Schloss Assen

Haus Assen um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Haus As­sen um 1860,
Samm­lung Alex­an­der Duncker

Haus As­sen ist ein Was­ser­schloss im Stil der Lip­pe­re­nais­sance in Lipp­borg, ei­nem Orts­teil der Ge­mein­de Lip­pe­tal im Kreis Soest (Nord­rhein-West­fa­len).

Geschichte

Die be­reits im 11. Jahr­hun­dert be­stehen­de „Borch to As­sen“ ge­hör­te zum Amts­hof Hon­sel an der Lip­pe, den Kai­ser Hein­rich II. 1023 dem Ab­ding­hof­klos­ter in Pa­der­born schenk­te. 1384 er­hielt Rött­ger von Ket­te­ler die Burg als Le­hen. Der Be­sitz wur­de 1455 ge­teilt. 1564 bau­te Lau­renz von Brachum im Auf­trag von Gos­win von Ket­te­ler das süd­lich der Burg ge­le­ge­ne Haus Neu-As­sen; sein Bru­der leb­te in der al­ten Burg. Die Ge­bäu­de wur­den spä­ter mit­ein­an­der ver­bun­den. Ende des 16. Jahr­hun­derts wur­den die ge­trenn­ten Be­sit­zun­gen ver­eint, als Kon­rad von Ket­te­ler Odi­lia von Ket­te­ler hei­ra­te­te. Das Erbe aus der kin­der­los ge­blie­be­nen Ehe ging an Odi­li­as Schwes­ter Eva, die Gos­win von Ket­te­ler zu Ho­ve­stadt ge­hei­ra­tet hat­te. Nächs­te Er­bin war Gos­wins Schwes­ter, ver­hei­ra­tet mit Gott­fried von Heyden. Nach­dem Erb­strei­tig­kei­ten nicht bei­ge­legt wer­den konn­ten, kauf­te Hein­rich von Ga­len, un­ter­stützt von sei­nem Bru­der Chris­toph Bern­hard von Ga­len das An­we­sen und be­zog Haus As­sen 1653. Chris­toph Bern­hard von Ga­len, Fürst­bi­schof von Müns­ter, woll­te mit sei­nem Bru­der ei­nen Ver­trau­ten an der Süd­gren­ze sei­nes Ter­ri­to­ri­ums wis­sen. Nach­dem der As­se­ner Zweig der Fa­mi­lie aus­ge­stor­ben war, über­nahm der aus Din­kla­ge stam­men­de Cle­mens Au­gust Graf von Ga­len (1748–1820) Haus As­sen. Das Schloss war ab 1850 zwei­ter Wohn­sitz der Fa­mi­lie ne­ben Burg Din­kla­ge, dem heu­ti­gen Klos­ter Burg Din­kla­ge. Mat­thi­as Graf von Ga­len (1800–1878), Schwa­ger des Main­zer So­zi­al­bi­schofs Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler, und sei­ne Frau er­neu­er­ten Haus As­sen von Grund auf und bau­ten im Jahr 1858 die neo­go­ti­sche Schloss­ka­pel­le. Haus As­sen blieb bis 1997 im Be­sitz der Fa­mi­lie.

Nach der Kri­se des Bank­hau­ses Schrö­der, Münch­mey­er, Hengst & Co. (SMH) im Jah­re 1983 sah sich der per­sön­lich haf­ten­de Frank­fur­ter Pri­vat­ban­kier Fer­di­nand Graf von Ga­len Ende 1984 ge­zwun­gen, das Haus sei­nem Va­ter zu über­tra­gen und sei­ne zum Haus As­sen ge­hö­ren­den Wäl­der und Wie­sen für 32 Mil­lio­nen Mark (so be­rich­te­te da­mals der Spie­gel) an den Fleisch­groß­händ­ler Alex­an­der Mok­sel und des­sen Ehe­frau An­to­nie zu ver­kau­fen. Mit dem Aus­ver­kauf sei­nes west­fä­li­schen Stamm­sit­zes, der seit 1653 im Be­sitz der Fa­mi­lie ge­we­sen war, konn­te der Ban­kier sei­ne Pri­vat­schul­den til­gen. 1997 schenk­te das da­ma­li­ge Ober­haupt der eins­ti­gen west­fä­li­schen Gra­fen­fa­mi­lie von Ga­len, Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­len (1907–2002), der nach dem Tod sei­ner Frau al­lei­ne auf dem Schloss leb­te, sei­nen Wohn­sitz der Or­dens­ge­mein­schaft Die­ner Jesu und Ma­ri­ens (SJM). Sei­ne Ent­schei­dung be­grün­de­te er so: „Mei­ne Frau ist be­reits 1992 ge­stor­ben, mei­ne Kin­der sind längst er­wach­sen und nicht dar­an in­ter­es­siert, Haus As­sen zu über­neh­men und wei­ter­zu­füh­ren. Der Auf­wand für die Er­hal­tung und die Er­neue­rung ist groß. Und ich woh­ne hier al­lei­ne in dem gro­ßen Ge­bäu­de. […] Ich dach­te des­halb dar­an, ir­gend­ei­ne ka­tho­li­sche In­sti­tu­ti­on zu fin­den, die Haus As­sen an­ge­mes­sen be­nut­zen kann, aber auch die da­mit ver­bun­de­nen Las­ten über­neh­men will.“ Durch sei­ne Toch­ter Jo­han­na Grä­fin von West­pha­len, Eh­ren­prä­si­den­tin der von den SJM geist­lich be­treu­ten Ka­tho­li­schen Pfad­fin­der­schaft Eu­ro­pas (KPE), kam von Ga­len mit der 1988 ge­grün­de­ten Or­dens­ge­mein­schaft in Kon­takt und über­gab ihr 1997 Haus As­sen. 1949 hat­te er be­reits ei­nen wei­te­ren Stamm­sitz der Fa­mi­lie, die Burg Din­kla­ge im Ol­den­bur­ger Müns­ter­land, dem Or­den der Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen über­ge­ben.

SJM-Kolleg Haus Assen

Die Kon­gre­ga­ti­on be­trieb von 1997 bis 2016 in dem Was­ser­schloss mit dem Kol­leg Kar­di­nal von Ga­len ein In­ter­nat für Jun­gen, das nach Chris­toph Bern­hard Graf von Ga­lens On­kel Cle­mens Au­gust Graf von Ga­len be­nannt war. Bis 2012 stand es un­ter Lei­tung von Pa­ter Ra­pha­el von Can­stein. Das Kol­leg soll­te ur­sprüng­lich zum Gym­na­si­um aus­ge­baut wer­den, was je­doch im De­zem­ber 2005 an der Ver­wei­ge­rung der Ge­neh­mi­gung durch das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um von Nord­rhein-West­fa­len schei­ter­te. Der Schul­un­ter­richt für die Be­woh­ner des Kol­legs wurde3 da­her un­ab­hän­gig von der Or­dens­ge­mein­schaft au­ßer­halb des Schlos­ses in ei­nem Gym­na­si­um in Beck­um er­teilt.

Zum Ju­bi­lä­um des zehn­jäh­ri­gen Be­stehens der Ein­rich­tung wur­de am 8. Sep­tem­ber 2007 im In­nen­hof des Was­ser­schlos­ses ein Denk­mal des Na­mens­ge­bers Kar­di­nal von Ga­len ein­ge­weiht. Die Bron­ze­skulp­tur des Köl­ner Bild­hau­ers El­mar Hil­le­brand stellt den Kar­di­nal sit­zend mit den Ma­nu­skrip­ten sei­ner Pre­dig­ten aus dem Jahr 1941 dar.

Am 22. Ja­nu­ar 2016, ei­nen Tag nach dem Tod Grä­fin von West­pha­lens, kün­dig­te Pa­ter Paul Schin­de­le als Ge­ne­ral­obe­rer der SJM die Schlie­ßung des In­ter­nats zu Be­ginn der Som­mer­fe­ri­en an. Es sei nicht ge­lun­gen, aus­rei­chend Schü­ler für ei­nen wei­te­ren Be­trieb des In­ter­nats zu ge­win­nen; die Schü­ler­zahl sei von ehe­mals 17 Per­so­nen auf 10 ge­fal­len. Das Ge­bäu­de sol­le aber bau­lich sa­niert und wei­ter­hin von den SJM ge­nutzt wer­den. Für die Re­pa­ra­tur des Da­ches wur­de ein Be­trag von mehr als 250.000 € ver­an­schlagt. Im Som­mer 2016 wur­de das In­ter­nat wie an­ge­kün­digt ge­schlos­sen.

Fotostrecke Schloss Assen

Lage des Schloss Assen

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