Schloss Senden

Schloss Senden um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Schloss Sen­den um 1860,
Samm­lung Alex­an­der Duncker

Das Schloss Sen­den ist ei­nes der zahl­rei­chen Was­ser­schlös­ser im Müns­ter­land. Es liegt am Fluss Ste­ver, der den Was­ser­gra­ben des Schlos­ses speist. Au­ßer­dem be­fin­det sich der Dort­mund-Ems-Ka­nal in etwa 250 Me­ter Ent­fer­nung.

Geschichte

Das Rit­ter­gut Sen­den war im Mit­tel­al­ter un­ter dem Na­men Be­ne­kamp im Be­sit­ze der Fa­mi­lie von Sen­den ge­nannt Be­ne­kamp. Die Erb­toch­ter die­ses Ge­schlechts, Ku­ni­gun­de, hei­ra­te­te Alex­an­der (San­der) Dros­te zu Kakes­beck (1357–1401). Des­sen Va­ter Al­brecht war ein Bru­der des Hein­rich Dros­te zu Vi­sche­ring, Stamm­va­ter der spä­te­ren Frei­her­ren und Gra­fen Dros­te zu Vi­sche­ring, die bis heu­te u. a. auf der Burg Vi­sche­ring, dem Was­ser­schloss Dar­feld und dem Erb­dros­ten­hof in Müns­ter an­säs­sig sind. Un­ter dem Na­men Dros­te zu Sen­den bil­de­te sich da­mit ein neu­er Fa­mi­li­en­zweig.

Der Sohn von San­der und Ku­ni­gun­de, Lu­de­ke Dros­te (1405–1466), er­rich­te­te das spä­ter viel­fach er­gänz­te Schloss Sen­den als Fes­tes Haus in Form ei­ner Was­ser­burg. Des­sen Sohn San­der II. Dros­te zu Sen­den (1448–1502) er­rich­te­te das Her­ren­haus in sei­ner heu­ti­gen Form, das mit sei­nem Drei­staf­fel­gie­bel das wohl äl­tes­te er­hal­te­ne Bau­denk­mal die­ser Art und Vor­bild für Bau­ten der west­fä­li­schen Re­nais­sance ist. Ver­mut­lich aus die­ser Zeit stammt auch die der Gräf­te zu­ge­wand­te süd­li­che Fas­sa­de des Ver­bin­dungs­baus mit ei­ner Rei­he von Stein­kreuz­fens­tern und Schieß­schar­ten. Der Bru­der San­ders II., Bernd Dros­te zu Sen­den, hei­ra­te­te 1481 die Erb­toch­ter Anna von Hei­den zu Beck (1462–1492) und be­grün­de­te die Li­nie der Dros­te zu Beck auf Schloss Beck. San­der III. Dros­te zu Sen­den wur­de 1510 vom Bür­ger­meis­ter und Rat der Stadt Müns­ter mit dem Go­ge­richt zu Sen­den be­traut, dar­über hin­aus wur­de er 1519 von den Land­stän­den zum Voll­zie­her der Lan­des­ver­ei­ni­gung ge­wählt. 1587 wird von der Brand­schat­zung und Plün­de­rung des Dor­fes und des Hau­ses Sen­den durch die „His­pa­ni­schen“ wäh­rend des spa­nisch-nie­der­län­di­schen Acht­zig­jäh­ri­gen Krie­ges be­rich­tet. Durch Erb­schaf­ten ka­men 1680 Gut Patz­lar und 1713 Gut Isin­gholt hin­zu, 1729 Gut Ven­haus durch Kauf.

Das Schloss wur­de im Zwei­ten Welt­krieg von bri­ti­schen Sol­da­ten be­setzt, teil­wei­se de­vas­tiert und ge­plün­dert. 1957 ver­kauf­te es die frei­herr­li­che Fa­mi­lie Dros­te zu Sen­den, die je­doch bis heu­te den zu­ge­hö­ri­gen Guts­be­sitz und den Senden’schen Hof in Müns­ter hält; neu­er Wohn­sitz wur­de das na­he­ge­le­ge­ne Forst­haus Wulfshoek. Der Er­wer­ber des Schlos­ses be­trieb dort zu­nächst ein Han­dels­schul­in­ter­nat, da­nach eine Al­ten­pen­si­on und schließ­lich seit den 1980er Jah­ren bis Ende der 1990er Jah­re ein Ho­tel, das je­doch nach ei­nem Brand im Dach­stuhl ge­schlos­sen wur­de. Da­nach stand das Ge­bäu­de weit­ge­hend leer und be­her­berg­te le­dig­lich die Bild­hau­er-Kur­se der Kunst­schu­le Sen­den. In die­ser Zeit ver­fiel es zu­neh­mend, der Ei­gen­tü­mer war am Ver­kauf in­ter­es­siert. Die „In­itia­ti­ve Schloss Sen­den“ ver­such­te ab 2007, durch ver­schie­de­ne Ak­ti­vi­tä­ten eine neue Nut­zung für die Schloss­an­la­ge zu fin­den und das Ge­bäu­de vor dem wei­te­ren Nie­der­gang zu be­wah­ren. Eine von der Ge­mein­de Sen­den in Auf­trag ge­ge­be­nes Gut­ach­ten er­gab bei ei­nem Ver­kehrs­wert von ei­ner hal­ben Mil­li­on Euro Sa­nie­rungs­kos­ten von sechs bis neun Mil­lio­nen Euro. Die po­li­ti­sche Ge­mein­de lehn­te ein fi­nan­zi­el­les En­ga­ge­ment je­doch wie­der­holt ab. Nach­dem der Ei­gen­tü­mer 2014 so­gar mit ei­nem Ab­riss des Bau­denk­mals droh­te, kam es zur Grün­dung des ge­mein­nüt­zi­gen För­der­ver­eins für Schloss Sen­den, der die Lie­gen­schaft er­warb und An­fang 2015 zu­nächst die Bau­sub­stanz durch Dach- und Gla­ser­ar­bei­ten si­cher­te.

Seit 2011 fin­det jähr­lich im Som­mer in­ner­halb der Au­ßen­gräf­te des Schlos­ses ein Mit­tel­al­ter­markt in­klu­siv Heer­la­ger statt, der sich auf­grund der trotz des Ver­falls be­ein­dru­cken­den Ku­lis­se bei Mit­tel­alt­er­fans der Re­gi­on gro­ßer Be­liebt­heit er­freut.

Das Ge­bäu­de ist ein be­lieb­tes Ziel auf Rad­tou­ren durch das Müns­ter­land und Teil der „100 Schlös­ser Rou­te“, ei­nem Fahr­rad­weg in der Re­gi­on.

Fotostrecke Schloss Senden

Lage des Schloss Senden

Lizenz

© Ur­he­ber­recht für die Fo­tos auf die­sen Sei­ten be­stehen bei Bern­hard Gro­ße-Drenkpohl.
Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Schloss Sen­den aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­to­ren ver­füg­bar.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://grosse-drenkpohl.de/schloss-senden/

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

Scroll Up