Johann I. von Plettenberg

Jo­hann I. von Plet­ten­berg (* vor 1270; † nach 1314) war Mar­schall von West­fa­len und als sol­cher Ver­tre­ter des Erz­bi­schofs von Köln in sei­ner Ei­gen­schaft als Her­zog von West­fa­len. Er hat in sei­ner Amts­zeit die köl­ni­sche Macht nicht zu­letzt durch Bur­gen­bau und Städ­te­grün­dun­gen ge­gen­über kon­kur­rie­ren­den Kräf­ten wie den Gra­fen von der Mark be­haup­tet, ge­fes­tigt und aus­ge­baut.

Familie

Er stamm­te aus der west­fä­li­schen Ritterfa­mi­lie de­rer von Plet­ten­berg.

Jo­hann war mit Ole­ke von Bü­ren ver­hei­ra­tet. Von Ih­ren Kin­dern sind Hei­den­reich, Jo­hann und Bert­hold na­ment­lich be­kannt. Die bei­den ers­ten er­schei­nen als Rit­ter und Bert­hold war Dom­herr.

Marschall von Westfalen

Jo­hann von Plet­ten­berg galt als krie­ge­risch und un­er­schro­cken und war von etwa 1293 oder 1294 bis 1298 Mar­schall von West­fa­len zu­nächst im Diens­te des Köl­ner Erz­bi­schofs Sieg­fried von Wes­ter­burg so­wie des­sen Nach­fol­ger. Das ge­naue Jahr sei­nes Amts­an­tritts ist nicht ganz klar, weil kei­ne Er­nen­nungs­ur­kun­de er­hal­ten ist. Ur­kund­lich ist sei­ne Tä­tig­keit als Mar­schall ab 1295 be­legt. So war er in die­sem Jahr in Bonn als Zeu­ge an­we­send als die Gra­fen von Witt­gen­stein ihre Burg und die Stadt Laas­phe dem Erz­bi­schof für 500 Mark zu Le­hen auf­tru­gen.

Im Jahr 1297 schrieb Jo­hann von Plet­ten­berg an die Pfar­rer in der Ge­gend von Soest und be­ton­te, dass er den Schutz der Kir­chen und der Geist­li­chen als eine sei­ner wich­tigs­ten Auf­ga­ben an­sah. Im Fall ei­nes der Kir­che ent­zo­ge­nen Gu­tes bei Am­pen droh­te er mit der An­wen­dung welt­li­cher Macht­mit­tel nach­dem kirch­li­che Er­mah­nun­gen bis hin zur Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on nicht er­folg­reich ge­we­sen wa­ren.

Er war Zeu­ge als Graf Wer­ner von Witt­gen­stein das Ge­richt, die Mün­ze, den Zoll und die Vog­tei von Me­de­bach für 200 Mark an den Erz­bi­schof Wig­bold von Hol­te ver­kauf­te. Jo­hann über­ließ in die­ser Zeit der Stadt Me­de­bach, ohne Auf­ga­be des erz­bi­schöf­li­chen Be­sitz­an­spru­ches, die Mün­ze, un­ter der Be­din­gung, dass drei Vier­tel der Ein­künf­te an den Mar­schall und das üb­ri­ge Vier­tel an den Stadt­rat fal­len soll­te. Er si­cher­te die Po­si­ti­on in der Ge­gend als er das dor­ti­ge Go­ge­richt, das im­mer­hin fünf­zehn Kirch­spie­le um­fass­te, von Hein­rich von It­ter er­warb. Ins­ge­samt hat­te er die köl­ni­schen Macht­an­sprü­che in die­ser Ge­gend auf eine fes­te und kon­kur­rie­ren­den Kräf­ten über­le­ge­ne Ba­sis ge­stellt.

Aus un­be­kann­ten Grün­den war Jo­hann von Plet­ten­berg ent­we­der zeit­wei­lig vom Mar­schall­amt zu­rück­ge­tre­ten oder der Erz­bi­schof hat ne­ben ihn ei­nen wei­te­ren Mar­schall er­nannt. Bert­hold von Bü­ren wur­de als sol­cher in ei­ner Ur­kun­de von 1298 ge­nannt. Die­ser trat auch 1299 noch als Mar­schall auf, wäh­rend von Jo­hann aus die­ser Zeit kei­ne Ur­kun­de be­kannt ist.

Spä­tes­tens seit 1302 am­tier­te Jo­hann von Plet­ten­berg wie­der als Mar­schall.

Konflikt mit der Grafschaft Mark

In die ers­te Pha­se von Jo­hanns Tä­tig­keit als Mar­schall fiel die Be­dro­hung erz­bi­schöf­li­cher Ge­bie­te durch Graf Eber­hard von der Mark und sei­ne Ver­bün­de­ten etwa der Her­ren von Bil­stein. Die Gra­fen von der Mark nut­zen die an­hal­ten­de Schwä­che der Erz­bi­schö­fe von Köln zur Er­wei­te­rung ih­rer Stel­lung nach der Schlacht von Wor­rin­gen (1288). Jo­hann von Plet­ten­berg spiel­te eine wich­ti­ge Rol­le. Die Be­dro­hung ging in ers­ter Li­nie von den Bur­gen Wal­den­burg und Schwar­zen­berg aus. Die Mi­nis­te­ria­len des Erz­bi­schofs ih­rer­seits ope­rier­ten von At­ten­dorn und der Burg Schnel­len­berg. 1296 führ­te Jo­hanns Ein­satz zum end­gül­ti­gen Er­werb der Wal­den­burg, die bis­lang als Ba­sis für die Ope­ra­tio­nen des Gra­fen ge­gen das erz­bi­schöf­li­che Ter­ri­to­ri­um ge­dient hat­te. Jo­hann von Plet­ten­berg er­hielt nicht nur vom Erz­bi­schof Un­ter­stüt­zung son­dern auch von den Bi­schö­fen von Os­na­brück und Pa­der­born so­wie den Gra­fen Wil­helm und Lud­wig von Arns­berg. Auch durch Ver­mitt­lung von Kö­nig Adolf von Nas­sau konn­te der Kon­flikt be­en­det wer­den.

Lagerbuch

Er ließ 1307 mit sei­nem La­ger­buch ein Ver­zeich­nis über den Be­sitz und die Rech­te der Köl­ner Erz­bi­schö­fe in West­fa­len an­le­gen. Ge­ord­net nach Städ­ten und Ver­wal­tungs­be­zir­ken ent­hält es In­for­ma­tio­nen über die dar­aus er­wach­sen­den Ein­künf­te des Erz­bi­schofs. Da­ne­ben ent­hält es his­to­risch be­deu­ten­de Nach­rich­ten aus der Ver­gan­gen­heit der ver­zeich­ne­ten Orte und Ge­bie­te so­wie ei­nen Ab­riss über die her­zog­li­chen Rech­te.

Die Ein­künf­te aus die­sen Be­sit­zun­gen wa­ren sehr be­deu­tend. Aber die Be­sit­zun­gen, aus de­nen sie stamm­ten, war sehr zer­split­tert und la­gen teil­wei­se weit au­ßer­halb des Her­zog­tums West­fa­len. Das re­gu­lä­re Ein­kom­men lag bei 1300 Mark, hin­zu ka­men wei­te­re Ge­fäl­le und 2910 Mal­ter Ge­trei­de. Un­klar ist wie viel da­von an den Erz­bi­schof ab­ge­führt wer­den muss­te.

Die auf­ge­führ­ten Äm­ter ent­spra­chen da­bei noch nicht der spä­te­ren Ab­gren­zung. Die­se länd­li­chen Ge­bie­te spiel­ten für die Macht­po­li­tik zu die­ser Zeit im Ver­gleich mit Bur­gen und be­fes­tig­ten Städ­ten auch eine un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Das La­ger­buch ist ein Ab­bild der köl­ni­schen Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik des 13. Jahr­hun­derts, die in ers­ter Li­nie auf dem Aus­bau be­fes­tig­ter Plät­ze als Stütz­punk­te und Kris­tal­li­sa­ti­ons­kern für das Aus­brei­ten der erz­bi­schöf­li­chen Herr­schaft ba­sier­te.

Die im La­ger­buch ver­zeich­ne­ten Ein­künf­te aus ei­ner den Ju­den auf­er­leg­ten Ab­ga­be deu­ten an, dass es ne­ben Soest auch in Bri­lon, At­ten­dorn, Ge­se­ke, Werl und Me­de­bach Ju­den ge­ge­ben hat.

Landfriedenspolitik

Im Jahr 1305 schloss er als Mar­schall ne­ben der Stadt Soest so­wie den an­de­ren erz­bi­schöf­li­chen Städ­ten in West­fa­len mit den Bi­schö­fen von Pa­der­born und Müns­ter ei­nen auf ein Jahr be­fris­te­ten Land­frie­den. Kur­ze Zeit spä­ter trat auch die Stadt Reck­ling­hau­sen dem Bünd­nis bei. In der ent­spre­chen­den Ur­kun­de wur­de Jo­hann von Plet­ten­berg als Do­mi­nus Jo­han­nes de plet­ten­bree mi­les, West­fa­lie ma­res­cal­cus ti­tu­liert.

Zur Si­che­rung der ver­schie­de­nen Land­frie­dens­bünd­nis­se er­nann­ten die Ver­trags­part­ner be­son­de­re Be­auf­trag­te, die für die Auf­recht­erhal­tung des Bünd­nis­ses sor­gen soll­ten. Die­se Rol­le über­nah­men auch Jo­hann von Plet­ten­berg und Bert­hold von Bü­ren. Bei­de schlich­te­ten 1309 ei­nen Streit zwi­schen den Brü­dern von Holt­hau­sen und dem Klos­ter Ben­ning­hau­sen. Auch un­ab­hän­gig von den Land­frie­dens­bünd­nis­sen war er be­strebt Strei­tig­kei­ten bei­zu­le­gen. Ver­schie­de­ne die­ser Be­mü­hun­gen sind ur­kund­lich be­legt.

Burgen und Städtegründungen

Sieg­fried von Wes­ter­burg hat­te 1289 die Wal­den­burg pfand­wei­se dem Gra­fen Adolf III. von Berg über­las­sen, der die Burg an den feind­li­chen Gra­fen Eber­hard I. von der Mark wei­ter­ver­pfän­de­te. Dar­auf­hin ließ der Erz­bi­schof durch Jo­hann die Burg Schnel­len­berg in­stand set­zen, um von dort ge­ge­be­nen­falls Aus­fäl­le in die Mark un­ter­neh­men zu kön­nen. Die Ar­bei­ten schei­nen 1294 be­en­det wor­den zu sein. Folgt man Jo­hann Sui­bert Sei­bertz, ist Jo­hann so­gar als Er­bau­er der Burg an­zu­se­hen. Dies geht aus ei­ner Ur­kun­de sei­nes Soh­nes Hei­den­reich her­vor, in der die­ser die Ju­ris­dik­ti­on über At­ten­dorn, die Jo­hann er­wor­ben hat­te, so­wie die Burg an die Erz­bi­schö­fe von Köln ab­trat. Die An­la­ge der Burg Schnel­len­berg war ein we­sent­li­cher As­pekt der Stüt­zung des wan­ken­den Süd­west­pfei­lers der köl­ni­schen Herr­schaft in West­fa­len durch Jo­hann von Plet­ten­berg.

Von er­heb­li­cher Be­deu­tung war, dass er zur Stär­kung des erz­bi­schöf­li­chen Ein­flus­ses die Zahl der be­fes­tig­ten Städ­te ver­grö­ßer­te. Be­reits 1296 wur­de die Stadt Be­lecke of­fi­zi­ell ge­grün­det. Al­ler­dings wur­de die­ser Be­schluss nicht so­fort um­ge­setzt. Noch 1307 war kei­ne Be­fes­ti­gung vor­han­den. Erst in den Fol­ge­jah­ren wur­de dies nach­ge­holt. Gleich­zei­tig wur­den die Rech­te der Stadt und des Ab­tes des Klos­ter Graf­schaft, dem die Kir­che un­ter­stand, ab­ge­grenzt.

In sei­ner zwei­ten Amts­zeit ließ Jo­hann 1310 die von den Gra­fen von Wal­deck zer­stör­te Stadt und Burg Hal­len­berg, nach­dem sie etwa zehn Jah­re lang un­be­wohnt ge­we­sen war, wie­der auf­bau­en. Er ließ auch Kal­len­hardt an­le­gen. Durch die Grenz­la­ge war der Ort Olpe stark durch Über­grif­fe ge­fähr­det. Vor al­lem auf den Rat von Jo­hann von Plet­ten­berg hin, ver­lieh Erz­bi­schof Hein­rich Olpe 1311 das Soes­ter Stadt­recht und ließ die Stadt be­fes­ti­gen.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Jo­hann I. von Plet­ten­berg aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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