Roëll (Adelsgeschlecht)

Wappen der Roëll

Wap­pen der Roëll

Roëll, auch Rö­ell, Roehl bzw. Röhl, ist der Name ei­nes aus West­fa­len stam­men­den Ge­schlechts, das dort in der Graf­schaft Mark, spä­ter auch in Schle­si­en be­gü­tert war und in den Nie­der­lan­den be­gü­tert ist und aus dem zahl­rei­che preu­ßi­sche Of­fi­zie­re und nie­der­län­di­sche Of­fi­zie­re und Staats­män­ner her­vor­gin­gen. Zwei­ge der Fa­mi­lie be­stehen bis heu­te fort.

Geschichtliches

Als ur­sprüng­li­che Her­kunft des west­fä­li­schen Ge­schlechts wur­de frü­her El­saß oder Schwe­den ver­mu­tet.

Es be­ginnt die si­che­re Stamm­rei­he mit dem 1573 ur­kund­li­chen Ja­cob Roëll (Ru­ell, Rueil), Bür­ger und Apo­the­ker in Dort­mund.

Sein Sohn Jo­hann Roëll (* 1594 oder 1599; † 1656), war erst in hes­si­sche Mi­li­tär­diens­te ge­tre­ten und war seit 1642 in kur­bran­den­bur­gi­schen. Als Oberst der Ka­val­le­rie er­warb er 1647 das Rit­ter­gut Döl­berg bei Lü­nern und trat mit sei­ner Des­zen­denz in den Land­adel über. Be­reits vor­her war er we­gen sei­ner ge­leis­te­ten Diens­te von sei­nem Fürs­ten, dem „Gro­ßen Kur­fürs­ten“ Fried­rich Wil­helm, mit der Steu­er­frei­heit sei­nes Gu­tes Wi­cke­b­rock (Wie­de­burg) be­lehnt wor­den. Sein To­ten­schild von 1656 be­fin­det sich in der Kir­che zu Lü­nern. Ver­hei­ra­tet war er in ers­ter Ehe mit Cla­ra Bo­ckel­man, in zwei­ter Ehe mit Eli­sa­beth Brüg­ge­mann († 1655). Gut Döl­berg ver­blieb bis zum Ende des 19. Jahr­hun­derts Fa­mi­li­en­fi­dei­kom­miss.

Deutsche Linie

Jo­hann Roëll zu Döl­bergs († 1656) äl­tes­ter Sohn war Jo­hann Ja­kob von Roëll zu Döl­berg (* um 1640, † 21. Fe­bru­ar 1682 zu Haus Nier­ho­fen). Ihm soll von Kai­ser Leo­pold I. der Reichs­frei­herrn­stand ver­lie­hen wor­den sein. Von Ihm stammt die deut­sche Li­nie ab. Er hat­te am 28. März 1663 zu Der­ne Ma­ria Göd­de von dem Brinck (* um 1631, † 4. Fe­bru­ar 1715), Er­bin von Nier­ho­fen, die Toch­ter des Jo­hann von dem Brinck, ge­hei­ra­tet. Ein of­fen­bar gleich­na­mi­ger Sohn soll 1709 als Haupt­mann in der Schlacht bei Mal­plaquet ge­fal­len sein.

Ein Er­neue­rungs­di­plom des der Fa­mi­lie zu­ste­hen­den al­ten Adels er­hiel­ten zu Kö­nigs­berg in Preu­ßen am 5. Juni 1798 von Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. die Brü­der Ar­nold Lud­wig, preu­ßi­scher Stabs­ka­pi­tän im Fü­si­lier­ba­tail­lon „von Yorck“, und Ernst An­dre­as (Au­gust) Roehl, preu­ßi­scher Leut­nant der Feld­ar­til­le­rie, un­ter der An­nah­me, dass die­se aus West­fa­len stam­men­den Brü­der dem hier be­han­del­ten Ge­schlech­te an­ge­hör­ten, wo­für ihr Wap­pen (im ge­spal­te­nen Schild Ad­ler vorn und ge­schräg­te Äste hin­ten) eben ge­ra­de nicht spricht und so ord­net sie das GHdA-Adels­le­xi­kon, Band XI (2000) auch in ein se­pa­ra­tes Ge­schlecht. Der eine Bru­der, Ar­nold Lud­wig von Röhl, starb 1813 als Ma­jor und Ba­tail­lons­kom­man­deur in der deutsch-rus­si­schen Le­gi­on. Sein Bru­der Ernst An­dre­as von Röhl ver­starb 1830 zu Bres­lau als Ge­ne­ral­ma­jor und hin­ter­ließ ei­nen Sohn, Karl von Roehl. Die­ser stieg in der preu­ßi­schen Ar­mee bis zum Ge­ne­ral­leut­nant und Kom­man­dant von Kö­nigs­berg auf. Die­se Fa­mi­lie be­saß zu Be­ginn des 18. Jahr­hun­derts erb- und ei­gen­tüm­lich die Burg Salz­we­del.

Meh­re­re aus die­sem hier ei­gent­lich be­han­del­ten Ge­schlecht stam­men­den Mit­glie­der ge­lang­ten in der preu­ßi­schen Ar­mee zu hö­he­ren mi­li­tä­ri­schen Äm­tern. So ist über­lie­fert, dass Fried­rich Alex­an­der von Roehl 1745 in ei­nem Tref­fen bei Mei­ßen im 69. Le­bens­jahr als Ge­ne­ral­leut­nant ei­nes Dra­go­ner­re­gi­men­tes fiel, Chris­toph Mo­ritz von Roehl wur­de Kom­man­deur ei­nes Hu­sa­ren­re­gi­men­tes und war spä­ter bis 1797 preu­ßi­scher Ge­ne­ral­ma­jor.

Der Ur­en­kel Fried­rich Al­brecht des in kur­bran­den­bur­gi­sche Diens­te ge­tre­te­nen Jo­hann Roëll zu Döl­berg fiel als Ma­jor 1757 in der Schlacht von Prag und wur­de in der Klos­ter­kir­che St. Mar­ga­re­ta bei Prag bei­gesetzt. Sein Sohn war Adel­hard Ru­le­mann Frei­herr von Roëll († 1819 zu Gum­bin­nen), der meh­re­re Jah­re das Rit­ter­gut Kat­tern bei Bres­lau be­saß. Des­sen äl­tes­ter Sohn war Fried­rich Wil­helm Adel­hard Theo­dor Gus­tav Frei­herr von Roëll, preu­ßi­scher Pre­mier­leut­nant a. D. zu Bres­lau, der am 1. Mai 1836 zu Co­sel Eu­ge­nie Ma­rie Eleo­no­re von Jean­ne­ret, Ba­ro­nes­se von Beau­fort, hei­ra­te­te. Der Ehe ent­stamm­te der am 19. Fe­bru­ar 1837 zu Co­sel ge­bo­re­ne Jean Lou­is Adel­hard Frei­herr von Roëll, der nach­ma­li­ge Vor­stand die­ser Li­nie.

Fel­len­dorf war ein Gut sei­nes Groß­on­kels, des preu­ßi­schen Ge­ne­ral­ma­jors Chris­toph Mo­ritz Frei­herr von Roëll (* 11. No­vem­ber 1711; † 27. April 1797), des­sen Sohn Fried­rich Ernst Chris­toph Fer­di­nand von Roëll (* 30. No­vem­ber 1767; † 1830) Land­rat des Treb­nit­zer Krei­ses und Erb­herr auf Klein- und Groß Rei­chen im Land­kreis Lü­ben war. Je­ner war seit 1790 mit Lui­se Frie­de­ri­ke Wil­hel­mi­ne, der Toch­ter des Ge­ne­ral­leut­nants Fried­rich Au­gust von Er­lach, ver­hei­ra­tet.

Paul von Roëll (1850–1917) be­grün­de­te 1880 die Deut­sche Adels­ge­nos­sen­schaft und 1883 das Deut­sche Adels­blatt. Er be­müh­te sich um die An­er­ken­nung des Frei­her­ren­ti­tels für die preu­ßi­sche re­spek­ti­ve deut­sche Li­nie sei­nes Ge­schlechts. Mehr­fach konn­te ihm nach­ge­wie­sen wer­den, dass er un­rich­ti­ge bzw. ge­schön­te An­ga­ben ge­macht hat­te, um sich und sei­ne Fa­mi­lie gut dar­zu­stel­len. Das preu­ßi­sche He­rolds­amt in Ber­lin fäll­te hier­über am 11. April 1903 das end­gül­ti­ge Ur­teil, das die Füh­rung des Frei­her­ren­ti­tels un­ter­sag­te.

Niederländische Linie

Jo­hann Roëll zu Döl­bergs († 1656) jün­ge­rer Sohn war Her­mann Alex­an­der Roëll († 1718), nie­der­län­di­scher re­for­mier­ter Theo­lo­ge und Phi­lo­soph. Von ihm stammt die nie­der­län­di­sche Li­nie ab und durch sei­nen äl­tes­ten En­kel Jo­han­nes Fre­de­rik auch ein adels­recht­lich nicht le­gi­ti­mier­ter Zweig in Bel­gi­en.

Nie­der­län­di­sche Adels­an­er­ken­nun­gen er­folg­ten 1817, 1818, 1836, 1886 und 1892.

Das nie­der­län­di­sche Ba­ro­nat (pri­mo­ge­ni­tur) er­hielt

  • am 9. Juli 1819 Mag. jur. Jon­kheer Wil­lem Fre­de­rik Rö­ell, nie­der­län­di­scher Vor­sit­zen­der der Ers­ten Kam­mer der Ge­ne­ral­staa­ten, vor­mals Au­ßen- und In­nen­mi­nis­ter
  • 1874 Mag. jur. Jon­kheer Her­man Hen­drik Rö­ell, Ku­ra­tor der Uni­ver­si­tät Ut­recht

Wappen

Das Stamm­wap­pen zeigt in Gold ei­nen auf­ge­rich­te­ten schwar­zen Bä­ren mit (sil­ber­nem Hals­band). Auf dem mit Helm mit schwarz-gol­de­nen Helm­de­cken sie­ben ab­wech­selnd schwarz und gol­de­ne Strau­ßen­fe­dern, als Va­ri­an­te ein wach­sen­der schwar­zer Bär mit sil­ber­nem Hals­band.

Das Wap­pen ei­ner deut­schen Fa­mi­lie Röhl, die sich ei­gen­mäch­tig (und ohne eine Nicht­be­an­stan­dung des Deut­schen Adels­rechts­aus­schus­ses) „Ba­ron von Röhl“ nennt, wur­de 2006 in der Deut­schen Wap­pen­rol­le des He­rold un­ter DWR 11007/06 ein­ge­tra­gen und re­gis­triert. Es zeigt ei­nen im gol­de­nen Schild­haupt schrei­ten­den rot-be­wehr­ten und – ge­zungten schwar­zen Bä­ren, in Rot drei (zwei zu eins ge­stell­te) drei­blätt­ri­ge gol­de­ne Ei­chen­zwei­ge mit je zwei Ei­cheln. Auf dem mit ei­ner gol­de­nen Helm­kro­ne und rot-gol­de­ner Helm­de­cke be­leg­ten Topf­helm ein wach­sen­der rot-be­wehr­ter und -ge­zungter schwar­zer Bär, mit den Pran­ken ein ge­sti­el­tes gol­de­nes Ei­chen­blatt mit zwei Ei­cheln hal­tend.

Angehörige

Stamm Dort­mund

  • Jo­hann von Roell (1599–1656), ∞ Eli­sa­beth Brüg­ge­mann († 1655)
    • Jo­hann Ja­kob von Roëll († 1682), ∞ Ma­rie von dem Brink a.d.H. Nier­ho­ven
      • Fried­rich Alex­an­der von Röhl (1676–1745), preu­ßi­scher Ge­ne­ral­leut­nant
        • Chris­toph Mo­ritz von Röhl (1713–1797), preu­ßi­scher Ge­ne­ral­ma­jor
    • Her­mann Alex­an­der Rö­ell (1653–1718), nie­der­län­di­scher re­for­mier­ter Theo­lo­ge und Phi­lo­soph
      • Wil­lem Rö­ell (1700–1775), nie­der­län­di­scher Pro­fes­sor der Ana­to­mie
        • Ni­co­l­a­as Wil­lem Rö­ell (1736–1796)
          • Wil­lem Fre­de­rik Rö­ell (1767–1835), nie­der­län­di­scher Vor­sit­zen­der der Ers­ten Kam­mer der Ge­ne­ral­staa­ten, vor­mals Au­ßen- und In­nen­mi­nis­ter

(…)

  • Her­man Hen­drik Rö­ell, Ku­ra­tor der nie­der­län­di­schen Uni­ver­si­tät Ut­recht
  • Paul von Roëll (1850–1917), preu­ßi­scher Land­rat von Me­se­ritz, be­grün­de­te 1880 die Deut­sche Adels­ge­nos­sen­schaft und 1883 das Deut­sche Adels­blatt, des­sen drei ers­te Jahr­gän­ge er 1883–86 als Haupt­schrift­füh­rer her­aus­gab
  • Wil­lem Rö­ell (1873–1958), Ober­be­fehls­ha­ber der nie­der­län­di­schen Ar­mee
  • Wichart von Roëll (* 1937), deut­scher Schau­spie­ler.

Stamm Bie­le­feld

  • Ar­nold Lud­wig von Röhl († 1813), Ma­jor und Ba­tail­lons­kom­man­deur in der Rus­sisch-Deut­schen Le­gi­on, und sein Bru­der
  • Ernst An­dre­as von Röhl (1761–1830), preu­ßi­scher Ge­ne­ral­ma­jor, ge­hö­ren nach dem GHdA-Adels­le­xi­kon (2000) nicht zum Ge­schlecht, al­ler­dings wur­de das 1798 bei der Er­tei­lung ih­rer preu­ßi­schen
    Adels­er­neue­rung an­ge­nom­men.
    • Karl von Roehl (1795–1885), preu­ßi­scher Ge­ne­ral­leut­nant
      • Karl von Roehl (1819–1891), preu­ßi­scher Ge­ne­ral­leut­nant
    • Jo­hann Ernst Gus­tav von Roehl (1799–1867), preu­ßi­scher Ge­ne­ral der In­fan­te­rie
      • Ernst Karl Gus­tav Wil­helm von Roehl (1825–1881), preu­ßi­scher Ma­jor; For­scher auf dem Ge­biet der Pa­läo­bo­ta­nik

Stamm Stral­sund

  • Der 1912 ge­adel­te Ma­xi­mi­li­an von Roehl (1853–1922), preu­ßi­scher Ge­ne­ral der Ar­til­le­rie, ge­hört nicht zum Ge­schlecht.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Roëll (Adels­ge­schlecht) aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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