Herzogtum Westfalen

Ter­ri­to­ri­um im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich

Her­zog­tum West­fa­len
Wap­pen

Wappen des ehemaligen Herzogtums Westfalen

Wap­pen des ehe­ma­li­gen Her­zog­tums West­fa­len

Al­ter­na­tiv­na­men Her­zog­tum – Kur­köl­ni­sches Ne­ben­land
Ent­stan­den aus bis 1180 Her­zog­tum Sach­sen (Her­zog­tum in West­fa­len und En­gern) – 1368 ge­sam­te Graf­schaft Arns­berg
Herrscher/Regierung Kur­fürst von Köln. Des­sen Ver­tre­ter: Mar­schall von West­fa­len (13.–15. Jhd.), da­nach Landd­rost
Heu­ti­ge Region/en DE-NW, DE-HE
Flä­che 1803: 3715 Qua­drat­ki­lo­me­ter
Ein­woh­ner 1803: cir­ca 120.000
Auf­ge­gan­gen in an­ge­glie­dert 1803 an Hes­sen-Darm­stadt.

Das Her­zog­tum West­fa­len war ein Ter­ri­to­ri­um im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich Deut­scher Na­ti­on und ge­hör­te bis 1803 zu Kur­köln. Das Her­zog­tum lag im Sü­den der West­fä­li­schen Bucht. Ne­ben den frucht­ba­ren Ebe­nen der Soes­ter Bör­de ge­hör­te ein be­trächt­li­cher Teil des Sauer­lan­des zum Her­zog­tum.

Ur­sprüng­lich war das Ge­biet ein Teil des Stam­mes­her­zog­tums Sach­sen. Des­sen Tei­lung und die Über­tra­gung der Her­zogs­wür­de für den west­fä­li­schen Teil an Phil­ipp von Heins­berg, den Erz­bi­schof von Köln, auf dem Hof­tag zu Geln­hau­sen des Jah­res 1180 war die zen­tra­le Vor­aus­set­zung für die Ent­ste­hung des Lan­des. Über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum hin­weg ent­wi­ckel­ten die Erz­bi­schö­fe aus den ur­sprüng­li­chen Her­zogs­rech­ten, die vor al­lem eine Herr­schaft über Men­schen war, eine Lan­des­herr­schaft über ein ge­schlos­se­nes Ter­ri­to­ri­um. So be­sa­ßen die Erz­bi­schö­fe zu­nächst nur ver­streu­te Ge­bie­te ins­be­son­de­re im Nor­den und Os­ten so­wie im Süd­wes­ten, die durch den Er­werb der da­zwi­schen lie­gen­den Graf­schaft Arns­berg 1368 ver­bun­den wur­den. Die ter­ri­to­ria­le Ent­wick­lung war nach der Soes­ter Feh­de im 15. Jahr­hun­dert ab­ge­schlos­sen, und das Ter­ri­to­ri­um blieb bis zum Ende des Hei­li­gen Rö­mi­schen Reichs weit­ge­hend un­ver­än­dert.

Das Land war staats­recht­lich eine Be­son­der­heit, weil das Ge­biet nur in­so­fern ein geist­li­ches Ter­ri­to­ri­um war, als der Köl­ner Kur­fürst als Her­zog von West­fa­len Lan­des­herr war. Wie das Vest Reck­ling­hau­sen blieb es ein vom Erz­stift Köln ge­trenn­tes ei­gen­stän­di­ges Ter­ri­to­ri­um. Die Ver­su­che, eine Land­ver­bin­dung durch den Er­werb der Graf­schaf­ten Mark und Berg zu schaf­fen, schei­ter­ten zu­letzt un­ter Erz­bi­schof Diet­rich von Mo­ers.

Ver­fas­sungs­recht­lich un­ter­stand das Land zwar den Köl­ner Erz­bi­schö­fen und dem Köl­ner Dom­ka­pi­tel, in der Ver­fas­sungs­pra­xis blieb es je­doch ein ei­gen­stän­di­ges Ter­ri­to­ri­um. Es ge­lang den bei­den Stän­den (ad­li­ge Rit­ter­schaft und Städ­te) und hier­bei ins­be­son­de­re dem im Land­tag ver­tre­te­nen Adel, ein er­heb­li­ches Mit­spra­che­recht durch­zu­set­zen und auch ge­gen ab­so­lu­tis­ti­sche Ten­den­zen im 17. und 18. Jahr­hun­dert zu be­wah­ren.

Geographie

Die Herr­schaft um­fass­te Ende des 18. Jahr­hun­derts das Ge­biet des heu­ti­gen Krei­ses Olpe und fast das ge­sam­te Ge­biet des Hoch­sauer­land­krei­ses. Hin­zu ka­men wei­te Tei­le des heu­ti­gen Krei­ses Soest und auf dem Ge­biet des heu­ti­gen mär­ki­schen Krei­ses die Stadt­ge­bie­te von Men­den und Bal­ve so­wie der Orts­teil Süm­mern von Iser­lohn. Öst­lich der heu­ti­gen Gren­zen West­fa­lens lag die Ex­kla­ve Volk­mar­sen. Nicht hin­zu ge­hör­te das Ge­biet der Stadt Lipp­stadt und seit der Soes­ter Feh­de das Ge­biet um die Stadt Soest. Das Ge­biet um Val­bert war ein Kon­do­mi­nat der Graf­schaf­ten Mark und des Her­zog­tums West­fa­len.

Das Her­zog­tum grenz­te im Nor­den an die Lip­pe und da­mit an das Hoch­stift Müns­ter. Nord­öst­lich lag das Hoch­stift Pa­der­born, süd­öst­lich be­fan­den sich Wal­deck, Nie­der­hes­sen und das hes­si­sche Hin­ter­land, süd­lich die Graf­schaft Witt­gen­stein und die Nas­sau-Sie­ge­ner Be­sit­zun­gen. West­lich grenz­ten das Wil­den­bur­ger Land, das Her­zog­tum Berg so­wie die Graf­schaf­ten Gim­born, Mark und Lim­burg an.

Der ge­bir­gi­ge Teil im Sü­den des Lan­des mach­te etwa 83 % der Ge­samt­flä­che aus. Die­ser sauer­län­di­sche Teil des Her­zog­tums war reich an Wäl­dern und Me­tall­vor­kom­men. Al­ler­dings war er für den Acker­bau we­ni­ger ge­eig­net. Ein klei­ne­rer, nörd­li­cher Teil mit den Städ­ten Werl, Er­wit­te und Ge­se­ke, die durch den Hell­weg ver­bun­den wur­den, lag in der west­fä­li­schen Bucht. Die Hell­weg­bör­den im Tief­land und der im Sü­den an­schlie­ßen­de Haarstrang wa­ren und sind sehr frucht­bar. In der Nähe von Werl, Wes­tern­kot­ten und Sas­sen­dorf la­gen rei­che Salz­quel­len.

Westphalia Ducatus aus Theatrum Orbis Terrarum, sive Atlas Novus in quo Tabulæ et Descriptiones Omnium Regionum, Editæ a Guiljel et Ioanne Blaeu (1645)

West­pha­lia Du­ca­tus aus Thea­trum Or­bis Ter­rar­um, sive At­las No­vus in quo Ta­bu­læ et De­scrip­tio­nes Om­ni­um Re­gi­o­num, Editæ a Guil­jel et Io­an­ne Bla­eu (1645)

Die Flä­che be­trug nach Be­rech­nun­gen von Lud­wig von Vincke zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts 62 preu­ßi­sche Qua­drat­mei­len. Dies sind 3488 km². Neue­re Be­rech­nun­gen er­ga­ben ohne Be­rück­sich­ti­gung der Ex­kla­ve Volk­mar­sen (etwa 30 km²) und des Kon­do­mi­nats Val­bert (etwa 65 km²) eine Flä­che von 3715 km². Da­mit war das Her­zog­tum deut­lich grö­ßer als das Erz­stift Köln selbst.

Geschichte

Das Kölnische Westfalen im Mittelalter

Westfalen und das Erzbistum Köln im Mittelalter

Die Be­zie­hung der Köl­ner Bi­schö­fe zu West­fa­len rei­chen bis in die ka­ro­lin­gi­sche Zeit zu­rück. Auf der Pa­der­bor­ner Reichs­ver­samm­lung von 777 über­trug Karl der Gro­ße die Chris­tia­ni­sie­rung des Sauer­lan­des bis hin nach Sie­gen und des öst­li­chen Teils der Hell­weg­re­gi­on den Erz­bi­schö­fen von Köln. Von der Grö­ße her war die­ses Ge­biet mit dem Mit­tel­punkt in Soest für die Er­rich­tung ei­nes ei­ge­nen Bis­tums ge­eig­net. Die Erz­bi­schö­fe zo­gen es je­doch vor, das Ge­biet un­mit­tel­bar un­ter ih­rer ei­ge­nen kirch­li­chen Ver­wal­tung zu be­hal­ten, so dass sich das Erz­bis­tum Köln vom Rhein­land bis ins süd­li­che West­fa­len er­streck­te. Nörd­lich der Lip­pe grenz­te das Bis­tum Müns­ter an, im Os­ten bei Ge­se­ke das neue Bis­tum Pa­der­born. Im Sü­den lag das Erz­bis­tum Mainz.

Die von Köln aus­ge­hen­de Mis­si­on ließ eine frü­he Kir­chen­or­ga­ni­sa­ti­on ent­ste­hen. Von ei­ni­gen Ur­pfar­rei­en aus­ge­hend, etwa in Soest, Worm­bach bei Schmal­len­berg oder Hüs­ten, wur­den im Lau­fe der Zeit Toch­ter­kir­chen ge­grün­det.

Mit den Kir­chen­grün­dun­gen ver­bun­den wa­ren zahl­rei­che Gü­ter­über­tra­gun­gen von Sei­ten des Adels und des Kö­nigs zur Aus­stat­tung der Kir­chen, zur Ver­sor­gung der Pries­ter und da­mit zur Auf­recht­erhal­tung des Kul­tes. Da­durch ge­lang­ten die Köl­ner Erz­bi­schö­fe als geist­li­che Ober­häup­ter bald zu er­heb­li­chem Ein­fluss in der Re­gi­on. Tei­le der Schen­kun­gen wur­den zur Ver­sor­gung von Klös­tern und Stif­ten ge­nutzt. 1014 über­nahm der Erz­bi­schof den Schutz des be­reits be­stehen­den Ka­no­nis­sen­stif­tes Ge­se­ke. 1072 wur­de auf sei­ne Ver­an­las­sung von Sieg­bur­ger Mön­chen das Klos­ter Graf­schaft ge­grün­det. 1170 wur­de das Klos­ter Bre­delar ge­stif­tet. Die Klos­ter­grün­dun­gen tru­gen eben­falls zur Fes­ti­gung der Köl­ner Stel­lung in West­fa­len bei. Da­ne­ben blieb ein be­trächt­li­cher Teil der Gü­ter un­ter der di­rek­ten Kon­trol­le Kölns. So be­saß um 1100 die Köl­ner Kir­che um­fang­rei­chen Grund­be­sitz in und um Soest, Kör­ne (bei Dort­mund), Be­lecke, Reck­ling­hau­sen, Men­den, Ha­gen, Schwelm, Me­de­bach und in Olpe. Ei­ni­ge die­ser Rech­te (Schwelm, Dort­mund, Ha­gen) gin­gen spä­ter wie­der ver­lo­ren. Die üb­ri­gen bil­de­ten im Hoch­mit­tel­al­ter die Grund­la­ge der Köl­ner Ter­ri­to­ri­al­ent­wick­lung in West­fa­len.

Entstehung und Entwicklung des Territoriums bis 1368

Anno II. mit Modellen von ihm gestifteter Klöster – unter ihnen auch Grafschaft (Vita Annonis Minor, bis 1803 im Kloster Grafschaft, seither in der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Anno II. mit Mo­del­len von ihm ge­stif­te­ter Klös­ter – un­ter ih­nen auch Graf­schaft (Vita An­no­nis Mi­nor, bis 1803 im Klos­ter Graf­schaft, seit­her in der Uni­ver­si­täts- und Lan­des­bi­blio­thek Darm­stadt

Sei­nen Ur­sprung hat­te das Ter­ri­to­ri­um in den Macht­be­stre­bun­gen der Köl­ner Erz­bi­schö­fe seit dem 12. Jahr­hun­dert. In Kon­kur­renz mit dem re­gio­na­len Adel kam es zum Bau oder Er­werb von Bur­gen (zum Bei­spiel im Jahr 1100 Vol­mar­stein bei Wet­ter (Ruhr) und 1120 Burg Pad­berg bei Mars­berg). Für die Ex­pan­si­ons­mög­lich­keit in West­fa­len ent­schei­dend war zu­nächst die Schwä­chung der Gra­fen von Werl und der Graf­schaft Arns­berg. Im Jahr 1102 kauf­te Erz­bi­schof Fried­rich I. aus dem Be­sitz der Graf­wen von Werl Hach­en bei Sun­dern und Werl. Au­ßer­dem wur­de Graf Fried­rich von Arns­berg nach der Er­obe­rung der Stadt Arns­berg ge­zwun­gen, auf die Hälf­te sei­ner Graf­schaft zu­guns­ten Kölns zu ver­zich­ten. Spä­ter folg­te der Er­werb von Rüt­hen so­wie der Graf­schaft Vol­mar­stein mit Schwelm und Ha­gen. Im Jahr 1164 wur­de die Stadt Arns­berg von Erz­bi­schof Rei­nald von Das­sel er­neut er­obert; die Gra­fen von Arns­berg wur­den ge­zwun­gen, die Lehns­herr­schaft Kölns an­zu­er­ken­nen.

Den Erz­bi­schö­fen fehl­ten lan­ge Zeit über Ein­zel­be­sit­zun­gen hin­aus­ge­hen­de Rech­te in der Re­gi­on. Un­ter Otto I., der gleich­zei­tig Her­zog von Sach­sen war, wa­ren die öst­li­chen Tei­le Sach­sens den Bil­lun­gern über­tra­gen wor­den. Eine Wei­ter­ga­be der Rech­te süd­lich der Lip­pe fand nicht statt. Dort be­an­spruch­ten die säch­si­schen Kö­ni­ge wei­ter Her­zogs­rech­te. Die Wer­ler Gra­fen ver­stan­den sich als Stell­ver­tre­ter des Her­zogs in die­sem Ge­biet. Die fa­mi­liä­ren Bin­dun­gen zum Kai­ser­haus ver­stärk­ten die­sen An­spruch. Nach dem Ende der ot­to­ni­schen Li­nie wur­den die Her­zogs­rech­te in die­sem Teil Sach­sens nicht neu ver­ge­ben. Die Bil­lun­ger ver­such­ten lan­ge Zeit ver­geb­lich, ihre An­sprü­che auf das gan­ze Her­zog­tum durch­zu­set­zen. Erst Hein­rich dem Lö­wen ge­lang es, als Her­zog von Ge­samtsach­sen an­er­kannt zu wer­den.

Nach dem Sturz Hein­richs des Lö­wen (1180), an dem der Köl­ner Erz­bi­schof Phil­ipp von Heins­berg ent­schei­dend be­tei­ligt war, er­hielt letz­te­rer durch die Geln­häu­ser Ur­kun­de den Ti­tel ei­nes Her­zogs von West­fa­len und En­gern, wur­de also Her­zog über den west­li­chen Teil des ur­sprüng­li­chen Her­zog­tums Sach­sen. Al­ler­dings brach­te der neue Ti­tel den Erz­bi­schö­fen kei­nen di­rek­ten Macht­zu­wachs in West­fa­len. We­der wa­ren im Ver­trag von Geln­hau­sen die Gren­zen des Her­zog­tums fest­ge­legt noch wa­ren die her­zog­li­chen Rech­te, Be­fug­nis­se oder Ge­recht­sa­me ge­re­gelt. Zu den Rech­ten des Her­zogs ge­hör­te es, das mi­li­tä­ri­sche Auf­ge­bot des (eben nicht de­fi­nier­ten) Lan­des zu­sam­men­zu­ru­fen und zu füh­ren. Hin­zu kam das Recht des Bur­gen­baus, die Ge­richts­ho­heit und die Pflicht zur Wah­rung des Land­frie­dens. Al­ler­dings wur­den die­se Rech­te durch die Stär­kung der Ter­ri­to­ri­al­her­ren durch die Reichs­ge­set­ze von 1220 und 1231 zu weit­ge­hend lee­ren Ti­teln. Eine ge­wis­se Be­deu­tung be­hielt die Ober­auf­sicht der Erz­bi­schö­fe über die Fe­me­ge­rich­te, die vor al­lem im Spät­mit­tel­al­ter an Be­deu­tung ge­wan­nen.

Abbildung aus dem Soester Nequambuch im Gerichtsmuseum Bad Fredeburg

Ab­bil­dung aus dem Soes­ter Ne­quam­buch im Ge­richts­mu­se­um Bad Fre­de­burg

Von gro­ßem Vor­teil soll­te sich aber er­wei­sen, dass der Her­zog das al­lei­ni­ge Recht der Städ­te­grün­dung hat­te, das ihm von den an­de­ren Her­ren in Raum zwi­schen Rhein und We­ser dann auch hef­tig be­strit­ten wur­de. So för­der­te der Erz­bi­schof lan­ge Zeit die mit Ab­stand in West­fa­len be­deu­tends­te Stadt Soest, de­ren Stadt­herr er war und die schon um 1180 ein be­deu­ten­der, mit Mau­ern be­fes­tig­ter Han­dels­platz war. Die an­de­ren Städ­te wur­den viel­fach ge­zielt von den Erz­bi­schö­fen an­ge­legt, ins­be­son­de­re im Zeit­raum zwi­schen 1180 und 1311. Da­bei trat im Lau­fe der Zeit der Cha­rak­ter der Städ­te als Han­dels­plät­ze ge­gen ihre Be­deu­tung als Be­fes­ti­gung im­mer mehr zu­rück.

Über die rea­le macht­po­li­ti­sche Ent­wick­lung ent­schied im We­sent­li­chen das „Recht des Stär­ke­ren“. Al­ler­dings kam den Köl­ner Erz­bi­schö­fen der pres­ti­ge­träch­ti­ge Her­zogs­ti­tel durch­aus ge­le­gen, um ihre Po­si­ti­on in West­fa­len aus­zu­bau­en. Nicht nur Erz­bi­schof En­gel­bert von Berg (1216–1225) be­trieb die plan­mä­ßi­ge Aus­deh­nung des Ter­ri­to­ri­ums und ge­riet da­mit in Ge­gen­satz zu den welt­li­chen Herr­schern, de­nen er die kirch­li­chen Vog­tei­en ent­zog. Der Streit gip­fel­te in der Er­mor­dung des Erz­bi­schofs bei Ge­vels­berg durch eine „Fron­de“ west­fä­li­scher Ade­li­ger, an de­ren Spit­ze sein Nef­fe Graf Fried­rich von Isen­berg stand.

Ob­wohl Köln wei­ter­hin vor al­lem in den Gra­fen von der Mark und den Gra­fen von Arns­berg ernst­zu­neh­men­de Kon­kur­ren­ten hat­te, war der re­gio­na­le Adel zu schwach und zu zer­strit­ten, um den wei­te­ren Aus­bau der Köl­ner Herr­schaft zu be­hin­dern. Das iso­lier­te Me­de­bach wur­de durch die Grün­dung oder Be­fes­ti­gung der Städ­te Hal­len­berg, Schmal­len­berg und Win­ter­berg ge­si­chert. Im Jahr 1248 wur­de mit dem Er­werb der Burg und Herr­schaft Wal­den­burg bei At­ten­dorn die erz­bi­schöf­li­che Macht im Ge­biet des heu­ti­gen Krei­ses Olpe ge­fes­tigt. Die Städ­te­grün­dun­gen wur­den mit Men­den an der Gren­ze zur Graf­schaf­ten Mark fort­ge­setzt.

Teil der Abschrift der Gelnhäuser Urkunde im historischen Archiv der Stadt Köln (Maße 29 × 42 cm)

Teil der Ab­schrift der Geln­häu­ser Ur­kun­de im his­to­ri­schen Ar­chiv der Stadt Köln (Maße 29 × 42 cm)

Vor al­lem ge­gen die Ex­pan­si­ons­ver­su­che von Erz­bi­schof Sieg­fried von Wes­ter­burg ent­wi­ckel­te sich Wi­der­stand. Ab­ge­se­hen viel­leicht von den Bi­schö­fen von Min­den und Müns­ter, wa­ren dar­an fast alle Ter­ri­to­ri­al­her­ren West­fa­lens be­tei­ligt, un­ter ih­nen auch Graf Eber­hard II. von der Mark. Die Ent­schei­dung fiel in der Schlacht von Wor­rin­gen (1288), in de­ren Ver­lauf der Erz­bi­schof ge­fan­gen ge­nom­men wur­de. Als Er­geb­nis der Schlacht wur­de der wei­te­re Auf­stieg Kölns in West­fa­len ge­bro­chen. Schwelm und Ha­gen fie­len an die Graf­schaf­ten Mark. Die Bur­gen Vol­mar­stein und Raf­fen­berg wur­den zer­stört. Die Erz­bi­schö­fe wa­ren von nun an nur noch ein Lan­des­herr ne­ben an­de­ren. Da­ge­gen ge­wan­nen die Gra­fen von der Mark deut­lich an Ein­fluss.

Zu Be­ginn des 14. Jahr­hun­derts ver­füg­te Köln über ein aus­ge­dehn­tes, nur teil­wei­se zu­sam­men­hän­gen­des Ge­biet in West­fa­len. Ei­nen Schwer­punkt bil­de­te das Amt Wal­den­burg mit At­ten­dorn und Olpe. Ein wei­te­rer lag im obe­ren Sauer­land mit Me­de­bach, Win­ter­berg, Hal­len­berg und Bri­lon. Ein drit­ter Schwer­punkt lag im Nor­den mit Rüt­hen, Be­lecke, Soest, War­stein, Werl, Ge­se­ke und Er­wit­te.

Der Ver­ei­ni­gung der Ge­bie­te stand im We­sent­li­chen die Graf­schaft Arns­berg ent­ge­gen. Als sich im letz­ten Drit­tel des 14. Jahr­hun­derts ab­zeich­ne­te, dass Graf Gott­fried IV. von Arns­berg kin­der­los ster­ben wür­de, stan­den sich Kur­köln und die Graf­schaft Mark als Kon­kur­ren­ten um das Erbe ge­gen­über. Köln setz­te sich in die­sem Kon­flikt durch. Der Erz­stuhl kauf­te dem Gra­fen im Jahr 1368 sein Ter­ri­to­ri­um ab und er­mög­lich­te ihm als ein­zi­gem welt­li­chen Fürs­ten ein Be­gräb­nis im Köl­ner Dom.

Erblandesvereinigungen und Soester Fehde

Die Stadt Soest war das wirtschaftliche Zentrum des kölnischen Westfalen. Ihr Verlust durch die Soester Fehde hatte langfristig nachteilige Folgen für die Wirtschaft des Herzogtums.

Die Stadt Soest war das wirt­schaft­li­che Zen­trum des köl­ni­schen West­fa­len. Ihr Ver­lust durch die Soes­ter Feh­de hat­te lang­fris­tig nach­tei­li­ge Fol­gen für die Wirt­schaft des Her­zog­tums.

Im Jahr 1437 kam es nicht nur zur Arns­ber­ger „Re­for­ma­ti­on der Feme“, son­dern mit ei­ner ers­ten Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung ohne Wis­sen des Lan­des­herrn zwi­schen 167 Rit­tern und 16 Städ­ten zu ei­nem deut­li­chen Aus­druck stän­di­schen Mit­spra­che­an­spruchs. Zu­vor hat­te der Erz­bi­schof ver­sucht, ohne Be­wil­li­gung der Be­trof­fe­nen eine Kopf­steu­er ein­zu­füh­ren.

Dem Lan­des­herrn ge­lang es be­reits im Jahr 1438, die­se Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung durch Be­stä­ti­gung zahl­rei­cher Pri­vi­le­gi­en zu spren­gen. Zu ei­nem voll­stän­di­gen In­ter­es­sen­aus­gleich zwi­schen Lan­des­herrn und Stän­den kam es al­ler­dings nicht mehr. So er­kann­te im Jah­re 1444 die be­deu­ten­de Han­se­stadt Soest die Ober­ho­heit des Köl­ner Erz­bi­schofs Diet­rich von Mo­ers nicht mehr an und un­ter­stell­te sich dem Her­zog von Kle­ve. Dar­auf­hin kam es zur Soes­ter Feh­de (1444 bis 1449) zwi­schen dem Erz­bi­schof von Köln und der Stadt Soest. An der Sei­te Soests stand ne­ben Kle­ve und zahl­rei­chen west­fä­li­schen Städ­ten vor al­lem der mäch­ti­ge Her­zog von Bur­gund. Bei die­ser Aus­ein­an­der­set­zung ging es nicht mehr nur um den Grad der Frei­heit ei­ner Stadt, son­dern um die Macht­ver­tei­lung im Wes­ten des Rei­ches ins­ge­samt. 1447 wur­de die Stadt Soest von ei­nem 12.000 Mann star­ken Söld­ner­heer be­la­gert, konn­te aber nicht ein­ge­nom­men wer­den. Soest und sein un­mit­tel­ba­res Um­land, die Soes­ter Bör­de, ver­blie­ben beim Her­zog von Kle­ve be­zie­hungs­wei­se der Graf­schaft Mark.

Titelkupfer zu Caspar Christian Voigt von Elspe „Agnitio veritatis religionis“ (Köln, 1682). In der Kutsche sitzt Voigt von Elspe. Diese zermalmt die Reformatoren Luther und Calvin. (Original heute in der Dombibliothek Hildesheim)

Ti­tel­kup­fer zu Cas­par Chris­ti­an Voigt von Els­pe „Agni­tio ve­ri­ta­tis re­li­gio­nis“ (Köln, 1682). In der Kut­sche sitzt Voigt von Els­pe. Die­se zer­malmt die Re­for­ma­to­ren Lu­ther und Cal­vin. (Ori­gi­nal heu­te in der Dom­bi­blio­thek Hil­des­heim)

Mehr­fach ver­such­ten die Köl­ner Kur­fürs­ten in der Fol­ge, Soest zu­rück­zu­ge­win­nen. Un­ter Her­mann von Hes­sen kam es 1504 zu ei­ner krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zung und ei­nem er­neu­ten ver­geb­li­chen An­griff auf die Stadt. Am Ende muss­te der Kur­fürst ein­se­hen, dass sei­ne Rück­ge­win­nungs­ver­su­che ge­schei­tert wa­ren.

Da­ge­gen be­hielt Köln die wäh­rend der Soes­ter Feh­de ein­ge­nom­me­nen Ge­bie­te um Fre­de­burg und Bil­stein. Das Bil­stei­ner Land wur­de dem Her­zog­tum 1445 nach der er­folg­rei­chen Be­la­ge­rung der Burg Bil­stein durch Erz­bi­schof Diet­rich von Mo­ers ein­ver­leibt. Zu­vor ge­hör­te es zur Graf­schaft Mark be­zie­hungs­wei­se zum Her­zog­tum Kle­ve-Mark. Die Über­ga­be der Burg er­folg­te un­blu­tig durch den Bil­stei­ner Amt­mann Jo­hann von Bruch, der ver­geb­lich auf kle­ve-mär­ki­schen Ent­satz ge­hofft hat­te. Ein Jahr zu­vor hat­te Kur­köln be­reits Burg und Land Fre­de­burg er­obert. Da­mit war die ter­ri­to­ria­le Ent­wick­lung bis auf klei­ne­re Grenz­kor­rek­tu­ren ab­ge­schlos­sen. Die schon län­ger be­stehen­den Ver­wal­tungs­ein­hei­ten än­der­ten sich in den nächs­ten 350 Jah­ren nur noch un­we­sent­lich.

Nach der ge­schei­ter­ten Groß­macht­po­li­tik war der Kur­fürst auch in­nen­po­li­tisch ge­schwächt. 1463 wur­den eine zwei­te Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung für das Her­zog­tum West­fa­len und eine wei­te­re für das Ge­biet des Erz­stifts und des Vest Reck­ling­hau­sen zwi­schen dem neu­en Kur­fürst, Dom­ka­pi­tel und Stän­den ab­ge­schlos­sen. Eine Be­stim­mung des Ver­tra­ges sah vor, dass ein neu ge­wähl­ter Erz­bi­schof nur dann mit ei­ner Hul­di­gung der Stän­de rech­nen konn­te, wenn er zu­vor die Ein­hal­tung be­stimm­ter Be­din­gun­gen an­er­kannt hat­te.

Nach­dem Erz­bi­schof Ru­precht von der Pfalz sich von der rhei­ni­schen Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung ab­wand­te, ent­brann­te zwi­schen ihm und den rhei­ni­schen Stän­den die Köl­ner Stifts­feh­de. Der Erz­bi­schof wur­de da­bei teil­wei­se von ei­ni­gen Stän­den im Her­zog­tum West­fa­len un­ter­stützt. Der Krieg griff da­her auch auf die­ses Ge­biet über. Als Un­ter­stüt­zer des von den rhei­ni­schen Stän­den zum Stifts­ver­we­ser be­stimm­ten Her­mann von Hes­sen grif­fen hes­si­sche Trup­pen 1473 ver­geb­lich Bri­lon an. Um­ge­kehrt ge­lang es dem Her­zog von Kle­ve als Un­ter­stüt­zer von Ru­precht 1478 vor­über­ge­hend, die Städ­te Arns­berg und Evers­berg zu be­set­zen.

Die Erz­bi­schö­fe ver­such­ten mehr­fach, ihre Po­li­tik durch Ver­pfän­dung ein­zel­ner Lan­des­tei­le zu fi­nan­zie­ren. Ge­gen die dro­hen­de Zer­split­te­rung und Auf­lö­sung des Lan­des schlos­sen sich Rit­ter­schaft und Stän­de zu­sam­men. Sie nö­tig­ten dem Lan­des­herrn die Zu­si­che­rung ab, ohne ihre Zu­stim­mung kei­ne Ver­pfän­dun­gen mehr vor­zu­neh­men. In der Fol­ge­zeit muss­ten die Kur­fürs­ten bei ih­rem Amts­an­tritt die Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung an­er­ken­nen. Im Jahr 1590 kam es zu ei­ner Er­neue­rung die­ses für das Land zen­tra­len Grund­ge­set­zes. Ne­ben der Fest­le­gung der Kom­pe­ten­zen von Lan­des­her­ren und Land­stän­den schloss die Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung von 1463 die staats­recht­li­che Ver­ei­ni­gung der Län­der des Mar­schall­am­tes für West­fa­len, der al­ten Graf­schaft Arns­berg und des Am­tes Wal­den­burg ab. Erst seit­her lässt sich wirk­lich von ei­nem ge­schlos­se­nen Ter­ri­to­ri­um spre­chen, wenn auch Ru­di­men­te der Ei­gen­stän­dig­keit wei­ter­be­stan­den.

Frühe Neuzeit

Gescheiterte Fürstenreformation

Heinrich von Schultheiß war als Hexenkommissar verantwortlich für zahlreiche Hexenprozesse im Herzogtum

Hein­rich von Schult­heiß war als He­xen­kom­mis­sar ver­ant­wort­lich für zahl­rei­che He­xen­pro­zes­se im Her­zog­tum

Erst re­la­tiv spät hat­te die Re­for­ma­ti­on auch nen­nens­wer­te Aus­wir­kun­gen auf das Her­zog­tum West­fa­len. Ein­zig in der Frei­graf­schaft Dü­ding­hau­sen, die aber un­ter star­kem Ein­fluss Wal­decks stand, konn­te die Re­for­ma­ti­on über eine län­ge­re Zeit Fuß fas­sen. Al­ler­dings gab es ver­ein­zel­te Per­so­nen oder Fa­mi­li­en wie die der Vög­te von Els­pe, die sich zu­min­dest zeit­wei­se der Re­for­ma­ti­on an­schlos­sen. Aus der Stadt und dem Amt Me­de­bach ist be­kannt, dass von dort Stu­den­ten ka­men, die an der evan­ge­li­schen Hoch­schu­le in Mar­burg stu­dier­ten. Auch gab es in die­sem Be­reich ein­zel­ne Pfar­rer, die sich der neu­en Glau­bens­rich­tung zu­ge­wandt hat­ten.

Ge­fahr für den Ka­tho­li­zis­mus ging al­ler­dings zwei­mal vom Lan­des­herrn aus. Der Über­tritt von Kur­fürst und Erz­bi­schof Her­mann von Wied zum pro­tes­tan­ti­schen Glau­ben und des­sen Ver­such, im Erz­stift und im Her­zog­tum West­fa­len ein evan­ge­li­sches Kir­chen­we­sen ein­zu­rich­ten, rief un­ter­schied­li­che Re­ak­tio­nen her­vor. In Städ­ten wie Bri­lon, Ge­se­ke und vor al­lem in Werl war die „Köl­ner Re­for­ma­ti­on“ durch­aus er­folg­reich, wäh­rend sie in Arns­berg auf den ent­schie­de­nen Wi­der­stand des Klos­ters We­ding­hau­sen stieß. Letzt­lich ver­hin­der­ten die Nie­der­la­ge der Pro­tes­tan­ten im Schmal­kal­di­schen Krieg und die Nie­der­le­gung des Bi­schofs­amts ei­nen durch­aus mög­li­chen Sieg der neu­en Kon­fes­si­on in den Köl­ner Staa­ten. In ei­ni­gen Or­ten konn­ten sich pro­tes­tan­ti­sche Res­te noch ei­ni­ge Zeit hal­ten. In Ge­se­ke gab es noch 1564 so­wohl in der Ab­tei­kir­che wie auch in der Kol­le­giat­kir­che evan­ge­li­sche Pre­di­ger. Für län­ge­re Zeit hat­te sich die Re­for­ma­ti­on in Mars­berg um 1550 durch­ge­setzt.

In die Zeit Her­manns von Wied fal­len auch ver­schie­de­ne welt­li­che Re­form­be­mü­hun­gen. Dazu zähl­te eine in Arns­berg 1533 er­las­se­ne Berg­ord­nung für alle Ge­bie­te des Kur­fürs­ten­tums Köln. Zu­sätz­lich wur­den 1537 die welt­li­chen Ge­rich­te und 1538 die Fe­me­ge­rich­te re­for­miert. Hin­zu ka­men eine Po­li­zei­ord­nung und grenz­über­schrei­ten­de Ab­kom­men zur Be­kämp­fung des „Ge­sin­dels“. Die fol­gen­den Kur­fürs­ten hin­ter­lie­ßen in der Re­gi­on nur re­la­tiv we­ni­ge Spu­ren. Un­ter Fried­rich IV. von Wied wur­de 1567 ein Schatz- und Steu­er­re­gis­ter an­ge­legt. Un­ter Sa­len­tin von Isen­burg be­gan­nen ers­te An­sät­ze zur Durch­set­zung der Be­schlüs­se des Kon­zils von Tri­ent in sei­nem Herr­schafts­ge­biet. Er för­der­te auch das Schul­we­sen im Her­zog­tum.

Clemens August mit allen Zeichen seiner geistlichen und weltlichen Herrschaft: Kurmantel und Kurhut stehen für das Kurfürstentum Köln, das auf der Brust hängende bischöfliche Pektorale, der Kragen des Priesterornats und die auf dem Tisch hinter dem Kurhut liegende Mitra versinnbildlichen sein Amt als Erzbischof von Köln, links im Hintergrund Schloss Falkenlust, gemalt von Georges Desmarées, um 1746, Öl auf Leinwand, Standort: Schloss Augustusburg

Cle­mens Au­gust mit al­len Zei­chen sei­ner geist­li­chen und welt­li­chen Herr­schaft: Kur­man­tel und Kur­hut ste­hen für das Kur­fürs­ten­tum Köln, das auf der Brust hän­gen­de bi­schöf­li­che Pek­to­ra­le, der Kra­gen des Pries­ter­or­nats und die auf dem Tisch hin­ter dem Kur­hut lie­gen­de Mi­tra ver­sinn­bild­li­chen sein Amt als Erz­bi­schof von Köln, links im Hin­ter­grund Schloss Fal­ken­lust, ge­malt von Ge­or­ges Des­ma­rées, um 1746, Öl auf Lein­wand, Stand­ort: Schloss Au­gus­tus­burg

Etwa 40 Jah­re nach der Herr­schaft von Her­mann von Wied kam es er­neut zu ei­nem Re­for­ma­ti­ons­ver­such von oben, als der Erz­bi­schof Geb­hard Truch­seß von Wald­burg im Jahr 1582 zum Pro­tes­tan­tis­mus über­trat. Der Kur­köl­ni­sche oder Truch­ses­si­sche Krieg nach der Ab­set­zung des Lan­des­her­ren war ver­bun­den mit Plün­de­run­gen und Ge­walt­ta­ten von des­sen An­hän­gern und Geg­nern. Wäh­rend die pro­tes­tan­ti­schen Fürs­ten der Sa­che des Köl­ners kaum hal­fen, fand er in Tei­len des land­säs­si­gen Adels und auch in ei­ner Rei­he von Städ­ten (Bri­lon, Ge­se­ke, Mars­berg, Volk­mar­sen, Me­de­bach, Win­ter­berg und Hal­len­berg) Un­ter­stüt­zung. An­fangs hat­te der Truch­sess sei­ne Ope­ra­ti­ons­ba­sis im Her­zog­tum West­fa­len, konn­te aber in ei­nem kur­zen Feld­zug zu Be­ginn des Jah­res 1584 ver­trie­ben wer­den. Der Sieg sei­nes Ver­bün­de­ten Mar­tin Schenk von Nideg­gen in der Schlacht bei Werl im Jahr 1586 hat­te kei­ne Fol­gen für die Macht­ver­hält­nis­se. Nach der Nie­der­la­ge des ehe­ma­li­gen Kur­fürs­ten konn­te sich der Pro­tes­tan­tis­mus nur an we­ni­gen Or­ten zu­min­dest teil­wei­se noch län­ge­re Zeit be­haup­ten. Dies gilt wahr­schein­lich für den Raum Mars­berg, wo sich mög­li­cher­wei­se bis ins 17. Jahr­hun­dert hin­ein eine pro­tes­tan­ti­sche Min­der­hei­ten­ge­mein­de hal­ten konn­te.

Zeit der Gegenreformation

Der 1583 neu ge­wähl­te Erz­bi­schof Ernst von Bay­ern setz­te sich schließ­lich mit Hil­fe baye­ri­scher Trup­pen im ge­sam­ten Köl­ner Erz­stift durch. Mit die­sem Kur­fürs­ten be­gann eine bis 1761 un­un­ter­bro­che­ne Rei­he von Erz­bi­schö­fen aus den Rei­hen der baye­ri­schen Prin­zen.

Nach hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit sei­ner Fa­mi­lie, die sei­nen pri­va­ten Le­bens­wan­del nicht bil­lig­te, zog sich Ernst von Bay­ern 1595 ins Her­zog­tum West­fa­len zu­rück und re­si­dier­te fort­an im Schloss Arns­berg. Er leb­te mit Ger­trud von Plet­ten­berg zu­sam­men und hat­te mit die­ser un­ter an­de­rem den Sohn Wil­helm, der zeit­wei­se Landd­rost und spä­ter Abt der Reichs­ab­tei Sta­blo-Mal­me­dy war. Ernst von Bay­ern be­stä­tig­te 1590 die Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung und er­ließ 1596 eine neue Po­li­zei­ord­nung für sei­ne rhei­ni­schen und west­fä­li­schen Be­sit­zun­gen. Im Jahr 1606 er­ließ er auch eine Me­di­zi­nal­ord­nung zur Be­kämp­fung der Pest. Ernst über­ließ die Re­gie­rungs­ge­schäf­te weit­ge­hend sei­nem Nef­fen und Coad­ju­tor Fer­di­nand von Bay­ern, der ihm 1612 als Erz­bi­schof folg­te. Erst un­ter ihm wur­den Maß­nah­men zur Durch­set­zung der Ge­gen­re­for­ma­ti­on im Her­zog­tum ver­stärkt vor­an­ge­trie­ben.

Ab 1612 setz­te der neue Lan­des­herr erst­mals im Her­zog­tum West­fa­len und im Vest Reck­ling­hau­sen spe­zi­el­le Kom­mis­sa­ria­te mit weit­rei­chen­den Be­fug­nis­sen zur Durch­füh­rung von kirch­li­chen Ver­än­de­run­gen ein. Da­bei ma­chen die ers­ten Vi­si­ta­ti­ons­be­rich­te deut­lich, dass es noch im­mer pro­tes­tan­ti­sche Grup­pen gab. Der Kur­fürst er­ließ 1614 eine auch für das Her­zog­tum gel­ten­de Re­li­gi­ons­ord­nung. Dar­in wur­de die Nie­der­las­sung oder die Be­set­zung von Äm­tern vom ka­tho­li­schen Be­kennt­nis ab­hän­gig ge­macht. Da­ne­ben för­der­te der Kur­fürst die Bet­tel­or­den. Im Jahr 1637 wur­den die Fran­zis­ka­ner­klös­ter in At­ten­dorn und Ge­se­ke ge­grün­det. Im Jahr 1645 folg­te das Ka­pu­zi­ner­klos­ter in Werl. Wei­te­re ver­gleich­ba­re Klös­ter ent­stan­den un­ter Ma­xi­mi­li­an Hein­rich von Bay­ern. Noch in die Zeit Fer­di­nands fie­len die Grün­dung des Gym­na­si­ums Lau­ren­tia­num und des Gym­na­si­ums Ma­ria­num Se­ra­phi­cum. Ers­te­res wur­de von den Prä­mons­tra­ten­sern der Ab­tei We­ding­hau­sen und letz­te­res von den Fran­zis­ka­nern ge­tra­gen. Spä­ter ka­men noch das Gym­na­si­um Pe­trinum Bri­lon und das Gym­na­si­um An­to­nia­num Ge­se­ke hin­zu. In sei­ne Zeit fällt auch die Nie­der­las­sung der Je­sui­ten in Arns­berg.

Hexenverfolgungen

Titelkopf des Arnsberger Intelligenzblattes vom 3. September 1793 mit dem Wappen des Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich

Ti­tel­kopf des Arns­ber­ger In­tel­li­genz­blat­tes vom 3. Sep­tem­ber 1793 mit dem Wap­pen des Kur­fürs­ten Ma­xi­mi­li­an Franz von Ös­ter­reich

Ins­be­son­de­re in der ers­ten Hälf­te des 17. Jahr­hun­derts er­leb­te das Her­zog­tum eine Wel­le von He­xen­ver­fol­gun­gen. Das Her­zog­tum West­fa­len war ein Zen­trum der He­xen­ver­fol­gung in Nord­west­deutsch­land. Ein ers­ter über­lie­fer­ter Pro­zess fand 1521 in Win­ter­berg statt. Ers­te grö­ße­re Pro­zes­se mit meh­re­ren An­ge­klag­ten fan­den 1573/74 in Kal­len­hardt statt. Eine ers­te Pro­zess­wel­le lag um 1590. Be­son­ders ge­nährt wur­de der He­xen­wahn durch Erz­bi­schof Fer­di­nand von Bay­ern und sei­nen Landd­rost Fried­rich von Fürs­ten­berg. Ne­ben dem Er­lass ei­ner be­son­de­ren He­xen­ord­nung war von Be­deu­tung, dass auch hier­für der Lan­des­herr spe­zi­el­le Kom­mis­sa­re ein­setz­te, die mit un­barm­her­zi­ger Här­te ge­gen die so­ge­nann­ten „Zau­be­rer“ vor­gin­gen. Hö­he­punkt der He­xen­ver­fol­gun­gen war im Her­zog­tum wie auch im Reich die Zeit von 1628 bis 1630. In die­sen drei Jah­ren wur­den min­des­tens 880 Per­so­nen hin­ge­rich­tet. Be­son­ders hoch war die Zahl im Amt Bal­ve mit 280 Hin­ge­rich­te­ten. Nach ei­nem Ab­eb­ben der Pro­zess­wel­le kam es um 1655 er­neut zu zahl­rei­chen Pro­zes­sen. Letz­te To­des­ur­tei­le stam­men aus Ge­se­ke (1708) und Win­ter­berg (1728). Ein letz­ter Pro­zess, der al­ler­dings mit ei­nem Frei­spruch en­de­te, fand 1730 in Bri­lon statt.

Dreißigjähriger Krieg und Folgezeit

Der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg ging nicht spur­los an der Re­gi­on vor­bei. Die Re­gi­on war als Rück­zugs­raum für die kai­ser­li­chen Trup­pen von ei­ner ge­wis­sen stra­te­gi­schen Be­deu­tung. Ins­ge­samt wa­ren Schlach­ten, Be­la­ge­run­gen oder ähn­li­che Kriegs­er­eig­nis­se al­ler­dings nicht sehr zahl­reich. Aber vie­le Städ­te und Dör­fer lit­ten un­ter Plün­de­run­gen, Brand­schat­zun­gen oder Kon­tri­bu­ti­ons­zah­lun­gen. Im Jahr 1622 plün­der­ten die Trup­pen der ka­tho­li­schen Liga auf der ei­nen und Chris­ti­an von Braun­schweig auf der an­de­ren Sei­te das Land aus. Es kam zur Be­set­zung von Ge­se­ke durch Chris­ti­an von Braun­schweig und zur Rück­erobe­rung durch Diet­rich Ott­mar von Er­wit­te. Auf Sei­ten der ka­tho­li­schen Liga ope­rier­te Lo­thar Diet­rich von Bön­ning­hau­sen zu Be­ginn der 1630er Jah­re im Sauer­land. Eben­falls seit Be­ginn der 1630er Jah­re ver­folg­te die Land­graf­schaft Hes­sen das Ziel, das Her­zog­tum West­fa­len für Hes­sen zu ge­win­nen. In die­ser Zeit war die Si­tua­ti­on durch die Geg­ner­schaft der von Schwe­den un­ter­stütz­ten Hes­sen ei­ner­seits und der Kai­ser­li­chen an­de­rer­seits be­stimmt. Werl, Ge­se­ke, Bri­lon und Rüt­hen wur­den bei­spiels­wei­se von den Hes­sen er­obert. Im Sü­den da­ge­gen konn­ten sich auf Dau­er die Kai­ser­li­chen be­haup­ten. Nach 1634 ließ die hes­si­sche Macht in der Re­gi­on all­mäh­lich nach, blieb aber bis zum Ende des Krie­ges eine Be­dro­hung. So er­ober­ten sie zu­sam­men mit den Schwe­den 1646 Ober­mars­berg und zer­stör­ten es. Be­son­ders gut ist man zum Bei­spiel über das Schick­sal des Am­tes Bri­lon und der Städ­te Me­de­bach und Hal­len­berg durch zeit­ge­nös­si­sche Be­rich­te in­for­miert. Die Be­sat­zer wech­sel­ten häu­fig. Mehr­fach flüch­te­ten die Be­woh­ner in die um­lie­gen­den Wäl­der. Me­de­bach wur­de durch Brän­de stark be­schä­digt, die Ein­woh­ner lit­ten un­ter Plün­de­run­gen und der Pest, der 1636 ein Drit­tel der Ein­woh­ner zum Op­fer fiel. Ins Klos­ter We­ding­hau­sen bei Arns­berg drang 1634 der aus der Stadt selbst stam­men­de Ge­ne­ral Eber­hard Be­cker­mann ein. Eine wahr­schein­lich ge­plan­te Er­obe­rung der Stadt un­ter­blieb. Auch in Arns­berg kam es mehr­fach zu Aus­brü­chen der Pest.

Die lang­fris­ti­gen wirt­schaft­li­chen Fol­gen sind nicht zu un­ter­schät­zen. Der im 16. Jahr­hun­dert blü­hen­de Erz­ab­bau, die da­mit ver­bun­de­ne Ver­hüt­tung und Ver­ar­bei­tung er­leb­ten ei­nen schwe­ren Rück­schlag. Erst in der ers­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts hat­te sich die re­gio­na­le Wirt­schaft da­von er­holt. Ähn­li­ches gilt für die So­zi­al­struk­tur. Hat­te sich die Ge­sell­schaft im 16. Jahr­hun­dert zu­nächst dif­fe­ren­ziert, kam es im 17. Jahr­hun­dert zu ei­ner Ent­dif­fe­ren­zie­rung und zu ei­ner Re­agra­ri­sie­rung des kur­köl­ni­schen Sauer­lan­des. So­zi­al­struk­tu­rell spie­gel­te sich dies in ei­nem un­ter­durch­schnitt­li­chen Be­völ­ke­rungs­wachs­tum wi­der.

Nach­fol­ger von Fer­di­nand von Bay­ern war ab 1650 Ma­xi­mi­li­an Hein­rich von Bay­ern. In des­sen Zeit fal­len zahl­rei­che Ver­ord­nun­gen und Ge­set­ze. Dar­un­ter war eine neue Berg­bau­ord­nung, eine Wald­ord­nung und eine Ju­den­ord­nung. Von den krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen un­ter des­sen Nach­fol­ger Jo­seph Cle­mens von Bay­ern um den Bi­schofs­sitz war das Her­zog­tum nur am Ran­de be­trof­fen. Auch die­ser Kur­fürst er­ließ meh­re­re Ver­ord­nun­gen für das Her­zog­tum. Dar­un­ter war die Po­li­zey­ord­nung von 1723, die bis zum Ende des Her­zog­tums in Kraft blieb. Wäh­rend sei­ner Flucht nach Frank­reich 1702 re­gier­te das Dom­ka­pi­tel bis zur Rück­kehr des Kur­fürs­ten die kur­köl­ni­schen Ge­bie­te.

Die Ära von Clemens August und Siebenjähriger Krieg

Herzogtum Westfalen, 1793

Her­zog­tum West­fa­len, 1793

Cle­mens Au­gust I. von Bay­ern war von 1723 bis 1761 für fast vier Jahr­zehn­te Lan­des­herr im Her­zog­tum. Er ver­such­te ins­be­son­de­re durch die Un­ter­ord­nung der Re­gie­rung un­ter die Hof­kanz­lei das Land stär­ker als bis­her in den Kur­staat zu in­te­grie­ren. Der Re­gie­rung in Arns­berg war es seit­her ver­bo­ten, Kla­gen di­rekt vor dem Reichs­kam­mer­ge­richt oder dem Reichs­hof­rat ein­zu­rei­chen. Ein­zi­ges Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt war der Hof­rat in Bonn. Al­ler­dings konn­ten sich die Land­stän­de als ei­gen­stän­di­ge Kraft be­haup­ten.

Auch Cle­mens Au­gust er­ließ zahl­rei­che Ge­set­ze und Ver­ord­nun­gen für das Her­zog­tum. Dazu zähl­te eine Nor­mie­rung der Maße und Ge­wich­te. Cle­mens Au­gust ver­ewig­te sich im Her­zog­tum West­fa­len durch Bau­ten wie den Neu­bau des Schlos­ses Arns­berg durch Jo­hann Con­rad Schlaun und des Schlos­ses Hirsch­berg.

Sei­ne Hof­hal­tung ent­fal­te­te eine bis­lang im Her­zog­tum West­fa­len nicht ge­kann­te fürst­li­che Pracht und be­las­te­te den Staats­haus­halt er­heb­lich. Rui­nös für das Her­zog­tum wur­de sei­ne Be­tei­li­gung am Kampf ge­gen Fried­rich II. von Preu­ßen. Wäh­rend des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges wur­de das Her­zog­tum zum di­rek­ten Kriegs­schau­platz. Un­ter an­de­rem wur­de da­bei das Arns­ber­ger Schloss völ­lig zer­stört. Durch die hohe Schul­den­last als Fol­ge zahl­rei­cher Kon­tri­bu­tio­nen konn­te sich das Land wirt­schaft­lich und kul­tu­rell bis zum Ende des Kur­staa­tes 1802 nicht mehr er­ho­len. Man­che Orte hat­ten bis weit ins 19. Jahr­hun­dert an den Fol­gen der Ver­schul­dung zu tra­gen.

Katholische Aufklärung

Un­ter dem Nach­fol­ger Kur­fürst Ma­xi­mi­li­an Fried­rich von Kö­nig­segg-Ro­then­fels wur­den im Zu­sam­men­hang mit der ka­tho­li­schen Auf­klä­rung ver­schie­de­ne Re­for­men be­gon­nen. So wur­de der Auf­wand kirch­li­cher Pro­zes­sio­nen und die Zahl der Fei­er­ta­ge be­schränkt. Au­ßer­dem wur­de 1778 eine Brand­ver­si­che­rung für das Her­zog­tum ge­grün­det. Ein Jahr spä­ter wur­de ein Me­di­zi­nal­rat für alle kur­fürst­li­chen Ge­bie­te in Bonn ge­grün­det.

Im Her­zog­tum West­fa­len ver­such­te ins­be­son­de­re der Landd­rost Franz Wil­helm von Spie­gel Ver­än­de­run­gen durch­zu­set­zen. Im Zen­trum der Be­mü­hun­gen stan­den da­bei die Re­form und der Aus­bau des Bil­dungs­we­sens. Zu Be­ginn der 1780er Jah­re kam es zu Be­mü­hun­gen, das Gym­na­si­um Lau­ren­tia­num in Arns­berg zu ei­ner Mus­ter­an­stalt für die hö­he­re Schul­bil­dung um­zu­ge­stal­ten. Au­ßer­dem wur­de eine Schul­kom­mis­si­on als zu­stän­di­ge Be­hör­de für das Schul­we­sen im ge­sam­ten Her­zog­tum ge­grün­det.

Die ka­tho­li­sche Auf­klä­rung wirk­te sich auch in der Grün­dung des Arns­ber­gi­schen In­tel­li­genz­blat­tes aus. Bei öf­fent­li­chen Bau­ten spiel­te nicht mehr so sehr das Re­prä­sen­ta­ti­ons­be­dürf­nis, son­dern Nütz­lich­keits­er­wä­gun­gen eine Rol­le. So wur­de das Arns­ber­ger Schloss nach der Bom­bar­die­rung wäh­rend des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges nicht wie­der auf­ge­baut, son­dern die Stei­ne zum Bau ei­nes Zucht­hau­ses (ab 1816 Sitz der Be­zirks­re­gie­rung Arns­berg, heu­te Ver­wal­tungs­ge­richt) be­nutzt.

Von Spie­gel woll­te die Re­form­maß­nah­men ins­be­son­de­re im Schul­we­sen durch die Sä­ku­la­ri­sa­ti­on von Stif­ten und Klös­tern fi­nan­zie­ren. Be­reits zu­vor hat­te er Kri­tik an den Klös­tern ge­äu­ßert. Zur Sä­ku­la­ri­sie­rung kam es bis zum Ende des Al­ten Rei­ches je­doch nicht. Auch in­ner­halb der Klös­ter gab es Ein­flüs­se der Auf­klä­rung. In­ner­halb des Klos­ters We­ding­hau­sen be­stan­den Kon­flik­te zwi­schen Tra­di­tio­na­lis­ten und Re­for­mern. Ex­tre­me Kri­tik kam von Fried­rich Ge­org Pape, der für eine ra­tio­na­lis­ti­sche Theo­lo­gie ein­trat und spä­ter eine be­deu­ten­de Rol­le in der Main­zer Re­pu­blik spiel­te.

Kur­fürst Ma­xi­mi­li­an Franz von Ös­ter­reich setz­te die Re­form­po­li­tik fort. An­ge­sichts des Raub­baus an den Wäl­dern, nicht zu­letzt zur Her­stel­lung von Holz­koh­le, er­gin­gen Ge­set­ze für eine nach­hal­ti­ge Holz­nut­zung. Gleich­zei­tig ver­stärk­te er die An­bin­dung des Her­zog­tums an den Ge­samt­staat. Sei­ne Re­gie­rung ver­leg­te die ana­chro­nis­ti­schen Zoll­stel­len in­ner­halb des Her­zog­tums an den Gren­zen der al­ten Graf­schaft Arns­berg nun­mehr an die Au­ßen­gren­zen des Lan­des. Der Über­gang von den Bin­nen- zu den Au­ßen­zöl­len wird als spä­ter Bei­trag zur Mo­der­ni­sie­rung des Ter­ri­to­ri­ums in­ter­pre­tiert. Ma­nu­fak­tu­ren und Fa­bri­ken wur­den 1791 vom Zunft­zwang be­freit. Auf Be­trei­ben der Stän­de ging die Re­gie­rung auch ge­gen Miss­bräu­che im Zunft­we­sen vor. Auch die Re­for­men im Bil­dungs­we­sen gin­gen wei­ter. So wur­de eine Schul­kom­mis­si­on ge­grün­det. 1799 er­ließ die Re­gie­rung eine Schul­ord­nung für das Gym­na­si­um Lau­ren­tia­num. Fried­rich Adolf Sau­er ver­bes­ser­te die Leh­rer­aus­bil­dung durch die Er­rich­tung ei­ner Nor­mal­schu­le. Zu­sätz­lich zu den üb­li­chen Ele­men­tar­schu­len ent­stan­den so­ge­nann­te In­dus­trie­schu­len zur Ver­mitt­lung ge­werb­li­cher Fer­tig­kei­ten vor al­lem im Be­reich der Tex­til­her­stel­lung. 1802 gab es ins­ge­samt 255 Ele­men­tar­schu­len und 38 In­dus­trie­schu­len für Jun­gen so­wie 18 für Mäd­chen.

Herzogtum Westfalen in der hessischen Zeit

Ma­xi­mi­li­an Franz hat­te 1794 vor den fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­ons­trup­pen flie­hen müs­sen. Er selbst leb­te in der Fol­ge­zeit in sei­ner Funk­ti­on als Hoch­meis­ter des Deut­schen Or­dens in Mer­gen­theim. Da­ge­gen sie­del­ten die kur­köl­ner Be­hör­den, Ge­rich­te und das Dom­ka­pi­tel ins Her­zog­tum über.

Ver­schie­de­ne Län­der und Fürs­ten hat­ten zum Aus­gleich ih­rer ter­ri­to­ria­len Ver­lus­te in den links­rhei­ni­schen Ge­bie­ten In­ter­es­se am Her­zog­tum. Dar­un­ter wa­ren Preu­ßen, Hes­sen-Kas­sel und Wil­helm IV. von Ora­ni­en. Letzt­lich setz­te sich die Land­graf­schaft Hes­sen-Darm­stadt durch. Ohne die Ent­schei­dung des Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schlus­ses ab­zu­war­ten, ok­ku­pier­te Hes­sen-Darm­stadt das Land im Jahr 1802. Die kur­fürst­li­chen Be­hör­den stell­ten im Ok­to­ber des Jah­res ihre Ar­beit ein. Le­dig­lich das Dom­ka­pi­tel und die kur­köl­ni­schen Sol­da­ten er­kann­ten dies erst mit Ver­zö­ge­rung an. Der Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss hat die­sen Schritt 1803 le­gi­ti­miert. Die Ex­kla­ve Volk­mar­sen fiel nach ver­schie­de­nen Zwi­schen­sta­tio­nen im Jahr 1817 an die Land­graf­schaft Hes­sen-Kas­sel.

Als Pro­vinz „Her­zog­tum West­fa­len“ mit der Haupt­stadt Arns­berg wur­de das Ge­biet dem hes­si­schen Staat ein­ge­glie­dert. Seit der Ver­wal­tungs­re­form vom Ok­to­ber 1803 bil­de­te es ne­ben dem Ober­fürs­ten­tum Hes­sen und dem Fürs­ten­tum Star­ken­burg ei­nes der drei Tei­le der Land­graf­schaft. In je­der der drei Pro­vin­zen wur­de eine Re­gie­rung, ein Hof­ge­richt und eine Rent­kam­mer (seit 1809 Hof­kam­mer) so­wie ein Kir­chen- und Schul­rat ein­ge­rich­tet. Zeit­wei­se be­stand im Her­zog­tum West­fa­len zu­sätz­lich ein Forst­kol­leg.

Die meis­ten der Klös­ter und Stif­te im Her­zog­tum West­fa­len wur­den un­mit­tel­bar nach der Be­sitz­ergrei­fung sä­ku­la­ri­siert. Un­klar blieb zu­nächst die Rol­le der Land­stän­de. Auf dem Land­tag 1804 be­wil­lig­ten die­se die be­an­trag­ten Gel­der, ohne dass die Pri­vi­le­gi­en der Stän­de be­stä­tigt wor­den wä­ren. Die Ab­schaf­fung der Steu­er­frei­heit für den Adel und die Steu­er­min­de­rung der Städ­te durch den Lan­des­her­ren führ­te zu Kon­flik­ten mit den Stän­den. Eine Be­schwer­de beim Reichs­hof­rat hat­te kein Er­geb­nis, weil die­ser mit dem Ende des al­ten Rei­ches sei­ne Ar­beit ein­stell­te.

Im Zuge der rhein­bün­di­schen Re­for­men wur­den seit 1806 ne­ben Ver­än­de­run­gen der Fi­nanz- und Jus­tiz­ver­wal­tung im ge­sam­ten hes­sen-darm­städ­ti­schen Ter­ri­to­ri­um auch die Land­stän­de und die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung auf­ge­ho­ben. Die recht­li­chen Un­ter­schie­de zwi­schen Stadt- und Land­ge­mein­den ver­schwan­den und 1808/1811 wur­de die Schult­hei­ßen-Ver­fas­sung in den Ge­mein­den ein­ge­führt. Die Schult­hei­ßen wa­ren da­bei er­nann­te Be­am­te des Lan­des­her­ren. Der Ge­mein­de­rat hat­te nur be­ra­ten­de Funk­ti­on. Das Ge­biet wur­de in etwa gleich gro­ße Äm­ter ein­ge­teilt.

Auch die Rech­te der Zünf­te ver­schwan­den. Hin­zu ka­men die Auf­he­bung der Ei­gen­be­hö­rig­keit. Die Bau­ern wur­den Ei­gen­tü­mer und das Land war nun­mehr un­be­schränkt teil­bar und ver­erb­bar. Es wur­den An­fän­ge ei­ner Flur­be­rei­ni­gung vor­ge­nom­men und An­sät­ze ei­ner nach­hal­ti­gen Forst­wirt­schaft ein­ge­führt. Zur För­de­rung der Land­wirt­schaft wur­de eine Lan­des­kul­tur­ge­sell­schaft ge­grün­det. Ein neu­es Steu­er­sys­tem um­fass­te eine Ver­mö­gens­steu­er so­wie eine Ge­wer­be- und Ver­brauchs­steu­er. Die Hin­wei­se der Arns­ber­ger Re­gie­rung über Un­gleich­hei­ten bei der Ver­mö­gens­steu­er führ­ten zur Er­stel­lung ei­nes Ka­tas­ters. Hin­zu ka­men Re­for­men im Bil­dungs- und Ge­sund­heits­we­sen.

Maximilian Franz (Kurfürst von Köln)

Ma­xi­mi­li­an Franz

Die Be­tei­li­gung von Hes­sen-Darm­stadt an den Krie­gen Na­po­le­ons im Rah­men des Rhein­bun­des führ­te zu Ein­quar­tie­run­gen, stei­gen­den Steu­ern und die Ein­füh­rung der Wehr­pflicht im Jahr 1804. Im Jahr 1809 ver­schärf­te ein Mus­te­rungs­er­lass ins­be­son­de­re für die ehe­mals kur­köl­ni­schen Ge­bie­te die Stra­fen für Mus­te­rungs­un­wil­li­ge. Die Sol­da­ten aus dem Her­zog­tum West­fa­len ge­hör­ten der Bri­ga­de „Erb­prinz“ un­ter Jo­hann Ge­org von Schäf­fer-Bern­stein und der Re­ser­ve­bri­ga­de „West­fa­len“ an. Gar­ni­sons­städ­te wa­ren Arns­berg, At­ten­dorn, Bri­lon und Werl. Die Hes­sen-Darm­städ­ti­schen Trup­pen nah­men an vie­len mi­li­tä­ri­schen Un­ter­neh­mun­gen Na­po­le­ons ak­tiv teil und er­lit­ten da­bei hohe Ver­lus­te. Von den etwa 5000 Sol­da­ten, die 1812 am Russ­land­feld­zug be­tei­ligt wa­ren, über­leb­ten nur 30 Of­fi­zie­re und etwa 300 Mann. Al­lein aus der Ge­gend von Olpe fie­len 23 Mann. Nach der Völ­ker­schlacht von Leip­zig durch­zog Jé­rô­me Bo­na­par­te mit den Res­ten sei­ner Trup­pen die Re­gi­on. Kur­ze Zeit spä­ter wech­sel­te Groß­her­zog Lud­wig I. die Fron­ten. Ei­ni­ge Tage spä­ter zo­gen Ko­sa­ken und preu­ßi­sche Ula­nen in Arns­berg ein. Ähn­lich wie in Preu­ßen wur­den im Rah­men der Be­frei­ungs­krie­ge 1813 im Her­zog­tum West­fa­len eine „Frei­wil­li­ge Jä­ger­kom­pa­nie“ un­ter dem Kom­man­dan­ten Kle­mens Ma­ria von Weichs zur Wen­ne ge­bil­det.

Nach der Ab­dan­kung Na­po­le­ons I. be­schloss der Wie­ner Kon­gress (1815), dass das Her­zog­tum an Preu­ßen fal­len soll­te. Ein Jahr spä­ter, im Jahr 1816, nahm Ober­prä­si­dent Lud­wig von Vincke das kur­köl­ni­sche Sauer­land für den preu­ßi­schen Kö­nig als Teil der Pro­vinz West­fa­len mit der Haupt­stadt Müns­ter in Be­sitz. Die alte Re­si­denz­stadt Arns­berg wur­de zum Sitz ei­nes Re­gie­rungs­prä­si­den­ten und konn­te so in ver­än­der­ter Form ihre Haupt­stadt­funk­ti­on be­wah­ren.

Grundstrukturen des Landes

Bevölkerungsentwicklung

Ludwig X. von Hessen-Darmstadt (Ölbild von Louis Ammy Blanc 1846)

Lud­wig X. von Hes­sen-Darm­stadt (Öl­bild von Lou­is Ammy Blanc 1846)

Zwi­schen der Jahr­tau­send­wen­de und dem 13. Jahr­hun­dert war im Hell­weg­be­reich und in den Berg­re­gio­nen die rein voll­bäu­er­li­che Sie­del­zeit be­en­det. Alle für den Acker­bau güns­ti­gen Bö­den wa­ren ver­ge­ben. Es folg­te bis ins 14. Jahr­hun­dert eine Ro­dungs­pha­se, in der ne­ben den Voll­bau­ern die Neu­sied­ler­grup­pen der Halb­spän­ner und Köt­ter ent­stan­den. Im Ver­lauf des 14. Jahr­hun­derts nahm die Be­völ­ke­rung un­ter dem Ein­fluss der Pest und der all­ge­mei­nen Agrar­kri­se ab. Acker­flä­chen und Sied­lun­gen wur­den auf­ge­ge­ben. Teil­wei­se wan­der­ten die Be­woh­ner in die Städ­te der Re­gi­on ab. Der Hö­he­punkt die­ser Wüs­tungs­pe­ri­ode lag im süd­li­chen Sauer­land zwi­schen 1400 und 1450 und da­mit deut­lich spä­ter als in an­de­ren Re­gio­nen. Im süd­li­chen Sauer­land ver­schwan­den etwa 25 % der Sied­lun­gen; im obe­ren Sauer­land wa­ren es etwa ein Drit­tel. Im Amt Me­de­bach war mehr als die Hälf­te der Sied­lungs­plät­ze be­trof­fen.

In der frü­hen Neu­zeit, un­ter­bro­chen vom Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg und dem nie­der­län­di­schen Krieg (1672–1675), nahm die Be­völ­ke­rung wie­der mo­de­rat zu. Wüst ge­fal­le­ne Acker­flä­chen wur­den wie­der be­sie­delt, Hei­de­flä­chen für den Acker­bau nutz­bar ge­macht und die Vieh­hal­tung aus­ge­wei­tet. Die­se Ent­wick­lung setz­te sich im 18. Jahr­hun­dert fort. In die­ser Zeit trug zum Be­völ­ke­rungs­wachs­tum auch die Aus­wei­tung von Ge­wer­be und Berg­bau bei. Dies ließ die Zahl der Köt­ter und Bei­lie­ger an­wach­sen. Die Un­teil­bar­keit der Bau­ern­hö­fe und das An­er­ben­recht in den meis­ten Tei­len der Re­gi­on ver­lang­sam­te das Ent­ste­hen ei­ner agra­ri­schen Un­ter­schicht.

Für die Zeit von Kur­fürst Diet­rich II. von Mo­ers im 15. Jahr­hun­dert wird eine Ein­woh­ner­zahl von 59.000 ge­schätzt. Im Vest Reck­ling­hau­sen – eben­falls Teil des Köl­ner Kur­staa­tes – wa­ren es 14.500 Per­so­nen. Im Erz­stift leb­ten zu die­ser Zeit um die 100.000 Men­schen.

Ge­gen Ende des 18. Jahr­hun­derts schätz­te Karl Fried­rich von dem Kne­se­beck die Ein­woh­ner­zahl für 1781 auf 107.700. Fried­rich Arndts kam für 1802 auf 110.000. Die His­to­ri­ke­rin Ste­pha­nie Ree­kers schätz­te in den 1960er Jah­ren die Ein­woh­ner­zahl für das Ende des 18. Jahr­hun­derts auf 120.000. Dies ent­sprach in etwa den Be­rech­nun­gen der hes­sen-darm­städ­ti­schen Be­hör­den zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts.

In die Zeit der wach­sen­den Be­völ­ke­rung aber ins­be­son­de­re seit dem letz­ten Drit­tel des 17. Jahr­hun­derts nahm auch die jü­di­sche Be­völ­ke­rung in der Re­gi­on deut­lich zu. Ne­ben den Städ­ten gab es eine nen­nens­wer­te An­zahl von Ju­den in ei­ni­gen Pa­tri­mo­ni­al­ge­rich­ten des Adels. Be­son­ders zahl­reich wa­ren sie im Ge­biet des spä­te­ren Krei­ses Bri­lon.

Regierung und Verwaltung

Arnsberg um 1669. Oberhalb der Stadt ist das von Maximilian Heinrich von Bayern grundlegend umgebaute Schloss Arnsberg zu sehen

Arns­berg um 1669. Ober­halb der Stadt ist das von Ma­xi­mi­li­an Hein­rich von Bay­ern grund­le­gend um­ge­bau­te Schloss Arns­berg zu se­hen

Das Her­zog­tum West­fa­len un­ter­stand dem Erz­bi­schof von Köln als Lan­des­herrn, bil­de­te je­doch ein vom Erz­stift Köln räum­lich ge­trenn­tes ei­gen­stän­di­ges Ter­ri­to­ri­um, in dem sich die Land­stän­de ein er­heb­li­ches Mit­spra­che­recht ge­gen­über dem geist­li­chen Lan­des­herrn si­chern konn­ten. Eine ver­gleich­ba­re Kon­stel­la­ti­on gab es im süd­deut­schen Raum mit der Graf­schaft Wer­den­fels, die im Be­sitz des da­von ent­fernt lie­gen­den Hoch­stifts Frei­sing war.

Die ehe­ma­li­ge Graf­schaft Arns­berg wur­de nach de­ren Er­werb, ge­le­gen in der Mit­te des Her­zog­tums, zu des­sen Zen­trum. Die Stadt Arns­berg ent­wi­ckel­te sich ne­ben Bonn zu ei­ner der Re­si­den­zen des Kur­staa­tes. Dort re­si­dier­te der Mar­schall von West­fa­len als Stell­ver­tre­ter des Erz­bi­schofs im Her­zog­tum. Seit 1482 wur­de die­ser höchs­te Be­am­te des Her­zog­tums durch ei­nen Landd­rost er­setzt. Die west­fä­li­sche Re­gie­rung oder Arns­ber­ger Kanz­lei hat­te so­wohl ad­mi­nis­tra­ti­ve wie auch ju­di­ka­ti­ve Kom­pe­ten­zen. Die Ein­rich­tung ei­ner ei­ge­nen Re­gie­rung geht wahr­schein­lich auf die Zeit der Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung von 1463 zu­rück, die aus­drück­lich ei­nen stän­di­gen Rat als Re­gie­rungs­be­hör­de vor­sah. Wäh­rend im Erz­stift eine sol­che stän­di­ge Ein­rich­tung zwar eben­falls ent­stan­den war, sich aber an­ge­sichts der per­sön­li­chen Füh­rung durch den Lan­des­her­ren nicht hal­ten konn­te, be­stand sie im Her­zog­tum bis zum Ende des Al­ten Rei­ches. End­gül­ti­ge Ge­stalt nahm sie nach der un­ter Kur­fürst Ernst von Bay­ern er­neu­er­ten Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung von 1590 an. Seit­her wur­de die Re­gie­rung als „Landd­rost und Räte“ be­zeich­net.

Der Landd­rost saß die­ser Kol­le­gi­al­be­hör­de vor. Er war so­wohl Ver­tre­ter des Lan­des­her­ren als auch des­sen höchs­ter Be­am­ter. Der Landd­rost und spä­ter auch die üb­ri­gen Amts­in­ha­ber muss­ten aus dem Land selbst stam­men. Ne­ben der Funk­ti­on als kur­fürst­li­cher Statt­hal­ter war der Landd­rost auch der höchs­te Re­prä­sen­tant der Land­stän­de. Er war Di­rek­tor der Land­stän­de und Vor­sit­zen­der der Rit­ter­ku­rie.

Ne­ben dem Landd­ros­ten gab es vier ju­ris­tisch ge­bil­de­te „ge­lehr­te Räte“ zu­meist aus dem Bür­ger­tum. Die­se wa­ren für die ei­gent­li­che Ver­wal­tungs­ar­beit zu­stän­dig. Hin­zu ka­men vier ad­li­ge Räte als Ver­tre­ter der Stän­de. Dar­un­ter gab es ver­schie­de­ne un­ter­ge­ord­ne­te Be­am­te und Funk­ti­ons­trä­ger.

Be­am­te der Land­stän­de und nicht der Re­gie­rung im en­ge­ren Sinn wa­ren der Land­pfen­nig­meis­ter, zu­stän­dig für das Fi­nanz­we­sen, und der Land­schrei­ber.

Im 16. Jahr­hun­dert wa­ren Landd­rost und Räte eine teil­wei­se stän­disch, teil­wei­se lan­des­herr­li­che Be­hör­de. Die­se war ge­gen­über dem Erz­stift re­la­tiv un­ab­hän­gig. Al­ler­dings gab es stän­di­ge Ver­su­che der in Bonn re­si­die­ren­den Re­gie­rung des Erz­stifts, die Kom­pe­ten­zen der Arns­ber­ger Be­hör­de zu be­schnei­den. Der Ver­such, sie zu ei­ner bloß un­ter­ge­ord­ne­ten In­stanz zu ma­chen, ge­lang im 18. Jahr­hun­dert teil­wei­se. Im Jahr 1739 wur­de die Arns­ber­ger Re­gie­rung dem Hof­rat und 1787 auch der Hof­kam­mer in Bonn un­ter­stellt. Das 1786 ge­schaf­fe­ne Oberap­pel­la­ti­ons­ge­richt in Bonn war auch für das Her­zog­tum West­fa­len zu­stän­dig.

Ne­ben der obe­ren Re­gie­rungs­be­hör­de gab es wei­te­re Un­ter­be­hör­den. Dazu zähl­te die Ober­kel­le­rei in Arns­berg mit Un­ter­kel­le­rei­en in Bal­ve, An­röch­te und Bil­stein als eine Art kur­fürst­li­che Fi­nanz­ver­wal­tung. Hin­zu kam das west­fä­li­sche Forst­amt mit Sitz auf Schloss Hirsch­berg. Ne­ben dem Forst­schutz war es zu­stän­dig für die Hege des Wild­be­stan­des, zur Be­auf­sich­ti­gung der Forst­be­am­ten, für die Vor­be­rei­tung der Hof­jag­den so­wie für die Ver­sor­gung der kur­fürst­li­chen Kü­che mit Wild­bret. Das Ober­berg­amt mit ei­nem Ober­berg­haupt­mann als Lei­ter hat­te sei­nen Sitz in Bri­lon. In Olpe be­fand sich ein Un­ter­berg­amt. Es hat­te da­für zu sor­gen, dass an die Re­gie­rungs­kas­se der Berg­zehn­te ab­ge­führt wur­de. Es war für die Er­tei­lung von Mu­tungs­rech­ten, Be­leh­nun­gen und die Ju­ris­dik­ti­on im ge­sam­ten Be­reich des Berg-, Hüt­ten- und Ham­mer­we­sens zu­stän­dig.

Landstände

Die Mit­re­gie­rung der Stän­de wur­de durch die Ein­rich­tung von Land­ta­gen in­sti­tu­tio­na­li­siert. Es gab in den spä­ter zum Her­zog­tum zu­sam­men­ge­fass­ten Ge­bie­ten be­reits in der ers­ten Hälf­te des 14. Jahr­hun­derts ers­te An­sät­ze von Land­stän­den. Die Po­li­tik zur Zeit Diet­richs II. von Mo­ers führ­te im 15. Jahr­hun­dert zu ei­ner Zu­sam­men­ar­beit der Stän­de, die 1437 in der be­reits er­wähn­ten ers­ten Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung gip­fel­te. Ver­tre­ten wa­ren 167 Rit­ter und 16 Städ­te. Nach dem Tod Diet­richs von Mo­ers kam es 1463 nach dem Vor­bild der rhei­ni­schen Stän­de zur zwei­ten Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung. Die­ses Grund­ge­setz des Lan­des wur­de 1590 er­neu­ert und blieb bis 1802 in Kraft. Ein Land­tag ist seit 1482 be­legt, und seit 1583 sind die Pro­to­kol­le über­lie­fert. Die Ta­gun­gen der Land­ta­ge im Her­zog­tum West­fa­len fan­den all­jähr­lich in Arns­berg statt. Ge­glie­dert war die Ver­samm­lung in die Rit­ter- und in die Städ­te­ku­rie. Land­tags­be­rech­tigt wa­ren da­her ne­ben den ade­li­gen Be­sit­zern der land­tags­fä­hi­gen Gü­ter die Städ­te und die Frei­hei­ten (Ge­mein­den mit städ­ti­schen oder stadt­ähn­li­chen Rech­ten). Ge­wis­se Rech­te hat­te auch das Köl­ner Dom­ka­pi­tel, ohne je­doch voll­stän­di­ger Land­stand zu sein.

Die „Haupt­städ­te“ Bri­lon, Rüt­hen Ge­se­ke und Werl ent­sand­ten je­weils vier, die üb­ri­gen Städ­te und Frei­hei­ten zwei De­pu­tier­te zu den Land­ta­gen. Im 18. Jahr­hun­dert ging die Be­tei­li­gung der Städ­te auch we­gen der Kos­ten deut­lich zu­rück, so dass häu­fig nur die Ver­tre­ter der Haupt­städ­te teil­nah­men. Die Mas­se der Be­völ­ke­rung, die Bau­ern und Land­ar­men, wa­ren nicht ver­tre­ten.

Das wich­tigs­te Recht war die Steu­er­be­wil­li­gung. Die Steu­er­ver­wal­tung lag in der Ver­ant­wor­tung der Stän­de, die dazu den Land­pfen­ning­meis­ter ein­stell­ten. Da­ne­ben konn­te der Lan­des­herr in Form der so­ge­nann­ten Land­tags­pro­po­si­tio­nen be­lie­bi­ge Fra­gen auf die Ta­ges­ord­nung set­zen. Auf der an­de­ren Sei­te konn­ten die Stän­de Be­schwer­den und Vor­schlä­ge vor­brin­gen.

Nicht ab­schlie­ßend ge­re­gelt war die Be­tei­li­gung der Stän­de an der all­ge­mei­nen Lan­des­ge­setz­ge­bung. Be­reits aus dem Land­tags­ab­schied von 1584 geht her­vor, dass der Lan­des­herr die stän­di­sche Mit­wir­kung an der Ge­setz­ge­bung für ge­bo­ten hielt. Aber die Mit­wir­kung be­ruh­te nicht auf fürst­li­cher Gna­de, son­dern auf „gu­ten Ge­wohn­hei­ten, Frei­hei­ten und Pri­vi­le­gi­en.“ In der Pra­xis wur­den vie­le wich­ti­ge Ge­set­ze auf dem Land­tag be­ra­ten und dar­über mit ent­schie­den. Land­tags­ab­schlüs­se hat­ten ge­setz­li­che Kraft. An­de­re Ge­set­ze und Ver­ord­nun­gen wur­den vom Lan­des­her­ren ohne vor­he­ri­ge Zu­stim­mung der Stän­de er­las­sen. Da­ge­gen hat­ten sie ein Pro­te­st­recht, das sie auch ein­setz­ten. Über die ur­sprüng­li­chen Rech­te der Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung hin­aus ge­lang es den Stän­den, das In­di­gi­nats­recht zu er­wei­tern.

An­fangs lau­te­te die Be­stim­mung, dass die Mit­glie­der des Hof­ra­tes aus den Herr­schafts­ge­bie­ten Kur­kölns stam­men müs­sen. Die west­fä­li­schen Stän­de setz­ten 1662 ge­gen­über Kur­fürst Max Hein­rich durch, dass im Her­zog­tum West­fa­len alle Äm­ter nur Land­ein­ge­ses­sen und An­hän­gern des ka­tho­li­schen Be­kennt­nis­ses of­fen­ste­hen soll­ten. Für Aus­nah­men be­durf­te es ei­nes Be­schlus­ses der Stän­de.

Ge­gen den Wi­der­stand der meist in Arns­berg ta­gen­den Land­stän­de­ver­samm­lung schei­ter­ten alle Ver­su­che, ei­nen ab­so­lu­tis­ti­schen Staats­auf­bau durch­zu­set­zen. Das Her­zog­tum West­fa­len blieb da­her im Kern ein nur teil­wei­se in den Kur­staat in­te­grier­ter Stän­de­staat. Wäh­rend die Ver­fas­sung des Her­zog­tums aus ab­so­lu­tis­ti­scher Sicht­wei­se ge­gen Ende des 18. Jahr­hun­derts als ana­chro­nis­tisch be­trach­tet wur­de, sa­hen sie li­be­ra­le Bür­ger im frü­hen 19. Jahr­hun­dert als An­knüp­fungs­punkt für eine künf­ti­ge li­be­ra­le Ge­sell­schaft.

Militär

Daniel Dietrich von Landsberg zu Erwitte

Da­ni­el Diet­rich von Lands­berg zu Er­wit­te

Der kur­köl­ni­sche Staat ver­füg­te in der frü­hen Neu­zeit zu­min­dest zeit­wei­se über ei­ge­ne ste­hen­de Trup­pen. Für den kur­köl­ni­schen Lan­des­kriegs­dienst wur­den auch im Her­zog­tum West­fa­len Wer­bun­gen ver­an­stal­tet. Da­bei wur­de 1734 fest­ge­legt, dass nie­mand ge­gen sei­nen Wil­len an­ge­wor­ben wer­den dür­fe. Die­se Be­stim­mung wur­de in der Fol­ge wei­ter prä­zi­siert. Der Kriegs­dienst soll­te ein ganz frei­wil­li­ger sein. Wer­bung frem­der Lan­des­her­ren wa­ren ver­bo­ten, wenn gleich­zei­tig der Kur­fürst Wer­bun­gen ver­an­stal­te­te. Zu­wei­len wur­den an­de­re Wer­bun­gen auch zu Guns­ten der Kai­ser­li­chen ver­bo­ten. Wei­ter ein­ge­schränkt wur­de An­wer­bun­gen da­durch, dass frem­de Lan­des­her­ren nur nach ei­ner Ge­neh­mi­gung der Land­stän­de im Her­zog­tum Sol­da­ten wer­ben durf­ten. Die­se Ge­neh­mi­gun­gen schei­nen mit Aus­nah­men zu Guns­ten der Kai­ser­li­chen nicht er­teilt wor­den sein. Al­ler­dings ha­ben in der Pra­xis durch­aus ei­gen­mäch­ti­ge Wer­bun­gen statt­ge­fun­den, wie die häu­fi­ge Er­neue­rung des Wer­be­ver­bots na­he­legt. Es wur­den 1738 und 1739 gar Prä­mi­en für die Er­grei­fung frem­der Wer­ber aus­ge­lobt. Den Wer­bern droh­te die To­des­stra­fe. Ähn­li­che Ak­tio­nen ge­gen Wer­ber gab es auch noch 1763 oder 1778.

Die mi­li­tä­ri­schen Ver­pflich­tun­gen des Her­zog­tums für den Kurrhei­ni­schen Kreis spiel­te nur in Kriegs­zei­ten eine ge­wis­se Rol­le. Der Kreis­be­schluss von 1714 auch in Frie­dens­zei­ten Trup­pen un­ter Waf­fen zu hal­ten, wur­de nicht um­ge­setzt. Ins­ge­samt wa­ren die Kriegs­las­ten in Frie­dens­zei­ten we­nig be­deu­tend. Die Til­gung der Kriegs­schul­den, die etwa durch Kon­tri­bu­tio­nen ent­stan­den wa­ren, wa­ren nach den auch für die Be­völ­ke­rung teil­wei­se schwe­ren Krie­gen al­ler­dings be­trächt­lich. Aus dem Mit­tel­al­ter rag­ten Hand- und Spann­diens­te, wie sie frü­her für den Bur­gen­bau be­nö­tigt wur­den, in die frü­he Neu­zeit hin­ein. Die­se Diens­te wur­den durch den Reichs­tag auf den Bau von lan­des­herr­li­chen Fes­tun­gen aus­ge­dehnt. Aber Be­fes­ti­gungs­an­la­gen spiel­ten im Her­zog­tum zu­neh­mend kei­ne Rol­le mehr. Zum letz­ten Mal 1663 wur­den Steu­ern für die Be­fes­ti­gun­gen von Arns­berg, Werl und Bil­stein er­ho­ben. Be­las­tend für die Be­völ­ke­rung wa­ren die Ein­quar­tie­run­gen. Fi­nan­zi­ell be­trächt­lich wa­ren teil­wei­se die Kos­ten für die Reichs­krie­ge. Die fi­nan­zi­el­len Las­ten wur­den in der Re­gel durch Steu­ern ab­ge­deckt. Eine re­gel­mä­ßi­ge Dienst­pflicht gab es nicht.

Nur in Aus­nah­me­fäl­len wur­den Be­woh­ner des Lan­des zum Kriegs­dienst her­an­ge­zo­gen. Dies war etwa im Rah­men des Reichs­krie­ges 1794 der Fall. Kur­köln konn­te die ge­for­der­ten ho­hen Kon­tin­gen­ten mit den vor­han­de­nen Trup­pen nicht stel­len. Da­her wur­den im Kur­staat wie im Her­zog­tum Sol­da­ten aus­ge­ho­ben. Da­bei soll­ten nur Män­ner ver­pflich­tet wer­den, die nicht beim Acker­bau und zur Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on be­nö­tigt wur­den. Es gab da­ne­ben wei­te­re Aus­nah­men wie Be­am­te, Ju­ris­ten, Ärz­te, Geist­li­che, Stu­den­ten, Berg- und Hüt­ten­leu­te und wei­te­re Be­rufs­grup­pen. Den Ein­ge­zo­ge­nen wur­de ver­spro­chen nur im Lan­des­in­ne­ren ein­ge­setzt zu wer­den. Durch das Los wur­den in je­dem Amt eine be­stimm­te An­zahl Re­kru­ten be­stimmt. Ihre Dienst­pflicht soll­te mit dem Ende des Reichs­krie­ges en­den. Die Aus­ge­los­ten konn­ten an ih­rer Stel­le Er­satz­leu­te stel­len.

Kirchenorganisation

Seit der Chris­tia­ni­sie­rung ge­hör­te der größ­te Teil des Her­zog­tum zur Erz­diö­ze­se Köln. Aus­nah­me wa­ren Volk­mar­sen, Mars­berg, das Klos­ter Bre­delar und die Pfar­rei­en Alme und Thü­len. Die­se ge­hör­ten zum Bis­tum Pa­der­born. Im Jahr 1733 ka­men die Pfar­rei­en Alme und Thü­len so­wie die Ab­tei Bre­delar mit den zu­ge­hö­ri­gen Or­ten zur Erz­diö­se­ze Köln.
Ge­richts­stuhl des Of­fi­zi­alat­ge­richt in der Propstei­kir­che St. Wal­bur­ga in Werl im ge­schlos­se­nen Zu­stand

In Werl be­stand mit dem Of­fi­zi­alat­ge­richt ein geist­li­ches Ge­richt. Die­se war zu­nächst in Arns­berg an­ge­sie­delt, wur­de dann nach Soest ver­legt, ehe es nach der Soes­ter Feh­de in Werl an­säs­sig war. Es gab ins­be­son­de­re im 18. Jahr­hun­dert Kom­pe­tenz­strei­tig­kei­ten zwi­schen den geist­li­chen und welt­li­chen Ge­rich­ten. Da­bei konn­ten sich zu­meist die welt­li­chen Ge­rich­te durch­set­zen. So fiel Ehe­bruch seit 1788 in die Zu­stän­dig­keit der welt­li­chen Ge­rich­te.

Seit dem Mit­tel­al­ter war das Ge­biet in Ar­chi­dia­ko­na­te ein­ge­teilt. Die Ar­chi­dia­ko­ne hat­ten zeit­wei­se er­heb­li­che Be­fug­nis­se. Die­se gin­gen im Lauf der frü­hen Neu­zeit aber zu­rück. Zum Ar­chi­dia­ko­nat des Köl­ner Dom­props­tes ge­hör­ten ne­ben rhei­ni­schen Ge­bie­ten auch die De­ka­na­te At­ten­dorn, Me­de­bach, Me­sche­de und Worm­bach. Der Vor­ste­her des Klos­ters We­ding­hau­sen stand ei­nem ei­ge­nen klei­nen Ar­chi­dia­ko­nat vor.

Nach­dem sich die Ge­gen­re­for­ma­ti­on durch­ge­setzt hat­te, war das Her­zog­tum ein ka­tho­li­sches Ter­ri­to­ri­um. Pro­tes­tan­ti­sche Ge­mein­den exis­tier­ten nicht mehr. An der Gren­ze konn­ten sich in der Frei­graf­schaft Dü­ding­hau­sen noch ver­gleichs­wei­se lan­ge Res­te des Pro­tes­tan­tis­mus hal­ten. Dort gab es 1663 noch zwölf Pro­tes­tan­ten. Der letz­te starb 1760. Ein­zel­per­so­nen evan­ge­li­schen Glau­bens be­durf­ten zur An­sied­lung eine Er­laub­nis des Lan­des­her­ren.

Eine Grund­la­ge für die Ord­nung des Kir­chen­we­sens war die 1614 in Arns­berg ver­öf­fent­lich­te Kir­chen­ord­nung. 1629 wur­de die­se zu ei­nem Ge­ne­ral Re­zess er­wei­tert. Seit Erz­bi­schof Fer­di­nand von Bay­ern wur­den Kom­mis­sa­re nicht zu­letzt für die Ab­hal­tung von Vi­si­ta­tio­nen ein­ge­setzt. Die De­ka­na­te Me­de­bach, Me­sche­de und Worm­bach bil­de­ten das Kom­mis­sa­ri­at Süd­er­land. Dazu ge­hör­ten schließ­lich auch die De­ka­na­te Bri­lon und At­ten­dorn. In At­ten­dorn und in Bri­lon am­tier­te spä­ter je­weils ein bi­schöf­li­cher Kom­mis­sar. Die­se hat­ten auch die Auf­ga­be die Be­woh­ner der Klös­ter zu be­auf­sich­ti­gen. Im Nor­den be­stand das Haar­kom­misari­at. Dazu ge­hör­ten auch ei­ni­ge Pfar­rei­en des De­ka­nats At­ten­dorn in der Ge­gend um Ne­heim. Un­ter­stellt wa­ren die Kom­mis­sa­ria­te dem Ge­ne­ral­vi­kar in Köln.

Un­mit­tel­bar vor dem Ende des Her­zog­tums gab es die De­ka­na­te At­ten­dorn, Me­de­bach, Me­sche­de, Bri­lon und Worm­bach. Hin­zu kam der Haar-Di­strikt. Ins­ge­samt gab es 118 Pfar­rei­en. Dar­un­ter ge­hör­ten sechs kei­nem der ge­nann­ten De­ka­nats­ver­bän­de an. Dazu zähl­ten We­ding­hau­sen, die Pfar­rei Rö­mers­ha­gen, die zum De­ka­nat Sieg­burg ge­hör­te und die pa­der­bor­ner Pfar­rei­en Volk­mar­sen, Nie­der- und Ober­mars­berg. Das De­ka­nat Me­sche­de um­fass­te 26 Pfar­rei­en, zum De­ka­nat At­ten­dorn ge­hör­ten 20 Pfar­rei­en. Der Haar­di­strikt war der ka­tho­lisch ge­blie­be­ne Teil des im pro­tes­tan­ti­schen Soest ge­le­ge­nen De­ka­nats. Zum Haar­di­strikt ge­hör­ten 37 Pfar­rei­en. Das De­ka­nat Me­de­bach hat­te elf Pfar­rei­en. Im De­ka­nat Worm­bach la­gen zwölf Pfar­rei­en und zum De­ka­nat Bri­lon ge­hör­ten neun Pfar­rei­en.

Der Erz­bi­schof selbst hat­te am Ende das Pa­tro­nats­recht über 27 Pfar­rei­en. Auch die Klös­ter der Re­gi­on ver­ga­ben Pfarr­stel­len oder be­setz­ten die­se mit ei­ge­nen Mön­chen. So be­setz­te We­ding­hau­sen die Pfar­rei­en Arns­berg. Werl und Hüs­ten. Das Klos­ter Graf­schaft be­setz­te Al­ten­rüt­hen, At­ten­dorn, Be­lecke, Berg­hau­sen, Brunskap­pel, Kal­len­hardt, Ef­feln, Fre­de­burg, Graf­schaft, Lan­gen­stra­ße. Len­ne, Rar­bach, Schmal­len­berg, Vel­me­de, war­stein und Worm­bach. Die Ab­tei Bre­delar be­setz­te Bont­kir­chen und Giers­ha­gen. Das Klos­ter Glind­feld be­setz­te Win­ter­berg, Me­de­bach und Dü­ding­hau­sen. Auch die Stif­te Ge­se­ke und Me­sche­de, die Klös­ter Ben­ning­hau­sen und Drol­s­ha­gen oder die Deutsch­or­dens­kom­men­de in Mül­heim ver­gab Pfarr­stel­len. Eben­so hat­ten ei­ni­ge aus­wär­ti­ge geist­li­che Kor­po­ra­tio­nen Be­set­zungs­rech­te. Dies galt ins­be­son­de­re für das Soes­ter St. Pa­trok­li­stift mit zehn Pfarr­stel­len. Auch das Klos­ter Cor­vey und der Bi­schof von Pa­der­born hat­ten ei­ni­ge Be­set­zungs­rech­te. Die üb­ri­gen 41 Pfar­rei­en wa­ren kom­mu­na­le oder ade­li­ge Pa­tro­na­te. Hin­zu ka­men 90 Ka­plan oder Vi­ka­ri­ats­stel­len. .

Ab­ge­se­hen von dem Kol­le­gi­at­stift in Me­sche­de be­stand die Welt­geist­lich­keit aus Pfar­rern und Be­ne­fi­zi­an­ten. Die In­ha­ber ei­ni­ger Pfarr­stel­len ga­ben nicht sel­ten An­lass zur Kla­ge nach­läs­sig ih­ren Ver­pflich­tun­gen nach zu kom­men. Oft­mals wa­ren die Pfarr­stel­len fi­nan­zi­ell nur schlecht fun­diert und die flä­chen­mä­ßig gro­ße Aus­deh­nung der Pfar­rei­en er­schwer­ten die Seel­sor­ge zu­sätz­lich. Ei­ni­ge Pfar­rer sa­hen sich ge­zwun­gen etwa durch Han­del, Ge­wer­be oder Rechts­be­ra­tung ih­ren Le­bens­un­ter­halt zu si­chern. Ge­gen die­sen Ne­ben­er­werb er­lie­ßen Lan­des­herr und geist­li­ches Ge­richt hohe Straf­dro­hun­gen. Auch Jagd- und Fi­sche­rei­fre­vel durch Geist­li­che kam als Fol­ge der schlech­ten ma­te­ri­el­len Lage nicht sel­ten vor.

Für ein Land die­ser Grö­ße war die Zahl von über zwan­zig mo­nas­ti­schen Ge­mein­schaf­ten recht groß. Die Zahl der weib­li­chen und männ­li­chen Klos­ter­in­sas­sen be­trug 1784 210 Per­so­nen. Der Landd­rost von Spie­gel er­rech­ne­te als Ar­gu­men­ta­ti­ons­hil­fe für eine Sä­ku­la­ri­sa­ti­on der meis­ten Ein­rich­tun­gen Kos­ten von 52.500 Reichs­ta­ler. Ne­ben den ein­hei­mi­schen Mön­chen und Non­nen durch­zo­gen aus­wär­ti­ge Bet­tel­mön­che das Land. Das Bet­teln durch aus­wär­ti­ge Mön­che wur­de 1770 durch den Lan­des­her­ren un­ter­sagt. Die meis­ten Klös­ter ruh­ten auf aus­rei­chen­den ma­te­ri­el­len Grund­la­gen. Der Schul­bil­dung wid­me­ten sich die Klös­ter in Arns­berg und Ge­se­ke. Auch vie­le Pfarr­stel­len wa­ren mit der Ver­pflich­tung zur Ab­hal­tung von Schul­un­ter­richt ver­bun­den. Nach der Grün­dung der Schul­kom­mis­si­on muss­ten die zu­künf­ti­gen Pfar­rer ihre Eig­nung für den Un­ter­richt nach­wei­sen. Un­ter Ma­xi­mi­li­an Franz wur­den all­ge­mei­ne Prü­fun­gen für An­wär­ter von Pfarr­stel­len ein­ge­führt.

Gliederung des Landes

Un­ter­teilt war das Her­zog­tum zu­nächst in die vier Quar­ta­le Bri­lon, Rüt­hen, Bil­stein und Werl. Die Städ­te Bri­lon, Rüt­hen und Werl wa­ren zu­gleich so ge­nann­te Haupt­städ­te – eine wei­te­re war Ge­se­ke. Die­se Haupt­städ­te spiel­ten in der Städ­te­ku­rie des Land­ta­ges eine füh­ren­de Rol­le. Am Ende des 18. Jahr­hun­derts gab es 25 Städ­te. Dies wa­ren Bri­lon, Rüt­hen, Ge­se­ke, Werl, At­ten­dorn, Arns­berg, Men­den, Olpe, Mars­berg, Volk­mar­sen, Me­de­bach, War­stein, Kal­len­hardt, Be­lecke, Drol­s­ha­gen, Ne­heim, Hal­len­berg, Schmal­len­berg, Win­ter­berg, Evers­berg, Al­len­dorf, Gre­ven­stein, Hirsch­berg, Bal­ve und Fre­de­burg. Frei­hei­ten, das heißt Min­der­städ­te, wa­ren: Me­sche­de, Sun­dern, Ha­gen bei Sun­dern, Hüs­ten, Frei­en­ohl, Af­feln, Bö­de­feld, Hach­en, Lang­scheid, Bil­stein und die Berg­frei­heit Sil­bach.

Un­ter­glie­dert wa­ren die Quar­ta­le au­ßer­halb der Städ­te und Frei­hei­ten vor al­lem durch die Äm­ter. In die­sen Be­rei­chen nahm ein Be­auf­trag­ter des Lan­des­her­ren (Drost, Amt­mann oder Schul­te ge­nannt) in des­sen Ver­tre­tung ad­mi­nis­tra­ti­ve, ju­di­ka­ti­ve so­wie mi­li­tä­ri­sche Auf­ga­ben wahr. An­ders als im ei­gent­li­chen Erz­stift wur­den die Amt­män­ner nicht vom Kur­fürs­ten, son­dern vom Mar­schall für West­fa­len und spä­ter vom Landd­ros­ten ein­ge­setzt. Die Amts­be­rei­che ori­en­tier­ten sich viel­fach an den äl­te­ren Be­rei­chen der Go­ge­rich­te. Teil­wei­se wur­de die Ver­wal­tungs­ein­hei­ten wei­ter­hin als Go­ge­richt be­zeich­net.

Nicht in den Zu­stän­dig­keits­be­reich der Äm­ter fie­len teil­wei­se die Grund­herr­schaf­ten. In ei­ni­gen Be­rei­chen be­stan­den etwa 14 Pa­tri­mo­ni­al­ge­rich­te fort, de­nen größ­ten­teils Adels­mit­glie­der vor­sa­ßen. Das Ge­richt in Giers­ha­gen ge­hör­te zum Klos­ter Bre­delar und das in Süm­mern un­ter­stand dem Köl­ner Dom­ka­pi­tel.

In Hin­blick auf die kirch­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on gab es für die west­fä­li­schen Tei­le des Köl­ner Erz­bis­tums ein ei­ge­nes Of­fi­zi­alat­ge­richt. Es war geist­li­ches Ge­richt, hat­te aber über­wie­gend welt­li­che Zu­stän­dig­kei­ten. Die­se wur­de im 15. Jahr­hun­dert zu­nächst mit Sitz in Arns­berg ein­ge­rich­tet. Kur­ze Zeit spä­ter wur­de es nach Soest ver­legt. Dort blieb es bis kurz vor der Soes­ter Feh­de, um da­nach zu­nächst wie­der nach Arns­berg ver­legt zu wer­den, ehe es zwi­schen 1478 und 1483 nach Werl kam. Der Of­fi­zi­alats-Ge­richts­stuhl aus dem 18. Jahr­hun­dert exis­tiert noch heu­te in der Propstei­kir­che St. Wal­bur­ga in Werl. Der größ­te Teil des Her­zog­tums un­ter­stand ur­sprüng­lich dem Ar­chi­dia­ko­nat des Köl­ner Dom­props­tes und dem Propst von Soest. Ge­gen Ende des 18. Jahr­hun­derts war der süd­li­che Teil in fünf De­ka­na­te ein­ge­teilt (At­ten­dorn, Bri­lon, Me­de­bach, Me­sche­de und Worm­bach). Sie bil­de­ten zu­sam­men das Kom­mis­sa­ri­at Sauer­land. Nörd­lich dar­an schloss sich das Kom­mis­sa­ri­at Haar-Di­strikt an, das im We­sent­li­chen das Ar­chi­dia­ko­nat Soest um­fass­te. Au­ßer­halb der De­ka­nats­struk­tur stand die vom Klos­ter We­ding­hau­sen be­treu­te Pfar­rei Arns­berg. Der Abt ver­füg­te für sei­nen Be­reich über ei­ge­ne Rech­te als Ar­chi­dia­kon. Eben­so au­ßer­halb die­ser De­ka­na­te stand die Pfar­rei Rö­mers­ha­gen, die zum De­ka­nat Sieg­burg ge­hör­te, so­wie die Pfar­rei­en Volk­mar­sen und Mars­berg, die dem Bis­tum Pa­der­born un­ter­stan­den.

Landwirtschaft

Die land­wirt­schaft­li­che Be­völ­ke­rung mach­te etwa 90 % der Ge­samt­ein­woh­ner aus. Die mit­tel­al­ter­li­che Vil­li­ka­ti­ons­ver­fas­sung be­gann sich im 13. Jahr­hun­dert in der Re­gi­on all­mäh­lich auf­zu­lö­sen. Die Fron­diens­te der Bau­ern wur­den durch Zins­zah­lun­gen ab­ge­löst. In Hin­blick auf die per­sön­li­che Rechts­stel­lung konn­ten sich im Ver­gleich mit dem west­fä­li­schen Flach­land zahl­rei­che per­sön­lich freie Bau­ern hal­ten. Für die Zeit am Ende des al­ten Rei­ches gibt es Schät­zun­gen, die von ei­nem An­teil von 83 % aus­ge­hen. Al­ler­dings wa­ren die meis­ten von ih­nen von Grund­her­ren ab­hän­gig. Da­ne­ben gab es ei­nen An­teil un­frei­er Ei­gen­be­hö­ri­ger. Am Ende des al­ten Rei­ches zähl­te man noch 490 Leib­ei­gen­tums­gü­ter, ins­be­son­de­re in der Hell­weg­re­gi­on.

In Hin­blick auf das Recht von Bau­ern und Grund­her­ren am Bo­den gab es ver­schie­de­ne For­men. Es gab freie Gü­ter als Erb­zins- oder Erb­gü­ter, ei­gen­be­hö­ri­ge Ko­lo­na­te mit be­sitz- und per­so­nen­recht­li­chen Ab­hän­gig­kei­ten vom Grund­her­ren, Ko­lo­na­te als Pacht­gü­ter als nur be­sitz­recht­lich ab­hän­gi­ge Höfe so­wie die er­wähn­ten Leib­ei­gen­tums­gü­ter. Freie Gü­ter, Erb- und Pacht­hö­fe wa­ren ver­gleichs­wei­se zahl­reich. Güns­tig war die Si­tua­ti­on der so ge­nann­ten frei­en Vogts­gü­ter als Res­te al­ter Vil­li­fi­ka­tio­nen. Die größ­te Grup­pe bil­de­ten die Ko­lo­na­te als Pacht­be­sitz. Auch die­se wa­ren meist per­sön­lich frei, zahl­ten eine ge­wis­se Pacht­sum­me und ver­füg­ten über das ding­li­che und ver­erb­ba­re Nut­zungs­recht an den Hö­fen.

Die Gü­ter wa­ren im Prin­zip un­teil­bar. Al­ler­dings be­gan­nen die Lan­des­her­ren ab dem 15. Jahr­hun­dert, die­sen Grund­satz auf­zu­wei­chen. Trotz des An­er­ben­rechts tra­ten ne­ben die Voll­bau­ern mit der Zeit durch Tei­lung klei­ner Be­sit­zun­gen so­ge­nann­te Halb­spän­ner oder gar Vier­tel­spän­ner. Be­reits im Spät­mit­tel­al­ter ent­stan­den die Erb­köt­ter als klein­bäu­er­li­che Grup­pe. Die­se ver­füg­ten über ei­nen zum Le­ben aus­rei­chen­den Grund­be­sitz, wa­ren voll­be­rech­tig­te Mit­glie­der der Bau­ern­schaft und be­sa­ßen Nut­zungs­rech­te in den Mar­ken. Da­ne­ben gab es die mit kei­nem oder ge­rin­gen Ge­mein­heits­rech­ten aus­ge­stat­te­ten Brink­sit­zer so­wie weit­ge­hend be­sitz­lo­se Bei­lie­ger. Für den spä­te­ren Kreis Me­sche­de wird ge­schätzt, dass 18 % al­ler land­wirt­schaft­lich Tä­ti­gen Voll­bau­ern, 19,7 % Halb­bau­ern, 9,5 % Vier­tel­bau­ern, 19,7 % Köt­ter und 33,1 % Brink­sit­zer wa­ren.

Gewerbliche Wirtschaft und Bergbau

Winterberg um 1800. Die Abbildung zeigt, nach der Abholzung der Wälder insbesondere für die Köhlerei, eine heideartige Landschaft

Win­ter­berg um 1800. Die Ab­bil­dung zeigt, nach der Ab­hol­zung der Wäl­der ins­be­son­de­re für die Köh­lerei, eine hei­de­ar­ti­ge Land­schaft

Der Ver­lust der Stadt Soest mit sei­nem Um­land war nicht nur po­li­tisch ein schwe­rer Schlag für den Kur­staat. Die­ses frucht­ba­re Ge­biet war auch für die Ver­sor­gung des ge­bir­gi­gen Teils des Her­zog­tums von ent­schei­den­der Be­deu­tung. Au­ßer­dem ver­lor das kur­köl­ni­sche Sauer­land da­mit sei­nen wich­tigs­ten Markt für ge­werb­li­che und sons­ti­ge Pro­duk­te. Mit dem Aus­schei­den von Soest ris­sen wirt­schaft­li­che Ver­bin­dun­gen zum Aus­land und zur Han­se ab. Sieht man von der Mon­tan­wirt­schaft ab, die in ei­ni­gen Tei­len der Re­gi­on wäh­rend der frü­hen Neu­zeit von Be­deu­tung war, kon­zen­trier­ten sich die Sauer­län­der Städ­te nach 1450 vor al­lem auf den Bin­nen­markt und die Nah­ver­sor­gung. Ei­ni­ge His­to­ri­ker ar­gu­men­tie­ren schlüs­sig, dass die­se Nie­der­la­ge die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung im Rest des Her­zog­tums er­heb­lich ge­schwächt habe. Die­se wäre dann ei­ner der Grün­de für die re­la­ti­ve wirt­schaft­li­che Rück­stän­dig­keit ge­gen­über dem Sie­ger­land und der Graf­schaft Mark. Al­ler­dings be­müh­ten sich die Kur­fürs­ten ins­be­son­de­re im 16. und 17. Jahr­hun­dert um die För­de­rung des Mon­tan­we­sens etwa durch den Er­lass von Berg­ord­nun­gen. Ins­be­son­de­re die letz­te Ord­nung von 1669 war ein­deu­tig von mer­kan­ti­lis­ti­schen Geist ge­prägt.

Man­che aus­wär­ti­ge Rei­sen­de be­haup­te­ten um 1800, dass die ur­tüm­li­che Ver­fas­sung das Wirt­schafts­le­ben be­hin­de­re. Tat­säch­lich war die wirt­schaft­li­che Lage im Her­zog­tum West­fa­len im Ver­gleich mit dem pro­to­in­dus­tri­el­len Auf­schwung in der Graf­schaft Mark zu­rück­ge­blie­ben. Wei­te Tei­le der land­wirt­schaft­lich we­nig er­gie­bi­gen Re­gi­on wa­ren ge­werb­lich nur ge­ring ent­wi­ckelt. Dar­an än­der­te auch die Grün­dung der In­dus­trie­schu­len nur we­nig. Die gro­ße Zahl von Wan­der­händ­lern vor al­lem in den hö­her ge­le­ge­nen Re­gio­nen zeigt ne­ben feh­len­den lo­ka­len Er­werbs­mög­lich­kei­ten eine aus­ge­präg­te Mo­bi­li­tät der Be­woh­ner. Da­ne­ben gab es ganz be­acht­li­che über­wie­gend ei­sen­in­dus­tri­el­le Ver­dich­tungs­ge­bie­te. Die Fer­tig­wa­ren­her­stel­lung war – ab­ge­se­hen von heim­ge­werb­li­chen Na­gel­schmie­den in ei­ni­gen Or­ten – we­nig aus­ge­prägt. Be­deu­ten­der war die Erz­för­de­rung im ge­sam­ten Lan­des­ge­biet (vor al­lem Ei­sen, aber auch Gold, Sil­ber, Blei, Zink, An­ti­mon und Kup­fer), was lan­ge Zeit über­se­hen wur­de. Die Her­stel­lung von Schmie­de­ei­sen in Ham­mer­wer­ken und Halb­fer­tig­wa­ren war vor al­lem im süd­li­chen Her­zog­tum ver­brei­tet. Von Be­deu­tung wa­ren zum Bei­spiel an der Gren­ze zur Graf­schaft Mark die Ei­sen- und Me­tall­för­de­rung und -ver­ar­bei­tung bei Bal­ve („Lui­sen­hüt­te“). Hin­zu ka­men Ge­bie­te um Sun­dern, War­stein (die spä­te­re St. Wil­helms­hüt­te), Bri­lon, Mars­berg und Schmal­len­berg. Ein ge­werb­li­ches Zen­trum des Her­zog­tums lag in der Ge­gend von Olpe. Dort kon­zen­trier­te sich vor al­lem die Her­stel­lung von Ble­chen. Ge­mein­sam war den meis­ten die­ser Pro­duk­ti­ons­stät­ten, dass sie für den Be­darf der na­he­ge­le­ge­nen ber­gi­schen und mär­ki­schen Fer­tig­wa­ren­in­dus­trie ar­bei­te­ten.

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Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Her­zog­tum West­fa­len aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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