Schloss Strünkede

Schloss Strün­ke­de um 1860
Samm­lung Alex­an­der Duncker

Das Schloss Strün­ke­de ist ein Was­ser­schloss im Her­ner Stadt­teil Bau­kau in­mit­ten ei­nes aus­ge­dehn­ten Schloss­parks. Sein Name geht auf das mit­tel­hoch­deut­sche Wort „strunk“ für „ge­ro­de­ter Baum“ zu­rück.

Bis zum Ende des 18. Jahr­hun­derts war das Schloss Sitz der frei­herr­li­chen Fa­mi­lie von Strün­ke­de. Seit 1938 sind die kul­tur- und stadt­ge­schicht­li­chen Samm­lun­gen des Em­scher­tal-Mu­se­ums dort be­hei­ma­tet. Au­ßer­dem wer­den die Räu­me für stan­des­amt­li­che Trau­un­gen ge­nutzt.

Im zu­ge­hö­ri­gen Schloss­park wur­de 1932 das Sta­di­on am Schloss Strün­ke­de er­rich­tet, das un­ter an­de­rem Schau­platz von Spie­len der Fuß­ball-Bun­des­li­ga war.

Geschichte

Bewohner und Besitzer

Die Her­ren von Strün­ke­de fan­den im Jah­re 1142 erst­mals ur­kund­lich Er­wäh­nung, als ein Wes­sel von Strün­ke­de, Lehns­mann der Gra­fen von Kle­ve, in ei­nem Streit mit dem Stift Es­sen als Zeu­ge auf­trat. Bernd von Strün­ke­de hat­te 1209 ein wich­ti­ges hö­fi­sches Amt als kle­vi­scher Truch­sess inne.

Die ers­te ur­kund­li­che Nen­nung der da­ma­li­gen Burg Strün­ke­de als „cas­tro nos­tro Strun­ke­de“ da­tiert auf das Jahr 1243. Ein wei­te­res Mal er­scheint sie 1263, als der Rit­ter Ger­lach von Strün­ke­de nach ei­ner Feh­de ge­gen sei­nen Lehns­herrn Graf Diet­rich VI. von Kle­ve mit die­sem Frie­den schloss und ihm sei­ne Burg für 100 Mark über­ließ.

Im Jahr 1316 wur­den dann Bovo und Bernd von Strün­ke­de mit der Burg­graf­schaft Strün­ke­de be­lehnt. Aus die­ser ent­wi­ckel­te sich in spä­te­ren Jah­ren die Herr­schaft Strün­ke­de mit den Bau­erschaf­ten Her­ne und Bau­kau.

Durch die Le­hens­bin­dung ih­rer Be­sit­zer an Kle­ve und die Nach­bar­schaft zu des­sen Wi­der­sa­cher, dem Erz­bis­tum Köln, war die Burg Strün­ke­de im 14. bis 16. Jahr­hun­dert in zahl­rei­che Feh­den ver­wi­ckelt und wur­de häu­fig von Köl­ner Ge­folgs­män­nern be­la­gert. So zum Bei­spiel im Jahr 1317, als Graf En­gel­bert II. von der Mark sei­ner Le­hen ver­lus­tig ge­gan­gen war und Kai­ser Lud­wig IV. die­se im An­schluss an die Kle­ver Gra­fen ver­ge­ben hat­te. Dem Mär­ker ge­lang es, die Burg ein­zu­neh­men und sie zu zer­stö­ren. Zwar wur­de die An­la­ge an­schlie­ßend von den Strün­ke­dern wie­der auf­ge­baut, je­doch wur­de sie von En­gel­bert II. von der Mark nur drei Jah­re spä­ter ein wei­te­res Mal be­la­gert und er­obert.

Ei­ner nächs­ten Be­la­ge­rung durch Wal­ram von Jü­lich im Jahr 1336 konn­te die Burg Strün­ke­de je­doch stand­hal­ten, eben­so wie ei­ner Be­la­ge­rung 1352 durch Man­nen des Kle­ver Gra­fen Jo­hann von Kle­ve, der sei­nem nach Un­ab­hän­gig­keit trach­ten­den Lehns­mann Hein­rich von Strün­ke­de zu Lei­be rück­te.

1397 ver­lor Bernd von Strün­ke­de sei­ne Burg­an­la­ge, die er Her­zog Wil­helm II. von Berg in ei­ner Feh­de mit Kle­ve als Of­fen­haus zur Ver­fü­gung ge­stellt hat­te, da die Ber­ger in der ent­schei­den­den Schlacht am Kle­ver­hamm un­ter­la­gen. Erst 1399 er­hielt er sie als Le­hen von Adolf II. von Kle­ve zu­rück.

Im 15. Jahr­hun­dert mach­ten die bei­den auf­säs­si­gen Brü­der God­dert und Jo­hann von Strün­ke­de von sich re­den. Auf­grund ei­nes Streits mit dem Klos­ter Cap­pen­berg und dem Kö­nig ver­häng­te der spä­te­re Kai­ser Si­gis­mund so­gar die Reichs­acht über God­dert, wes­we­gen die Burg 1418 von Her­zog Adolf IV. von Kle­ve be­la­gert und ein­ge­nom­men wur­de.

Strün­ke­de blieb dann vor­erst un­ter kle­vi­scher Ver­wal­tung, bis im Jahr 1426 alle voll­jäh­ri­gen Ver­tre­ter der von Strün­ke­de Kle­ve die Treue schwo­ren und die An­la­ge da­nach wie­der als Le­hen an das Edel­ge­schlecht kam.

Grabmal des Jobst und der Hendrika von Strünkede in der Ausstellung des Emschertal-Museums

Grab­mal des Jobst und der Hen­dri­ka von Strün­ke­de in der Aus­stel­lung des Em­scher­tal-Mu­se­ums

1487 ließ der Kle­ver Her­zog Jo­hann II. die An­la­ge in Strün­ke­de wie­der be­la­gern. Dies­mal ging es ge­gen Rein­hard von Strün­ke­de (auch Rey­nar), der 1482 eine Hälf­te der Herr­schaft zu Le­hen er­hal­ten, sich dann aber ge­walt­sam auch die an­de­re Hälf­te an­ge­eig­net hat­te. Nach­dem der Her­zog mit sei­ner Be­la­ge­rung Er­folg hat­te, ver­ur­teil­te er Rein­hard auf­grund von Geis­tes­ge­stört­heit „zu ewig Ge­fäng­nis“ auf Strün­ke­de. Des­sen Ehe­frau So­fia, ge­bo­re­ne Grä­fin von Lim­burg-Styrum, hat­te sich be­reits vor­her von ih­rem Mann ge­trennt. Ihre Söh­ne Jobst und Rein­hard folg­ten ih­rem Va­ter als Burg­be­sit­zer nach.

Je­ner Jobst ging in die Ge­schich­te als „der Tol­le“ ein, ob­wohl ihm His­to­ri­ker be­stä­ti­gen, dass sich sei­ne Ta­ten nicht von de­nen an­de­rer Zeit­ge­nos­sen un­ter­schie­den. Sein gleich­na­mi­ger En­kel er­hielt hin­ge­gen den Bei­na­men „der Ge­lehr­te“. Er be­gann ab 1591 mit dem Um­bau der durch zahl­rei­che krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen stark in Mit­lei­den­schaft ge­zo­ge­ne An­la­ge zu ei­nem re­prä­sen­ta­ti­ven Schloss. Das Grab­mal für Jobst den Ge­lehr­ten und sei­ne Frau Hen­ri­ka von Hatz­feld aus der al­ten Her­ner Dio­ny­si­us­kir­che steht heu­te im Schloss.

Jobsts äl­tes­ter Sohn Con­rad wur­de 1636 in den Reichs­frei­her­ren­stand er­ho­ben. Des­sen drit­ter Sohn Gott­fried (God­dert) aus der Ehe mit Jan­na von Lüt­zen­rod folg­te sei­nem Va­ter als Be­sit­zer von Schloss Strün­ke­de nach. Un­ter sei­ner Ägi­de wur­de der von sei­nem Groß­va­ter be­gon­ne­ne Schlos­sum­bau 1644 voll­endet.

Als Jo­hann Con­rad Frei­herr von Strün­ke­de 1742 ohne männ­li­che Er­ben starb, erb­te sein Vet­ter Lud­wig aus dem Haus Dor­ne­burg den Be­sitz. Als die männ­li­che Li­nie von Strün­ke­de zu Dor­ne­burg 1777 eben­falls aus­starb, kam der Be­sitz an Si­gis­mund Carl von Strün­ke­de zu Kru­den­burg. Zu je­ner Zeit war Strün­ke­de je­doch völ­lig ver­schul­det, wes­we­gen der Kon­kurs folg­te. Es ge­lang aber, das Schloss im Fa­mi­li­en­be­sitz zu hal­ten. Die Schwes­ter Si­gis­munds, So­phia Char­lot­te, wur­de 1786 mit der Herr­schaft Strün­ke­de be­lehnt. Sie hat­te 1767 den Frei­herrn Adolf Karl von Pa­landt-Os­ter­veen aus Om­men im nie­der­län­di­schen Ober­ijs­sel ge­hei­ra­tet, und so­mit ging das Haus Strün­ke­de an die­se Fa­mi­lie.

Die Erb­toch­ter Adol­fi­ne Ca­ro­li­ne von Pa­landt brach­te die An­la­ge durch Hei­rat 1810 an den vom Nie­der­rhein stam­men­den Fried­rich von Fo­rell. Des­sen Nach­kom­men ver­kauf­ten Schloss Strün­ke­de 1900 an die Har­pe­ner Berg­bau AG. Zu­vor hat­ten die Ge­bäu­de bin­nen kur­zer Zeit noch zahl­rei­chen Her­ren die­nen müs­sen. Wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs dien­ten sie als La­za­rett, und in den 1920er Jah­ren war dort die Schutz­po­li­zei be­hei­ma­tet. Von Ja­nu­ar 1935 bis 1937 fand dort die Hit­ler­ju­gend ihre Un­ter­kunft, ehe Tei­le des Schlos­ses von der Stadt Her­ne für das Em­scher­tal­mu­se­um lang­fris­tig an­ge­mie­tet wur­de. Die Er­öff­nung fand am 15. Sep­tem­ber 1938 statt um, un­ter­bro­chen durch klei­ne­re Schlie­ßungs­pe­ri­oden, am 26. Au­gust 1944 zu schlie­ßen. Nach der Be­frei­ung und Sta­tio­nie­rung ei­ner Be­sat­zung bis Ja­nu­ar 1946 wur­de das Schloss zu ei­nem Kin­der­er­ho­lungs­heim der Bri­ti­schen Heils­ar­mee um­funk­tio­niert, wel­ches vom 24. Fe­bru­ar 1946 bis zum 31. März 1950 1600 Kin­der der Em­scher­re­gi­on kör­per­lich und see­lisch be­treu­te. Erst 1948 wur­de das Haus von der Stadt Her­ne an­ge­kauft und in ei­ni­gen Räu­men das Em­scher­tal­mu­se­um wie­der­eröff­net.

Baugeschichte

Das heu­ti­ge Haupt­schloss be­steht aus Res­ten ei­ner kas­tell­ar­tig ge­schlos­se­nen An­la­ge, die frü­her in der Mit­te ei­nes ova­len Schloss­teichs stand. Sie um­fass­te ver­mut­lich nur ei­nen wehr­haf­ten Wohn­turm und ein Tor­haus. Eine Vor­burg war ihr süd­lich da­von auf ei­ner ei­ge­nen, zwei­ten In­sel vor­ge­la­gert. Die An­la­ge, de­ren Kern­burg­are­al etwa 45 Me­ter mal 45 Me­ter ein­nahm, war von ei­nem kom­ple­xen Gräf­ten­sys­tem und ei­ner dop­pel­ten Wall­an­la­ge ge­schützt. Ab­ge­schlos­sen wur­de die ge­sam­te An­la­ge ver­mut­lich von ei­nem Wehr­gang im Wes­ten.

Aus­gra­bun­gen in den 1950er Jah­ren be­wie­sen die Exis­tenz zwei­er Vor­gän­ger­bau­ten west­lich und süd­west­lich des heu­ti­gen Stand­orts. Da­bei han­del­te es sich um eine Erd­wall­burg aus dem 10. Jahr­hun­dert und eine Turm­hü­gel­burg aus dem 11./12. Jahr­hun­dert.

Öst­lich des Schlos­ses stand zwi­schen in­ne­rer und äu­ße­rer Gräf­te eine seit 1316 ver­bürg­te Schloss­müh­le, die 1850 ih­ren Be­trieb ein­stel­len muss­te. Ab­bau­fel­der ei­ner nahe ge­le­ge­nen Ze­che ent­zo­gen den Gräf­ten und dem Schloss­teich Was­ser; der sie spei­sen­de Strün­ke­der Bach war nicht mehr nutz­bar.

Nach­dem die Har­pe­ner Berg­bau AG das Schloss­are­al 1900 er­wor­ben hat­te, ließ sie es zu ei­ner Gast­stät­te um­bau­en. Die­se Maß­nah­men sind maß­geb­lich da­für ver­ant­wort­lich, dass im In­ne­ren heut­zu­ta­ge kaum noch ori­gi­na­le Bau­sub­stanz vor­han­den ist. Aus­nah­me bil­det ein teil­wei­se er­hal­te­ner Ka­min aus dem 17. Jahr­hun­dert. Auch ein ehe­ma­li­ger, vier­ecki­ger Trep­pen­turm in der Süd­ost-Ecke des In­nen­hofs ist nicht mehr exis­tent.

In der Zeit von 1975 bis 1980 wur­den auf­wän­di­ge Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten an der An­la­ge durch­ge­führt. Un­ter an­de­rem er­hiel­ten die Au­ßen­mau­ern ei­nen neu­en Putz und – in An­leh­nung an eine Farbli­tho­gra­fie von 1860/70 und eine Ana­ly­se al­ter Putz­res­te – ei­nen gel­ben An­strich.

2008 wur­de der ge­sam­te Schloss­park gärt­ne­risch neu ge­stal­tet. So wur­de das Wohn- und Ga­ra­gen­haus ge­gen­über der Vil­la Fo­rell aus den 1920er Jah­ren ab­ge­ris­sen und die alte Sicht­ach­se – von der Land­stra­ße von Bo­chum nach Reck­ling­hau­sen (heu­te: Bahn­hof­stra­ße) – wie­der­her­ge­stellt. Von Ok­to­ber 2009 bis Juni 2010 er­folg­te eine grund­le­gen­de Re­no­vie­rung des Schloss­ge­bäu­des. Zeit­gleich fan­den um­fang­rei­che bau­his­to­ri­sche For­schun­gen statt, und die Dau­er­aus­stel­lung des Em­scher­tal-Mu­se­ums wur­de um­fas­send er­neu­ert. De­ren Wie­der­eröff­nung zum The­ma Das Haus, sei­ne Ge­schich­te, sei­ne Men­schen fand am 13. Juni 2010 statt. Wei­te­re Re­no­vie­run­gen schlos­sen sich bis Mit­te 2011 an.

Beschreibung

Hauptschloss

Die Ur­sprün­ge des heu­ti­gen Schloss­baus lie­gen in ei­nem er­hal­te­nen qua­dra­ti­schen Pa­vil­lon­turm aus der Zeit um 1500 (an­de­re Quel­len nen­nen das 14. Jahr­hun­dert). Sei­ne drei Ge­schos­se er­he­ben sich über ei­ner 13,5 Me­ter mal 13,5 Me­ter mes­sen­den Grund­flä­che. Schieß­schar­ten in sei­nem Ge­wöl­be­kel­ler aus Back­stein be­zeu­gen sei­ne da­ma­li­ge Wehr­haf­tig­keit. Mit­te des 16. Jahr­hun­derts wur­de dem Turm nörd­lich ein 28 Me­ter mal 10 Me­ter mes­sen­der Ost­flü­gel im Stil der Re­nais­sance an­ge­fügt. Die­sem schloss sich recht­win­ke­lig ein heu­te nicht mehr er­hal­te­ner, un­ter­kel­ler­ter Nord­flü­gel an.

Den jüngs­ten Teil des heu­ti­gen Schlos­ses bil­det der in zwei Bau­pha­sen er­rich­te­te Süd­flü­gel mit ei­ner früh­ba­ro­cken Tor­durch­fahrt aus dem 17. Jahr­hun­dert. Das Rund­bo­gen­por­tal wird vom Wap­pen der Fa­mi­lie von Strün­ke­de ge­krönt und kün­det in ei­ner In­schrift vom Ende der Um- und Aus­bau­ar­bei­ten un­ter Gott­fried von Strün­ke­de im Jahr 1664. Un­ter­su­chun­gen aus dem Jahr 2009 ha­ben ge­zeigt, dass die kom­plet­te Holz­kon­struk­ti­on des Da­ches aus der Bau­zeit des Schlos­ses – das Holz wur­de 1663 ge­schla­gen – ori­gi­nal er­hal­ten ist.

Sämt­li­che Flü­gel­neu­bau­ten wur­den auf Ei­chen­pfahl­ros­ten und aus na­tür­li­chem Bruch­stein er­baut. Letz­te­res ist nur noch am So­ckel der Ge­bäu­de zu er­ken­nen, da die Au­ßen­mau­ern ver­putzt wur­den. Im Zuge der Bau­ar­bei­ten im 16. und 17. Jahr­hun­dert wur­de der Schloss­teich auf eine Grö­ße von 200 Me­ter × 220 Me­ter ver­grö­ßert, und der Bau­herr gab den Auf­trag, west­lich des Her­ren­hau­ses ei­nen Ba­rock­gar­ten nach fran­zö­si­schen Vor­bil­dern an­zu­le­gen. Au­ßer­dem ent­stand ein Nutz­gar­ten mit Tau­ben­turm. Die Gar­ten­an­la­gen sind heut­zu­ta­ge je­doch völ­lig ver­schwun­den, und auch von dem weit­läu­fi­gen Gräf­ten­sys­tem exis­tie­ren nur noch der Haupt- und ein Au­ßen­gra­ben.

Schlosskapelle

Aquarellbild mit Schloss Strünkede als Motiv, etwa 1810

Aqua­rell­bild mit Schloss Strün­ke­de als Mo­tiv, etwa 1810

Die Schloss­ka­pel­le von Strün­ke­de ist Her­nes äl­tes­tes Bau­werk. Sie geht auf den Schloss­herrn Bernd von Strün­ke­de zu­rück, der sie bis 1272 aus Back­stein im go­ti­schen Stil auf dem Vor­burg­ge­län­de er­rich­ten ließ.

Ur­sprüng­lich nur für die Be­dürf­nis­se der Schloss­be­woh­ner be­stimmt, wur­de sie mit dem Se­gen des Köl­ner Erz­bi­schofs Fried­rich III. von Saar­wer­den 1395 in eine Pfarr­kir­che mit dem Recht des öf­fent­li­chen Got­tes­diens­tes um­ge­wan­delt, da, wie es hieß, der Weg zur Her­ner Dio­ny­si­us­kir­che in den „da­ma­li­gen krie­ge­ri­schen Zei­ten nicht ohne Le­bens­ge­fahr“ wäre. Die Ka­pel­le dien­te auch als Be­gräb­nis­stät­te ei­ni­ger Strün­ke­der Her­ren. So sind die Grab­le­gen des „tol­len Jobst“ († 1529) und sei­nes Va­ters Rein­hard († 1535) ver­bürgt.

Als Pa­tro­nats­herr über die Dio­ny­si­us­kir­che und das da­zu­ge­hö­ri­ge Kirch­spiel führ­te der Strün­ke­der Schloss­herr God­dert († 1584) die Re­for­ma­ti­on ein, wo­durch auch die Schloss­ka­pel­le evan­ge­li­sches, und zwar zu­nächst lu­the­ri­sches, Got­tes­haus wur­de.

1686 fand der nächs­te Kon­fes­si­ons­wech­sel statt: Jetzt wur­de die Ka­pel­le durch die Wit­we Gott­frieds von Strün­ke­de zur cal­vi­nis­ti­schen Kir­che um­ge­wan­delt und er­hielt ei­nen ei­ge­nen Pre­di­ger. In den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten dien­te sie der re­for­mier­ten Ge­mein­de Her­nes als Pfarr­kir­che.

Ende des 18. Jahr­hun­derts be­gann der Ver­fall. So wur­de der Glo­cken­turm 1802 ent­fernt. Als dann 1845 im nun­mehr zu Preu­ßen ge­hö­ri­gen Her­ne die Uni­on zwi­schen Lu­the­ra­nern und Cal­vi­nis­ten ver­kün­det wur­de, ver­lor sie ih­ren Cha­rak­ter als Got­tes­haus und wur­de bis zum Zwei­ten Welt­krieg von den je­wei­li­gen Be­sit­zern des Schlos­ses un­ter an­de­rem als Scheu­ne, Stall und Hun­de­zwin­ger ge­nutzt. In die­ser Zeit gin­gen vie­le alte Ele­men­te un­wie­der­bring­lich ver­lo­ren. So konn­te bei­spiels­wei­se die 1950 frei­ge­leg­te ma­nie­ris­ti­sche Ma­le­rei des spä­ten 16. Jahr­hun­derts nur noch in we­ni­gen Tei­len ge­ret­tet wer­den.

1948 wur­de die Ka­pel­le zu­sam­men mit dem Schloss Ei­gen­tum der Stadt Her­ne. Nach ei­ner gründ­li­chen Re­stau­rie­rung, bei der auch die durch Brand­bom­ben zer­stör­ten, go­ti­schen Ge­wöl­be wie­der­her­ge­stellt und eine neue Fens­ter­ver­gla­sung vor­ge­nom­men wur­den, dient sie bis heu­te ne­ben Kon­zer­ten, Trau­un­gen und Tau­fen dem Got­tes­dienst klei­ne­rer Glau­bens­ge­mein­schaf­ten.

Der Back­stein­bau mit dem po­ly­go­na­len 3/8-Chor weist an sei­ner süd­li­chen Sei­te mit den Werk­stein­ein­fas­sun­gen die äl­tes­ten Spu­ren auf, die viel­leicht noch vom Grün­dungs­bau von 1272 stam­men könn­ten. Der üb­ri­ge Teil wur­de wohl im 14./15. Jahr­hun­dert nach den Zer­stö­run­gen von Strün­ke­de er­rich­tet. Der jet­zi­ge Dach­rei­ter aus der Nach­kriegs­zeit er­setzt eine klei­ne Ba­rock­hau­be. Der zwei­jochi­ge Saal be­sitzt ein Kreuz­rip­pen­ge­wöl­be, des­sen Schluss­stein die Wap­pen der Fa­mi­lie von Strün­ke­de und ih­rer Lehns­her­ren, der Her­zö­ge von Kle­ve, zeigt. Ein­bah­ni­ge Spitz­bo­gen­fens­ter, die im Chor zwei­bah­nig sind, sor­gen für die Be­leuch­tung des klei­nen Sa­kral­baus. Die Fens­ter­lai­bun­gen im Chor zei­gen ver­ein­fach­te, spät­go­ti­sche Ran­ken­ma­le­rei. An den Wän­den be­fin­den sich alte Her­ner Grab­stei­ne, so auch der von Mar­ga­re­tha von As­beck, der 1587 ver­stor­be­nen Ehe­frau des „tol­len Jobst“.

Der jet­zi­ge Al­tar­auf­satz war das Ober­teil des 1700 ge­schaf­fe­nen Haupt­al­tars der ab­ge­bro­che­nen Dio­ny­si­us­kir­che. Wei­he­kreu­ze sind im In­ne­ren des Baus an meh­re­ren Stel­len ein­ge­las­sen. Eine To­ten­ta­fel aus dem Jahr 1682, ver­mut­lich von Gott­fried von Strün­ke­de, hängt an der West­wand über der Tür.

Die „neue“ Begräbnisstätte

Im heu­ti­gen Drei­eck zwi­schen Strün­ke­de-Sta­di­on, West­ring und Fo­rell­stra­ße liegt das Denk­mal der Fa­mi­lie von Fo­rell. Das Mo­nu­ment hat die Form ei­nes Obe­lis­ken, der bis in die 1960er Jah­re von ei­ner Urne be­krönt war. Er stand ur­sprüng­lich etwa 20 Me­ter süd­li­cher in­ner­halb des heu­ti­gen Tri­bü­nen­walls des Sta­di­ons. Dort lag die Fa­mi­li­en­grab­stät­te der Fa­mi­lie von Fo­rell, die seit 1804 nur für die Be­woh­ner des Hau­ses Strün­ke­de be­nutzt wor­den war. Auch die letz­te Frei­frau von Strün­ke­de zu Kru­den­burg wur­de dort bei­ge­setzt. Heu­te wird das Denk­mal nach ei­ner gründ­li­chen Re­stau­rie­rung wie­der von ei­nem Git­ter um­schlos­sen.

Fotostrecke Schloss Strünkede

Lage des Schloss Strünkede

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