Dez 202016
 

Jo­hann Con­rad Schlaun (* 5. Juni 1695 in Nör­de im Fürst­bis­tum Pa­der­born; † 21. Ok­to­ber 1773 in Müns­ter) war ein deut­scher Bau­meis­ter, Ar­chi­tekt und Mi­li­tär des Ba­rock.

Leben

Porträt Johann Conrad Schlauns um 1760/1770

Por­trät Jo­hann Con­rad Schlauns um 1760/1770

Schlaun ge­hört zu den be­deu­tends­ten Ar­chi­tek­ten des deut­schen Ba­rock. Er be­such­te zu­nächst das da­ma­li­ge Pro­gym­na­si­um Ma­ria­num in War­burg und da­nach das Gym­na­si­um Theo­do­ria­num in Pa­der­born. An­schlie­ßend stand er in Diens­ten des pa­der­bor­ni­schen In­fan­te­rie­re­gi­ments. Pa­der­born war durch den Köl­ner Kur­fürs­ten Cle­mens Au­gust I. von Bay­ern in Per­so­nal­uni­on mit dem Fürst­bis­tum Müns­ter ver­bun­den. Schlaun wech­sel­te in den Mi­li­tär­dienst des Bi­schofs von Müns­ter. Die Ver­bin­dung sei­ner mi­li­tä­ri­schen Lauf­bahn mit der Tä­tig­keit als Ar­chi­tekt war im Zeit­al­ter des Ba­rock durch­aus üb­lich, wie das Bei­spiel Jo­hann Bal­tha­sar Neu­manns zeigt, mit dem er ab 1720 zu­sam­men­ar­bei­te­te. Er un­ter­nahm zwi­schen 1722 und 1742 meh­re­re län­ge­re Rei­sen nach Ita­li­en, Frank­reich und nach Süd­deutsch­land. 1729 er­nann­te ihn Cle­mens Au­gust zu sei­nem Lan­d­in­ge­nieur, au­ßer­dem wur­de er in Müns­ter Ge­ne­ral­ma­jor der Ar­til­le­rie. Sei­ne cha­rak­te­ris­ti­sche Phy­sio­gno­mie geht wahr­schein­lich auf die Im­mun­erkran­kung Ro­sazea zu­rück.

Sei­ne Hei­mat, das Fürst­bis­tums Pa­der­born, und sei­ne Wahl­hei­mat Müns­ter ver­dan­ken ihm ei­ni­ge ih­rer schöns­ten Bau­ten. Die von Schlaun im­mer wie­der ver­wand­te Kom­bi­na­ti­on von Sand­stein mit ro­tem Klin­ker und wei­ßen, mehr­fach un­ter­teil­ten Fens­tern wird oft als „West­fä­li­sche Sin­fo­nie“ be­zeich­net.

Jo­hann Con­rad Schlaun leb­te bis zu sei­nem Tode in dem von ihm ent­wor­fe­nen Stadt­haus an der Hol­len­be­cker Stra­ße in Müns­ter, das dem Zwei­ten Welt­krieg zum Op­fer fiel. Er liegt in der Pfarr­kir­che Lieb­frau­en-Über­was­ser in Müns­ter be­gra­ben. Der ge­naue Ort sei­ner Grab­stät­te ist nicht be­kannt.

Familie

Jo­hann Con­rad Schlaun ent­stammt der an­ge­se­hen bür­ger­li­chen Fa­mi­lie der Schlaun bzw. Slu­yn oder Sloun. Die ver­schie­de­nen Zwei­ge der Fa­mi­lie kom­men aus Ge­se­ke, Os­na­brück, Rüt­hen, Ah­den, Hil­des­heim, dem Raum Trier und so­gar aus Hol­land. Ihre Hei­rats­po­li­tik bil­det ei­nen fast ge­schlos­se­nen Kreis, so­dass sich die­sel­ben Fa­mi­li­en mit­ein­an­der im­mer wie­der ver­schwä­ger­ten und ver­sipp­ten. Je­doch leb­te schon Hen­ri­cus Schlu­en, Jo­hann Con­rads Va­ter, di­stan­ziert zur Schlaun Fa­mi­lie. Sie hat­ten wahr­schein­lich fa­mi­liä­re Be­zie­hun­gen zum Os­na­brü­cker Stamm der Schlaun.

Aus ers­ter Ehe des Jo­hann Con­rad Schlaun und der Ma­ria Cath. Bou­rel gin­gen her­vor:

  • Ma­ria Anna Ger­trud
  • Ma­ria Mag­da­le­na
  • Cle­mens Au­gust Jo­han­nes Ber­nardus Eras­mus Fran­cis­cus (* 27. Juni 1726)

In zwei­ter Ehe war er mit Anna Ca­tha­ri­na Rehr­mann ver­hei­ra­tet. Aus die­ser Ehe gin­gen her­vor:

  • Mar­tin Con­rad (* 1741; † 26. No­vem­ber 1809), The­saur­ar von 1791–1809
  • Ger­hard Mau­ritz, ös­ter­rei­chi­scher Ge­ne­ral­feld­zeug­meis­ter
  • Ma­ria Anna Ca­tha­ri­na
  • Ma­ria An­to­net­te

Einige Bauten

Münster

  • Cle­mens­kir­che (1745–1753)
  • Lo­tha­rin­ger Klos­ter (1764–1768)
  • Dyck­burg-Kir­che und Lo­re­to-Ka­pel­le
  • Wien­burg (um 1765)
  • Mau­rit­zer Pfarr­haus (um 1758)

Andere

  • Je­sui­ten­kol­leg in Bü­ren (1719–1728)
  • Schloss Au­gus­tus­burg (ab 1725)
  • Jagd­schloss Cle­mens­werth in Sö­gel (1737–1747)
  • his­to­ri­scher Orts­kern von Not­tuln (ab 1748)
  • Lip­pe­sches Land­haus in Ober­kas­sel (um 1755)
  • Schloss Beck in Bot­trop (1766–1771)
  • Aus­stat­tung der Pfarr­kir­che St. Pan­kra­ti­us Nie­ven­heim
  • Klos­ter­neu­bau Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei am Schloss Iburg
  • Schloss Lo­burg bei Ost­be­vern (ab 1766), 1899 neu auf­ge­baut
  • Schlös­ser Au­gus­tus­burg und Fal­ken­lust in Brühl
  • Mi­chae­lis­ka­pel­le beim Schloss Lem­beck
  • Ka­pu­zi­ner­kir­che in Bra­kel, sein ers­tes Werk
  • Pfarr­kir­che St. Ka­tha­ri­na in Rhe­der (bei Bra­kel), 1716–1718
  • Pfarr­haus in Del­brück, 1716
  • Fär­be­rei Eu­pen für sei­nen Schwie­ger­va­ter Mar­tin Rehr­mann, 1745
  • Ge­stal­tung des Chor­raums der Pfarr­kir­che St. Lam­ber­tus in Asche­berg
  • Oran­ge­rie an Schloss Eg­ger­müh­len
  • Klos­ter­neu­bau Wit­tem, Re­no­vie­rung von Schloss Neu­burg und Kir­che von Eys in Gul­pen-Wit­tem (NL)
  • Neu­errich­tung des Süd­flü­gels von Schloss Ve­len 1744–1745 in Ve­len
  • Brü­cken­an­la­ge, Vor­burg und Gar­ten­an­la­ge am Schloss Herz­ford in Lin­gen
  • Haus Schücking in Sas­sen­berg
  • Haus Ruhr in Ge­mein­de Sen­den-Bö­sen­sell wur­de 1742 von Jo­hann Con­rad Schlaun um­ge­stal­tet.
  • Haus Al­ving­hof wur­de 1749 in Ge­mein­de Sen­den-Bö­sen­sell er­baut.
  • Schloss Cle­mens­werth in Sö­gel
  • Lip­pe­sches Land­haus (er­baut 1750–60), Ober­kas­sel
  • Plet­ten­ber­ger Hof, Bonn (Bau­lei­tung von 1725–1729)
  • Schloss Rös­berg, Rös­berg, 1729–1731
  • Hirsch­ber­ger Tor, 1753 ent­wor­fen im Auf­trag des Kur­fürs­ten Cle­mens Au­gust. Ur­sprüng­lich ge­hör­te es zum Schloss Hirsch­berg. Heu­te ist es das Tor zum Stadt­wald von Arns­berg.

Unsichere oder fälschlich zugeschriebene Werke

  • die Jo­han­nes­ka­pel­le in Riet­berg wur­de lan­ge Zeit Schlaun zu­ge­schrie­ben. 1973 wur­den Zwei­fel an der Au­tor­schaft Schlauns laut, die 1978 un­ter­mau­ert wer­den konn­ten. Sie wur­de wohl nach Plä­nen ei­nes Bau­meis­ters aus Brünn, ver­mut­lich Mau­ritz Grimm (1699–1757) er­rich­tet.
  • das Gar­ten­haus auf Haus Ven­ne in Dren­stein­furt
  • St.-Anna-Kapelle in Ost­be­vern

Lizenz

© Ur­he­ber­recht für die Fo­tos auf die­sen Sei­ten be­stehen bei Bern­hard Gro­ße-Drenkpohl.
Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Jo­hann Con­rad Schlaun aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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