Schloss Burgsteinfurt

Das Schloss Burg­stein­furt (auch Schloss Stein­furt ge­nannt) ist ein Was­ser­schloss am Ran­de der Alt­stadt von Burg­stein­furt, ei­nem Stadt­teil der müns­ter­län­di­schen Stadt Stein­furt. Es ist die äl­tes­te Was­ser­burg­an­la­ge West­fa­lens und steht auf ei­ner na­he­zu kreis­run­den In­sel, die von der Stein­fur­ter Aa um­flos­sen wird. Heut­zu­ta­ge be­stehend aus drei Ge­bäu­de­kom­ple­xen, der Ober­burg, der Un­ter­burg und der Schloss­müh­le, wur­de die An­la­ge im Lau­fe ih­rer wech­sel­vol­len Ge­schich­te im­mer wie­der um­ge­baut und er­wei­tert.

Geschichte

Schloss Burgsteinfurt um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Schloss Burg­stein­furt um 1860, Samm­lung Alex­an­der Duncker

Als Er­bau­er der An­la­ge gilt Ru­dolf II. von Sten­vor­de, Edel­herr von Stein­furt. In Ur­kun­den wird sein säch­si­scher Haupt­hof erst­mals 1129 er­wähnt. Zu je­ner Zeit be­stand die­ser aus ei­nem qua­dra­ti­schen Wohn­turm mit zwei Me­ter di­cken Mau­ern und stand auf ei­nem Hü­gel, den man in ei­ner fla­chen Nie­de­rung der Aa auf­ge­wor­fen hat­te. Den Fluss stau­te man durch ein Wehr auf und lei­te­te ihn als Gräf­te um den Hü­gel her­um. We­nig spä­ter er­rich­te­ten die Her­ren von Stein­furt dann auf ei­ner wei­te­ren künst­li­chen In­sel ei­nen mäch­ti­gen Fes­tungs­turm, den Bud­den­turm. Die­se bei­den Ge­bäu­de bil­de­ten den Kern der heu­ti­gen Ober­burg.

1164 wur­de die da­ma­li­ge Burg in ei­ner Feh­de mit den Her­ren der Burg Asche­berg zer­stört. Mit Un­ter­stüt­zung des Köl­ner Erz­bi­schofs Rai­nald von Das­sel lie­ßen die Be­sit­zer die Burg je­doch wie­der auf­bau­en.

Ende des 12. Jahr­hun­derts wur­de eine Burg­ka­pel­le an die be­reits teil­wei­se vor­han­de­ne Ring­mau­er an­ge­baut. Sie be­steht aus zwei über­ein­an­der lie­gen­den, sa­kra­len Räu­men im Erd- so­wie im Ober­ge­schoss des Ge­bäu­des. Das obe­re Stock­werk dien­te als Schloss­kir­che, wäh­rend das un­te­re dem To­ten­kult vor­be­hal­ten war.

Mit­te des 13. Jahr­hun­derts er­folg­te der Um­bau des Wohn­turms zu ei­nem Rit­ter­saal, wo­von sei­ne früh­go­ti­schen Spitz­bo­gen­fens­ter und der go­ti­sche Trep­pen­gie­bel kün­den. Zeit­gleich wur­den die bei­den Ein­zel­in­seln zu ei­ner ein­zi­gen ver­eint und mit ei­ner ge­mein­sa­men Wehr­mau­er um­ge­ben.

Eben­falls in das 13. Jahr­hun­dert ist die Ent­ste­hung der Vor­burg zu da­tie­ren. Die so ge­nann­te Un­ter­burg be­stand nicht nur aus Wirt­schafts­ge­bäu­den wie Scheu­nen, Stäl­len und Spei­chern, son­dern be­hei­ma­te­te auch zwei Burg­man­nen­häu­ser, de­ren Be­woh­ner für die Si­cher­heit der ge­sam­ten Burg­an­la­ge zu sor­gen hat­ten.

Als die Fa­mi­lie de­rer von Stein­furt 1421 im Man­nes­stamm er­losch, ka­men Burg und Herr­lich­keit über die Erb­toch­ter an Ever­win von Göt­ter­wick, der im glei­chen Jahr auch die Graf­schaft Bent­heim erb­te. Sei­ne Fa­mi­lie nann­te sich dar­auf­hin „Gra­fen von Bent­heim und Stein­furt“. Da die­se aber auf ei­ner der zahl­rei­chen an­de­ren Be­sit­zun­gen wohn­te, wur­de die Burg in Stein­furt fort­an nicht mehr als Wohn­sitz ge­nutzt und ver­fiel all­mäh­lich.

Zum Schut­ze ge­gen die Be­gehr­lich­kei­ten des Müns­te­ra­ner Fürst­bis­tums wur­de Stein­furt im April 1495 dem Reich zu Le­hen auf­ge­tra­gen und zur Reichs­graf­schaft er­ho­ben. Die da­mit ver­bun­de­ne Reichs­un­mit­tel­bar­keit er­zürn­te den Fürst­bi­schof von Müns­ter, in des­sen Macht­be­reich Stein­furt lag, und führ­te in der Fol­ge­zeit im­mer wie­der zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit ihm.

Erst Grä­fin Wal­burg von Bre­dero­de wohn­te wie­der dau­er­haft auf der An­la­ge und ließ sie ab 1558 des­halb ge­mein­sam mit ih­rem Sohn Ar­nold in­stand set­zen, er­wei­tern und zu ei­nem Schloss um­bau­en. Ei­nen Er­ker für das Schloss schuf der Bild­hau­er Jo­hann Bra­ben­der aus Müns­ter (West­fa­len).

Wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges wech­sel­te das Schloss mehr­fach die Be­sit­zer und wur­de da­bei stark be­schä­digt. So wur­den 1634 Schloss und Stadt von Trup­pen des Fürst­bi­schofs von Müns­ter, Fer­di­nand I. von Bay­ern, be­setzt. Ih­nen folg­ten erst hes­si­sche 1647 dann kai­ser­li­che Man­nen. Zwar wur­den be­reits 1661 ers­te In­stand­set­zungs­ar­bei­ten vor­ge­nom­men, doch erst zwi­schen 1706 und 1715 er­folg­te der voll­stän­di­ge Wie­der­auf­bau. Wei­te­re Neu­bau­ten folg­ten zwi­schen 1723 und 1729 im schlich­ten Stil des Ba­rocks.

Der mäch­ti­ge Bud­den­turm mit sei­nen fünf Me­ter di­cken Mau­ern hat­te auf­grund der Ent­wick­lung der Waf­fen­tech­nik ge­gen Ende des 18. Jahr­hun­derts sei­ne mi­li­tä­ri­sche Be­deu­tung als Wehr­turm ver­lo­ren, und so wur­de er zwi­schen 1773 und 1779 ab­ge­tra­gen. Sei­ne Stei­ne wur­den zur Er­rich­tung na­he­zu al­ler Bau­wer­ke des Stein­fur­ter Ba­g­nos ver­wen­det. Auch die Ring­mau­er wur­de zu die­ser Zeit nie­der­ge­legt.

Von 1877 bis 1898 er­folg­te eine Re­stau­rie­rung der An­la­ge durch den Müns­te­ra­ner Ar­chi­tek­ten Franz An­ton Nord­hoff. Un­ter sei­ner Fe­der­füh­rung wur­den zahl­rei­che alte Bau­tei­le durch mo­der­ne­re Ele­men­te er­setzt. So stammt zum Bei­spiel die stei­ner­ne Ver­bin­dungs­brü­cke zwi­schen Haupt- und Vor­burg­in­sel aus dem Jah­re 1888 von ihm.

Heutige Nutzung

Das Schloss be­fin­det sich heu­te noch im Be­sitz der Fa­mi­lie der Fürs­ten zu Bent­heim und Stein­furt und wird als Wohn­sitz ge­nutzt. Seit Ja­nu­ar 2009 wird das Schloss nur noch pri­vat ge­nutzt. Eine In­nen­be­sich­ti­gung, wie auch die Be­sich­ti­gung des Un­ter- und Ober­ho­fes sind nicht mehr mög­lich. Es be­steht die Mög­lich­keit, sich die An­la­ge von au­ßen (nur von der Stra­ße Blick­kon­takt) im Rah­men der 100-Schlös­ser-Rou­te an­zu­schau­en.

Fotostrecke Schloss Burgsteinfurt

Lage des Schloss Burgsteinfurt

Lizenz

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