Schloss Herten

Schlossansicht von Südwesten

Schloss­an­sicht von Süd­wes­ten

Das Schloss Her­ten ist ein Was­ser­schloss am west­li­chen Rand der Her­te­ner In­nen­stadt im Kreis Reck­ling­hau­sen. Es liegt in­mit­ten ei­nes al­ten eng­li­schen Land­schafts­gar­tens und wur­de 1376 erst­mals ur­kund­lich er­wähnt. Seit 1962 steht das Haupt­ge­bäu­de der Schloss­an­la­ge un­ter Denk­mal­schutz.

Die heu­ti­gen Ge­bäu­de wur­den im 16. und 17. Jahr­hun­dert durch den Coes­fel­der Bau­meis­ter Hen­ric de Suer und sei­nen Sohn Jo­hann für die Fa­mi­li­en von Ste­cke und von Nes­sel­ro­de er­rich­tet. Nach­dem das Haupt­ge­bäu­de nach dem Ers­ten Welt­krieg als Wohn­sitz auf­ge­ge­ben wor­den war, ver­fiel es zu­se­hends und droh­te durch Berg­werks­schä­den ein­zu­stür­zen. Erst eine durch­grei­fen­de Sa­nie­rung durch den Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe von 1974 bis 1989 be­wahr­te die spät­go­ti­sche An­la­ge vor dem völ­li­gen Ver­fall.

Geschichte

Bewohner und Besitzer

Die Fa­mi­lie de­rer von Her­ten, Lehns­män­ner der Ab­tei Wer­den, fand im Jahr 1286 mit Ger­lach von Her­te­ne erst­mals ur­kund­lich Er­wäh­nung. Ihr da­ma­li­ger Wohn­sitz wird im heu­ti­gen Stadt­kern Her­tens bei der Pfarr­kir­che St. An­to­ni­us ver­mu­tet. Im 14. Jahr­hun­dert er­rich­te­te das Rit­ter­ge­schlecht ein fes­tes Haus am Ort des heu­ti­gen Schlos­ses, das 1376 als Le­hen der Wer­de­ner Reichs­ab­tei ur­kund­lich er­wähnt wur­de. Durch Hei­rat ge­lang­te das Haus Her­ten Mit­te des 14. Jahr­hun­derts an die Her­ren von Ga­len. De­ren Erb­toch­ter El­se­ke brach­te es 1488 durch ihre Hei­rat im Jahr 1476 an ih­ren Ehe­mann Diet­rich von Ste­cke. Anna von Ste­cke hei­ra­te­te 1529 Bertram I. von Nes­sel­ro­de, Erb­käm­me­rer der Her­zog­tü­mer Jü­lich und Berg. Er war – wie zahl­rei­che Mit­glie­der des Hau­ses Nes­sel­ro­de – von 1539 bis 1556 kur­köl­ni­scher Statt­hal­ter im Vest Reck­ling­hau­sen und setz­te ab 1530 ei­nen be­reits im Jahr 1520 be­gon­ne­nen Aus- und Um­bau des Hau­ses fort.

Na­he­zu 300 Jah­re lang blieb die An­la­ge im Be­sitz der Fa­mi­lie von Nes­sel­ro­de. Frei­herr Franz von Nes­sel­ro­de-Rei­chen­stein wur­de 1702 von Kai­ser Leo­pold I. in den Reichs­gra­fen­stand er­ho­ben. Als der letz­te männ­li­che Ver­tre­ter der Her­te­ner von Nes­sel­ro­de, Jo­hann Franz Jo­seph von Nes­sel­ro­de-Rei­chen­stein, 1824 starb, ge­lang­te das Schloss über Jo­hanns Toch­ter Ma­ria Ca­ro­li­ne an die Fa­mi­lie de­rer von Dros­te zu Vi­sche­ring, die noch im glei­chen Jahr eben­falls in den Reichs­gra­fen­stand er­ho­ben wur­de. Die Mit­glie­der ih­rer Her­te­ner Li­nie nann­ten sich in der Fol­ge­zeit dann Dros­te zu Vi­sche­ring von Nes­sel­ro­de-Rei­chen­stein.

Die Fa­mi­lie be­wohn­te die Her­te­ner An­la­ge bis kurz nach dem Ers­ten Welt­krieg. Nach­dem sie aber ab 1920 auf Schloss Mer­ten in Ei­torf re­si­dier­te und da­mit Schloss Her­ten als Wohn­sitz auf­ge­ge­ben hat­te, wur­de es dem Ver­fall an­heim­ge­ge­ben. Ei­nen Groß­teil der präch­ti­gen Aus­stat­tung nah­men die Ei­gen­tü­mer bei ih­rem Weg­gang mit. Wäh­rend der Ruhr­ge­biets­be­set­zung 1923 bis 1925 dien­te es noch als Un­ter­kunft für fran­zö­si­sche Trup­pen, die das Schloss in ei­nem Zu­stand der Ver­wüs­tung zu­rück­lie­ßen.

Vor­läu­fig letz­ter Ei­gen­tü­mer der An­la­ge wur­de der Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe, der die sei­ner­zeit her­un­ter­ge­kom­me­nen Ge­bäu­de samt dem Schloss­park 1974 er­warb. Letz­te­rer ist seit dem No­vem­ber 2008 Ei­gen­tum der Stadt Her­ten.

Baugeschichte

Die Her­ren von Her­ten er­rich­te­ten in der ers­ten Hälf­te des 14. Jahr­hun­derts ei­nen mit­tel­al­ter­li­chen Wohn­turm aus Stein, des­sen we­ni­ge Re­lik­te heu­te noch im Ge­wöl­be­kel­ler des Nord­flü­gels sicht­bar sind. Das Kreuz­ge­wöl­be mit Band­rip­pen ruht aber wohl auf noch äl­te­ren Fun­da­men­ten. Wei­te­re Bau­tei­le aus je­ner Zeit konn­ten durch eine im Jahr 1974 durch­ge­führ­te Not­gra­bung nach­ge­wie­sen, je­doch nicht re­kon­stru­iert wer­den.
Ab 1520 er­folg­te für die Wit­we Hein­rich von Ste­ckes, So­phie von Mor­ri­en, der Um- und Aus­bau des stei­ner­nen Wohn­turms zu ei­nem ge­schlos­se­nen Kas­tell im Stil der Spät­go­tik. Ver­ant­wort­li­che Bau­meis­ter wa­ren der Coes­fel­der Hen­ric de Suer (auch Hen­rik de Suyr ge­schrie­ben) und sein Sohn Jo­hann. Aus die­sem Grun­de weist Schloss Her­ten un­über­seh­ba­re Ähn­lich­kei­ten zum da­ma­li­gen Schloss Nord­kir­chen auf, das ab etwa 1528 eben­falls un­ter Hen­ric de Suer er­baut wur­de. Die Ar­bei­ten wur­den ab 1529 mit ge­ring­fü­gi­gen Än­de­run­gen für Bertram I. von Nes­sel­ro­de wei­ter­ge­führt. Zeit­ge­nös­si­sche Be­rich­te spre­chen nach Ab­schluss der Bau­ar­bei­ten im Jahr 1560 von ei­nem „ge­wal­ti­gen Bau mit Fes­tun­gen und Wäl­len“, der mit­tels sei­nes Recht­eck­walls mit Eck­bas­tio­nen wäh­rend des Truch­ses­si­schen Kriegs ab 1583 ei­ner zwei­jäh­ri­gen Be­la­ge­rung durch Geb­hard I. von Wald­burg stand­hal­ten konn­te. Res­te der da­ma­li­gen Wäl­le sind noch im Be­reich der öst­li­chen Kas­ta­ni­en­al­lee er­hal­ten.

Die Er­wei­te­rung des stei­ner­nen Wohn­turms zu ei­ner bas­tio­nier­ten, un­re­gel­mä­ßi­gen Vier­flü­gel­an­la­ge (Aus­gra­bun­gen ha­ben ge­zeigt, dass sie ur­sprüng­lich mit ei­nem qua­dra­ti­schen Grund­riss ge­plant war) ge­schah in meh­re­ren Pha­sen.

Zu­erst ent­stand ein Er­wei­te­rungs­flü­gel auf Pfahl­ros­ten im Nor­den der An­la­ge, der sich öst­lich an den Wohn­turm an­schloss. In spä­te­ren Jah­ren wur­de dem Bau hof­sei­tig eine zwei­ge­schos­si­ge Ga­le­rie an­ge­fügt. Bei de­ren Fas­sa­de han­delt es sich um die äl­tes­te in Res­ten noch er­hal­te­ne Schau­fas­sa­de West­fa­lens. Ihr Bau­be­ginn kann bis­her nicht ge­nau da­tiert wer­den, fest steht le­dig­lich, dass sie vor Mit­te des 16. Jahr­hun­derts fer­tig­ge­stellt war.

An­schlie­ßend wur­de ver­mut­lich der Ost­flü­gel mit sei­nen Re­prä­sen­ta­ti­ons­räu­men er­rich­tet. Das Erd­ge­schoss be­her­berg­te sei­ner­zeit le­dig­lich ei­nen gro­ßen Saal und eine sich dar­an süd­lich an­schlie­ßen­de Saal­kam­mer.

Der West­flü­gel der An­la­ge kam in der drit­ten Bau­pha­se hin­zu. Sei­nen Mit­tel­teil bil­de­te ein be­reits frü­her er­rich­te­tes Haus, des­sen Gie­bel noch er­hal­ten und im heu­ti­gen Dach­bo­den sicht­bar ist. Die­ses Haus wur­de erst im Nor­den durch den heu­ti­gen Nord­west­turm und an­schlie­ßend nach Sü­den durch ei­nen wei­te­ren Turm­bau er­wei­tert.

Ab­schlie­ßend wur­de ein zwei­ge­schos­si­ger, ver­bin­den­der Trakt schräg zwi­schen die un­ter­schied­lich lan­gen Ost- und West­flü­gel im süd­li­chen Teil der An­la­ge ge­setzt. Sein heut­zu­ta­ge noch er­hal­te­nes ers­tes Ge­schoss wird von ei­ner spät­go­ti­schen Säu­len­ga­le­rie ge­tra­gen. Wann ihr zwei­tes Ge­schoss ab­ge­ris­sen wur­de, ist heu­te nicht mehr ge­nau fest­stell­bar; ver­mut­lich in der Zeit zwi­schen 1850 und 1870. Ein­her­ge­hend mit dem Bau des Süd­flü­gels er­rich­te­te man ei­nen heu­te noch er­hal­te­nen, acht­ecki­gen Trep­pen­turm in der süd­öst­li­chen Ecke des ent­stan­den In­nen­hofs. Er war ei­ner der ers­ten sei­ner Art, da bis zu je­ner Zeit le­dig­lich Wand­trep­pen an den Au­ßen­mau­ern oder in­nen lie­gen­de Holz­trep­pen in die Ober­ge­schos­se üb­lich wa­ren.

Schloss Herten, Sammlung Alexander Duncker

Schloss Her­ten, Samm­lung Alex­an­der Duncker

Ab etwa 1650 lie­ßen Bertram von Nes­sel­ro­de und sei­ne Frau Lu­cia von Hatz­feld ei­ni­ge Mo­der­ni­sie­rungs­ar­bei­ten an den Ge­bäu­den vor­neh­men, mit de­nen auch die Ent­fes­ti­gung der An­la­ge ein­her­ging. Aus je­ner Zeit stammt die bei Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten wie­der­ent­deck­te, per­spek­ti­visch be­mal­te De­cke des gro­ßen Saals im Erd­ge­schoss des Ost­flü­gels. Sie ist ein­zig­ar­tig in West­fa­len.

Im Jah­re 1687 ver­nich­te­te ein schwe­rer Brand wäh­rend der Weih­nachts­zeit gro­ße Tei­le des Nord- und West­flü­gels, bei dem auch die wert­vol­le Bi­blio­thek größ­ten­teils zer­stört wur­de. Frei­herr Franz von Nes­sel­ro­de-Rei­chen­stein bau­te das Schloss in sei­ner heu­ti­gen ba­ro­cken Form bis 1702 wie­der auf. Im Zuge des Wie­der­auf­baus wur­de auch das auf­wän­dig ge­stal­te­te Por­tal an der West­sei­te der An­la­ge er­rich­tet. Gleich­zei­tig hat­te der Bau­herr den Auf­trag er­teilt, nörd­lich der Ge­bäu­de ei­nen Ba­rock­gar­ten nach fran­zö­si­schem Vor­bild mit zahl­rei­chen Spring­brun­nen und Sta­tu­en an­zu­le­gen. 20 er­hal­te­ne Fe­der­zeich­nun­gen des wal­lo­ni­schen Ma­lers Re­ni­er Ro­id­kin von etwa 1730 ge­ben ei­nen gu­ten Ein­blick in das da­ma­li­ge Aus­se­hen der Gar­ten­an­la­ge. Bis 1725 wur­de, ei­ner eng­li­schen Mode fol­gend, nord­öst­lich in etwa 200 Me­ter Ent­fer­nung eine Oran­ge­rie er­rich­tet.

Nach­dem die ehe­dem schon her­un­ter­ge­kom­me­nen Schloss­ge­bäu­de nach 1925 nicht mehr ge­nutzt wur­den, ta­ten durch den Berg­bau ver­ur­sach­te Bo­den­sen­kun­gen ihr Üb­ri­ges und brach­ten die Vier­flü­gel­an­la­ge bei­na­he zum Ein­sturz. Durch Bo­den­ver­schie­bun­gen wa­ren die Quel­len der Schloss­gräf­te zeit­wei­se ver­siegt und hat­ten den Was­ser­gra­ben tro­cken fal­len las­sen, wes­halb die höl­zer­ne Pfahl­rost­grün­dung der An­la­ge stark an­ge­grif­fen war. Schon in den 1930er Jah­ren hat­te es Über­le­gun­gen ge­ge­ben, das Haupt­ge­bäu­de ge­gen Berg­bau­schä­den zu si­chern, die Plä­ne wa­ren je­doch nicht ver­wirk­licht wor­den. Ab 1967 wur­den dann Si­che­rungs­maß­nah­men an den Fun­da­men­ten der Ge­bäu­de vor­ge­nom­men, in­dem die­se durch Stahl­be­ton­kon­struk­tio­nen er­setzt wur­den. Der Ver­fall der auf­ste­hen­den Bau­sub­stanz ging in­des­sen un­ge­hin­dert wei­ter, bis der Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe die rui­nö­sen Bau­ten 1974 über­nahm. Noch im sel­ben Jahr be­gan­nen Wie­der­her­stel­lungs­maß­nah­men, die bis 1989 an­dau­er­ten. Um das Haupt­ge­bäu­de zu ret­ten muss­te da­bei ein er­heb­li­cher Ver­lust an ori­gi­na­ler Bau­sub­stanz in Kauf ge­nom­men wer­den. Stahl­be­ton­kon­struk­tio­nen er­setz­ten da­bei alle Holz­bal­ken­de­cken des Ge­bäu­des, das durch Be­we­gungs­fu­gen in sechs Ge­bäu­de­ab­schnit­te un­ter­teilt wur­de. Alle his­to­ri­schen Dach­tra­ge­wer­ke aus Ei­chen­holz – bis auf ei­nen klei­nen Teil des West­flü­gels – wur­den durch mo­der­ne Na­del­holz­kon­struk­tio­nen er­setzt.

Beschreibung

Bei dem heu­ti­gen Schloss Her­ten han­delt es sich um eine zwei­tei­li­ge An­la­ge, de­ren Haupt­burg ein rund­um von ei­ner Gräf­te um­ge­be­ner Zie­gel­bau mit run­den Eck­tür­men ist. Sei­ne Vor­burg – auch aus Zie­gel­stein er­rich­tet – liegt west­lich da­von auf ei­ner ei­ge­nen In­sel und war sei­ner­zeit durch eine Zug­brü­cke mit der Haupt­burg ver­bun­den. Zum En­sem­ble ge­hört da­ne­ben noch eine drit­te, süd­lich ge­le­ge­ne In­sel, die in frü­he­ren Jah­ren wohl als Gar­ten ge­nutzt wur­de.

Hauptburg

Die Haupt­burg be­sitzt vier Ge­bäu­de­flü­gel, die ei­nen In­nen­hof um­schlie­ßen. Ihr Back­stein­mau­er­werk ist durch Was­ser­schlag­ge­sim­se aus Werk­stein ho­ri­zon­tal ge­glie­dert. Mit Aus­nah­me des ein­ge­schos­si­gen Süd­trakts wei­sen die Flü­gel zwei Ge­schos­se auf und wer­den von ei­nem Sat­tel­dach ab­ge­schlos­sen. Der öst­li­che und west­li­che Ge­bäu­de­flü­gel be­sit­zen an den Schmal­sei­ten Trep­pen­gie­bel mit Fia­len­schmuck. Drei Ecken der ge­schlos­se­nen Vier­flü­gel­an­la­ge wer­den durch run­de, zwei­ge­schos­si­ge Eck­tür­me mit Ke­gel­dä­chern mar­kiert. Im süd­li­chen Teil des West­flü­gels, an des­sen Au­ßen­fas­sa­de sich am an­schau­lichs­ten ein Rau­ten­mus­ter aus gla­sier­ten Back­stei­nen er­hal­ten hat, be­fin­det sich das Haupt­por­tal vom Be­ginn des 18. Jahr­hun­derts. Das Tor ist von ei­ner Ädi­ku­la ge­rahmt. Über dem Tor­bo­gen sitzt ein Aus­lu­ger­ker, der von ei­nem Seg­ment­gie­bel be­krönt ist. Kar­tu­schen rechts und links des To­res be­rich­ten von den auf Schloss Her­ten an­säs­si­gen Ge­schlech­tern, dem ver­hee­ren­den Brand so­wie dem Wie­der­auf­bau. Dort fin­det sich auch das in Stein ge­mei­ßel­te Mot­to QUAERATUR VIRTUSINVENIETUR HONOS (Man su­che die Tu­gend – dann wird die Ehre ge­fun­den wer­den).

Die hof­sei­ti­ge Fas­sa­de des Nord­flü­gels be­sitzt ein schlich­tes Rund­bo­gen­por­tal und wird an ih­ren Sei­ten von zwei Trep­pen­tür­men ge­rahmt. Der ge­gen­über­lie­gen­de Süd­flü­gel zeigt auf der Hof­sei­te eine spät­go­ti­sche Ga­le­rie, de­ren Säu­len eine un­ge­wöhn­lich, ge­dreh­te Rif­fe­lung auf­wei­sen.

Die In­nen­räu­me der Haupt­burg sind von der Sa­nie­rung in den 1980er Jah­ren ge­prägt. Le­dig­lich die Re­prä­sen­ta­ti­ons­räu­me im Ost­flü­gel be­sit­zen noch die alte ba­ro­cke Aus­stat­tung. Dazu ge­hört die Stuck­de­cke des klei­nen Saals, die von etwa 1700 stammt. Kunst­his­to­risch be­son­ders wert­voll ist das noch zur Hälf­te er­hal­te­ne De­cken­ge­mäl­de im Fest­saal aus der Mit­te des 17. Jahr­hun­derts.

Gebäude auf der Vorburginsel

Re­mi­se

Schloss Herten und seine Gartenanlagen, Zeichnung von Renier Roidkin, etwa 1730

Schloss Her­ten und sei­ne Gar­ten­an­la­gen, Zeich­nung von Re­ni­er Ro­id­kin, etwa 1730

Das heu­ti­ge Vor­burg­ge­bäu­de aus Back­stein stammt im Kern wohl aus dem 16. Jahr­hun­dert und war einst der west­li­che Flü­gel ei­ner Re­mi­se. Das ein­ge­schos­si­ge Ge­bäu­de be­sitzt ein ho­hes Sat­tel­dach, des­sen Stirn­sei­ten Stu­fen­gie­bel auf­wei­sen. Ihm schließt sich an sei­nem Nor­den­de recht­win­ke­lig die Rui­ne ei­nes wei­te­ren, ehe­ma­li­gen Ge­bäu­de­flü­gels an.

Ka­pel­le

Bis 1908 be­fand sich die Schloss­ka­pel­le im Süd­flü­gel der Haupt­burg, ehe in je­nem Jahr die heu­ti­ge von Schloss Grim­berg stam­men­de go­ti­sche Ka­pel­le auf das Her­te­ner Vor­burg­ge­län­de trans­lo­ziert wur­de, in­dem sie Stein für Stein ab­ge­tra­gen und ne­ben dem Her­te­ner Schloss wie­der­errich­tet wur­de. Das in sei­nen Ur­sprün­gen aus dem 14. Jahr­hun­dert stam­men­de Got­tes­haus be­sitzt eine drei­schif­fi­ge Hal­le über zwei Jo­chen und ei­nen Chor mit 5/8-Schluss. Sein Kreuz­rip­pen­ge­wöl­be ruht auf Säu­len und Wand­kon­so­len. Die ba­ro­cke In­nen­aus­stat­tung stammt aus der ers­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts und ist in Tei­len von Jo­hann Con­rad Schlaun ent­wor­fen. Chor­ge­stühl und Al­tar der Ka­pel­le stam­men von dem be­kann­ten Müns­te­ra­ner Schrei­ner­meis­ter Schild, wäh­rend das Al­tar­ge­mäl­de ein Werk des Ma­lers Jo­hann An­ton Kap­pers ist.

Der Por­tal­vor­bau an der Gie­bel­front der Ka­pel­le ge­hört nicht zur ur­sprüng­li­chen Bau­sub­stanz, son­dern wur­de dem Ge­bäu­de erst bei ei­nem Um­bau hin­zu­ge­fügt. Ähn­li­ches gilt für das frei­ste­hen­de Por­tal am Zu­weg der Ka­pel­le. Es war das frü­her das Haupt­por­tal des Grim­ber­ger Schlos­ses und ist ein Schlauns’cher Ent­wurf aus dem Jahr 1735.

Schlosspark

Die heu­ti­ge Form des Her­te­ner Schloss­parks geht auf den Düs­sel­dor­fer Hof­gärt­ner Ma­xi­mi­li­an Fried­rich Wey­he zu­rück. Er ge­stal­te­te den eins­ti­gen, fran­zö­si­schen Gar­ten in den Jah­ren von 1814 bis 1817 zu ei­nem eng­li­schen Land­schafts­gar­ten um, wo­bei er prä­gen­de Ele­men­te des sym­me­trisch aus­ge­bil­de­ten Ba­rock­gar­tens bei­be­hielt, so zum Bei­spiel ei­ni­ge Al­le­en und das Oran­ge­rie­ge­bäu­de. Der eins­ti­ge Irr­gar­ten ist zwar nicht mehr er­hal­ten, doch das Na­tur­thea­ter wird – in ver­ein­fach­ter Form wie­der­her­ge­stellt – heut­zu­ta­ge wie­der für Schau­spiel­auf­füh­run­gen ge­nutzt.

Zwi­schen der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts und dem Ers­ten Welt­krieg lie­ßen die Schloss­be­sit­zer im süd­li­chen Teil des Gar­tens zwei Fisch­tei­che und ei­nen etwa 200 Hekt­ar gro­ßen Misch­wald – heut­zu­ta­ge Schloss­wald ge­nannt – an­le­gen. Eben­falls aus die­ser Zeit stam­men zwei Ka­va­liers­häu­ser an der Ein­fahrt am Nord­rand des Schloss­are­als.

Nach der 50 Jah­re lan­gen Ver­nach­läs­si­gung in der Zeit nach dem Ers­ten Welt­krieg war die Park­an­la­ge voll­kom­men ver­wil­dert. Ihre Wie­der­her­stel­lung wur­de zeit­gleich mit den Re­stau­rie­rungs­maß­nah­men an den Schloss­ge­bäu­den ab 1974 vor­ge­nom­men und dau­er­te bis 1982. An­schlie­ßend wur­de der Park der All­ge­mein­heit zu­gäng­lich ge­macht. Von sei­nen rund 30 Hekt­ar Flä­che ent­fal­len 14,5 Hekt­ar auf Ge­hölz­flä­chen und fünf Hekt­ar auf Ra­sen­flä­chen. Wei­te­re drei Hekt­ar wer­den von Was­ser­flä­chen ein­ge­nom­men, wäh­rend Wege noch ein­mal zwei Hekt­ar aus­ma­chen. Un­ter den 3067 Bäu­men fin­den sich so sel­te­ne Ge­höl­ze wie ein ur­sprüng­lich aus dem chi­ne­si­schen Hoch­land stam­men­der, 125 Jah­re al­ter Ta­schen­tuch­baum, eine Groß­blatt­ma­gno­lie und ur­sprüng­lich in Nord­ame­ri­ka be­hei­ma­te­te Mai­glöck­chen­bäu­me. Die exo­ti­schen Ge­wäch­se wur­den von den di­plo­ma­tisch tä­ti­gen Schloss­be­sit­zern aus fer­nen Län­dern sei­ner­zeit nach Her­ten mit­ge­bracht. Ins­ge­samt fin­den sich im Park über 200 ver­schie­de­ne Baum­ar­ten. We­gen sei­ner bo­ta­ni­schen Viel­falt wur­de der Her­te­ner Schloss­park 1988 un­ter Denk­mal­schutz ge­stellt.

Oran­ge­rie

1725 wur­de am Nord­rand des Gar­tens nörd­lich vom Schloss und der heu­ti­gen Nar­zis­sen­wie­se der Bau ei­ner ein­ge­schos­si­gen Oran­ge­rie im Stil der Neo­re­nais­sance voll­endet. Über ih­rer zeh­nach­si­gen Fens­ter­front er­hob sich eine Ba­lus­tra­de, die mit zwölf Dach­plas­ti­ken aus Baum­ber­ger Sand­stein be­setzt war. Die le­bens­gro­ßen Fi­gu­ren wa­ren von Jo­hann Mau­ritz Grö­nin­ger ge­schaf­fe­nen wor­den und stell­ten Fi­gu­ren aus der grie­chi­schen My­tho­lo­gie dar. Ein­lass ge­währ­te ein Por­tal mit Drei­ecks­gie­bel. Das Ge­bäu­de wur­de aber nicht nur zur Über­win­te­rung von emp­find­li­chen Pflan­zen ge­nutzt, son­dern dien­te auch als Gar­ten­ka­si­no und Spei­se­saal. Da­mals be­hei­ma­te­te es auch eine der be­kann­tes­ten Ka­me­li­en­samm­lun­gen Deutsch­lands. Vom eins­ti­gen Glanz die­ses Baus kün­det heu­te je­doch nur noch eine Rui­ne.

Ta­bak­haus

Durch pri­va­te Spen­den konn­te ein im öst­li­chen Teil des Parks ste­hen­der, qua­dra­ti­scher Gar­ten­pa­vil­lon er­hal­ten und re­stau­riert wer­den. Die Be­zeich­nung des klei­nen mit ei­nem Man­sard­dach ver­se­he­nen Zie­gel­baus im Lou­is-sei­ze-Stil als Ta­bak­haus er­in­nert an zwei fran­zö­si­sche Gra­fen Riau­court, die Söh­ne ei­ner ge­bo­re­nen Grä­fin von Nes­sel­ro­de wa­ren. Sie hat­ten sich vor der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on zu ih­ren Ver­wand­ten nach Her­ten ge­flüch­tet und frön­ten im Pa­vil­lon dem sei­ner­zeit neu­mo­di­schen Las­ter des Ta­bak­ge­nus­ses, der in den Schloss­ge­bäu­den nicht ge­dul­det wur­de.

Heutige Nutzung

Die Vor­burg wird heut­zu­ta­ge als So­zi­al­zen­trum und Ta­ges­kli­nik der LWL-Kli­nik für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie ge­nutzt, die in zahl­rei­chen neu ent­stan­de­nen Ge­bäu­den auf dem west­li­chen Schloss­are­al be­hei­ma­tet ist.

Dar­über hin­aus hat sich das Schloss als Ort zahl­rei­cher kul­tu­rel­ler Ver­an­stal­tun­gen eta­bliert, dar­un­ter das Kla­vier­fes­ti­val Ruhr und die Her­te­ner Schloss­kon­zer­te. Zu Pfings­ten fin­det zu­dem all­jähr­lich rund um das Schloss ein zwei­tä­gi­ger Kunst­markt mit kul­tu­rel­lem Rah­men­pro­gramm, Mu­sik­ver­an­stal­tun­gen und Büh­nen­pro­gramm statt, bei dem Künst­ler und Kunst­hand­wer­ker ihre Ar­bei­ten aus­stel­len.

Hei­rats­wil­li­ge kön­nen sich im so­ge­nann­ten Nes­sel­ro­de-Sa­lon, im Ka­min­zim­mer oder im Ba­rock­saal des Schlos­ses stan­des­amt­lich trau­en las­sen. Für das leib­li­che Wohl der Schloss­be­su­cher sorgt ein Schlos­s­ca­fé im Nord­flü­gel der Haupt­burg, wäh­rend der Ge­wöl­be­kel­ler vom NABU als Aus­stel­lungs­flä­che ge­nutzt wird, auf der er über Flo­ra und Fau­na des Schloss­parks in­for­miert.

Fotostrecke Schloss Herten

Lage des Schloss Herten

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