Schloss Harkotten

Das Schloss Har­kot­ten be­fin­det sich im Sas­sen­ber­ger Stadt­teil Füch­torf im Müns­ter­land und ist ei­nes der sel­te­nen Bei­spie­le ei­ner Dop­pel­schloss­an­la­ge.

Da sie zu pri­va­ten Zwe­cken ge­nutzt wird, ist sie für die Öf­fent­lich­keit in der Re­gel nicht zu­gäng­lich, je­doch be­fin­det sich in den ehe­ma­li­gen Wirt­schafts­ge­bäu­den des Korff’schen Schlos­ses ein Gar­ten­ca­fé und das Her­ren­haus steht für öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen zur Ver­fü­gung, wie zum Bei­spiel das Gar­ten­fes­ti­val.

Geschichte

Farblitografie des Schlosses Harkotten; im Vordergrund: Schloss von Ketteler, im Hintergrund: Schloss von Korff

Farbli­to­gra­fie des Schlos­ses Har­kot­ten; im Vor­der­grund: Schloss von Ket­te­ler, im Hin­ter­grund: Schloss von Korff

Die heu­ti­ge Schloss­an­la­ge geht auf ei­nen Vor­gän­ger­bau aus dem 14. Jahr­hun­dert zu­rück. Zwi­schen 1297 und 1309 er­bau­te Hein­rich II. von Korff als Lehns­mann des Bis­tums Müns­ter eine Was­ser­burg zur Si­che­rung der Bis­tums­gren­zen ge­gen­über Os­na­brück, die von ei­nem um­fang­rei­chen Gräf­ten­sys­tem um­ge­ben war.

Nach sei­nem Tod 1334 teil­ten sei­ne bei­den Söh­ne Hein­rich und Eber­hard den Be­sitz un­ter sich auf. Wäh­rend Eber­hard den west­li­chen Teil der Burg er­hielt, kam der öst­li­che Teil an Hein­rich, der sich an­schlie­ßend von Korff-Smie­sing nann­te. Seit je­ner Zeit exis­tie­ren auf dem Are­al zwei ge­trenn­te Her­ren­häu­ser. Die Vor­burg, die Müh­le, das Ge­richts­haus mit Ker­ker und die Förs­te­rei blie­ben aber eben­so wie die Braue­rei und die ab 1311 er­bau­te Schloss­ka­pel­le im ge­mein­sa­men Be­sitz bei­der Fa­mi­li­en­zwei­ge.

Am 7. De­zem­ber 2015 grün­de­te sich der För­der­ver­ein Freun­de und För­de­rer des Denk­mals Har­kot­ten e.V., mit dem Ziel des Er­halts und der Re­kon­struk­ti­on der Dop­pel­schloss­an­la­ge.

Schloss von Ketteler

Schloss von Ketteler

Schloss von Ket­te­ler

Nach­dem die Har­kot­te­ner Li­nie der Korff-Schmie­sing 1615 im Man­nes­stamm er­lo­schen war, kam ihr An­teil über die Erb­toch­ter Chris­ti­ne an die Fa­mi­lie ih­res Ehe­manns, die Frei­her­ren von Ket­te­ler. 1755 lie­ßen die­se ih­ren Teil der Burg ab­rei­ßen und an glei­cher Stel­le ab 1754 ein re­prä­sen­ta­ti­ves Ba­rock­schloss nach Plä­nen des fürst­bi­schöf­li­chen Feld­haupt­manns und Lan­des­in­ge­nieurs Jo­hann Le­on­hard Mau­ritz Grö­nin­ger er­bau­en. Fer­tig­ge­stellt wur­de es erst im Jahr 1767, da die Bau­ar­bei­ten wäh­rend des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges von 1758 bis 1763 un­ter­bro­chen wur­den. Die Frei­trep­pe vor dem Schloss­por­tal wur­de so­gar erst 1796 fer­tig­ge­stellt. Nach 1800 kam nörd­lich des Schloss­ge­bäu­des eine Gar­ten­an­la­ge hin­zu, die sich an ba­ro­cken Vor­bil­dern ori­en­tier­te.

Das ba­ro­cke Schloss­ge­bäu­de ist ein ver­putz­ter Back­stein­bau mit zwei Ge­schos­sen, die sich über ei­nem Kel­ler er­he­ben und durch ein fla­ches Man­sard­dach ab­ge­schlos­sen sind. Eine dop­pel­läu­fi­ge Frei­trep­pe führt zum Por­tal im Mit­tel­ri­sa­lit der Süd­fas­sa­de, das ei­nen hal­bo­va­len Grund­riss be­sitzt und durch ei­nen ge­schwun­ge­nen Gie­bel mit dem Al­li­anz­wap­pen der Ket­te­ler und Korff ab­ge­schlos­sen ist.

Fla­che Sei­ten­ri­sa­li­te um­schlie­ßen mit ei­ner sich an­schlie­ßen­den, nied­ri­gen Mau­er ei­nen klei­nen Eh­ren­hof im Sü­den. Der Gar­ten nörd­lich des Schloss­ge­bäu­des kann über eine Ter­ras­se im Hoch­par­terre be­tre­ten wer­den. Im In­ne­ren sind noch alte Mar­mor­ka­mi­ne und auf­wän­dig ge­ar­bei­te­te Stuck­de­cken er­hal­ten.

Nach­dem die Fir­ma des De­si­gners Lu­i­gi Co­la­ni meh­re­re Jah­re im Schloss be­hei­ma­tet war, schloss 1988 die Fa­mi­lie Sie­ger ei­nen Erb­pacht­ver­trag mit der Fa­mi­lie Ket­te­ler ab und ließ es um­fas­send re­stau­rie­ren. Die Räu­me wer­den noch heu­te als Sitz ei­ner De­si­gnagen­tur der Brü­der Chris­ti­an und Mi­cha­el Sie­ger ge­nutzt. Gleich­zei­tig wur­den durch den bel­gi­schen Gar­ten­ar­chi­tek­ten Jac­ques Wirtz auch die Au­ßen­an­la­gen wie­der­her­ge­stellt. Im re­stau­rier­ten Ba­rock­gar­ten fin­det sich heu­te eine Samm­lung zeit­ge­nös­si­scher Kunst­ob­jek­te, die durch den Schloss­päch­ter und sei­nen Sohn Mi­cha­el so­wie be­freun­de­te De­si­gner und Künst­ler ge­fer­tigt wur­den.

Die weiße Dame

Im Trep­pen­haus des Kett­ler­schen Schlos­ses hängt seit vie­len Jahr­zehn­ten ein Bild­nis, wel­ches all­ge­mein die Be­zeich­nung „Wei­ße Dame“ trägt. Es ist eine Pas­tell­zeich­nung ei­ner Frau aus dem 18. Jahr­hun­dert mit ei­nem gro­ßen Fe­der­hut. Nimmt man das Bild von der Wand und hält es ge­gen das Licht, tritt ein zwei­tes Bild in Sicht, wel­ches eben­so häss­lich ist, wie das ers­te lieb­rei­zend war. Der Samt des Hu­tes sieht aus wie har­tes Stroh­ge­flecht, die Au­gen se­hen starr, die Pu­pil­len sind klein und ohne Le­ben, Mund und Kinn häss­lich ent­stellt und der nack­te Hals ist vol­ler blu­tig-ro­ter Strie­men. Wie die­ses Bild ent­stan­den ist, ob es eine Über­ma­lung oder durch Scheu­ern der Pas­tell­far­ben un­ter dem Glas­rah­men her­vor­ge­ru­fen wur­de, ist heu­te nicht mehr fest­stell­bar. Um die­ses Bild ran­ken sich nach der Art ei­ner Wei­ßen Frau ver­schie­de­ne Sa­gen und Er­zäh­lun­gen. Nach der ei­nen soll sie eine als Hexe ver­brann­te Jung­frau sein, nach der an­de­ren „Bre­en Tüh­ne“, eine zur nächt­li­cher Stun­de em­por­stei­gen­de Ne­bel­frau. An­de­re Er­zäh­lun­gen brin­gen es mit der in der Nähe ge­le­ge­nen To­ten­knapp, wie­der an­de­re mit den bei­den im Süd­os­ten im zwei­ten Stock des Schlos­ses zu­ge­mau­er­ten Fens­tern in Ver­bin­dung. Im 18. Jahr­hun­dert woll­te ein Be­woh­ner ge­se­hen ha­ben, wie die wei­ße Dame zu mit­ter­nächt­li­cher Stun­de aus der brei­ten Gräf­te (Bre­en Tüh­ne) em­por­schweb­te und durch das ge­schlos­se­ne ers­te Fens­ter in das Schloss ein­drang, um nach ei­ner hal­ben Stun­de durch das zwei­te Fens­ter wie­der zu ent­wei­chen. Den gu­ten Men­schen er­schien sie als lieb­rei­zen­de jun­ge Frau, den bö­sen als die häss­li­che Hexe. Nach­dem man das ers­te Fens­ter zu­ge­mau­ert hat­te, be­nutz­te sie das zwei­te. Als das zwei­te Fens­ter auch zu­ge­mau­ert wur­de, ver­blieb sie im Schloss und soll sich heu­te noch dort auf­hal­ten und alle zwölf Jah­re zu mit­ter­nächt­li­cher Stun­de er­schei­nen, wenn sich klei­ne­re Ne­bel­wölk­chen über der Gräf­te und den Wie­sen er­he­ben.

Voll Lieb­reiz, Glück und Le­ben dein Bild­nis an der Wand! Keins darf den Blick er­he­ben das an dir Fal­sches fand.Einst wur­dest du ge­schun­den, als Hexe dann ver­brannt, weil kei­nen sie ge­fun­den, der sei­ne Schuld be­kannt. Als mah­nen­des Ge­wis­sen gehst du im Schloss um­her das Ant­litz scherz­zer­ris­sen, die Au­gen hoffungsleer.Die Ihr’s nicht glaubt, be­trach­tet im Ge­gen­licht das Bild. Seht, was sich lei­dum­nach­tet und schre­ckend Euch ent­hüllt. Otto Nisch

Schloss von Korff

Schloss von Korff

Schloss von Korff

Nach­dem das öst­li­che Her­ren­haus im 18. Jahr­hun­dert durch den Ketteler’schen Schloss­neu­bau er­setzt wor­den war, lie­ßen auch die Frei­her­ren von Korff zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts ihr al­tes Her­ren­haus nie­der­le­gen, um ein neu­es, mo­der­nes Ge­bäu­de zu er­rich­ten. In der Zeit von 1804 bis 1806 ließ Fried­rich An­ton von Korff ge­mein­sam mit sei­ner Ehe­frau Ro­si­ne ein schlich­tes Schloss im Stil des Klas­si­zis­mus er­rich­ten. Als Ar­chi­tek­ten be­auf­trag­te er da­für Adolph von Va­ge­des, dem das an­hal­ti­sche Schloss Wör­litz bei Des­sau als Vor­bild für sei­ne Plä­ne dien­te.

Der klas­si­zis­ti­sche Bau er­hebt sich auf ei­nem läng­li­chen, recht­ecki­gen Grund­riss über zwei Ge­schos­se mit ei­nem fla­chen Walm­dach. Sei­ne West­fas­sa­de ist durch drei Ri­sa­li­te ge­glie­dert. Die bei­den seit­li­chen Ri­sa­li­te wer­den von Li­se­nen um­rahmt und sind durch eine Ba­lus­tra­de ab­ge­schlos­sen. Der Mit­tel­ri­sa­lit be­sitzt als obe­ren Ab­schluss ei­nen fla­chen Drei­ecks­gie­bel mit dem Wap­pen der Schloss­erbau­er. Ihm ist ein Por­ti­kus mit do­ri­schen Säu­len vor­ge­baut, der ei­nen Bal­kon trägt.

Nach­dem im Zuge des Schloss­neu­baus be­reits die Gräf­ten des Korff’schen An­teils zu­ge­schüt­tet wor­den wa­ren, wur­den 1831 auch die üb­ri­gen Au­ßen­an­la­gen um­ge­stal­tet. West­lich des Her­ren­hau­ses wur­de ein zen­tra­les Ron­dell mit Ra­sen­flä­che und ei­nem Teich in des­sen Mit­te an­ge­legt so­wie ein Wirt­schafts­ge­bäu­de nörd­lich da­von er­rich­tet. In je­nem Jahr wur­de auch der mit­tig vor der West­fas­sa­de ge­le­ge­ne Por­ti­kus zu ei­ner Ein­gangs­hal­le um­ge­baut.

Im Jah­re 2002 fan­den in dem heu­te noch von der Fa­mi­lie Korff be­wohn­ten Schloss Dreh­ar­bei­ten zum ers­ten Tat­ort Müns­ters statt: Der dunk­le Fleck.

Bei Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten wur­den 2014 Wand­be­ma­lun­gen des Phil­ipp Fer­di­nand Bart­scher ent­deckt, der als Hof­ma­ler in Cor­vey wirk­te. Sie sol­len frei­ge­legt, aber im Ori­gi­nal­zu­stand be­las­sen und nicht er­gänzt wer­den. Die Fa­mi­lie von Korff plant, nach Ab­schluss der Re­no­vie­run­gen das Erd­ge­schoss öf­fent­lich und das Ober­ge­schoss wei­ter­hin pri­vat zu nut­zen.

Fotostrecke Schloss Harkotten

Fotostrecke Schloss Korff

Lage des Schloss Harkotten

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