nu­el Frei­herr von Ket­te­ler (* 25. De­zem­ber 1811 in Müns­ter (West­fa­len); † 13. Juli 1877 im Klos­ter Burg­hau­sen, Land­kreis Alt­öt­ting) war ka­tho­li­scher Bi­schof von Mainz und deut­scher Po­li­ti­ker (Deut­sche Zen­trums­par­tei). Ket­te­ler ist der Grün­der der Ka­tho­li­schen Ar­beit­neh­mer­be­we­gung und wur­de auf­grund sei­nes En­ga­ge­ments für die Ar­bei­ter­schaft der Ar­bei­ter­bi­schof ge­nannt. Er war ein Groß­on­kel von Cle­mens Au­gust Graf von Ga­len.

Leben

Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler (1811–1877), Bi­schof von Mainz

Ket­te­ler wur­de als sechs­tes von neun Kin­dern des Land­ra­tes Ma­xi­mi­li­an Frei­herr von Ket­te­ler (1779–1832) und des­sen Gat­tin Cle­men­ti­ne geb. von der Wen­ge (1778–1844) ge­bo­ren. Sei­ne bei­den äl­te­ren Brü­der wa­ren Au­gust Jo­seph (1808–1853) und der Po­li­ti­ker Wil­de­rich Frei­herr von Ket­te­ler (1809–1873). Er ent­stamm­te dem west­fä­li­schen Ur­adels­ge­schlecht von Hüs­ten, das sich spä­ter von Ket­te­ler nann­te. 1828 schloss er das Ab­itur im Je­sui­ten­in­ter­nat des Kol­le­gi­um Spi­ri­tus Sanc­tus in Brig / Wal­lis (Schweiz) ab, da­nach stu­dier­te er Rechts­wis­sen­schaf­ten und Staats­wis­sen­schaft in Göt­tin­gen, wo er sich dem Corps Guest­pha­lia an­schloss. Bei ei­nem Du­ell ver­lor er hier sei­ne Na­sen­spit­ze. Sei­ne Stu­di­en setz­te er dann ab 1831 in Ber­lin fort. Dort hör­te er un­ter an­de­rem Fried­rich Carl von Sa­vi­gny. Nach Ab­schluss des Ju­ra­stu­di­ums in Ber­lin und Staats­ex­amen in Müns­ter leis­te­te er sei­ne ein­jäh­ri­ge Mi­li­tär­zeit als Un­ter­of­fi­zier ab und wur­de Ge­richts­re­fe­ren­dar. An­schlie­ßend schlug Ket­te­ler zu­nächst eine ju­ris­ti­sche Lauf­bahn in Preu­ßen ein, quit­tier­te je­doch den Staats­dienst aus Glau­bens- und Ge­wis­sens­grün­den, un­ter an­de­rem we­gen der Ver­haf­tung und In­haf­tie­rung des Köl­ner Erz­bi­schofs Cle­mens Au­gust Dros­te zu Vi­sche­ring. An­schlie­ßend stu­dier­te er von 1841 bis 1843 Theo­lo­gie in Mün­chen, wo er dem Kreis um Jo­seph Gör­res an­ge­hör­te. Am 1. Juli 1844 wur­de Ket­te­ler in Müns­ter zum Pries­ter ge­weiht. Be­reits als Ka­plan an St. Ste­pha­nus in Be­ckum wur­de sein In­ter­es­se an der „So­zia­len Fra­ge“ deut­lich. Auf sei­ne An­re­gung ent­stand dort ein Kran­ken­haus für die un­te­ren Schich­ten, wel­ches bis heu­te be­steht. Im No­vem­ber 1846 über­nahm er die ver­wahr­los­te Ge­mein­de Hops­ten. Die Jah­re bis 1848 als „Bau­ern­pas­tor“ ha­ben Ket­te­ler ent­schei­dend ge­prägt. Sein un­er­müd­li­cher Ein­satz galt der Lin­de­rung des durch Ar­mut, Krank­heit und man­geln­de Aus­bil­dung her­vor­ge­ru­fe­nen Elends.

In den Jah­ren 1848/49 war er Mit­glied der Na­tio­nal­ver­samm­lung in der Frank­fur­ter Pauls­kir­che. Im Au­gust 1849 leg­te er sein Man­dat nie­der, denn er wur­de zum Propst an St. Hed­wig in Ber­lin und zum Fürst­bi­schöf­li­chen De­le­ga­ten für Bran­den­burg und Pom­mern er­nannt, je­doch nur für kur­ze Dau­er. Denn schon am 15. März 1850 wur­de Ket­te­ler, ge­wählt aus drei vom Dom­ka­pi­tel dem Papst be­nann­ten Kan­di­da­ten (dar­un­ter Hein­rich Förs­ter), zum Bi­schof von Mainz er­nannt und am 27. Juli durch den Frei­bur­ger Erz­bi­schof Her­mann von Vi­ca­ri zum Bi­schof ge­weiht.

Fran­zö­si­sche Be­set­zungs­zo­ne, Rhein­land-Pfalz, Per­sön­lich­kei­ten und An­sich­ten aus Rhein­land-Pfalz (I)

In den Jah­ren 1871/72 war er Mit­glied des deut­schen Reichs­tags. Ge­mein­sam mit Lud­wig Wind­thorst grün­de­te er die Zen­trums­par­tei als Ge­gen­ge­wicht zu den pro­tes­tan­ti­schen Par­tei­en und ins­be­son­de­re Otto von Bis­marck. Er leg­te sein Man­dat aber bald zu­guns­ten sei­nes Dom­ka­pi­tu­lars Chris­toph Mou­fang nie­der.

Zwei im Rah­men des Kul­tur­kampfs im Mai 1873 be­schlos­se­ne Ge­set­ze grif­fen in die Au­to­no­mie der Kir­che ein, z. B. mit Re­ge­lun­gen zur Vor­bil­dung und An­stel­lung der Geist­li­chen (Nä­he­res hier). Von Ket­te­ler pran­ger­te im Ok­to­ber 1873 in Ke­ve­la­er vor mehr als 25.000 Men­schen in sei­ner Pre­digt die­se Re­ge­lun­gen bzw. Ge­set­ze an. Da die Er­ör­te­rung staat­li­cher An­ge­le­gen­hei­ten nach dem Kan­zel­pa­ra­gra­phen ver­bo­ten war, wur­de er nach sei­ner An­spra­che ver­haf­tet und zur Höchst­stra­fe von zwei Jah­ren Fes­tungs­haft ver­ur­teilt, was hef­ti­ge Pro­tes­te aus­lös­te.

Als Main­zer Bi­schof war Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler qua Ver­fas­sung von 1851 bis 1877 Mit­glied der ers­ten Kam­mer der Land­stän­de des Groß­her­zog­tums Hes­sen.

Kir­chen­po­li­tisch setz­te er sich für die Au­to­no­mie und Macht der ka­tho­li­schen Kir­che ein und war er­klär­ter Geg­ner der Tren­nung von Staat und Kir­che, was ihn zum Wi­der­sa­cher Bis­marcks im Kul­tur­kampf mach­te, der durch die Ver­öf­fent­li­chung des Syl­labus er­ro­rum, ei­nes Ver­zeich­nis­ses mo­der­ner theo­lo­gi­scher und ge­sell­schaft­li­cher An­schau­un­gen und Leh­ren durch Papst Pius IX. im Jah­re 1864, die von der Kir­che ab­zu­leh­nen sei­en, aus­brach. Die ka­tho­li­sche Kir­che, und da­mit auch von Ket­te­ler, woll­te so­wohl die Äch­tung phi­lo­so­phi­scher Vor­stel­lun­gen, wie die des Na­tu­ra­lis­mus, Pan­the­is­mus und Ra­tio­na­lis­mus, als auch die Ab­leh­nung von So­zia­lis­mus, Kom­mu­nis­mus, Na­tio­na­lis­mus und Li­be­ra­lis­mus pro­pa­gie­ren.

150. Ge­burts­tag von Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler (1811–1877)

Un­ter dem Ein­fluss sei­nes Mün­che­ner Stu­di­en­freun­des Adolph Kol­ping er­kann­te er die Be­deu­tung der So­zia­len Fra­ge in der neu ent­ste­hen­den In­dus­trie­ge­sell­schaft und be­rei­te­te die Hin­wen­dung der ka­tho­li­schen Kir­che zur So­zi­al­tä­tig­keit zum Woh­le der Ar­bei­ter­schaft vor, die schließ­lich von Papst Leo XIII. (Papst von 1878 bis 1903) voll­zo­gen wur­de. Er gilt da­mit als Mit­be­grün­der der Ka­tho­li­schen So­zi­al­leh­re und er­hielt den Bei­na­men „Ar­bei­ter­bi­schof“. Mit Re­le­vanz ei­ner lehr­amt­li­chen Aus­sa­ge er­läu­ter­te Ket­te­ler 1848 wäh­rend sei­ner Main­zer Ad­vents­pre­dig­ten die So­zi­al­pflich­tig­keit des Ei­gen­tums, in­so­fern es sich um Gü­ter han­delt, die „zum Zwe­cke der Für­sor­ge und Ver­wal­tung“ ver­teilt sind und „im In­ter­es­se der Ord­nung und des Frie­dens“ wirk­sam sein sol­len.

Al­ler­dings sind in Ket­telers Äu­ße­run­gen auch an­ti­ju­da­is­ti­sche Denk­wei­sen fest­zu­stel­len, z. B. ver­trat er die Got­tes­mord­the­se, dass „das Ju­den­volk sei­nen Be­ruf auf Er­den ver­lo­ren hat, als es den Mes­si­as kreu­zig­te“. Auch kom­bi­nier­te er wie­der­holt die Be­grif­fe „Ju­den und Hei­den und fal­sche Brü­der“.

Ob­wohl Bi­schof Ket­te­ler ein Geg­ner der auf dem Ers­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil be­schlos­se­nen Un­fehl­bar­keits­er­klä­rung des Paps­tes war, un­ter­warf er sich dem Kon­zils­be­schluss.

Ket­te­ler starb wäh­rend ei­ner Rück­rei­se von Rom am 13. Juli 1877 im Ka­pu­zi­ner­klos­ter Burg­hau­sen und wur­de am 18. Juli 1877 in der Ma­ri­en­ka­pel­le des Main­zer Doms bei­gesetzt.

Er war Mit­glied der Ac­ca­de­mia dei Qui­ri­ti in Rom, rö­misch ein­ge­mein­de­te Stadt­teil Mainz-Mom­bach be­stimmt. Die dor­ti­ge Herz-Jesu-Kir­che wur­de je­doch auf­grund des Aus­bruchs des Ers­ten Welt­krie­ges nie voll­endet, und die sterb­li­chen Über­res­te des Bi­schofs ru­hen des­halb wei­ter­hin im Main­zer Dom.

100. To­des­tag von Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler

  • Es wur­den sehr häu­fig Stra­ßen nach von Ket­te­ler be­nannt, so in Aa­chen, Be­ckum, Bonn im Orts­teil Pütz­chen, Bam­berg, Bre­men, Bür­stadt, Die­burg, Düs­sel­dorf, Ein­hau­sen, Forch­heim, Frank­furt am Main, Fried­berg, Gi­en­gen an der Brenz, Groß­ost­heim, Hops­ten, Jo­han­nes­berg, Klein­ost­heim, Kle­ve, Köln, Müns­ter, Of­fen­bach am Main, Pa­der­born, Ro­cken­berg im Orts­teil Op­pers­ho­fen, Ro­dal­ben, Wa­ren­dorf, Wi­cke­de, Wies­ba­den und Würz­burg.
  • In Hops­ten wur­de sein Wohn­haus als denk­mal­ge­schütz­tes Ket­tel­er­haus Pfarr­heim der ka­tho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de St. Ge­org. Ne­ben der Ket­teler­stra­ße ist auch die Hops­te­ner Ket­te­ler-Re­al­schu­le nach ihm be­nannt.
  • Zu­dem wur­de 1977 in Hops­ten an­läss­lich sei­nes 100. To­des­ta­ges zwi­schen Pfarr­kir­che und Pfarr­haus das Ket­te­ler-Denk­mal, eine von dem Bild­hau­er Jo­seph Kraut­wald ge­schaf­fe­ne Sta­tue, auf­ge­stellt.
  • Im Groß-Zim­mer­ner Orts­teil Klein-Zim­mern ist die Bi­schof-Ket­te­ler-Schu­le des St. Jo­sephs­hau­ses nach ihm be­nannt, die auch das von ihm 1869 er­bau­te Bi­schöf­li­che Kna­ben­kon­vikt in Die­burg be­treibt.
  • Im Salz­kot­te­ner Stadt­teil Thü­le ist die Bi­schof-von-Ket­te­ler-Schu­le, eine Grund­schu­le, nach ihm be­nannt.
  • Sein Auf­ruf an die ka­tho­li­schen Ar­bei­ter, sich zu or­ga­ni­sie­ren, war der Grün­dungs­auf­ruf für die ka­tho­li­schen Ar­bei­ter­ver­ei­ne. 1849 wur­de der ers­te Ver­ein, der St.-Joseph-Unterstützungsverein St. Eme­ram, in Re­gens­burg ge­grün­det. In der Fol­ge­zeit bil­de­ten sich vie­le Ar­bei­ter­ver­ei­ne, die sich Ende des 19. Jahr­hun­derts (1891) zum Ver­band Süd­deut­scher Ka­tho­li­scher Ar­bei­ter­ver­ei­ne zu­sam­men­schlos­sen. Im glei­chen Jahr ver­öf­fent­lich­te Papst Leo XIII. das ers­te gro­ße So­zi­al­rund­schrei­ben Rer­um No­var­um. Die Schrif­ten des So­zi­al­ethi­kers von Ket­te­ler ha­ben die Pro­gram­ma­tik der Ar­bei­ter­ver­ei­ne und der Ka­tho­li­schen Ar­beit­neh­mer-Be­we­gung Deutsch­lands (KAB) bis heu­te be­stimmt.
  • Die KAB-Stif­tung Zu­kunft der Ar­beit und so­zia­len Si­che­rung (ZASS) ver­leiht im Zwei-Jah­res-Rhyth­mus den Ket­teler­preis. Bis­he­ri­ge Preis­trä­ger sind un­ter an­de­rem die Sol­wo­di-Grün­de­rin Schwes­ter Lea Acker­mann, der Lei­ter des In­nen­res­sorts der Süd­deut­schen Zei­tung He­ri­bert Prantl und die Christ­li­che Ar­bei­ter­ju­gend (CAJ).
© Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

 Antworten

*

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.