Oberstift Münster

Das Ober­stift Müns­ter war der süd­li­che Teil des Fürst­bis­tums Müns­ter, zu­sam­men mit dem Nie­der­stift bil­de­te es das Hoch­stift Müns­ter mit dem Bi­schofs­sitz in Müns­ter. Das Ober­stift ist der Ur­sprung der heu­ti­gen Re­gi­on des Müns­ter­lan­des. Des­sen Gren­zen, von der Lip­pe bis zur Ems, be­schrei­ben da­her in etwa die Aus­deh­nung des Ober­stifts. Als ter­ri­to­ria­le Ein­heit wur­de es im 13. Jahr­hun­dert durch die Müns­te­ra­ner Fürst­bi­schö­fe mit­tels ver­schie­de­ner Stadt­grün­dun­gen kon­so­li­diert.

Oberstift Münster: Voraussetzungen in Westfalen

Ne­ben der Reichs­stadt Dort­mund, der ein­zi­gen in West­fa­len, gab es nur in Pa­der­born ei­nen kö­nig­li­chen Hof. Müns­ter und das Müns­ter­land wa­ren, mit we­ni­gen per­so­na­len Aus­nah­men wie dem Bi­schof Her­mann II. von Kat­zeneln­bo­gen, kö­nigs­fern, deut­sche Kö­ni­ge zo­gen meis­tens auf dem Hell­weg und am öst­li­chen Müns­ter­land vor­bei in den Nor­den. Im 12. Jahr­hun­dert lag die vom Kai­ser Lo­thar III. noch fest un­ter säch­si­schem Her­zogs­ver­band ste­hen­den Bis­tü­mer (Müns­ter wur­de 1121 un­ter­wor­fen) am Ran­de des Ein­fluss­ge­biets Hein­richs des Lö­wen. Im All­ge­mei­nen wur­den sie in ih­rer Ent­wick­lung ver­nach­läs­sigt, denn es kam, an­ders als im ost­fä­li­schen und wen­di­schen Ge­biet nicht zu Stadt­grün­dun­gen und Lan­des­er­schlie­ßung: „Die Städ­te­po­li­tik Hein­richs des Lö­wen […] wirkt in West­fa­len of­fen­sicht­lich nur als Brem­se ge­gen eine selb­stän­di­ge Städ­te­po­li­tik der em­por­stre­ben­den, aber von ihm im Zau­ne ge­hal­te­nen Fürs­ten und klei­ne­ren Dy­nas­ten.“ Nach sei­nem Sturz 1180 kommt es zu ei­nem ‚Auf­blü­hen‘ West­fa­lens mit ei­ner ho­hen Zahl von Städ­te­bil­dun­gen bis etwa 1350.

Territorialbildung und Städtepolitik

Der Bi­schof von Müns­ter nutz­te ge­schick­ter als sei­ne Kol­le­gen in Os­na­brück, Min­den oder Pa­der­born die Ant­ago­nis­men zwi­schen dem Lö­wen und dem Köl­ner Erz­bi­schof zum Aus­bau ei­ner ei­ge­nen Ter­ri­to­ri­al­herr­schaft aus. Ers­ter wich­ti­ger Schritt war die Über­tra­gung der Rechts­ti­tel der Gra­fen von Cap­pen­berg, dem „da­mals wohl mäch­tigs­ten west­fä­li­schen Gra­fen­ge­schlecht nörd­lich der Lip­pe“, nach­dem die­se 1122 das ers­te Prä­mons­tra­ten­ser­stift öst­lich des Rheins grün­de­ten und ihm bei­tra­ten. „Der Bi­schof kon­zen­trier­te da­mit in sei­ner Hand Rechts­ti­tel von ei­ner Dich­te zwi­schen Lip­pe und Os­ning“, so ur­teilt Heinz Stoob, „wie sie so früh nur ver­gleichs­wei­se sel­ten in an­de­ren Land­schaf­ten des hoch­mit­tel­al­ter­li­chen Reichs er­reicht wur­de.“

Zwei­ter wich­ti­ger Schritt war der Sieg über den Gra­fen von Teck­len­burg 1173, der bis dato die Schirm­vog­tei über die Stadt und das Hoch­stift Müns­ter in­ne­hat­te. Da­mit wa­ren die Grund­la­gen zur Herr­schafts­bil­dung und zur Fes­ti­gung des Ter­ri­to­ri­ums im kom­men­den Fürst­bis­tum Müns­ter ge­schaf­fen. Mit dem Er­werb der Ra­vens­ber­ger Herr­schaft Vech­ta-Fre­sen­burg 1252, das die Grund­la­ge des Nie­der­stifts Müns­ter bil­den soll­te, wur­de der Bi­schof Herr über das Hoch­stift Müns­ter, das sich von der Lip­pe bis nach Fries­land er­streck­te.

Be­son­ders im Ober­stift Müns­ter, dem süd­li­chen Teil des Hoch­stifts Müns­ter, der de­ckungs­gleich mit dem Müns­ter­land ist, kommt es zu Ter­ri­to­ri­al­kon­flik­ten zwi­schen den auf­stei­gen­den Ter­ri­to­ri­al­her­ren. Kon­flik­te zwi­schen neu­en Lan­des­her­ren un­ter­ein­an­der bra­chen eben­so aus wie zwi­schen ih­nen und Herr­schern mit äl­te­ren An­sprü­chen, wie zum Bei­spiel dem Erz­bi­schof von Köln. Der Me­tro­po­lit ver­such­te nach dem Sturz Hein­richs des Lö­wen die Her­zogs­wür­de in ganz West­fa­len aus­zu­üben und vom süd­li­chen West­fa­len über Soest auch das Müns­ter­land in sei­ne Ge­walt zu brin­gen. Auch für den Köl­ner Lan­des­her­ren galt, dass sein Ter­ri­to­ri­um noch kei­nes­wegs ein ein­heit­li­ches und kon­so­li­dier­tes Ge­biet war. Erst an der Lip­pe­li­nie brach­te Her­mann II. von Kat­zeneln­bo­gen sei­nen Me­tro­po­li­tan aus Köln mi­li­tä­risch zum Ste­hen. Da­nach kam es im­mer wie­der zu Kon­flik­ten des Köl­ner Bi­schofs mit dem Müns­te­ra­ner Bi­schof, aber auch zur Zu­sam­men­ar­beit, zum Bei­spiel in Vre­den, wo Otto II. 1252 mit Phil­ipp von Heins­berg zu­sam­men eine Neu­stadt an­leg­te und die Schöf­fen auf bei­de ih­ren Eid ab­le­gen muss­ten. Doch konn­te Köln sich auf die Dau­er nicht im Müns­ter­land eta­blie­ren.

Die ers­te ge­plan­te Stadt­grün­dung ohne vor­he­ri­ge Sied­lung in West­fa­len war schließ­lich Lipp­stadt nach 1168. Die Edel­her­ren zur Lip­pe wa­ren mit den Gra­fen von der Mark die ein­zi­gen welt­li­chen Her­ren, die ne­ben den geist­li­chen Her­ren in Köln, Müns­ter, Os­na­brück und Pa­der­born auf die Dau­er sich als Her­ren grö­ße­rer Ter­ri­to­ri­en durch­set­zen konn­ten. Von den cir­ca 120 Gra­fen- und Her­ren­ge­schlech­tern um 1150 in West­fa­len bil­de­ten die oben ge­nann­ten 6 im 14. Jahr­hun­dert die gro­ßen Ter­ri­to­ri­al­her­ren, die meis­ten an­de­ren ver­schwan­den völ­lig oder san­ken auf den Rang von „Klein­graf­schaf­ten“. Auch eine be­wuss­te Städ­te­po­li­tik hat ne­ben wirt­schaft­li­chen und po­li­tisch-mi­li­tä­ri­schen Stra­te­gi­en zur Kon­so­li­die­rung der Macht der Herr­scher bei­getra­gen.

Die in un­se­rem Zu­sam­men­hang wich­tigs­ten Bi­schö­fe wa­ren Her­mann II. von Kat­zeneln­bo­gen (1173–1203) und Lu­dolf von Hol­te (1226–1247). Bei­de tra­ten stär­ker als ihre Vor­gän­ger und Nach­fol­ger als ‚Städ­te­ent­wick­ler‘ auf und von bei­den kann be­haup­tet wer­den, sie be­trei­ben eine ei­ge­ne ‚Städ­te­po­li­tik‘ in­ner­halb ei­ner auf In­ten­si­vie­rung der ei­ge­nen Herr­schaft zie­len­den Ter­ri­to­ri­al­kon­zep­ti­on. Her­mann II. hat ei­nen we­sent­li­chen An­teil am Aus­bau der Ter­ri­to­ri­al­herr­schaft im Hoch­stift und ver­stand es wie we­ni­ge sei­ner Vor­gän­ger und Nach­fol­ger, die­se durch Stadt­ent­wick­lung zu si­chern (ne­ben ver­schie­de­nen Bur­gen und Klös­tern vor al­lem Coes­feld und Wa­ren­dorf). Er stand in en­gem Kon­takt mit Bern­hard II. zur Lip­pe und wird sich an des­sen Stadt­grün­dungs­po­li­tik ein Vor­bild ge­nom­men ha­ben: „Lipp­stadts Ge­stalt, Ver­fas­sung und Wirt­schaft wer­den als Be­stand­teil ei­ner Ter­ri­to­ri­al­kon­zep­ti­on be­grif­fen, die von Bern­hard II. und sei­nen Söh­nen Her­mann II. und Bern­hard, Bi­schof von Pa­der­born, ent­wi­ckelt und ver­wirk­licht wor­den ist, ein Mo­dell, das in An­pas­sung an die je­wei­li­gen herr­schaft­li­chen, na­tur- und kul­tur­räum­li­chen Vor­aus­set­zun­gen in wei­ten Tei­len West­fa­lens und Nie­der­sach­sens Ver­brei­tung fand.“ In die Re­gie­rungs­zeit Her­manns II. fie­len die Stadt­bil­dun­gen von Coes­feld, Wa­ren­dorf, Bo­cholt, Ah­len und Be­ckum.

Lu­dolf von Hol­te zeig­te sich för­dernd für Telg­te und Dül­men. Er konn­te eben­falls die Herr­schafts­bil­dung durch Un­ter­wer­fung an­de­rer Her­ren und durch die För­de­rung von Städ­ten un­ter sei­ner Ge­richts­bar­keit fort­füh­ren. Die Er­obe­rung Wol­becks durch ihn und der Aus­bau des Or­tes zum bi­schöf­li­chen Amts­sitz zei­gen je­doch auch, dass die Lan­des­her­ren in ih­ren Amts­sit­zen eine im­mer schwe­rer durch­zu­set­zen­de Stel­lung ge­gen die sich eman­zi­pie­ren­den Bür­ger der Stadt hat­ten – dies gilt für Müns­ter eben­so wie für Pa­der­born, Os­na­brück und Min­den, wo die Bi­schö­fe ihre Sit­ze aus der Stadt in ei­nen Vor­ort ver­leg­ten. Wol­beck ist ein Bei­spiel für den Ty­pus ei­ner Min­der­stadt oder hier bes­ser ei­ner Sied­lung nach Weich­bild­recht, das ihm eine ge­wis­se wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung er­mög­lich­te, ohne je­doch zu viel städ­ti­sche Au­to­no­mie zu er­lan­gen, die sich ge­gen den Lan­des­her­ren hät­te aus­wir­ken kön­nen. Nach die­ser Kon­zep­ti­on ver­ga­ben die Müns­te­ra­ner Lan­des­her­ren im 13. und 14. Jahr­hun­dert an vie­le Sied­lun­gen Weich­bild­rech­te zur In­ten­si­vie­rung ih­rer Herr­schaft.

Geologisch-Geografische Bedingungen

Das Müns­ter­land bil­det den Kern­be­reich der West­fä­li­schen Tief­lands­bucht. Es wird im Os­ten durch die ber­gi­ge Land­schaft des Teu­to­bur­ger Wal­des be­grenzt, an die sich nord­öst­lich das un­te­re We­ser­berg­land an­schließt. Im Süd-Os­ten bil­den die Pa­der­bor­ner Hoch­flä­che und im Sü­den die Lip­pe und die sich dar­an an­schlie­ßen­den Hell­weg­bör­den die na­tür­li­chen Gren­zen. Nach Wes­ten und Nor­den öff­net sich das Müns­ter­land dem Nie­der­rhei­ni­schen Tief­land, den Nie­der­lan­den und der nach Fries­land zei­gen­den Düm­mer Geest­nie­de­rung. Es wird in drei Be­rei­che un­ter­teilt: Das West-, das Kern- und das Ost­müns­ter­land. Die Lip­pe und die Ems sind die bei­den grö­ße­ren, teil­wei­se be­schiff­ba­ren Flüs­se, die bei­de ihre Quel­len im süd­öst­li­chen Müns­ter­land fin­den und sich dann nach Wes­ten und nach Nord­wes­ten durch das Land schlän­geln. Da­ne­ben fin­den sich klei­ne­re, un­be­schiff­ba­re Flüs­se: Die von der Lip­pe das Kern­müns­ter­land nach Nor­den durch­kreu­zen­de Wer­se und die in Bil­ler­beck in den Baum­ber­gen ent­sprin­gen­de und in die Ijs­sel mün­den­de Ber­kel. Die Baum­ber­ge, die Bo­chol­ter und die Be­cku­mer Ber­ge (alle drei in etwa 180 Me­ter Höhe) sind die ein­zi­gen Er­hö­hun­gen des Ge­biets. Aus den Baum­ber­gen stammt der bis hoch in den Ost­see­raum ex­por­tier­te Sand­stein, den man zum Bei­spiel an dem von Müns­te­ra­ner Bild­hau­ern ge­haue­nen Por­tal­skulp­tu­ren des Ri­ga­er Doms wie­der­fin­den kann.

Das Kern­müns­ter­land liegt etwa in der Mul­de zwi­schen den Baum- und den Be­cku­mer Ber­gen, die von max. 186 m bzw. 175 m auf 60 m her­un­ter­geht. Der Bo­den be­steht weit­ge­hend aus Lehm bzw. ist ein Klei­bo­den, der den ho­hen Nie­der­schlag in der Re­gi­on nur we­nig durch­lässt. Mit ei­ner ho­hen Ba­sen­sät­ti­gung des Bo­dens kom­bi­niert, er­gibt dies gute Vor­aus­set­zun­gen für den Acker­bau. So wird das Land­schafts­bild be­stimmt durch Wald­stü­cke, Wei­de und Acker­flä­chen. Die­ses wa­ren op­ti­ma­le Be­din­gun­gen für ei­nen be­reits seit dem frü­hen Mit­tel­al­ter be­kann­ten Zug von Rin­dern aus dem Fries­land zu den Märk­ten des Rheins, die im Müns­ter­land gut gra­sen konn­ten und den Durch­gangs­cha­rak­ter der Ge­gend mit form­ten.

Im Ost­müns­ter­land, das sich zwi­schen den Schicht­käm­men des Os­ning und dem Pa­der­bor­ner Hoch­pla­teau be­fin­det, ist der Bo­den san­di­ger als im Kern­müns­ter­land. Die­ses ist auf die Emstalung zu­rück­zu­füh­ren. Die Land­schaft ist ge­prägt durch Wald­flä­chen und vie­le klei­ne­re Flüs­se, die in die Ems mün­den und die teil­wei­se auch zu Moor­bil­dung füh­ren kann.

Die Nie­de­run­gen des West­müns­ter­lan­des, vor al­lem an der Lip­pe, sind ver­san­det; nach Wes­ten hin zeich­net es sich durch eine Hei­de­land­schaft aus, wie sie sich auch in Hol­land fin­det. Durch die Öff­nung nach Wes­ten hin ist die­ses Ge­biet den ma­ri­ti­men Kli­ma­be­din­gun­gen und ei­nem er­höh­ten Re­gen­nie­der­schlag aus­ge­setzt, was an den Nie­de­run­gen auch zu Moor­bil­dun­gen führt. Aus­ge­gli­che­nen Tem­pe­ra­tu­ren, gute Feuch­tig­keits­be­din­gun­gen und ein frucht­ba­rer Torf­bo­den er­mög­li­chen eine lan­ge Ve­ge­ta­ti­ons­dau­er von durch­schnitt­lich 235 Ta­gen und da­mit eine stär­ke­re Grün­land­wirt­schaft als im Kern- und Ost­müns­ter­land.

Da­mit sind die na­tür­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen be­nannt, un­ter de­nen sich lang­sam eine Zi­vi­li­sa­ti­on mit Stra­ßen, Han­del, Städ­ten und christ­li­cher Mis­sio­nie­rung ent­wi­ckel­te. Das Müns­ter­land be­steht aus drei un­ter­schied­li­chen Land­schaf­ten, die sich aber alle be­son­ders durch die Land­wirt­schaft aus­zeich­nen. Mit Aus­nah­me von Lei­nen und Sand­stein gibt es nur we­ni­ge ‚Roh­stof­fe‘, die ein Ex­port­ge­wer­be hät­ten be­grün­den kön­nen. Die re­la­tiv fla­che Land­schaft er­mög­licht eine leich­te Durch­que­rung des Lan­des, und Wie­sen er­lau­ben das Gra­sen von Her­den auf dem Weg zum Rhein.

Verkehrsnetze

In An­leh­nung an die geo­lo­gi­schen Be­din­gun­gen bil­de­ten sich in West­fa­len und im Müns­ter­land auch die Ver­kehrs­we­ge aus. Cha­rak­te­ris­tisch für das Müns­ter­land ist das Feh­len ei­ner zen­tra­len leis­tungs­fä­hi­gen Was­ser­stra­ße, so dass in ers­ter Li­nie Land­we­ge dem Wa­ren­ver­kehr dien­ten. Der Trans­port wur­de zwar vor­wie­gend auf dem Land be­trie­ben, aber auch die teil­wei­se schiff­ba­ren Flüs­se wie die Lip­pe, die Ems und die Ber­kel wur­den für den Wa­ren­trans­port be­nutzt. Ent­lang der Ems ent­stan­den vor al­lem im Nie­der­stift Müns­ter ein Netz von pe­ri­odi­schen Märk­ten im Han­del mit den Frie­sen. Die Fern­han­dels­stra­ßen mach­ten das Müns­ter­land zu ei­nem ty­pi­schen Durch­gangs­land für den wirt­schaft­li­chen Trans­port. Die Stra­ßen­füh­rung wur­de be­dingt durch die Hö­hen­un­ter­schie­de des Bo­dens und durch na­tür­li­che Fur­ten. Die Städ­te ent­wi­ckel­ten sich ent­lang von na­tür­li­chen Kno­ten­punk­ten und be­stimm­ten erst nach der Stadt­wer­dung und der fes­ten Ver­an­ke­rung von ad­mi­nis­tra­ti­ven, mi­li­tä­ri­schen und wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen auch den Ver­lauf der Ver­kehrs­we­ge.

Bei der Be­trach­tung der Ent­ste­hung der west­fä­li­schen Städ­te fal­len ei­ni­ge we­sent­li­che Punk­te bei den Städ­ten vor 1180 auf: Die Stadt als Bür­ger­ge­mein­de ent­wi­ckel­te sich bei ei­nem be­reits exis­tie­ren­den vor­städ­ti­schen Kern, der ent­we­der ein Bi­schofs­sitz (Min­den, Müns­ter, Os­na­brück und Pa­der­born) oder ein Kö­nigs­hof (Dort­mund) war. Die Ent­wick­lung zu ei­ner Stadt wur­de vor­an­ge­trie­ben durch ihre Lage an Fern­han­dels­stra­ßen. Die von Hans-Claus Poeschel er­stell­ten Kar­ten be­stä­ti­gen die Aus­sa­ge Carl Haa­ses, dass der „Fern­han­del die ent­schei­den­de Trieb­kraft der Ent­wick­lung ge­we­sen ist.“ Für Müns­ter galt eine Ein­schrän­kung: an­fäng­lich lag die Sied­lung Mim­gernaford nur auf ei­ner wich­ti­gen Fern­han­dels­stra­ße, die wei­ter öst­li­che lie­gen­de Sied­lung Wa­r­an­t­har­pa (Wa­ren­dorf) wäre als Bi­schofs­sitz bes­ser ge­eig­net ge­we­sen, weil sie an der Ems­furt und auf dem Weg von Soest nach Os­na­brück an ei­ner ver­kehrs­tech­nisch güns­ti­ge­ren Po­si­ti­on lag.

Das Müns­ter­land wur­de von wich­ti­gen Fern­han­dels­stra­ßen pas­siert, die nach der Grün­dung Lü­becks 1159 und der wirt­schaft­li­chen Er­schlie­ßung des Ost­see­raums durch die deut­schen Kauf­leu­te auch aus West­fa­len und dem Rhein­land an zen­tra­ler Be­deu­tung für den Wa­ren­ver­kehr vor al­lem vom Rhein in den Nor­den ge­wan­nen:

  • Im Sü­den wur­de es ge­streift vom Hell­weg, der vom Rhein/Duisburg über Dort­mund, Soest und Pa­der­born nach Nord­os­ten ging, der aber kei­ne di­rek­ten wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen auf das Müns­ter­land hat­te.
  • Vom Rhein/Köln ver­lief über Dort­mund, Müns­ter und Os­na­brück eine Fern­stra­ße (Rhei­ni­sche Stra­ße), die wei­ter nach Nor­den, nach Bre­men, Ham­burg und Lü­beck ging.
  • Von und nach Hol­land und Flan­dern ge­rich­te­te Stra­ße, vor al­lem von Müns­ter nach De­ven­ter, und dann wei­ter nach Brüg­ge und Ant­wer­pen.
  • Von Fries­land und Gro­nin­gen über Müns­ter in das Rhein­land ge­hen­de Stra­ße (Frie­si­sche Stra­ße).

Das Müns­ter­land wur­de durch­zo­gen von ei­nem Netz un­ter­schied­lich stark fre­quen­tier­ter Fern­han­dels­stra­ßen, die zum ei­nen die Süd-Nord-Rich­tung und zum an­de­ren die West-Ost-Rich­tung be­dien­ten. Es war ein Durch­gangs­land für den Wa­ren­ver­kehr vom Rhein in den Ost­see­raum und von dort nach Flan­dern und Hol­land und zu­rück. Die Städ­te­bünd­nis­se des 13. und 14. Jahr­hun­derts zum Schutz vor An­grif­fen und vor al­lem zur Si­che­rung der Han­dels­stra­ßen zei­gen die zen­tra­le Be­deu­tung der Stra­ßen für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung des Lan­des.

Rechtliche Verflechtungen

Loui­se von Win­ter­feld be­zeich­net drei Stadt­rechts­fa­mi­li­en in West­fa­len nach ih­ren Ober­hö­fen: Dort­mun­der, Soes­ter und Müns­te­ra­ner Recht. Die­se Rech­te wur­den aus äl­te­ren Rech­ten wie dem säch­si­schen und dem Köl­ner Recht mit Ein­flüs­sen aus Bre­men und Mainz wei­ter­ent­wi­ckelt, bo­ten aber ge­nug Ei­gen­stän­dig­kei­ten, um von ei­ner ei­ge­nen Rechts­fa­mi­lie spre­chen zu kön­nen. Für das Müns­te­ra­ner Recht macht sie be­son­de­re Ein­flüs­se nord­fran­zö­si­schen Rechts aus. Der Ab­schluss der Stadt­rechts­ent­wick­lung dürf­te in al­len drei Städ­ten spä­tes­tens im 12. Jahr­hun­dert er­reicht wor­den sein, wie es stadt­recht­li­che Über­tra­gun­gen aus dem Ende des 12. Jahr­hun­derts von Müns­te­ra­ner Recht, das sie zum jüngs­ten der drei rech­net, zum Bei­spiel an Coes­feld 1197 zeigt. Über den Müns­te­ra­ner Stadt­rechts­kreis schreibt sie: „Un­ter den drei west­fä­li­schen Ober­hö­fen er­scheint er als das ein­heit­lichs­te und we­nigst­ge­glie­der­te Raum­ge­bil­de.“ We­nigst­ge­glie­dert heißt hier, dass sich im Müns­te­ra­ner Rechts­raum nur sehr schwach aus­ge­prägt Teil­ober­hö­fe ent­wi­ckel­ten. Müns­ter war stär­ker als Dort­mund oder Soest an der Durch­set­zung ei­ner zen­tra­len Schieds­in­stanz in­ter­es­siert. Le­dig­lich Coes­feld konn­te ei­nen ver­hält­nis­mä­ßig star­ken Teil­ober­hof im Quar­tier Up’m Bra­em ent­wi­ckeln, ge­folgt von Wa­ren­dorf für das Quar­tier Up’m Drein, das aber „an Selb­stän­dig­keit und frü­her Han­dels­be­deu­tung“ hin­ter Coes­feld lan­ge Zeit zu­rück­stand. Der Rechts­kreis Müns­ters deck­te sich weit­ge­hend mit dem po­li­ti­schen Kreis des spä­te­ren Fürst­bis­tums, vor al­lem mit dem Ober­stift Müns­ter. „Eine ge­wis­se Bin­dung des Stadt­rechts­krei­ses an das Ter­ri­to­ri­um“, schreibt Carl Haa­se, „zeigt sich be­son­ders im Müns­ter­lan­de, ein Bei­spiel mehr für die ei­gen­ar­tig ziel­be­wuß­te Städ­te­po­li­tik der Bi­schö­fe von Müns­ter.“

West­fä­li­sches Recht un­ter­schied sich etwa von (frän­ki­schem) Köl­ner Recht durch den star­ken Ein­fluss säch­si­scher Rechts­ge­wohn­hei­ten und durch die Aus­bil­dung von ei­gen­stän­di­gen Rech­ten wie dem Vem-, dem An­er­ben- und dem Weich­bild­recht, das spä­ter auch im Ost­el­bi­schen Raum und im Mag­de­bur­ger Recht vor­zu­fin­den war, sich von dem west­fä­li­schen aber un­ter­schied. Dass sich eine Stadt zu ei­nem Ober­hof ent­wi­ckel­te, sieht man, wenn es nicht schon aus­drück­lich in ei­ner Ur­kun­de er­wähnt wur­de, zum Bei­spiel an den Kon­sul­ta­ti­ons­zü­gen der Toch­ter- zur Mut­ter­stadt, de­ren Mei­nung in Zwei­fels­fäl­len ein­zu­ho­len war Auch konn­te ge­gen eine Ent­schei­dung Ap­pel­la­ti­on bei der Mut­ter­stadt ein­ge­legt wer­den – „zu Haup­te ge­hen“, wie es ge­nannt wur­de. Die Durch­set­zung ei­nes ein­heit­li­chen Rechts­rau­mes mit ei­ner zen­tra­len Schieds­in­stanz war auch för­der­lich für die wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen in­ner­halb des Ter­ri­to­ri­ums, da es Rechts­si­cher­heit mit ver­schie­de­nen In­stan­zen für den Han­del bot. Für die Ver­kehrs­we­ge be­deu­te­ten ein­heit­li­che Rech­te eben­falls ei­nen ge­wis­sen Schutz, doch war dies na­tür­lich nur auf den Raum der Rechts­fa­mi­lie be­schränkt und bot für den Fern­han­del kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge. Im 12. Jahr­hun­dert wur­den die­se Bünd­nis­se zur ge­gen­sei­ti­gen Si­che­rung und zur Si­che­rung der Fern­han­dels­stra­ßen durch Land­frie­den und Städ­te­bünd­nis­se wie zum Bei­spiel dem Lad­ber­ge­ner Städ­te­bund der Städ­te Os­na­brück, Müns­ter, Min­den, Her­ford und Coes­feld 1246 oder 1253 dem Wer­ner Bund zwi­schen Dort­mund, Soest, Müns­ter und Os­na­brück er­wei­tert. Pe­ter Jo­h­anek zeig­te, wie sich in der Si­che­rung des Han­dels­frie­dens die In­ter­es­sen der han­del­trei­ben­den Bür­ger mit de­nen der Stadt- und Ter­ri­to­ri­al­her­ren ver­ein­ten und wie die Herr­schafts­si­che­rung durch Han­dels­si­che­rung be­trie­ben wur­de. „Die­se en­er­gisch wahr­ge­nom­me­ne Ge­leits­po­li­tik“, schreibt er, „si­cher­te dem Bi­schof von Müns­ter eine her­aus­ra­gen­de Schlüs­sel­stel­lung im Ver­kehrs­netz Nord­west­deutsch­lands.“

Weichbild

Auch im Fall des Weich­bild­rechts spiel­ten wirt­schaft­li­che Über­le­gun­gen eine Rol­le. Karl Kroeschell hat 1960 eine Ana­ly­se des Rechts­be­griffs des Weich­bild­rechts vor­ge­legt. Nur kurz soll hier die Be­deu­tung die­ses für die Herr­schafts­in­ten­si­vie­rung wich­ti­gen In­stru­ments er­läu­tert wer­den. Im Müns­ter­land ist es zum ers­ten Mal 1178 be­zeugt, als der Bi­schof Her­mann II. dem Stift Über­was­ser Tei­le sei­nes Bo­dens nach Weich­bild­recht gab. Im Prin­zip lief die­ser Vor­gang an den meis­ten Or­ten ähn­lich ab: Der Bi­schof ver­gab Tei­le sei­nes ei­ge­nen Bo­dens in der Nähe von be­reits be­stehen­den Sied­lun­gen in klei­ne­ren Par­zel­len an die Be­völ­ke­rung, da­mit die­se dort sie­deln, wirt­schaf­ten und den Bo­den wei­ter­ver­er­ben konn­ten. Mit dem Weich­bild wa­ren be­stimm­te städ­ti­sche Rech­te ver­bun­den, wie „Zu­zugs­recht, Selbst­ver­wal­tung und Markt“, aber die Bür­ger ver­blie­ben in be­stimm­ten Pflicht­ver­hält­nis­sen zum Stadt­her­ren wie Heer­ge­wä­te und Ge­ra­de. Die Bür­ger wa­ren eben­falls ver­pflich­tet, den Lan­des­aus­bau durch die Kul­ti­vie­rung der Bö­den, so­wie die Ver­sor­gung des Um­lan­des und der Städ­te durch Tier- und Forst­wirt­schaft vor­an­zu­trei­ben. Die städ­ti­sche wur­de mit der länd­li­chen Wirt­schaft in ei­nem Weich­bild­be­zirk ein­ge­bun­den: er war durch vier Frie­dens­pfäh­le ge­kenn­zeich­net und war da­mit ei­ner ter­ri­to­ri­al be­stimm­ten Wirt­schafts­kon­zep­ti­on un­ter­wor­fen. Das Weich­bild­recht bot vor­mals dem Land­recht un­ter­wor­fe­nen Bau­ern be­stimm­te städ­ti­sche Frei­hei­ten, ließ es aber nicht zu, dass sich eine ei­gen­stän­dig po­li­ti­sche Bür­ger­schicht ent­wi­ckeln konn­te. Die ent­schei­den­den Im­pul­se la­gen durch die­se Kon­zep­ti­on beim Lan­des­her­ren und nicht bei der Bür­ger­schaft.

Es wur­de seit dem Ende des 12. Jahr­hun­derts zur Ent­wick­lung von Ort­schaf­ten zu stadt­ähn­li­chen Sied­lun­gen und dann zu Städ­ten ein­ge­setzt und dien­te da­mit der Er­schlie­ßung, Kon­so­li­die­rung, wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung und po­li­tisch-mi­li­tä­ri­schen Si­che­rung des Ter­ri­to­ri­ums. Bo­cholt er­hält wic­be­le­de 1201, Be­ckum 1231, Telg­te 1238 und Ah­len 1246. Für die Bür­ger wirk­te sich die Er­he­bung ih­rer Sied­lung zu ei­nem Weich­bild oder Wig­bold wirt­schaft­lich po­si­tiv aus und der Herr­scher konn­te sei­ne Po­si­ti­on fes­ti­gen: „Schon die Nen­nung die­ser we­ni­gen Städ­te weist dar­auf hin, dass die ein­zel­nen Bür­ger­ge­mein­den in der Ver­fas­sungs­wirk­lich­keit eine Ver­bes­se­rung ih­rer Stel­lung er­rei­chen konn­ten, ja im Hin­blick auf die städ­ti­sche Wirt­schaft wie fast alle west­fä­li­schen Mit­tel-, Klein- und Min­der­städ­te mit den han­si­schen Fern­ver­bin­dun­gen ver­netzt wur­den. Doch be­stä­tigt ge­ra­de der frü­he Ab­schluss der Herr­schafts­bil­dung im müns­ter­schen Ter­ri­to­ri­um die Brauch­bar­keit der Kon­zep­ti­on.“ Wig­bol­de wa­ren ein In­stru­ment zur Schaf­fung von wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen und zur Kon­so­li­die­rung von Herr­schaft und Ter­ri­to­ri­um.

Wirtschaftliche Verflechtungen – hansische Beziehungen

Die Fern­han­dels­stra­ßen ge­ben den Rah­men für die wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen des Müns­ter­lan­des mit Eu­ro­pa vor. Prä­gend ist die zen­tra­le Stel­lung Müns­ters und sei­ner wirt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen, die be­reits im 12. Jahr­hun­dert nach ganz Eu­ro­pa führ­ten. Müns­te­ra­ner Kauf­leu­te fan­den sich im Scho­nen­han­del ge­nau­so wie­der wie im Ber­ge­ner Kon­tor Bryg­gen, in Now­go­rod, Smo­lensk und Lon­don. Vor al­lem das west­li­che Müns­ter­land mit Coes­feld be­trieb ei­nen ei­gen­stän­di­gen Han­del mit Flan­dern und Hol­land, be­son­ders mit De­ven­ter.

Ins­ge­samt war das Müns­ter­land als ein Durch­gangs­land für den Trans­port von Wa­ren an­zu­se­hen, das nur we­nig ei­gen­stän­di­ges Ge­wer­be mit Pro­duk­ten für den Ex­port­han­del ent­wi­ckelt hat. Der Haupt­ex­port­ar­ti­kel war Lein­wand, aber auch Sand­stein aus den Baum­ber­gen wur­de vor al­lem in den Ost­see­raum ex­por­tiert – an we­ni­gen Stel­len im Sü­den wur­de auch Ei­sen­erz ge­för­dert und ge­han­delt, je­doch blieb die­ser Han­del noch mar­gi­na­ler. Der größ­te Teil des Wirt­schafts­le­bens spiel­te sich in­ner­halb des Nah­ver­kehrs ab, in der Le­bens­mit­tel-, Vieh- und Wald­wirt­schaft. Haupt­trä­ger des Nah­han­dels wa­ren Bau­ern­händ­ler, die so­wohl den Acker be­stell­ten und teil­wei­se im Tuch- und Le­der­ge­wer­be tä­tig wa­ren, als auch ihre Er­zeug­nis­se auf Re­gio­nal­märk­ten ver­trie­ben. Eine ei­ge­ne Bür­ger­schicht von Kauf­leu­ten war nur in we­ni­gen Städ­ten wie etwa in Müns­ter und Coes­feld an­zu­tref­fen, also Städ­ten des Fern­han­dels. Der lo­ka­le Aus­tausch­be­darf wur­de in den klei­ne­ren Städ­ten und Sied­lun­gen vor al­lem durch Bau­ern vor­ge­nom­men, die im Müns­ter­land durch die so­ge­nann­ten Kie­penk­er­le, Wan­der­händ­lern er­gänzt wur­den. An die­ser Stel­le kann kein Über­blick über die wirt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen in­ner­halb und au­ßer­halb des Müns­ter­lan­des ge­ge­ben wer­den, son­dern es soll ver­sucht wer­den, die Haupt­han­dels­rich­tun­gen auf­zu­zei­gen.

Ge­kenn­zeich­net wur­de der west­fä­li­sche Fern­han­del durch die be­reits er­wähn­te Durch­gangs­si­tua­ti­on und den Wan­der­han­del, ge­prägt wa­ren sei­ne Be­zie­hun­gen zu an­de­ren Städ­ten vor al­lem im Ost­see­raum aber auch durch die gro­ße Zahl von Ab­wan­de­rern aus West­fa­len in die­sen Raum. Aus West­fa­len und aus dem Müns­ter­land stamm­ten vie­le der Bür­ger (zum Bei­spiel die de Wa­ren­dorp in Lü­beck) und auch ei­ni­ge der von Fritz Rö­rig ge­zähl­ten Grün­der­fa­mi­li­en (die de Bo­cholt und de Coes­feld) und die spä­ter am Han­del tä­ti­gen Kauf­leu­te, die über Lü­beck in die Städ­te ent­lang der Ost­see­küs­te ka­men. Die fa­mi­liä­ren Bin­dun­gen in das Müns­ter­land hin­ein wa­ren in der Kauf­manns­han­se eine wich­ti­ge Grund­la­ge des Han­dels.

Das Müns­ter­land be­stand aus zwei han­si­schen Quar­tie­ren, die auf zwei äl­te­ren säch­si­schen Gau­en auf­bau­ten, dem Quar­tier Up’m Drein (Drein­gau) und dem Quar­tier Up’m Bra­em (Bra­em­gau). Sie wa­ren Teil des spä­te­ren West­fä­li­schen Vier­tels auf den Han­se­ta­gen, das dann dem Köl­ner Drit­tel zu­ge­schla­gen wur­de. Im 13. Jahr­hun­dert lässt sich nur we­nig über die han­si­schen Be­zie­hun­gen ab­le­sen, war sie zu der Zeit doch vor­nehm­lich auf den di­rek­ten Kon­takt von Kauf­leu­ten auf­ge­baut und we­ni­ger ver­fes­tigt als ab der Mit­te des 14. Jahr­hun­derts, als die Städ­te­han­se sich struk­tu­rier­te. In­ner­halb West­fa­lens stand Müns­ter bis in das 15. Jahr­hun­dert hin­ein hin­ter Dort­mund und Soest in han­dels­tech­ni­scher Sicht an drit­ter Stel­le. Müns­ter­län­di­sche Kauf­leu­te wur­den in den Kon­to­ren von Wis­by-Now­go­rod von Soes­ter und Dort­mun­der Al­ders­leu­ten ver­tre­ten, eben­so bis in das 14. Jahr­hun­dert hin­ein in Ant­wer­pen. Vor al­lem in Liv­land und hier in den Städ­ten Riga, Dor­pat und Re­val konn­ten Müns­ter­län­der Kauf­leu­te ne­ben den Soe­s­tern eine wich­ti­ge Stel­lung er­rin­gen, wie es die „Müns­te­ra­ner Stu­be“ in Riga zeigt. In dem Han­dels­ver­trag von Smo­lensk 1229 wur­den u. a. Ver­trags­part­ner aus den Städ­ten Dort­mund, Soest und Müns­ter ge­nannt, was die be­reits im 13. Jahr­hun­dert be­stehen­den wei­ten wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen auch der Müns­ter­län­di­schen Kauf­leu­te zeigt. Im Lon­do­ner Kon­tor Stal­hof, in dem Köln die stärks­te Stadt war, konn­ten sich die West­fa­len als das zwei­te Drit­tel un­ter der Füh­rung von Dort­mund eta­blie­ren. Haupt­ex­port­ar­ti­kel wa­ren die Lein­wand, Bier und Korn, Haupt­zwi­schen­han­del wur­de mit Wein aus dem Rhein­land nach Wes­ten und mit eng­li­scher Wol­le und flan­dri­schen Tuch in das Bal­ti­kum be­trie­ben.

Für den Bin­nen­han­del im Stift Müns­ter för­dernd wa­ren zum ei­nen die Zoll­frei­heit für müns­te­ra­ner Bür­ger und zum an­de­ren die Ein­rich­tung von 4 Jahr­märk­ten zu je 5 Ta­gen in Müns­ter als Zen­tral­markt, zu dem dann zur Kenn­zeich­nung des be­son­de­ren Markt­rech­tes das Send­schwert am Rat­haus auf­ge­hängt wur­de.

In­ner­halb des Müns­ter­lan­des nahm wie be­reits er­wähnt das west­li­che Müns­ter­land, das Bra­em­quar­tier, eine be­son­de­re Stel­lung ein, weil sich die Städ­te um Coes­feld her­um ei­nem star­ken Han­del mit Hol­land und Flan­dern und be­son­ders mit der Stadt De­ven­ter öff­ne­ten. So galt in Bo­cholt, das an der nach Hol­land flie­ßen­den Bo­chol­ter Aa liegt, zum Bei­spiel der De­ven­ter Pfen­nig als Zah­lungs­mit­tel. In die­sem Städ­te­kreis, dem im 13. und 14. Jahr­hun­dert die Städ­te Coes­feld, Bor­ken und Bo­cholt (Stadt­bil­dung bis 1240), Vre­den, Hal­tern, Horst­mar und Lü­ding­hau­sen (bis 1290), Burg­stein­furt, Rams­dorf und Dül­men (bis 1350) an­ge­hör­ten, wa­ren sechs Städ­te spä­te­re Han­se­städ­te: Un­ter dem Teil­ober­hof Coes­feld or­ga­ni­sier­ten sich Bo­cholt, Bor­ken, Dül­men, Hal­tern und Vre­den im han­si­schen Städ­te­bund. Von Coes­feld aus führ­te ein wich­ti­ger Wa­ren­aus­tausch ent­lang der Ber­kel über die Ijs­sel nach De­ven­ter, der in ei­nem Ver­trag 1293 ge­fes­tigt wur­de. Die Öff­nung zum nie­der­län­di­schen Raum nach Nord­wes­ten, vor al­lem durch die Be­nut­zung der Ber­kel und der Ijs­sel, stellt eine der „we­ni­gen west­fä­li­schen Ei­gen­han­dels­we­ge“ dar, die sich bis zu den Ijs­sel­hä­fen und dann über die Nord­see bis nach Eng­land, Nor­we­gen und dem Ost­see­raum er­streck­ten. Zu den ge­han­del­ten Gü­tern zähl­te ne­ben wald- und agrar­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ten vor al­lem die Lein­wand, die in ei­ner Pri­vi­leg des dä­ni­schen Kö­nigs Abel 1251 an die Um­land­fah­rer ge­nannt wur­de. Seit dem 9. Jahr­hun­dert war der An­bau von Flachs und Hanf im Müns­ter­land be­kannt. Ne­ben die­sem „Ex­port­ge­wer­be“ wur­den auch im west­li­chen Müns­ter­land Tu­che und Wein aus dem Rhein­land wei­ter­ge­han­delt.

Das Zen­trum des Ober­stifts bil­det die Bi­schofs­stadt Müns­ter, des­sen ter­ri­to­ria­le und stadt­recht­li­che Ent­wick­lung als Mut­ter­stadt eine Ei­gen­heit im Ober­stift dar­stell­te und ge­son­dert dar­ge­stellt wur­de. Die Bi­schö­fe des Fürst­bis­tums nutz­ten das In­stru­ment der Stadt­grün­dung zur Kon­so­li­die­rung des Ter­ri­to­ri­ums im 13. Jahr­hun­dert. Zu die­sen Städ­ten und Weich­bil­den zähl­ten u. a. Coes­feld, Wa­ren­dorf und Ah­len.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Ober­stift Müns­ter aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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