Schloss Werdringen

Das Was­ser­schloss Wer­drin­gen ist eine Was­ser­burg in Ha­gen-Vor­hal­le nahe der Ruhr am Harkort­see un­ter­halb des Kais­bergs. Es be­her­bergt ein über­re­gio­na­les Mu­se­um für Ur- und Früh­ge­schich­te.

Landschaft

Wilhelm Riefstahl: Schloss Werdringen um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Schloss Wer­drin­gen um 1860
Samm­lung Alex­an­der Duncker

Die ur­sprüng­lich als Was­ser­burg er­rich­te­te An­la­ge liegt in ei­nem Na­tur- und Land­schafts­schutz­ge­biet um­ge­ben von al­tem Baum­be­stand. In den Gräf­ten und Was­ser­grä­ben der Schloss­an­la­ge sind sel­te­ne Tier- und Pflan­zen­ar­ten zu fin­den. Die Land­schaft um das Was­ser­schloss ist be­kannt für eine viel­fäl­ti­ge Am­phi­bi­en-Fau­na und zahl­rei­che ge­schütz­te Li­bel­len-Ar­ten, dar­un­ter auch die größ­ten in Mit­tel­eu­ro­pa vor­kom­men­den Li­bel­len. Es ist reiz­voll, sich die Fos­si­li­en der Vor­fah­ren die­ser Am­phi­bi­en und Li­bel­len im Mu­se­um für Ur- und Früh­ge­schich­te, das sich in der frü­he­ren Burg­an­la­ge be­fin­det, an­zu­schau­en.

Die nä­he­re Um­ge­bung des Was­ser­schlos­ses ist eine Ge­schichts­land­schaft und zählt seit über 200 Jah­ren zu den wich­tigs­ten Fund­ge­bie­ten für Fos­si­li­en und ar­chäo­lo­gi­sche Fun­de. Nicht weit vom Schloss ent­fernt be­fin­det sich der frü­he­re Stein­bruch Ha­gen-Vor­hal­le. Dort wur­den die welt­weit äl­tes­ten be­kann­ten Flug­in­sek­ten der Erd­ge­schich­te ent­deckt. Sie leb­ten vor rund 316 Mil­lio­nen Jah­re im Kar­bon.

Am Fuße des Kais­bergs fan­den sich 1876 drei Lang­schwer­ter der jün­ge­ren Bron­ze­zeit, die zu den ar­chäo­lo­gi­schen Kost­bar­kei­ten in Nord­rhein-West­fa­len zäh­len. Aber auch die bis­her äl­tes­ten mo­der­nen Men­schen in West­fa­len und im Ruhr­ge­biet wur­den in der Nähe des Was­ser­schlos­ses bei Ho­hen­lim­burg ge­fun­den. Im Mu­se­um für Ur- und Früh­ge­schich­te im Was­ser­schloss Wer­drin­gen sind zahl­rei­che geo­lo­gi­sche und ar­chäo­lo­gi­sche Fun­de aus 450 Mil­lio­nen Jah­ren Ge­schich­te des süd­li­chen Ruhr­ge­biets und Sauer­lands aus­ge­stellt.

Die zahl­rei­chen Na­tur- und Bo­den­denk­mä­ler, der ma­le­ri­sche Blick in das Ruhr­tal mit den be­nach­bar­ten Rui­nen der Burg Vol­mar­stein und der Burg Wet­ter so­wie auf den Wet­ter­schen Harkort­turm und Frei­herr-vom-Stein-Turm ma­chen Wer­drin­gen zu ei­nem Ort, der zu den land­schaft­lich at­trak­tivs­ten in Nord­rhein-West­fa­len zählt. Di­rekt ge­gen­über von Wer­drin­gen auf dem jen­sei­ti­gen Ufer der Ruhr liegt die his­to­ri­sche Fach­werk-Alt­stadt von Wet­ter.

Geschichte

Das Wasserschloss um 1900

Das Was­ser­schloss um 1900

Das Was­ser­schloss war ur­sprüng­lich ein Le­hen der Her­ren von Vol­mestein und er­fährt sei­ne ers­te ur­kund­li­che Er­wäh­nung zur Mit­te des 13. Jahr­hun­derts. Da­mals ge­hör­te es zum Be­sitz der Erz­bi­schö­fe von Köln. Im Ter­ri­to­ri­um de­rer von Vol­mestein be­fand sich auch der Hof und die Kir­che zu Ha­gen. Sie wa­ren die Keim­zel­le der spä­te­ren Groß­stadt Ha­gen.

Wer­drin­gen war vom 13. bis 15. Jahr­hun­dert im Be­sitz der rit­ter­bür­ti­gen Her­ren Dob­be (der Na­men­s­par­ti­kel „von“ wur­de von Ad­li­gen der Re­gi­on nicht ge­tra­gen), die un­ter an­de­rem auch zum Stadt­adel in Dort­mund zähl­ten und mit den Gra­fen von der Mark ver­bun­den und den Her­ren von der Re­cke ver­schwä­gert wa­ren. Da­mals be­stand der Adels­sitz aus meh­re­ren be­fes­tig­ten Ge­bäu­den, die bau­ge­schicht­lich als „fes­te Häu­ser“ bzw. „Turm­häu­ser“ an­zu­spre­chen sind. Ob die Res­te ei­ner Mot­te, die sich bei Wer­drin­gen er­hal­ten ha­ben, im 12. oder 13. Jahr­hun­dert ein Vor­gän­ger­bau der spä­te­ren Was­ser­burg ge­we­sen war, ist auf­grund der bis­her feh­len­den ar­chäo­lo­gi­schen Un­ter­su­chun­gen un­klar.

Nach der Er­obe­rung der Burg Vol­mar­stein 1324 durch die Gra­fen von der Mark wur­de Wer­drin­gen ein Teil der Graf­schaft Mark. Im Spät­mit­tel­al­ter und in der Frü­hen Neu­zeit wech­sel­ten die Ei­gen­tü­mer mehr­fach. Nach­ge­wie­sen sind die klein­adeli­gen Fa­mi­li­en Dob­be, Dü­dinck, Ca­pel­le, von Ber­chem und von Grü­ter. 1617 wur­den die Frei­her­ren von der Re­cke-Vol­merstein als Er­ben des aus­ge­stor­be­nen Ge­schlechts Dob­be mit dem Ge­samt­be­sitz be­lehnt.

In der Soes­ter Feh­de er­folg­te 1449 die Be­schie­ßung, Teil­z­er­stö­rung und Brand­schat­zung des Adels­sit­zes. Der Wie­der­auf­bau führ­te im 15. Jahr­hun­dert zur An­la­ge ei­ner Was­ser­burg. Ende des 18. Jahr­hun­derts war die An­la­ge be­reits stark be­schä­digt und rui­nös. Ne­ben dem Ab­bruch der höl­zer­nen Zug­brü­cke, die 1800 durch eine heu­te noch vor­han­de­ne Stein­brü­cke er­setzt wur­de, er­folg­te auch der Ab­bruch der bis da­hin über 2 Me­ter ho­hen Ring­mau­ern, die heu­te nur zur Hälf­te der ur­sprüng­li­chen Höhe er­hal­ten sind, und Tei­len der mit­tel­al­ter­li­chen Ge­bäu­de.

Um 1830 nahm eine Li­nie der 1817 in den preu­ßi­schen Gra­fen­stand er­ho­be­nen Adels­fa­mi­lie von der Re­cke von Vol­merstein ih­ren Wohn­sitz auf der Was­ser­burg Wer­drin­gen. 1856/57 ließ Graf Ot­to­mar von der Re­cke-Vol­merstein Tei­le der mittelalterlichen/frühneuzeitlichen Ge­bäu­de re­no­vie­ren und zu ei­nem Was­ser­schloss im neu­go­ti­schen (his­to­ris­ti­schen) Stil aus­bau­en.

Das aus dem 13./14. Jahr­hun­dert stam­men­de „Her­ren­haus“ mit sei­nem Stu­fen­gie­bel so­wie das im Spät­mit­tel­al­ter ur­sprüng­lich als Wohn­haus, dann aber als Re­mi­se die­nen­de Ge­bäu­de blie­ben je­doch weit­ge­hend un­ver­än­dert. Be­son­ders cha­rak­te­ris­tisch für die neu­go­ti­sche Bau­pha­se des Was­ser­schlos­ses sind die „Ka­pel­le“ und der „Turm“. In den Wal­dun­gen des be­nach­bar­ten Kais­bergs leg­te Graf Ot­to­mar ein Mau­so­le­um an, das bis um 1880 als Be­stat­tungs­platz be­nutzt wur­de.

Um 1870 wur­de der Wohn­sitz der Gra­fen nach Schle­si­en ver­legt. Das Was­ser­schloss dien­te an­schlie­ßend als Wohn­sitz des Auf­se­hers und spä­ter als land­wirt­schaft­li­cher Be­trieb. Im 20. Jahr­hun­dert ver­fiel es zu­se­hends. Im „Drit­ten Reich“ wur­de es der Deut­schen Ar­beits­front über­eig­net, die im Um­kreis von Wer­drin­gen eine Mus­ter­sied­lung an­le­gen woll­te. Be­reits 1939 war Wer­drin­gen als Au­ßen­stel­le des „Sauer­län­di­schen Fried­rich Harkort-Mu­se­ums“ in Ha­gen vor­ge­se­hen.

Nach­dem das Was­ser­schloss fast ab­riss­reif war, wur­de es 1977 von der Stadt Ha­gen er­wor­ben. Seit 1985 wur­den in Zu­sam­men­ar­beit mit ei­nem Bür­ger­ver­ein um­fang­rei­che Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten durch­ge­führt, die mit der Ein­rich­tung des Mu­se­ums für Ur- und Früh­ge­schich­te be­en­det wa­ren. Heu­te ist das Was­ser­schloss ein be­lieb­tes Aus­flugs­ziel im Ruhr­tal und in Süd­west­fa­len.

Museum für Ur- und Frühgeschichte

Sammlung

Wasserschloss Werdringen | Foto: HaPe39

Was­ser­schloss Wer­drin­gen | Foto: HaPe39

Am 7. No­vem­ber 2004 wur­de im Was­ser­schloss Wer­drin­gen als Mu­se­um der Stadt Ha­gen und Au­ßen­stel­le des His­to­ri­schen Cen­trums Ha­gen eine Dau­er­aus­stel­lung mit Schwer­punkt auf pa­lä­on­to­lo­gi­sche und ar­chäo­lo­gi­sche Samm­lun­gen, das Mu­se­um für Ur- und Früh­ge­schich­te er­öff­net. In kur­zer Zeit ent­wi­ckel­te sich das Mu­se­um für Ur- und Früh­ge­schich­te zu ei­nem Haupt­an­zie­hungs­punkt in der Re­gi­on. Be­reits we­ni­ge Mo­na­te nach der Er­öff­nung ver­zeich­ne­te das Mu­se­um über 30.000 Be­su­cher aus Nah und Fern.

Die Ge­schich­te der Samm­lung reicht über 200 Jah­re zu­rück. Im Mu­se­um wer­den geo­lo­gi­sche und ar­chäo­lo­gi­sche Fun­de ver­wahrt, die be­reits im 18. Jahr­hun­dert in der Re­gi­on ent­deckt wur­den. Maß­geb­li­chen An­teil be­sa­ßen die Samm­lun­gen von Fried­rich Harkort und Karl Ernst Ost­haus, die im 19. und frü­hen 20. Jahr­hun­dert an­ge­legt wur­den. Sie ge­lang­ten in den 1930er Jah­ren in den Be­sitz des in Ha­gen er­öff­ne­ten und 1943–1945 zer­stör­ten Sauer­län­di­schen Mu­se­ums für Vor- und Früh­ge­schich­te.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­den die Samm­lun­gen der Stadt Ha­gen ab 1975 durch den His­to­ri­ker Wil­helm Blei­cher im Mu­se­um Ho­hen­lim­burg auf dem Schloss Ho­hen­lim­burg zu­sam­men­ge­fasst. In dem räum­lich ein­ge­schränk­ten, 2002 auf­ge­lös­ten städ­ti­schen Mu­se­um er­folg­te eine Prä­sen­ta­ti­on in drei klei­nen und un­zu­rei­chen­den Räu­men so­wie in ei­nem win­zi­gen Bo­den­gang.

Erst 2004 er­folg­te mit der Er­öff­nung des Mu­se­ums für Ur- und Früh­ge­schich­te im Was­ser­schloss Wer­drin­gen eine wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Aus­stel­lung der reich­hal­ti­gen und über­re­gio­nal be­deu­ten­den Samm­lungs­be­stän­de. Das Mu­se­um für Ur- und Früh­ge­schich­te ko­ope­riert eng mit den Uni­ver­si­tä­ten in Müns­ter und Köln so­wie mit zahl­rei­chen wei­te­ren In­sti­tu­ten und der Bo­den­denk­mal­pfle­ge.

Ausstellung

Das Mu­se­um zeigt auf drei Eta­gen die Ent­wick­lung des Le­bens und der Sied­lungs­ge­schich­te in Süd­west­fa­len seit 450 Mil­lio­nen Jah­ren. Ne­ben Fos­si­li­en vom Ordovi­zi­um über das Kar­bon und die Krei­de­zeit bis zum Ter­ti­är und zur Eis­zeit the­ma­ti­siert die Aus­stel­lung die ur- und früh­ge­schicht­li­che Be­sied­lung von der Alt­stein­zeit, hier­un­ter auch zahl­rei­che Fun­de aus der Bal­ver Höh­le und von an­de­ren Fund­plät­zen in der Re­gi­on, bis zum Mit­tel­al­ter. Eine be­son­de­re Be­deu­tung ha­ben da­bei die ar­chäo­lo­gi­schen Fun­de von der Raf­fen­burg, die den All­tag auf ei­ner Lan­des­burg im 13. Jahr­hun­dert do­ku­men­tie­ren.

Ge­zeigt wer­den in dem mit­tel­al­ter­li­chen Ge­bäu­de auch in­ter­na­tio­nal be­deu­ten­de Fun­de, wie bei­spiels­wei­se die Ske­lett­res­te von Men­schen aus dem frü­hen Me­so­li­thi­kum, die in der Blät­ter­höh­le in Ha­gen ent­deckt und wis­sen­schaft­lich un­ter­sucht wer­den, und die klei­ne Bron­ze­plas­tik ei­nes Was­ser­vo­gels aus der Hall­statt­zeit, die aus dem süd­li­chen Al­pen­raum in das Sauer­land ge­lang­te.

Im Ein­gangs­be­reich wer­den die Be­su­cher von ei­ner le­bens­na­hen Der­mo­plas­tik ei­nes 3,70 Me­ter ho­hen und 6,50 Me­ter lan­gen Mam­muts emp­fan­gen. Auch in den an­de­ren Mu­se­ums­ab­tei­lun­gen er­gän­zen nach wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen ge­fer­tig­te Re­kon­struk­tio­nen und Plas­ti­ken in hoch­wer­ti­ger Mu­se­ums­qua­li­tät die ori­gi­na­len Fund­stü­cke. Zu se­hen sind un­ter an­de­rem Der­mo­plas­ti­ken ei­nes Woll­haar­nas­horns und ei­nes Ren­tiers. An Ar­beits­sta­tio­nen kön­nen die Be­su­cher selb­stän­dig mit Faust­kei­len und an­de­ren Werk­zeu­gen tä­tig wer­den.

Veranstaltungen

Das Mu­se­um bie­tet in­halt­lich fun­dier­te und breit ge­fä­cher­te mu­se­ums­päd­ago­gi­sche Ak­tio­nen und Be­gleit­pro­gram­me für Kin­der, Ju­gend­li­che und Er­wach­se­ne, au­ßer­dem spe­zi­el­le Pro­gram­me für Schul­klas­sen.

Es be­steht eine klei­ne Schloss­gas­tro­no­mie, die par­al­lel zum Mu­se­um ge­öff­net ist. Sie wur­de im De­zem­ber 2007 wie­der­eröff­net.

Fotostrecke Wasserschloss Werdringen

Lage vom Wasserschloss Werdringen

Lizenz

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