Münsterische Stiftsfehde

Das Hochstift Münster (Ausschnitt aus einer Karte des Westfälischen Reichskreises aus dem 18. Jahrhundert)

Das Hoch­stift Müns­ter (Aus­schnitt aus ei­ner Kar­te des West­fä­li­schen Reichs­krei­ses aus dem 18. Jahr­hun­dert)

Die Müns­te­r­i­sche Stifts­feh­de war zwi­schen 1450 und 1457 ein Streit um die Be­set­zung des Bi­schofstuhls in Müns­ter und da­mit auch um die Herr­schaft im Hoch­stift Müns­ter. Da­bei stan­den sich zu­nächst Wal­ram von Mo­ers und Erich von Hoya als Kan­di­da­ten ge­gen­über. Un­ter­stützt wur­den sie von ih­ren Fa­mi­li­en mit Graf Jo­hann von Hoya und Erz­bi­schof Diet­rich II. von Mo­ers an der Spit­ze. Hin­zu ka­men ihre je­wei­li­gen aus­wär­ti­gen Ver­bün­de­ten. Im In­ne­ren des Stifts spiel­ten die Stän­de na­ment­lich das Dom­ka­pi­tel und die Stadt Müns­ter eine zeit­wei­se ei­gen­stän­di­ge Rol­le. Letzt­lich konn­te sich kei­ne der bei­den Sei­ten durch­set­zen.

Vorgeschichte

Das Hoch­stift Müns­ter war ei­nes der be­deu­tends­ten und größ­ten geist­li­chen Ter­ri­to­ri­en im nord­west­deut­schen Raum. Be­setzt wur­den die Bi­schofs­sit­ze in der Re­gi­on im spä­ten Mit­tel­al­ter vor­wie­gend von Mit­glie­dern ei­ni­ger Gra­fen­ge­schlech­ter oder von Fa­mi­li­en von Edel­her­ren. Die je­wei­li­gen Fa­mi­li­en ver­such­ten, wie die Gra­fen von der Mark, sich die Bi­schofs­sit­ze für ihre nach­ge­bo­re­nen Söh­ne zu si­chern. Ge­ra­de auch we­ni­ger mäch­ti­ge Fa­mi­li­en nutz­ten die Mög­lich­keit, über ein geist­li­ches Ter­ri­to­ri­um ihre Macht zu­min­dest zeit­wei­se zu stei­gern. Zu die­ser Grup­pe ge­hör­ten die Edel­her­ren zur Lip­pe, die mehr­fach den Bi­schofs­sitz in Pa­der­born be­setz­ten. Die Gra­fen von Hoya wa­ren im Bis­tum Os­na­brück er­folg­reich. Im Bis­tum Min­den gilt dies für die Ge­schlech­ter Diep­holz und Schaum­burg. In der Mit­te des 15. Jahr­hun­derts wa­ren aber die Gra­fen von Mo­ers in die­ser Hin­sicht füh­rend. Ins­be­son­de­re nach­dem Diet­rich von Mo­ers Erz­bi­schof von Köln ge­wor­den war, ge­lang es der Fa­mi­lie ei­nen Groß­teil der Bi­schofs­sit­ze im nord­west­deut­schen Raum zu be­set­zen. Ihr Haupt­kon­kur­rent im Bis­tum Müns­ter war die Fa­mi­lie Hoya.

Im In­ne­ren ha­ben ei­ni­ge Fürst­bi­schö­fe, zu­letzt ins­be­son­de­re Otto IV. von Hoya, das Ter­ri­to­ri­um aus­ge­dehnt und klei­ne­re Herr­schaf­ten im In­ne­ren aus­ge­schal­tet. Da­ge­gen stand, dass die Bi­schö­fe schon im 13./14. Jahr­hun­dert die Kon­trol­le über ihre Haupt­stadt Müns­ter weit­ge­hend ver­lo­ren hat­ten. Die­se agier­te fast ähn­lich un­ab­hän­gig wie eine reichs­un­mit­tel­ba­re Stadt. Auch ins­ge­samt hat­ten die Stän­de aus Dom­ka­pi­tel, Rit­ter und Städ­ten an Ein­fluss ge­won­nen und eng­ten den Spiel­raum der Bi­schö­fe stark ein.

Nach dem Tod des Bi­schofs Otto IV. ge­lang es Diet­rich von Mo­ers, sei­nen Bru­der Hein­rich II. von Mo­ers ge­gen den Wil­len der Stadt Müns­ter den Bi­schofs­sitz in Müns­ter zu ver­schaf­fen. Nach­dem der Erz­bi­schof we­gen stifts­in­ter­ner Strei­tig­kei­ten Erich von Hoya das Bis­tum Os­na­brück ge­nom­men hat­te, setz­te er Hein­rich dort als Ad­mi­nis­tra­tor ein. Die­ser rich­te­te sei­ne Po­li­tik stark an den In­ter­es­sen des Bru­ders aus und un­ter­stütz­te ihn etwa in der Soes­ter Feh­de stark. Die Fa­mi­lie von Hoya, die auch die Bis­tü­mer Ver­den und Min­den be­setz­te, sah die Gra­fen von Mo­ers als Ein­dring­lin­ge in ih­ren ur­ei­gens­ten In­ter­es­sen­be­reich an. Die Fa­mi­lie von Mo­ers be­herrsch­te ne­ben dem Erz­stift Köln, Müns­ter und Os­na­brück auch Pa­der­born und Tei­le des Bis­tums Ut­recht. Die krie­ge­ri­sche Po­li­tik Hein­richs zur Un­ter­stüt­zung sei­nes Bru­ders brach­ten dem Hoch­stift kei­nen Ge­winn, viel­mehr be­deu­te­te dies ei­nen star­ken An­stieg der Schul­den und ein Ab­sin­ken des Wohl­stan­des.

Beginn des Konflikts

Wappen der Grafen von Hoya

Wap­pen der Gra­fen von Hoya

Im In­ne­ren stan­den die Stän­de bei Hein­richs Tod in of­fe­nem Auf­ruhr. Die Be­stre­bun­gen des Hau­ses Mo­ers stie­ßen fort­an auf Vor­be­hal­te. Auf der an­de­ren Sei­te tat Diet­rich al­les, um Müns­ter wei­ter­hin mit ei­nem Mit­glied sei­ner Fa­mi­lie zu be­set­zen. Als Nach­fol­ger hat­te er sei­nen Bru­der Wal­ram von Mo­ers vor­ge­se­hen. Da­mit ge­riet er in Kon­flikt mit dem Haus von Hoya. Jo­hann von Hoya hat­te nicht ver­ges­sen, dass Diet­richt von Mo­ers ge­gen Mit­glie­der sei­ner Fa­mi­lie vor­ge­gan­gen war. Ins­be­son­de­re hat­te er nicht sei­ne ei­ge­nen sechs Jah­re Ge­fan­gen­schaft im Zu­sam­men­hang mit den Kämp­fen um Os­na­brück ver­ges­sen. Er woll­te sei­nen Bru­der Erich von Hoya zum Nach­fol­ger ma­chen.

Ne­ben den bei­den Haupt­kon­kur­ren­ten um die Bi­schofs­wür­de, gab es wei­te­re Be­wer­ber. Die Stadt Os­na­brück mach­te sich für Kon­rad von Diep­holz stark. Die­ser war Dom­propst in Os­na­brück und ein Nef­fe des Ut­rech­ter Bi­schof Ru­dolf von Diep­holz. Die­ser un­ter­stütz­te die Be­wer­bung, kam aber zu spät, um für sei­nen Nef­fen zu wer­ben.

Diet­rich von Mo­ers setz­te hohe Be­stechungs­gel­der ein, um eine Mehr­heit im Dom­ka­pi­tel für sei­nen Bru­der zu ge­win­nen. Die­ser war bis vor kur­zem ein An­hän­ger des Bas­ler Kon­zils ge­we­sen, ehe er auf Sei­ten der rö­mi­schen Ku­rie trat. Es ge­lang Diet­rich die Mehr­heit des Dom­ka­pi­tel bei ei­nem Tref­fen in Haus­dül­men am 15. Juli 1450 auf sei­ne Sei­te zu be­kom­men. Aber Jo­hann von Hoya mach­te sei­ner­seits Stim­mung für sei­nen Bru­der Erich. Er ge­wann vor al­len die Bür­ger der Stadt Müns­ter und den Adel für sich. In der Stadt un­ter­stütz­ten ihn vor al­lem die Gil­den und die Ge­mein­heit, wäh­rend die pa­tri­zi­schen Erb­män­ner des Ra­tes kei­ne Kon­fron­ta­ti­on woll­ten.

Jo­hann von Hoya wur­de von den welt­li­chen Stän­den zum Stifts­ver­we­ser ge­wählt. Er soll­te so lan­ge am­tie­ren, bis der Papst ei­nen den Bür­gern und Rit­ter ak­zep­ta­blen Bi­schof er­nannt hat­te. In ei­nem Schrei­ben an den Papst nann­ten sie als Grün­de für die­ses un­ge­wöhn­li­che Vor­ge­hen, dass Wal­ram an­geb­lich in frü­he­rer Zeit für zwei Mor­de und an­de­re Ver­bre­chen ver­ant­wort­lich ge­we­sen wäre. Dem­ge­gen­über stell­ten sie das an­geb­lich un­ta­de­li­ge Le­ben und die wis­sen­schaft­li­che Bil­dung des Erich von Hoya her­aus. Eine Min­der­heit von drei­zehn Dom­her­ren und alle Geist­li­chen der Stadt schlos­sen sich die­ser Po­si­ti­on an. In Os­na­brück ge­lang es Jo­hann von Hoya, sei­nen Bru­der Al­bert von Hoya zum Ad­mi­nis­tra­tor zu ma­chen. Da­durch wur­de die Po­si­ti­on der Fa­mi­lie im Kampf um das Hoch­stift Müns­ter noch ein­mal ge­stärkt.

Johann von Kleve war einer der wichtigsten Unterstützer der Hoyaschen Partei

Jo­hann von Kle­ve war ei­ner der wich­tigs­ten Un­ter­stüt­zer der Ho­ya­schen Par­tei

Jo­hann von Hoya brach­te als Ver­we­ser die meis­ten müns­ter­schen Lan­des­bur­gen un­ter sei­ne Kon­trol­le. Um die ei­ge­nen Kos­ten mög­lichst nied­rig zu hal­ten, be­schlag­nahm­te er Gü­ter des Bi­schofs und Ein­kom­men der Dom­her­ren. Au­ßer­dem führ­te er eine Ak­zi­se auf Han­dels­wa­ren ein. Vor die­sem Hin­ter­grund wa­ren die An­hän­ger Wal­rams im Dom­ka­pi­tel zu Ver­hand­lun­gen be­reit. Es kam zu ei­nem Ver­gleich, der den Ho­yas weit ent­ge­gen­kam. Da­nach wur­de ver­ein­bart, dass auf dem nächs­ten Land­tag alle Stän­de an den Papst ap­pel­lie­ren soll­ten, Erich von Hoya das Bi­schofs­amt zu über­tra­gen. Für das Ent­ge­gen­kom­men der Dom­her­ren wur­den ih­nen ihre al­ten Rech­te und Ein­künf­te zu­ge­si­chert. Der Land­tag bil­lig­te die­ses Über­ein­kom­men.

Jo­hann von Hoya er­ober­te im Ja­nu­ar 1451 die geg­ne­ri­sche Burg Dül­men. In Un­kennt­nis der in­zwi­schen ein­mü­ti­gen Hal­tung der Stän­de für Hoya hat­te der Papst Ni­ko­laus V. Wal­ram von Mo­ers zum Bi­schof er­nannt. Die Stadt Müns­ter re­agier­te dar­auf, in­dem sie ein Gut­ach­ten der Uni­ver­si­tät Er­furt an­for­der­te. Dies kam zu dem be­mer­kens­wer­ten Er­geb­nis, dass die Stän­de die Ent­schei­dung des Paps­tes nicht zu ak­zep­tie­ren bräuch­ten, weil der Papst kei­ne Ah­nung von den feh­len­den Kom­pe­ten­zen Wal­ram von Mo­ers ge­habt hät­te.

Un­ter­stützt wur­de die Par­tei Ho­yas auch vom Her­zog­tum Kle­ve. Her­zog Jo­hann von Kle­ve er­hoff­te sich da­von eine Schwä­chung des Erz­bi­schofs von Köln. Am 11. Juni 1451 kam mit dem Ver­trag von Haus Dül­men ein Bünd­nis zwi­schen Kle­ve und Jo­hann von Hoya zu­stan­de. Als Preis für die Un­ter­stüt­zung im Kampf ge­gen Wal­ram von Mo­ers er­hielt Kle­ve die Äm­ter Dül­men und Strom­berg. Nicht nur mi­li­tä­risch war Kle­ve ein wert­vol­ler Bünd­nis­part­ner. Wich­tig war auch die Für­spra­che durch Phil­ipp von Bur­gund, ein On­kel des Her­zogs, in Rom. Nach dem Ver­trag stell­te Kle­ve Wal­ram von Mo­ers die Kriegs­er­klä­rung zu.

Am sel­ben Tag traf in Müns­ter die Nach­richt ein, dass Kai­ser Fried­rich III. Wal­ram die Re­ga­li­en ver­lie­hen hät­te. Nach­dem Wal­ram auch die päpst­li­che Be­stä­ti­gung er­hal­ten hat­te, setz­te er ei­ni­ge sei­ner Geg­ner in ho­hen Kir­chen­äm­tern ab und ließ über die An­hän­ger der Ge­gen­sei­te durch ei­nen päpst­li­chen Be­auf­trag­ten das In­ter­dikt ver­hän­gen. Die so Ge­maß­re­gel­ten wand­ten sich er­neut an die Uni­ver­si­tät Er­furt. Die­se er­klär­te alle Maß­nah­men Wal­rams und des Köl­ner Erz­bi­schofs in sei­ner Sa­che für un­gül­tig. Phil­ipp von Bur­gund in­ter­ve­nier­te im Sin­ne der Ho­ya­schen Par­tei in ei­nem Schrei­ben nach Rom. Vor wei­te­ren Schrit­ten woll­te man ab­war­ten, wel­che Po­si­ti­on Ni­ko­laus von Kues in die­ser Sa­che ein­neh­men wür­de.

Ausbruch der Kämpfe

Ni­ko­laus von Kues schei­ter­te mit sei­nem Ver­such, im Auf­trag des Paps­tes ei­nen Aus­bruch der Kämp­fe zu ver­hin­dern

In­zwi­schen war im Hoch­stift die Feh­de in Form klei­ne­rer Un­ter­neh­mun­gen aus­ge­bro­chen. Der größ­te Teil des Ober­stifts wur­de in der Fol­ge von der Par­tei Ho­yas be­herrscht, Wal­ram be­saß nur das Ge­biet um Ahaus, Vre­den und Ot­ten­stein.

Ni­ko­laus von Kues dürf­te wahr­schein­lich vom Papst die An­wei­sung be­kom­men ha­ben, bei­de bis­he­ri­gen Bi­schofs­kan­di­da­ten durch Kon­rad von Diep­holz zu er­set­zen. Ni­ko­laus von Kues äu­ßer­te sich in­des vor al­lem ge­gen die Ho­yas. Mit dem Fall Vre­dens war Wal­ram vom Mo­ers auch die letz­te Stadt im Hoch­stift ver­lo­ren ge­gan­gen. Er hat ge­gen­über Ni­ko­laus von Kues am 21. Ja­nu­ar 1452 die Be­reit­schaft er­klärt, auf das Hoch­stift zu ver­zich­ten, vor­aus­ge­setzt, dass es ge­län­ge, die Ho­yas aus dem Hoch­stift zu ver­trei­ben und Kon­rad von Diep­holz zum Bi­schof zu ma­chen.

Letz­te­rer wur­de un­ter an­de­rem durch sei­nen On­kel Bi­schof Ru­dolf von Ut­recht un­ter­stützt. Nun­mehr stie­ßen die Ho­yas auf stär­ke­ren mi­li­tä­ri­schen Wi­der­stand etwa bei der Be­la­ge­rung von Ahaus. Zu Be­ginn des Jah­res 1452 be­sieg­te ein Söld­ner­heer Hoya und die müns­ter­schen Trup­pen und mach­te zahl­rei­che Ge­fan­ge­ne. Am 2. Fe­bru­ar er­klär­ten die Un­ter­stüt­zer von Diep­holz ih­ren Geg­nern of­fen die Feh­de. Wal­ram ver­pfän­de­te die letz­ten ihm ver­blie­be­nen Orte Ahaus und Ot­ten­stein an Ru­dolf von Ut­recht. Im Stift sel­ber wuchs die Sym­pa­thie für Kon­rad von Diep­holz, des­sen Kan­di­da­tur schien eine Al­ter­na­ti­ve zu den bis­he­ri­ger Aspi­ran­ten zu sein. Die Stän­de such­ten da­her am 6. Ok­to­ber 1452 in Coes­feld ei­nen Kom­pro­miss, um so­wohl Wal­ram von Mo­ers wie auch Erich von Hoya los­zu­wer­den. Alle bi­schöf­li­chen Amts­hand­lun­gen seit dem Tod Bi­schof Hein­richs wur­den für nich­tig er­klärt. Al­ler­dings schei­ter­ten die­se Frie­dens­be­mü­hun­gen. Ein Grund war ver­mut­lich, dass Jo­hann von Kle­ve wei­ter­hin an Erich von Hoya fest­hielt.

Jo­hann von Hoya, der zu­vor die Stadt ver­las­sen hat­te, kehr­te nach Müns­ter zu­rück. Ge­stützt auf die Un­ter­schich­ten der Stadt Müns­ter über­trug Jo­hann von Hoya die Stifts­re­gent­schaft 1453 de jure auf sei­nen Bru­der Erich, da­mit die­ser sich als Re­gent be­wäh­ren konn­te. Ob­wohl die Bür­ger­meis­ter der Städ­te sich da­ge­gen wehr­ten, muss­ten sie dies schließ­lich un­ter dem Druck der Stra­ße ak­zep­tie­ren. Erich von Hoya wur­de dar­auf­hin in al­len Städ­ten ge­hul­digt.

Ausweitung des Konflikts

Nikolaus von Kues scheiterte mit seinem Versuch, im Auftrag des Papstes einen Ausbruch der Kämpfe zu verhindern

Ni­ko­laus von Kues schei­ter­te mit sei­nem Ver­such, im Auf­trag des Paps­tes ei­nen Aus­bruch der Kämp­fe zu ver­hin­dern

Da­mit ging der Streit in eine neue Run­de. Ru­dolf von Ut­recht er­klär­te der Stadt Müns­ter und de­ren Ver­bün­de­ten am 7. Juli 1453 die Feh­de. Ihm ge­lang es die Stadt Vre­den ein­zu­neh­men, die kurz dar­auf von Jo­hann von Hoya zu­rück­ge­won­nen wer­den konn­te. Ru­dolf von Ut­recht nutz­te Strei­tig­kei­ten im geg­ne­ri­schen La­ger und nahm eine Rei­he von Städ­ten ein.

Jo­hann von Hoya er­zwang vor dem Hin­ter­grund des Sie­ges­zugs der Ge­gen­par­tei 1454 die Neu­wahl ei­nes sei­ner Par­tei wohl­ge­sinn­ten Stadt­ra­tes in Müns­ter. Da­bei stamm­te die Mehr­heit aus Gil­den und Ge­mein­heit, nur noch we­ni­ge Erb­män­ner wa­ren ver­tre­ten. In Müns­ter be­gann sich Wi­der­stand ge­gen das har­te Re­gi­ment der Ho­yas zu re­gen. Auch der Han­se­tag ver­lang­te im Ok­to­ber 1454 die Wie­der­her­stel­lung der al­ten Rats­ver­fas­sung.

Die Sei­te um Wal­ram von Mo­ers und den Bi­schof von Ut­recht er­reich­te es, vom Papst die Zu­si­che­rung zu er­hal­ten, dass alle von der Ge­gen­sei­te an den Papst ge­rich­te­ten Be­schwer­den über von Wal­ram ver­häng­te geist­li­che Stra­fen für un­wirk­sam er­klärt wur­den. Den­je­ni­gen, die sich auf Sei­ten Wal­rams stel­len wür­den, wur­de die Los­spre­chung vom Kir­chen­bann zu­ge­si­chert. Als ers­te Stadt mach­te Coes­feld von dem An­ge­bot Ge­brauch. Die­se wur­de zur Re­si­denz Wal­rams.

Weil Jo­hann von Kle­ve zeit­wei­se we­gen sei­ner Hoch­zeit als Un­ter­stüt­zer aus­fiel, wand­te sich Jo­hann von Hoya mit Bit­te um Hil­fe an Her­zog Fried­rich von Braun­schweig-Lü­ne­burg. Mit des­sen Hil­fe griff Jo­hann von Hoya plün­dernd und zer­stö­rend die Ge­gend von Coes­feld und die Graf­schaft Bent­heim an, die die Ge­gen­sei­te un­ter­stütz­te. Wal­ram aber auch Diet­rich fehl­ten zu­nächst die Mit­tel, um sich da­ge­gen zu weh­ren. Im Juli kam eine Trup­pe des Erz­bi­schofs bei Dül­men an. Durch ei­nen tak­ti­schen Feh­ler des Gra­fen Jo­hann von Hoya war die Trup­pe des Her­zogs Fried­rich al­lein, als die Ar­mee der Ver­bün­de­ten mit Diet­rich von Mo­ers, Wal­ram von Mo­ers, Ru­dolf von Ut­recht, Bern­hard von Bent­heim, Bern­hard zur Lip­pe und Kon­rad von Diep­holz an­griff und den Geg­nern in der Schlacht bei Varlar eine ver­nich­ten­de Nie­der­la­ge bei­brach­te. Der Her­zog wur­de ge­fan­gen ge­nom­men. Ein en­er­gi­scher wei­te­rer Vor­stoß hät­te zum Er­folg füh­ren kön­nen, aber die Ver­bün­de­ten wur­den von in­ter­nen Strei­tig­kei­ten be­hin­dert.

Kleinkrieg und Verhandlungen

Jo­hann von Hoya merk­te, dass die Stim­mung in Müns­ter sich ge­gen ihn wen­de­te. Er bot Kle­ve die Über­las­sung al­ler Städ­te und Bur­gen an. Jo­hann von Kle­ve aber hat­te mitt­ler­wei­le an­de­re Plä­ne. Er woll­te das Bis­tum Si­mon zur Lip­pe ver­schaf­fen, wäh­rend Erich von Hoya das Bis­tum Os­na­brück be­kom­men soll­te. Er hat­te auch dazu bei­getra­gen, dass Bi­schof Ru­dolf aus Ut­recht ver­trie­ben wur­de. Kur­ze Zeit spä­ter starb die­ser, nach­dem er noch sei­ne Rech­te an Ahaus und Ot­ten­stein an Kon­rad von Diep­holz ab­ge­tre­ten hat­te. Mit sei­nem Tod ver­lor die Par­tei um das Haus Mo­ers und Kon­rad von Diep­holz ih­ren stärks­ten Un­ter­stüt­zer. Letz­te­rer wur­de Bi­schof von Os­na­brück, gab aber sein Ziel auch Bi­schof in Müns­ter zu wer­den nicht auf.

Im Bis­tum Müns­ter stan­den sich wei­ter­hin Wal­ram von Mo­ers und die Par­tei um Jo­hann von Hoya ge­gen­über. Al­ler­dings be­trieb Diet­rich von Mo­ers die An­ge­le­gen­heit mit we­nig En­er­gie. Da­her gin­gen die Aus­ein­an­der­set­zun­gen in Form ei­nes Klein­krie­ges wei­ter. Da­ne­ben fan­den Ver­hand­lun­gen statt, die zu kei­nem Er­geb­nis führ­ten. Ein gro­ßer Er­folg war dann zu Be­ginn des Jah­res 1456 die Er­obe­rung von Coes­feld durch Jo­hann von Hoya. Im Ok­to­ber 1456 starb dann in Arn­heim Wal­ram von Mo­ers. Jo­hann von Hoya setz­te nun auf die Un­ter­stüt­zung durch den Her­zog von Bur­gund. Die­ser sprach sich für Erich von Hoya ge­gen­über dem Papst Ca­lixt III. aus, der hoff­te die Bur­gun­der für den Tür­ken­krieg ge­win­nen zu kön­nen. Die deut­li­che Un­ter­stüt­zung Phil­ipp von Bur­gunds für die Sa­che der Ho­yas führ­te dazu, dass sich die Städ­te deut­li­cher als in den letz­ten Jah­ren auf die Sei­te Jo­hann von Ho­yas stell­ten. Erich von Hoya wur­de von zwei Dom­her­ren zum Bi­schof pos­tu­liert. Die Mehr­heit der Dom­her­ren ent­schied sich je­doch für Kon­rad von Diep­holz. Bei­de Sei­ten er­such­ten Rom um eine Ent­schei­dung.

Jo­hann von Hoya such­te sei­ne Stel­lung in Müns­ter da­durch zu stär­ken, dass er An­fang 1457 die Bür­ger­schaft er­warb und der Schmie­de­zunft bei­trat. Kur­ze Zeit spä­ter wur­de er in den Rat ge­wählt. Der Papst ent­schied sich je­doch für Jo­hann von Pfalz-Sim­mern, der an den bis­he­ri­gen Strei­tig­kei­ten völ­lig un­be­tei­ligt ge­we­sen war. Jo­hann von Hoya such­te ver­geb­lich noch ein­mal um die Un­ter­stüt­zung Kle­ves und Bur­gunds nach. Auch die Hoff­nun­gen Kon­rad von Diep­holz sei­ne Po­si­ti­on zu hal­ten schei­ter­ten.

Ende des Streits und Folgen

Am 23. Ok­to­ber 1457 wur­de der Kra­nen­bur­ger Ver­trag ab­ge­schlos­sen, der den Kon­flikt be­en­de­te. Die­ser sah vor, dass Erich von Hoya le­bens­lang Ein­künf­te in Höhe der Köl­ner Dom­props­tei er­hal­ten soll­te. Die Stadt Müns­ter ver­pflich­te­te sich, den neu­en Bi­schof an­zu­er­ken­nen, ihn in die Stadt zu las­sen und zu hul­di­gen. Auf der an­de­ren Sei­te sag­te der neue Bi­schof zu, die bis­he­ri­gen Pri­vi­le­gi­en der Stadt an­zu­er­ken­nen. Der neue Bi­schof er­kann­te zu­dem die Ver­pfän­dung der Äm­ter Dül­men und Strom­berg an den Her­zog von Kle­ve an. Die­ser er­hielt zu­dem eine Ent­schä­di­gung von 11.000 rhei­ni­schen Gul­den. An­fang No­vem­ber zog der neue Bi­schof in Müns­ter ein, leis­te­te kur­ze Zeit spä­ter den Amts­eid und be­schwor die Wahl­ka­pi­tu­la­ti­on.

Jo­hann von Hoya hat­te zu­vor heim­lich die Stadt ver­las­sen. Erich von Hoya starb be­reits 1458. Die ihm ver­pfän­de­te Burg Be­ver­gern fiel an das Hoch­stift zu­rück. Nach dem Frie­dens­schluss nor­ma­li­sier­te sich das Le­ben im Hoch­stift rasch. In Müns­ter war auf Dau­er die be­herr­schen­de Stel­lung der Erb­män­ner im Stadt­rat ge­bro­chen, die Gil­den be­hiel­ten das Recht dort Mit­glie­der zu stel­len. Den Erb­män­nern stand nur noch die Hälf­te des Ra­tes zu. Am Ende zeig­te sich, dass das Hoch­stift nur Ob­jekt im Macht­spiel der gro­ßen Ge­schlech­ter war. Kai­ser und Papst hat­ten jeg­li­chen Ein­fluss ver­lo­ren. In der Ära Hein­richs und Wal­rams von Mo­ers setz­ten die Bi­schö­fe so gut wie kei­ne geist­li­chen Im­pul­se mehr.

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