Thülen (Adelsgeschlecht)

Wappen derer von Thülen

Wap­pen de­rer von Thü­len

Thü­len (teil­wei­se aus Thu­len) war ein al­tes west­fä­li­sches Ge­schlecht des Rit­tera­dels, das sich im 15. Jahr­hun­dert bis ins Bal­ti­kum aus­brei­te­te. Für die­se Li­nie hat sich nach ei­nem Rave von Thü­len der Ge­schlechts­na­me von der Raab ge­nannt Thü­len durch­ge­setzt.

Geschichte

Westfälischer Stamm

Das Ge­schlecht, des­sen Schreib­wei­se zwi­schen Thü­len, Thy­len, Thu­len Tu­len und Thulon va­ri­ier­te, ent­lehnt sei­nen Na­men vom gleich­na­mi­gen Stamm­sitz Thü­len bei Bri­lon in West­fa­len. Mit Carl Thu­len, Rit­ter des Deut­schen Or­dens in Preu­ßen wur­de die Fa­mi­lie im Jah­re 1224 erst­mals ur­kund­lich ge­nannt. In ei­ner wei­te­ren Ur­kun­de des Klos­ters Bre­delar aus dem Jah­re 1283 wur­den die Brü­der Kon­rad und Ar­nold de Tu­lon als Zeu­gen auf­ge­führt. Ein Swi­che­rus, ein spä­te­rer Leit­na­me (Swi­cker) des Ge­schlechts, be­stä­tig­te die Schen­kung ei­nes Ho­fes in Thü­len durch sei­nen Groß­va­ter. Die Thü­len wa­ren auch die Er­bau­er der Burg Hel­ming­hau­sen. Ein Bert­hold von Thü­len war Ende des 13. Jahr­hun­derts mär­ki­scher Drost und be­sieg­te Hunold von Plet­ten­berg, Dros­te zu Ho­ve­stadt, in ei­ner Feh­de. Die ge­si­cher­te Stamm­rei­he be­ginnt Con­rad von Thu­len, wel­cher im Jah­re 1371 kur­köl­ni­scher Burg­mann zu Ahne war. Um das Jahr 1400 hat­te das Ge­schlecht auch Be­sitz in Stein­boll und be­saß das Gut Wi­cheln bei Arns­berg. Im Jahr 1466 hat­te es auch Be­sitz auf Thul­hof in Ge­se­ke so­wie in Kor­bach, wo der nach der Fa­mi­lie be­nann­te Ty­len­turm noch heu­te Teil der Stadt­be­fes­ti­gung ist. Seit der ers­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts kommt die Fa­mi­lie mehr­fach in Ur­kun­den des Klos­ters Dal­heim vor. Die be­ur­kun­de­ten Be­sit­zun­gen be­zie­hen sich auf Sint­feld, die Es­sen­tho­er Mark und Hel­ming­hau­sen. Ein Teil der Fa­mi­lie sie­del­te sich in den Städ­ten Bri­lon und Mars­berg an und brach­te es als Teil der dor­ti­gen Füh­rungs­schich­ten zu Rich­ter- und Bür­ger­meis­ter­äm­tern. Ein Arndt von Thü­len war 1536 Kur­köl­ner Amt­mann in Men­den. Im 15. Jahr­hun­dert hat­te die Fa­mi­lie auch Be­sitz in Alme. Im Jahr 1428 ver­kauf­ten sie Schloss Alme an die Fa­mi­lie von Me­sche­de. Die von Thü­len hat­ten auch Teil am Be­sitz der Burg Hach­en. Ei­ni­ge Prio­rin­nen des Klos­ters Rum­beck stamm­ten aus der Fa­mi­lie. Im Jahr 1627 be­saß das Ge­schlecht auch Gut Brüg­gen bei Flie­rich in der Nähe von Hamm. Da­nach ist das Ge­schlecht in West­fa­len aus­ge­stor­ben.

Baltischer Stamm

Die von Thü­len wa­ren mehr­fach ver­wandt mit den Frei­her­ren von Fürs­ten­berg, so auch mit dem liv­län­di­schen Land­meis­ter Jo­hann Wil­helm von Fürs­ten­berg. Die bal­ti­sche Stamm­rei­he be­ginnt mit Hein­rich von Thy­len, der im 15. Jahr­hun­dert in Liv­land er­schien und dort im Jah­re 1493 den Osel­hof ver­kauft. Die von ihm ge­stif­te­te Li­nie nann­te sich nach ei­nem Ahn mit Vor­na­men Rave, von der Raab ge­nannt Thü­len. Ernst Jo­hann von der Raab ge­nannt Thü­len (1734–1811) war Of­fi­zier in fran­zö­si­schen Diens­ten und ver­fass­te spä­ter eine ers­te his­to­ri­sche Dar­stel­lung der Fa­mi­li­en­ge­schich­te. Er wur­de 1799 bei der Kur­län­di­schen Rit­ter­schaft (Nr. 160) im­ma­tri­ku­liert. 1840 lie­ßen sich die Des­zen­den­ten Fe­dors von der Raab ge­nannt Thü­len (1780–1838), kai­ser­lich rus­si­scher Ge­ne­ral­ma­jor und Kom­man­deur der 2. Bri­ga­de der 15. In­fan­te­rie­di­vi­si­on in den III. Teil des Adels­ge­schlech­ter­buchs des Gou­ver­ne­ment Smo­lensk ein­tra­gen und er­hiel­ten durch Se­nats­ukas (Nr. 24151) ih­ren Adel be­stä­tigt. Wla­di­mir von der Raab ge­nannt Thü­len († nach 1917) war Vi­ze­gou­ver­neur von Smo­lensk, Wirk­li­cher Staats­rat und Di­ri­gent der Ka­me­ra­l­hö­fe Tscher­ni­gow und Smo­lensk, zu­dem mehr­fa­cher Guts­be­sit­zer der Ge­gend. 1913 er­folg­te der Ein­trag für die Fa­mi­lie im Teil VI des Adels­ge­schlech­ter­buchs des Gou­ver­ne­ment Smo­lensk für Adran von der Raab ge­nannt Thü­len († nach 1943). Mit sei­nem Sohn Leo­nid von der Raab ge­nannt Thü­len (* 1927) ist die Li­nie und das Ge­samt­ge­schlecht er­lo­schen.

Wappen der von der Raab genannt Thülen im Baltischen Wappenbuch

Wap­pen de­rer von der Raab ge­nannt Thü­len im Bal­ti­schen Wap­pen­buch

Im Bal­ti­kum be­stand um­fang­rei­cher Gü­ter­be­sitz, so in Liv­land bis 1493 das Gut Lin­den­berg im Kreis Riga. Somel im Kreis Dor­pat war ab 1743 kurz­zei­tig im Pfand­be­sitz bei der Fa­mi­lie. In Sem­gal­len ge­hör­ten Dri­xen­hof und Pudo­nis­ni­gall zum Be­sitz der Fa­mi­lie. In Kur­land ge­hör­ten Bar­bern im Kreis Bau­ske, Ki­mah­len und Ba­rut­zen (Pfand­be­sitz) im Kreis Gol­din­gen, Li­gut­ten im Kreis Gro­bin, Wind­aus­hof und Tu­ck­ums­hof, so­wie Cap­sen bzw. Kap­schen­hof im Kreis Ha­sen­poth, Müh­len­beck (Pfand­be­sitz) im Kreis Tu­ckum und schließ­lich Stand­sen im Kreis Win­dau zum Guts­be­sitz de­rer von der Raab ge­nannt Thü­len.

Die in der Li­te­ra­tur ge­le­gent­lich pos­tu­lier­ten Be­haup­tung ei­ner agna­ti­schen Ver­wandt­schaft mit der Fa­mi­lie von Tie­le-Winck­ler trifft nicht zu.

Wappen

West­fä­li­scher Zweig: Nach Spie­ßen: In Gold ein schwar­zer Griff ei­ner Lau­te. Auf dem Helm mit schwarz-gol­de­nen De­cken ein rechts gol­de­ner und links schwar­zer of­fe­ner Flug. Als zwei­tes Wap­pen wird ein rechts­sprin­gen­des Ein­horn an­ge­ge­ben. Nach Kneschke in Gold eine schwar­ze Kram­pe, oder ein Mau­er­an­ker. Die Fa­mi­lie führ­te da­ne­ben wei­te­re Wap­pen. Dazu zählt ein stei­gen­des ro­tes Ein­horn so­wie in Gold eine schwar­ze schräg­ge­stell­te Sau­fe­der.

Liv- und kur­län­di­scher Zweig: In Gold ein an ei­ner Ket­te von vier Glie­dern hän­gen­der An­ker.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Thü­len (Adels­ge­schlecht) aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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