Lippe (Land)

Lip­pe war ein deut­scher Staat. Lan­des­haupt­stadt war zu­letzt Det­mold. Die Herr­schaft der lip­pi­schen Her­ren wur­de im 12. Jahr­hun­dert erst­mals be­ur­kun­det. 1528 wur­de die Herr­schaft Lip­pe zur Reichs­graf­schaft er­ho­ben, 1789 zum Fürs­ten­tum. Lip­pe war bis 1806 ein Ter­ri­to­ri­um im Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­kreis des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches, von 1806 bis 1813 Teil des Rhein­bun­des, von 1816 bis 1866 Teil des Deut­schen Bun­des, ab 1866 Mit­glied im Nord­deut­schen Bund, ab 1871 Teil des Deut­schen Kai­ser­reichs, und nach 1919 ein de­mo­kra­tisch ver­fass­ter Frei­staat in der Wei­ma­rer Re­pu­blik. 1947/1948 muss­te das Land Lip­pe auf Be­trei­ben der bri­ti­schen Be­sat­zungs­macht sei­ne jahr­hun­der­te­lan­ge Selb­stän­dig­keit auf­ge­ben und ent­schied sich für die Ein­glie­de­rung in das 1946 ge­grün­de­te Land Nord­rhein-West­fa­len.

Das Ge­biet des ehe­ma­li­gen Lan­des Lip­pe in sei­nem letz­ten Ge­biets­stand ent­spricht weit­ge­hend (un­ter an­de­rem ohne die Ex­kla­ven) dem heu­ti­gen Kreis Lip­pe im Re­gie­rungs­be­zirk Det­mold, de­ren bei­der Ver­wal­tungs­sitz Det­mold ist. Der Kreis Lip­pe (bzw. das Lip­per­land) bil­det ne­ben West­fa­len und dem Rhein­land den drit­ten und weit­aus kleins­ten Lan­des­teil des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len.

Zur Ab­gren­zung von an­de­ren ur­sprüng­lich im Be­sitz der Ne­ben­li­ni­en des Hau­ses Lip­pe be­find­li­chen Ter­ri­to­ri­en, ins­be­son­de­re von Schaum­burg-Lip­pe, wur­de Lip­pe auch Lip­pe-Det­mold ge­nannt.

Geographische Lage

Freistaat Lippe (1815–1945)

Frei­staat Lip­pe (1815–1945)

Das häu­fig als „Lip­per­land“ be­zeich­ne­te Staats­ge­biet des Frei­staats Lip­pe ist Teil der his­to­ri­schen Land­schaft West­fa­len. Es grenz­te seit der po­li­ti­schen Neu­ord­nung nach dem Wie­ner Kon­gress im Nor­den, Wes­ten und Sü­den an die preu­ßi­sche Pro­vinz West­fa­len (1946 in Nord­rhein-West­fa­len auf­ge­gan­gen) und im Os­ten an das Kö­nig­reich Han­no­ver, seit 1866 preu­ßi­sche Pro­vinz Han­no­ver (1946 in Nie­der­sach­sen auf­ge­gan­gen). Au­ßer­dem grenz­te es im Nord­os­ten und Süd­os­ten an meh­re­re Ex­kla­ven ver­schie­de­ner Ge­bie­te: das Ge­biet um Pyr­mont, das bis 1921 zum Land Wal­deck ge­hör­te und dann zu Han­no­ver kam, die Graf­schaft Schaum­burg, die bis 1866 zum Kur­fürs­ten­tum Hes­sen, da­nach bis 1932 zur preu­ßi­schen Pro­vinz Hes­sen-Nas­sau ge­hör­te und dann zu Han­no­ver kam, so­wie bis zu­letzt an die klei­ne west­fä­li­sche (zu­letzt be­reits nord­rhein-west­fä­li­sche) Ex­kla­ve Lüg­de. Lip­pe selbst be­saß bis 1947 meh­re­re klei­ne Ex­kla­ven: Cap­pel und Lip­pero­de in der Nähe von Lipp­stadt (heu­te Stadt­tei­le von Lipp­stadt) so­wie das ei­ni­ge Ki­lo­me­ter süd­lich des Kern­lan­des ge­le­ge­ne Gre­ven­ha­gen. Alle Ex­kla­ven wa­ren von West­fa­len um­ge­ben.

Geo­gra­phisch lag der Frei­staat größ­ten­teils nord­öst­lich des Teu­to­bur­ger Wal­des (im öst­li­chen Teil auch Lip­pi­scher Wald ge­nannt) und öst­lich des Eg­ge­ge­bir­ges. Das über­wie­gend hü­ge­li­ge, teils auch stark durch­schnit­te­ne Ge­län­de zwi­schen We­ser und Eg­ge­ge­bir­ge wird als Lip­per Berg­land be­zeich­net, mit dem Kö­ter­berg als höchs­ter Er­he­bung. Da­mit zähl­te das Lip­per­land im We­sent­li­chen zum We­ser­berg­land. Nur ein klei­ne­rer Ge­biets­teil west­lich des Eg­ge­ge­bir­ges und süd­west­lich des Os­nings um Au­gust­dorf lag in der West­fä­li­schen Bucht, die hier von san­di­ger Hei­de­land­schaft, der Sen­ne, ge­prägt ist. Die größ­ten Flüs­se sind die We­ser, die Wer­re, die Bega und die Em­mer. Der na­mens­ge­ben­de Fluss Lip­pe ent­springt zwar in der Nähe des lip­pi­schen Staats­ge­bie­tes in der Sen­ne, be­rühr­te das Kern­land aber nicht, son­dern nur die Ex­kla­ven Cap­pel und Lip­pero­de bei Lipp­stadt. Je­doch stammt dort das Haus Lip­pe her, wo es ers­te Ter­ri­to­ri­en er­lan­gen konn­te. Die Stadt Lipp­stadt wur­de von 1666 bis 1850 als Kon­do­mi­ni­um von der Graf­schaft bzw. dem Fürs­ten­tum Lip­pe und dem Kur­fürs­ten­tum Bran­den­burg bzw. Kö­nig­reich Preu­ßen ge­mein­sam re­giert.

Mit ei­nem Staats­ge­biet von rund 1200 km² und nur 183.713 Ein­woh­nern (Volks­zäh­lung 1939) zähl­te Lip­pe zu den klei­ne­ren Glied­staa­ten des Deut­schen Rei­ches. Der Flä­che nach war es der sechst­kleins­te Staat und der dritt­kleins­te Flä­chen­staat des Rei­ches. Die größ­te lip­pi­sche Stadt war mit zu­letzt rund 25.000 Ein­woh­nern die Lan­des­haupt­stadt und frü­he­re Re­si­denz­stadt Det­mold.

Geschichte

Herrschaft und Grafschaft Lippe bis 1789

→ Haupt­ar­ti­kel: Graf­schaft Lip­pe

Erst­mals ur­kund­lich er­wähnt wur­de Lip­pe 1123; eine Ur­kun­de nennt den Edel­herrn Bern­hard I. als Bern­hardus de Lip­pe. Die Herr­schaft Lip­pe lag bis zur Re­for­ma­ti­on im geist­li­chen Wir­kungs­kreis des Bi­schofs von Pa­der­born. Nach­fol­ger er­war­ben im Süd­os­ten gro­ße Ge­bie­te der Graf­schaft Schwa­len­berg und dehn­ten durch Er­werb von Va­ren­holz und Lan­gen­holz­hau­sen ih­ren Be­sitz nord­wärts bis an die We­ser aus. Im 14. Jahr­hun­dert wur­de die Herr­schaft ge­teilt und von Nach­bar­ter­ri­to­ri­en be­an­sprucht. So wur­de die Stadt Lipp­stadt in ein ge­mein­sam mit der Graf­schaft Mark ver­wal­te­tes Ge­biet um­ge­wan­delt. Im 15. Jahr­hun­dert konn­te die Graf­schaft Stern­berg er­wor­ben wer­den. Al­ler­dings ging die Graf­schaft Ever­stein in ei­ner Feh­de mit den Her­zö­gen von Braun­schweig-Lü­ne­burg ver­lo­ren. Lip­pe be­tei­lig­te sich als Geg­ner des Köl­ner Erz­bi­schofs an der Soes­ter Feh­de; Tei­le der Herr­schaft gin­gen an die Land­graf­schaft Hes­sen ver­lo­ren und wur­den da­nach vom lip­pi­schen Gra­fen als Erb­le­hen zu­rück­be­hal­ten.

1528 wur­de Si­mon V. der Ti­tel ei­nes Reichs­gra­fen ver­lie­hen; die Herr­schaft Lip­pe wur­de Graf­schaft. Im Span­nungs­feld zwi­schen dem ka­tho­li­schen Hoch­stift Pa­der­born und dem lu­the­ri­schen Hes­sen ent­schie­den sich die Gra­fen, auch un­ter dem Ein­fluss der lip­pi­schen Städ­te, zum Pro­tes­tan­tis­mus. Die Land­stän­de be­schlos­sen 1538 eine evan­ge­li­sche Kir­chen­ord­nung für Lip­pe. Lip­pe wur­de in den Schmal­kal­di­schen Krieg (1546–1547) hin­ein­ge­zo­gen, der für die evan­ge­li­sche Sei­te ver­lo­ren ging. In der Fol­ge wur­de Lip­pe zum di­rek­ten Reichs­le­hen. Graf Si­mon VI. führ­te in der so­ge­nann­ten zwei­ten Re­for­ma­ti­on das re­for­mier­te Be­kennt­nis ein. Le­dig­lich Lem­go blieb lu­the­risch. Dy­nas­tisch war Lip­pe von zahl­rei­chen Rechts­strei­tig­kei­ten der re­gie­ren­den Det­mol­der Li­nie mit jün­ge­ren Li­ni­en (insb. Lip­pe-Bra­ke und Lip­pe-Al­ver­dis­sen) ge­prägt. Graf Phil­ipp zur Lip­pe-Al­ver­dis­sen be­grün­de­te 1647 mit der Erb­schaft der Nord­west­hälf­te der Graf­schaft Schaum­burg das spä­te­re Fürs­ten­tum Schaum­burg-Lip­pe. Wie die ge­sam­te Re­gi­on wur­de Lip­pe im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg stark in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen. Die lip­pi­schen Städ­te ver­lo­ren etwa zwei Drit­tel ih­rer Be­völ­ke­rung; auf dem Land lag der Ver­lust bei etwa 50 Pro­zent. Im Zeit­al­ter des Ba­rocks und der Auf­klä­rung konn­ten die lip­pi­schen Lan­des­her­ren nur be­dingt ih­ren Herr­schafts­an­spruch ge­gen die Land­stän­de durch­set­zen. Zu klein war das Ter­ri­to­ri­um und zu groß wa­ren die Erb­strei­tig­kei­ten mit Ne­ben­li­ni­en. Vor al­lem aber poch­ten die Land­stän­de auf star­ke Be­wil­li­gungs­rech­te im Lan­des­haus­halt.

Fürstentum Lippe bis 1918

Haupt­ar­ti­kel: Fürs­ten­tum Lip­pe

Grenzstein zwischen dem Fürstenthum Lippe und dem Königreich Preußen in Wüsten-Pehlen

Grenz­stein zwi­schen dem Fürs­t­ent­hum Lip­pe und dem Kö­nig­reich Preu­ßen in Wüs­ten-Peh­len

Leo­pold I. (1767–1802) wur­de 1789 der ers­te Fürst zur Lip­pe. Das Fürs­tum über­dau­er­te im Rhein­bund die na­po­leo­ni­sche Zeit. Das cal­vi­nis­tisch ge­präg­te Fürs­ten­tum hielt sich stets eng an das pro­tes­tan­ti­sche Preu­ßen und konn­te auch da­durch eine, wenn auch meist nur for­mel­le, Un­ab­hän­gig­keit be­wah­ren. Im Deut­schen Krieg von 1866 stand es auf Sei­ten Preu­ßens ge­gen den ös­ter­rei­chisch ge­führ­ten Deut­schen Bund. 1866 trat es dem Nord­deut­schen Bund bei und wur­de 1871 Teil des Deut­schen Rei­ches. In den Fol­ge­jah­ren kon­kur­rier­ten meh­re­re gräf­li­che Li­ni­en im so­ge­nann­ten lip­pi­schen Erb­fol­ge­streit. Das Reichs­ge­richt in Leip­zig ent­schied die An­ge­le­gen­heit 1897 zu­guns­ten von Graf Ernst zur Lip­pe-Bies­ter­feld. Nach dem Ers­ten Welt­krieg wur­de aus dem Fürs­ten­tum ein de­mo­kra­ti­scher Frei­staat.

Freistaat Lippe bis 1945

Nach der No­vem­ber­re­vo­lu­ti­on 1918 ent­stand ein de­mo­kra­ti­scher Frei­staat. Die Staats­ge­walt ging vom Vol­ke aus. Eine de­mo­kra­ti­sche Ver­fas­sung da­tier­te vom 21. De­zem­ber 1920, in der die le­gis­la­ti­ve Ge­walt beim lip­pi­schen Land­tag lag. Die­ser wähl­te ein drei­köp­fi­ges Lan­des­prä­si­di­um, das zu­gleich Staats­ober­haupt und Re­gie­rung (Exe­ku­ti­ve) des Lan­des war. Von 1919 bis 1933 war die SPD stärks­te Par­tei im Land­tag und führ­te das drei­köp­fi­ge Lan­des­prä­si­di­um, zu­nächst un­ter der Lei­tung von Cle­mens Be­cker und von 1920 bis 1933 von Hein­rich Dra­ke. Schon früh nutz­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten Orte in Lip­pe als ver­meint­li­ches „ger­ma­ni­sches Kern­land“ für ihre po­li­ti­schen Zwe­cke. Bei Nazi-Auf­mär­schen aus dem gan­zen Reich wur­de eine nie vor­han­de­ne ge­samt­deut­sche Be­deu­tung Lip­pes hoch­sti­li­siert. Die In­sze­nie­run­gen im von Welt­wirt­schafts­kri­se und ho­her Ar­beits­lo­sig­keit be­trof­fe­nen Lip­pe be­ein­druck­ten gro­ße Tei­le der Be­völ­ke­rung. Auch ein la­ten­ter An­ti­se­mi­tis­mus so­wie die zu­neh­men­de Het­ze ge­gen­über po­li­ti­schen Geg­nern brach­ten be­reits An­fang der 1930er Jah­re der NSDAP be­son­ders hohe Er­fol­ge bei den Kom­mu­nal­wah­len. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten ver­lo­ren bei den lip­pi­schen Land­tags­wah­len am 15. Ja­nu­ar 1933 den Sta­tus der stärks­ten Frak­ti­on im Land­tag. Die NSDAP ge­wann fast 40 % der Stim­men, mehr als reichs­weit bei der Reichs­tags­wahl No­vem­ber 1932. Die lip­pi­schen Er­geb­nis­se hat­ten durch In­stru­men­ta­li­sie­rung auch Aus­wir­kun­gen auf das Reichs­ka­bi­nett Schlei­chers, das schließ­lich am 28. Ja­nu­ar 1933 zu­rück­trat. In Lip­pe ge­lang es der NSDAP ab dem 7. Fe­bru­ar, zwei Mit­glie­der des Lan­des­prä­si­di­ums zu stel­len und Dra­ke aus der Re­gie­rung zu drän­gen. Mit der Ein­set­zung des Reichs­statt­hal­ters Al­fred Mey­er in Det­mold für Lip­pe und Schaum­burg-Lip­pe ab Mai 1933 wur­de die Gleich­schal­tung frü­her als in an­de­ren Tei­len des Reichs ab­ge­schlos­sen. Gleich­zei­tig wur­de Hans-Joa­chim Riecke als Staats­mi­nis­ter an die Spit­ze der Lip­pi­schen Lan­des­re­gie­rung be­ru­fen. Er war der Auf­sicht durch Al­fred Mey­er un­ter­stellt.

Land Lippe bis 1947, Eingliederung in Nordrhein-Westfalen

Lip­pe wur­de im April 1945 von US-ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen be­setzt und bei der Auf­tei­lung Deutsch­lands der bri­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne zu­ge­ord­net. Die ehe­ma­li­gen Frei­staa­ten Lip­pe und Schaum­burg-Lip­pe wur­den un­ter dem ge­mein­sa­men Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Hein­rich Dra­ke in Per­so­nal­uni­on re­giert. Schon Ende 1946 wur­de Schaum­burg-Lip­pe in das neue Land Nie­der­sach­sen ein­ge­glie­dert. Auch für das ver­blie­be­ne Land Lip­pe en­de­te nach über 800 Jah­ren der Rest staat­li­cher Selb­stän­dig­keit. Das klei­ne Land ent­schied sich für Nord­rhein-West­fa­len, das wei­ter­ge­hen­de Zu­ge­ständ­nis­se und An­rei­ze in den Lip­pi­schen Punk­ta­tio­nen bot. Durch die bri­ti­sche Mi­li­tär­ver­ord­nung Nr. 77 wur­de Lip­pe am 21. Ja­nu­ar 1947 in das Land Nord­rhein-West­fa­len ein­ge­glie­dert und hör­te da­mit auf, als Staat zu exis­tie­ren. Ein zu­nächst ge­plan­ter Volks­ent­scheid wur­de nie durch­ge­führt.

Lippe als Landesteil von Nordrhein-Westfalen

Gemeinden im Kreis Lippe

Ge­mein­den im Kreis Lip­pe

Lip­pe gilt ne­ben dem nörd­li­chen Rhein­land und West­fa­len als der drit­te Lan­des­teil von Nord­rhein-West­fa­len. Mit Ver­ab­schie­dung des Lan­des­ge­set­zes am 10. März 1953 über die Lan­des­far­ben, -flag­ge und -wap­pen wur­de die Lip­pi­sche Rose Teil des NRW-Wap­pens, was die­sen Sach­ver­halt un­ter­streicht. Der heu­ti­ge Lan­des­teil bil­det seit der Kreis­ge­biets­re­form 1973 durch Grün­dung des Krei­ses Lip­pe ver­wal­tungs­tech­nisch und po­li­tisch eine ter­ri­to­ria­le Ein­heit, die in der Tra­di­ti­on des al­ten Lan­des Lip­pe steht. Die ehe­ma­li­gen lip­pi­schen Ex­kla­ven Cap­pel und Lip­pero­de bei Lipp­stadt wur­den 1949 dem Kreis Lipp­stadt, Gre­ven­ha­gen 1970 dem Kreis Höx­ter (im Ge­biets­tausch mit der west­fä­li­schen Ex­kla­ve Lüg­de) zu­ge­ord­net.

Die Ein­glie­de­rung des Lan­des Lip­pe in das Land Nord­rhein-West­fa­len wur­de auf Ba­sis der be­reits er­wähn­ten Lip­pi­schen Punk­ta­tio­nen, die zwi­schen den Lan­des­re­gie­run­gen von Lip­pe und Nord­rhein-West­fa­len ver­han­delt wor­den wa­ren, voll­zo­gen. Hier­bei ent­stand 1948 un­ter an­de­rem auch die un­ge­wöhn­li­che Kör­per­schaft des Lan­des­ver­ban­des Lip­pe als Rechts­nach­fol­ger für das ehe­ma­li­ge lip­pi­sche Lan­des­ver­mö­gen. Lip­pe blieb so­mit im Be­sitz sei­ner Staats- und Heil­bä­der, Staats­flu­ren und -fors­ten so­wie sons­ti­ger Kul­tur­stät­ten wie bei­spiels­wei­se des Lan­des­thea­ters Det­mold und des Her­manns­denk­mals. Wei­ter wur­de in den Pro­to­kol­len zu den Punk­ta­tio­nen ver­ein­bart, dass Det­mold an­stel­le des ost­west­fä­li­schen Min­den der neue Sitz der Be­zirks­re­gie­rung wer­den soll­te. Der neue Re­gie­rungs­be­zirk Min­den-Lip­pe (spä­ter Re­gie­rungs­be­zirk Det­mold) um­fass­te die lip­pi­schen Ter­ri­to­ri­en und die Ge­bie­te des ehe­mals preu­ßi­schen Re­gie­rungs­be­zirks Min­den. Ers­ter Re­gie­rungs­prä­si­dent wur­de am 1. April 1947 der letz­te lip­pi­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Hein­rich Dra­ke.

Lip­pe ent­sen­det drei Land­tags­ab­ge­ord­ne­te (Wahl­krei­se Lip­pe I–III, drei Di­rekt­man­da­te) in den Düs­sel­dor­fer Land­tag. Eine zwi­schen­zeit­li­che Zu­sam­men­le­gung des Wahl­krei­ses Lip­pe III mit Tei­len des west­fä­li­schen Hoch­stifts­krei­ses Höx­ter wur­de im Rah­men der Wahl­kreis­re­form von 2002 rück­gän­gig ge­macht.

Die Lip­pi­sche Lan­des­kir­che ist als ei­gen­stän­di­ge Glied­kir­che der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land bis heu­te selb­stän­dig.

Weitere Entwicklung der Verwaltungsgliederung nach 1947

Zum 1. Ok­to­ber 1949 wur­den die Ex­kla­ven Cap­pel und Lip­pero­de vom Kreis Det­mold in den Kreis Lipp­stadt um­ge­glie­dert.

1969 und 1970 wur­den die Ge­mein­den der Krei­se Lem­go (Lem­go-Ge­setz) und Det­mold (Det­mold-Ge­setz) neu ge­glie­dert. Die bis da­hin 168 selb­stän­di­gen Ge­mein­den wur­den zu 16 Ge­mein­den zu­sam­men­ge­fasst. Die Stadt Lüg­de und die Ge­mein­den Harz­berg und Kem­pen-Feldrom aus dem Kreis Höx­ter fie­len dem Kreis Det­mold zu, wäh­rend die lip­pi­sche Ex­kla­ve Gre­ven­ha­gen aus dem Kreis Det­mold in den Kreis Höx­ter um­ge­glie­dert wur­de. 1973 be­stimm­te das Bie­le­feld-Ge­setz die Bil­dung des neu­en Krei­ses Lip­pe aus den bis­he­ri­gen Krei­sen Lem­go und Det­mold. Die Kreis­ver­wal­tung nahm ih­ren Sitz in Det­mold.

Wappen und Flagge

Das Wap­pen des Frei­staa­tes Lip­pe zeig­te zu­letzt die Lip­pi­sche Rose im sil­ber­nen Schild. Die Lan­des­flag­ge war gelb-rot. Bei­de Staats­sym­bo­le wur­den vom Haus Lip­pe über­nom­men.

Die frü­hes­ten Wap­pen des Hau­ses Lip­pe zeig­ten be­reits die Lip­pi­sche Rose – al­ler­dings ohne Kelch­blät­ter. Die­ses Wap­pen­bild führ­te Lip­pe in Va­ria­tio­nen bis 1947. 1528 wur­de der Stern der Graf­schaft Schwa­len­berg – auf ei­nem gol­de­nen (gel­ben) acht­strah­li­gen Stern eine na­tür­li­che Schwal­be – zum Wap­pen hin­zu­ge­fügt. Das frü­he gräf­li­che Wap­pen bil­de­te Rose und Stern je­weils zwei Mal im vier­ge­teil­ten Schild ab. 1687 wur­den das aus vier Fel­dern be­stehen­de Wap­pen der durch Hei­rat er­wor­be­nen (und 1725 aus Geld­not wie­der ver­kauf­ten), in den heu­ti­gen Nie­der­lan­den ge­le­ge­nen Herr­schaft Via­nen und Amei­de ins lip­pi­sche Wap­pen auf­ge­nom­men. Das auf­ge­nom­me­ne Wap­pen zeig­te je­weils zwei­mal zum ei­nen drei in Sil­ber ste­hen­de – spä­ter als Mühlei­sen­kreu­ze aus­ge­leg­te – schwar­ze Säu­len (Wap­pen de­rer von Via­nen), zum an­de­ren eine fünf­fach von Feh und Rot ge­teil­te Schild­flä­che, was wie­der­um das Wap­pen der von den Her­ren von Via­nen um 1350 er­hei­ra­te­ten Burg­graf­schaft Ut­recht war. Das Feh wur­de im lip­pi­schen Wap­pen auch als Ei­sen­hüt­lein ge­deu­tet. Spä­ter kam auch der Stern der Graf­schaft Stern­berg zwei­mal hin­zu. Im Zen­trum des nun neun­fel­di­gen Wap­pens rück­te die nun nur noch ein­mal, aber im ei­ge­nen Schild her­aus­ge­ho­ben, ab­ge­bil­de­te lip­pi­sche Rose als Stamm­wap­pen des Hau­ses Lip­pe. Der Schild trägt fünf Hel­me. Ge­hal­ten wird es von zwei En­geln. Den Fürs­ten­rang sym­bo­li­siert der Fürs­ten­hut, der ei­nen das Wap­pen um­ge­ben­den Wap­pen­man­tel krönt.

Für den „Be­hör­den­be­trieb“ (Stem­pel, Sie­gel, usw.) wur­de ein ver­ein­fach­tes Wap­pen ver­wen­det. Meist be­schränk­te man sich auf das Stamm­wap­pen mit der Rose im Schild un­ter ei­nem Fürs­ten­hut. Teil­wei­se wur­de auch nur die Rose ohne Schild dar­ge­stellt. Der Trend zur Ver­ein­fa­chung und zur al­lei­ni­gen Dar­stel­lung der Lip­pi­schen Rose war bei­spiels­wei­se auch im Münz­we­sen und auch auf den ein­ge­mei­ßel­ten Wap­pen auf den Grenz­stei­nen zu be­ob­ach­ten.

Bevölkerung

Das Fürs­ten­tum (1887: 1.215,20 km²) bzw. der Frei­staat (1925: 1.215,16 km²) zähl­te

  • 1783: ~67.000 Ein­woh­ner
  • 1871: 111.135 Ein­woh­ner
  • 1881: 112.452 Ein­woh­ner
  • 1885: 123.212 Ein­woh­ner
  • 1905: 145.610 Ein­woh­ner
  • 1910: 150.937 Ein­woh­ner
  • 1933: 175.538 Ein­woh­ner
  • 1939: 187.220 Ein­woh­ner

Zum Ver­gleich: Der heu­ti­ge, 1.246,29 km² gro­ße Lan­des­teil von Nord­rhein-West­fa­len zählt

  • 2008: 355.178 Ein­woh­ner

Religion

Un­ter dem Ein­fluss Hes­sens schloss sich das Land 1538 der Re­for­ma­ti­on an und ging 1605 (mit Aus­nah­me der Stadt Lem­go) zum Cal­vi­nis­mus über. Bis heu­te be­steht in Lip­pe die Lip­pi­sche Lan­des­kir­che, eine von zwei Lan­des­kir­chen re­for­mier­ter Prä­gung in­ner­halb der EKD. Die vor­wie­gend in den grö­ße­ren Städ­ten be­stehen­den lu­the­ri­schen Ge­mein­den bil­den ei­nen ei­ge­nen Kir­chen­kreis („Klas­se“) und sind eben­falls Teil der Lip­pi­schen Lan­des­kir­che.

Wirtschaft

Hoffmann’s Stärkefabriken um 1890

Hoffmann’s Stär­ke­fa­bri­ken um 1890

Ne­ben ei­ner Tex­til­in­dus­trie, die sich auf den An­bau von Flachs und die Ver­ar­bei­tung zu Lei­nen stütz­te, ver­füg­te das Fürs­ten­tum über eine be­rühm­te Meer­schaum­pfei­fen­in­dus­trie in Lem­go, eine Sa­li­ne in Sal­zu­flen (1878: 24.800 Zent­ner Koch­salz) und eine noch heu­te exis­tie­ren­de Holz­in­dus­trie mit zahl­rei­chen Sä­ge­müh­len, de­ren Roh­stoff aus den aus­ge­dehn­ten Wäl­dern des Lan­des stamm­te. Be­son­de­re Be­deu­tung er­lang­te wie im be­nach­bar­ten Preu­ßen auch die Zi­gar­ren­in­dus­trie, die wie auch zu­nächst die Tex­til­in­dus­trie in teils pro­to­in­dus­tria­lis­ti­scher Ar­beits­tei­lung im Ver­lags­sys­tem or­ga­ni­siert war. Da­ne­ben gab es Bier­braue­rei­en (un­ter an­de­rem Stra­te und Fal­ken­krug), Zie­ge­lei­en, eine Zu­cker­fa­brik in Lage und Öl­müh­len. Größ­tes In­dus­trie­un­ter­neh­men wa­ren die Hoffmann’s Stär­ke­fa­bri­ken in Sal­zu­flen. Welt­wei­te Be­kannt­heit er­reich­te be­reits im frü­hen 20. Jahr­hun­dert die Li­mo­na­de Si­nal­co aus Det­mold.

Für die In­dus­trie war der Bau der Lip­pi­schen Bahn (1880) so­wie der Lip­pi­schen Ne­ben­bahn (1895) be­deut­sam, die bei­de den An­schluss an die Stamm­stre­cken der Köln-Min­de­ner Ei­sen­bahn-Ge­sell­schaft si­cher­stell­ten. Wirt­schaft­li­che Be­deu­tung er­lang­ten auch die lip­pi­schen Staats­bä­der in Bad Mein­berg und Bad Sal­zu­flen bzw. die Sa­li­ne in Bad Sal­zu­flen. Ins­ge­samt war Lip­pe aber im­mer ein agra­risch ge­präg­ter Staat, der zu den wirt­schaft­lich schwä­che­ren Län­dern des Rei­ches zähl­te. In­dus­trie exis­tier­te (bei­spiels­wei­se re­la­tiv zum nörd­lich ge­le­ge­nen Ra­vens­ber­ger Land, das durch preu­ßi­sche Un­ter­stüt­zung be­deu­ten­de Lei­nen-, Tex­til-, Ta­bak und Ma­schi­nen­bau­in­dus­tri­en ent­wi­ckel­te) nur in ge­rin­gem Um­fang und ba­sier­te wie die Tex­til- und Holz­in­dus­trie di­rekt auf den land- oder forst­wirt­schaft­li­chen Res­sour­cen des Lan­des.

Lippischer Taler, 1528

Lip­pi­scher Ta­ler, 1528

Dies war un­ter an­de­rem eine Fol­ge des gro­ßen stän­di­schen Ein­flus­ses und der zu Be­ginn der In­dus­tria­li­sie­rung we­nig wirt­schafts­freund­li­chen Hal­tung des Mon­ar­chen. Sei­ne wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen la­gen vor al­lem in der Si­che­rung der ei­ge­nen wirt­schaft­li­chen Macht, die sich bis zu­letzt we­ni­ger aus Steu­ern denn aus dem di­rek­ten Ein­kom­men der fürst­li­chen Do­mä­nen, Fors­te, Sa­li­nen und Staats­bä­der er­gab. Die lip­pi­schen Wan­der­ar­bei­ter (→ Lip­pi­sche Zieg­ler) wa­ren eine Fol­ge die­ser wirt­schaft­li­chen Schwä­che. So­gar in der Lip­pi­schen Punk­ta­ti­on (1947) wird im Punkt 15 noch die­ses so­zia­le Pro­blem er­wähnt. Die nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­re­gie­rung för­der­te Lip­pe da­her un­ter an­de­rem durch den Ost­west­fa­len­plan. Die löss­be­deck­ten Bör­de­land­schaf­ten im Wer­re- und Be­ga­tal er­mög­lich­ten im­mer­hin eine aus­kömm­li­che Land­wirt­schaft. In der we­nig frucht­ba­ren Sand­land­schaft Sen­ne da­ge­gen war in­ten­si­ve Land­wirt­schaft kaum mög­lich. Be­deu­tung er­lang­te hier vor al­lem die Hal­tung von Wei­de­tie­ren und die Zucht der Sen­ner Pfer­de beim fürst­li­chen Jagd­schloss Lops­horn.

Währung

Das Fürs­ten­tum Lip­pe hat­te nach der Kon­ven­ti­on von 1752 als Wäh­rung den Ta­ler. 1 Ta­ler = 36 Ma­ri­en­gro­schen = 288 Pfen­nig = 576 Hel­ler. Den Bat­zen und den Kreu­zer gab es im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ge­bie­ten als Wäh­rung im Fürs­ten­tum Lip­pe nicht.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Lip­pe (Land) aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://grosse-drenkpohl.de/lippe-land/

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Scroll Up