Hochstift Münster

Ter­ri­to­ri­um im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich
Hoch­stift Müns­ter
Wap­pen

Wappen Bistum Muenster

Wap­pen Bis­tum Mu­ens­ter

Al­ter­na­tiv­na­men Fürst­bis­tum Müns­ter, Möns­ter
Ent­stan­den aus im 14. Jahr­hun­dert her­aus­ge­bil­det aus Her­zog­tum Sach­sen
Herr­schafts­form Wahl­fürs­ten­tum / Stän­de­staat
Herrscher/Regierung Fürst­bi­schof, Ad­mi­nis­tra­tor oder in Va­kanz: Dom­ka­pi­tel
Heu­ti­ge Region/en DE-NW, DE-NI
Reichs­tag 1 Vi­ril­stim­me auf der geist­li­chen Bank im Reichs­fürs­ten­rat
Reichs­ma­tri­kel 34 Rei­ter, 169 Fuß­sol­da­ten, 325 Gul­den (1522)
Reichs­kreis Nie­der­rhei­nisch-West­fä­lisch
Hauptstädte/Residenzen Müns­ter, Ahaus, Nord­kir­chen, Coes­feld
Konfession/Religionen rö­misch-ka­tho­lisch, An­fang 16. Jahr­hun­dert gro­ße Re­for­ma­ti­ons­be­we­gun­gen, gro­ße jü­di­sche Min­der­heit
Sprache/n Deutsch, Nie­der­deutsch, La­tei­nisch
Flä­che Ober­stift: 5.900 km² (Ende 18. Jh.)
Nie­der­stift: 4.300 km²
Ein­woh­ner 310.000 Ein­woh­ner (Ende 18. Jh.)
Auf­ge­gan­gen in 1802: auf­ge­teilt auf Preu­ßen, Salm, Ar­em­berg, Ol­den­burg

Das Hoch­stift Müns­ter, syn­onym mit Fürst­bis­tum oder zeit­ge­nös­sisch Stift, war ein Stän­de­staat und geist­li­ches Ter­ri­to­ri­um des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches Deut­scher Na­ti­on im öst­li­chen West­fa­len, das sich im Hoch­mit­tel­al­ter her­aus­ge­bil­det hat und bis zur Neu­zeit 1802/03 be­stand. Es war der welt­li­che Herr­schafts­be­reich der Fürst­bi­schö­fe von Müns­ter. Im Ge­gen­satz dazu steht der grö­ße­re Be­reich der kirch­li­chen Diö­ze­se, der geist­li­che Seel­sor­ge­be­reich des Bis­tums Müns­ter. Seit dem 16. Jahr­hun­dert war das Stift Teil des Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­krei­ses.

Der Ursprung

Schon im 12. Jahr­hun­dert wur­de der Bi­schof von Müns­ter mit Tei­len des ehe­ma­li­gen Her­zog­tums Sach­sen be­lehnt. Bi­schof Her­mann II. von Kat­zeneln­bo­gen er­hielt die Rech­te über ein Ge­biet, das da­mals grö­ßer war als sei­ne kirch­li­che Diö­ze­se. Den Kern des sich im Hoch­mit­tel­al­ter her­aus­bil­den­den fürst­bi­schöf­li­chen Ter­ri­to­ri­ums bil­de­te das Ober­stift Müns­ter. Es er­streck­te sich in sei­ner Blü­te­zeit von Wa­ren­dorf, der Lip­pe und der heu­ti­gen nie­der­län­di­schen Gren­ze rund um die Stadt Müns­ter. Ein schma­ler Kor­ri­dor über Rhei­ne führ­te zwi­schen die Graf­schaf­ten Lin­gen und Bent­heim nach Nor­den, dar­an schloss sich das Nie­der­stift Müns­ter an, ein fast gleich gro­ßes Ter­ri­to­ri­um zwi­schen der heu­ti­gen nie­der­län­di­schen Gren­ze, Pa­pen­burg, Clop­pen­burg und Dam­me. En­kla­ven im Fürst­bis­tum wa­ren die Graf­schaft Stein­furt und das Ter­ri­to­ri­um der Herr­schaft Ge­men. Die Herr­schaft An­holt war das Nach­bar­land im äu­ßers­ten Wes­ten. Seit dem 16. Jahr­hun­dert ge­hör­te das Fürst­bis­tum Müns­ter zum Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­kreis.

Territoriale Entwicklung

  • 1252: Er­werb der Ra­vens­ber­ger Herr­schaft (Emsland/Vechta)
  • 1269: An­kauf der Graf­schaft Horst­mar
  • 1316: Fünf Kirch­spie­le aus der Nähe von Gro­nin­gen be­ge­ben sich un­ter den Schutz des Bi­schofs
  • 1310–1369: Ar­ron­die­rung des Herr­schafts­ge­bie­tes. An­kauf der Lehns­herr­schaft Lohn.
  • Um 1400: Er­obe­rung der Fes­ten Clop­pen­burg und Frie­soy­the im Krieg ge­gen Teck­len­burg.
  • 1400: Ge­win­nung des Am­tes Be­ver­gern und des Pfand­be­sit­zes von Ahaus
  • 1708: Er­werb der Herr­schaft Werth
  • 1803: Auf­lö­sung des Hoch­stifts im Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss

Politische Entwicklung

West­fa­len zer­split­ter­te sei­ne Kräf­te in lo­ka­len Ri­va­li­tä­ten. Für Jahr­hun­der­te lag es im Wind­schat­ten des Rei­ches.Jo­seph Prinz, West­fa­len-His­to­ri­ker

Da Müns­ter das größ­te geist­li­che Ter­ri­to­ri­um des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches war, über­nahm es eine Füh­rungs­rol­le bei den west­fä­li­schen Bis­tü­mern. Im­mer wie­der kam es zu Ri­va­li­tä­ten mit dem Erz­bi­schof von Köln. Ein wei­te­rer Ri­va­le war der Graf von Teck­len­burg, mit dem der Bi­schof von Müns­ter häu­fig in Feh­de lag. Aber auch mit dem Adel des Fürst­bis­tums, des­sen Macht erst Bi­schof Lud­wig II. von Hes­sen im 14. Jahr­hun­dert brach, gab es stän­dig Rei­be­rei­en. In Müns­ter selbst ver­lor der Bi­schof im Lau­fe der Ge­schich­te zu­neh­mend Macht an die Bür­ger, ehe er aus den Wir­ren der Re­for­ma­ti­on ge­stärkt her­vor­ging. Im 18. Jahr­hun­dert stand das Fürst­bis­tum Müns­ter in Per­so­nal­uni­on mit dem Erz­stift Köln, zeit­wei­se au­ßer­dem mit wei­te­ren nord­deut­schen geist­li­chen Ter­ri­to­ri­en. Die Bi­schö­fe wa­ren in die­ser Zeit nur sel­ten in Müns­ter, und um die kirch­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten küm­mer­te sich ein Ge­ne­ral­vi­kar.

Eckdaten

  • 14. Jahr­hun­dert: Ein­füh­rung ei­ner Amts­ver­fas­sung im Fürst­bis­tum
  • 1451 kam es zur Müns­te­r­i­schen Stifts­feh­de, ei­nem Schis­ma. Ein Bi­schof war vom Dom­ka­pi­tel Müns­ter, der an­de­re auf Wunsch der Bür­ger von Müns­ter ge­wählt wor­den. Erst als der Kan­di­dat des Dom­ka­pi­tels starb, konn­te Papst Ka­lixt III. ein­grei­fen und Jo­hann von Pfalz-Sim­mern ein­set­zen.
  • 1532: Bi­schof Franz von Wal­deck ver­such­te ver­geb­lich, im Fürst­bis­tum die Re­for­ma­ti­on ein­zu­füh­ren und es in ein Erb­fürs­ten­tum um­zu­wan­deln.
  • 1534 bis 1535: Täu­fer­reich in Müns­ter. Der Bi­schof und alle Ka­tho­li­ken und Lu­the­ra­ner muss­ten die Stadt ver­las­sen. 1535 wur­de die Reichs­exe­ku­ti­on ge­gen die Stadt Müns­ter be­schlos­sen. Bis 1553 ver­lor sie ihre Selb­stän­dig­keit.
  • 1629: Die letz­ten Städ­te des Müns­ter­lan­des wur­den wie­der ka­tho­lisch.
  • 1648: West­fä­li­scher Frie­de: Frie­dens­schluss von Müns­ter und Os­na­brück
  • 1657 bis 1669: Müns­ter ver­such­te ver­geb­lich, sich vom Bi­schof zu lö­sen.
  • 1665 bis 1679: Ein­tritt in den Hol­län­di­schen Krieg.
  • 1764: Schlei­fung der Müns­ter­schen Be­fes­ti­gungs­an­la­gen, Bau des Schlos­ses (ab 1767).
  • 1802: Be­set­zung des Fürst­bis­tums durch preu­ßi­sche Trup­pen.

Kulturelle Entwicklung

  • Re­li­qui­en­schrein der hei­li­gen Pru­den­tia (1230), wert­volls­ter Re­li­qui­en­schrein West­fa­lens in der Propstei­kir­che St. Ste­pha­nus zu Be­ckum
  • Fre­cken­hors­ter Tauf­stein (um 1269), be­deu­tends­ter Tauf­stein des 12. Jhd. in Deutsch­land
  • Lü­ne­ner Ma­don­na (1290/99) äl­tes­tes er­hal­te­nes Gna­den­bild des Bis­tums Müns­ter
  • St.-Paulus-Dom zu Müns­ter
  • Meis­ter von Schöp­pin­gen
  • Meis­ter von Lies­born
  • Her­mann tom Ring (1521–1596)
  • Jo­hann Con­rad Schlaun, (1694–1773), Bau­meis­ter, un­ter an­de­rem der Cle­mens­kir­che, des Erb­d­ros­ten­ho­fes und des Fürst­bi­schöf­li­chen Schlos­ses (al­les Müns­ter), ver­bin­det Klas­si­zis­mus mit frän­ki­schem Ba­rock.
  • 1773: Ent­schei­dung zur Grün­dung der Uni­ver­si­tät Müns­ter (Grün­dung 1780)
  • Um 1770: Ama­lie von Gal­lit­zin (1748–1806) eta­blier­te ih­ren Müns­ter­schen Kreis, ein Sa­lon der ka­tho­li­schen Auf­klä­rung
  • 1797–1848: An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff, Dich­te­rin

Religiöse Entwicklung

Im 8. Jahr­hun­dert wur­de West­fa­len un­ter Karl dem Gro­ßen mis­sio­niert (Sach­sen­mis­si­on). Ers­ter Bi­schof von Müns­ter war Li­ud­ger I. (805). Keim­zel­len der Diö­ze­se sind die Klös­ter Not­tuln, Lies­born, Fre­cken­horst, Vre­den so­wie das Klos­ter Wer­den.

Das Ende

Nach dem Tode des letz­ten Fürst­bi­schofs im Jah­re 1801 wur­de die Stadt ein Jahr spä­ter durch den preu­ßi­schen Ge­ne­ral Geb­hard Le­be­recht von Blü­cher be­setzt. Die­se Maß­nah­me wur­de erst 1803 durch den Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss le­gi­ti­miert, be­vor im Jah­re 1806 Trup­pen Na­po­le­ons die Stadt ein­nah­men und be­setz­ten. Die im Wes­ten ge­le­ge­nen Äm­ter Bo­cholt und Ahaus wur­den den Fürs­ten­häu­sern Salm-Salm und Salm-Kyr­burg zu­ge­wie­sen, die mit ge­mein­sa­mem Re­gie­rungs­sitz in Bo­cholt das ge­mein­sa­me Fürs­ten­tum Salm er­rich­te­ten. Un­ter Na­po­le­on ge­riet das Ge­biet des Hoch­stifts zu­nächst teil­wei­se, schließ­lich ganz an Frank­reich. Durch den Wie­ner Kon­gress kam das Ge­biet des Ober­stifts 1815 end­gül­tig an Preu­ßen, das Nie­der­stift an Han­no­ver und Ol­den­burg.

Lizenz

© Ur­he­ber­recht für die Fo­tos auf die­sen Sei­ten be­stehen bei Bern­hard Gro­ße-Drenkpohl.
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