Werbung

Werbung

Westfälische Mythen & Sagen

Inhaltsverzeichnis (anzeigen) »

Die Zwergenkuh

Die Zwergenkuh

Etwa eine halbe Stunde von dem Dorfe Goldbeck, in der Richtung nach Rinteln zu, befinden sich Höhlen an einem Berge; in denen haben ehemals Zwerge gewohnt. Nun lag in der Nähe der Hof eines Bauern, dessen Herde gewöhnlich in der Nähe der Höhlen weidete, und da sah der Hirt, wie alle Morgen eine fremde Kuh unter seine Tiere kam, die war so glatt und schön, dass sie wie Gold glitzerte und glänzte; abends aber, wenn er heimtrieb, war sie bei den Höhlen plötzlich verschwunden.

Das erzählte er einmal abends seinem Herrn und der sagte: “Dafür könnten sie dir wohl ein Trinkgeld geben, dass du ihnen täglich ihre Kuh mit auf die Weide treibst.” Das hörten die Zwerge, die hielten sich unsichtbar gern in der Stube des Bauern auf. Und am andern Morgen, als der Hirt mit seiner Herde wieder bei den Zwerglöchern vorübertrieb, fand er vor einer der Höhlen einen Groschen, und so ging’s nun fort einen Tag wie alle Tage. Als das der Bauer wieder hörte, sagte er: “Können sie das, so können sie dir auch wohl ein Frühstück geben”, und am andern Morgen, als der Hirt wieder an der Höhle vorüberkommt, liegt neben dem Groschen ein Pfannkuchen und solchen fand er nun ebenfalls täglich dort.
Quelle: Paul Zaunert, Westfälische Sagen, 1927

Die weißen Jungfrauen von HarkortenEinst wanderte der Schlosser Blasberg mit seinem Sohne in stürmischer Herbstnacht Spielbrink (Kreis Hagen) zu, wo die Mutter ihrer in Sehnsucht harrte. Unter heiterem Geplauder kamen sie an den Harkorter Wald. Als der Vater gleich nach dem Eintritt in den Wald etwas zurückblieb, stellten sich dem Knaben plötzlich zwei weiß gekleidete Jungfrauen in den Weg und fragten ihn: „Wie spät ist es?” – „Es wird wohl bald Mitternacht sein!” entgegnete angsterfüllt der Knabe. Während die Frauen darauf weiterschritten und der Junge ihnen nachrief : „Wartet doch, der Vater kommt gleich, da können wir ja zusammen gehen!”, da war von den Jungfrauen auf einmal nichts mehr zu sehen, und dem Knaben war es, als ob der Boden sie verschlungen hätte. Am ganzen Leibe zitternd erzählte er dem Vater das Erlebnis; der führte ihn schnell heim, aber noch in derselben Nacht fing sein Sohn an zu kränkeln und zu fiebern und war nach drei Tagen eine Leiche.

Quelle: unbekannt

Die Ahnfrau im Schlosse HertenEtwa eine Stunde von Wanne im Kreise Gelsenkirchen liegt in einer muldenförmigen Vertiefung das altersgraue Schloss Herten, wo im 12. Jahrhundert das Geschlecht derer von Herten hauste, stark und kraftvoll wie die Baumriesen, die den Schlosshof beschatteten, aber auch trotzig und unzugänglich wie die Mauern ihrer Feste. Ein durch seinen starren, kriegerischen Sinn berüchtigter und gefürchteter Burginhaber besaß eine einzige, bildhübsche Tochter, an der er trotz seiner rauen Sitten nach dem frühen Tode ihrer Mutter mit größter Liebe hing und ihr jeden Wunsch erfüllte, den er ihr an den Augen absehen konnte.
Nun stand ganz in der Nähe ein zweites Schloss, aus dem die Edlen von Schwansbell wohnten, eine Seitenlinie der Grafen von Schwansbell, die ihren Stammsitz an der Lippe hatten, aber seit dem 14. Jahrhundert verschollen sind. Der damalige Schlossherr, ein mutiger und kühner Mann, der schon manchen Strauß glücklich bestanden hatte und im Volksmunde schlichtweg “Kuno Ohnegrusen” genannt wurde, geriet mit dem Besitzer von Herten wegen Grenzregelungen in tödliche Feindschaft. Gegenseitige Angriffe auf ihre Burgen wurden mutig und kraftvoll abgeschlagen, und die beiden begnügten sich schließlich damit, einander soviel wie möglich an dem beweglichen Eigentum zu schaden.
Nun hatte Kuno Ohnegrusen einen Sohn, der trotz aller Feindschaft der Väter in glühender Liebe zu der Tochter des Grafen von Herten entbrannte; das Verhältnis wurde von den alten Dienern des Burgfräuleins in jeder Weise begünstigt. Als der Graf von Herten nun eines Tages daran dachte, seine Tochter zu verheiraten und ihr einen ihm geeignet dünkenden Freier vorschlug, begegnete er entschiedenem Widerstande, den er sich nicht zu erklären wusste. Der abgewiesene Freier ruhte aber nicht eher, als bis er das Geheimnis ergründet und es dem Burggrafen mitgeteilt hatte, der in maßlosen Zorn geriet und Schwur, dass eine Verbindung mit dem Sohne Kunos niemals erfolgen dürfe. Als sein Töchterlein den Abgewiesenen trotzdem nicht nehmen wollte, ließ er es in ein schauerliches Verließ werfen, das mit einem kleinen vergitterten Fenster an die trübe, dunkle Wasserflut des Schlossteiches grenzte. Nur zwei Bedingungen waren ihr gestellt, entweder den Freier zu nehmen oder eines qualvollen Hungertodes zu sterben. Sobald ihr Erkorener von der ihr zugefügten Schmach hörte, wollte er sein Lieb mit Gewalt aus dem Kerker befreien, fand dabei aber seinen Tod im Burggraben. Seine Braut starb kurze Zeit darauf an gebrochenem Herzen, wie sie das Ende ihres Verlobten erfahren hatte. Sie konnte aber keine Ruhe im Tode finden und sucht sich noch jetzt mit ihrem Geliebten zu vereinigen. Erscheint der Wochentag, an dem sie starb, so hört man gegen Mitternacht ein Rasseln, Klirren und Stöhnen in dem Burgverlies und dann ein Plätschern im Wasser.
Nach den schrecklichen Vorgängen verhärtete sich das Herz des Burggrafen noch mehr, und er wurde ein menschenscheuer, finsterer Mann, der von innerer Unrast von einer Bosheit zur andern getrieben wurde, wofür er bald den gerechten Lohn erhielt. Es war am Todestage seiner Tochter, als sich der Graf wieder einmal ruhelos auf seinem Lager wälzte. Da dröhnten von der kleinen Burgkapelle her zwölf dumpfe Glockenschläge an sein Ohr. Wie von bösen Geistern gepeitscht, sprang er auf und eilte an das nahe Schlossfenster. Auf der glitzernden Wasserfläche des Schlossteiches stand im geisterhaften Mondschein eine Frauengestalt mit blutüberströmtem Gewande, in der Hand ein Totengerippe tragend. Mit geisterhaften Schritten schien sie sich zu nähern, bis sie dicht vor dem Grafen im Nebel verschwand. Kaum hatte sich der Graf etwas von dem Schrecken erholt, so erdröhnten die Glocken der Kapelle abermals; diesmal läuteten sie Sturm. Der Rächer des ermordeten Sohnes war in das Schloss eingedrungen, und bald erlag der Schlossherr den Schwertern seiner Feinde. Von jetzt an wurde die Gestalt häufiger gesehen; aber ihr Erscheinen war stets mit Unglück verbunden, und die Schlossbewohner fürchteten ihr Kommen.
Mit der Zeit schlummerte die Sage von der Ahnfrau ein, und die Bewohner der Burg erinnerten sich ihrer nur noch dunkel. In einer stürmischen Herbstnacht saß eine junge Gräfin am Tische und harrte ängstlich der Wiederkehr ihres Gemahls, der ihr feierlichst versprochen hatte, spätestens heute einzutreffen. Allmählich schlossen sich ihre Augenlider aber, und sie schlummerte sanft ein. Ein heftiger Windstoß, der die Fugen des Schlosses erzittern machte, weckte sie aus ihrem Schlummer auf. Als der Mond einige Augenblicke durch die grauen, bleiernen Wolken sichtbar wurde, zeigte sich ein seltsames Schauspiel. Langsam wandelte eine in ein blutrotes Gewand gehüllte Frauengestalt über die Wasserfläche dem nahen Turme zu und verschwand in dem alten Gemäuer. Eine Ohnmacht umnachtete die Sinne der jungen Gräfin. Wie lange sie bewusstlos war, wusste sie nicht; beim Erwachen glaubte sie die Gestalt aber noch zu sehen und klingelte heftig nach ihrem Kammermädchen. Erst nach geraumer Zeit erschien das Mädchen mit verstörten Mienen und berichtete ihrer Herrin zitternd, wie die Ahnfrau dem Torwächter und einigen Dienern erschienen wäre. Das Unglück, das die Erscheinung ankündigte, sollte bald eintreten. Mit dem Morgengrauen stieß der Wächter ins Horn. Die Leiche des in der Nacht vom Pferde gestürzten Schlossherrn wurde eingebracht.
Die Ahnfrau ist ihrem Geschlechte noch oft erschienen, um Unglück anzusagen, und noch heute ist die Sage von ihr im Volke allgemein benannt.

Quelle: unbekannt

Eine Antwort hinterlassen

(erforderlich)

(erforderlich)

Du kannst diese HTML Tags und Attribute benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Bitte geben Sie den Code im Bild ein:

:D :-) :( :o 8O :? 8) :lol: :x :P :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow: :| :mrgreen:

Besucher Statistik

  • Besucher Heute 8
  • Besucher Gestern 120
  • Besucher Gesamt 15.842
  • Besucher pro Tag 83,81
  • Max. pro Tag 147
  • Max. Seitenaufrufe pro Tag 1.594
  • Gerade Online 2
  • Seitenaufrufe gesamt 126.642
  • Seitenaufrufe aktuelle Seite 304
  • Counterstart 06.03.2010

Häufig genutzte Wörter

© 2000-2010 Burgen in Westfalen Sitemap | Kontakt | Impressum | ^nach oben^ Suffusion WordPress theme by Sayontan Sinha
FadeOut-Thumbshots Plugin by Thomas Schulte