Schloss Oberwerries

Herrenhaus Schloss Oberwerries

Her­ren­haus Schloss Ober­wer­ries

Das Schloss Ober­wer­ries ist ein zwei­flü­ge­li­ges Was­ser­schloss in den Lip­pe­au­en des Ham­mer Stadt­be­zirks Hamm-Hees­sen. Es um­fasst meh­re­re Ge­bäu­de, die im Lau­fe der Jahr­hun­der­te zur heu­ti­gen Schloss­an­la­ge zu­sam­men­ge­wach­sen sind.

Die Gebäude

Die An­la­ge aus Back­stein­mau­er­werk be­steht aus ei­nem zwei­flü­ge­li­gen Her­ren­haus, dem öst­lich ein Mar­stall vor­ge­la­gert ist. Nörd­lich des Her­ren­hau­ses be­fin­det sich ein Tor­haus, dem sich im Nor­den ein klei­ner ba­ro­cker Gar­ten an­schließt.

Herrenhaus

Das Her­ren­haus be­steht aus ei­nem Haupt­bau mit zwei Ge­schos­sen und ei­nem sich dar­an süd­lich an­schlie­ßen­den, eben­falls zwei­stö­cki­gen Flü­gel, der je­doch schma­ler und et­was nied­ri­ger als der Haupt­bau ist. Dem Süd­flü­gel öst­lich vor­ge­setzt ist ein qua­dra­ti­scher Pa­vil­lon­turm.

Schloss Oberwerries

Schloss Ober­wer­ries

Die drei Bau­kör­per des Her­ren­hau­ses be­sit­zen Gurt­ge­sim­se und Fens­ter­ein­fas­sun­gen aus Baum­ber­ger Sand­stein als ge­mein­sa­mes ar­chi­tek­to­ni­sches Ele­ment. Ihre Dach­for­men sind je­doch zum Teil ver­schie­den. Wäh­rend das Haupt­haus und der Pa­vil­lon­turm ein Man­sard­dach be­sit­zen, ist der Süd­flü­gel von ei­nem ab­ge­knick­ten Steil­dach ab­ge­schlos­sen.

So­wohl das Haupt­haus als auch der süd­li­che Flü­gel des Her­ren­hau­ses be­sit­zen ei­nen se­pa­ra­ten Ein­gang, die je­doch bei­de über eine ge­mein­sa­me Frei­trep­pen­an­la­ge er­reich­bar sind.

Torhaus

Das Tor­haus ist der äl­tes­te Teil der An­la­ge, wo­von sei­ne ei­ser­nen Mau­er­an­ker mit der Jah­res­zahl 1667 zeu­gen. Im Ge­bäu­de­in­ne­ren be­fin­det sich ein Ka­min aus dem Jahr 1672. Auf­grund ei­nes zu­ge­mau­er­ten, je­doch im­mer noch sicht­ba­ren, go­ti­schen Spitz­bo­gen­fens­ters, das Be­stand­teil der ehe­ma­li­gen Schloss­ka­pel­le war, ge­hen Bau­his­to­ri­ker je­doch da­von aus, dass der Tor­bau äl­ter ist und 1667 le­dig­lich er­neu­ert und um­ge­baut wur­de.

Marstall

Öst­lich des Her­ren­hau­ses steht der so ge­nann­te Mar­stall, der das jüngs­te Ge­bäu­de des Schlos­ses ist. Es han­delt sich da­bei um ei­nen lang­ge­streck­ten, recht­ecki­gen Bau­kör­per mit Fens­ter­rah­mun­gen aus Baum­ber­ger Sand­stein, an des­sen Ost­sei­te ein ehe­ma­li­ger Hun­de­stall an­grenzt.

Wappen über dem Portal

Über dem Haupt­ein­gang be­fin­det sich ein Sand­stein­re­li­ef, das die Drei­fal­tig­keit zeigt, Gott Va­ter rechts, der Sohn mit dem Kreuz links und in der Mit­te der Hei­li­ge Geist. Dar­un­ter be­fin­det sich das Wap­pen de­rer von Be­ver­för­de mit dem auf­stei­gen­den Bi­ber, das von zwei En­geln ge­hal­ten wird. Die In­schrift dar­un­ter lau­tet: „Ma­ria Ida aus dem Frei­her­ren­ge­schlecht von Plet­ten­berg aus Len­hau­sen, im Jah­re 1663 mit Herrn Jo­han­nes Fri­de­ri­cus von Be­ver­för­de aus Wer­ries und We­mes­lo ver­mählt, hat auf des­sen ge­schätz­ten Rat, nach­dem sie im Al­ter von 25 Jah­ren Wit­we ge­wor­den war, im Jah­re 1685 be­gon­nen, die­ses Haus zu Eh­ren der hei­ligs­ten Drei­fal­tig­keit und zum Nut­zen der Nach­kom­men von den Grund­mau­ern her auf­zu­bau­en und es im Jah­re 1692 glück­lich voll­endet….
Quel­le: Hei­mat­ver­ein Hees­sen

Geschichte

Wappen über dem Portal

Wap­pen über dem Por­tal

Die Lehns­herr­schaft über die cur­tis in Wer­ries, auf die sich die Häu­ser Un­ter- (bzw. Nie­der-) und Ober­wer­ries bei­der­seits der Lip­pe zu­rück­füh­ren las­sen, lag bei dem lim­bur­gi­schen Zweig des Hau­ses Berg-Al­te­na. Be­reits 1284 wird eine Burg als Vor­gän­ger­bau des heu­ti­gen Schlos­ses im Lehns­re­gis­ter der Gra­fen von Lim­burg-Styrum er­wähnt. Diet­rich von Lim­burg be­lehn­te in die­sem Jahr En­gel­bert von Her­bern mit den von den Söh­nen des Wes­sel gen. Kol­ve auf­ge­las­se­nen Lehns­gü­tern zu Wer­ries. Die wehr­haf­te An­la­ge dien­te zur Grenz­si­che­rung des Müns­ter­lan­des.

Für die Zeit um 1400 fin­det sich ein Con­rad von Her­bern als In­ha­ber des Le­hens. Nach dem Tode von Her­mann, letz­ter männ­li­cher Na­mens­trä­ger de­rer von Her­bern, ver­kauf­te des­sen Mut­ter das nörd­lich der Lip­pe ge­le­ge­ne Ober­wer­ries 1464 an Gerd von Be­ver­för­de aus der nie­der­län­di­schen Pro­vinz Ober­ijs­sel. Süd­lich der Lip­pe be­fand sich zu die­ser Zeit be­reits ein zwei­tes An­we­sen, das fluss­ab­wärts ge­le­gen war und des­halb Un­ter- bzw. Nie­der­wer­ries ge­nannt wur­de. Die seit dem 15. Jahr­hun­dert auf Nie­der­wer­ries nach­zu­wei­sen­de Fa­mi­lie ist be­reits hun­dert Jah­re zu­vor in die­sem Raum be­zeugt: 1322 ver­trägt sich Jo­hann von Neheim mit En­gel­bert von Her­bern we­gen der Müh­le in Wer­ries. Die Neheims blie­ben bis in die ers­te Hälf­te des 17. Jahr­hun­derts Her­ren des Gu­tes, dann je­doch kam es auf­grund gra­vie­ren­der Ver­mö­gens­schwie­rig­kei­ten zum Kon­kurs ih­rer Be­sit­zun­gen.

Nach­dem be­reits 1616 das Neheim­sche Haus zu Hamm über ei­nen bür­ger­li­chen Mit­tels­mann an die von Be­ver­för­de auf Ober­wer­ries über­ge­gan­gen war, er­war­ben die­se 1677 auch den Burg­sitz Un­ter- bzw. Nie­der­wer­ries und ver­ei­nig­ten da­mit bei­de Häu­ser wie­der in ei­ner Hand. Der da­ma­li­ge Guts­herr auf Ober­wer­ries hat­te 1667 mit dem Neu­bau der Schloss­an­la­ge be­gon­nen, den sei­ne Wit­we Ida von Plet­ten­berg, eine Schwes­ter des müns­ter­schen Fürst­bi­schofs Fried­rich Chris­ti­an von Plet­ten­berg, 1684/92 voll­enden ließ. Als Bau­meis­ter des neu­en Her­ren­hau­ses, das auf den Fun­da­men­ten der al­ten Burg er­rich­tet wur­de, wird auf­grund von ty­pi­schen Ar­chi­tek­tur­ele­men­ten der Ka­pu­zi­ner Am­bro­si­us von Oel­de ver­mu­tet, nach des­sen Vor­la­gen auch Schloss Ahaus und das Ka­pu­zi­ner­klos­ter Wer­ne er­baut wur­den.

Die Fer­tig­stel­lung des Ge­bäu­de­en­sem­bles fand 1692 un­ter Frei­frau Ida von Be­ver­för­de-Wer­ries, ge­bo­re­ne von Plet­ten­berg, statt. Es be­steht je­doch auch die Mög­lich­keit, dass die Bau­ar­bei­ten erst 1714 ih­ren Ab­schluss fan­den, denn die­se Jah­res­zahl fin­det sich an dem Git­ter­ge­län­der der Frei­trep­pen am Her­ren­haus.

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von der Lip­pe aus ge­se­hen
By Nord­Nord­West (Own work) [CC-BY-SA-3.0-de], via Wi­ki­me­dia Com­mons

Idas En­kel, der preu­ßi­sche Kam­mer­herr Fried­rich Chris­ti­an von Be­ver­för­de, ge­nannt der tol­le Wer­ries, ließ in den Jah­ren 1730 bis 1735 auf dem Ge­län­de der Vor­burg das heu­ti­ge Mar­stalls­ge­bäu­de nach Plä­nen von Jo­hann Con­rad Schlaun er­rich­ten. Da­bei lie­fer­ten die Res­te des ab­ge­bro­che­nen Nie­der­wer­ries das Bau­ma­te­ri­al. Mit dem tol­len Wer­ries starb 1768 das letz­te Mit­glied der Fa­mi­lie von Be­ver­för­de. Schloss Ober­wer­ries kam durch Erb­gang an die Adels­fa­mi­lie El­ver­feldt – Fried­rich Chris­ti­an hat­te mit Fried­rich Cle­mens von El­ver­feldt zu Dah­l­hau­sen und Stein­hau­sen den Sohn ei­nes Vet­ters ad­op­tiert und zum Er­ben ge­macht. Des­sen Nach­kom­men, die von El­ver­feldt ge­nannt von Be­ver­fo­er­de zu Wer­ries auf Schloss Lo­burg in Ost­be­vern, blie­ben Ei­gen­tü­mer des für die nächs­ten 160 Jah­re un­be­wohn­ten und da­mit dem Ver­fall preis­ge­ge­be­nen Schlos­ses.

1942 ver­äu­ßer­te es der Frei­herr Carl Ma­xi­mi­li­an Jo­seph von El­ver­feldt ge­nannt von Be­ver­fo­er­de zu Wer­ries an die Ze­che Sach­sen in Hees­sen, die es noch im glei­chen Jahr an die Stadt Hamm wei­ter­ver­kauf­te. Die­se ließ ab 1952 eine Bau­si­che­rung vor­neh­men und die Ge­bäu­de bis 1975 etap­pen­wei­se re­stau­rie­ren. Das Her­ren­haus wur­de zu ei­nem Be­rufs­land­schul­heim um­ge­stal­tet, wäh­rend im Mar­stall seit 1956 das heu­ti­ge Sport- und Qua­li­fi­zie­rungs­zen­trum des West­fä­li­schen Tur­ner­bun­des be­hei­ma­tet ist. Die letz­ten Um­bau- und Sa­nie­rungs­maß­nah­men im Jah­re 1975 dien­ten in ers­ter Li­nie zum Ein­bau ei­nes neu­en Trep­pen­hau­ses und der Wie­der­her­stel­lung des Schloss­kel­lers.

Heu­te dient Schloss Ober­wer­ries als Bil­dungs- und Be­geg­nungs­stät­te und als Ver­an­stal­tungs­ort re­prä­sen­ta­ti­ver Emp­fän­ge der Stadt Hamm. So fand dort vom 5. bis 7. Sep­tem­ber 1952 die Ta­gung statt, die zur Grün­dung des Ver­ban­des deut­scher Mu­sik­schu­len führ­te. Im Pa­vil­lon­turm gibt es zu­dem die Mög­lich­keit, sich stan­des­amt­lich trau­en zu las­sen.

Von al­ters her zum Kirch­spiel Hees­sen zäh­lend, war Ober­wer­ries 1936 nach Dol­berg ein­ge­pfarrt wor­den; erst die Ge­biets­re­form von 1975 hat es wie­der in den al­ten, in­zwi­schen in Hamm auf­ge­gan­ge­nen Ge­mein­de­ver­band zu­rück­ge­führt.

Fotostrecke Schloss Oberwerries

Lage des Schloss Oberwerries

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