Vest Recklinghausen

Das Vest Reck­ling­hau­sen (aus­ge­spro­chen: Fest Reck­ling­hau­sen) ist die Be­zeich­nung für den Ge­richts­be­zirk des mit­tel­al­ter­li­chen Go­ge­richts in Reck­ling­hau­sen. Das Vest stell­te ne­ben dem Erz­stift Köln und dem Her­zog­tum West­fa­len ei­nen welt­li­chen Herr­schafts­be­reich der Erz­bi­schö­fe von Köln dar. Wäh­rend der frü­hen Neu­zeit ge­hör­te es als Teil Kur­kölns dem Kurrhei­ni­schen Reichs­kreis an.

Lage

Die Flüs­se Em­scher und Lip­pe bil­de­ten die na­tür­li­che Gren­ze, im Sü­den zur Graf­schaft Mark und zum Reichs­stift Es­sen und im Nor­den zum Fürst­bis­tum Müns­ter. Im Os­ten, zwi­schen Lip­pe und Em­scher, si­cher­te eine Land­wehr die Gren­ze zur Graf­schaft Dort­mund. Im Wes­ten bil­de­ten der Köll­ni­sche Wald und die Kirch­hel­ler Hei­de die Gren­ze zum Her­zog­tum Kle­ve.

Das Vest ent­spricht so­mit in etwa dem Ge­biet des heu­ti­gen Krei­ses Reck­ling­hau­sen. Je­doch ge­hör­ten auch Tei­le der heu­ti­gen Städ­te Gel­sen­kir­chen (die flä­chen­mä­ßig grö­ße­re Nord­hälf­te mit Buer und Horst), Ober­hau­sen (Os­ter­feld) so­wie die kom­plet­te heu­ti­ge Stadt Bot­trop nebst Kirch­hel­len zum Vest. Die süd­lich der Em­scher ge­le­ge­ne Stadt Cas­trop-Rau­xel (mit Aus­nah­me des Stadt­teils Hen­ri­chen­burg) und die nörd­lich der Lip­pe ge­le­ge­nen Tei­le der heu­ti­gen Städ­te Dors­ten und Hal­tern am See ge­hör­ten nicht zum Vest, eben­so we­nig der heu­ti­ge Stadt­teil Östrich im äu­ßers­ten Wes­ten Dors­tens.

Geschichte

Schloss Herten, Sammlung Alexander Duncker

Der kur­köl­ni­sche Statt­hal­ter des Ves­tes re­si­dier­te auf Schloss Her­ten

Reck­ling­hau­sen geht auf ei­nen ka­ro­lin­gi­schen Kö­nigs­hof zu­rück. Seit der zwei­ten Hälf­te des 12. Jahr­hun­derts nach dem Sturz Hein­richs des Lö­wen und der Zer­schla­gung des Her­zog­tums Sach­sen be­gann sich ein köl­ni­scher Herr­schafts­be­reich zu ent­wi­ckeln. Im Jah­re 1228 erst­mals als Go­ge­richt er­wähnt, lässt sich der Be­griff Vest erst­mals 1338 ur­kund­lich nach­wei­sen. Die bei­den Aus­gangs­punk­te der Köl­ner Herr­schaft in die­sem Be­reich wa­ren Reck­ling­hau­sen und Dors­ten, die 1235 und 1251 Stadt­recht er­hiel­ten.

Im Vest ent­wi­ckel­ten sich An­sät­ze zu ei­nem Ei­gen­be­wusst­sein. So kam es 1305 zu ei­ner Ei­nung der Städ­te des Vests, die spä­ter er­neu­ert wur­de. Das Ge­biet (ei­gent­lich in West­fa­len ge­le­gen) lös­te sich seit der Mit­te des 14. Jahr­hun­derts im­mer mehr vom Her­zog­tum West­fa­len und ori­en­tier­te sich im­mer stär­ker hin zum rhei­ni­schen Erz­stift. Schon 1371 hul­dig­ten die bei­den Städ­te dem neu­en Erz­bi­schof Fried­rich III. von Saar­wer­den nicht zu­sam­men mit den west­fä­li­schen Städ­ten, son­dern mit de­nen des Rhein­lan­des. Bei der Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung von 1463 schlos­sen sich die ves­ti­schen Stän­de eben­falls den rhei­ni­schen an. An der Zu­ge­hö­rig­keit zum rhei­ni­schen Erz­stift gab es in der frü­hen Neu­zeit kei­nen Zwei­fel mehr.

Der kur­köl­ni­sche Statt­hal­ter re­si­dier­te auf Schloss Her­ten, die Ober­kell­ne­rei saß in Schloss Hor­ne­burg bei Dat­teln. Von 1446 bis 1476 war das Vest Pfand­be­sitz der Edel­her­ren von Ge­men, seit je­nem Jahr bis 1576 dann der Gra­fen von Hol­stein-Schaum­burg. Das Vest war der kleins­te der drei Köl­ner Herr­schafts­be­rei­che. Zur Zeit von Diet­rich II. von Mo­ers leb­ten dort etwa 14.500 Per­so­nen. Im west­fä­li­schen Teil wa­ren es da­ge­gen 59.000 und im rhei­ni­schen Teil wa­ren es an die 100.000 Per­so­nen.

Der kurkölnische Kellner des Vestes residierte auf Schloss Horneburg

Der kur­köl­ni­sche Kell­ner des Ves­tes re­si­dier­te auf Schloss Hor­ne­burg

Die Ver­wal­tung des Vests teil­te sich spä­tes­tens um 1600 in das Ober­vest im Os­ten, das wei­ter­hin von Reck­ling­hau­sen aus ver­wal­tet wur­de, und das Un­ter­vest im Wes­ten, das von der Stadt Dors­ten aus ver­wal­tet wur­de. Zum Ober­vest ge­hör­ten die Stadt und das Kirch­spiel Reck­ling­hau­sen so­wie die Kirch­spie­le Ah­sen, Dat­teln, Flaes­heim, Hamm, Hen­ri­chen­burg, Her­ten, Hor­ne­burg, Oer, Su­der­wich, Waltrop und Wes­ter­holt. Zum Un­ter­vest ge­hör­ten die Stadt und das Kirch­spiel Dors­ten so­wie die Kirch­spie­le Bot­trop, Buer, Glad­beck, Horst, Kirch­hel­len, Marl, Os­ter­feld und Pol­s­um.

Wie auch im Her­zog­tum West­fa­len gab es seit dem 16. Jahr­hun­dert im Vest Reck­ling­hau­sen He­xen­pro­zes­se. Im Jahr 1514 wur­den elf Frau­en ver­ur­teilt, de­nen man die Her­auf­be­schwö­rung ei­nes schwe­ren Sturms vor­warf. Ei­nen ers­ten Hö­he­punkt er­reich­ten die Pro­zes­se zwi­schen 1590 und 1600. Die Zahl der Op­fer wird auf ins­ge­samt 94 ge­schätzt. Tri­ne Plum­pe wi­der­stand 1650 der Fol­ter in ei­nem He­xen­pro­zess und trug so zum Ende der He­xen­ver­fol­gung im un­mit­tel­ba­ren Ju­ris­dik­ti­ons­be­reich des Vests Reck­ling­hau­sen bei.

Der Köl­ner Erz­bi­schof Fer­di­nand von Bay­ern ver­füg­te am 4. Sep­tem­ber 1614, dass je­dem Nicht­ka­tho­li­ken der dau­ern­de Auf­ent­halt im Vest ver­bo­ten ist. Dies galt bis 1803, als das Vest, dem Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss vom 25. Fe­bru­ar 1803 zu­fol­ge, an das Her­zog­tum Aren­berg-Mep­pen fiel. Es kam zu ver­schie­de­nen Re­for­men etwa der Ein­füh­rung des Code ci­vil oder An­sät­zen zur Bau­ern­be­frei­ung. 1811 kam es an das Groß­her­zog­tum Berg. 1815 wur­de das Vest in die preu­ßi­sche Pro­vinz West­fa­len ein­ge­glie­dert und ging 1816 im Kreis Reck­ling­hau­sen auf.

Heutige Begriffsverwendung

Heu­te wird der Be­griff Vest meist syn­onym zum Kreis Reck­ling­hau­sen ver­wen­det. Der Kreis Reck­ling­hau­sen nennt sich seit 2006 im Un­ter­ti­tel sei­nes Si­gnets auch „Ves­ti­scher Kreis“, und das Job­cen­ter nach dem SGB II heißt „Ves­ti­sche Ar­beit“; dar­über hin­aus wird der Name von zahl­rei­chen Un­ter­neh­men und Ein­rich­tun­gen ge­nutzt (Ra­dio Vest, Spar­kas­se Vest Reck­ling­hau­sen, Ves­ti­sches Museum/Vestisches Ar­chiv Reck­ling­hau­sen, Ves­ti­sche Stra­ßen­bah­nen, Ves­ti­sche Kampf­bahn (Sta­di­on in Glad­beck) etc.). Die Städ­te Waltrop, Dat­teln und Oer-Er­ken­schwick wer­den als Ost­vest be­zeich­net.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Vest Reck­ling­hau­sen aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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