Schloss Heessen

Schloss Hees­sen ist eine an der Lip­pe ge­le­ge­ne Schloss­an­la­ge im Ham­mer Stadt­be­zirk Hamm-Hees­sen und der nam­haf­tes­te Rit­ter­sitz im Be­reich der heu­ti­gen Stadt Hamm. Das drei­flü­ge­li­ge Haupt­ge­bäu­de ist aus Back­stein er­baut und be­sitzt als mar­kan­tes­tes Bau­teil zwei 30 Me­ter hohe Trep­pen­gie­bel. In dem Ge­bäu­de ist das Land­schul­heim Schloss Hees­sen un­ter­ge­bracht.

Geschichte

Verwaltung

Schloss Heessen um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Schloss Hees­sen um 1860, Samm­lung Alex­an­der Duncker

Die Be­sit­zung wird als Hes­non erst­mals in ei­ner Ur­kun­de Kai­ser Ot­tos II. aus dem Jah­re 975 er­wähnt, und zwar als Erb­gut des Bi­schofs von Os­na­brück. Ge­gen 1200 brach­te eine Grä­fin Mat­hil­de das An­we­sen als Hei­rats­gut in ihre Ehe mit Graf Ar­nold von Al­te­na mit. Der Ober­hof ge­lang­te so an die Gra­fen von Al­te­na-Isen­berg.

Die Er­mor­dung des Köl­ner Erz­bi­schofs En­gel­bert I. von Köln durch Ar­nolds Sohn Fried­rich von Isen­berg führ­te zu ei­ner er­bit­ter­ten Er­baus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Fried­richs Sohn Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg und sei­nem Vet­ter, Graf Adolf I. von der Mark, den so­ge­nann­ten Isen­ber­ger Wir­ren. Der Frie­de von 1243 be­en­de­te die krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den Häu­sern Al­te­na-Mark und Isen­berg-Lim­burg und sprach die cur­tis hes­ne dem Haus Lim­burg zu. Bis zur Al­lo­di­fi­ka­ti­on im Jah­re 1775 blieb der Hof zu Hees­sen Lim­bur­ger, da­nach wur­de er Bent­heim-Teck­len­bur­ger Le­hen.

Die Gra­fen von Lim­burg nutz­ten den Hof nicht selbst als Re­si­denz, son­dern über­ga­ben ihn an ihre Mi­nis­te­ria­len. Zu­nächst er­hiel­ten ihn die von Rin­ke­ro­de, die auch den Ober­hof (Dren-)Steinfurt zu Le­hen tru­gen. Gos­tie, die Toch­ter des letz­ten Rin­ke­ro­ders na­mens Ger­win, brach­te das Rin­ke­ro­der Erbe An­fang des 14. Jahr­hun­derts an Diet­rich von Vol­merstein. Des­sen En­kel er­bau­ten nach 1350 etwa 500 Me­ter öst­lich eine neue, bes­ser durch die Lip­pe ge­schütz­te Was­ser­burg, die vor­über­ge­hend mär­ki­sches Le­hen war. Als Jo­han­nes II. von Vol­merstein im Jah­re 1429 starb, fie­len die Häu­ser Hees­sen und Stein­furt sei­ner Schwes­ter Agnes zu. Die­se wie­der­um war die Ehe­frau des Go­dert von der Re­cke zu Hee­ren. Ihr ge­mein­sa­mer Sohn Diet­rich von der Re­cke ließ sich im Jah­re 1437 von Kai­ser Si­gis­mund mit den Voll­merstein­schen Mann­le­hen und Frei­stüh­len be­leh­nen. Mit ihm nahm für zehn Ge­ne­ra­tio­nen ein Zweig die­ses be­deu­ten­den mär­ki­schen Adels­ge­schlechts Hees­sen in Be­sitz. Diet­rich ließ ein neu­es Her­ren­haus er­rich­ten. Zwi­schen 1590 und 1600 er­neu­er­te sein Nach­fahr Jobst von der Re­cke die Ge­bäu­de der Vor­burg. 1745 starb Adolf von der Re­cke kin­der­los. Dar­auf­hin fiel Hees­sen mit den zu­ge­hö­ri­gen Gü­tern Wolfs­berg, Kurl und Dahl an sei­ne Schwes­ter Anna Eli­sa­beth. Die­se wie­der­um war in eben­falls kin­der­lo­ser Ehe mit Franz Ar­nold von der Re­cke aus der 1468 ab­ge­teil­ten Stein­fur­ter Li­nie ver­hei­ra­tet. Nach des­sen Tod im Jah­re 1762 fiel Stein­furt an die Frei­her­ren von Lands­berg. Hees­sen hin­ge­gen ver­mach­te die kin­der­lo­se Anna Eli­sa­beth von der Re­cke 1775 ei­nem En­kel ih­rer Tan­te Jo­an­na Ro­si­ne von der Re­cke, dem Frei­herrn Fried­rich Jo­seph von Boe­sela­ger zu Neh­len und Höl­ling­ho­fen.

Mit die­ser Schen­kung war die evan­ge­li­sche Sei­te der Fa­mi­lie von der Re­cke nicht ein­ver­stan­den, so dass von Boe­sela­gers Be­sitz­an­tritt im Jah­re 1778 ei­nen jahr­zehn­te­lan­gen, beim Reichs­hof­rat ge­führ­ten Rechts­streit mit den der Stein­fur­ter Li­nie ent­stam­men­den von der Re­cke zu Stock­hau­sen aus­lös­te, und zwar mit wech­seln­dem Pro­zesserfolg. Pro­zess­ver­tre­ter der von der Re­cke war Eber­hard Fried­rich von der Re­cke-Stock­hau­sen, seit 1784 preu­ßi­scher Jus­tiz­mi­nis­ter. In die­ser Zeit war Hees­sen noch eine „Herr­lich­keit mit Ge­richts­bar­keit“ (auf­ge­ho­ben 1812). Ge­richts­stät­ten gab es im Dorf Hees­sen, vor der Schloss­pfor­te oder auf der Brü­cke zum Schloss. Das Ge­richts­schwert be­fin­det sich heu­te in Höl­ling­ho­fen, dem Wohn­sitz der Frei­her­ren von Boe­sela­ger.

Der Rechts­streit wur­de vor al­lem durch Ver­än­de­run­gen in der „gro­ßen Po­li­tik“ ent­schie­den. Als die preu­ßi­schen Herr­scher im Jahr 1803 die neu­en Lan­des­her­ren wur­den, ge­schah dies zum Vor­teil der von der Re­cke. Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. ent­schied schließ­lich kraft sei­nes Am­tes im Jah­re 1806 die Rück­ga­be des Gu­tes an die von der Re­cke.

Im Jah­re 1806 be­gann der Krieg zwi­schen Frank­reich und Preu­ßen, der mit der Nie­der­la­ge der Preu­ßen in der Schlacht bei Jena und Auer­stedt en­de­te. Na­po­le­on Bo­na­par­te nahm zu­sam­men mit den ver­bün­de­ten Hol­län­dern das Haus Hees­sen ein. Die preu­ßi­sche Kom­mis­si­on wur­de in­fol­ge des­sen auf­ge­ho­ben.

Nach der Ein­glie­de­rung des Müns­ter­lan­des in das Groß­her­zog­tum Berg wur­den die von Boe­sela­ger am 16. Fe­bru­ar 1808 vor­läu­fig wie­der in ihre al­ten Be­sitz­rech­te ein­ge­setzt. Am 21. Sep­tem­ber 1810 schlos­sen die von der Re­cke mit den von Boe­sela­ger ei­nen Ver­gleich. Ge­gen 66.000 Reichstha­ler tra­ten sie alle An­sprü­che ab. In den Be­frei­ungs­krie­gen von 1813 hat­te auch Hees­sen schwer zu lei­den, etwa durch plün­dern­de Sol­da­ten aus Po­len, Frank­reich, Russ­land, Sach­sen, Schwe­den und Han­no­ver.

Wie häu­fig in die­sen Jah­ren be­rei­te­te das Wet­ter An­lass zur Sor­ge. Win­ter und Früh­jahr wa­ren oft au­ßer­ge­wöhn­lich kalt. 1816, im so ge­nann­ten Jahr ohne Som­mer, ver­nich­te­ten Dau­er­re­gen und Hoch­was­ser die Ern­te. Im Win­ter des Jah­res 1820 san­ken die Tem­pe­ra­tu­ren auf bis zu -16 Grad Cel­si­us. Dies brach­te die Schleu­se am Schloss und die Ge­bäu­de in Ge­fahr. Fi­sche er­fro­ren in den Tei­chen und es be­stand Trink­was­ser­man­gel.

Baugeschichte

Schloss Heessen

Schloss Hees­sen

Haus Hees­sen ist über die Jahr­hun­der­te im­mer wie­der um­ge­baut wor­den. Bis in das 19. Jahr­hun­dert stand noch das alte Schloss, das in der Vor­zeit auch schon vier­flü­ge­lig war. Die Grün­dung aus dem 14. Jahr­hun­dert be­steht aus tau­sen­den mas­si­ven Ei­chen­pfäh­len, auf de­nen das ge­sam­te Ge­mäu­er ruht und die schon als Fun­da­ment der Vor­gän­ger­bau­ten dien­ten. Sie be­fin­den sich stän­dig un­ter­halb des Grund­was­ser­spie­gels, so dass sie na­he­zu un­be­schä­digt die Jahr­hun­der­te über­stan­den ha­ben.

1782 er­folg­te ein Um­bau des Her­ren­hau­ses. Ab 1812 wur­de der Be­sitz aus­schließ­lich als gro­ßes land- und forst­wirt­schaft­lich ge­nutz­tes Gut samt ei­ge­ner Zie­ge­lei und Braue­rei ge­führt, des­sen Grund­be­sitz durch Er­werb um­lie­gen­der Höfe und Flä­chen ste­tig wuchs. 1816 wur­den fes­te Wege an­ge­legt. Flie­ßen­des Was­ser ge­lang­te über ein Pump­werk in das Haus, und 1825 gab es ein Ab­was­ser­sys­tem. 1826 wur­de das Haus er­heb­lich um­ge­baut und weiß ge­kälkt. Of­fe­ne Ka­mi­ne wur­den durch Ei­sen­guss­öfen er­setzt. Das ers­te Wa­ter­c­lo­sett aus Eng­land wur­de 1846 ein­ge­baut. Es be­stand eine ei­ge­ne Zie­ge­lei und eine Schloss­braue­rei (ab 1837). Als La­ger­ge­wöl­be wur­de ab 1839 der so­ge­nann­te „Bay­ri­sche Kel­ler“ er­rich­tet (heu­te an der Kreu­zung Schlossstraße/Dolberger Stra­ße).

Mehr­fach un­ter sei­nen ver­schie­de­nen Be­sit­zern um­ge­baut und um­ge­stal­tet, er­hielt das An­we­sen zwi­schen 1905 und 1908 sei­ne al­ten For­men zu­rück, wie sie noch 1782 be­stan­den hat­ten, und da­mit sei­ne heu­ti­ge Ge­stalt. Ar­chi­tekt war der Müns­te­ra­ner Al­fred Hen­sen, der dem Ge­bäu­de durch Turm­bau­ten, go­ti­sche Zin­nen und eine Schloss­ka­pel­le nach eng­li­schem Vor­bild ein neu­go­ti­sches Aus­se­hen ver­lieh. Gleich­zei­tig wur­den die das Schloss um­ge­ben­den Park­an­la­gen aus­ge­baut.

West­lich vor dem Tor wur­de um 1805 ein Ba­rock­gar­ten an­ge­legt (Reit­weg und Mit­tel­punkt noch er­hal­ten). Etwa zeit­gleich ent­stand der so­ge­nann­te Ro­sen­gar­ten, ein Park im eng­li­schen Land­schafts­stil. In die­sem fei­er­ten am 18. Sep­tem­ber 1826 Carl von Boe­sela­ger (1802–1869) und Adol­fi­ne von Wolff-Met­ter­nich (1808–1879), Freun­din von An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff, die auch in Hees­sen zu Gast war, ihre Hoch­zeit. Von bei­den Gar­ten­an­la­gen ist heu­te nur noch we­nig er­hal­ten.

1828 ent­stand die so­ge­nann­te „Lie­bes­in­sel“, eine klei­ne Park­land­schaft in Form ei­nes Drei­ecks (300 m × 200 m × 200 m) zwi­schen ei­nem Lip­pestau­arm und Alt- Lip­pe. Heut­zu­ta­ge be­steht die In­sel aus ei­nem klei­nen Wald­stück mit Rund­weg.

Seit dem Tod des Frei­herrn Diet­rich von Boe­sela­ger im Jahr 1920 ist Hees­sen nicht mehr Wohn­sitz der Fa­mi­lie. In den Ge­bäu­den ist seit 1957 ein Land­schul­heim und pri­va­tes In­ter­nat (Gym­na­si­um) un­ter­ge­bracht.

Im Jahr 2008 wur­de der Ki­no­film Die Wil­den Hüh­ner und das Le­ben im und um Schloss Hees­sen ge­dreht.

Gebäude

Das Land­schul­heim Schloss Hees­sen ist un­ter­teilt in vier Ge­bäu­de. Das Haupt­ge­bäu­de als größ­tes bie­tet ne­ben gro­ßem und klei­nem Spei­se­saal die Leh­rer­zim­mer, Kü­che, In­ter­net­raum, das Ge­trän­ke­la­ger, Se­kre­ta­ri­at, Schul­räu­me und Wohn­räu­me der Un­ter- und Mit­tel­stu­fe der Jun­gen und Mäd­chen, eben­so die Ka­pel­le.

Die Ren­tei wur­de zu den Quar­tie­ren der Mit­tel­stu­fe und Ober­stu­fe der Jun­gen und Schul­räu­men um­funk­tio­niert. Das hier be­find­li­che so­ge­nann­te „Ge­wöl­be“ ist eine haus­ei­ge­ne Bar­gast­stät­te, wo auch Fei­ern ver­an­stal­tet wer­den. Das Tor­haus um­fasst ne­ben Quar­tiers­räu­men der Ober­stu­fe der Jun­gen wei­te­re Schul­räu­me so­wie ein Cafe. Im Schul­ge­bäu­de als neu­es­tem Ge­bäu­de be­fan­den sich ur­sprüng­lich Quar­tiers­räu­me, die­se heu­te als Funk­ti­ons- und Schul­räu­me die­nen.

Lage

  • An­schrift: Schloss­stra­ße 1, 59073 Hamm

Fotostrecke Schloss Heessen

Fotostrecke alte Ansichtskarten vom Schloss Heessen

Lage des Schloss Heessen

Lizenz

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Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Schloss Hees­sen aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­to­ren ver­füg­bar.

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