Merveldt (Adelsgeschlecht)

Wappen derer von Merveldt

Wap­pen de­rer von Mer­veldt

Mer­veldt (auch Meer­veldt oder Mer­feld) ist der Name ei­nes west­fä­li­schen Adels­ge­schlechts, wel­ches dem Ur­adel an­ge­hört. Die Her­ren von Mer­veldt ge­hö­ren zu den äl­tes­ten Ge­schlech­tern im Müns­ter­land. Mer­feld, der na­mens­ge­ben­de Stamm­sitz der Fa­mi­lie, ist heu­te ein Orts­teil der Stadt Dül­men im Kreis Coes­feld.

Geschichte

Herkunft

Als ers­ter nach­weis­ba­rer An­ge­hö­ri­ger der Fa­mi­lie er­scheint im Jah­re 1169 der Mi­nis­te­ria­le Hen­ri­cus de Me­re­vel­de ur­kund­lich. Die ge­si­cher­te Stamm­rei­he be­ginnt mit dem in Ur­kun­den „mi­nis­te­ria­lis bea­ti Pau­li“ ge­nann­ten Her­man­nus de Mer­vel­de ab 1227, Mi­nis­te­ria­ler der Bi­schö­fe von Müns­ter. Bernd und Her­mann von Mer­veldt, ab 1251 ur­kund­lich er­wähnt, wa­ren bi­schöf­lich-müns­te­r­i­sche Burg­man­nen zu Dül­men.

Ausbreitung und Linien

Die En­kel des Stamm­va­ters Her­mann be­grün­de­ten drei Li­ni­en. Die ers­te von Jo­han­nes, Rit­ter und Schenk des Bi­schofs von Müns­ter, ab­stam­men­de Li­nie nann­te sich spä­ter nur Schenk und war noch bis 1400 um Dül­men an­säs­sig. Her­mann, Burg­mann auf der Burg Strom­berg, be­grün­de­te die zwei­te Li­nie, die 1691 er­losch (an­säs­sig auf dem na­mens­ge­ben­den Stamm­sitz Mer­feld). Die drit­te, noch heu­te blü­hen­de Li­nie, be­grün­det Hein­rich, Rit­ter und, wie sein Bru­der, Burg­mann zu Strom­berg (spä­ter an­säs­sig auf Schloss Wes­ter­win­kel). Ein aus die­ser Li­nie ab­stam­men­der Zweig wur­de spä­ter auch in Kur­land an­säs­sig.

Zahl­rei­che Mit­glie­der der Fa­mi­lie blie­ben in bi­schöf­lich-müns­te­r­i­schen Diens­ten und wur­den Dom­her­ren im Hoch­stift Müns­ter. Spä­ter ge­lang­ten sie aber auch in die Dom­ka­pi­tel von Hil­des­heim, Os­na­brück und Pa­der­born. In St. Mau­ritz und Xan­ten wa­ren sie Stifts­her­ren. Weib­li­che Mit­glie­der der Fa­mi­lie tra­ten als Stifts­da­men im Ka­no­nis­sen­stift Über­was­ser in Müns­ter, Borg­horst und im St. Bo­ni­fa­ti­us Stift in Fre­cken­horst auf.

Linie zu Merfeld

Schloss Westerwinkel 1860, Sammlung Alexander Duncker

Schloss Wes­ter­win­kel 1860,
Samm­lung Alex­an­der Duncker

Wäh­rend die Li­nie zu Wes­ter­win­kel stets in en­gem Kon­takt zum bi­schöf­li­chen Lan­des­herrn stand, such­te die Li­nie zu Mer­feld im spä­ten 16. und frü­hen 17. Jahr­hun­dert ihre Herr­schaft ge­gen alle lan­des­herr­li­chen Ein­flüs­se ab­zu­gren­zen. Die Be­haup­tung ei­ner ei­ge­nen Ge­richts­bar­keit in­klu­si­ve Richt­stät­te und der Auf­bau ei­nes re­for­mier­ten Kir­chen­we­sens in Mer­feld wa­ren für Adolf III. von Mer­veldt (* 1546; † 1604) und Jo­hann Adolf von Mer­veldt (*~1580; † 1619) die ge­eig­ne­ten In­stru­men­te zur Ver­tei­di­gung ih­res lo­ka­len Herr­schafts­an­spruchs. Die kon­fes­sio­nel­le Op­po­si­ti­on zum Fürst­bi­schof war ty­pisch für vie­le Fa­mi­li­en des west­fä­li­schen Adels zu die­ser Zeit. 1691 ist die Li­nie zu Mer­feld er­lo­schen und das Haus Mer­feld fiel im Erb­we­ge an die Fa­mi­lie von Mero­de.

Linie zu Westerwinkel

Bi­schof Hei­den­reich von Müns­ter be­lehn­te den Mar­schall Hein­rich von Mer­veldt 1389 mit Wol­beck. Dort be­sa­ßen die Her­ren von Mer­veldt bis zur Sä­ku­la­ri­sa­ti­on das Amt des Dros­ten. Ab 1545 er­rich­te­ten sie sich als Wohn­sitz den Dros­ten­hof Wol­beck, der bis heu­te im Be­sitz der Fa­mi­lie blieb.

Um 1430 wur­de Her­mann von Mer­veldt (1399–1450), Mar­schall des Fürst­bi­schofs von Müns­ter und Dros­te des Am­tes Strom­berg, von den Gra­fen von Lim­burg mit dem Be­sitz Schloss Wes­ter­win­kel be­lehnt. Durch sein mä­ßi­gen­des Auf­tre­ten war Her­mann von Mer­veldt am Ab­schluss des Kra­nen­bur­ger Ver­tra­ges (23. Ok­to­ber 1457) zur Be­en­di­gung der müns­te­r­i­schen Stifts­feh­de (von 1450 bis 1457) be­tei­ligt. Im 15. und An­fang des 16. Jahr­hun­derts muss­te die Fa­mi­lie das Gut zwei­mal ver­kau­fen, ge­lang­te je­doch ein­mal durch Rück­kauf und ein­mal durch Hei­rat wie­der in den Be­sitz von Wes­ter­win­kel, der ih­nen bis heu­te ge­blie­ben ist.

Wäh­rend der Täu­fer­un­ru­hen in Müns­ter tra­ten die Her­ren von Mer­veldt auf die Sei­te des Bi­schofs von Müns­ter. Diet­rich von Mer­veldt († 1564), Drost zu Wol­beck, un­ter­nahm 1532 ei­nen ver­geb­li­chen Ver­such, mit ei­nem Bau­ern­auf­ge­bot die Ord­nung in der Stadt wie­der­her­zu­stel­len. Als Dirk von Mer­veldt eine wich­ti­ge Rol­le bei der Er­obe­rung Müns­ters aus den Hän­den der Müns­te­ra­ner Täu­fer spiel­te und selbst den Täu­fer­kö­nig Jan van Ley­den ge­fan­gen nahm, über­wan­den die Mer­veldts durch Kriegs­beu­te ihre fi­nan­zi­el­len Eng­päs­se. So konn­te Dirk von Mer­veldt den Dros­ten­hof in Wol­beck er­rich­ten, ein Meis­ter­werk der Re­nais­sance. Durch sei­ne Ehe mit Ur­su­la von Diepen­brock ge­lang­te er 1567 auch wie­der in den Be­sitz von Wes­ter­win­kel. Im Jah­re 1589 kauf­te Theo­dor Her­mann von Mer­veldt zu Wes­ter­win­kel au­ßer­dem die Burg Gein­eg­ge in Bockum-Hö­vel.

Aus der Li­nie zu Wes­ter­win­kel war Diet­rich Her­mann von Mer­veldt (* 1598; † 1658) kur­köl­ni­scher Ober­hof­mar­schall und Ge­sand­ter auf den Reichs­ta­gen in Re­gens­burg. Be­gin­nend mit sei­nem Sohn Diet­rich Her­mann II. von Mer­veldt (* 1624; † 1688) wa­ren alle Stamm­her­ren der Fa­mi­lie müns­te­r­i­sche (Obrist-)Hofmarschälle, (Ge­hei­me) Räte und Dros­ten zu Wol­beck. 1667 ge­lang es durch Zah­lung ei­ner Geld­sum­me, Wes­ter­win­kel aus dem Ho­hen­lim­bur­ger Le­hens­ver­hält­nis her­aus­zu­lö­sen und so ins per­sön­li­ches Ei­gen­tum der Fa­mi­lie zu brin­gen. Nur ein Jahr spä­ter, am 17. Fe­bru­ar 1668, wur­de Theo­dor Her­mann von Mer­veldt (1624–1696) von Kai­ser Leo­pold I. in den erb­li­chen Reichs­frei­her­ren­stand er­ho­ben. Die­se Stan­des­er­hö­hung zog ein ge­ho­be­nes Re­prä­sen­ta­ti­ons­be­dürf­nis nach sich. Des­halb ist das zu die­ser Zeit er­rich­te­te Schloss Wes­ter­win­kel ei­nes der frü­hes­ten Ba­rock­schlös­ser West­fa­lens. Am 20. De­zem­ber 1726 wur­den die Reichs­frei­her­ren von Kai­ser Karl VI. in den erb­li­chen Reichs­gra­fen­stand er­ho­ben. Eine an­ge­streb­te Reichs­stand­schaft wur­de we­gen Strei­tig­kei­ten in der Fa­mi­lie und durch Ein­grif­fe des bi­schöf­li­chen Lan­des­her­ren je­doch ver­hin­dert.

Schloss Lembeck um 1865, Sammlung Alexander Duncker

Schloss Lem­beck um 1865,
Samm­lung Alex­an­der Duncker

Der Wol­be­cker Drost Fer­di­nand Diet­rich Frei­herr von Mer­veldt zu Wes­ter­win­kel hei­ra­te­te 1708 Ma­ria Jo­se­pha Anna Grä­fin von Wes­ter­holt, die Erb­toch­ter des 1702 ver­stor­be­nen Gra­fen Diet­rich Con­rad Adolf von Wes­ter­holt. Die­ser hat­te von 1670 bis 1692 Schloss Lem­beck zu ei­nem der größ­ten Was­ser­schlös­ser des Müns­ter­lan­des aus- und um­bau­en las­sen. Lem­beck so­wie das zu­ge­hö­ri­ge Haus Emp­te bei Dül­men be­fin­den sich bis heu­te im Be­sitz der Gra­fen von Mer­veldt. Graf Karl von Mer­veldt auf Lem­beck er­warb 1841 die ehe­ma­li­ge Neue Ab­tei des auf­ge­las­se­nen St. Bo­ni­fa­ti­us­stifts Fre­cken­horst, die sich eben­falls bis heu­te im Fa­mi­li­en­be­sitz be­fin­det. Fer­di­nand Graf von Mer­veldt hei­ra­te­te Ma­ria-Anna Frei­in Dros­te zu Hüls­hoff (1866–1947), als de­ren Erbe die Gü­ter Füch­tel und Wel­pe in Vech­ta bis heu­te in Fa­mi­li­en­be­sitz ka­men.

Besitzungen

Wäh­rend des 19. Jahr­hun­derts ge­hör­ten zum Be­sitz der Fa­mi­lie die Rit­ter­gü­ter Lem­beck, Os­ten­dorf und Ha­gen­beck im Kreis Reck­ling­hau­sen, Stein­haus in Wer­ne, Burg Gein­eg­ge (in Bockum-Hö­vel) und Schloss Wes­ter­win­kel (bei Asche­berg-Her­bern) im Kreis Lü­ding­hau­sen, Dros­ten­hof Wol­beck bei Müns­ter (Wol­beck ist heu­te Orts­teil von Müns­ter), Hux­diek und Sep­pen­ha­gen im Kreis Be­ckum, Fre­cken­horst im Kreis Wa­ren­dorf, Emp­te im Kreis Coes­feld und – auf­grund Ein­hei­rat in die Fa­mi­lie Dros­te zu Hüls­hoff – das Gut Füch­tel in Vech­ta (Nie­der­sach­sen). Von 1717 bis 1923 be­stand ein Fa­mi­li­en­fi­dei­kom­miss.

Standeserhebungen

Diet­rich Her­mann von Mer­veldt (* 1624; † 1688), Fürst­bi­schöf­lich müns­te­r­i­scher Ge­heim­rat, Hof­mar­schall und Drost zu Wol­beck, wur­de am 17. Fe­bru­ar 1668 von Kai­ser Leo­pold I. in den Reichs­frei­her­ren­stand er­ho­ben. Gos­win Her­mann Otto von Mer­veldt (* 1661; † 1727) war 1721 bis 1727 Groß­pri­or des Jo­han­ni­ter­or­dens in deut­schen Lan­den und als sol­cher Reichs­fürst von Hei­ters­heim. Am 20. De­zem­ber 1726 wur­de Diet­rich Bur­chard Reichs­frei­herr von Mer­veldt, Kur­fürst­lich köl­ni­scher und Fürst­bi­schöf­lich müns­te­r­i­scher Ge­heim­rat und Ober­hof­mar­schall und alle sei­ne Nach­kom­men, von Kai­ser Karl VI., in den Reichs­gra­fen­stand mit der An­re­de Hoch- und Wohl­ge­bo­ren und ei­ner Wap­pen­besse­rung er­ho­ben. Des Wei­te­ren wur­de den Her­ren von Mer­veldt das Erb­mar­schall­samt im Fürs­ten­tum Müns­ter, durch preu­ßi­sche Ver­lei­hung am 15. Ok­to­ber 1840 zu Ber­lin, Di­plom aus­ge­stellt am 28. De­zem­ber 1846 in pri­mo­ge­ni­tur (für den Erst­ge­bo­re­nen des Ge­samt­ge­schlechts) ver­lie­hen. Das Böh­mi­sche In­ko­lat im Her­ren­stand er­hielt Ma­xi­mi­li­an Graf von Mer­veldt, k.u.k. Käm­me­rer und Ge­heim­rat so­wie Ge­ne­ral­ma­jor und Ober­hof­meis­ter des Erz­her­zogs Franz Karl am 26. Fe­bru­ar 1848 zu Wien.

Wappen

Das Stamm­wap­pen zeigt in Blau ein gol­de­nes Git­ter, be­stehend aus zwei auf­ge­rich­te­ten und ei­nem ge­stürz­ten Spar­ren. Auf dem Helm ein wie der Schild be­zeich­ne­tes Schild­chen vor zwei mit drei schräg­rech­ten bzw. schräg­lin­ken gol­de­nen Bal­ken be­leg­ten blau­en Strau­ßen­fe­dern. Die Helm­de­cken sind blau-gol­den. (Die Li­nie von und zu Mer­feld hat­te ein ro­tes Git­ter auf gol­de­nem Grund ge­führt.)

Namensträger

  • Fe­lix Fried­rich Graf von Mer­veldt (* 1862; † 1926), deut­scher Be­am­ter und Po­li­ti­ker (DNVP)
  • Fer­di­nand von Mer­veldt (* 1840; † 1906), Guts­be­sit­zer und Mit­glied im preu­ßi­schen Her­ren­haus
  • Hanns Hu­ber­tus Graf von Mer­veldt (* 24. März 1901 in Coes­feld; † 6. Ok­to­ber 1969 in Ham­burg), Ma­ler
  • Karl von Mer­veldt (* 1790; † 1859), Land­rat und Mit­glied im preu­ßi­schen Her­ren­haus
  • Ma­xi­mi­li­an Fried­rich von Mer­veldt (* 1764; † 1815), deut­scher Mi­li­tär und Di­plo­mat in habs­bur­gi­schen Diens­ten
  • Gos­win Her­mann Otto von Mer­veldt (1661–1727), Groß­pri­or des deut­schen Mal­te­ser­or­dens

Lizenz

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