Isenberger Wirren

Die Isen­ber­ger Wir­ren wa­ren eine Feh­de im Zeit­raum von 1232 und 1243 zwi­schen Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg und Adolf I. Graf von der Mark mit ih­ren je­wei­li­gen Ver­bün­de­ten. Diet­rich ver­such­te da­durch die Rück­ga­be der isen­ber­gi­schen Be­sit­zun­gen zu er­zwin­gen, die Graf Adolf nach der im No­vem­ber 1226 er­folg­ten Hin­rich­tung sei­nes Cou­sins Fried­rich Graf von Isen­berg für den Mord an dem Köl­ner Erz­bi­schof En­gel­bert I. Erz­bi­schof von Köln, Graf von Berg an sich ge­bracht hat­te. Bei­de Sei­ten er­ziel­ten mi­li­tä­ri­sche Er­fol­ge, die letzt­lich aber in eine Patt­si­tua­ti­on mün­de­ten. Der Streit wur­de des­halb im Ver­hand­lungs­we­ge bei­gelegt. 1243 schlos­sen die Kriegs­par­tei­en ei­nen Ver­gleich, der Diet­rich die Herr­schaft über die klei­ne Graf­schaft Lim­burg si­cher­te und die isen­ber­gi­schen Gü­ter etwa hälf­tig un­ter den Kon­tra­hen­ten auf­teil­te. Dies führ­te zu ei­ner Fes­ti­gung des mär­ki­schen Ter­ri­to­ri­al­be­sit­zes und zu ei­ner dau­er­haf­ten Ver­bin­dung zwi­schen dem Ham­mer Raum und der Grafsft­chaft Al­te­na. Die Isen­ber­ger Wir­ren wa­ren des­halb ein wich­ti­ger Teil­schritt zur Her­aus­bil­dung der spä­te­ren Graf­schaft Mark.

Vorgeschichte

Der Sieg über Hein­rich den Lö­wen, Her­zog von Sach­sen und Bay­ern, im Jah­re 1180, der mit kö­nig­glei­cher Macht über sein da­ma­li­ges Stam­mes­her­zog­tum Sach­sen ge­herrscht hat­te, führ­te zur Auf­tei­lung West­fa­lens, wie sie in der Geln­häu­ser Ur­kun­de dar­ge­legt ist. Der Erz­bi­schof von Köln wur­de in die­sem Zuge zum Her­zog von West­fa­len er­ho­ben. Er trat da­mit in di­rek­te Kon­kur­renz zu den west­fä­li­schen Gra­fen, die ih­rer­seits ver­such­ten, das ent­stan­de­ne Macht­va­ku­um zu fül­len und ei­ge­ne Ter­ri­to­ri­al­staa­ten zu er­rich­ten.

Ins­be­son­de­re En­gel­bert I. Erz­bi­schof von Köln (1216–1225) schuf sich durch sei­ne ag­gres­si­ve Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik mäch­ti­ge Fein­de un­ter den west­fä­li­schen Gra­fen. Die­ser Streit es­ka­lier­te, als En­gel­bert auf Wei­sung des Paps­tes ver­such­te, sei­nem Ver­wand­ten Fried­rich von Isen­berg die Vog­tei­rech­te über das Stift Es­sen zu ent­zie­hen, das ei­nen we­sent­li­chen Teil von Fried­richs Ver­mö­gen aus­mach­te. Fried­rich wur­de aus die­sem Grun­de in eine weit­rei­chen­de Ver­schwö­rung des west­fä­li­schen Adels ein­be­zo­gen, die be­schlos­sen hat­te, ag­gres­siv ge­gen En­gel­bert vor­zu­ge­hen. In der Li­te­ra­tur wird dar­über ge­strit­ten, ob die Ver­schwö­rung die Er­mor­dung En­gel­berts plan­te oder le­dig­lich des­sen Ge­fan­gen­nah­me. Es gibt auch Hin­wei­se auf eine Va­ri­an­te, nach der die Hin­ter­män­ner der Tat ins­ge­heim die Er­mor­dung des Erz­bi­schofs im Sinn hat­ten, Fried­rich je­doch in dem Glau­ben lie­ßen, es gehe le­dig­lich um eine Ge­fan­gen­nah­me, um ihn hin­ter­her als Sün­den­bock vor­zu­schie­ben. Die Be­geg­nung zwi­schen den Ver­schwö­rern und En­gel­bert en­de­te mit dem Tod des Erz­bi­schofs im Jah­re 1225. Fried­rich wur­de als (an­geb­li­cher) Rä­dels­füh­rer prä­sen­tiert. 1226, gut ein Jahr spä­ter also, führ­te eine List des Gra­fen Ger­hard IV. Graf von Gel­dern zur Er­grei­fung des Gra­fen Fried­rich von Isen­berg. Nach Köln über­stellt, wur­de er dort zur Stra­fe für die Er­mor­dung des Erz­bi­schofs auf das Rad ge­floch­ten und da­durch hin­ge­rich­tet. Von den üb­ri­gen Ver­schwö­rern wur­den nur we­ni­ge be­straft, die meis­ten ka­men un­ge­scho­ren da­von.

Fried­richs Cou­sin, Adolf I. Graf von der Mark, der eben­so wie sein Va­ter und der Va­ter des er­mor­de­ten Erz­bi­schofs in das Haus Gel­dern ein­ge­hei­ra­tet hat­te, stell­te sich in die­ser Kri­se de­mons­tra­tiv auf die Sei­te des Köl­ner Erz­bi­schofs Hein­rich von Mo­len­ark, der be­auf­tragt wor­den war, den Mord an En­gel­bert zu ahn­den. Graf Adolf be­la­ger­te Fried­richs Burg Nien­brüg­ge und zer­stör­te sie. Zum Dank für sei­ne Un­ter­stüt­zung be­lehn­te ihn der Erz­bi­schof mit den isen­ber­gi­schen Gü­tern, die Adolf in der Fol­ge­zeit an sich brach­te. Da­durch ver­ei­nig­te Adolf I. die in der zwei­ten al­te­nai­schen Erb­tei­lung ab 1175 zwi­schen der al­te­na­isch-mär­ki­schen und al­te­a­nisch-isen­ber­gi­schen Li­nie des Hau­ses Berg auf­ge­teil­ten al­te­nai­schen Ge­bie­te wie­der in (s)einer Hand. (Zu den nä­he­ren Hin­ter­grün­den der Tat vgl. die Bei­trä­ge zu En­gel­bert I. von Köln, Fried­rich von Isen­berg, Adolf I. von der Mark so­wie Nien­brüg­ge).

Fried­richs Sohn Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg, der zu die­sem Zeit­punkt noch min­der­jäh­rig war, muss­te den Ver­lust der isen­ber­gi­schen Be­sitz­tü­mer zu­nächst hin­neh­men. Als er je­doch etwa sieb­zehn Jah­re alt und da­mit voll­jäh­rig ge­wor­den war, be­schloss er, die Her­aus­ga­be des vä­ter­li­chen Er­bes von Graf Adolf von der Mark zu for­dern.

Diet­rich hat sei­ne An­sprü­che ver­mut­lich um das Jahr 1230 erst­mals an Graf Adolf her­an­ge­tra­gen. Da die­ser sich des Bei­stan­des durch die Köl­ner Kir­che ver­ge­wis­sert hat­te, wies er die For­de­run­gen des Isen­ber­gers zu­rück. Dar­auf­hin be­schloss Diet­rich, mit Hil­fe sei­ner Ver­bün­de­ten mi­li­tä­risch ge­gen Graf Adolf und des­sen Bun­des­ge­nos­sen vor­zu­ge­hen. Graf Adolf nahm den Kampf auf und ver­tei­dig­te sei­ne 1226 er­wor­be­nen Be­sitz­tü­mer.

Die Kontrahenten

Dietrich von Altena-Isenberg-Limburg

Graf Adolfs Cou­sin Fried­rich von Isen­berg war seit 1214 ver­hei­ra­tet mit So­phia von Lim­burg († 1226), ei­ner Toch­ter von Her­zog Wal­ram IV. von Lim­burg an der Maas. Sie war die Schwes­ter des Hein­rich von Lim­burg, der Schwie­ger­sohn des Gra­fen Adolf III. von Berg war, und En­ke­lin des Hein­rich III. Her­zog von Lim­burg, Graf von Ar­lon.

Die Ehe brach­te fünf oder sechs Kin­der her­vor:

  • Diet­rich, (* um 1215; † 1301), ver­hei­ra­tet mit Adel­heid von Sayn († 1297).
  • Fried­rich, im Jah­re 1228 und 1233 nicht na­ment­lich, 1243 na­ment­lich er­wähnt.
  • Agnes, er­wähnt 1243–1282, ca. 1243 ver­hei­ra­tet mit Burk­hard III. von Broich (1241–1274).
  • Eli­sa­beth, er­wähnt 1243–1275, ca. 1234 ver­hei­ra­tet mit Diet­rich II., Graf von Mörs (1226–1260).
  • So­phia, er­wähnt 1243–1292, ca. 1237 ver­hei­ra­tet mit Hein­rich II. von Vol­mar­stein (* um 1180; Graf von Vol­mar­stein 1217–1258).
  • Eine nicht na­ment­lich be­kann­te Toch­ter wird als zwei­te Ehe­frau des Gra­fen Jo­hann I. von Spon­heim und Sayn ver­mu­tet.

Da­bei war es Diet­rich als äl­tes­ter Sohn sei­nes Va­ters, der ver­such­te, das vä­ter­li­che Erbe zu­rück­zu­ge­win­nen. Er wuchs am Hof sei­nes On­kels auf, Hein­rich IV. Her­zog von Lim­burg, der seit 1226 den Ti­tel ei­nes Gra­fen von Berg in­ne­hat­te.

Mehr und mehr reif­te in Diet­rich die Über­zeu­gung, das an sei­nem Va­ter voll­zo­ge­ne Ur­teil sei nicht ge­recht ge­we­sen. Wenn sein Va­ter schon nicht un­schul­dig war, so hielt ihn Diet­rich doch für ein Op­fer der In­tri­gen sei­ner Fein­de. Zu die­sen zähl­te er vor al­lem Ger­hard IV. Graf von Gel­dern, der Fried­rich durch eine List ge­fan­gen­ge­nom­men und nach Köln über­stellt hat­te, wo er aufs Rad ge­floch­ten wor­den war, und Fried­richs Vet­ter, Adolf I. Graf von der Mark, der so­fort nach dem Tode Fried­richs die isen­berg­schen Gü­ter be­schlag­nahmt hat­te. Als sei­nen Haupt­geg­ner be­trach­te­te Diet­rich je­doch den Köl­ner Erz­bi­schof Hein­rich von Mo­len­ark, den „Mör­der“ des Gra­fen Fried­rich. Diet­rich schwor ihm Ra­che und be­kämpf­te ihn mit al­len zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln.

Da­bei ver­si­cher­te sich Diet­rich der Un­ter­stüt­zung durch sei­nen On­kel, den Her­zog von Lim­burg. In die­sem Zu­sam­men­hang er­scheint es be­mer­kens­wert, dass Her­zog Hein­rich die Über­nah­me der isen­ber­gi­schen Gü­ter durch Adolf I. von der Mark zu­nächst hin­nahm und nicht be­reits un­mit­tel­bar nach dem Tod Fried­richs und sei­ner Frau So­phia, der Schwes­ter des Her­zogs, das isen­ber­gi­sche Erbe für Fried­richs hin­ter­blie­be­ne Kin­der oder für sich selbst ein­for­der­te. Es stellt sich die Fra­ge, ob er die Macht der Köl­ner Kir­che fürch­te­te oder ob er ab­sicht­lich zö­ger­te, um zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt er­folg­rei­cher ge­gen sei­ne Geg­ner vor­ge­hen zu kön­nen. Mög­li­cher­wei­se hat sich der Her­zog die ab­war­ten­de Hal­tung Adolfs von der Mark zu ei­gen ge­macht, um ihn mit sei­nen ei­ge­nen Waf­fen zu schla­gen. Es wäre si­cher­lich un­klug von ihm ge­we­sen, be­reits in den ers­ten Jah­ren den Ver­such zu un­ter­neh­men, dem Sohn des mit der Reichs­acht be­leg­ten Fried­rich von Isen­berg zu sei­nen Rech­ten zu ver­hel­fen.

Diet­rich konn­te nicht nur auf sei­nen On­kel, son­dern auch auf wei­te­re Ver­bün­de­te zäh­len. Dazu ge­hör­ten sein Bru­der Fried­rich, sein On­kel Wil­helm von Isen­berg so­wie „an­de­re jen­seits der Lip­pe woh­nen­de Her­ren“, wie Levold von Nor­t­hof be­rich­tet. Nach Stirn­berg und Hulshoff/Aders han­del­te es sich ver­mut­lich um die glei­chen Ade­li­gen, die an der Ver­schwö­rung ge­gen En­gel­bert I. von Köln teil­ge­nom­men hat­ten: Otto I. Graf von Teck­len­burg (1209–1263), die Gra­fen von Schwa­len­berg, die Her­ren von Stein­furt und von der Lip­pe, so­wie Ger­hard Ed­ler von Wil­den­berg. Vah­ren­hold-Hu­land be­zwei­felt dies, ih­rer Auf­fas­sung nach konn­te der Her­zog von Lim­burg nach 1225 von den al­ten Bünd­nis­part­nern nur noch auf den Bi­schof von Os­na­brück und die Gra­fen von Kle­ve zu­rück­grei­fen. Da­mit stim­men die For­scher je­den­falls in dem Punkt über­ein, dass der vor­über­ge­hend ab­ge­setz­te, aber 1239 wie­der­ge­wähl­te Bi­schof En­gel­bert von Os­na­brück, der Bru­der von Diet­richs Va­ter, zu Diet­richs Un­ter­stüt­zern ge­hör­te.

Tat­säch­lich rech­ne­te man da­mit, dass die Kin­der Fried­rich von Isen­bergs den Lehns­be­sitz und ihre Al­lo­di­en ih­res Va­ters zu­rück­for­dern wür­den. Her­mann, Abt des Klos­ters Cor­vey, über­eig­ne­te 1228 sei­nem Ka­pi­tel zwei Fu­der Wein, die Graf Fried­rich von Isen­berg als Le­hen be­ses­sen hat­te, ge­gen die Be­zah­lung von 15 Mark. Der Abt er­klär­te zu­gleich sei­ne Be­reit­schaft, dem Ka­pi­tel die ge­nann­te Sum­me zu­rück­zu­er­stat­ten, soll­ten die Söh­ne Fried­richs das Le­hen recht­lich wie­der be­an­spru­chen.

Diet­richs On­kel Adolf von Hol­te (1220–1261) hat­te sich nach En­gel­berts Tod von sei­ner Fa­mi­lie di­stan­ziert und nahm auch dies­mal eine neu­tra­le Po­si­ti­on ein.

1243, etwa zwan­zig Jah­re nach dem ge­walt­sa­men Tod des Erz­bi­schofs En­gel­bert, gab es wie­der weit­ge­spann­te lim­bur­gi­sche Ver­wandt­schafts­be­zie­hun­gen am Rhein und in West­fa­len. Der Her­zog von Lim­burg und En­gel­bert Bi­schof von Os­na­brück ha­ben da­mit au­gen­schein­lich das Ziel ver­folgt, Adolf von der Mark zu zwin­gen, die isen­ber­gi­schen Gü­ter an Diet­rich her­aus­zu­ge­ben. Eine Schwes­ter Diet­richs war mit Bu­chard von Mo­ers, eine zwei­te mit Hein­rich von Vol­mestein, Diet­rich selbst mit Al­hei­dis von Sayn ver­hei­ra­tet. Die Hei­rats- und Bünd­nis­po­li­tik Diet­richs von Isen­berg-Lim­burg zeig­te sich so­mit ge­nau­so weit­räu­mig wie die sei­ner ver­stor­be­nen Va­ters.

Die­se ver­wandt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen dür­fen je­doch nicht als po­li­ti­sches Bünd­nis oder so­gar als Ver­schwö­rung ver­stan­den wer­den, wie es die Ko­ali­ti­on von 1225 war. Zu die­ser Zeit gab es kei­nen Au­to­ma­tis­mus mehr, dass ver­wandt­schaft­li­che Be­zie­hun­gen mit ei­nem po­li­ti­schen Bünd­nis gleich­zu­set­zen wa­ren. Im Jah­re 1243 fehl­te zu­dem die ge­mein­sa­me Front­stel­lung ge­gen Köln. Wirk­li­che Stüt­zen der isen­ber­gi­schen Po­li­tik wa­ren zu die­ser Zeit nur noch der Her­zog von Lim­burg, der Graf von Berg und der Bi­schof von Os­na­brück.

An­ge­sichts der sich lö­sen­den köl­nisch-mär­ki­schen Bin­dun­gen ab 1240 kann Diet­richs Po­si­ti­on den­noch nicht als schwach be­zeich­net wer­den. Bis zum Jahr 1243 ge­lang es ihm, in wie­der­hol­ten Kriegs­zü­gen ge­gen Graf Adolf ei­nen Teil des vä­ter­li­chen Er­bes, das Ge­biet zwi­schen Len­ne und Ruhr, zu­rück­zu­ge­win­nen.

Adolf I. von der Mark

Auch Adolf I. Graf von der Mark hat­te Ver­bün­de­te. Der wich­tigs­te von ih­nen war der Köl­ner Erz­bi­schof Hein­rich von Mo­len­ark, der aus ver­schie­de­nen Er­wä­gun­gen her­aus Un­ter­stüt­zung durch den Papst er­hielt. Zum Ei­nen war in die­ser Zeit ge­gen ihn in Rom ein ka­no­ni­scher Pro­zess an­hän­gig, den der Papst schnellst­mög­lich und ohne un­nö­ti­ge Ver­zö­ge­run­gen durch­füh­ren woll­te. Zum An­de­ren ge­riet die Köl­ner Kir­che im Ver­lau­fe des Jah­res 1233 in mas­si­ve Be­dräng­nis, was der Papst in die­ser Form nicht hin­neh­men konn­te.

Aus ei­ner Ur­kun­de aus dem va­ti­ka­ni­schen Ar­chiv geht her­vor, dass Papst Gre­gor IX. mit Da­tum vom 17. Juni 1233 an den Bi­schof von Os­na­brück, den Köl­ner Dom­propst und den Propst von St. Ge­re­on schrieb. Da­bei teil­te er ih­nen mit, dass die Söh­ne des „über­aus ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen“ Gra­fen Fried­rich von Isen­berg, des Mör­ders von Erz­bi­schof En­gel­bert, „als Nach­ah­mer sei­ner Gott­lo­sig­keit“, mit dem Bru­der ih­res Va­ters, Wil­helm von Isen­berg, die Köl­ner Kir­che und den Erz­bi­schof aufs hef­tigs­te be­dräng­ten. Den Emp­fän­gern des Brie­fes be­fahl der Papst, die Übel­tä­ter und ihre An­hän­ger mit­tels kirch­li­cher Stra­fen zur Ruhe zu brin­gen. Der ge­gen den Erz­bi­schof ein­ge­lei­te­te ka­no­ni­sche Pro­zess sol­le näm­lich kei­ne Ver­zö­ge­run­gen er­lei­den. Ein wei­te­res Schrei­ben glei­chen Da­tums rich­te­te der Papst an die „Fi­de­les“ (Ge­treu­en) und Va­sal­len der Köl­ner Kir­che. Die­sen be­fahl er, der Köl­ner Kir­che und dem Erz­bi­schof ge­gen die Söh­ne des Fried­rich Graf von Isen­berg und Wil­helm, den Bru­der des Gra­fen, bei­zu­ste­hen.

Der Papst er­öff­ne­te im Rom au­ßer­dem ei­nen Pro­zess ge­gen die Isen­ber­ger und ihre Ver­bün­de­ten, in de­nen er sie be­zich­tig­te, dass sie um der Ra­che we­gen den Köl­ner Erz­bi­schof Hein­rich ver­folg­ten und be­lei­dig­ten.

1238 wur­de Kon­rad von Hoch­sta­den neu­er Erz­bi­schof von Köln, der Adolf I. von der Mark sei­ner­seits Hil­fe an­ge­dei­hen ließ.

Ne­ben dem Erz­bi­schof konn­te sich Graf Adolf zu­dem auf sei­nen Bun­des­ge­nos­sen ver­las­sen, den Gra­fen von Ra­vens­berg. Es ist an­zu­neh­men, dass Graf Adolf auch von den Gra­fen von Gel­dern un­ter­stützt wur­de, nicht nur, weil es Graf Ger­hard von Gel­dern war, der Fried­rich von Isen­berg aus­ge­lie­fert hat­te, wes­halb Gel­dern für die Isen­ber­ger zur geg­ne­ri­schen Frak­ti­on zähl­te, son­dern auch, weil so­wohl Graf Adolf als auch sein Va­ter Fried­rich von Berg-Al­te­na in die­ses Haus ein­ge­hei­ra­tet hat­ten. Und auch der er­mor­de­te Erz­bi­schof En­gel­bert war der Sohn ei­ner Gelde­rin ge­we­sen.

Fer­ner stütz­te sich Graf Adolf auf sei­ne Va­sal­len, vor al­lem auf die „von Al­te­na“ und die „von Bö­nen“. Hier­bei hebt Levold von Nor­t­hof den Rit­ter Lub­ert von Bö­nen na­ment­lich her­vor. Die­ser war der Drost des Gra­fen Adolf, da sein Vor­gän­ger, Rit­ter Lu­dolf von Bö­nen, kurz nach 1230 ge­stor­ben war.

Streitige Positionen

Diet­rich von Isen­bergs Be­stre­bun­gen dien­ten dem Zweck, die al­te­na­isch-isen­ber­gi­schen Be­sitz­tü­mer in der Form wie­der an sich zu brin­gen, wie sie der isen­ber­gi­sche Zweig des Hau­ses Berg (Ar­nold von Altena/Friedrich von Isen­berg) durch die zwei­te al­te­nai­schen Erb­tei­lung ab 1175 und da­nach er­wor­ben hat­te. Da­bei ging es um Grund­be­sitz, be­son­ders an den Ge­bie­ten der Graf­schaft Al­te­na, und um Lehns­rech­te, aber auch um die Vog­tei­rech­te über das Klos­ter Wer­den und das Stift Es­sen.

Kriegsvorbereitungen

Limburgisch-isenbergische Seite

Bau der Hohenlimburg

Für die isen­ber­gisch-lim­bur­gi­sche Frak­ti­on muss die stark be­fes­tig­te Köl­ner Raf­fen­burg eine stän­di­ge und nicht zu un­ter­schät­zen­de Be­dro­hung ge­we­sen sein. Sie si­cher­te den Len­ne­über­gang der „Kö­nigs­stra­ße“ bei El­sey, die von Ha­gen aus nach Iser­lohn und von dort wei­ter ins Hön­ne­tal führ­te und die wich­tigs­ten Ei­sen­erz­gru­ben und Ver­hüt­tungs­plät­ze die­ses Rau­mes er­schloss.

Des­halb rück­te Her­zog Hein­rich ver­mut­lich um 1230, also noch im Vor­feld des Krie­ges, mit lim­bur­gi­schen Trup­pen in das Ge­biet der Len­ne ein, um die Stel­lung sei­nes Nef­fen Diet­rich zu be­fes­ti­gen. An der Stel­le, wo sich heu­te die Stadt Ho­hen­lim­burg be­fin­det, ließ er die Ho­hen­lim­burg er­rich­ten, be­nannt nach sei­nem ei­ge­nen Schloss Lim­burg an der Vesd­re, und zog an die­ser Stel­le eine Ar­mee zu­sam­men. Die Ho­hen­lim­burg, auf ei­ner Berg­zun­ge des Schlei­pen­bergs er­rich­tet, be­fand sich nur ei­nen Ki­lo­me­ter Luft­li­nie von der Raf­fen­burg ent­fernt. Der ge­naue Zeit­punkt des Bau­be­ginns der Lim­burg lässt sich heu­te aber nicht mehr be­stim­men, so wird zum Teil auch von ei­nem Bau­be­ginn im Jahr 1232 ge­spro­chen.

Nach Levold von Nor­t­hof hat­te der Her­zog von Lim­burg eben­so vie­le Rit­ter zum Kampf in die neue Burg mit­ge­nom­men, als es Boh­len gab, mit de­nen man die Burg ver­stärk­te. Dem­zu­fol­ge han­del­te es sich ur­sprüng­lich um eine Holz-Erd­be­fes­ti­gung, die erst spä­ter in Stein aus­ge­fer­tigt wur­de. Wie ar­chäo­lo­gi­sche Fun­de be­le­gen, wur­de zeit­gleich in etwa 400 Me­tern Ent­fer­nung ober­halb des heu­ti­gen Schlos­ses Ho­hen­lim­burg auf dem Schlei­pen­berg eine wei­te­re klei­ne, aber stark be­fes­tig­te Burg er­rich­tet, die wahr­schein­lich dem Flan­ken­schutz der Lim­burg wäh­rend des Baus dien­te. Ihr Name ist nicht über­lie­fert. Ihre Res­te nennt man heu­te „Die Sie­ben Grä­ben auf dem Schlei­pen­berg“. Ein kom­pli­zier­tes Wall-Gra­ben-Sys­tem, die Wäl­le ver­mut­lich als Holz-Erde-Be­fes­ti­gung kon­zi­piert, um­schloss ein re­la­tiv klei­nes, ova­les Kern­werk mit Stein­mau­er und Stein­turm.

Fer­tig­ge­stellt war die Lim­burg spä­tes­tens im Jah­re 1242. Ge­mäß der Ur­kun­de vom 17. Juli, in der „der Edle (noch nicht Graf) Diet­rich von Isen­berg“ mit Zu­stim­mung der Brü­der sei­nes Va­ters, En­gel­bert Bi­schof von Os­na­brück, Phil­ipp Propst von Soest, Bru­no Propst von Os­na­brück, Gott­fried Propst von St. Mar­tin in Müns­ter, Wil­helm von Isen­berg und Adolf von Hol­te, der sich wie­der zu sei­ner Fa­mi­lie be­kann­te, sei­nem Oheim Her­zog Hein­rich von Lim­burg, in sei­ner Ei­gen­schaft als Graf von Berg, die Lim­burg, als ihm ge­hö­ri­ges Al­lod zu Le­hen auf­trägt. Diet­rich von Isen­berg über­trug also die Burg Lim­burg sei­nem On­kel, Hein­rich Her­zog von Lim­burg, Graf von Berg, und er­hielt sie von ihm als Erb­le­hen so­wohl in männ­li­cher als auch in weib­li­cher Li­nie zu­rück; die glei­che Re­ge­lung wur­de für zwei Höfe zu El­sey und die Höfe zu Hufele/Hövel und Wanemale/Wambel ge­trof­fen. Auf die­se Wei­se ent­stand zwi­schen Lim­bur­gern und Isen­ber­gern ein Lehns­ver­hält­nis, das noch für Jahr­hun­der­te das Ver­hält­nis zwi­schen Isenberg/Grafschaft Lim­burg an der Len­ne und Her­zog­tum Limburg/Grafschaft Berg be­stim­men soll­te. Kurz ge­sagt be­gab sich Diet­rich von Isen­berg durch die­sen Schritt in die Lehn­s­ab­hän­gig­keit der Gra­fen vom Berg. Am 24. Au­gust 1244 lie­ßen sich die­se von den Burg­man­nen der Lim­burg die Treue schwö­ren. Im glei­chen Jahr muss­te sich Diet­rich ver­pflich­ten, nie­mals ohne die Zu­stim­mung der Gra­fen von Berg über sei­ne Burg zu ver­fü­gen.

Die stän­di­ge Be­vor­mun­dung Diet­richs durch sei­nen On­kel (bzw. nach 1247 durch sei­nen Vet­ter Adolf IV. Graf von Berg und des­sen Nach­fol­ger) soll­te bis an Diet­richs Le­bens­en­de an­hal­ten. Ab 1271 wur­de die Ho­hen­lim­burg so­gar eine so­ge­nann­te „Of­fen­burg“ (auch Of­fen­haus) für Gra­fen von Berg, die das Recht des of­fe­nen Ein- und Aus­gangs er­hiel­ten.

Diet­rich mag es be­dau­ert ha­ben, dass er sei­ne klei­ne, nur 118 Qua­drat­ki­lo­me­ter mes­sen­de Graf­schaft Lim­burg, von der er nach 1243 sei­nen Gra­fen­ti­tel her­lei­te­te, 1242 von sei­nem On­kel, Hein­rich IV. Her­zog von Lim­burg, in des­sen Ei­gen­schaft als Graf von Berg zu Le­hen neh­men muss­te. In­des­sen gab es für eine ber­gi­sche Lehn­s­ab­hän­gig­keit von Burg und Graf­schaft Lim­burg gute Grün­de. Zum Ei­nen ver­füg­ten die Gra­fen von Berg auf die­se Wei­se so­wohl über ei­nen ge­gen Köln ge­rich­te­ten Stütz­punkt im Köl­ni­schen Her­zog­tum West­fa­len als auch ei­nen ge­gen die auf­stre­ben­den Mär­ker in­ner­halb von de­ren Graf­schaft Al­te­na. Zum an­de­ren dürf­te Her­zog Hein­rich in die­ser Lehns­bin­dung die wohl ein­zi­ge Über­le­bens­ga­ran­tie der iso­lier­ten klei­nen Graf­schaft sei­nes Nef­fen ge­se­hen ha­ben. Zwar wa­ren Graf Diet­rich im Ei­ni­gungs­ver­trag mit Graf Adolf die Rück­ga­be al­ler Le­hen sei­nes Va­ters, dar­un­ter auch die Köl­ni­schen, zu­ge­stan­den wor­den, in­des ließ der Voll­zug lan­ge auf sich war­ten.

Die neue Burg Lim­burg an der Len­ne bil­de­te ab 1232 den Aus­gangs­punkt der lim­bur­gisch-isen­ber­gi­schen An­grif­fe ge­gen die Mark.

Ausbau der Oestricher Burg

Etwa zeit­gleich mit dem Bau der Lim­burg be­zog Diet­rich von Isen­berg die Oe­stri­cher Burg, ei­nen al­ten Al­lo­di­al­be­sitz sei­nes Va­ters und Groß­va­ters. Dort ließ er den al­ten ka­ro­lin­gi­schen West­ring der Fes­te zu ei­ner stei­ner­nen Funk­ti­ons­burg mit Berg­fried er­wei­tern.

Bo­den­fun­de deu­ten dar­auf hin, dass Diet­rich im Lau­fe der fol­gen­den Jah­re die an­de­ren Be­fes­ti­gun­gen der 18 Hekt­ar gro­ßen Ge­samt­an­la­ge wie­der in ei­nen wehr­fä­hi­gen Zu­stand ver­set­zen ließ. Zu­nächst wur­de der Mit­tel­wall wie­der­her­ge­stellt, an­schlie­ßend der Ost­ring (mög­li­cher­wei­se 1244/50). Etwa 1247/50 soll der gro­ße Nord­wall voll­endet wor­den sein. Stirn­berg zwei­felt die­se Da­tie­rung an. Für ihn steht au­ßer Fra­ge, dass Diet­rich die Ab­sicht hat­te, die Oe­stri­cher Burg zu sei­nem hie­si­gen Haupt­sitz zu ma­chen und aus­zu­bau­en. Die Fer­tig­stel­lung ei­ner der­ar­tig aus­ge­dehn­ten Be­fes­ti­gungs­an­la­ge sei nur sinn­voll, wenn zu­gleich die Ab­sicht be­stan­den hät­te, in­ner­halb der Wäl­le eine „Ci­vi­tas“, eine Burg­stadt, an­zu­le­gen, wie es sie auch auf der Raf­fen­burg ge­ge­ben hat. Die­ses Vor­ha­ben sei letzt­lich aber auf­ge­ge­ben wor­den, weil der Ver­trag zwi­schen den Gra­fen Diet­rich und Adolf aus dem Jahr 1243 ein Be­fes­ti­gungs­ver­bot mit sich ge­bracht habe.

Wört­lich heißt es in dem Ver­trag: „Des­glei­chen darf Diet­rich kei­ne neue Fes­tung auf­bau­en oder eine alte in­stand set­zen; noch darf Graf Adolf ir­gend­was be­fes­ti­gen au­ßer Ka­men und Hamm; noch darf Diet­rich die Stadt vor der Burg Lim­burg über der Len­ne be­fes­ti­gen.“

Die Exis­tenz der ehe­ma­li­gen „co­me­tia os­te­ric“, der „Graf­schaft Oe­strich“, ist nur durch ein Ab­ga­ben­ver­zeich­nis be­legt, das Graf Diet­rich von Isen­berg etwa um 1250 nie­der­schrei­ben ließ und das am Ende der gro­ßen Vog­tei­rol­le an­ge­fügt wur­de. Dar­in wer­den auch die zur Graf­schaft ge­hö­ren­den Gü­ter und ihre Be­sit­zer nebst der Höhe ih­rer Ab­ga­ben be­nannt. Die­se Ein­tra­gun­gen sind teil­wei­se un­le­ser­lich. Die Mehr­zahl der Gü­ter lag aber um den Burg­berg her­um, etwa in Oe­strich, Stengelinchusen/Stenglingsen, Las­bek, Gindena/Genna, Gru­den, Ste­ney, Let­ma­the und Hel­me­kin­chu­sen, wo­mög­lich auch die den Hon­se­ler Stein­brü­chen zum Op­fer ge­fal­le­ne Sied­lung Helm­ke bei Let­ma­the. An­de­re Höfe la­gen hin­ge­gen nach­weis­bar au­ßer­halb die­ser Zwerg­graf­schaft; etwa in Nort­lon, bei Iser­lohn, in Rene/Rheinen, in Coten, ver­mut­lich bei Haus Kot­ten in Men­den-Bösper­de, und in Vrylinchusen/Frielinghausen bei En­ne­pe­tal. Bei dem ge­nann­ten, nur halb les­ba­ren „…en­dor­pe“, könn­te es sich um Höfe zu Tie­fen­dorf oder zu Bah­ren­dorf bei Iser­lohn han­deln. In Fra­ge käme au­ßer­dem Al­ten­dorf bei Dell­wig.

Aus der Lage der rund um den Burg­berg dra­pier­ten Höfe er­gibt sich, dass die „Graf­schaft Oe­strich“ ein nur we­ni­ge Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßes Ge­biet ge­we­sen sein kann.

Stirn­berg mut­maßt, es könn­te sich bei der co­me­tia os­te­ric um ei­nen un­ter­ge­gan­ge­nen ehe­ma­li­gen frän­ki­schen Kö­nigs­hof han­deln, der spä­ter al­lo­di­fi­ziert oder dem Reich ent­frem­det und in eine an­de­re Rechts­form über­führt wor­den ist. In der Nähe der Graf­schaft Oe­strich be­fin­det sich der Reichs­hof West­ho­fen, der ver­mut­lich in etwa die glei­che Flä­che hat­te wie Oe­strich. Mit­tel­punkt des Reichs­hofs war die säch­sisch-frän­ki­sche Si­gi­burg, eben­so wie die säch­sisch-frän­ki­sche Burg Oe­strich das Zen­trum der oc­me­tia os­te­ric war. Zu­dem lässt sich Os­te­ric mit „Ost­reich“ über­set­zen und liegt zu­dem süd­öst­lich des Reichs­ho­fes West­ho­fen. Die Sigiburg/Hohensyburg und die Oe­stri­cher Burg wa­ren durch den „Sy­bur­ger Weg“ ver­bun­den, der von Ho­hen­sy­burg kam und bei El­sey auf die Kö­nigs­stra­ße stieß. Sein Name wur­de ab­schnitts­wei­se (bei Iser­lohn) auf die Kö­nigs­stra­ße über­tra­gen. Auch Sa­gen und Spuk­ge­schich­ten sind mit die­ser Stra­ße ver­bun­den. Die­se Par­al­le­len las­sen Stirn­berg ver­mu­ten, dass „Ost­reich“ wo­mög­lich da­mals der „öst­li­che Reichs­hof“ und so­mit na­mens­be­stim­mend für den „west­li­chen Reichs­hof“ war.

Märkische Seite

Graf Adolf von der Mark präg­te ei­ge­ne Mün­zen, um den Krieg fi­nan­zie­ren zu kön­nen.

Bis zur Zeit Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sas ver­sorg­ten auf dem Ge­biet des al­ten Stam­mes­her­zog­tums Sach­sen Han­del und Ver­kehr mit den nö­ti­gen Zah­lungs­mit­teln. Als In­ha­ber der Münz­stät­ten tra­ten le­dig­lich der Kai­ser, der Her­zog und eine Rei­he geist­li­cher Her­ren auf. Im Fal­le von West­fa­len wa­ren dies die Erz­bi­schö­fe von Köln und die Bi­schö­fe von Müns­ter, Os­na­brück und Pa­der­born. Nach dem Sturz Her­zog Hein­richs des Lö­wen im Jah­re 1180 ent­wi­ckel­ten auch die klei­ne­ren Dy­nas­ten in West­fa­len eine lang­sam stei­gen­de Prä­ge­tä­tig­keit. Frag­lich, aber auf­grund feh­len­der ur­kund­li­cher Über­lie­fe­rung nicht mehr zu ent­schei­den ist die Fra­ge, ob die Aus­münzung auf­grund kai­ser­li­cher Pri­vi­le­gi­en oder durch Usur­pa­ti­on er­folgt ist. Graf Adolf hat also ent­we­der das kai­ser­li­che Münz­re­gal un­ter­lau­fen oder aber das Recht zur Münz­prä­gung er­hal­ten, mög­li­cher­wei­se durch Ver­mitt­lung des Köl­ner Erz­bi­schofs.

Schon der Va­ter des Gra­fen Adolf, Fried­rich von Berg-Al­te­na, und der Groß­va­ter des Diet­rich von Isen­berg, Ar­nold von Al­te­na, hat­ten in ih­rer Münz­stät­te Lim­burg ers­te al­te­nai­sche Mün­zen ge­prägt, al­ler­dings nicht be­son­ders vie­le. Adolf von der Mark ent­fal­te­te da­ge­gen eine rei­che­re Münz­tä­tig­keit, aus­weis­lich der er­hal­te­nen Mün­zen al­ler­dings an­schei­nend erst nach 1226, als er er­starkt aus dem Zu­sam­men­bruch der Isen­ber­ger Li­nie her­vor­ging. Er rich­te­te dazu Münz­stät­ten in Hamm, Iser­lohn und Bre­cker­feld ein.

Im Lau­fe des 12. Jahr­hun­derts setz­te sich an­stel­le der bis­he­ri­gen Mün­zen, des ka­ro­lin­gi­schen Pfunds, die köl­ni­sche Mark durch. Un­ter dem Ein­fluss Kölns bil­de­te sich da­bei ein ei­ge­ner De­nar­typ her­aus, der in den ers­ten Jahr­zehn­ten des 13. Jahr­hun­derts durch von Eng­land ein­drin­gen­de Pfen­ni­ge (Ster­lin­ge), aus­ge­prägt nach dem ka­ro­lin­gi­schen Münz­fuß, stark be­ein­flusst wor­den ist. In West­fa­len wur­den die eng­li­schen Ster­lin­ge durch die eng­li­schen Hilfs­gel­der an den Ge­gen­kö­nig Otto IV. von Braun­schweig um die Wen­de des 12. Jahr­hun­derts und vor al­lem durch die seit die­ser Zeit im­mer stär­ker wer­den­den Han­dels­be­zie­hun­gen zu Eng­land be­kannt. We­gen ih­res gu­ten Ge­halts und Ge­wichts, das dem Rau- und Fein­ge­wicht der Köl­ner Pfen­ni­ge ent­sprach, wa­ren sie bei den Kauf­leu­ten als in­of­fi­zi­el­le Kurs­mün­zen sehr be­liebt. Des­halb wur­den in West­fa­len in den 1220er und 1230er Jah­ren die eng­li­schen Kö­nigs­pfen­ni­ge über­all in West­fa­len nach­ge­münzt. Es han­delt sich um die Ster­lin­ge der eng­li­schen Kö­ni­ge Hein­rich II. (1154–1189) und Hein­rich III. (1216–1272), die auf der Vor­der­sei­te ei­nen ge­krön­ten Kopf, rechts meis­tens eine Hand mit Zep­ter und die Um­schrift HENRICVS REX, auf der Rück­sei­te ein Zwil­lings­fa­den­kreuz und die An­ga­be des Münz­meis­ters so­wie der Münz­stät­te zei­gen.

Von Graf Adolf sind aus­schließ­lich Ster­lings­ge­prä­ge er­hal­ten, was nicht ver­wun­dert, da sei­ne Re­gie­rungs­zeit ganz in die Zeit der west­fä­li­schen Ster­lings­pe­ri­ode fällt. Aus der Münz­stät­te Hamm bei­spiels­wei­se ist eine Mün­ze er­hal­ten, de­ren Typ eine ge­treue Nach­ah­mung der Ster­lin­ge Hein­richs II. von Eng­land dar­stellt. Ihre Rück­sei­te stellt al­ler­dings durch die Be­zeich­nung der Münz­stät­te „In den Ham“ ei­nes der we­ni­gen Bei­spie­le deut­scher Spra­che auf Mün­zen der Stau­fer­zeit dar. Das Stück wird par­al­lel zu den müns­te­r­i­schen Ro­sen­kreu­zerster­lin­gen Bi­schof Lu­dolfs von Hol­te zwi­schen 1226 und 1235 ent­stan­den sein.

Mit dem Zuge Kai­ser Fried­richs II. nach Deutsch­land im Jah­re 1235 scheint die Aus­ga­be der so­ge­nann­ten jün­ge­ren Dort­mun­der Ster­lin­ge mit Kai­ser­bild­nis und -ti­tel auf der Vor­der­sei­te und Ster­lings­kurs­kreuz auf der Rück­sei­te in Zu­sam­men­hang zu ste­hen. Die­ser Ster­lings­typ hat auf die west­fä­li­schen Münz­stät­ten ein­ge­wirkt, un­mit­tel­bar auch auf Hamm.

Ab 1230/33 ließ Graf Adolf in Hamm und Iser­lohn ver­stärkt eng­li­sche Pen­nys oder Ster­lin­ge nach­prä­gen und in Um­lauf brin­gen, was ihm da­bei half, die Kriegs­kos­ten zu fi­nan­zie­ren.

Kriegsverlauf

Wie Levold von Nor­t­hof be­rich­tet, herrsch­ten meh­re­re Jah­re hin­durch fast un­un­ter­bro­che­ne Feh­den zwi­schen dem Gra­fen von der Mark und dem von Lim­burg. Lei­der ver­zich­tet der Chro­nist der Gra­fen von der Mark auf die An­ga­be von Jah­res­zah­len, was eine zeit­li­che Ein­ord­nung der Kämp­fe um Hamm, Bö­nen, Gaß­mert und Sonn­born er­schwert. Im­mer­hin gibt das „Chro­ni­con Ve­te­ris“ für das Ge­fecht bei Wie­den­brück das Jahr 1232 an, was be­deu­tet, dass auch die Er­eig­nis­se bis zur Schlacht um Schwer­te in die­sem Jahr statt­ge­fun­den ha­ben müs­sen. Her­mann Es­ser da­tiert sämt­li­che über­lie­fer­te Be­geg­nun­gen zwi­schen den Isen­ber­gern und den Mär­kern bis ein­schließ­lich der Schlacht von Sonn­born in das Jahr 1232. Dem­nach be­schränkt sich der Chro­nist der Gra­fen von der Mark an­schei­nend auf we­ni­ge Kriegs­er­eig­nis­se, von de­nen die meis­ten zu­dem aus der An­fangs­zeit des Krie­ges stam­men. Was in den Jah­ren da­nach ge­schah, lässt sich über wei­te Stre­cken nur mut­ma­ßen. Erst der Frie­dens­schluss von 1243 ist wie­der ge­nau do­ku­men­tiert.

1232 soll sich der Erz­bi­schof von Köln beim Papst dar­über be­schwert ha­ben, dass er von den Ver­wand­ten des Gra­fen Fried­rich von Isen­berg be­läs­tigt wer­de. Die­se mach­ten die Ge­gend von Gein­eg­ge, Das­beck, Höl­ter und Hees­sen un­si­cher, Burg Gein­eg­ge und Haus Er­me­ling­hof sei­en gleich mehr­fach heim­ge­sucht wor­den.

In die­ser An­fangs­pha­se des Krie­ges war Adolfs von der Mark fast völ­lig ohne Ver­bün­de­te. Der Graf ver­dankt es in ers­ter Li­nie der Tap­fer­keit sei­ner Mi­nis­te­ria­len, dass er in die­ser Zeit den schein­bar über­le­ge­nen An­grif­fen stand­hal­ten konn­te; er war sich der Er­ge­ben­heit ei­ni­ger gro­ßer und gut aus­ge­bil­de­ter Ritterfa­mi­li­en ge­wiss. Hin­zu kommt, das die ehe­ma­li­gen isen­ber­gi­schen Be­sit­zun­gen, die Isen­burg und Nien­brüg­ge, ge­schleift wor­den wa­ren, wäh­rend die na­he­ge­le­ge­nen mär­ki­schen Be­sit­zun­gen mit star­ker Be­fes­ti­gung die ehe­ma­li­gen isen­ber­gi­schen Ge­bie­te kon­trol­lier­ten und schütz­ten. Burg Mark, die Stadt­burg Hamm und die Stadt Hamm wa­ren an die Stel­le Nien­brüg­ges ge­tre­ten, an­stel­le der Isen­burg kon­trol­lier­te Blan­ken­stein den Raum Hat­tin­gen, Ka­men und Unna wa­ren ge­gen An­grif­fe aus dem Len­ne-Raum ge­wapp­net.

Adolf von der Mark hat­te die Jah­re seit 1225 also in­ten­siv zum Aus­bau sei­ner Lan­des­herr­schaft ge­nutzt. Er konn­te auf eine so gro­ße An­zahl an Be­sit­zun­gen und Ge­recht­sa­men zu­rück­grei­fen, dass die Kämp­fe, ins­be­son­de­re im öst­li­chen Hell­weg­raum, in ei­nem na­he­zu ge­schlos­sen mär­ki­schen Ter­ri­to­ri­um statt­fan­den. Diet­rich hin­ge­gen muss­te erst ver­su­chen, mit Hil­fe star­ker Ver­bün­de­ter güns­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen für eine zu­künf­ti­ge Lan­des­herr­schaft zu schaf­fen.

Erste Invasion der Mark

1232 setz­te Her­zog Hein­rich sein Rit­ter­heer in Marsch und zog nach Nor­den in Graf Adolfs Herr­schafts­be­reich ein. Nach Levold ver­heer­ten Hein­richs Trup­pen das Land „mit Raub und Brand“.

Kampf um Bönen

Als Hein­richs Trup­pen am Bach Ses­ecke in Eding­hau­sen und Flie­rich (heu­ti­ger Kreis Unna) la­ger­ten, dran­gen ei­ni­ge sei­ner Leu­te in das Dorf Bö­nen ein. Ihr Ziel war es wahr­schein­lich, das Dorf aus­zu­plün­dern und nie­der­zu­bren­nen. In Bö­nen hiel­ten sich al­ler­dings Trup­pen des Gra­fen von der Mark auf. Sie über­rasch­ten die Bun­des­ge­nos­sen des Gra­fen Diet­rich, er­schlu­gen ei­ni­ge von ih­nen und nah­men die üb­ri­gen ge­fan­gen.

Isenbergisch-Limburgischer Zweifrontenangriff

Die lim­bur­gisch-isen­ber­gi­sche Stra­te­gie sah vor, Graf Adolf in ei­nen Zwei­fron­ten­kampf zu ver­wi­ckeln. So rück­ten die lim­bur­gi­schen Trup­pen von Sü­den her in die Mark ein, wäh­rend die Trup­pen der auf der Nord­sei­te der Lip­pe an­säs­si­gen Ver­bün­de­ten Diet­richs zeit­gleich von Nor­den her in mär­ki­sches Ter­ri­to­ri­um ein­fie­len und ei­nen Vor­stoß auf das Ge­biet von Köln un­ter­nah­men. Graf Adolf sah sich da­durch nicht in der Lage, das be­setz­te Ge­biet an der Len­ne zu be­frei­en, und wur­de statt­des­sen an meh­re­ren Fron­ten in die De­fen­si­ve ge­drängt. Er stell­te die „von Al­te­na“ ge­gen die Lim­bur­ger auf und hielt auf Burg Mark und in Hamm die „von Bö­nen“, an­ge­führt von Adolfs Dros­ten Lub­ert von Bö­nen, nebst den sei­nen rest­li­chen Trup­pen in Be­reit­schaft, um die Trup­pen Hein­richs in Emp­fang zu neh­men.

Isenbergische Brandschatzungen und Vorstoß auf Hamm

Die nord­lip­pi­schen Ver­bün­de­ten Diet­richs ver­ei­nig­ten sich und rück­ten ge­mein­sam nach Sü­den in Rich­tung Hamm vor, wo­bei sie die nörd­lich der Lip­pe lie­gen­den Dör­fer, Häu­ser und Her­ren­sit­ze in der Nähe der mär­ki­schen Haupt­stadt an­steck­ten und aus­plün­der­ten. Dar­un­ter be­fan­den sich Hees­sen, Heid­feld, Das­beck und an­de­re im heu­ti­gen Kreis Be­ckum ge­le­ge­ne Ort­schaf­ten.

Adolf Graf von der Mark hielt mit den Rit­tern von Bö­nen und den an­de­ren Burg­man­nen auf Burg Mark ei­nen Kriegs­rat und kam mit ih­nen über­ein, die Fein­de zu ver­fol­gen, ob­wohl die­se zah­len­mä­ßig weit über­le­gen wa­ren. Die mär­ki­schen Trup­pen wand­ten sich ge­gen die Fein­de im Nor­den, die das Ge­biet um Hamm ver­wüs­te­ten. Hein­rich Her­zog von Lim­burg woll­te den nörd­li­chen Bünd­nis­part­nern zu Hil­fe ei­len, blieb je­doch beim Über­gang über die Ruhr ste­cken, weil ihm Lub­ert von Bö­nen, Va­sall und Drost des Gra­fen von der Mark, mit sei­nen Trup­pen den Durch­gang ver­sperr­te. Dar­auf­hin zo­gen sich die Bun­des­ge­nos­sen des Gra­fen Diet­rich in nörd­li­che Rich­tung zu­rück.

Sie spal­te­ten da­bei ihre Heer­hau­fen in zwei Tei­le. Der eine wand­te sich in Rich­tung Wie­den­brück, der an­de­re in Rich­tung (Dren-)Steinfurt und Os­na­brück. Graf Adolf führ­te ei­nen An­griff auf die­sen zwei­ten Trupp durch, wor­auf­hin die­ser die Flucht er­griff. Es ge­lang Adolf von der Mark le­dig­lich, Bock von Iburg, ei­nen Va­sal­len der Teck­len­bur­ger Gra­fen, ge­fan­gen zu neh­men.

Schlacht bei Wiedenbrück

Die Trup­pen, die sich nach Wie­den­brück zu­rück­ge­zo­gen hat­ten, hör­ten Ge­rüch­te, nach de­nen ihre Ver­bün­de­ten in den Kampf mit dem Gra­fen von der Mark ge­ra­ten wä­ren. Sie kehr­ten des­halb um und woll­ten den ver­meint­lich An­ge­grif­fe­nen Hil­fe leis­ten. In der Nähe von Wie­den­brück wur­den sie von dem mär­ki­schen Heer über­rascht, das ih­nen nach­ge­setzt hat­te. Es kam zu ei­nem Ge­fecht zwi­schen bei­den Grup­pie­run­gen, das mit ei­nem Sieg der Mär­ker en­de­te. Die isen­ber­gi­schen Trup­pen wur­den völ­lig auf­ge­rie­ben, al­ler­dings soll es nur we­ni­ge Tote ge­ge­ben ha­ben. Graf Adolfs habe viel­mehr „fast alle“ als Ge­fan­ge­ne ab­ge­führt, und zwar eine gro­ße Zahl Ge­fan­ge­ner. Die­se wur­den nach Burg Mark oder Hamm ver­bracht, wo die Mär­ker sie fest­hiel­ten, bis gro­ße Lö­se­geld­zah­lun­gen für sie ein­gin­gen, die der Graf zur wei­te­ren Fi­nan­zie­rung der Aus­ein­an­der­set­zung ver­wen­de­te.

Die­ser be­acht­li­che An­fangs­er­folg brach­te die Mär­ker in eine stra­te­gisch bes­se­re Po­si­ti­on.

Kampf um Schwerte

Levold von Nor­t­hof be­rich­tet über den Ver­lauf der Schlacht bei Schwer­te fol­gen­des: We­ni­ge Tage spä­ter ge­lang es Her­zog Hein­rich und sei­nen Trup­pen, die Ruhr zu über­que­ren und plün­dernd und brand­schat­zend durch das Land zu zie­hen. Die „von Al­te­na“ ver­leg­ten dar­auf­hin ihre Streit­macht in den Lür­wald, ein Wald­ge­biet am Nord­rand des Sauer­lan­des, und zwar in den Ab­schnitt süd­lich der Ruhr bei Schwer­te, wo sie die Rück­kehr der lim­bur­gi­schen Trup­pen er­war­te­ten. Zu­gleich sand­ten sie ih­nen Spä­her nach, um die lim­bur­gi­sche Trup­pen­stär­ke, Ge­schwin­dig­keit und Marsch­rich­tung zu er­mit­teln. Von die­sen Spä­hern wird der Jä­ger­meis­ter Hein­rich ge­nannt Knop na­ment­lich ge­nannt. Er soll spä­ter Pfört­ner, das heißt Torwart/ Burg­mann am Tor, auf Burg Al­te­na ge­wor­den sein. Hein­rich stell­te fest, dass die lim­bur­gi­schen Trup­pen den al­te­nai­schen zah­len­mä­ßig weit über­le­gen wa­ren. Eine of­fe­ne Feld­schlacht wäre also ei­gent­lich nicht in Fra­ge ge­kom­men. Hein­rich woll­te mit die­ser Nach­richt zu den al­te­nai­schen Trup­pen zu­rück­keh­ren, traf aber zu­nächst auf ei­nen ein­zel­nen Rit­ter na­mens Ar­nold, der al­lein vor­ge­gan­gen war, um eher als die an­de­ren Be­rich­te über die Lage an der Front zu er­hal­ten. Rit­ter Ar­nold woll­te ei­nen Rück­zug der Al­te­na­er ver­hin­dern und die­se des­halb über die wah­re Stär­ke des Fein­des täu­schen; an­stel­le zah­len­mä­ßi­ger Über­le­gen­heit soll­te Hein­rich mel­den, dass man sich dem Feind be­den­ken­los zur Schlacht stel­len kön­ne, da die Al­te­na­er zahl­rei­cher wä­ren. Hein­rich wei­ger­te sich je­doch, das zu mel­den. Also kehr­te Rit­ter Ar­nold zu­sam­men mit ihm zu­rück und mel­de­te an Hein­richs Stel­le die bal­di­ge An­kunft des Fein­des. Die Rit­ter Her­mann und Diet­rich woll­ten Meis­ter Hein­rich selbst be­fra­gen, aber die­ser ant­wor­te­te, er habe ih­rem Bru­der Ar­nold al­les ge­sagt, was er wis­se, und schwieg über sei­ne Er­kennt­nis­se be­züg­lich der feind­li­chen Trup­pen­stär­ke. Den bei­den Rit­tern kam dies ver­däch­tig vor, sie stell­ten Ar­nold zur Rede und war­fen ihm Leicht­sinn vor. Doch dran­gen in die­sem Au­gen­blick die ers­ten Lim­bur­ger in das Dorf Schwer­te ein und setz­ten es in Brand. Nach Levold von Nor­t­hof rief Ar­nold dar­auf­hin: „Schau da­hin, Bru­der Diet­rich! Sie bren­nen schon un­ser Dorf. Das sol­len sie wahr­haf­tig nicht un­ge­straft ge­tan ha­ben. Jetzt dür­fen wir nicht län­ger zö­gern.“ Dar­auf­hin for­mier­ten sich die Al­te­na­er zur Schlacht. Als Aus­tra­gungs­ort des Kamp­fes wähl­ten sie die Ruhr­furt bei Vil­ligst, ein süd­lich von Schwer­te ge­le­ge­nes Dorf. Da­bei wur­den auch die un­be­waff­ne­ten Knech­te ein­ge­setzt. Sie wur­den un­ter ei­nem Fähn­lein zu­sam­men­ge­fasst und soll­ten mit wil­dem Kampf­ge­schrei den Rit­tern zum Aus­tra­gungs­ort der Schlacht fol­gen, was sie auch ta­ten. Mit­ten im Fluss ent­brann­te so ein wil­des Kampf­ge­tüm­mel, das die Al­te­na­er für sich ent­schei­den konn­ten. Nach Ab­schluss der Schlacht hat­ten sie 60 ver­mö­gen­de lim­bur­ger Rit­ter und Rit­ter­bür­ti­ge ge­fan­gen­ge­nom­men, die spä­ter ge­gen Lö­se­geld frei­ge­las­sen wur­den.

Stirn­berg weist dar­auf hin, dass der lim­bur­gi­sche Vor­stoß nach Levold (la­tei­ni­sches Ori­gi­nal) auf die „vil­lam de swer­te“ er­folg­te. Zu die­ser Zeit ge­hör­te die­se Ar­nold, Her­mann und Diet­rich von Al­te­na, den Söh­nen des 1200 ur­kund­lich er­wähn­ten Gi­sel­her de Swer­te, der sich, wie man Ur­kun­den aus den Jah­ren 1225 und 1230 ent­neh­men kann, schließ­lich „de Al­te­na“ nann­te. Gi­sel­her hat­te au­ßer­dem Söh­ne na­mens Ever­hard und Gi­sel­her II., wo­bei Gi­sel­her nach 1262 wie­der als Gi­sel­her de Swer­te er­scheint. Nach Diet­rich von Stei­nen hat sich die Fa­mi­lie von/zu Al­te­na ge­nannt Lu­den­sche­de nach ih­rem Burg­le­hen zu Al­te­na be­nannt. Ihr Wap­pen ent­spricht dem der Her­ren von Bö­nen, von Nor­t­hof und von Neu­hoff und zeigt eine senk­recht ste­hen­de ge­öff­ne­te Hand­fes­sel.

Vil­liam de swer­te“ wur­de frü­her mit Dorf bzw. „un­be­fes­tig­te An­sied­lung“ zu Schwer­te über­setzt. Stirn­berg hält es für un­wahr­schein­lich, dass bei dem An­griff ganz Schwer­te in Flam­men auf­ging. Zu Schwer­te ge­hör­ten da­mals der gro­ße, wahr­schein­lich schon be­fes­tig­tem Xan­te­ner Hof, der „cur­tis princi­pa­lis swer­te“, un­ter der Vog­tei der Gra­fen von Kle­ve, mit der Ho­fes- und jet­zi­gen Pfarr­kir­che St. Vic­tor, den Hö­fen der Ab­tei Wer­den und der ehe­mals isen­ber­gi­schen, nun mär­ki­schen „cur­tis swer­te“, als Vil­li­ca­ti­ons­ober­hof des Hof­ver­ban­des Schwer­te, nebst um­lie­gen­den Hof­stät­ten. Stirn­berg ar­bei­tet her­aus, dass der Be­griff „vil­lam“ eine dop­pel­te Be­deu­tung hat. Er kann so­wohl mit „Dorf“ als auch mit „Land­gut“ – also ein grö­ße­rer Ge­bäu­de­kom­plex –, über­setzt wer­den. Wäre ganz Schwer­te zer­stört wor­den, so Stirn­berg, hät­te Levold von Nor­t­hof den Ter­mi­nus „vil­lam sver­te“ ver­wen­det. Mit „vil­lam de sver­te“ – vil­lam zu sver­te also, kön­ne hin­ge­gen nur ein Teil der Sied­lung ge­meint sein. Levold habe sich le­dig­lich auf das Land­gut Schwer­te be­zo­gen. Die Lim­bur­ger ha­ben folg­lich den Al­te­naern das ih­nen ge­hö­ren­de bzw. von ih­nen ver­wal­te­te mär­ki­sche cur­tis swer­te nebst mög­li­chen um­lie­gen­den zu­ge­hö­ri­gen Hof­stät­ten ab­ge­brannt. Das Dorf Schwert sei hin­ge­gen ver­schont wor­den, da es nicht im Be­sitz de­rer von Al­te­na ge­stan­den hät­te.

Stirn­bergs Theo­rie ist plau­si­bel; Schwer­te war al­ter isen­ber­gi­scher Be­sitz. Der Hof Schwer­te war im Jah­re 1200 vom Gra­fen Ar­nold von Al­te­na als Wit­wen­gut für sei­ne Frau Mat­hil­de be­stimmt wor­den. Graf Diet­richs Ab­sicht war es, mit Hil­fe sei­nes On­kels Her­zog Hein­rich die­sen Ort zu­rück­zu­er­obern und mit sei­nem Ge­biet an der Len­ne zu ver­ei­ni­gen. Das Dorf ab­zu­bren­nen wäre folg­lich nicht sinn­voll ge­we­sen.

An die Schlacht bei Schwer­te er­in­nert die alte Schwer­ter Orts­sa­ge vom „Kopf in der Ruhr bei Vil­ligst“, die Jo­sef Spie­gel zu ei­nem Ge­dicht in platt­deut­scher Spra­che in­spi­riert hat.

Schlacht bei Gaßmert

Levold be­rich­tet au­ßer­dem von ei­ner Schlacht bei/auf dem Berg Gaß­mert (Gass­mert) in der Nähe von Her­scheid (Kreis Al­te­na), „auf ei­nem Ber­ge nahe bei Her­scheid, der Gar­sen­bracht heißt“. Hier tra­ten die Mär­ker ge­gen Ger­hard, Edel­herr von Wil­den­burg (urk. 1241–1272), Va­saller Gra­fen von Berg, und meh­re­re mit ihm ver­bün­de­te Edle an. Die­se wa­ren zu­vor von Os­ten her mit ih­ren Trup­pen in die Graf­schaft Al­te­na ein­ge­fal­len. Die Schlacht en­de­te mit ei­nem Sieg der Mär­ker. Da­nach soll noch eine zwei­te Burg er­stürmt wor­den sein, wo­bei die Her­schei­der an­schei­nend dem Gra­fen von der Mark Hil­fe ge­leis­tet ha­ben. Wahr­schein­lich stam­men da­her ihre Rech­te an der Len­ne­mark, ei­ner be­deu­ten­den Wald­stre­cke an der Len­ne, die ih­nen ein Graf von der Mark zu Lehn über­trug.

Die Schlacht bei Gaß­mert lässt sich zeit­lich nicht ge­nau ein­ord­nen; wo­mög­lich war sie gar kein Be­stand­teil der Isen­ber­ger Wir­ren. Es­se­len da­tiert den Kampf auf den Zeit nach dem Frie­dens­schluss von 1243 und er­wähnt, dass die Her­schei­der Graf Adolf bei der Er­stür­mung zwei­er Bur­gen Hil­fe ge­leis­tet hät­ten. Dies kön­ne der Grund sein, war­um sie sich die Rech­te über die Len­ne­mark zu­schrei­ben, eine be­deu­ten­de Wald­stre­cke an der Len­ne, die ih­nen von ei­nem Gra­fen von der Mark ver­lie­hen wor­den sind. Dass Es­se­len die Schlacht bei Gaß­mert auf ei­nem Zeit­punkt nach den ei­gent­li­chen Isen­ber­ger Wir­ren an­sie­delt, ist plau­si­bel, schließ­lich spricht Levold da­von, dass „un­ter die­sem Gra­fen noch eine an­de­re Schlacht ge­schla­gen wur­de“; al­ler­dings hat­ten sich Diet­richs Ver­bün­de­te zu die­sem spä­ten Zeit­punkt be­reits wei­test­ge­hend aus dem Kon­flikt zu­rück­ge­zo­gen. Wo­mög­lich hat­te die mär­kischn-wil­den­ber­gi­sche Aus­ein­an­der­set­zung also gar nicht un­mit­tel­bar mit der isen­ber­gisch-mär­ki­schen zu tun.

Schlacht bei Wuppertal-Sonnborn

Nach den isen­ber­gi­schen An­grif­fen hol­ten die Mär­ker zum Ge­gen­schlag aus und fie­len in die Graf­schaft Berg ein. Auch sie ver­wüs­te­ten Dör­fer mit Feu­er und Schwert. Her­zog Hein­rich von Lim­burg hol­te zum Ge­gen­schlag aus und stell­te die Mär­ker beim heu­ti­gen Wup­per­tal-Sonn­born zur Schlacht. Sie en­de­te mit ei­ner ver­hee­ren­den Nie­der­la­ge für die Mark. Die Über­le­ben­den zo­gen sich in wil­der Flucht in die Graf­schaft Al­te­na zu­rück und wur­den da­bei von den Lim­bur­gern ver­folgt. Die Stel­le, wo die Isen­ber­ger den Sieg da­von­tru­gen, wird heu­te noch der To­ten­berg ge­nannt, weil dort zahl­rei­che Ske­lett­be­stand­tei­le aus­ge­gra­ben wur­den, die aus der Schlacht stam­men.

Levold von Nor­t­hof ver­schweigt die Nie­der­la­ge der Mär­ker bei Sonn­born.

Durch die­sen Sieg ge­lang es der lim­bur­gi­schen Ar­mee, sich an der un­te­ren Len­ne, dem Go El­sey und der Oe­stri­cher Burg nebst um­lie­gen­der Graf­schaft („co­me­tia os­te­ric“) dau­er­haft fest­zu­set­zen.

Weiterer Verlauf

Wie der Kampf wei­ter ver­lief, ist nur bruch­stück­haft über­lie­fert. Die Jah­re zwi­schen 1233 und 1243 wa­ren von un­ab­läs­si­gen Feh­den zwi­schen Graf Adolf I. und den Isen­berg-Lim­bur­gern ge­prägt. Die­se blie­ben aber ohne ent­schei­den­den Er­folg für die eine oder die an­de­re Sei­te.

1238 wur­de Kon­rad von Hoch­sta­den neu­er Erz­bi­schof von Köln und trat an­stel­le sei­ner Vor­gän­ger Hein­rich von Mo­len­ark an die Sei­te des mär­ki­schen Gra­fen. Noch in die­sem Jahr be­lehn­te Kon­rad Adolf I. mit den isen­ber­gi­schen Gü­tern.

Nach und nach zo­gen sich die Bun­des­ge­nos­sen des Isen­ber­gers zu­rück. So schloss Hein­rich Her­zog von Lim­burg um 1240 Frie­de mit dem Erz­bi­schof Kon­rad von Hoch­sta­den. Zu­vor hat­te der jun­ge Adolf von Lim­burg, Graf von Berg und Sohn Her­zog Hein­richs, die Schwes­ter des Erz­bi­schofs, Mar­ga­re­tha von Hoch­sta­den, ge­hei­ra­tet. Dies be­grün­de­te ein neu­es, freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis zwi­schen Her­zog und Erz­bi­schof. Auch die Bun­des­ge­nos­sen nörd­lich der Lip­pe lie­ßen Graf Diet­rich im Stich. Es lässt sich nur ver­mu­ten, dass dies mit den er­lit­te­nen Nie­der­la­gen ge­gen die Mär­ker zu­sam­men­hängt.

Ge­stützt auf sei­ne zwei Bur­gen, die Oe­stri­cher Burg und die Lim­burg, konn­te sich Diet­rich von Isen­berg mit Lim­bur­gisch-Ber­gi­scher Hil­fe im Go El­sey und der co­me­tia os­te­ric be­haup­ten, al­ler­dings nicht mehr. Graf Adolf muss­te noch ei­ni­ge Ge­biets­ver­lus­te hin­neh­men. So gin­gen die Stadt Lü­nen und der Go Hat­tin­gen mit ih­rer Haupt­fes­te, der Burg Blan­ken­stein, an den Isen­ber­ger ver­lo­ren.

Bei die­ser Ge­biets­auf­tei­lung blieb es dann aber. Der Kampf en­de­te in ei­ner Patt­si­tua­ti­on zwi­schen den bei­den Kon­tra­hen­ten, bei der kei­ner mehr ei­nen ent­schei­den­den Er­folg er­zie­len konn­te. Des­halb traf man sich 1243 am Ver­hand­lungs­tisch und ver­such­te die Kämp­fe bei­zu­le­gen.

Der Vergleich

Vertragsverhandlungen

Auf­grund der fest­ge­fah­re­nen Kriegs­si­tua­ti­on wur­de schließ­lich von al­len Be­tei­lig­ten eine Ver­hand­lungs­lö­sung an­ge­strebt, auch von der geist­li­chen Frak­ti­on der Isen­ber­ger, Diet­richs On­keln. Im Früh­jahr 1243 wur­den die Ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men. Auf isen­ber­gi­scher Sei­te wur­den der 1239 in sein Amt ein­ge­setz­te En­gel­bert Bi­schof von Os­na­brück und Her­zog Hein­rich, der Graf von Berg, zu den Ver­hand­lungs­füh­rern. Am 1. Mai 1243 konn­te ein Ver­gleich zwi­schen Diet­rich von Isen­berg, sei­nem Bru­der Fried­rich, sei­nen Schwes­tern Agnes, So­phia und Eli­sa­beth ei­ner­seits und Graf Adolf I. von der Mark und des­sen Ver­wand­ten an­de­rer­seits ge­schlos­sen wer­den, den Bi­schof En­gel­bert be­ur­kun­de­te. Das Ori­gi­nal die­ser Ur­kun­de ist ver­schol­len. Eine be­glau­big­te Ko­pie etwa aus dem Jah­re 1487 fin­det sich im Fürst­lich Bent­hei­misch-Teck­len­bur­gi­schen Ar­chiv zu Rhe­da.

Inhalt des Vergleichs

Die wich­tigs­ten Ver­trags­be­stim­mun­gen hat­ten fol­gen­den Wort­laut:

  1. Graf Diet­rich tritt dem Gra­fen Adolf ab: die bei­den Höfe Bren­ne und Schwer­te, die Vog­tei und das Ge­richt des Dor­fes Unna, dazu die Ge­richts­bar­keit über al­len Ge­rich­ten an je­nem Ufer der Ruhr, an dem Hat­tin­gen liegt, und alle Rech­te, die Graf Fried­rich von Isen­berg in den Ebe­nen hat­te, die zwi­schen dem Strom, der durch Ge­neg­ge und der Bau­erschaft Heis­sen fließt. Bei pas­sen­der Ge­le­gen­heit soll Graf Diet­rich völ­li­gen Scha­dens­er­satz für das Ab­tre­ten des zu­letz­ten ge­nann­ten Rech­tes er­hal­ten.
  2. Die Frei­graf­schaft, das Ge­richt und der Hof Bo­chum mit dem Pa­tro­nat der Kir­che zu Bo­chum, nebst dem Ge­richt von Hal­ver und Kier­s­pe wer­den um der Freund­schaft wil­len ge­teilt.
  3. Die Burg­man­nen von Mark, der Edel­freie Wal­ter von Dol­bert, die Rit­ter Diet­rich von Her­re, Ri­chard der Bock, Hein­rich von Di­din­cho­ven, Jo­han­nes von Dyn­ker, Ri­chard von Bö­nen, Adolf von Bö­nen, Hye­roni­mus von Rinckero­de, Jo­han von Hö­vel, Lu­pert von Bö­nen, Pe­ter von Wi­cke­de und Har­lev von Hes­sen; die Burg­man­nen von Al­te­na: die Rit­ter Wil­hard, The­gen­hard von Leth­ma­te, Ar­nold, Diet­rich und Adolf; die Burg­man­nen von Blan­ken­stein: die Rit­ter Wil­helm von Ei­chen­scheid, Hein­rich von Vi­t­ing­hof, God­fried von Dor­ne­burg, Con­rad von Reck­ling­hau­sen, Diet­rich von Vi­t­ing­hof und Ger­hard von Leit­hen wer­den in Zu­kunft ihre Le­hen, die frü­her vom Gra­fen Fried­rich von Isen­berg ge­hal­ten wa­ren, vom Gra­fen Adolf von der Mark emp­fan­gen. Hier­von ist Ar­nold von Di­din­cho­ven aus­ge­nom­men, der sei­ne Le­hen von Diet­rich von Isen­berg er­hal­ten wird, wie ehe­mals von sei­nem Va­ter Graf Fried­rich. Je­doch wird Ar­nold die Vil­li­ca­tio des Ho­fes Herb­re­de von der Äb­tis­sin zu Le­hen hal­ten, ohne von Diet­rich be­hin­dert zu wer­den.
  4. Alle Burg­man­nen auf dem neu­en Schloss Lim­burg, die Rit­ter Al­bert von Hör­de, Her­bord von Dort­mund, Diet­rich von Berchum, des­sen Bru­der Ger­hard, Rut­ger von Ap­ler­beck, Hein­rich von Ap­ler­beck und Al­bert von Leth­ma­te wer­den ihre Le­hen von Diet­rich er­hal­ten, wel­che sie frü­her von dem Gra­fen Adolf hiel­ten.
  5. Rit­ter Adolf von Al­te­na wird den Be­sitz be­hal­ten über die Häu­ser Dale, Ische­be­cke und Ger­ken­dahl und zu Le­hen emp­fan­gen von Graf Adolf von der Mark. Hein­rich von Vi­t­ing­hof wird das Haus Laer eben­falls von dem Gra­fen Adolf zu Le­hen hal­ten.
  6. Alle Gü­ter, die Graf Fried­rich un­be­schwert be­ses­sen und Graf Adolf in Pfand oder in Le­hen ge­ge­ben hat, wird Graf Adolf in­ner­halb ei­nes Jah­res von der Pfand­schaft oder von dem Le­hens­ver­hält­nis lö­sen und un­be­schwert an Diet­rich zu­rück­ge­ben. Hin­sicht­lich der Gü­ter je­doch, wel­che, als Graf Fried­rich sie be­saß, be­reits Le­hen wa­ren, und wo­mit Graf Adolf Le­hen- und Dienst­man­nen be­lehnt hat, wird Diet­rich, so­bald er die­se zu­rück­er­hal­ten hat, die Be­leh­nun­gen an­er­ken­nen.
  7. Der Tausch oder die Schen­kung von Dienst­man­nen, wie auch der Tausch von Gü­tern, die vom Gra­fen Adolf voll­zo­gen wor­den sind, blei­ben in Kraft. An­de­rer Man­nen und Dienst­leu­te des Gra­fen Fried­rich wird Diet­rich be­hal­ten. Die Söh­ne und Töch­ter Rit­ter En­gel­berts von Al­te­na blei­ben bei Graf Adolf.
  8. Har­lev ge­nannt Ri­ce­be­re und sei­ne Er­ben wer­den den Hof Hees­sen, (Kspl. Her­rin­gen) von Diet­rich von Isen­berg ge­gen schul­di­ge Be­zah­lung zu Le­hen hal­ten.
  9. We­der der Graf von der Mark noch Diet­rich wer­den Man­nen, Dienst­man­nen, Burg­man­nen oder auch an­de­ren Schutz ver­lei­hen zum Vor­teil des an­de­ren oder fest­hal­ten zum Nach­teil des an­de­ren. Kei­ner von bei­den darf in sei­ne Städ­te Hö­ri­ge oder Vog­tei­leu­te des an­de­ren auf­neh­men.
  10. Diet­rich darf in ei­ner Ent­fer­nung von ei­ner Mei­le von Blan­ken­stein, je­doch au­ßer­halb des mär­ki­schen Ge­bie­tes eine Ves­te bau­en, wo er will; eben­so bei Lü­nen an der Lip­pe; Diet­rich von Isen­berg darf dar­über hin­aus kei­ne neue Fes­tung bau­en oder eine alte wie­der­her­stel­len. Das­sel­be gilt für Graf Adolf, mit Aus­nah­me der Ort­schaf­ten Ca­men und Hamm; Diet­rich darf die Stadt, die am Fuße des Schlos­ses Lim­burg an der Len­ne ge­le­gen ist, nicht wei­ter be­fes­ti­gen.

Der Tei­lungs­ver­trag von 1243 zwi­schen Diet­rich von Lim­burg und Adolf von der Mark, der ge­wis­ser­ma­ßen nach 1161 und 1175/80 die drit­te Ale­nai­sche Erb­tei­lung dar­stell­te, setz­te den im­mer wie­der auf­le­ben­den Kämp­fen und For­de­run­gen Diet­richs ein Ende. Die Tei­lungs­prin­zi­pi­en, auf die sich bei­de Ver­trags­part­ner ver­stän­dig­ten, zei­gen in na­he­zu al­len Wen­dun­gen die be­wuss­te Ziel­set­zung der bei­den Kon­tra­hen­ten auf, ihre Ter­ri­to­ri­en ab­zu­run­den und zu si­chern. Im Ge­gen­satz zur Tei­lung von 1175 wur­de des­halb die voll­stän­di­ge Tren­nung von Kom­pe­ten­zen und die Auf­lö­sung der Ge­menge­la­ge an­ge­strebt. So emp­fin­gen die Burg­man­nen von Mark, Blan­ken­stein und Al­te­na in Zu­kunft ihre Le­hen al­lein von Graf Adolf, die Burg­mann der Ho­hen­lim­burg wur­den hin­ge­gen von Diet­rich be­lehnt. Die Be­leh­nung des isen­ber­gi­schen Lehns­manns Ar­nold von Ding­ho­fen wird zwar be­son­ders her­vor­ge­ho­ben, be­stä­tigt aber nur die­se Re­gel. Dar­über hin­aus er­ging die Ver­pflich­tung an Graf Adolf, alle ehe­mals isen­ber­gi­schen Al­lo­de in­ner­halb ei­nes Jah­res zu­rück­zu­ge­ben, selbst wenn sie in­zwi­schen ver­pfän­det oder ver­lehnt wor­den wa­ren.

Die be­deut­sams­te Fol­ge die­ser Ver­ein­ba­rung war, dass nach dem Un­ter­zeich­nen die­ses Ver­tra­ges eine neue Lan­des­herr­schaft ent­ste­hen konn­te, die tat­säch­lich aber le­dig­lich ei­nen Über­rest des weit­aus grö­ße­ren Ge­bie­tes Fried­rich von Isen­bergs war, näm­lich die Graf­schaft Lim­burg. Sie stell­te ein ge­schlos­se­nes Ge­biet in der Grö­ße von etwa 118 Qua­drat­ki­lo­me­tern (50.000 Hekt­ar) zwi­schen Ruhr und Len­ne dar.

Der Ver­trag lässt das Be­mü­hen er­ken­nen, frem­de En­kla­ven im ei­ge­nen Ge­biet zu ver­mei­den. So konn­te Graf Adolf ei­ni­ge ehe­mals isen­ber­gi­sche, aber seit nun­mehr fünf­zehn Jah­ren in stra­te­gisch oder po­li­tisch wich­ti­gen Ge­bie­ten des ent­ste­hen­den mär­ki­schen Ter­ri­to­ri­ums lie­gen­den Rech­te und Gü­ter für sich ge­win­nen. Dazu zäh­len die bei­den Höfe Bre­ne (Bre­ne bei Al­te­na) und Schwer­te, die Vog­tei der Kir­che und das Ge­richt der „vil­la“ Unna, alle Ge­richts­bar­keit auf der Sei­te der Ruhr, wo Hat­tin­gen (also die mär­ki­sche Burg Blan­ken­stein) liegt, und alle Rech­te zwi­schen Hees­sen und dem Bach Gein­eg­ge. Ein Er­satz für die­se Ab­tre­tun­gen wird Diet­rich für ei­nen spä­te­ren Zeit­punkt in Aus­sicht ge­stellt. Fer­ner be­stä­tigt man dem Gra­fen von der Mark ei­nen zwei­ten „Brü­cken­kopf“ an der Lip­pe in Form von Lü­nen und Blan­ken­stein. Diet­rich ist es un­ter­sagt, in die­sem Raum nä­her als eine Mei­le von bei­den Or­ten eine lim­bu­rig­sche Be­fes­ti­gung zu er­rich­ten. Graf Adolf darf nur Hamm und Ka­men be­fes­ti­gen, Diet­rich hin­ge­gen muss dar­auf ver­zich­ten, sei­ne Fes­te Lim­burg aus­zu­bau­en und zu stär­ken und die am Fuß der Burg lie­gen­de Stadt zu be­fes­ti­gen. Die Ver­schen­kun­gen und der Tausch von Dienst­man­nen, die Graf Adolf be­reits voll­zo­gen hat, blei­ben in Kraft.

All die­se Be­stim­mun­gen ver­deut­li­chen das mär­ki­sche Be­stre­ben, Rech­te und Be­sit­zun­gen zu kon­zen­trie­ren. In den üb­ri­gen Re­ge­lun­gen wird je­doch sicht­bar, dass Graf Adolf die­se Po­li­tik nicht in al­len Punk­ten ver­wirk­li­chen konn­te. Das wohl deut­lichs­te Zei­chen da­für ist, dass die Krum­me Graf­schaft zu­nächst an Diet­rich ging und so die ham­men­sisch-al­te­ni­schen Be­sit­zun­gen vom Go Unna ge­trennt blie­ben. Diet­richs Graf­schaft Lim­burg lag ein­ge­bet­tet zwi­schen der Köl­ni­schen Graf­schaft Vol­mar­stein im Wes­ten und dem Köl­ni­schen Amt Men­den, als En­kla­ve, im Nord­teil der mär­ki­schen Graf­schaft Al­te­na. Zu­sam­men mit dem an der Ruhr an­gren­zen­den Reichs­hof West­ho­fen, der Xan­te­ner Im­mu­ni­tät Schwer­te, die un­ter der Vog­tei der Gra­fen von Kle­ve stand, so­wie den seit 1176 köl­ni­schen Ge­rich­ten Hegeninchusen/Hengsen und Herreke/Opherdicke, in der Lehn­schaft der Edel­her­ren von Graf­schaft und der an­schlie­ßen­den Herr­schaft Ar­dey, bil­de­te sie ei­nen stö­ren­den Kor­ri­dor, der eine Ver­ei­ni­gung der Graf­schaft Al­te­na mit dem mär­ki­schen Go Unna auf un­ab­seh­ba­re Zeit ver­hin­der­te.

Die Frei­graf­schaft von Bo­chum, das Ge­richt und der Hof so­wie das Pa­tro­nat der­sel­ben Kir­che, aber auch das Ge­richt zu Hal­ver und Kier­s­pe blie­ben im un­ge­teil­ten Ge­samt­be­sitz bei­der Häu­ser. Auch soll­ten all die­je­ni­gen Mi­nis­te­ria­len und Lehns­leu­te, die Adolf I. von der Mark und Fried­rich von Isen­berg ge­mein­sam ge­hört ha­ben, auch in Zu­kunft von bei­den Häu­sern be­lehnt wer­den.

Der Samt­be­sitz in Bo­chum, Hal­ver und Kier­s­pe, für den der Tei­lungs­ver­trag die we­nig auf­schluss­rei­che For­mel „we­gen der Freund­schaft“ als Be­grün­dung an­gibt, war das Er­geb­nis ei­ner hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zung um die­se Ge­richts­ho­hei­ten. Graf Adolf muss­te in den Räu­men al­ter isen­ber­gi­scher Rech­te und Be­sit­zun­gen – im Raum von Kier­s­pe und Hal­ver sind schon 1207 isen­ber­gi­sche Vog­tei­rech­te über den Hof Rha­de für das Klos­ter Deutz be­zeugt – den An­sprü­chen sei­nes jun­gen Nef­fen nach­ge­ben. Al­ler­dings dürf­te ihm der Samt­be­sitz will­kom­me­ner ge­we­sen sein als die Al­ter­na­ti­ve, eine völ­li­ge Auf­ga­be sei­ner For­de­run­gen und Rech­te. Lim­bur­gi­sche Ho­heits­recht in die­sem Raum ha­ben sich bis ins 14. Jahr­hun­dert hin­ein er­hal­ten. Erst zu An­fang des 15. Jahr­hun­derts gin­gen sie in mär­ki­schen Be­sitz über. Un­klar bleibt da­ge­gen, ob ein Zu­sam­men­hang zwi­schen den Vog­tei­rech­ten über den Deut­zer Hof und den Ge­richts­rech­ten des Ver­tra­ges von 1243 um Hal­ver und Kier­s­pe be­steht, und falls ja, wel­cher.

Die im Ver­trag von 1243 ge­nann­ten Ge­recht­sa­me und Gü­ter um­fas­sen kei­nes­falls alle Ho­heits­be­rei­che und Al­lo­de der bei­den Li­ni­en. Es exis­tiert eine Viel­zahl an Tausch- und Über­tra­gungs­ur­kun­den von Lim­burg, die isen­ber­gi­sche Be­sit­zun­gen und Rech­te be­nen­nen, über die der Graf frei ver­fü­gen konn­te. Da­bei han­delt es sich wahr­schein­lich um die isen­ber­gi­schen Al­lo­de und Frei­graf­schaf­ten, die Graf Adolf von der Mark we­gen ih­rer ge­rin­gen Be­deu­tung oder ih­rer un­güns­ti­gen Lage im Jah­re 1225 nicht an sich ge­ris­sen hat­te; Diet­rich konn­te sie folg­lich als Erbe sei­nes Va­ters so­fort über­neh­men. Hier­zu zäh­len die müns­te­r­i­schen Frei­graf­schaf­ten Fried­rich von Isen­bergs. Adolf von der Mark hat­te auf ih­ren Er­werb ver­zich­tet, weil der Bi­schof von Müns­ter in die­sem Raum die Go­ge­richts­bar­keit an sich ge­bracht hat­te, die für sei­ne Be­sit­zun­gen im Erz­bis­tum Köln die Grund­la­ge sei­ner Ter­ri­to­ri­al­herr­schaft dar­stell­ten, so dass Graf Adolf kei­ne Chan­ce hat­te, sich in die­sem Ge­biet zum Lan­des­herrn auf­zu­schwin­gen. Sei­ne ei­ge­nen Frei­graf­schaf­ten nörd­lich der Lip­pe wa­ren für Graf Adolf des­halb eben­falls un­wich­tig ge­wor­den.

Auch die Hoch­ge­richts­be­zir­ke im Len­ne­raum und am Ober­lauf der Em­scher blie­ben wahr­schein­lich zu­nächst isen­ber­gisch-lim­bur­gisch. Zwar konn­te Diet­rich mit der Fes­te Ho­hen­lim­burg im Len­ne­raum ein neu­es Zen­trum ter­ri­to­ria­les Herr­schaft auf­bau­en, um das die Mark und Lim­burg in den Jah­ren zwi­schen 1288 und 1306 strit­ten, doch muss­te er im Jah­re 1282 die Krum­me Graf­schaft an der Em­scher an Graf En­gel­bert I. von der Mark ver­kau­fen. Als drit­tes Zen­trum isen­ber­gisch-lim­bur­gi­scher Gü­ter und Ge­recht­sa­me ist der Raum an der un­te­ren Ruhr und um Mühl­heim zu nen­nen. In Streu­la­ge wer­den in Ur­kun­den auch ver­ein­zelt isen­ber­gi­sche Gü­ter in­ner­halb der Graf­schaft Mark ge­nannt.

Von den ehe­ma­li­gen Le­hen Fried­rich von Isen­bergs konn­te Diet­rich si­cher­lich die köl­ni­schen Le­hen (mit Aus­nah­me von Es­sen) und die Vog­tei über die Wer­de­ner Höfe im Müns­ter­land (aus­schließ­lich Eich­holz) wie­der­erlan­gen. Be­reits 1227 bzw. 1228 hat­te der Abt von Cor­vey die Mög­lich­keit ei­ner Neu­be­leh­nung der Er­ben Fried­richs of­fen ge­las­sen, s. o. Trotz des zu­neh­men­den Quel­len­reich­tums das 13. Jahr­hun­dert be­tref­fend las­sen sich die üb­ri­gen Le­hen Diet­richs nicht er­mit­teln. Es ist aber an­zu­neh­men, dass Diet­rich bei­spiels­wei­se die Be­leh­nung mit der Vog­tei über die Be­sit­zun­gen der Klös­ter Kau­fun­gen und Pan­ta­le­on in der Graf­schaft Mark nicht wie­der­erlangt hat.

Ver­schie­de­ne Punk­te des Ver­trags von 1243 wur­den nie ver­wirk­licht. Bo­chum, Kier­s­pe und Hal­ver, die „der Freund­schaft we­gen“ ge­teilt wer­den soll­ten, ver­blie­ben tat­säch­lich ganz im Be­sitz der Gra­fen von der Mark. 1248 – zu­gleich be­lehn­te der Erz­bi­schof von Köln, Kon­rad von Hoch­sta­den, den Gra­fen von der Mark mit der Es­se­ner Vog­tei, s. u. Nach­wir­kun­gen – er­warb der Graf von der Mark die isen­ber­gi­schen An­tei­le um Bo­chum, Hal­ver und Kier­s­pe für sich al­lein, eben­so die isen­ber­gi­schen Be­sit­zun­gen und Rech­te in und um Schwer­te und Unna. Durch Tausch wa­ren zu­vor schon Lüt­gen­dort­mund (Dort­mund) und Mül­heim an der Ruhr (au­ßer­halb der spä­te­ren Graf­schaft Mark) an Graf Adolf über­ge­gan­gen.

Nach­wir­kun­gen

Für Diet­rich von Isen­berg hat­te der Streu­be­sitz au­ßer­halb des lan­des­herr­li­chen Ter­ri­to­ri­ums gro­ße Be­deu­tung. Diet­rich hat­te ab 1240 bzw. 1242 auf ei­ner stei­len Höhe am rech­ten Ufer der Ruhr zwi­schen Hei­sin­gen und Bre­de­ney bei Es­sen, in der Nähe des Stif­tes Wer­den, die Neue Isen­burg er­bau­en las­sen. Im glei­chen Jahr hat­te er die Vog­tei­en von Rel­ling­hau­sen und die Ober­hö­fe Eh­ren­zell, Brock­hof und Be­eck von der Äb­tis­sin von Es­sen zu­rück­er­hal­ten. Schluss­end­lich sind ihm durch den Frie­dens­ver­trag vom 1. Mai 1243 vie­le Gü­ter und Be­sit­zun­gen zu­rück über­tra­gen wor­den.

Diet­rich ver­folg­te die Ab­sicht, die zwei Ker­ne – Lim­burg an der Len­ne und Neu-Isen­berg – zu ei­nem ein­heit­li­chen Ge­biet zu ent­wi­ckeln, um an die Be­sit­zun­gen der gro­ßen Lan­des­fürs­ten auf­zu­schlie­ßen. Doch er­wies es sich an­ge­sichts der zer­streu­ten Lage sei­ner Be­sit­zun­gen als un­mög­lich, ein ge­schlos­se­nes Ter­ri­to­ri­um zu bil­den. Diet­richs Erb­gü­ter la­gen al­le­samt in ei­nem Ge­biet, das von Wa­ren­dorf, Ah­len und Soest im Os­ten, Val­bert, Kier­s­pe, Hal­ver und Ne­vi­ges im Sü­den, Duis­burg, Rhein­berg und We­sel im Wes­ten so­wie Bo­cholt und Stadt­lohn im Nor­den be­grenzt wur­de.

Der Ver­trag ist durch ge­gen­sei­ti­ges Ge­ben und Neh­men ge­kenn­zeich­net und macht ei­nen aus­ge­gli­che­nen Ein­druck. Wur­de frü­her die An­sicht ver­tre­ten, Diet­rich von Isen­berg habe nur ei­nen klei­nen Teil des vä­ter­li­chen Er­bes zu­rück­er­hal­ten, so trifft dies in die­ser Form wohl nicht zu. Wenn sich die Herr­schaft der Isen­berg-Lim­bur­ger spä­ter auf die nur 118 Qua­drat­ki­lo­me­ter klei­ne Graf­schaft und das Vest Lim­burg be­schränk­te, so liegt das dar­an, dass sie ih­ren Be­sitz­stand nicht auf Dau­er hal­ten konn­ten. Dass Graf Adolf sei­ne Macht­po­si­tio­nen auf Kos­ten sei­nes Geg­ners er­wei­tert hat­te, er­wies sich so­mit erst im wei­te­ren Ver­lauf der Ge­schich­te. 1243 schien es noch so, als hät­te der Ver­trag für eine un­ge­fäh­re Gleich­ver­tei­lung von Graf Fried­richs Be­sitz zwi­schen Graf Diet­rich von Isen­berg und Graf Adolf von der Mark ge­führt.

Erz­bi­schof Kon­rad von Hoch­sta­den, der an den Ver­trags­ver­hand­lun­gen nicht be­tei­ligt wor­den war, fühl­te sich über­gan­gen. Nicht zu un­recht; für die Mär­ker stell­te das kon­se­quen­te Über­ge­hen der köl­ni­schen In­ter­es­sen ei­nen ers­ten Schritt der Eman­zi­pa­ti­on von der Köl­ner Kir­che dar, der nach der Schlacht von Wor­rin­gen im Jah­re 1288 schließ­lich zu ei­ner voll­stän­di­gen Los­lö­sung der Mark aus den köl­ni­schen Lehns­ver­hält­nis­sen führ­te. Die Ent­wick­lung des Samt­be­sit­zes in der Köl­ner Frei­graf­schaft Bo­chum ver­an­lass­te Kon­rad, in das Ge­sche­hen ein­zu­grei­fen.

Das wich­tigs­te Be­stre­ben Graf Diet­richs be­stand dar­in, sich und sei­ner Fa­mi­lie ein neu­es Heim zu schaf­fen. Die Lim­burg be­trach­te­te er nicht als sol­ches. Doch durf­te er nach dem Ver­gleichs­ver­trag we­der die zer­stör­te Isen­burg wie­der auf- noch die Burg Oe­strich aus­bau­en. So for­cier­te er ab 1243/44 den Bau der Neu-Isen­burg an der Ruhr nahe Es­sen. Da­mit un­ter­strich er zu­gleich ganz of­fen sei­ne For­de­rung auf Rück­ga­be der Es­se­ner Vog­tei­rech­te. Die neue Isen­burg stell­te da­mit eine di­rek­te Be­dro­hung des Stifts Es­sen dar. Diet­richs Mit­tel reich­ten zur Fer­tig­stel­lung der Neu-Isen­burg nicht aus, da­her stell­te ihm sein On­kel En­gel­bert von Isen­berg, der Bi­schof von Os­na­brück, be­trächt­li­che Sum­men aus Kir­chen­be­sitz zur Ver­fü­gung. Dies rief Erz­bi­schof Kon­rad von Hoch­sta­den auf den Plan, der an­ge­sichts der po­li­ti­schen Lage die Her­aus­ga­be der Köl­ni­schen Le­hen an Graf Diet­rich ver­wei­ger­te. Zeit­gleich wand­te sich der Erz­bi­schof 1244 an den Papst. Er hoff­te, dass die­ser Bi­schof En­gel­bert von Os­na­brück we­gen sei­nes un­recht­mä­ßi­gen Ver­hal­tens vor ei­nem päpst­li­chen Ge­richt zur Ver­ant­wor­tung zie­hen wür­de. Ob dies tat­säch­lich ge­schah, lässt sich ur­kund­lich nicht mehr nach­hal­ten.

Schließ­lich nahm Erz­bi­schof Kon­rad im Hell­weg­raum die Po­li­tik sei­nes Vor­gän­gers En­gel­bert wie­der auf und ver­such­te, mit Es­sen und Bo­chum die bei­den wich­tigs­ten stra­te­gi­schen und han­dels­po­li­ti­schen Kno­ten­punk­te in die Hand zu be­kom­men. Da­bei wa­ren die bei­den Gra­fen von Isen­berg-Lim­burg und von der Mark sei­ne na­tür­li­chen Geg­ner. Kon­rad nut­ze die ge­spann­te Si­tua­ti­on zwi­schen den bei­den ver­fein­de­ten al­teai­schen Häu­sern ge­schickt aus. 1244 be­la­ger­te und be­setz­te er die Neue Isen­burg auf dem nörd­li­chen Ruh­r­u­fer, zwang Diet­rich von Lim­burg zu ih­rer Über­ga­be und über­trug sie dem Gra­fen von Sayn zu Le­hen. Es lässt sich mut­ma­ßen, dass Kon­rad durch die­sen Schritt den frisch­ge­ba­cke­nen Gra­fen Diet­rich von Lim­burg, der mit Al­hei­dis von Sayn ver­hei­ra­tet war, dar­an hin­dern woll­te, völ­lig auf die geg­ne­ri­sche Sei­te über­zu­wech­seln und sich mit den Mär­kern ge­gen Köln zu ver­bün­den.

An­schlie­ßend be­lehn­te Kon­rad den Lim­bur­ger mit den köl­ni­schen Le­hen sei­nes Va­ters, ver­lang­te aber im Ge­gen­zug von ihm die Burg Isen­berg und den Ver­zicht auf die Vog­tei Es­sen. Am 22. Fe­bru­ar 1248 mach­ten Kon­rad von Hoch­sta­den, Erz­bi­schof von Köln, und Bi­schof En­gel­bert von Os­na­brück be­kannt, dass der edle Diet­rich von Lim­burg an der Len­ne auf die Vog­tei über Es­sen und auf sei­ne Rech­te an der Burg Isen­berg bei Es­sen ver­zich­tet habe. Für sei­nen Ver­zicht auf die Vog­tei wur­de Diet­rich fi­nan­zi­ell zu­min­dest teil­ent­schä­digt. Doch wa­ren Diet­richs Plä­ne, die Neu-Isen­burg zu sei­nem neu­en Haupt­sitz zu ma­chen, end­gül­tig ge­schei­tert. Not­ge­drun­gen muss­te er die Lim­burg an der Len­ne als sei­ne Stamm­burg ak­zep­tie­ren. Kon­rad be­lehn­te im Lau­fe des Jah­res 1248 den Gra­fen von der Mark mit der Es­se­ner Vog­tei.

Erst Kon­rads Nach­fol­ger, Erz­bi­schof En­gel­bert, soll­te es im Jah­re 1272 ge­lin­gen, den ei­gent­lich für die Lim­bur­ger vor­ge­se­he­nen An­teil an der Frei­graf­schaft Bo­chum in Köl­ni­schen Be­sitz zu über­füh­ren, wo­durch Köln und Mark die ge­mein­sa­men Her­ren der Frei­graf­schaft Bo­chum wur­den. Die Be­sitz­ver­hält­nis­se in die­sem Raum wa­ren kom­plex und un­über­sicht­lich. Des­halb kam es im­mer wie­der zu Kämp­fen um die Rechts­ho­heit in die­sem Raum. Ver­trä­ge zwi­schen den bei­den Part­nern spre­chen ab­wech­selnd von ei­ner ge­sam­ten Frei­graf­schaft Bo­chum als ein­zel­nem Le­hen und ei­nem wie­der ein­lös­ba­ren Pfand und be­zeu­gen so das Wech­sel­spiel im Kräf­te­ver­hält­nis. Die Aus­ein­an­der­set­zung wur­de erst 1392 durch die nie wie­der ein­ge­lös­te köl­ni­sche Ver­pfän­dung an den Gra­fen von der Mark bei­gelegt. Isen­ber­gi­sche Be­sit­zun­gen oder Rechts­an­sprü­che in der Frei­graf­schaft Bo­chum sind hin­ge­gen seit dem Jah­re 1272 nicht mehr zu ver­zeich­nen.

Nicht voll­stän­dig ge­klärt ist, ob Adolfs Söh­ne Otto von Al­te­na als Graf von Al­te­na und En­gel­bert I. von der Mark als Graf von der Mark ab 1249 das vä­ter­li­che Erbe ge­mein­sam ver­wal­te­ten oder ob auch sie es ei­ner Re­al­tei­lung un­ter­zo­gen. Die bes­se­ren Grün­de spre­chen für eine ge­mein­schaft­li­che Ver­wal­tung. Zum Ei­nen, weil es kei­ne Be­le­ge für eine be­sitz­recht­li­che Tei­lung der Mark gibt, zum An­de­ren, weil die la­ten­te Be­dro­hung der Mark durch Isen­berg-Lim­burg eine er­neu­te Tei­lung der al­te­nai­schen Be­sitz­tü­mer als un­an­ge­mes­sen, ja be­droh­lich hät­te er­schei­nen las­sen. Ver­mut­lich re­gier­ten die bei­den Brü­der ge­mein­sam als Gra­fen und be­nann­ten sich nur nach ih­ren ver­schie­de­nen Burg­sit­zen.

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