Schloss Lembeck

Schloss Lembeck um 1865, Sammlung Alexander Duncker

Schloss Lem­beck um 1865, Samm­lung Alex­an­der Duncker

Das Schloss Lem­beck ist ein Was­ser­schloss im Stadt­ge­biet von Dors­ten an der Gren­ze von nörd­li­chem Ruhr­ge­biet und süd­li­chem Müns­ter­land. Es steht im Na­tur­park Hohe Mark-West­müns­ter­land um­ge­ben von den Wäl­dern „Der Ha­gen“ und „Kipp­hei­de“ süd­lich des Dors­te­ner Stadt­teils Lem­beck im Nord­wes­ten des Krei­ses Reck­ling­hau­sen.

Der Schloss­na­me „Lem­beck“ lei­tet sich aus dem Nie­der­deut­schen her. Das Grund­wort „beke“ be­deu­tet „flie­ßen­des Was­ser“ be­zie­hungs­wei­se „Bach“. Das Be­stim­mungs­wort, wel­ches mit „Lehm“ und „Leim“ sprach­ver­wandt ist, steht für „schlei­mig“. So­mit kann man Lem­beck als Lehm­bach über­set­zen, was auf den eins­ti­gen Stand­ort des Schlos­ses in­mit­ten ei­nes Sumpf- und Moor­ge­bie­tes hin­deu­tet.

Gebäude

Der Lem­be­cker Wie­sen­bach wird auf dem Schloss­are­al zu ei­nem recht­ecki­gen, 190×160 Me­ter mes­sen­den und die An­la­ge um­ge­ben­den Teich ge­staut. Die ein­zel­nen Tei­le des Schlos­ses lie­gen so auf In­seln, die durch Brü­cken mit­ein­an­der ver­bun­den sind.

Die ba­ro­cke Schloss­an­la­ge wird durch eine 500 Me­ter lan­ge, ge­rad­li­ni­ge Ost-West-Ach­se sym­me­trisch ge­glie­dert. Sie be­ginnt mit ei­ner 200 Me­ter lan­gen Al­lee, die von Os­ten her auf die ehe­mals drei­flü­ge­li­ge Vor­burg zu­läuft.

Vorburg

Die zwei­flü­ge­li­ge Vor­burg be­sitzt eine schlich­te, ein­ge­schos­si­ge Fas­sa­de mit 110 Me­ter Brei­te, die nur durch ei­nen zwei­ge­schos­si­gen Tor­bau aus ge­qua­der­tem Sand­stein in ih­rer Mit­te un­ter­bro­chen wird. Er­reich­bar über zwei hin­ter­ein­an­der fol­gen­de Brü­cken be­sitzt er heu­te ein schlich­tes Man­sard­dach. Sein Schluss­stein über der Tor­durch­fahrt mit den Wap­pen Diet­rich Con­rad Adolfs von Wes­ter­holt zu Lem­beck und des­sen Ehe­frau Ma­rie Theo­do­ra von Wald­bott-Bas­sen­heim-Gu­denau zeigt die Jah­res­zahl 1692, je­nes Jahr, in dem der Um­bau der Vor­burg be­en­det wur­de.

Der süd­li­che Flü­gel der Vor­burg wird an sei­nen En­den durch ein­ge­schos­si­ge, mit Wel­schen Hau­ben und Kai­ser­stie­len­den ver­se­he­ne Eck­tür­me be­grenzt, die im Kel­ler Schlüs­sel­schar­ten auf­wei­sen. Der Süd­ost-Turm be­sitzt zu­dem eine Schieß­schar­te, wie sie auch links und rechts ne­ben dem Tor­bau zu fin­den sind.

Herrenhaus

Über den Vor­burg­hof und eine stei­ner­ne Rund­bo­gen­brü­cke ist das drei­ge­schos­si­ge Her­ren­haus er­reich­bar. Ur­sprüng­lich als Drei­flü­gel­an­la­ge ge­plant kam es wahr­schein­lich aus fi­nan­zi­el­len Grün­den nur als zwei­flü­ge­li­ges Ge­bäu­de zur Aus­füh­rung. Es be­saß ehe­mals ei­nen Ver­putz mit ein­ge­ritz­ten Qua­dern, nicht wie frü­her an­ge­nom­men mit auf­ge­mal­ter Qua­de­rung.

Der Ost­flü­gel mit sei­nen zwei Pa­vil­lon­tür­men be­sitzt eine Län­ge von 94 Me­tern und war 1679 fer­tig­ge­stellt. Der nörd­li­che Flü­gel ist äl­te­ren Da­tums und wur­de in der Zeit von 1674 bis 1679 in Um­bau­ar­bei­ten ein­be­zo­gen (sie­he Bau­ge­schich­te).

Das Por­tal aus Sand­stein ist vor­ge­blen­det und we­sent­lich auf­wän­di­ger ge­stal­tet als das der Vor­burg. Durch sei­ne Höhe bis zum Dach­an­satz wirkt es wie ein Mit­tel­ri­sa­lit. Es zeigt das Al­li­anz­wap­pen Bur­chardts von Wes­ter­holt zu Lem­beck und sei­ner Frau Cla­ra von der Re­cke. Die da­hin­ter lie­gen­de Durch­fahrts­hal­le lehnt sich an Vor­bil­der der ita­lie­ni­schen Re­nais­sance und des Ma­nie­ris­mus an. Ähn­li­che Durch­fahrts­hal­len fin­det man auch im Pa­laz­zo Pit­ti und Pa­laz­zo Stroz­zi in Flo­renz so­wie im Pa­laz­zo Far­ne­se in Rom: An­kom­men­de Gäs­te konn­ten bei Re­gen tro­cke­nen Fu­ßes das Ge­bäu­de be­tre­ten, wäh­rend ihre Kut­schen im In­nen­hof ge­wen­det oder ab­ge­stellt wur­den.

Vom In­nen­hof des Her­ren­hau­ses führt eine brei­te, 14-stu­fi­ge Frei­trep­pe aus Sand­stein auf eine Ter­ras­se aus dem 19. Jahr­hun­dert, von der aus das heu­ti­ge Ein­gangs­por­tal zu er­rei­chen ist.

Auf der dem Inn­hof zu­ge­wand­ten Sei­te be­sitzt die Fas­sa­de ei­nen klei­nen, re­nais­sance­haft wir­ken­den Er­ker, der auf zwei­fach ge­schwun­ge­nen Sand­stein­kon­so­len steht. Sei­ne Front ist durch sechs Fens­ter un­ter­teilt, de­ren Glas­schei­ben zum Teil mit Jah­res­an­ga­ben ver­se­hen sind (spä­tes­te Jah­res­an­ga­be 1677) und ei­nen Hin­weis auf sei­ne Bau­zeit ge­ben.

Sämt­li­che Eck­tür­me des Her­ren­hau­ses be­sit­zen Wel­sche Hau­ben und bir­nen­för­mi­ge Schieß­schar­ten in ih­rem So­ckel­bau.

Nach Wes­ten ist die Her­ren­haus­in­sel durch eine höl­zer­ne Zug­brü­cke mit den Park­an­la­gen ver­bun­den. Die Brü­cken­pfei­ler aus Back­stein sind mit gelb­li­chem Baum­ber­ger Sand­stein ge­fasst und wer­den von wap­pen­hal­ten­den Put­ten ge­krönt. Die Pfei­ler wur­den 1728 von Jo­hann Con­rad Schlaun ent­wor­fen und kurz nach 1730 er­rich­tet. Die Put­ti hal­ten Wap­pen von Fer­di­nand von Mer­veldt und Ma­ria von Wes­ter­holt-Lem­beck.

Kapellenturm

Der im neu­go­ti­schen Stil ge­hal­te­ne Ka­pel­len­turm be­fin­det sich an der nord­west­li­chen Ecke des Her­ren­hau­ses. Er ist der am häu­figs­ten ver­än­der­te Teil des Schlos­ses. Sein Por­tal auf der Ost­sei­te stammt sei­ner Ge­stal­tung nach vom Ende des 17. Jahr­hun­derts. Frü­her war sein Kel­ler ein Ge­fäng­nis, heu­te dient er als Wein­kel­ler des im Schloss be­hei­ma­te­ten Re­stau­rants. Sein eins­ti­ges Kreuz­ge­wöl­be wur­de 1737 ab­ge­ris­sen.

Der Turm er­hielt sei­nen Na­men von der dort seit 1737 ver­bürg­ten Ka­pel­le, die erst­mals 1363 – da­mals noch im Saal­kam­mer­haus – Er­wäh­nung fand. Die Be­haup­tung, die Ka­pel­le sei 1692 vom Saal­kam­mer­haus dort­hin ver­legt wor­den, ist nach bis­he­ri­ger Ur­kun­den­la­ge his­to­risch nicht ge­si­chert.

Innenräume des Herrenhauses im Hochparterre

Schloss Lembeck

Schloss Lem­beck

Die Lem­be­cker In­nen­räu­me be­sit­zen nicht die bei an­de­ren ba­ro­cken Schlös­sern üb­li­che hier­ar­chi­sche An­ord­nung der Zim­mer um ei­nen zen­tra­len Raum oder Saal, was wahr­schein­lich dar­in be­grün­det liegt, dass dies die alte Bau­sub­stanz wäh­rend der Bau­ar­bei­ten im letz­ten Vier­tel des 17. Jahr­hun­derts nicht zu­ließ. Die Zim­mer­an­ord­nung im Ka­bi­nett­sys­tem in En­fi­la­de folgt fran­zö­si­schen Vor­bil­dern, ob­wohl dies zur Zeit des Baus in Frank­reich be­reits wie­der aus der Mode ge­kom­men war. Die Durch­gän­ge der Räu­me lie­gen je­doch nicht ex­akt in ei­ner Rei­he.

Mit Aus­nah­me des Fi­de­l­i­tas-Ka­bi­netts, des klei­nen Sa­lons und des klei­nen Saals sind sämt­li­che Räu­me mit ei­nem dunk­len, kas­set­tier­ten Ei­chen­lam­bris ge­tä­felt, das ty­pisch für eine früh­ba­ro­cke Aus­stat­tung ist.

Hauptflügel

Flur

Dem 45 Me­ter lan­gen, hof­sei­tig ge­le­ge­nen Flur schlie­ßen sich fünf Räu­me an. An sei­nen öst­li­chen Wän­den hän­gen fünf gro­ße Wand­tep­pi­che des 17. Jahr­hun­derts aus ei­ner flä­mi­schen Werk­statt mit Dar­stel­lun­gen aus dem Sa­gen­kreis um Odys­seus und Iphi­ge­nie. Eine Wap­pen­kar­tu­sche vom Ende des 17. Jahr­hun­derts zeigt das Al­li­anz­wap­pen der Fa­mi­li­en Wes­ter­holt und von der Re­cke. Eine Samm­lung von Por­zel­lan nie­der­län­di­scher und asia­ti­scher Her­kunft ver­voll­stän­digt die Aus­stat­tung des Flurs.

Turmzimmer

Das Zim­mer nimmt mit sei­nem 5,75 x 5,75 Me­ter mes­sen­den Grund­riss den ge­sam­ten Süd­turm ein. Als ein­zi­ger Wohn­raum des ge­sam­ten Schlos­ses be­sitzt es ein mas­si­ves Kreuz­rip­pen­ge­wöl­be. Der un­te­re Teil sei­ner Wän­de so­wie die Flä­chen zwi­schen den Fens­tern wei­sen eine Ver­tä­fe­lung auf, die aus Tei­len von Hoch­zeit­stru­hen aus dem Ro­ko­ko und dem Em­pi­re ge­fer­tigt ist. An der Süd­wand des Zim­mers be­fin­det sich ein Ka­min aus dem Jah­re 1563, des­sen Stand­ort ur­sprüng­lich der ab­ge­brann­te Nord­flü­gel der Vor­burg war.

Kaminzimmer

Das Ka­min­zim­mer be­sitzt eine Bal­ken­de­cke, die erst 1960/61 un­ter ei­ner Stuck­de­cke frei­ge­legt wur­de und noch Res­te der ori­gi­na­len Be­ma­lung aus dem 17. Jahr­hun­dert auf­weist. Be­nannt wur­de der Raum nach sei­nem Ka­min aus Baum­ber­ger Sand­stein, der rei­che Ver­zie­run­gen im Stil der Re­nais­sance be­sitzt. Das an ihm an­ge­brach­te Wap­pen ver­weist auf die ver­wandt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen zu den Fa­mi­li­en von Raes­feld so­wie von Bronck­horst, die auf der Burg An­holt an­säs­sig wa­ren. Ein Grund­riss­plan von 1779 zeigt an der Süd­sei­te des Rau­mes zwei An­klei­de­zim­mer, die ei­nen Hin­weis auf sei­ne ehe­ma­li­ge Funk­ti­on als Pa­ra­de­schlaf­zim­mer lie­fern.

Biedermeierzimmer

Sei­nen Na­men er­hielt der Raum erst in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit durch den Stil sei­ner Ein­rich­tung. An­sons­ten ist er sehr schmuck­los und be­sitzt kei­ner­lei ar­chi­tek­to­ni­sche De­ko­ra­ti­on.

Schlafzimmer

Ar­chi­tek­to­ni­scher Blick­fang des Schlaf­zim­mers ist eine gro­ße, klas­si­zis­ti­sche Stuck­ro­set­te an sei­ner De­cke. Aus­ge­stat­tet ist der Raum mit ei­nem spät­go­ti­schen Schrank aus der Zeit um 1500 so­wie ei­nem Him­mel­bett mit Bal­da­chin, das ein Al­li­anz­wap­pen der Fa­mi­li­en von Raes­feld und von der Re­cke trägt.

Fidelitas-Kabinett

Be­nannt wur­de das Fi­de­l­i­tas-Ka­bi­nett nach ei­nem Öl­ge­mäl­de an der Zim­mer­de­cke, das eine al­le­go­ri­sche Dar­stel­lung der Fi­de­l­i­tas zeigt. Es han­delt sich da­bei um das ein­zi­ge ori­gi­nal er­hal­te­ne Wand­ge­mäl­de Lem­becks. Auf­fäl­ligs­tes Un­ter­schei­dungs­merk­mal zu den üb­ri­gen Räu­men ist das Weiß sei­nes Ei­chen­lam­bris’. Von sei­nem Stuck in zar­ten Pas­tell­tö­nen wer­den klei­ne ova­le Öl­ge­mäl­de ein­ge­fasst, die wahr­schein­lich Por­träts der Töch­ter Diet­rich Con­rads von Wes­ter­holt und sei­ner Ehe­frau Ma­ria Theo­do­ra von Wald­bott-Bas­sen­heim-Gu­denau dar­stel­len. Mit nur 10,6 m² Grund­flä­che das kleins­te Zim­mer des ge­sam­ten Schlos­ses, wur­de es 1972 kom­plett re­stau­riert.

Kleiner Salon

Der Raum über der Durch­fahrts­hal­le be­sitzt Tü­ren und eine Ver­tä­fe­lung, die weiß ge­stri­chen sind. Chi­nois-Ta­pe­ten aus dem 18. Jahr­hun­dert be­klei­den sei­ne Wän­de. Der Fuß­bo­den aus Ei­chen­par­kett ist noch in sei­ner ur­sprüng­li­chen Form er­hal­ten. Ein ehe­ma­li­ger Ka­min wur­de im 18. Jahr­hun­dert durch ei­nen zy­lin­dri­schen Ofen aus Guss­ei­sen er­setzt, als die­se neue Art der Be­hei­zung in Mode kam.

Kleiner Saal (Wittelsbacher Salon)

Schloss Lembeck | By Rainer Lippert, bearbeitet durch

Schloss Lem­beck | By Rai­ner Lip­pert, be­ar­bei­tet durch Al­che­mist-hp (Own work)

Als ein­zi­ger Raum des Hoch­par­terres weist der klei­ne Saal drei Fens­ter auf. Er be­sitzt eine Stuck­de­cke, die in Pas­tell­tö­nen ge­hal­ten ist, und ei­nen Par­kett­fuß­bo­den, der eine In­tar­si­en­ar­beit ist. Vor ei­nem Ka­min aus ro­tem Mar­mor aus der Zeit des Ro­ko­ko und Ré­gence weist er die In­itia­len der da­ma­li­gen Schloss­be­woh­ner, Cle­mens Au­gust von Mer­veldt und sei­ner Frau Ma­rie An­toi­net­te, ge­bo­re­ne Grä­fin von Wolff-Met­ter­nich, auf. Ein Ge­mäl­de über dem Ka­min zeigt den Köl­ner Fürst­bi­schof Cle­mens Au­gust. An der West­wand hängt ein Por­trät Gos­win von Mer­veldts, dem Groß­pri­or des Mal­te­ser­or­dens für Deutsch­land und Reichs­fürs­ten zu Hei­ters­heim. Su­pra­por­ten über den Tü­ren zei­gen Bild­nis­se der Westerholt’schen Töch­ter. Aus­ge­stat­tet ist der Raum mit weiß- und gold­ge­fass­ten Sitz­mö­beln im Stil des Ro­ko­ko, de­ren Be­zü­ge aus Go­be­lin-Sti­cke­rei­en be­stehen. Sie stam­men aus dem 1941 durch Bom­ben zer­stör­ten Mer­veld­ter Hof in Müns­ter.

Prahlhans-Zimmer

Das Prahl­hans-Zim­mer liegt am nörd­li­chen Ende des Haupt­flü­gels und da­mit im äl­tes­ten Teil des Her­ren­hau­ses. Es liegt tie­fer als die üb­ri­gen Räu­me, aber auf glei­chem Ni­veau wie der Schlaun­sche Saal. Es ver­fügt über eine rei­che Stuck­ie­rung, die teils so­gar fei­ner aus­ge­führt ist als jene im gro­ßen Fest­saal und von etwa 1730/40 stammt. Sein Ka­min aus schwar­zem Mar­mor ent­stand erst nach 1779 und steht auf­fäl­li­ger­wei­se nicht an der Rück­sei­te des Ka­mins des an­gren­zen­den klei­nen Saals.

Nordflügel

Ehemaliges Speisezimmer (Roter Salon)

Das ehe­ma­li­ge Spei­se­zim­mer weist im Os­ten eine Mau­er­stär­ke von 2,30 Me­tern und so­mit die dicks­te Wand des ge­sam­ten Flü­gels auf. Der recht­ecki­ge Raum ist durch eine Mau­er in ei­nen flur­ar­ti­gen Durch­gang von 2,55×6,35 Me­tern und ein na­he­zu qua­dra­ti­sches Ka­bi­nett mit ei­nem Grund­riss von 5,90×6,35 Me­tern un­ter­teilt. Sei­nen Bei­na­men Ro­ter Sa­lon ver­dankt das ehe­ma­li­ge Spei­se­zim­mer mit sei­nen klas­si­zis­ti­schen Stu­cka­tu­ren vom Ende des 18. Jahr­hun­derts sei­ner Wand­be­span­nung aus ro­tem Sei­den­da­mast.

Großer Festsaal (Schlaunscher Saal)

Der von Jo­hann Con­rad Schlaun ge­stal­te­te gro­ße Fest­saal im Stil des Spät­ba­rock ist der größ­te Raum des Schlos­ses und nimmt mit sei­ner Grund­flä­che von 140 m² die ge­sam­te Brei­te des Nord­flü­gels ein. Er be­sitzt ins­ge­samt sechs Ein­gän­ge, vier da­von be­fin­den sich in der Ost- und West­wand. Der fünf­te und ei­gent­li­che Haupt­ein­gang liegt in der Süd­ost­ecke, wäh­rend sich der sechs­te eher un­auf­fäl­lig hin­ter dem mitt­le­ren der drei ter­ras­sen­sei­ti­gen Süd­fens­ter von 1738 ver­birgt. Die­sen liegt je­weils sym­me­trisch ein Fens­ter in der Nord­wand ge­gen­über. Su­pra­por­ten über den Tü­ren zei­gen Dar­stel­lun­gen aus dem Land­le­ben.

An den bei­den Stirn­sei­ten des Saa­les steht in de­ren Mit­te je­weils ein Ka­min aus schwar­zem Mar­mor, die dort vor 1738 in­stal­liert wur­den. Dar­über hän­gen je­weils ein Spie­gel und die Por­träts der da­ma­li­gen Ei­gen­tü­mer Fer­di­nand Diet­rich von Mer­veldt und sei­ner Frau Ma­ria Jo­se­pha Anna Theo­do­ra Ga­brie­le, ge­bo­re­ne von Wes­ter­holt. Wei­te­re elf Por­trät­ge­mäl­de, wel­che die Kin­der der Schloss­her­ren so­wie de­ren Ehe­part­ner zei­gen, und das Por­trät ei­nes Un­be­kann­ten hän­gen an den mit grü­nem Sei­den­da­mast be­spann­ten Wand­flä­chen, die in der un­te­ren Hälf­te mit kas­set­tier­tem Ei­chen­lam­bris ge­tä­felt sind. Die wert­vol­le Wand­be­span­nung wur­de 1954 nach Vor­la­gen al­ter Fo­tos er­neu­ert, nach­dem sie 1946 durch An­ge­hö­ri­ge von im Schloss sta­tio­nier­ten Mi­li­tär­trup­pen ge­stoh­len wor­den war.

Die be­mer­kens­wer­tes­te Aus­stat­tung des Fest­saa­les sind sei­ne auf­wän­dig ge­stal­te­ten Stu­cka­tu­ren an der De­cke, die wahr­schein­lich aus der Zeit von 1730 bis 1733 stam­men. Sie wei­sen gro­ße Ähn­lich­kei­ten mit den Stuck­ar­bei­ten im gel­ben Ap­par­te­ment im Schloss Au­gus­tus­burg und in den Räu­men des Schlos­ses Nord­kir­chen auf, die eben­falls von Schlaun ge­stal­tet wur­den. Durch Was­ser­ein­bruch, der aus Be­schä­di­gun­gen der Ge­bäu­de wäh­rend des Krie­ges re­sul­tier­te, wa­ren die Lem­be­cker Stu­cka­tu­ren stark be­schä­digt und wur­den 1954 wie­der­her­ge­stellt so­wie 1973 re­stau­riert. Sie prä­sen­tie­ren sich heu­te in zar­ten grü­nen, gel­ben und ro­sa­far­be­nen Pas­tell­tö­nen.

Ehemalige Bibliothek

Das west­lich des Schlaun­schen Saa­les ge­le­ge­ne Ka­bi­nett be­her­berg­te frü­her die Schloss­bi­blio­thek. Der 6,40 Me­ter mes­sen­de Raum wur­de wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs an sei­ner Nord­west­ecke durch ei­nen Bom­ben­tref­fer fast voll­stän­dig zer­stört und an­schlie­ßend nicht mehr „in al­ter Pracht“ wie­der­her­ge­stellt. Er ist heu­te der ein­zi­ge Raum des Schlos­ses ohne eine Wand­ver­tä­fe­lung. Im Zim­mer hän­gen Por­träts von Mit­glie­dern der Fa­mi­li­en von Mer­veldt und von Ga­len so­wie ein Ge­mäl­de, das den Tod Ri­chard Lö­wen­herz‘ dar­stellt und der Na­za­re­ner Schu­le zu­ge­rech­net wird.

Kapellenturm

Kapelle

Die Ka­pel­le be­sitzt eine neu­go­ti­sche Aus­stat­tung. Die Herr­schafts­em­po­re be­fin­det sich auf der Ost­sei­te und wird von zwei frei­ste­hen­den Pfei­lern ge­stützt. Rot­brau­ne, blaue und gold­far­be­ne Or­na­men­te ver­zie­ren die kas­set­tier­te Stuck­de­cke.

Besitzer und Bewohner

Umgebungsplan des Schlosses von 1804

Um­ge­bungs­plan des Schlos­ses von 1804

Mit Adolf von Lem­beck (auch „von Leh­em­be­ke“) wird 1177 erst­mals ein Rit­ter die­ses Na­mens als Mi­nis­te­ria­le des Müns­te­ra­ner Bis­tums ur­kund­lich er­wähnt. Sei­ne Fa­mi­lie, die Her­ren von Lem­beck, übte die Ge­richts­bar­keit über die gleich­na­mi­ge Herr­lich­keit aus.

Als 1526 mit Jo­hann von Lem­beck die Fa­mi­lie im Man­nes­stamm er­losch, kam die da­ma­li­ge Burg über Jo­hanns Toch­ter Ber­ta, die seit 1515 mit Bern­hard I. von Wes­ter­holt ver­hei­ra­tet war, an die­se mäch­ti­ge, west­fä­li­sche Adels­fa­mi­lie. Bern­hard I. be­grün­de­te so die Li­nie „von Wes­ter­holt zu Lem­beck“. Sei­ne of­fi­zi­el­le Be­leh­nung mit der Herr­lich­keit durch den Bi­schof von Müns­ter, Franz von Wal­deck, ge­schah im Jah­re 1536. Bern­hard war des­sen Ver­trau­ter und hat­te das Ober­kom­man­do über die bi­schöf­li­che Rei­te­rei. Au­ßer­dem ge­hör­te er dem Aus­schuss zur Ver­trei­bung der Täu­fer aus Müns­ter an und un­ter­stütz­te den Bi­schof, als die­ser 1534 vor der Täu­fer­be­we­gung nach Dül­men flie­hen muss­te.

Als Bern­hard I. am 26. Au­gust 1554 ver­starb, über­nahm sein Sohn Bern­hard II. als Ma­jo­rats­herr die Fa­mi­li­en­ge­schäf­te und führ­te die Tra­di­ti­on der star­ken Bin­dung an Müns­ter fort.

1576 brach der Acht­zig­jäh­ri­ge Krieg über Burg und Herr­lich­keit Lem­beck her­ein. So­wohl Bern­hard II. als auch sein Sohn Mat­thi­as, der ihm als Ma­jo­rats­herr der Fa­mi­lie nach­folg­te, ta­ten ihr Bes­tes, um ihr Le­hen vor Übel zu be­wah­ren, doch konn­ten sie nicht ver­hin­dern, dass die Re­gi­on stark un­ter den Kriegs­ge­scheh­nis­sen zu lei­den hat­te. Mat­thi­as von Lem­beck ge­noss ho­hes An­se­hen beim Adel der Re­gi­on und konn­te ge­mein­sam mit den Her­ren von Ve­len, von Ga­len und von Raes­feld die Be­set­zung des Stif­tes Müns­ter durch spa­ni­sche Trup­pen ver­hin­dern. Mehr noch, durch Ver­hand­lun­gen mit den Spa­ni­ern ab 1607 er­reich­te Mat­thi­as so­gar, dass das Stift auch wei­ter­hin nicht von spa­ni­schen Trup­pen be­hel­ligt wur­de.

Der krän­keln­de Mat­thi­as über­gab die Herr­schaft noch zu Leb­zei­ten an sei­nen Bru­der Jo­hann.

Die Fol­gen des Acht­zig­jäh­ri­gen Krie­ges wa­ren eine hohe Ver­schul­dung der Her­ren von Lem­beck, so dass Jo­hann ge­zwun­gen war, die Burg­an­la­ge 1631 an sei­nen Ver­wand­ten Bern­hard von Wes­ter­holt-Hack­furt zu En­t­in­ge aus dem nie­der­län­di­schen Zweig der Fa­mi­lie zu ver­kau­fen. Je­ner Bern­hard war Haupt­gläu­bi­ger der Her­ren von Lem­beck und er­hob An­sprü­che von ins­ge­samt 111.000 Reichs­ta­lern, die auf an­de­re Wei­se nicht ge­tilgt wer­den konn­ten.

Bern­hard von Wes­ter­hold-Hack­furt zu En­t­in­ge focht wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges auf Sei­ten der ka­tho­li­schen Liga und hat­te es dort bis zum Oberst in der kai­ser­li­chen Ar­mee ge­bracht. Bis zum Jahr 1633 blie­ben Burg und Herr­lich­keit von die­sem Krieg ver­schont, doch dann brach er auch über Lem­beck her­ein. Zu Be­ginn des Jah­res 1633 er­hob Kai­ser Fer­di­nand II. Bern­hard für sei­ne mi­li­tä­ri­schen Ver­diens­te in den Reichs­frei­her­ren­stand, doch die­se Nach­richt er­reich­te den frisch ge­ba­cke­nen Frei­her­ren nicht mehr auf sei­ner Burg in Lem­beck, denn er hat­te sich vor den Trup­pen des Land­gra­fen Wil­helm V. von Hes­sen-Kas­sel auf ein Fa­mi­li­en­gut in Ha­se­lün­ne flüch­ten müs­sen. An sei­ner Statt re­si­dier­te seit dem 16. Fe­bru­ar 1633 nun der Ge­ne­ral Pe­ter Me­lan­der von Holz­ap­pel dort. Er hat­te nach dem da­mals gel­ten­den Kriegs­recht die Burg für sich ein­ge­nom­men und zu sei­nem Haupt­quar­tier ge­macht. Bern­hard wur­de kur­zer­hand ent­eig­net und starb am 19. No­vem­ber 1638 im „Exil“.

Erst 1641 ge­lang es Bern­hards äl­tes­tem Sohn Bur­chard, die Burg wie­der für sei­ne Fa­mi­lie in Be­sitz zu neh­men. Des­sen Sohn Diet­rich Con­rad Adolf wur­de 1700 in den erb­li­chen Stand ei­nes Reichs­gra­fen er­ho­ben und ließ in der Zeit von 1670 bis 1692 die An­la­ge zu ei­nem der größ­ten Was­ser­schlös­ser des Müns­ter­lan­des aus- und um­bau­en.

Als er 1702 ohne männ­li­che Nach­kom­men ver­starb, brach­te sei­ne Erb­toch­ter Ma­ria Jo­se­pha Anna das Schloss 1708 durch Hei­rat mit dem Wol­be­cker Dros­ten Fer­di­nand Diet­rich Frei­herr von Mer­veldt zu Wes­ter­win­kel an die­se Adels­fa­mi­lie, die 1726 in den Reichs­gra­fen­stand er­ho­ben wur­de. In ih­rem Be­sitz be­fin­det sich die An­la­ge noch heu­te. Der­zei­ti­ge In­ha­ber sind Fer­di­nand Graf von Mer­veldt und sei­ne Frau Ca­tha­ri­ne.

Baugeschichte

Ein wehr­haf­tes Gut, der so­ge­nann­te „Ober­hof in der Le(h)mbecke“, wird be­reits in Ur­kun­den aus dem 12. Jahr­hun­dert ge­nannt und dort als Be­sitz des Bi­schofs von Müns­ter aus­ge­wie­sen. Er lag et­was ab­seits der da­ma­li­gen Dör­fer Lem­beck und Wul­fen und wur­de durch die Her­ren von Lem­beck ver­wal­tet und be­wohnt.

Die­se bau­ten eine Turm­hü­gel­burg als neu­en Fa­mi­li­en­sitz am Ort des heu­ti­gen Schlos­ses, die im 14. Jahr­hun­dert das ers­te Mal ur­kund­li­che Er­wäh­nung fin­det. Sie stand in­mit­ten von Sumpf und Was­ser und wur­de in die­ser Zeit nach Nor­den hin durch ei­nen An­bau mit zwei Räu­men (das so ge­nann­te Zwei­kam­mer­haus) er­wei­tert. Seit 1390 war sie ein Of­fen­haus des Bi­schofs von Müns­ter. Im 15. Jahr­hun­dert ka­men eine Er­wei­te­rung so­wie ein Eck­turm (der so ge­nann­te Ka­pel­len­turm) im Wes­ten hin­zu.

Um 1490 er­folg­te eine Zu­sam­men­le­gung des Grund­be­sit­zes bei­der zu je­ner Zeit be­stehen­den Häu­ser. Die alte Burg wur­de im An­schluss dar­an ab­ge­ris­sen.

Sei­ne grund­le­gen­de, heu­ti­ge Ge­stalt er­hielt Schloss Lem­beck un­ter Diet­rich Con­rad Adolf von Wes­ter­holt-Lem­beck, der es in der Zeit von 1674 bis 1692 im Stil des Ba­rocks aus- und um­bau­en ließ. Der mit der Aus­füh­rung be­auf­trag­te Bau­meis­ter ist bis heu­te un­be­kannt. Zwar nennt eine Ver­mes­sungs­ur­kun­de von 1674 ei­nen „Meis­ter Emond“, doch ist nicht si­cher, ob es sich hier um den Bau­meis­ter oder aber nur um ei­nen Mau­rer­meis­ter han­del­te.

Ab 1674 wur­de mit dem Um­bau und der Er­wei­te­rung des al­ten Drei­kam­mer­hau­ses be­gon­nen. Ihm wur­de süd­lich ein Flü­gel hin­zu­ge­fügt, der 1679 fer­tig­ge­stellt wur­de.

Ein Um­bau der Vor­burg­an­la­ge schloss sich bis 1692 an. Die ein­zel­nen Bau­pha­sen die­ser Ge­bäu­de las­sen sich noch durch die un­ter­schied­li­che Höhe der Ge­schos­se und deut­lich sicht­ba­re Bau­fu­gen ab­le­sen. Letz­te­re ver­such­te man, mit ei­nem Ver­putz, der heu­te nicht mehr er­hal­ten ist, zu ver­de­cken. 1741 er­hielt der Tor­bau sein heu­ti­ges Man­sard­dach. Zu­vor war er – wie sämt­li­che Tür­me der Schloss­an­la­ge – durch eine Wel­sche Hau­be ge­krönt.

Für nach­fol­gen­de Um­bau­ar­bei­ten im 18. Jahr­hun­dert zeich­ne­te der Müns­te­ra­ner Ar­chi­tekt Jo­hann Con­rad Schlaun ver­ant­wort­lich. Nach ihm ist der pracht­voll ge­stal­te­te Schlaun­sche Saal im Nord­flü­gel des Haupt­hau­ses mit spät­ba­ro­cker Aus­stat­tung be­nannt, der von ihm ge­stal­tet wur­de. Ein­her­ge­hend mit des­sen um­fas­sen­der Neu­ge­stal­tung wur­de ein Re­nais­sance-Er­ker an der Nord­fas­sa­de des Flü­gels ab­ge­bro­chen.

Nach­dem im Jahr 1829 die Bau­fäl­lig­keit des Ka­pel­len­turms fest­ge­stellt wor­den war, wur­de die­ser in den Jah­ren 1831 bis 1833 grund­le­gend re­stau­riert. Er­hal­te­ne Do­ku­men­te aus der Bau­zeit le­gen nahe, dass es sich bei den Ar­bei­ten nicht um rei­ne Sa­nie­rungs­maß­nah­men, son­dern viel­mehr um ei­nen fast völ­li­gen Ab­riss und Wie­der­auf­bau ge­han­delt ha­ben muss.

1887 brann­te der Stal­lun­gen be­inhal­ten­de Nord­flü­gel der Vor­burg mit bei­den Eck­tür­men ab und wur­de nicht wie­der auf­ge­baut. Al­ler­dings könn­te die Da­tie­rung des Bran­des falsch sein, denn erst 1889 exis­tiert ein Ak­ten­ver­merk, der ei­nen Brand in je­nem Jahr ver­mu­ten lässt: „Ei­ner der vier Eck­tür­me der Vor­burg wur­de durch die Un­vor­sich­tig­keit der Rus­sen ein­ge­äschert.“

Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs trug Schloss Lem­beck 1943 durch Bom­ben­tref­fer und Van­da­lis­mus der Be­sat­zer er­heb­li­che Schä­den da­von. Nach de­ren Re­pa­ra­tur, die der Ar­chi­tekt Franz Schnei­der 1947 be­gann und sein Sohn Paul Schnei­der-Es­le­ben 1948 zu­nächst fort­setz­te, öff­ne­ten die da­ma­li­gen Ei­gen­tü­mer, Ma­ria-Jo­se­fa Frei­frau von Twi­ckel, ge­bo­re­ne Grä­fin von Mer­veldt, und ihr Ehe­mann Jo­han­nes 1954 die An­la­ge für die Öf­fent­lich­keit.

1958 wur­de des­halb der Süd­flü­gel der Vor­burg zu Wohn­zwe­cken um­ge­baut, da die Schloss­be­sit­zer eine ru­hi­ge­re Un­ter­kunft be­nö­tig­ten. Zu­vor wur­de die Vor­burg noch als rei­nes Ge­rä­te- und Stal­lungs­ge­bäu­de ge­nutzt, und in ih­rem Süd­west-Turm war im 19. Jahr­hun­dert eine Brannt­wein­bren­ne­rei ein­ge­rich­tet.

In den 1960er und 1970er Jah­ren wur­den von Sei­ten des Lan­des­amts für Denk­mal­pfle­ge zahl­rei­che Re­stau­rie­rungs- und Sa­nie­rungs­maß­nah­men auf Schloss Lem­beck durch­ge­führt. Un­ter an­de­rem wur­den 1969 die Schlaun­schen Brü­cken­pfei­ler zum Gar­ten re­stau­riert und 1977 auf die ro­ten Zie­gel des Ka­pel­len­turms in An­leh­nung an frü­he­re Zei­ten ein grau­er Ver­putz auf­ge­bracht.

Nach Um­bau­ar­bei­ten konn­te zu­dem 1965 im Ober­ge­schoss des Her­ren­hau­ses ein Ho­tel und im Ge­wöl­be­kel­ler ein Re­stau­rant er­öff­net wer­den.

Die vier grund­le­gen­den Bau­pha­sen des Her­ren­hau­ses von Schloss Lem­beck las­sen sich heu­te sehr gut an den Mau­er­stär­ken des vor­han­de­nen Bau­be­stands ab­le­sen: je di­cker die Mau­er, des­to hö­her ihr Al­ter. Er­hal­te­ne Tei­le des eins­ti­gen Wohn­turms bzw. Saal­kam­mer­hau­ses der Her­ren von Lem­beck im Nord­flü­gel wei­sen eine Di­cke von bis zu 2,30 m auf. Mit Aus­nah­me der West­sei­te des Prahl­hans-Zim­mers so­wie der Nord- und Süd­wand des Schlaun­schen Fests­saa­les sind die er­hal­te­nen Mau­ern der zwei­ten Bau­pha­se zu­zu­ord­nen (1,90–2,10 m). Der An­bau des süd­li­chen Flü­gels so­wie der drei Eck­tür­me lässt sich als drit­te Bau­pha­se cha­rak­te­ri­sie­ren: Die Fas­sa­den­mau­ern des Flü­gel sind 1,10–1,30 m dick, wäh­rend die Eck­tür­me eine Mau­er­stär­ke von 1,40–1,70m auf­wei­sen. Die im Ver­gleich zu den bei­den üb­ri­gen Eck­tür­men ge­rin­ge Mau­er­stär­ke des Ka­pel­len­turms lässt sich durch sei­nen wahr­schein­li­chen Neu­auf­bau ab 1831 er­klä­ren.

Parkanlage

Nach den Um­bau­ar­bei­ten in den Jah­ren 1674 bis 1692 wur­de west­lich des Schlos­ses nach Ent­wür­fen von Au­gust Rein­king ein Ba­rock­gar­ten nach fran­zö­si­schem Vor­bild mit sym­me­tri­schen We­ge­ach­sen an­ge­legt. Eine Be­stands­auf­nah­me der land­schaft­li­chen Um­ge­bung Lem­becks aus dem Jahr 1804 zeigt, wie die „al­les durch­drin­gen­de“ Ost-West-Ach­se der An­la­ge im Wald­ge­biet „der Ha­gen” en­de­te.

Von den öst­li­chen An­la­gen ist heu­te kaum noch et­was zu se­hen. Le­dig­lich ei­ni­ge über­wu­cher­te Schnei­sen im Wald zeu­gen da­von, dass die­ser Teil einst mit zum Ge­stal­tungs­kon­zept ge­hör­te.

Im 19. Jahr­hun­dert wur­de die Park­an­la­ge un­ter Fer­di­nand-An­ton von Mer­veldt dem Zeit­ge­schmack ent­spre­chend zu ei­nem eng­li­schen Land­schafts­gar­ten um­ge­stal­tet.

Heutige Nutzung

Gebäude

Die Schloss­an­la­ge wird heu­te für viel­fäl­ti­ge Zwe­cke ge­nutzt, un­ter an­de­rem als Ho­tel und Re­stau­rant. Da­ne­ben be­hei­ma­tet sie im Hoch­par­terre des Haupt­hau­ses ein Schloss­mu­se­um, das im Rah­men ei­ner Füh­rung zu be­sich­ti­gen ist. Zu se­hen sind bei ei­nem Rund­gang un­ter an­de­rem Kunst­ge­gen­stän­de, wel­che die Be­sit­zer in mehr als 300 Jah­ren zu­sam­men­ge­tra­gen ha­ben; so zum Bei­spiel chi­ne­si­sches Por­zel­lan, flä­mi­sche Ta­pis­se­ri­en, Ge­mäl­de und Mö­bel aus der Zeit des Ro­ko­ko und Empire/Biedermeier.

Im Dach­ge­schoss des Haupt­hau­ses hat seit 1992 das vom Hei­mat­ver­ein Lem­beck be­trie­be­ne Hei­mat­mu­se­um (ge­öff­net Sams­tag- und Sonn­tag­nach­mit­tag) ein Zu­hau­se ge­fun­den. Zu se­hen sind dort Samm­lun­gen von hand­werk­li­chen bzw. land­wirt­schaft­li­chen Ge­rät­schaf­ten und All­tags­ge­gen­stän­den aus ver­gan­ge­ner Zeit so­wie ar­chäo­lo­gi­sche Fun­de.

In der ehe­ma­li­gen Schloss­kü­che im Un­ter­ge­schoss des Haupt­hau­ses be­fin­det sich au­ßer­dem eine Ga­le­rie, die Bil­der des Künst­lers Hanns Hu­ber­tus Graf von Mer­veldt zeigt. Ihr ba­ro­ckes Am­bi­en­te steht auch für stan­des­amt­li­che Trau­un­gen zur Ver­fü­gung.

Zu­dem kön­nen ei­ni­ge Räum­lich­kei­ten des Schlos­ses für pri­va­te Zwe­cke an­ge­mie­tet wer­den. So steht zum Bei­spiel der Schlaun’sche Saal für Fest­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung oder kann die Schloss­ka­pel­le für Trau­un­gen oder Tau­fen ge­nutzt wer­den.

Zwei­mal jähr­lich lo­cken Groß­ver­an­stal­tun­gen im Schloss­park mehr als 20.000 Be­su­cher an. Im spä­ten Früh­ling fin­det die vier­tä­gi­ge Land­par­tie statt, und im spä­ten Som­mer ist das Schloss­ge­län­de Ver­an­stal­tungs­ort für den Kunst­markt fine arts.

Dar­über hin­aus fin­den im Fest­saal des Schlos­ses re­gel­mä­ßig Kon­zer­te statt.

Parkanlage

Der eins­ti­ge Pri­vat­gar­ten der Schloss­be­sit­zer ent­wi­ckel­te sich mit wach­sen­der Zahl von Schloss­be­su­chern all­mäh­lich zu ei­nem Aus­flugs­ziel für die gan­ze Fa­mi­lie.

1960 be­gann der da­ma­li­ge Lei­ter der Schloss­gärt­ne­rei, Hein­rich Not­tel­mann, die Rho­do­den­dron­zucht auf Schloss Lem­beck. 1967 wur­de ein un­mit­tel­bar am Park an­gren­zen­des Ge­biet von vier Hekt­ar als Rho­do­den­dron­gar­ten aus­ge­baut. Die­ser wur­de mit den selbst ge­züch­te­ten Ar­ten so­wie An­käu­fen aus ei­ner Hol­stei­ner Zucht be­pflanzt. Der Gar­ten heißt heu­te Hein­rich-Not­tel­mann-Park und gilt mit sei­nen 80 Rho­do­den­dron­ar­ten und 70 wei­te­ren Baum­ar­ten vor al­lem wäh­rend der Rho­do­den­dron­blü­te in der Zeit von Mit­te Mai bis Mit­te Juni als be­son­ders reiz­voll.

Ne­ben der Gar­ten­an­la­ge gibt es auf dem Ge­län­de des Parks ei­nen Spiel­platz und ei­nen Strei­chel­zoo, die für Kurz­weil bei den jün­ge­re Be­su­chern sor­gen, wäh­rend sich die äl­te­ren auf dem miet­ba­ren Grill­platz ver­gnü­gen kön­nen.

Fotostrecke Schloss Lembeck

Lage des Schloss Lembeck

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