Soester Fehde

Johann I. von Kleve

Jo­hann I. von Kle­ve

Die Soes­ter Feh­de war eine Feh­de in den Jah­ren 1444 bis 1449. Die Stadt Soest be­haup­te­te da­bei ihre Frei­heit ge­gen­über dem Erz­bi­schof Diet­rich von Köln (1414–1463), der ver­such­te, sei­ne Herr­schaft zu re­stau­rie­ren. Die Stadt Soest be­geg­ne­te die­ser Po­li­tik am 5. Juni 1444 durch die An­nah­me ei­nes neu­en Lan­des­herrn, Jo­hann I., des Her­zogs von Kle­ve-Mark, wel­cher der Stadt ihre al­ten Rech­te und noch wei­te­re ge­währ­te. Als Fol­ge ver­häng­te Kai­ser Fried­rich III. die Reichs­acht über die Stadt. Der Sieg der Stadt nach Auf­ga­be des Köl­ner Erz­bi­schofs führ­te dazu, dass Soest bis zur preu­ßi­schen Ein­ver­lei­bung mehr Frei­hei­ten hat­te als eine Freie Reichs­stadt. Gleich­zei­tig ver­lor sie durch ihr Aus­schei­den aus dem Her­zog­tum West­fa­len ihr bis­he­ri­ges wirt­schaft­li­ches Hin­ter­land und büß­te da­mit lang­fris­tig ihre wirt­schaft­li­che Stär­ke ein.

Vorgeschichte

Die Stadt Soest war eine be­deu­ten­de Han­dels- und Ge­wer­be­stadt, die eine füh­ren­de Stel­lung in der Han­se in­ne­hat­te und seit dem 13. Jahr­hun­dert eine selbst­be­wuss­te Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik be­trieb. Es ge­lang ihr, das Um­land mit zehn Kirch­spie­len, die Soes­ter Bör­de, un­ter ihre Herr­schaft zu brin­gen. Ge­gen­über dem Köl­ner Erz­bi­schof als Lan­des­herrn han­del­te die Stadt weit­ge­hend selbst­stän­dig; sie ver­zich­te­te aber dar­auf, die recht­li­che Un­ab­hän­gig­keit als reichs­freie Stadt an­zu­stre­ben. Da­mit hät­te sie den Schutz des Lan­des­herrn und den Sta­tus als Herr­schafts­zen­trum ver­lo­ren. Mit dem Kauf der Graf­schaft Arns­berg 1368 ver­scho­ben sich al­ler­dings die Ge­wich­te zu Guns­ten der Köl­ner Erz­bi­schö­fe. Da­mit konn­ten die­se auch Soest Gren­zen set­zen. Die Stadt nä­her­te sich dem be­nach­bar­ten Her­zog­tum Kle­ve-Mark an. Ein Bünd­nis zum Schutz der Soes­ter Bür­ger auf mär­ki­schem Ter­ri­to­ri­um wur­de 1398 ge­schlos­sen. In­di­rekt rich­te­te es sich aber ge­gen Erz­bi­schof Fried­rich III. von Saar­wer­den.

Des­sen Nach­fol­ger, Erz­bi­schof Diet­rich von Mo­ers, war be­strebt, sei­ne welt­li­che Herr­schaft aus­zu­bau­en. Er be­trieb eine bi­schöf­li­che Haus­macht­po­li­tik, in­dem er Brü­dern und an­de­ren Ver­wand­ten Bi­schofs­sit­ze ver­schaff­te. Mit der Schaf­fung die­ses „west­deut­schen Fa­mi­li­en­im­pe­ri­ums“ ver­schärf­te sich die Kon­kur­renz zwi­schen den Häu­sern Mo­ers, Hoya und Kle­ve-Mark. Der Kon­flikt zwi­schen Kle­ve-Mark und Mo­ers wur­de zu ei­nem Teil­as­pekt der Feh­de. Von Be­deu­tung war auch die kir­chen­po­li­ti­sche Kon­flikt­li­nie. Wäh­rend der Erz­bi­schof auf Sei­ten des Kon­zils stand, un­ter­stütz­ten der Her­zog von Kle­ve und sein Ver­bün­de­ter, der Her­zog von Bur­gund, die päpst­li­che Sei­te.

Da­ne­ben ver­such­te der Erz­bi­schof die Ter­ri­to­ria­li­sie­rung des Her­zog­tums West­fa­len vor­an­zu­trei­ben. Ge­gen­über der Stadt Soest be­trieb er eine durch­aus wohl­wol­len­de Po­li­tik. Er un­ter­stütz­te sie 1433 bei der Ein­füh­rung ei­ner neu­en Rats­ord­nung. 1434 ver­leg­te er das Of­fi­zi­alat­ge­richt von Arns­berg nach Soest. Au­ßer­dem ge­währ­te er der Stadt Ein­nah­men aus ei­ner neu­en Ak­zi­se und das Recht, die Be­fes­ti­gun­gen zu ver­stär­ken. Die­se Be­mü­hun­gen, die Stadt an die lan­des­herr­li­che Po­li­tik zu bin­den, hat­ten in­des we­nig Er­folg.

Zuspitzung des Konflikts

Soest Darstellung von Braun und Hogenberg aus dem 16./17. Jahrhundert

Soest Dar­stel­lung von Braun und Ho­gen­berg aus dem 16./17. Jahr­hun­dert

Eine als un­ge­recht an­ge­se­he­ne Steu­er­for­de­rung 1435/37 rief den Wi­der­stand der Rit­ter­schaft und Städ­te des Mar­schall­amts West­fa­len und der Graf­schaft Arns­berg un­ter maß­geb­li­cher Füh­rung der Stadt Soest her­vor. Sie schlos­sen sich zu ei­ner Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung zu­sam­men. Im Zuge der Bei­le­gung des Steu­er­streits tra­ten auf Sei­ten von Soest auch ei­ge­ne städ­ti­sche In­ter­es­sen her­vor. Dies galt etwa für den Aus­bau der Nut­zungs­rech­te am Arns­ber­ger Wald. Die­ser Streit­punkt blieb auch nach dem Ein­len­ken des Erz­bi­schofs in Sa­chen der Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung be­stehen. So­wohl der Lan­des­herr als auch die Stadt hat­ten die Ab­sicht, ih­ren Ein­fluss­be­reich aus­zu­deh­nen. Dies war eine Ur­sa­che des Kon­flik­tes. Da die Stadt Soest an der Spit­ze des Wi­der­stan­des ge­gen den Erz­bi­schof stand, woll­te die­ser die Stadt iso­lie­ren, da­mit sie ihre füh­ren­de Op­po­si­ti­ons­rol­le ver­lor. Diet­rich von Mo­ers war zu­dem be­strebt, die städ­ti­schen Rech­te in der Bör­de zu be­schnei­den, was die Stadt nicht hin­neh­men konn­te. Dar­auf­hin zog der Erz­bi­schof 1441 mit sei­nen Trup­pen vor die Stadt. Es kam zu ei­nem Kom­pro­miss, und ein Schieds­ge­richt soll­te die Strei­tig­kei­ten schlich­ten. Die For­de­run­gen des Erz­bi­schofs auf ei­ner Schrift­rol­le von fünf Me­tern Län­ge wa­ren aber so um­fang­reich, dass ein Nach­ge­ben ein Ende der bis­he­ri­gen, re­la­tiv un­ab­hän­gi­gen Stel­lung der Stadt be­deu­tet hät­te.

1441 er­neu­er­te die Stadt den äl­te­ren Freund­schafts­ver­trag mit Her­zog Adolf II. von Kle­ve zu­nächst auf vier Jah­re. Im sel­ben Jahr schlos­sen die städ­ti­schen In­sti­tu­tio­nen so­wie die gan­ze Ge­mein­de ei­nen Bund zum Schutz der städ­ti­schen Frei­hei­ten. Soll­te der Erz­bi­schof bei sei­nem Kurs blei­ben, woll­te sich die Stadt ei­nen neu­en Lan­des­herrn su­chen. Dem Her­zog von Kle­ve ge­gen­über si­gna­li­sier­te die Ge­mein­de, dass sie ihn als neu­en Schutz­herrn an­neh­men wür­de, wenn er der Stadt Hil­fe zu­si­chern wür­de. Durch die Ver­mitt­lung der Köl­ner Dom­ka­pi­tels konn­te der Bruch zu­nächst ver­mie­den wer­den.

An den grund­sätz­li­chen ge­gen­sätz­li­chen Po­si­tio­nen än­der­te dies nichts. Der Erz­bi­schof be­harr­te auf sei­nen For­de­run­gen und rief so­gar das Kö­nig­li­che Kam­mer­ge­richt an. Die Stadt folg­te der La­dung nach Graz, sprach dem Ge­richt aber die Kom­pe­tenz in der Sa­che ab. Auch lehn­ten die Soes­ter Her­zog Bern­hard von Sach­sen-Lau­en­burg als Schieds­rich­ter ab. Der Her­zog gab dem Erz­bi­schof 1444 weit­ge­hend Recht. Kai­ser Fried­rich III. be­stä­tig­te die­sen Rich­ter­spruch kurz dar­auf. Dar­auf­hin schloss die Stadt im „fac­tum du­ca­le pri­mum“ ei­nen Bund mit Jung­her­zog Jo­hann von Kle­ve. Dar­in ver­sprach sie ihm Hul­di­gung und Treu­eid, soll­te der Erz­bi­schof bis zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt nicht ein­len­ken. Ver­hand­lun­gen blie­ben er­geb­nis­los. Die Stadt teil­te dem Her­zog das Schei­tern der Ver­hand­lun­gen mit, wor­auf die­ser am 16. Juni 1444 dem Erz­bi­schof die Feh­de an­sag­te. Jo­hann von Kle­ve ritt am 22. Juni in Soest ein und nahm von der Stadt Be­sitz. In ei­nem zwei­ten Ver­trag „pac­tum du­ca­le se­cund­um“ vom 23. Juni 1444 wur­de Jo­hann von Kle­ve als neu­er Lan­des­herr be­stä­tigt, nach­dem er die Pri­vi­le­gi­en der Stadt an­er­kannt hat­te. Die Stadt sag­te dem Köl­ner Erz­bi­schof am 25. Juni die Feh­de an:

Wet­tet, bi­scop Diet­rich van Moe­res, dat wy den ves­ten Jun­ker Jo­han van Cle­ve le­ver heb­bet alls Juwe, unde wert Juwe hier­mit aff­ge­sa­get.“
An­fang des Feh­de­brie­fes der Stadt Soest an den Erz­bi­schof von Köln, Diet­rich II. von Mo­ers

Es ging da­bei um die Si­che­rung der städ­ti­schen Frei­hei­ten und kom­mu­na­len Hand­lungs­spiel­räu­me. Dazu ge­hör­ten auch ter­ri­to­ria­le An­sprü­che etwa hin­sicht­lich der Nut­zung des Arns­ber­ger Wal­des. Um­ge­kehrt wur­den dem Her­zog ter­ri­to­ria­le Ge­win­ne im Her­zog­tum West­fa­len ein­ge­räumt.

Kriegsbündnisse

Bei­de Sei­ten er­fuh­ren von vie­len Fürs­ten und Städ­ten Un­ter­stüt­zung. So stand zum Bei­spiel die Stadt Dort­mund auf der Köl­ner Sei­te – eine Ent­schei­dung, die nach ei­nem hef­ti­gen in­ne­ren po­li­ti­schen Kon­flikt in der Reichs­stadt ge­fal­len war. Zwar exis­tier­te ein Bünd­nis­ver­trag mit Soest und an­de­ren gro­ßen Städ­ten West­fa­lens, der erst 1443 er­neu­ert wor­den war; aber für Dort­mund als Reichs­stadt wog die Be­deu­tung der kai­ser­li­chen Acht un­gleich schwe­rer. Hin­zu kam, dass der Köl­ner Erz­bi­schof vom Kai­ser als Schirm­herr über Dort­mund ein­ge­setzt war, wor­aus sich letzt­lich die Ent­schei­dung für des­sen Par­tei er­gab. Aber Müns­ter und Pa­der­born so­wie die meis­ten Han­se­städ­te tra­ten auf die Sei­te von Soest. Die­se Un­ter­stüt­zung durch an­de­re Städ­te war we­gen der Lie­fe­rung von Le­bens­mit­teln für die Feh­de di­rekt von Be­deu­tung. Ein Wirt­schafts­boy­kott schwäch­te zu­dem die Ge­gen­sei­te. Der Köl­ner Erz­bi­schof konn­te die an­ti­bur­gun­di­sche Hal­tung ei­ni­ger Fürs­ten nut­zen, um sei­ner­seits Bünd­nis­se zu schlie­ßen. Er ver­band sich etwa mit Kur­fürst Fried­rich II. von Sach­sen und des­sen Bru­der Wil­helm III. von Thü­rin­gen. Auch der Bru­der des Erz­bi­schofs Hein­rich II. von Mo­ers als Bi­schof von Müns­ter so­wie Her­zog Wil­helm von Braun­schweig un­ter­stütz­ten die Köl­ner Sei­te. Es kam auch zu ei­nem Bünd­nis mit Karl VII. von Frank­reich. Al­ler­dings hat­te dies kei­ne nen­nens­wer­ten Aus­wir­kun­gen auf den Ver­lauf. Auf die­ser Ba­sis ge­lang es den Köl­nern, eine Ar­mee von 15.000 Mann auf­zu­stel­len. Die Zu­sam­men­ar­beit mit den Thü­rin­gern wur­de 1447 noch ein­mal in­ten­si­viert; in dem ent­spre­chen­den Ver­trags­werk gin­gen die Ver­bün­de­ten noch von ei­nem Sieg aus. Der Kon­flikt ge­wann da­mit Di­men­sio­nen über den ur­sprüng­li­chen An­lass hin­aus.

Verlauf

Der aus­ge­bro­che­ne Kon­flikt führ­te zu ei­ner fünf Jah­re wäh­ren­den Feh­de zwi­schen dem Erz­bi­schof auf der ei­nen Sei­te und dem Her­zog von Kle­ve und der Stadt Soest auf der an­de­ren Sei­te. An­fangs la­gen die Schau­plät­ze nicht so sehr im Her­zog­tum West­fa­len als viel­mehr in der Hell­weg­zo­ne und am Nie­der­rhein. Erst 1446/47 ver­la­ger­ten sich die Aus­ein­an­der­set­zun­gen auf die Stadt Soest und die Städ­te des Her­zog­tums West­fa­len.

Nebenkriegsschauplatz Fredeburg und Bilstein

Eine Art Ne­ben­kriegs­schau­platz war der Streit um den Be­sitz des Lan­des Fre­de­burg und der Herr­schaft Bil­stein. Die­se Ge­bie­te wa­ren im Zu­sam­men­hang mit dem Ver­kauf der Graf­schaft Arns­berg 1368 an die Graf­schaft Mark ge­fal­len. Die Erz­bi­schö­fe von Köln er­ho­ben dar­auf wei­ter An­sprü­che. Die dor­ti­gen kle­visch-mär­ki­schen Amt­leu­te, die Brü­der Hunold und God­dert III. von Hanx­le­den, sag­ten dem Erz­bi­schof die Feh­de an. Der Erz­bi­schof konn­te sich in­des be­haup­ten. Er ge­währ­te der Herr­lich­keit Fre­de­burg die An­er­ken­nung ih­rer Rech­te; da­für un­ter­stell­te die­se sich dem Bi­schof. Mit der Be­sat­zung der Burg Bil­stein und der zu­ge­hö­ri­gen Ge­mein­de kam der Erz­bi­schof 1445 über­ein, dass das Ge­biet an das Erz­stift fal­len soll­te, wenn der Her­zog von Kle­ve die Burg nicht frist­ge­mäß aus­lös­te.

Die­ses Bei­spiel macht auch deut­lich, wie schwie­rig für bei­de Sei­ten die Fi­nan­zie­rung der Kriegs­füh­rung war. Dies war oft­mals nur über Ver­pfän­dun­gen von Be­sit­zun­gen mög­lich. Ne­ben dem ei­gent­li­chen Kampf­ge­sche­hen ver­such­ten bei­de Sei­ten durch di­plo­ma­ti­sche Maß­nah­men ihre recht­li­che oder mo­ra­li­sche Po­si­ti­on zu ver­bes­sern. Der Erz­bi­schof Diet­rich von Mo­ers streng­te bei Kai­ser Fried­rich III. ein Ver­fah­ren an, um die Stadt Soest mit der Reichs­acht zu be­le­gen. Phil­ipp der Gute von Bur­gund, der zum ei­gent­li­chen Füh­rer der kle­vi­schen Par­tei avan­cier­te, ap­pel­lier­te mit Er­folg an die Ku­rie in Rom. Da­bei konn­te er die schlech­ten Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Erz­bi­schof und Papst Eu­gen IV. nut­zen. Die Soes­ter ver­tei­dig­ten ihr Vor­ge­hen in ei­nem Recht­fer­ti­gungs­schrei­ben, das im gan­zen Reich ver­brei­tet wur­de.

Kleinkrieg

Der Kampf sel­ber wur­de vor­wie­gend in den Som­mer­mo­na­ten aus­ge­foch­ten. Die ge­gen­sei­ti­gen An­grif­fe wa­ren ver­bun­den mit Raub, Plün­de­run­gen, Brand­schat­zun­gen, Er­pres­sun­gen und an­de­ren Ar­ten der Ge­walt ge­gen Men­schen und Sa­chen. Es kam auf bei­den Sei­ten fast täg­lich zu Über­grif­fen. Viel­fach wur­den Frau­en, Kle­ri­ker oder Händ­ler miss­han­delt. Sied­lun­gen, Klös­ter und Kir­chen wur­den zer­stört. Über die Feh­de hin­aus war­fen sich bei­de Sei­ten Frau­en­schän­dun­gen vor. Auf köl­ni­scher Sei­te wa­ren Haupt­trä­ger der Ak­tio­nen ver­schie­de­ne be­sol­de­te Funk­ti­ons­trä­ger wie der Mar­schall von West­fa­len Jo­hann von Spie­gel oder der Arns­ber­ger Amt­mann Jo­hann von Schä­di­gen. De­ren Vor­ge­hen ge­gen Soes­ter In­ter­es­sen vor dem Krieg wa­ren im Üb­ri­gen Mit­aus­lö­ser des Kon­flikts, hat­ten sie doch schon 1441 der Stadt die Feh­de er­klärt.

Zu Be­ginn der Kriegs­hand­lun­gen lag in der Stadt Soest be­reits eine star­ke kle­vi­sche Be­sat­zung. Auf Sei­ten von Soest kämpf­te auch die Stadt Lipp­stadt. Die­se Stadt griff Er­wit­te, Ge­se­ke und Salz­kot­ten an. An­fangs eher als Klein­krieg mit ge­gen­sei­ti­gen Über­fäl­len, wur­de der Kon­flikt seit Win­ter 1445 zu­neh­mend er­bit­ter­ter aus­ge­tra­gen. Zu­sam­men mit den Müns­ter­schen und Dort­mun­der Trup­pen grif­fen die Köl­ner Sas­sen­dorf und Loh­ne an. Die Soes­ter setz­ten sich in Mei­ningsen fest. Die Lipp­städ­ter be­setz­ten Er­wit­te.

Seit dem Früh­jahr 1445 wur­den in Sach­sen und Thü­rin­gen Söld­ner­trup­pen an­ge­wor­ben. Die­se soll­ten zu­nächst den Köl­ner Erz­bi­schof in West­fa­len un­ter­stüt­zen und da­nach ge­gen die Bur­gun­der die säch­si­schen An­sprü­che auf Lu­xem­burg durch­set­zen. Die Rüs­tun­gen auf Köl­ner Sei­te führ­ten dazu, dass sich Soest mit Müns­ter (das da­mit auf der Sei­te der Geg­ner des ei­ge­nen Bi­schofs stand) so­wie mit Hamm, Unna und Lipp­stadt ver­bün­de­te. Nur Lipp­stadt be­tei­lig­te sich mi­li­tä­risch. Aber der Bi­schof von Müns­ter war in sei­nem Spiel­raum, den Erz­bi­schof zu un­ter­stüt­zen, stark ein­ge­schränkt.

Ein nächt­li­cher An­griff der Köl­ner auf das kle­vi­sche Duis­burg im März 1445 konn­te von den Wäch­tern der Stadt noch recht­zei­tig be­merkt wer­den. Als die An­grei­fer ver­such­ten, die Mau­ern zu be­stei­gen, wur­den sie er­folg­reich zu­rück­ge­schla­gen und muss­ten schließ­lich auf­ge­ben. Mär­ki­sche Trup­pen be­schä­dig­ten bei Kämp­fen auf dem Ter­ri­to­ri­um Dort­munds den Stei­ner­nen Turm.

Ins­ge­samt ging das Kriegs­jahr 1446 mit klei­ne­ren Ge­fech­ten vor­über. Bei den Über­fäl­len 1446 ge­rie­ten et­li­che Dort­mun­der in mär­ki­sche Ge­fan­gen­schaft. Bei ei­ner Nie­der­la­ge der Köl­ner bei Soest ge­rie­ten zahl­rei­che Köl­ni­sche, dar­un­ter der Drost Jo­hann von Schä­din­gen, in Ge­fan­gen­schaft und muss­ten frei­ge­kauft wer­den. Die­se Nie­der­la­ge wur­de von der Ge­gen­sei­te durch Spott­lie­der ge­fei­ert. Vom Krieg be­trof­fen wur­den im Her­zog­tum West­fa­len selbst un­ter an­de­rem Be­lecke, Rüt­hen und Kal­len­hardt. Ne­heim wur­de Ende 1446 von den Soe­s­tern ge­brand­schatzt. Ver­mitt­lungs­ver­su­che des Bur­gun­der­her­zogs und des Kur­fürs­ten von der Pfalz brach­ten kein Er­geb­nis.

Eskalation des Krieges

Herzog Philipp der Gute von Burgund

Her­zog Phil­ipp der Gute von Bur­gund

Die Lage schien sich zu Guns­ten des Erz­bi­schofs zu wen­den als 1447 aus Sach­sen und Thü­rin­gen ein 12.000 Mann star­kes Söld­ner­heer auf dem Kriegs­schau­platz ein­traf. Der Krieg wuchs sich spä­tes­tens jetzt zu ei­nem grau­sa­men Ver­hee­rungs­feld­zug aus. Das Söld­ner­heer des Erz­bi­schofs, dar­un­ter so­gar eine be­deu­ten­de Streit­macht der von der ka­tho­li­schen Kir­che ge­bann­ten, gleich­wohl vom Erz­bi­schof ein­ge­setz­ten ge­fürch­te­ten Hus­si­ten­krie­ger, nahm zahl­rei­che Städ­te ein. Die Trup­pen über­schrit­ten bei Holz­min­den die We­ser und mar­schier­ten brand­schat­zend und plün­dernd durch die auf Kle­ver Sei­te ste­hen­de Graf­schaft Lip­pe ge­gen Lipp­stadt. Müns­ter, Her­ford, Pa­der­born und an­de­re Städ­te wur­den aus Furcht vor den Trup­pen ver­an­lasst, ihre Un­ter­stüt­zung für die Soes­ter Sei­te zu­min­dest vor­läu­fig auf­zu­ge­ben. Die Söld­ner zer­stör­ten die Stadt Blom­berg na­he­zu voll­stän­dig, be­la­ger­ten schließ­lich im Som­mer des­sel­ben Jah­res Lipp­stadt. In der Stadt la­gen star­ke geg­ne­ri­sche Trup­pen und die Stadt ver­füg­te über ge­nü­gend Ge­schüt­ze, so dass die Be­la­ge­rung er­geb­nis­los blieb. We­gen Un­stim­mig­kei­ten um die Sold­zah­lung und Ver­pfle­gung kam es zwi­schen Söld­nern und Erz­bi­schof zu Kon­flik­ten und zum Be­schluss, die Ent­schei­dung in Soest zu su­chen.

Dar­auf­hin zo­gen die Trup­pen nach Soest. Jo­hann von Kle­ve lei­te­te selbst die Ver­tei­di­gung der Stadt. Die Stadt wur­de be­schos­sen, be­la­gert und mehr­fach be­stürmt. Auch weil die Sold­zah­lun­gen und Le­bens­mit­tel­lie­fe­run­gen aus­blie­ben, kam es zum Ent­schluss, die Stadt zu stür­men. Die­ser Ver­such schei­ter­te, und die Söld­ner zo­gen nach Os­ten ab.

Da­mit hat­te sich die Si­tua­ti­on zu Un­guns­ten des Erz­bi­schofs ent­wi­ckelt. Bei­de Sei­ten be­gan­nen Frie­dens­be­reit­schaft zu zei­gen. Es kam zu ei­nem Waf­fen­still­stand, der im Win­ter 1447/48 mehr­fach er­neu­ert wur­de. Ers­te Ver­hand­lun­gen zum Ende des Kon­flikts blie­ben 1448 er­folg­los.

Folgen

Territoriale Veränderungen durch die Soester Fehde. In Orange: Kleve-Mark gewinnt Soest und die Soester Börde; in Grau: Kleve-Mark verliert seine Rechte in Fredeburg und Bilstein

Ter­ri­to­ria­le Ver­än­de­run­gen durch die Soes­ter Feh­de. In Oran­ge: Kle­ve-Mark ge­winnt Soest und die Soes­ter Bör­de; in Grau: Kle­ve-Mark ver­liert sei­ne Rech­te in Fre­de­burg und Bil­stein

Etwa im April 1449 wur­den die Kämp­fe end­gül­tig ein­ge­stellt. Durch die Ver­mitt­lung des Her­zogs Phil­ipp von Bur­gund so­wie der päpst­li­chen Le­ga­ten Ni­ko­laus von Kues und Juan Car­va­jal konn­te in Maas­tricht ohne un­mit­tel­ba­re Be­tei­li­gung von Soest ein Frie­dens­ver­trag ge­schlos­sen wer­den. Soest ver­blieb im Her­zog­tum Kle­ve-Mark. Auch Xan­ten kam in kle­vi­schen Be­sitz. Der Erz­bi­schof sei­ner­seits konn­te Bil­stein und Fre­de­burg be­hal­ten. Die Ein­heit der west­fä­li­schen Städ­te im Her­zog­tum West­fa­len war zer­fal­len. Die neu­en Gren­zen wur­den in der Re­for­ma­ti­on auch zu Kon­fes­si­ons­gren­zen und sind bis heu­te in der Soes­ter Bör­de zu er­ken­nen.

Das vor­mals in Soest an­ge­sie­del­te Of­fi­zi­alat­ge­richt für das Her­zog­tum West­fa­len wur­de in­fol­ge der Aus­ein­an­der­set­zun­gen als Ent­schä­di­gung an die Stadt Werl ver­ge­ben, die we­gen ih­rer Treue zum Lan­des­herrn stark un­ter den Fol­gen der Feh­de mit der Nach­bar­stadt zu lei­den hat­te.

In­fol­ge der Feh­de konn­te der ehe­ma­li­ge Gra­fen­sitz Arns­berg eine grö­ße­re Rol­le in der Ver­wal­tung des Her­zog­tums West­fa­len über­neh­men, da Soest, als vor­her größ­te Stadt des west­fä­li­schen Ter­ri­to­ri­ums der köl­ni­schen Bi­schö­fe, für die­se Funk­tio­nen nicht mehr zur Ver­fü­gung stand. Be­reits 1446 war das Vest Reck­ling­hau­sen vom Köl­ner Erz­bi­schof zur Fi­nan­zie­rung des Krie­ges an die Her­ren von Ge­men ver­pfän­det wor­den – ein Zu­stand, der über die Gra­fen von Hol­stein-Schaum­burg-Ge­men bis 1576 an­hielt.

Das Aus­schei­den von Soest aus dem Her­zog­tum West­fa­len be­deu­te­te, dass die Klein­städ­te des Sauer­län­der Berg­lan­des nicht nur den in­ten­si­ven kul­tu­rel­len, son­dern auch den wirt­schaft­li­chen Kon­takt zu Soest ver­lo­ren. Da­mit ver­lor das Land weit­ge­hend sei­ne bis­he­ri­gen über­re­gio­na­len wirt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen etwa zur Han­se. Au­ßer­dem ver­lor das Land sei­nen wich­tigs­ten Ab­satz­markt für ge­werb­li­che Pro­duk­te. An­de­ren Städ­ten ge­lang es nicht, die Rol­le von Soest als wirt­schaft­li­chem Zen­trum zu über­neh­men. Die Wirt­schaft war in der Fol­ge, viel­leicht ab­ge­se­hen von mon­tan­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ten, auf den Bin­nen­markt kon­zen­triert. Der Ver­lust von Soest er­scheint so als ein Fak­tor für die wirt­schaft­li­che Rück­stän­dig­keit der Re­gi­on im Ver­gleich zum Sie­ger­land oder der Graf­schaft Mark.

Soest selbst hat­te nach der Feh­de eine staats­recht­lich be­son­de­re Stel­lung im Herr­schafts­be­reich der Her­zö­ge von Kle­ve-Mark inne. Die Stadt war weit­ge­hend un­ab­hän­gig und die Herr­schaft der Her­zö­ge kaum spür­bar. Die­se Po­si­ti­on konn­te Soest bis in die Zeit von Fried­rich II. be­haup­ten. Aber die Tren­nung von dem frü­he­ren wirt­schaft­li­chen Hin­ter­land hat­te auch für die Stadt ne­ga­ti­ve Fol­gen. So­lan­ge die Han­se noch eine Rol­le spiel­te, konn­te sie noch eine ge­wis­se Vor­rang­stel­lung be­wah­ren. Doch mit dem Nie­der­gang der Han­se sank Soest all­mäh­lich zu ei­ner Land­stadt her­ab, de­ren Ein­fluss weit­ge­hend auf die Bör­de be­schränkt war.

Der Dich­ter der Sie­ges­lie­der, in zeit­ge­nös­si­schen Quel­len „Vri­schemai“ ge­nannt, wur­de ti­tel­ge­bend für das his­to­ris­ti­sche Epos Diet­wald Vri­schemai über die Zeit der Soes­ter Feh­de von Wil­helm Wilms (1907). In jüngs­ter Zeit fin­den re­gel­mä­ßig Ree­nac­t­ment-Ver­an­stal­tun­gen zur Feh­de in Soest statt.

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