Schloss Bodelschwingh

Wasserschloss Bodelschwingh

Was­ser­schloss Bo­del­schwingh

Das Haus Bo­del­schwingh ist ein Was­ser­schloss im Dort­mun­der Stadt­teil Bo­del­schwingh, der zum Stadt­be­zirk Men­ge­de ge­hört. Es ist ei­ner von 18 Adels­sit­zen in Dort­mund und gilt als größ­te und re­prä­sen­ta­tivs­te An­la­ge im Stadt­ge­biet.

Das heu­ti­ge Schloss war Stamm­sitz der Fa­mi­lie von Bo­del­schwingh und ent­wi­ckel­te sich aus ei­nem ein­fa­chen Zwei­raum­haus des Spät­mit­tel­al­ters, das im 16./17. Jahr­hun­dert im Stil der Re­nais­sance er­wei­tert wur­de. Durch Hei­rat der Erb­toch­ter kam es am Ende des 19. Jahr­hun­derts an die Fa­mi­lie zu Inn­hau­sen und Kny­p­hau­sen, de­ren Ei­gen­tum das Schloss heu­te noch ist.

Die An­la­ge ist als Bau­denk­mal in die Denk­mal­lis­te der Stadt Dort­mund ein­ge­tra­gen. Der da­zu­ge­hö­ri­ge Schloss­park im Stil ei­nes Land­schafts­gar­tens steht seit 1983 eben­falls un­ter Denk­mal­schutz. Das Her­ren­haus dient heu­te als Wohn­sitz der Fa­mi­lie zu Inn­hau­sen und Kny­p­hau­sen, die Ge­bäu­de der Vor­burg sind zu Wohn- und Ge­schäfts­zwe­cken ver­mie­tet. Eine Be­sich­ti­gung der An­la­ge ist des­halb nor­ma­ler­wei­se nicht mög­lich, le­dig­lich zum Tag des of­fe­nen Denk­mals ist sie all­jähr­lich für in­ter­es­sier­te Be­su­cher zu­gäng­lich.

Geschichte

Mittelalter

Ein Hof Bo­dels­wen­ge wur­de um 1220 erst­mals schrift­lich er­wähnt. Er stand viel­leicht im Kern der heu­ti­gen Ort­schaft, die im 13. Jahr­hun­dert auch als Bu­dens­wen­ge be­zeich­net wur­de. Das Haus Bo­del­schwingh fin­det sich erst­mals in ei­ner Ur­kun­de vom 14. Fe­bru­ar 1302, als der Rit­ter Gis(el)bert ge­nannt Spe­ke (auch Spe­cke und Speck ge­schrie­ben) sein ma­ne­ri­um et do­mus (deutsch Gut und Haus) dem Gra­fen Eber­hard I. von der Mark zu Le­hen auf­trug. Gis(el)berts Fa­mi­lie stamm­te viel­leicht von dem Gut Spe­ke, das zwi­schen Hat­tin­gen und Wer­den in der Nähe von Blan­ken­stein lag. Bis 1302 war Gis(el)bert Burg­mann auf der mär­ki­schen Burg Blan­ken­stein und zu­gleich mär­ki­scher Rich­ter in Bo­chum. Er war mög­li­cher­wei­se durch Hei­rat oder Erb­schaft in den Be­sitz Bo­del­schwinghs ge­kom­men. Ab 1320 nann­te sich sein Sohn Ernst I. als ers­ter sei­ner Fa­mi­lie nach dem neu­en Be­sitz „von Bo­del­schwingh“, der ei­nes von ins­ge­samt zwölf Was­ser­schlös­sern auf dem heu­ti­gen Dort­mun­der Ge­biet war. Al­ler­dings ge­hör­te Bo­del­schwingh im Mit­tel­al­ter noch nicht zur Reichs­stadt, son­dern lag auf Ge­biet der Graf­schaft Mark. Im Schutz der da­ma­li­gen Burg ent­wi­ckel­te sich schon früh eine An­sied­lung mit ei­ge­ner Kir­che, die Burg­frei­heit Bo­del­schwingh, die bis 1928 ihre Selbst­stän­dig­keit be­wahr­te.

Ernst I. von Bo­del­schwingh und sei­ne Nach­fah­ren ver­grö­ßer­ten ih­ren Ein­fluss­be­reich im 14. und 15. Jahr­hun­dert durch Grund­er­werb und An­kauf von Ge­richts­bar­kei­ten, so kauf­te die Fa­mi­lie zum Bei­spiel am 1. April 1324 eine Hälf­te des Ge­richts Men­ge­de und 1366 das Frei­ge­richt Bo­del­schwingh. Am 9. Sep­tem­ber 1421 wur­de Ernst III. von der Stadt Dort­mund mit der Herr­schaft Men­ge­de be­lehnt. Ab 1440 ist zu­dem eine Was­ser­müh­le für das An­we­sen be­zeugt, die nord­öst­lich des Hau­ses am Bo­del­schwing­her Bach stand. Mit der Gü­ter­ver­meh­rung ging ein er­höh­tes An­se­hen ein­her, und Fa­mi­li­en­mit­glie­der be­klei­de­ten nach­fol­gend vie­le hohe Äm­ter in der Lan­des­ver­wal­tung. Wen­ne­mar I. von Bo­del­schwingh war zum Bei­spiel Mar­schall und Rat des Her­zogs von Kle­ve. Ihm war bei Erb­tei­lun­gen in den Jah­ren 1489 und 1491 un­ter an­de­rem das Haus Bo­del­schwingh zu­ge­fal­len, wäh­rend sein Bru­der Ernst IV. Haus Men­ge­de er­hal­ten hat­te. Durch die Hei­rat von Wen­ne­mars Sohn Gis­bert II. mit Anna Staël von Hol­stein im Jahr 1512 ge­lang­ten zu­dem die Häu­ser Ickern, Lin­den­horst, Waltrop und West­hu­sen an die Fa­mi­lie Bo­del­schwingh. Gis­berts ein­zi­ger Sohn Wen­ne­mar II. be­gann im 16. Jahr­hun­dert mit dem Bau des heu­ti­gen Was­ser­schlos­ses, in­dem er ein um 1300 er­rich­te­tes Zwei­raum­haus um ei­nen recht­win­ke­lig an­schlie­ßen­den Flü­gel er­wei­ter­te. Ver­mut­lich geht auf ihn auch die Ein­rich­tung der Bi­blio­thek des Hau­ses zu­rück. Nach sei­nem Tod 1583 führ­te sein Sohn Gis­bert III. die Ar­bei­ten des Va­ters wei­ter fort, so­dass die An­la­ge ihr heu­ti­ges Aus­se­hen im We­sent­li­chen be­reits im 17. Jahr­hun­dert be­saß. Zu­vor hat­te sich Gis­bert III. das vä­ter­li­che Erbe mit sei­nem jün­ge­ren Bru­der Jobst Wil­helm ge­teilt: Wäh­rend er Haus Bo­del­schwingh er­hielt, ge­lang­te Haus Ickern an Jobst Wil­helm. Als mit Gerd von Bo­del­schwingh die Bo­del­schwing­her Fa­mi­li­en­li­nie auf Haus Men­ge­de in männ­li­cher Li­nie aus­starb, ent­brann­ten zwi­schen Gis­bert III. und den Er­ben der Fa­mi­lie Bo­del­schwingh zu Men­ge­de Erb­strei­tig­kei­ten und Feh­den aus, die für vie­le Jah­re das Reichs­kam­mer­ge­richt be­schäf­tig­ten. Die Stadt Dort­mund be­schloss, bis zur end­gül­ti­gen Klä­rung die­ses Streits das Haus Men­ge­de Gerds Wit­we Ka­tha­ri­na von der Re­cke zu über­las­sen. Gis­bert III. hei­ra­te­te die Wit­we 1605 in zwei­ter Ehe, um sich wohl die An­sprü­che auf den Be­sitz zu si­chern.

Neuzeit

Haus Bodelschwing erhielt seine heutige Form größtenteils im 16. Jahrhundert

Haus Bo­del­schwing er­hielt sei­ne heu­ti­ge Form größ­ten­teils im 16. Jahr­hun­dert

Schloss­herr Gis­bert Bern­hard, mär­ki­scher Hof­ge­richts­rat und Di­rek­tor der mär­ki­schen Rit­ter­schaft, wur­de 1637 in den Frei­her­ren­stand er­ho­ben. Über sei­nen Sohn Wes­sel Wirich II. kam das An­we­sen an des­sen Sohn Gis­bert Wil­helm. Mit sei­nem Tod am 13. 1753 er­losch die Fa­mi­lie im Man­nes­stamm. Schloss Bo­del­schwingh kam an Gis­bert Wil­helms Erb­toch­ter Gis­ber­ti­ne Anna Lui­se, das ein­zi­ge Kind und aus der Ehe mit Ka­tha­ri­na So­phia Lui­sa Theo­do­ra Vogt von Els­pe, die 1728 das Haus Ro­den­berg mit in die Ehe ge­bracht hat­te. Gis­ber­ti­ne hei­ra­te­te in zwei­ter Ehe Ma­thi­as von Bo­del­schwingh-Vel­me­de und hat­te mit ihm die Toch­ter Chris­ti­ne So­phie Lui­se. Die­se brach­te Bo­del­schwingh an ih­ren Ehe­mann, den preu­ßi­schen Kam­mer­herrn und seit 1814 Groß­kom­tur der Deutsch­or­dens­ball­ei Ut­recht, Karl Wil­helm von Plet­ten­bergHee­ren, der bei der Hei­rat am 19. Au­gust 1788 den Na­men Plet­ten­berg-Bo­del­schwingh an­nahm. Auf ihn ge­hen wahr­schein­lich der Bau des Gäs­te­hau­ses im Vor­burg­be­reich so­wie der Oran­ge­rie (1945 zer­stört) und des Tee­häus­chens im Schloss­park (auch Bil­lard­häus­chen ge­nannt) zu­rück. Auch das Her­ren­haus er­fuhr im frü­hen 19. Jahr­hun­dert eine Ver­än­de­rung, in­dem sei­ne da­ma­li­gen Kreuz- und Quer­stock­fens­ter durch die heu­ti­gen gro­ßen Fens­ter er­setzt wur­den. Au­ßer­dem ließ der Schloss­herr an der Nord­west-Sei­te des Ge­bäu­des ei­nen über­dach­ten Frei­sitz in den Haus­teich bau­en. Karl Wil­helms Sohn Gis­bert von Bo­del­schwingh-Plet­ten­berg wan­del­te Bo­del­schwingh 1854 ge­mäß dem letz­ten Wil­len sei­ner El­tern in ei­nen Fi­dei­kom­miss um.

Als sich in den 1870er Jah­ren der Berg­bau im Ruhr­ge­biet im­mer wei­ter aus­dehn­te, brach­te dies gleich zwei Schwie­rig­kei­ten für Haus Bo­del­schwingh mit sich. Carl Gis­bert Wil­helm von Bo­del­schwingh-Plet­ten­berg, dem Mar­schall des west­fä­li­schen Land­tags, ge­lang es zwar ge­ra­de noch, die Er­öff­nung ei­ner Ze­che di­rekt vor sei­nem Schloss­grund zu ver­hin­dern, aber der durch den Berg­bau ab­sin­ken­de Grund­was­ser­spie­gel droh­te den Was­ser­stand des Haus­teichs stark ab­fal­len zu las­sen und da­mit die Ei­chen­holz­pfäh­le der Pfahl­rost­grün­dung frei­zu­le­gen. Dies hät­te ei­nen Ver­fall des Jahr­hun­der­te al­ten Hol­zes und so­mit die In­sta­bi­li­tät des Fun­da­ments zur Fol­ge ge­habt. Durch eine Ver­ein­ba­rung mit der Gru­ben­ver­wal­tung 1871 konn­te auch die­se Ge­fahr für das Schloss ge­bannt wer­den. Be­reits 1869 hat­te Karl Gis­bert Wil­helm den Gar­ten­in­spek­tor Mus­kaus, Edu­ard Pet­zold, mit ei­ner Neu­ge­stal­tung des Schloss­parks be­auf­tragt. Pet­zold ver­än­der­te den klei­nen, etwa zwei Hekt­ar gro­ßen Ba­rock­gar­ten zu ei­nem Land­schafts­park.

1888 in den Gra­fen­stand er­ho­ben, ver­erb­te Karl von Bo­del­schwing-Plet­ten­berg den um­fang­rei­chen Fa­mi­li­en­be­sitz an sein ein­zi­ges Kind, die Toch­ter Wil­hel­mi­ne aus der Ehe mit Eu­ge­nie von Quadt-Wy­krath-Hüch­ten­bruck. Sie hat­te 1867 den Reichs­frei­herrn Dodo Alex­an­der zu Inn­hau­sen und Kny­p­hau­sen ge­hei­ra­tet und brach­te das Haus Bo­del­schwingh an die­se aus Fries­land stam­men­de Adels­fa­mi­lie. Das Paar nutz­te das An­we­sen je­doch nicht als Wohn­sitz, son­dern wohn­te auf Haus Dor­loh. Ihr äl­tes­ter Sohn Carl zog nach dem Tod des Groß­va­ters 1907 in Bo­del­schwingh ein und nahm 1908/1909 ers­te Re­stau­rie­run­gen an dem Was­ser­schloss vor. Wäh­rend der Ruhr­be­set­zung 1923/1914 war die An­la­ge 13 Mo­na­te lang von fran­zö­si­schem Mi­li­tär be­legt. Im Zwei­ten Welt­krieg blie­ben die Ge­bäu­de un­ver­sehrt, ob­wohl die nächs­te Um­ge­gend Bo­del­schwinghs durch zahl­rei­che Bom­ben- und Ar­til­le­rie­tref­fer stark in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wur­de. Je­doch kam es ge­gen Kriegs­en­de zu Plün­de­run­gen und Ver­wüs­tun­gen des Hau­ses, bei de­nen vie­le Kunst­ge­gen­stän­de ver­lo­ren gin­gen. We­gen des dar­aus re­sul­tie­ren­den schlech­ten Zu­stands ver­zich­te­ten die eng­li­schen Be­sat­zungs­trup­pen nach Ende des Krie­ges so­gar auf eine Be­le­gung des Schlos­ses. Die nö­ti­gen In­stand­hal­tungs- und Wie­der­her­stel­lungs­maß­nah­men dau­er­ten bis in die 1960er Jah­re. Da­bei wur­de 1952 un­ter an­de­rem der Tee­pa­vil­lon im Gar­ten re­stau­riert.

Beschreibung

Haus Bo­del­schwingh be­steht aus ei­nem Her­ren­haus in­mit­ten ei­nes Haus­teichs so­wie ei­ner süd­west­lich vor­ge­la­ger­ten Vor­burg, die von ei­ner ei­ge­nen Gräf­te be­grenzt wird. Bei­de Ge­bäu­de­kom­ple­xe sind von ei­nem 18 Hekt­ar gro­ßen Schloss­park um­ge­ben, der in sei­nem west­li­chen Be­reich durch die Au­to­bahn 45 in Nord-Süd-Rich­tung durch­schnit­ten wird.

Vorburg

Eine Lin­den­al­lee führt zur Ein­fahrt des Schlos­ses, die von ei­nem mas­si­ven, qua­dra­ti­schen Turm flan­kiert wird. Bei die­sem auch Vogtsturm ge­nann­ten Bau han­delt es sich wahr­schein­lich um ei­nen Wohn­turm, den die Her­ren von Bo­del­schwingh be­wohn­ten, ehe sie in das neu er­rich­te­te Zwei­raum­haus um­zo­gen. Der Turm wäre so­mit das äl­tes­te Bau­werk der ge­sam­ten Schloss­an­la­ge und war viel­leicht ur­sprüng­lich von ei­nem Erd­hü­gel und ei­nem ei­ge­nen Was­ser­gra­ben um­ge­ben. Sei­ne bei­den un­te­ren Ge­schos­ses zei­gen ver­mut­lich spät­mit­tel­al­ter­li­ches Bruch­stein­mau­er­werk, wäh­rend das zwei­te Ober­ge­schoss aus Back­stein er­rich­tet ist. In letz­te­rem be­fin­det sich der eins­ti­ge Hoch­ein­gang. Dar­über er­hebt sich ein aus­kra­gen­des vier­tes Fach­werk­ge­schoss aus Ei­chen­holz, das in sei­ner heu­ti­gen Form aus dem 18. Jahr­hun­dert stammt. Den obe­ren Ab­schluss des Baus bil­det ein Py­ra­mi­den­dach mit Dach­rei­ter.

Die eins­ti­gen Wirt­schafts­ge­bäu­de der An­la­ge, un­ter an­de­rem die ehe­ma­li­ge Ren­tei, grup­pie­ren sich huf­ei­sen­för­mig um ei­nen längs­recht­ecki­gen Bin­nen­hof. Des­sen süd­west­li­che Schmal­sei­te wird von ei­nem Ge­bäu­de be­grenzt, das im Kern aus dem 18. Jahr­hun­dert stammt. Sei­ne gro­ßen Tor­ein­fahr­ten ver­deut­li­chen sehr gut sei­ne eins­ti­ge land­wirt­schaft­li­che Ver­wen­dung. An der nörd­li­chen Ecke des Vor­burg­ge­län­des fin­det sich das 1829 er­rich­te­te Gäs­te­haus im stren­gen Ber­li­ner Klas­si­zis­mus wie er von Karl Fried­rich Schin­kel ge­prägt wur­de. Sei­ne Mit­tel­ri­sa­li­te sind von Halb­ge­schos­sen über­höht und be­sit­zen brei­te Li­se­nen als ver­ti­ka­le Glie­de­rung. In den 1980er Jah­ren wur­den sämt­li­che Vor­burg­ge­bäu­de mo­der­ni­siert und zu Miet­woh­nun­gen so­wie Ge­schäfts­räu­men um­ge­wan­delt.

Herrenhaus

Vom Vor­burg­ge­län­de führt eine drei­bo­gi­ge Bo­gen­brü­cke zum Her­ren­haus der An­la­ge. Sie zeigt die Wap­pen Gis­berts III. von Bo­del­schwingh und sei­ner Frau Ka­tha­ri­na von der Re­cke und wur­de ent­spre­chend nach der Hei­rat des Paa­res 1605 er­rich­tet. Ihr letz­tes Stück di­rekt vor dem Por­tal des Ge­bäu­des war ur­sprüng­lich ein­mal ein be­weg­li­ches Zug­brü­cken­teil, ist heu­te aber durch ein fes­tes, ge­mau­er­tes Stück er­setzt.

Das Her­ren­haus ist ein zwei­ge­schos­si­ger Bau mit Eck­qua­de­run­gen, der in ei­nem gro­ßen Haus­teich auf ei­nem Pfahl­rost aus Ei­chen­holz steht. Es hat im Gro­ßen und Gan­zen sein Er­schei­nungs­bild des 16./17. Jahr­hun­derts er­hal­ten. Sein Misch­mau­er­werk wur­de aus Back- so­wie Werk­stei­nen er­rich­tet und ist weiß ver­putzt. Das Ge­bäu­de be­steht aus zwei Flü­geln un­ter­schied­li­chen Al­ters, in de­ren Win­kel ein schlan­ker, po­ly­go­na­ler Tor- und Trep­pen­turm mit acht­ecki­gem, spit­zen Helm steht. Sein Por­tal zeigt sich in neo­ba­ro­cken For­men und re­sul­tiert aus ei­ner Ver­än­de­rung im Jahr 1909. Dar­über fin­det sich eine Stein­plat­te mit der Jah­res­zahl 1565 und den Wap­pen Wen­ne­mars II. von Bo­del­schwingh so­wie sei­ner zwei­ten Frau Isa­bel­la Eli­sa­beth von Wach­ten­donk. Im In­ne­ren des Trep­pen­turms be­fin­det sich eine Spin­del­trep­pe, die in das Ober­ge­schoss führt. Der Turm ist al­lem An­schein nach nie voll­stän­dig fer­tig­ge­stellt wor­den, son­dern wur­de kurz nach sei­ner Er­rich­tung vier­eckig um­man­telt und im ers­ten Ober­ge­schoss mit ei­ner qua­dra­ti­schen Kam­mer aus­ge­stat­tet, die über eine Trep­pe in der Mau­er­stär­ke er­reich­bar war. Süd­lich ne­ben dem Turm fin­det sich eine ein­ge­schos­si­ge Aus­lucht, von de­ren ehe­ma­li­gem Er­ker die Kon­trol­le der Zu­gangs­brü­cke mög­lich war.

Eine Tür im Stil des Ma­nie­ris­mus führt im Erd­ge­schoss vom Ein­gangs­turm zu den Wohn­räu­men, die sich in zwei recht­win­ke­lig an­ein­an­der­sto­ßen­den Trak­ten be­fin­den. Der äl­te­re von bei­den im heu­ti­gen nord­west­li­chen Teil des Hau­ses ent­stand aus ei­nem recht­ecki­gen Wohn­bau aus der Zeit um 1300, der im Erd­ge­schoss mit ei­nem zu je­ner Zeit üb­li­chen Flä­chen­ver­hält­nis von 2:1 in ei­nen Saal und eine Saal­kam­mer auf­ge­teilt war. Im Saal steht heu­te der so­ge­nann­te Kam­by­ses-Ka­min aus der Zeit zwi­schen 1547 und 1583. Sei­nen Na­men be­sitzt er auf­grund ei­nes Ge­rech­tig­keits­bil­des in Form ei­nes ova­len Re­li­efs in sei­nem Sturz aus grü­nem Sand­stein. Es stellt He­ro­dots Kam­by­ses-Ge­schich­te dar, in wel­cher der per­si­sche Kö­nig sei­nen kor­rup­ten Rich­ter Sis­am­nes bei le­ben­di­gem Leib häu­ten ließ, um mit die­ser Haut als Mah­nung den Rich­ter­stuhl sei­nes Nach­fol­gers zu be­span­nen. Rechts und links ne­ben dem Re­li­ef fin­den sich die Wap­pen Wen­ne­mars II. und sei­ner Frau Isa­bel­la Eli­sa­beth aus gelb­lich-wei­ßem Sand­stein. An den Schmal­sei­ten des Rauch­kas­tens be­sitzt der Ka­min voll­plas­ti­sche Büs­ten in Me­dail­lon­form, die ei­nen be­krön­ten Mann und eine Frau dar­stel­len. Un­ter dem Saal be­fin­det sich die äl­tes­te Kel­ler­par­tie. Dort tra­gen ge­mau­er­te Rund­pfei­ler ein drei­jochi­ges Band­rip­pen­ge­wöl­be. Die be­nach­bar­ten Kel­ler­räu­me be­sit­zen Kreuz­grat- und Ton­nen­ge­wöl­be jün­ge­ren Da­tums.

An der West- und Ostecke des Her­ren­hau­ses ste­hen qua­dra­ti­sche Pa­vil­lon­tür­me mit Wel­schen Hau­ben. Der Ost­turm stammt in et­was aus der glei­chen Zeit wie der jün­ge­re der bei­den Her­ren­haus­trak­te. im Kel­ler­ge­schoss weist er Schieß­schar­ten mit schrä­gen Ge­wän­den auf. Der west­lich Eck­turm kann heu­te nicht mehr da­tiert wer­den, denn er war 1871 ein­ge­stürzt und wur­de an­schlie­ßend nach dem Vor­bild des Ost­turms neu auf­ge­mau­ert. Die ver­schie­de­nen Ge­bäu­de­tei­le sind un­ter ho­hen, schie­fer­ge­deck­ten Sat­tel­dä­chern mit Fle­der­maus­gau­ben ge­fasst. Ihre für die Re­nais­sance ty­pi­schen Schweif­gie­bel be­sit­zen Ku­ge­lauf­sät­ze und Ge­sim­se aus Sand­stein. Auf den Turm­dä­cher und Schorn­stei­nen ste­hen Wet­ter­fah­nen.

Schlosspark und Familienbegräbnis

Die Wur­zeln des heu­ti­gen Schloss­parks rei­chen bis min­des­tens ins 18. Jahr­hun­dert zu­rück. Zeu­gen da­für sind drei stark ver­wit­ter­te Gar­ten­skulp­tu­ren auf der Ra­sen­flä­che des Vor­burg­hofs, wie sie in ba­ro­cken Gar­ten­par­terres üb­lich wa­ren. Der Schloss­gar­ten lag frü­her nord­west­lich des Her­ren­haus­teichs und ist in sei­ner Grund­dis­po­si­ti­on nur noch grob zu er­ah­nen. Au­ßer­dem ge­hör­ten ein Fisch­teich, ein Eis­kel­ler und ein Kü­chen­gar­ten zu den Au­ßen­an­la­gen des Schlos­ses. Er­reich­bar ist die­ser Teil über eine stei­ner­ne Gar­ten­trep­pe mit den Wap­pen Gis­bert Bern­hards von Bo­del­schwing und sei­ner Frau Anna von Bern­sau. Auf de­ren Ge­län­der ste­hen drei Put­ten aus Stein­guss, die drei Jah­res­zei­ten dar­stel­len. Eine vier­te, den Win­ter ver­kör­pern­de Fi­gur wur­de vor ei­ni­gen Jah­ren ge­stoh­len. Um 1800 wur­den Ver­än­de­run­gen am Gar­ten vor­ge­nom­men. Dazu zähl­te die Er­rich­tung ei­nes Tee­häus­chens und die In­stal­la­ti­on ei­ner auf kan­ne­lier­ten Säu­len ru­hen­den Son­nen­uhr aus Ei­sen. Die­se ist durch Van­da­lis­mus nur noch in Res­ten er­hal­ten, eben­so wie Va­sen, de­ren Scher­ben noch in der ent­spre­chen­den Park­par­tie zu fin­den sind. Ein vor dem Tee­pa­vil­lon ste­hen­der Spring­brun­nen ist heu­te voll­kom­men ver­schwun­den, das Tee­häus­chen wur­de 1984 durch Brand­stif­tung zer­stört. Ein heu­te ver­mau­er­tes Gar­ten­tor im nord­öst­li­chen Be­reich der Gar­ten­mau­er zeigt die For­men­spra­che der Re­nais­sance. Es stand am Be­ginn ei­nes ge­rad­li­ni­gen We­ges, der den Ba­rock­gar­ten der Län­ge nach teil­te und im Wes­ten in eine heu­te noch exis­tie­ren­de Ahorn­al­lee mün­de­te. Sie führ­te zum Fa­mi­li­en­be­gräb­nis, das um 1802 im Bo­del­schwing­her Wald an­ge­legt wur­de. Über der Gruft steht ein acht­ecki­ger Mo­n­op­te­ros im klas­si­zis­ti­schen Stil. Kan­ne­lier­te tos­ka­ni­sche Säu­len tra­gen ein Ar­chi­trav und dar­über ein schie­fer­ge­deck­tes Kup­pel­dach. Der Front­gie­bel zeigt den Schrift­zug „Tem­pel der Ruhe“. Mit­tig im Tem­pel steht ein run­der Grab­al­tar, des­sen Re­li­ef hän­gen­de Tü­cher an­deu­tet. Seit der Schloss­park durch die Au­to­bahn 45 durch­schnit­ten wird, ist das Fa­mi­li­en­be­gräb­nis vom üb­ri­gen Schloss­ensem­ble durch den Au­to­bahn­wall ge­trennt.

Das heu­ti­ge Aus­se­hen des Bo­del­schwing­her Parks geht auf eine Um­ge­stal­tung in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts un­ter Edu­ard Pet­zold zu­rück. Er leg­te ei­nen Land­schafts­gar­ten an und band den bis da­hin exis­tie­ren­den ba­ro­cken Gar­ten land­schaft­lich ver­än­dert mit ein. Über 150 ver­schie­de­ne Ge­höl­z­ar­ten ließ Pet­zold sei­ner­zeit pflan­zen, dar­un­ter auch ei­ni­ge So­li­tä­re, die heu­te Na­tur­denk­ma­le sind.

Schloss­teich und Gräf­te Bo­del­schwinghs wer­den durch den Bo­del­schwing­her Bach ge­speist, der in al­ten Kar­ten auch als Müh­len­bach be­zeich­net wur­de. Der alte Name deu­tet auf die seit dem 15. Jahr­hun­dert exis­tie­ren­den Schloss­müh­le hin, die heu­te noch nord­öst­lich des Herr­hau­ses steht.

Fotostrecke Schloss Bodelschwingh

Lage des Schloss Anholt

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