Maximilian Heinrich von Bayern

Erzbischof Maximilian Heinrich von Bayern, zeitgenössischer Stich

Erz­bi­schof Ma­xi­mi­li­an Hein­rich von Bay­ern, zeit­ge­nös­si­scher Stich

Ma­xi­mi­li­an Hein­rich von Bay­ern (* 8. De­zem­ber 1621 in Mün­chen; † 5. Juni 1688 in Bonn) war ein Prinz mit dem Ti­tel Her­zog von Bay­ern aus dem Hau­se Wit­tels­bach und ab 1650 Erz­bi­schof und Kur­fürst von Köln, Bi­schof von Hil­des­heim und Lüt­tich. Au­ßer­dem war er ab 1650 Fürst­propst bzw. Kur­köl­ni­scher Ad­mi­nis­tra­tor des Stif­tes Berch­tes­ga­den, ab 1657 Abt der Reichs­ab­tei Sta­blo-Mal­me­dy so­wie ab 1683 (ohne päpst­li­che Er­laub­nis) Bi­schof von Müns­ter. In geist­li­cher Hin­sicht war er ein Ver­tre­ter der Ge­gen­re­for­ma­ti­on und der Be­schlüs­se des Kon­zils von Tri­ent. Gleich­zei­tig kri­ti­sier­te er den Ein­fluss der rö­mi­schen Ku­rie. Sein po­li­ti­sches Han­deln war er­heb­lich von Be­ra­tern be­stimmt. In­nen­po­li­tisch fiel sei­ne Po­li­tik in den ver­schie­de­nen von ihm be­herrsch­ten Ter­ri­to­ri­en un­ter­schied­lich aus. Au­ßen­po­li­tisch ver­folg­te er ei­nen pro­fran­zö­si­schen Kurs.

Familie

Ma­xi­mi­li­an Hein­rich war das vier­te und letz­te Kind und der drit­te Sohn von Her­zog Al­brecht VI. von Bay­ern-Leuch­ten­berg und des­sen Frau Mecht­hil­dis von Leuch­ten­berg, Toch­ter des Land­gra­fen Ge­org IV. Lud­wig von Leuch­ten­berg. Sein Bru­der Al­brecht Si­gis­mund war Bi­schof von Frei­sing und Re­gens­burg. Zu sei­nen On­keln zäh­len Kur­fürst Ma­xi­mi­li­an I. von Bay­ern so­wie Erz­bi­schof Fer­di­nand von Köln. Ein Vet­ter war Kar­di­nal Franz Wil­helm Graf von War­ten­berg. Ein Nef­fe war Jo­seph Cle­mens, spä­te­rer Erz­bi­schof von Köln.

Frühes Leben

Lebensgroßes Bildnis von Maximilian

Le­bens­gro­ßes Bild­nis von Ma­xi­mi­li­an

Be­reits früh war Ma­xi­mi­li­an Hein­rich für den geist­li­chen Stand be­stimmt. Schon als Kind wur­den ihm da­her zahl­rei­che Dom­her­ren­prä­ben­den ver­lie­hen. Dazu ge­hör­ten Stel­len in Köln (1622), Kon­stanz (1626), Straß­burg (1626), Hal­ber­stadt (1627), Bri­xen (1629), Salz­burg (1629), Müns­ter (1629), Hil­des­heim (1632), Lüt­tich (1641) und Pa­der­born (1657).

Er­zo­gen wur­de er von den Hof­meis­tern aus dem Or­den der Je­sui­ten Ru­dolf von Rech­berg und Ge­org Chris­toph von Has­lang. Da­nach kam er 1637 zu sei­nem On­kel Erz­bi­schof Fer­di­nand und wur­de 1638 Propst des Stif­tes St. Ge­re­on. Die­ses Amt be­hielt er bis 1650. Er war auch Dom­propst in Kon­stanz und Straß­burg. In Köln be­such­te Ma­xi­mi­li­an Hein­rich das Gym­na­si­um Tri­co­ro­na­tum, wo er zum Prä­fek­ten der Schü­ler­kon­gre­ga­ti­on auf­stieg. Da­nach war er ab 1637 an der Uni­ver­si­tät Köln ein­ge­schrie­ben. Zwi­schen 1643 und 1649 stu­dier­te er ka­tho­li­sche Theo­lo­gie in Lö­wen. In Lüt­tich wur­de er 1649 Dom­de­chant.

Persönlichkeit

Ma­xi­mi­li­an Hein­rich wird als fromm, per­sön­lich un­ta­de­lig, men­schen­scheu, früh kränk­lich und miss­trau­isch be­schrie­ben. Er habe un­ter Me­lan­cho­lie und Hy­po­chon­drie ge­lit­ten und dazu ge­neigt, welt­li­che Pflich­ten zu ver­nach­läs­si­gen. Zwi­schen 1673 und 1683 zog er sich in die Ab­tei St. Pan­ta­le­on in Köln zu­rück. Dort leb­te er ohne sei­nen Hof­staat in ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen und wid­me­te sich geist­li­chen Übun­gen und sei­nen al­che­mis­ti­schen Nei­gun­gen. Ma­xi­mi­li­an Hein­rich sam­mel­te Gold, Edel­stei­ne und Mün­zen; er war seit sei­ner Ju­gend Ex­per­te für das Schlei­fen von Edel­stei­nen und hat selbst die Stei­ne für den West­fä­li­schen Land­stän­de­po­kal ge­schlif­fen. Im Jahr 1667 un­ter­nahm er in­ko­gni­to eine Rei­se nach Ams­ter­dam, um dort al­che­mis­ti­schen Fra­gen nach­zu­ge­hen.

Ma­xi­mi­li­an Hein­rich wird als po­li­tisch un­ent­schlos­sen cha­rak­te­ri­siert. Er stütz­te sich bei sei­nen Ent­schei­dun­gen auf Be­ra­ter, ins­be­son­de­re auf die Brü­der Franz Egon von Fürs­ten­berg und Wil­helm Egon von Fürs­ten­berg („Ego­ni­ten“), die ent­schie­de­ne Par­tei­gän­ger fran­zö­si­scher In­ter­es­sen im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich wa­ren. Hin­zu ka­men der Kanz­ler Pe­ter von Busch­mann und wei­te­re Rat­ge­ber.

Im Ge­gen­satz zu den üb­ri­gen Wit­tels­ba­cher Prin­zen, die den Köl­ner Erz­bi­schofstuhl be­setz­ten, fühl­te sich Ma­xi­mi­li­an Hein­rich tat­säch­lich zum Pries­ter be­ru­fen. An­ders als sein Vor­gän­ger Ernst von Bay­ern, der mit Ger­trud von Plet­ten­berg zu­sam­men­leb­te, hat­te Ma­xi­mi­li­an Hein­rich kei­ne Mä­tres­sen.

Aufstieg zum Erzbischof und zu weiteren Ämtern

Auf Drän­gen sei­nes Vet­ters Graf von War­ten­berg wur­de Ma­xi­mi­li­an Hein­rich 1633 Ko­ad­ju­tor im Bis­tum Hil­des­heim, dazu 1642 Ko­ad­ju­tor in Köln und 1649 Ko­ad­ju­tor in Lüt­tich. Nach dem Tod sei­nes On­kels Fer­di­nand 1650 wur­de er des­sen Nach­fol­ger als Erz­bi­schof von Köln, als Bi­schof von Lüt­tich, als Bi­schof von Hil­des­heim so­wie als Fürst­propst bzw. Kur­köl­ni­scher Ad­mi­nis­tra­tor des Stif­tes Berch­tes­ga­den. Im Jahr 1654 wur­de er Ko­ad­ju­tor von Wil­helm von Bay­ern, dem un­ehe­li­chen Sohn von Erz­bi­schof Ernst von Bay­ern, im Dop­pel­klos­ter Sta­blo-Mal­me­dy. Die Abts­wür­de er­hielt Ma­xi­mi­li­an Hein­rich 1657, gab sie aber zu Guns­ten von Franz Egon von Fürs­ten­berg wie­der auf. Dar­über hin­aus mel­de­te er In­ter­es­se an den Bi­schofs­sit­zen von Frei­sing, Müns­ter und Pa­der­born an, schei­ter­te je­doch am Wi­der­stand der rö­mi­schen Ku­rie. Für das Bi­schofs­amt in Müns­ter pos­tu­lier­te er nach dem Tod von Fer­di­nand von Fürs­ten­berg. Da die päpst­li­che Er­laub­nis aus­blieb, war Ma­xi­mi­li­an Hein­rich zwar der welt­li­che Herr­scher des Hoch­stifts Müns­ter, nicht aber der Bi­schof des Bis­tums Müns­ter.

Geistliches Wirken

Maximilian Heinrich zu Pferd vor der Stadt Bonn

Ma­xi­mi­li­an Hein­rich zu Pferd vor der Stadt Bonn

Um sei­nen geist­li­chen Pflich­ten nach­kom­men zu kön­nen, ließ er sich die ihm noch feh­len­den Wei­hen er­tei­len. So emp­fing er im Sep­tem­ber 1651 die Pries­ter­wei­he und im Ok­to­ber 1651 durch den päpst­li­chen Nun­ti­us Fa­bio Chi­gi, dem spä­te­ren Papst Alex­an­der VII., in der (im Mai 1800 ab­ge­brann­ten) Bon­ner Re­mi­gius­kir­che die Bi­schofs­wei­he. Da­mit war er nach mehr als hun­dert Jah­ren der ers­te zum Bi­schof ge­weih­te Erz­bi­schof von Köln.

In kirch­li­chen Fra­gen stand er wie sei­ne Vor­gän­ger auf Sei­ten der Ge­gen­re­for­ma­ti­on und den da­mit ver­bun­de­nen in­ner­kirch­li­chen Re­for­men in der Fol­ge des Kon­zils von Tri­ent. Er ließ zwi­schen 1651 und 1682 Diö­ze­san­syn­oden ab­hal­ten. Die von sei­nem Weih­bi­schof Ge­org Pau­li-Stra­vi­us aus­ge­ar­bei­te­ten Syn­odal­sta­tu­ten be­ein­fluss­ten die Seel­sor­ge­pra­xis der köl­ni­schen Kir­che für die fol­gen­den Jahr­hun­der­te. Gro­ßen Wert leg­te Ma­xi­mi­li­an Hein­rich auf die Dis­zi­pli­nie­rung des Kle­rus, die Be­gren­zung der Volks­fröm­mig­keit, die An­pas­sung der Glau­bens- und Ehe­be­stim­mun­gen an die des Kon­zils von Tri­ent, die Über­nah­me des ver­än­der­ten rö­mi­schen Ri­tus und die Be­schnei­dung des Ein­flus­ses der Ar­chi­dia­ko­ne.

Im Be­reich der Or­den för­der­te Ma­xi­mi­li­an Hein­rich ins­be­son­de­re Fran­zis­ka­ner und Je­sui­ten. Aus ih­ren Rei­hen stamm­ten auch sei­ne Beicht­vä­ter. In Bonn wur­de 1673 das Je­sui­ten­gym­na­si­um ge­grün­det. Er hol­te die ers­ten Au­gus­ti­ner Chor­frau­en in sei­nen Ein­fluss­be­reich. Im Jahr 1651 ent­sand­te er die ers­ten Je­sui­ten nach Arns­berg, in die Haupt­stadt des zu Kur­köln ge­hö­ren­den Her­zog­tums West­fa­len; dar­aus ging die Arns­ber­ger Je­sui­ten­mis­si­on her­vor. Ma­xi­mi­li­an Hein­rich ge­neh­mig­te 1654 die Nie­der­las­sung der Mi­no­ri­ten in Bri­lon. Im Jahr 1661 kam die Ma­ri­en­sta­tue aus der pro­tes­tan­tisch ge­wor­de­nen Wie­sen­kir­che in Soest nach Werl. Ma­xi­mi­li­an Hein­rich ver­füg­te, dass die Sta­tue der Ver­eh­rung zu­gäng­lich ge­macht wur­de. Da­nach ent­wi­ckel­te sich die Ka­pu­zi­ner­kir­che Werl zum Wall­fahrts­ort.

Ma­xi­mi­li­an Hein­rich plan­te of­fen­bar, den Bau des Köl­ner Doms fort­zu­set­zen. Dazu kam es nicht. Je­doch trug er zur in­ne­ren Aus­schmü­ckung des Do­mes bei; er schenk­te der Schatz­kam­mer wert­vol­le Stü­cke wie eine Mons­tranz; ins­be­son­de­re sorg­te er für die Aus­ge­stal­tung der Drei­kö­nigs­ka­pel­le.

Den Macht­an­spruch der rö­mi­schen Ku­rie und des in Köln re­si­die­ren­den päpst­li­chen Nun­ti­us lehn­te er ab. Er nahm durch sei­nen Kanz­ler Pe­ter von Busch­mann Ein­fluss auf ent­spre­chen­de Be­stim­mun­gen in der Wahl­ka­pi­tu­la­ti­on von Leo­pold I. Die an­ti­rö­mi­schen Be­stre­bun­gen gip­fel­ten im Jahr 1660 im Plan ei­nes deut­schen Na­tio­nal­kon­zils.

Reichs- und Außenpolitik

Maximilian Heinrich von Bayern, Darstellung in einem Krönungsdiarium aus dem Jahre 1658

Ma­xi­mi­li­an Hein­rich von Bay­ern, Dar­stel­lung in ei­nem Krö­nungs­dia­ri­um aus dem Jah­re 1658

Ma­xi­mi­li­an Hein­rich nahm 1653 und 1664 per­sön­lich am Reichs­tag in Re­gens­burg teil. Auf dem Fürs­ten­tag zu Augs­burg 1654 sprach er sich für die Kö­nigs­wahl von Fer­di­nand IV. aus. Der Kur­fürst nahm tra­di­ti­ons­ge­mäß das Recht auf die Krö­nung für sich in An­spruch. Die­ses tat auch der Main­zer Erz­bi­schof Jo­hann Phil­ipp von Schön­born. Ma­xi­mi­li­an Hein­rich ver­ließ dar­auf­hin die Ver­samm­lung.

Sei­ne Po­li­tik be­gann sich an Frank­reich zu ori­en­tie­ren. Dies gilt für die Kai­ser­wahl von 1658, bei der Ma­xi­mi­li­an Hein­rich sich mit Frank­reich ver­geb­lich für den baye­ri­schen Kur­fürs­ten Fer­di­nand Ma­ria ein­setz­te. Er schwenk­te erst auf Leo­pold I. um, nach­dem ihm als dem Köl­ner Kur­fürs­ten das Recht auf Sal­bung und Krö­nung bei As­sis­tenz des Main­zer Kur­fürs­ten zu­ge­si­chert wor­den war.

Pro­fran­zö­si­sche Si­gna­le setz­te 1658 der Bei­tritt Kur­kölns zum Rhei­ni­schen Bund. Dem zeit­wei­se aus Frank­reich ge­flo­he­nen Kar­di­nal Ma­za­rin ge­währ­te Ma­xi­mi­li­an Hein­rich vor­über­ge­hend Asyl. Ein ers­ter Ge­heim­ver­trag mit Frank­reich wur­de 1666 ge­schlos­sen. Es folg­ten 1671 und 1672 wei­te­re Ver­ein­ba­run­gen. Sie wa­ren ver­bun­den mit er­heb­li­chen Geld­zah­lun­gen von Sei­ten Frank­reichs und der Stel­lung von Trup­pen von Sei­ten Kur­kölns. Frank­reich ging es da­bei um eine Ver­grö­ße­rung des Auf­marsch­ge­biets ge­gen­über den Nie­der­lan­den. Der Kur­fürst hoff­te, nie­der­län­disch be­setz­te Ge­bie­te zu­rück­zu­ge­win­nen und sie zu re­ka­tho­li­sie­ren.

Die krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen ver­lie­fen für Kur­köln al­ler­dings we­nig vor­teil­haft. Das Land wur­de zum Schau­platz des Krie­ges und von Trup­pen bei­der Sei­ten ver­heert. Ma­xi­mi­li­an Hein­rich muss­te 1673 in die Reichs­stadt Köln flüch­ten und 1674 ei­nem Frie­dens­schluss mit den Nie­der­lan­den zu­stim­men. Die Fes­tungs- und Re­si­denz­stadt Bonn war be­reits 1673 von der Reichs­ar­mee ein­ge­nom­men wor­den, die die Stadt bis 1679 be­setzt hielt. Die Stadt Neuss war mehr­fach von fran­zö­si­schen Trup­pen be­setzt.

Selbst das ab­ge­le­ge­ne Her­zog­tum West­fa­len war in die Kriegs­er­eig­nis­se ein­be­zo­gen; 1672 be­la­ger­te ein bran­den­bur­gisch-kai­ser­li­ches Heer die Stadt Werl.

Ob­wohl die Re­uni­ons­po­li­tik Frank­reichs auch Tei­le des von Ma­xi­mi­li­an Hein­rich re­gier­ten Hoch­stifts Lüt­tich be­traf, ver­stärk­te sich un­ter dem Ein­fluss der Brü­der Fürs­ten­berg die An­leh­nung an Frank­reich. Ver­trä­ge von 1683 und 1687 ban­den das Land im­mer stär­ker an die Po­li­tik Lud­wigs XIV.

Innenpolitik

Politik im Rheinland

Als Fol­ge des Truch­ses­si­schen Krie­ges war Kur­köln hoch ver­schul­det. Der Groß­teil des Ta­fel­gu­tes war ver­pfän­det. Bis 1672 wur­de ein Teil der Schul­den be­gli­chen und zahl­rei­che ver­pfän­de­te Be­sit­zun­gen wie­der aus­ge­löst. Eine Rei­he von Bur­gen, Schlös­ser und Fes­tun­gen wur­den er­neu­ert. Nach dem Be­ginn des Hol­län­di­schen Krie­ges ab 1672 nah­men die Fi­nanz­pro­ble­me Kur­kölns wie­der er­heb­lich zu.

In Ma­xi­mi­li­an Hein­richs Zeit fal­len eine Rei­he zeit­ty­pi­scher Ver­ord­nun­gen und Ge­set­ze. Dazu zäh­len die 1653 er­las­se­ne Ap­pel­la­ti­ons- und Re­vi­si­ons­ge­richts­ord­nung, die Rechts­ord­nung von 1663, eine Berg­ord­nung von 1669 und das Du­ell­ver­bot von 1683. Im Jahr 1669 wur­de die Lan­des­deskrip­ti­on voll­endet; sie dien­te als Ba­sis für die Be­steue­rung und blieb bis zum Ende des Erz­stif­tes in Ge­brauch.

Ma­xi­mi­li­an Hein­rich be­ton­te in ver­schie­de­nen Äu­ße­run­gen sei­nen An­spruch auf die Ober­herr­schaft über die Reichs­stadt Köln. Un­ter Be­tei­li­gung des Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­krei­ses und ei­ner kai­ser­li­chen Kom­mis­si­on han­del­ten der Erz­bi­schof und die Stadt Köln 1672 den Ken­de­ni­cher Re­zess aus, wo­nach mög­li­che Streit­punk­te ohne Ge­walt bzw. vor dem Reichs­kam­mer­ge­richt zu lö­sen sei­en. We­nig er­folg­reich war 1684 ein auf fran­zö­si­sche Trup­pen ge­stütz­ter Ver­such, die Stadt Köln ein­zu­schüch­tern.

Politik im Herzogtum Westfalen

In dem zu Kur­köln ge­hö­ren­den Her­zog­tum West­fa­len er­ließ Ma­xi­mi­li­an Hein­rich zwi­schen 1653 und 1683 zahl­rei­che Ver­ord­nun­gen und Ge­set­ze. Ne­ben ähn­li­chen Ver­ord­nun­gen wie im Köl­ner Kern­land ka­men dazu wei­te­re lo­ka­le Be­stim­mun­gen: die Er­laub­nis zur Er­rich­tung ei­nes Jahr­mark­tes in Bri­lon (1655), die Ein­füh­rung ei­ner Ele­men­tar­schul­ord­nung (1656), eine Zoll­ver­ord­nung (1659), die Be­stä­ti­gung des Wer­ler Erb­säl­zer­pri­vi­legs (1665), ein Ju­den­pri­vi­leg für die Stadt Arns­berg (1671) und eine Brand­ord­nung von 1672.

Im Her­zog­tum West­fa­len hielt sich Ma­xi­mi­li­an Hein­rich zwi­schen 1652 und 1684 häu­fig auf. Auf ihn geht in der Re­si­denz­stadt Arns­berg die An­la­ge von ge­werb­li­chen An­la­gen, der Kauf des Gu­tes Ober­ei­mer und die An­la­ge ei­nes gro­ßen Tier­gar­tens zu­rück. Au­ßer­dem ließ er die Ar­bei­ten am Schloss Arns­berg wie­der auf­neh­men; im Jahr 1663 war der Bau voll­endet. Ob­wohl er per­sön­lich selbst an der Jagd we­nig in­ter­es­siert war, ließ er aus fürst­li­chen Re­prä­sen­ta­ti­ons­grün­den das Jagd­schloss Hirsch­berg er­bau­en. Mit den Erb­säl­zern in Werl ent­wi­ckel­te sich ein Kon­flikt, als der Kur­fürst eine ei­ge­ne kon­kur­rie­ren­de Sa­li­ne an­le­gen ließ. Der Streit ge­lang­te bis an das Reichs­kam­mer­ge­richt, ohne dass bis zum Tod des Kur­fürs­ten eine Ei­ni­gung er­zielt wer­den konn­te.

Im Jahr 1667 war er selbst bei dem Land­tag der Stän­de des Her­zog­tums an­we­send. In die­sem Zu­sam­men­hang schenk­te der Kur­fürst den Stän­den den Arns­ber­ger Land­stän­de­po­kal. Ob da­mit kon­kre­te fi­nanz­po­li­ti­sche In­ter­es­sen oder die Er­laub­nis zur An­mus­te­rung von Trup­pen ver­bun­den wa­ren, ist nicht ganz klar. Al­ler­dings wur­de als Fol­ge der auf dem Land­tag be­schlos­se­nen Steu­er­be­wil­li­gung dem Her­zog­tum eine ei­ge­ne Rechts-, Rats- und Re­gie­rungs­ord­nung ge­ge­ben und der west­fä­li­schen Kanz­lei das Füh­ren ei­nes ei­ge­nen Sie­gels ge­stat­tet. Die star­ke Stel­lung der Stän­de er­laub­te im Her­zog­tum West­fa­len kaum eine ab­so­lu­tis­ti­sche Po­li­tik.

Hochstift Lüttich

Be­son­ders schwie­rig war für Ma­xi­mi­li­an Hein­rich die Si­tua­ti­on im Hoch­stift Lüt­tich. Nach dem Be­ginn sei­ner Herr­schaft ließ er Un­ru­hen ge­walt­sam un­ter­drü­cken. Ein Ein­marsch von Trup­pen aus den Nie­der­lan­den, Loth­rin­gen und Schwe­den wur­de 1654 be­en­det. Im Ver­lauf des Hol­län­di­schen Krie­ges wur­de das Hoch­stift er­neut Kriegs­schau­platz. In den Jah­ren 1675/76 war Lüt­tich fran­zö­sisch be­setzt.

Stark ge­spannt war das Ver­hält­nis von Ma­xi­mi­li­an Hein­rich zur Stadt Lüt­tich. Das Miss­trau­en ging zu­rück auf die von ihm im Auf­tra­ge sei­nes On­kels 1649 durch­ge­führ­te mi­li­tä­ri­sche Be­set­zung der Stadt, die mit Grau­sam­kei­ten ver­bun­den ge­we­sen war. Ent­ge­gen al­ten städ­ti­schen Frei­hei­ten ge­stal­te­te Ma­xi­mi­li­an Hein­rich die Herr­schaft in der Stadt im Geist ei­nes lan­des­herr­li­chen Ab­so­lu­tis­mus, z.B. durch den Bau ei­ner Zi­ta­del­le. Nach dem Ab­zug der fran­zö­si­schen Trup­pen im Jahr 1676 und der Zer­stö­rung der Zi­ta­del­le be­kun­de­ten in den Jah­ren 1679, 1682 und 1684 Auf­stän­de in der Stadt den Wi­der­stand ge­gen den Bi­schof. Die Stadt klag­te vor dem Reichs­hof­ge­richt mit dem Ziel ei­ner Her­aus­lö­sung aus dem Hoch­stift Köln. Kai­ser­li­che Kom­pro­miss­vor­schlä­ge schei­ter­ten an Ma­xi­mi­li­an Hein­rich. Wil­helm Egon von Fürs­ten­berg brach dann 1684 den städ­ti­schen Wi­der­stand mit Ge­walt.

Weitere Territorien

Vor al­lem mit Hil­fe ho­her Be­stechungs­gel­der konn­te sich Ma­xi­mi­li­an Hein­rich 1683 bei der Wahl zum Bi­schof von Müns­ter durch­set­zen. Der Weih­bi­schof Ni­co­laus Ste­no, der die Wahl als Si­mo­nie ver­ur­teil­te, ver­ließ die Stadt. Auf Grund des­sen Be­richts wei­ger­te sich Papst In­no­zenz XI., die Wahl zu be­stä­ti­gen, so dass Ma­xi­mi­li­an Hein­rich nur Lan­des­herr, aber nicht Bi­schof war. Er un­ter­zeich­ne­te eine neu­for­mu­lier­te Wahl­ka­pi­tu­la­ti­on. Das Bis­tum Müns­ter hat er nie be­sucht. Am Dom­platz ließ er eine neue Kanz­lei er­rich­ten; die Po­li­tik, ins­be­son­de­re die Au­ßen­po­li­tik, wur­de je­doch am Hof in Bonn ge­macht.

Trotz feh­len­der Prä­senz vor Ort nahm Ma­xi­mi­li­an Hein­rich Ein­fluss auf das Hoch­stift Hil­des­heim. Er ver­an­lass­te die Re­or­ga­ni­sa­ti­on des Hof­ge­richts von 1652 so­wie die Kanz­lei-, Po­li­zei- und Ge­richts­ord­nung von 1665. Im Jahr 1651 ra­ti­fi­zier­te er den hil­des­hei­mi­schen Kon­sis­to­ri­al­re­zess, der die Gleich­be­rech­ti­gung der Kon­fes­sio­nen fest­leg­te. In der mehr­heit­lich pro­tes­tan­ti­schen Stadt Hil­des­heim be­müh­te er sich dar­auf­hin um die Stär­kung des ka­tho­li­schen Ein­flus­ses. 1656 ka­men Ka­pu­zi­ner in die Stadt zu­rück. Der städ­ti­sche Rat re­agier­te im Ge­gen­zug mit Be­hin­de­run­gen der ka­tho­li­schen Glau­bens­aus­übung.

Nachfolge

Sei­ne Kränk­lich­keit führ­te Ma­xi­mi­li­an Hein­rich seit Be­ginn der 1680er Jah­re zu Über­le­gun­gen über sei­ne Nach­fol­ge. An­statt sei­nen Ver­wand­ten Jo­seph Cle­mens zum Ko­ad­ju­tor zu er­nen­nen, sprach er sich für Wil­helm Egon von Fürs­ten­berg aus, der un­ter dem Ein­fluss fran­zö­si­scher Gel­der auch vom Köl­ner Dom­ka­pi­tel ge­wählt wur­de. Der Kai­ser er­klär­te die Wahl je­doch für un­gül­tig; auch der Papst ver­wei­ger­te sei­ne Zu­stim­mung. Der Kur­fürst starb 1688 in Bonn und wur­de in der Drei­kö­nigs­ka­pel­le im Köl­ner Dom bei­gesetzt. Sei­ne Ein­ge­wei­de ru­hen je­doch in der Bon­ner Je­sui­ten­kir­che und sein Herz in der Alt­öt­tin­ger Gna­den­ka­pel­le. Zum Nach­fol­ger wur­de im Zuge des Köl­ner Bis­tums­streits (1688) nicht Wil­helm Egon von Fürs­ten­berg, son­dern Jo­seph Cle­mens von Bay­ern ge­wählt. Des­sen Amts­über­nah­me ver­lief in­des nicht ohne Kon­flik­te. Zu­nächst setz­te sich von Fürs­ten­berg mit Ge­walt in den Be­sitz der wich­tigs­ten Städ­te und fes­ten Plät­ze des Kur­fürs­ten­tums. Lud­wig XIV., dem dar­an ge­le­gen war, sei­nen Ein­fluss im Reich aus­zu­bau­en, un­ter­stütz­te von Fürs­ten­berg mit ei­ner star­ken Ar­mee. So ver­knüpf­te sich der Köl­ner Bis­tums­streit mit dem Pfäl­zi­schen Erb­fol­ge­krieg. Ge­stützt auf nie­der­län­di­sche und kai­ser­li­che Trup­pen ge­lang es Jo­seph Cle­mens, sich nach wech­sel­vol­len und für ei­ni­ge Städ­te zer­stö­re­ri­schen Kämp­fen ge­gen von Fürs­ten­berg durch­zu­set­zen. Die­ser zog sich in die Ab­tei St. Ger­main-des-Prés in Pa­ris zu­rück, des­sen Abt er un­ter an­de­rem war.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Ma­xi­mi­li­an Hein­rich von Bay­ern aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

Ähnliche Artikel

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://grosse-drenkpohl.de/maximilian-heinrich-von-bayern/

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Scroll Up