Homburg (Hamm)

Hom­burg
Alternativname(n): Hoem­borgh (Hohe Burg) bzw. Ho­hen­burg
Ent­ste­hungs­zeit: un­ge­klärt, mög­li­cher­wei­se 1075 oder im 12. Jahr­hun­dert
Bur­gen­typ: Nie­de­rungs­burg, Mot­te
Er­hal­tungs­zu­stand: Burg­stall, über­baut
Stän­di­sche Stel­lung: Ho­her Adel
Bau­wei­se: Bruch­sand­stein
Ort: Hamm
Geo­gra­phi­sche Lage 51° 40′ 20,3″ N, 7° 43′ 38,6″ O
Höhe: 55 m ü. NN

Die Hom­burg, auch Hum­burg, Ho­hen­burg oder Hom­burgs Knapp ge­nannt ist eine ab­ge­gan­ge­ne gro­ße mit­tel­al­ter­li­che Turm­hü­gel­burg (Mot­te) am Süd­ufer der Lip­pe. Im zwölf­ten Jahr­hun­dert dien­te sie als Sitz der Gra­fen von Berg. Sie lag rund 1,5 km nord­west­lich des heu­ti­gen Stadt­be­zirks Hamm-Her­rin­gen. Einst­mals eine der größ­ten Bur­gen der Re­gi­on, ist von ihr heu­te so gut wie nichts mehr er­hal­ten.

Lage

Die Hom­burg oder Ho­hen­burg be­fand sich am Süd­ufer der Lip­pe, rund 1,5 km nord­west­lich des heu­ti­gen Stadt­be­zirks Hamm-Her­rin­gen, 500 Me­ter west­lich von Haus Nord­her­rin­gen. Von der Lü­ne­ner Stra­ße er­reicht man über ei­nen 400 Me­ter lan­gen Feld­weg den Torks­weg. Von die­ser Stel­le aus sieht man eine groß­flä­chi­ge Ber­ge­hal­de, de­ren Nord­rand den süd­li­chen Rest der Burg­an­la­ge über­deckt. Der über­wie­gen­de Teil der Hom­burg be­fand sich im Be­reich des heu­ti­gen Ka­nal­ha­fens des VEW Gerstein Kraft­werks. Er ist so­mit voll­stän­dig ver­schwun­den.

Historisches Erscheinungsbild

Bei der Hom­burg han­delt es sich um eine Mot­te, eine der größ­ten in Nord­deutsch­land. Sie be­stand aus zwei künst­lich auf­ge­schüt­te­ten Hü­geln. Der nörd­li­che von ih­nen hat­te noch ge­gen Ende des 19. Jahr­hun­derts ei­nen Durch­mes­ser von 75 Me­ter und eine Höhe von 9 Me­ter. Der süd­li­che maß 90 ×75 Me­ter und hat­te eine Höhe von 3 Me­ter. Bei­de Er­he­bun­gen stie­gen rand­lich steil an und wa­ren oben pla­teau­ar­tig ab­ge­flacht.

Der Nord­hü­gel lag in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft des Lip­peufers in der von Sümp­fen durch­zo­ge­nen Aue. Er be­stand größ­ten­teils aus Sand, der an be­stimm­ten Stel­len mit grau­em Mer­gel durch­setzt war. Der fla­che­re Süd­hü­gel war hin­ge­gen auf der tro­cke­nen Ter­ras­se er­rich­tet und von ei­nem etwa 2 Me­ter tie­fen und 4 Me­ter brei­ten Gra­ben um­ge­ben (im Be­reich zwi­schen den Hü­geln wur­de der Gra­ben bis zu etwa 3 Me­ter tief und 6 Me­ter breit). Be­schrei­bun­gen aus dem 19. Jahr­hun­dert las­sen ver­mu­ten, dass süd­lich der Burg ein Si­che­rungs­sys­tem aus Grä­ben und Wäl­len exis­tier­te, des­sen ge­naue Aus­ma­ße sich je­doch heu­te nicht mehr be­stim­men las­sen.

Gedenkstein am Hafen des Gersteinwerks

Ge­denk­stein am Ha­fen des Gerstein­werks

Wie die meis­ten Mot­ten war auch die Hom­burg in eine Vor- und eine Haupt­burg un­ter­glie­dert.

Nach den ar­chäo­lo­gi­schen Er­kennt­nis­sen und durch Ver­glei­che mit an­de­ren Bur­gen ist da­von aus­zu­ge­hen, dass auf dem hö­he­ren nörd­li­chen Hü­gel ur­sprüng­lich ein mäch­ti­ger Wehr­turm als Kern­stück der Be­fes­ti­gungs­an­la­ge stand. Die Vor­burg be­fand sich auf dem süd­li­chen Hü­gel. Ver­mut­lich stan­den hier auch die Wirt­schafts- und Wohn­ge­bäu­de. Grö­ße­re Bau­struk­tu­ren aus Stein hat es auf der Hom­burg of­fen­sicht­lich nicht ge­ge­ben – ganz im Ge­gen­satz zur Burg Mark, die sich eben­falls im Stadt­ge­biet des heu­ti­gen Hamm be­fin­det und etwa zur glei­chen Zeit er­rich­tet wor­den sein muss. Be­fes­ti­gungs­mau­ern und Häu­ser be­stan­den aus Holz.

Es gibt durch­aus Re­kon­struk­ti­ons­vor­schlä­ge, al­ler­dings ha­ben die­se hy­po­the­ti­schen Cha­rak­ter. So ist etwa die Be­fes­ti­gung durch Pa­li­sa­den ar­chäo­lo­gisch nicht nach­ge­wie­sen, im Ver­gleich mit an­de­ren, bes­ser er­forsch­ten Burg­an­la­gen aus der glei­chen Zeit je­doch sehr na­he­lie­gend.

Geschichte

An­ge­sichts ih­rer Grö­ße muss die Hom­burg eine be­deu­ten­de Burg ge­we­sen sein. Es er­staunt da­her, dass es in den zeit­ge­nös­si­schen mit­tel­al­ter­li­chen Quel­len kei­ner­lei An­halts­punk­te für ihre Exis­tenz oder Ge­schich­te gibt. Nicht ein­mal der mit­tel­al­ter­li­che Name zur Zeit ih­rer Be­nut­zung ist be­kannt. Hein­rich von Hö­vel, der im 16. Jahr­hun­dert leb­te, heg­te die Ver­mu­tung, dass sich der Name Hom­burg von den Hun­nen ab­lei­tet. Nach J. D. von Stei­nen ist der Name je­doch eher auf den Be­griff „Hoem­borgh“ (zu in­ter­pre­tie­ren als Hohe Burg) zu­rück­zu­füh­ren. Von Stei­nen stützt dies auf eine Ur­kun­de aus dem 17. Jahr­hun­dert, die wie­der­um auf eine an­de­re, nicht mehr er­hal­te­ne Ur­kun­de Be­zug nimmt.

Um den Platz, an dem sich die Hom­burg be­fand, ran­ken sich meh­re­re Sa­gen. In der Rö­mer­zeit soll hier eine ge­heim­nis­vol­le ger­ma­ni­sche Se­he­rin ge­lebt ha­ben, die Vel­da oder Vele­da ge­nannt wur­de. Fer­ner heißt es, die Rit­ter von der Hom­burg sei­en im Mit­tel­al­ter stren­ge, bis­wei­len grau­sa­me Her­ren ge­we­sen. Der letz­te von ih­nen soll so­gar auf ei­nem ei­ser­nen Stuhl zu Ge­richt ge­ses­sen ha­ben, der sich ei­ni­ge hun­dert Me­ter lip­pe­auf­wärts an der „Krau­sen Lin­de“ be­fun­den ha­ben soll. Die Bau­ern hät­ten ihn oft auf sei­nem ei­ser­nen Stuhl aus der Lip­pe auf­stei­gen se­hen.

Tafel auf dem Gedenkstein

Ta­fel auf dem Ge­denk­stein

Der Er­bau­er der Burg war of­fen­sicht­lich der obers­ten Ge­sell­schafts­schicht zu­ge­hö­rig. Die Burg wur­de di­rekt an der Bis­tums­gren­ze von Köln zu Müns­ter er­rich­tet, un­weit des Dor­fes Her­rin­gen. Dort war das Klos­ter Deutz Be­sit­zer des Haupt­ho­fes und der Kir­che. Es ist be­kannt, dass die Vög­te des Klos­ters Deutz, die Her­ren von Berg, um 1075 die Graf­schaft Hö­vel erb­ten (an­de­re An­sicht: nach 1124). Die Burg war also mög­li­cher­wei­se Sitz der Gra­fen von Berg als Vög­te des Klos­ters Deutz. Die An­la­ge wäre dann nach 1075 bzw. 1124 er­baut wor­den. Für den Bau der Hom­burg erst im 12. Jahr­hun­dert spricht auch, dass der Gra­fen­ti­tel bei den Ber­gern erst 1077 nach­weis­bar ist. Au­ßer­dem üb­ten die Gra­fen von Berg ihre Herr­schaft im zum Bis­tum Müns­ter ge­hö­ren­den nörd­li­chen Teil der Graf­schaft nicht selbst aus, son­dern lie­ßen sie von an­de­ren Ade­li­gen ver­wal­ten. Statt­des­sen herrsch­ten sie süd­lich der Lip­pe selbst, wohl ge­stützt durch ihr tra­di­tio­nell gu­tes Ver­hält­nis zu den Erz­bi­schö­fen von Köln (die Fa­mi­lie Berg stell­te al­lein fünf der Erz­bi­schö­fe von Köln). Es drängt sich die Ver­mu­tung auf, dass die Gra­fen von Berg nach 1160 kei­ne so mäch­ti­ge Burg mehr er­rich­tet hät­ten, da sie in die­sem Jahr vom Köl­ner Erz­bi­schof mit der Herr­schaft Al­te­na be­lehnt wur­den. Die Bau­zeit der Hom­burg könn­te also zwi­schen 1070 und 1160 ein­ge­grenzt wer­den.

Die Hom­burg dien­te als Herr­schafts­mit­tel­punkt und Re­prä­sen­ta­ti­ons­bau der neu­en Herr­schaft der Gra­fen von Berg an der Lip­pe.

Ar­chäo­lo­gi­sche Fun­de wei­sen dar­auf hin, dass die Burg um 1200 oder in den ers­ten Jahr­zehn­ten des 13. Jahr­hun­derts ab­ge­brannt sein muss. Die­se Zeit­an­ga­be deckt sich auf­fäl­lig mit der Zer­stö­rung der Burg und Stadt Nien­brüg­ge im Jah­re 1225, die eine Fol­ge des Mor­des an dem Köl­ner Erz­bi­schof En­gel­bert I. von Köln durch die Ver­bün­de­ten des Fried­rich von Isen­berg war. Da sich die Hom­burg eben­falls im Be­sitz des Adels­ge­schlech­tes Berg-Al­te­na-Isen­berg be­fand, ist es durch­aus wahr­schein­lich, dass auch die Zer­stö­rung der Hom­burg in die­sem Zu­sam­men­hang zu se­hen ist.

Fer­ner hat die Aus­wer­tung von ar­chäo­lo­gi­schem Ma­te­ri­al er­ge­ben, dass die Burg im Jah­re 1388 be­reits seit fast zwei Jahr­hun­der­ten nicht mehr be­wohnt ge­we­sen ist. Es drängt sich also die An­nah­me auf, dass die Burg ent­we­der bei ih­rer mut­maß­li­chen Zer­stö­rung im Jah­re 1225 oder um 1160 im Zuge der Über­sied­lung auf die Burg Al­te­na auf­ge­ge­ben wor­den ist.

Nach­fol­ge­bau der Hom­burg war mög­li­cher­wei­se das Haus Nord­her­rin­gen. Die­ses im 19. Jahr­hun­dert ab­ge­bro­che­ne Bau­werk wur­de als Burg­an­la­ge der Gra­fen von der Mark an der Mün­dung des Her­rin­ger Bachs in die Lip­pe an­ge­legt. Die An­la­ge dien­te der Si­che­rung der Lip­pe­gren­ze nach Nor­den. Es be­fand sich nur etwa ei­nen hal­ben Ki­lo­me­ter lip­pe­auf­wärts.

1912 wur­de die An­la­ge durch den Bau des Dat­teln-Hamm-Ka­nals mas­siv be­schä­digt. Der Ka­nal ver­läuft mit­ten durch die Burg.

Im Früh­jahr 1936 wur­de der nörd­li­che Hü­gel fast voll­stän­dig ab­ge­tra­gen, um da­mit feuch­te Alt­ar­me der Lip­pe auf­zu­fül­len und neu­es Wei­de­land zu ge­win­nen.

Am 4. Au­gust 1971 brach rund 100 Me­ter öst­lich von Hom­burgs Knapp der Ka­nal­damm. Bull­do­zer scho­ben dar­auf­hin die ver­blie­be­nen Erd­mas­sen der Haupt­burg zur Ver­stär­kung der Bruch­stel­le her­an. Nach 1976 wur­de der nicht durch den Ka­nal­bau ge­stör­te Teil der Vor­burg von ei­ner Ber­ge­hal­de über­schüt­tet.

1990 be­sei­tig­te man die letz­ten Res­te der Haupt­burg bei der An­la­ge des Ka­nal­ha­fens für das Gerstein­werk.

Archäologische Forschung

Zu den ers­ten Gra­bun­gen und Fun­den kam es 1851 bis 1861. Hier hat sich be­son­ders Hof­rat Mo­ritz Fried­rich Es­sel­len aus Hamm her­vor­ge­tan. Um 1900 wur­de die Ho­hen­burg durch den Dort­mun­der Mu­se­ums­di­rek­tor Al­bert Baum un­ter­sucht. Im Zuge des Baus des Dat­teln-Hamm-Ka­nals 1912 konn­ten trotz der wei­test­ge­hen­den Zer­stö­rung der An­la­ge zahl­rei­che wert­vol­le Fun­de ge­bor­gen wer­den. Die­se sind heu­te Be­sitz der Staat­li­chen Mu­se­en zu Ber­lin. Der da­ma­li­ge Di­rek­tor des Gus­tav-Lüb­cke-Mu­se­ums der Stadt Hamm, Lud­wig Bän­f­er, hat 1936 im Zuge der Zer­stö­rung des nörd­li­chen Hü­gels vie­le ar­chäo­lo­gi­sche In­for­ma­tio­nen do­ku­men­tiert. Die­se Auf­zeich­nun­gen sind je­doch wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges ver­nich­tet wor­den, le­dig­lich die Fo­tos sind er­hal­ten ge­blie­ben. Im fol­gen­den Jahr führ­te Uwe Lob­be­dey vom da­ma­li­gen Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge eine klei­ne­re Aus­gra­bung im süd­li­chen Be­reich der Vor­burg durch. Die­se blieb je­doch wei­test­ge­hend er­geb­nis­los.

Funde

In den Jah­ren 1860/61 wur­de an der Nord­sei­te der Haupt­burg ein ca. 4 x 4 Me­ter gro­ßer Ge­bäu­de­grund­riss frei­ge­legt. Es han­del­te sich um ei­nen Kel­ler mit ei­ner Wand­ver­klei­dung aus tro­cken­ge­mau­er­ten Bruch­sand­stei­nen, der bis ca. 1,5 Me­ter un­ter die Hü­gel­ober­flä­che ein­ge­tieft war und ei­nen nach Sü­den ge­rich­te­ten Ein­gang auf­wies. Das zu­ge­hö­ri­ge Ge­bäu­de ist ei­nem Brand zum Op­fer ge­fal­len – ei­ni­ge Sand­stei­ne wa­ren durch Hit­ze ge­rö­tet und die Kel­ler­füh­rung stark mit Holz­koh­le und Asche durch­setzt. Im Ge­bäu­de­in­ne­ren fand sich ein Kas­ten­schloss mit ei­ser­nem Über­wurf, das wohl zu ei­ner Tru­he ge­hört. Es wur­den auch meh­re­re Waf­fen ge­fun­den, eine ei­ser­ne Lan­zen­spit­ze und ins­ge­samt fünf Pfeil­spit­zen. Zu den wei­te­ren Fun­den aus die­ser Zeit ge­hö­ren Huf­ei­sen, Sta­chel­spo­ren und ein Ei­sen­ring.

Die Gra­bun­gen 1912 för­der­ten meh­re­re bron­ze­ne Be­schlä­ge ei­nes Pfer­de­zaum­zeugs und ei­nen gro­ßen, läng­lich ge­schwun­ge­nen Be­schlag mit Or­na­men­ten an den En­den zu­ta­ge. Das Ober­teil ei­nes Bron­ze­leuch­ters be­legt den ge­ho­be­nen Le­bens­stil der Burg­be­woh­ner. Häu­fig sind Re­lik­te ab­schließ­ba­rer Tru­hen. Scher­ben von Ton­ge­fä­ßen be­stehen vor al­lem aus grau­er Ir­den­wa­re. Zwi­schen den bei­den Hü­geln wur­den zu­dem Res­te ei­ner höl­zer­nen Brü­cke an­ge­trof­fen.

Das be­deu­tends­te Fund­stück, der obe­re Teil ei­nes ro­ma­ni­schen Ker­zen­leuch­ters, wur­de 1921 von dem Berg­mann Si­mon aus Nord­her­rin­gen ent­deckt. Es äh­nel­te for­mal dem 1912 ge­fun­de­nen Bron­ze­leuch­ter, ist je­doch weit­aus auf­wen­di­ger ge­stal­tet.

1936 wur­den dann zahl­rei­che Ke­ra­mik­frag­men­te ge­fun­den. Ein Ket­ten­hemd, das am Fuß der West­sei­te ent­deckt wor­den war, ist lei­der nicht er­hal­ten.

Lage der Homburg (Hamm)

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