Herrschaft Ahaus

Schloss AhausDie Herr­schaft Ahaus war ein Ter­ri­to­ri­um im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich und er­streck­te sich über Tei­le des west­li­chen Müns­ter­lan­des und des Ems­lan­des.

Geschichte

Bern­hard I. von Diepen­heim stamm­te aus der Herr­schaft Diepen­heim im da­ma­li­gen Un­ter­stift Ut­recht und Teil der Graf­schaft Gel­dern. Die Ur­sprün­ge des Ge­schlech­tes sind un­be­kannt. Bern­hard er­hielt von Lo­thar von Sup­pling­burg, Her­zog von Sach­sen und spä­te­rer Kai­ser, den Auf­trag, im Ge­biet Ahaus eine Burg zu er­rich­ten. Die­ses ge­schah in den Jah­ren 1115 bis 1125 mit dem Bau des „Haus an der Aa“ etwa dort, wo heu­te das Was­ser­schloss Ahaus steht. Lif­hard, ein Sohn Bern­hards I., gab sich Mit­te des 12. Jahr­hun­derts den Na­men „von Ahaus“. Die vor der Burg ge­le­ge­ne Burg­sied­lung wuchs all­mäh­lich zu ei­nem Ge­mein­we­sen mit recht­li­cher Qua­li­tät (1353 ei­ge­ner Rich­ter). Be­vor Ahaus 1391 Stadt­rech­te er­hielt und 1389 der Burg­sied­lung ein Ak­zi­se­pri­vi­leg er­teilt wur­de, er­leb­te sie ei­ni­ge Schick­sals­schlä­ge. Der Bi­schof von Müns­ter zer­stör­te im Jah­re 1177 zu­sam­men mit sei­nen Ver­bün­de­ten, dem Gra­fen von Teck­len­burg und Bern­hard II. zur Lip­pe die Burg völ­lig, nach­dem die Ahau­ser auf der Sei­te Hein­rich des Lö­wen stan­den. Jo­hann I., Lif­hards Sohn, be­gann di­rekt mit dem Wie­der­auf­bau.

1316 ver­kauf­ten Otto und Jo­hann III. von Ahaus die Herr­schaft Lohn, die sie von ih­rem On­kel Her­mann II. von Lohn ge­erbt hat­ten und zu der auch zur Hälf­te die Burg Bre­de­vo­ort ge­hör­te, an Lud­wig Land­graf von Hes­sen, den Fürst­bi­schof des Hoch­stifts Müns­ter (die an­de­re Hälf­te der Burg stand be­reits seit 1284 im Ei­gen­tum des Bi­schofs, als Bal­du­in I. von Stein­furt sei­ne Hälf­te an der Burg an das Fürst­bis­tum ver­äu­ßert hat­te). Bi­schof Lud­wig konn­te den Kauf­preis nicht auf­brin­gen und war da­her ge­zwun­gen, Otto die Äm­ter Lan­deg­ge und Fre­sen­burg zu ver­pfän­den, die die­ser spä­ter ge­gen die Äm­ter Horst­mar, Ems­bü­ren und Rhei­ne ein­tausch­te. Da­ne­ben er­hielt Otto als Le­hen das Go­ge­richt über Wes­sum und Wül­len. Sein Bru­der Jo­hann er­hielt für den Ver­zicht auf sei­nen An­teil an der Herr­schaft Lohn un­ter an­de­rem die Holz­ge­richts­bar­keit und das Jagd­recht im Lies­ner, ei­nem aus­ge­dehn­ten Wald­ge­biet bei (Stadt-)Lohn.

Beim Ver­kauf der Herr­schaft Lohn miss­ach­te­ten die Ahau­ser Brü­der mit Bil­li­gung durch den Bi­schof die Rech­te der Graf­schaft Gel­dern an der Burg Bre­de­vo­ort, denn die Loh­ner Her­ren hat­ten 1246 und 1255 ih­ren An­teil an der Burg dem gel­dri­schen Gra­fen Otto II. zum Le­hen auf­ge­tra­gen. Da­durch kam es zur Bre­de­vo­or­ter Feh­de mit weit­rei­chen­den Fol­gen für gro­ße Tei­le des West­müns­ter­lan­des.

Die Grün­dung der Pfarr­kir­che St. Ma­riä Him­mel­fahrt um das Jahr 1329 geht auf die Her­ren von Ahaus zu­rück. Bei ei­nem Brand etwa Ende des Jah­res 1400 – der ge­naue Zeit­punkt ist nicht be­legt – wur­de die Stadt stark zer­stört. Am 13. No­vem­ber 1400 ging die Herr­schaft Ahaus durch Ver­pfän­dung an das Hoch­stift Müns­ter. Vor­aus­ge­gan­gen war eine Feh­de zwi­schen Swe­der III. van Voorst-Kep­pel (Schwie­ger­sohn des Lu­dolph von Ahaus) und dem müns­te­r­i­schen Bi­schof. Swe­der stand, der Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on fol­gend, dem Gra­fen Adolf III. von der Mark, vor­mals Bi­schof von Müns­ter, sehr nahe. So wur­de er kle­vi­scher Amt­mann in Vre­den. Hier war Jut­ta, eine Tan­te sei­ner Frau, Äb­tis­sin. Die Bin­dung zu Kle­ve und die ein­her­ge­hen­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem Hoch­stift Müns­ter führ­ten zu ei­nem Kon­flikt mit Otto IV., der mit der Ge­fan­gen­nah­me Swe­ders en­de­te. Er kauf­te sich ge­gen Ver­pfän­dung der Herr­schaft Ahaus frei. Nach sei­nem Tod ver­kauf­ten sei­ne Wit­we Jo­han­na von Ahaus und ihr Mann Gott­fried von Rohr die Gü­ter end­gül­tig. Die Ur­sa­che für das Schei­tern der Her­ren von Ahaus, die zum edel­frei­en Hoch­adel zähl­ten, liegt dar­in, dass sie im Ver­gleich mit an­de­ren stan­des­glei­chen Ge­schlech­tern nur eine ge­rin­ge wirt­schaft­li­che Grund­la­ge be­sa­ßen. In­ner­halb des Hoch­adels ge­hör­ten sie – das zei­gen auch die nach­fol­gend bei­spiel­haft zi­tier­tern Ehe­schlie­ßun­gen – zu den we­ni­ger mäch­ti­gen Ge­schlech­tern.

Besitzungen

Ne­ben der Burg Ahaus be­sa­ßen die Her­ren von Ahaus noch die Burg Ot­ten­stein – er­rich­tet durch Otto von Ahaus und Mit­tel­punkt der Herr­schaft. Die Burg Blan­ken­borg (Twen­te) war eben­so in ih­rem Be­sitz.

Für nur kur­ze Zeit ge­hör­te die Frei­graf­schaft Laer zur Herr­schaft Ahaus. Vie­le in der Nähe von Ahaus ge­le­ge­nen Höfe ge­hör­ten der Herr­schaft Ahaus. Da­ne­ben zähl­te das Go­ge­richt in Wül­len und Wes­sum zu Ot­tos Lehns­be­sitz.

Verwandtschaftliche Beziehungen

  • Haus Horst­mar: Adel­heid von Ahaus, Toch­ter des Gott­fried von Ahaus und Ku­ni­gun­de von Ol­den­burg, war ver­hei­ra­tet mit Otto von Horst­mar. De­ren Toch­ter Bea­trix ehe­lich­te Graf Fried­rich von Riet­berg. Ihr Sohn Otto war Bi­schof von Müns­ter.
  • Haus Lohn: So­phia von Lohn, Schwes­ter Her­manns II. von Lohn, war ver­hei­ra­tet mit Bern­hard II. von Ahaus. Eine wei­te­re Schwes­ter hei­ra­te­te Swe­der I. van Voorst, des­sen Ur­ur­en­kel Swe­der III. van Voorst-Kep­pel mit Jo­han­na von Ahaus, Toch­ter des Lu­dolph, ver­hei­ra­tet war.
  • Haus Stein­furt: Her­mann II. von Ahaus hei­ra­te­te Agnes von Stein­furt. Zu die­sem Haus be­stan­den im­mer gute Be­zie­hun­gen.
  • Haus Mo­ers: Jo­han­na, Toch­ter des Lu­dolph, hei­ra­te­te Swe­der III. van Voorst-Kep­pel, Toch­ter der Ku­ni­gun­de von Mo­ers
  • Haus Solms: So­phia von Ahaus, Toch­ter des Otto von Ahaus, hei­ra­te­te 1324 Hein­rich von Solms
  • Zum Haus Ge­men be­stan­den kei­ne ver­wandt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen. Die von ei­ni­gen Au­toren ge­trof­fe­ne Fest­stel­lung, Bern­hard III. von Ahaus sei in zwei­ter Ehe mit Adel­heid von Ge­men ver­hei­ra­tet ge­we­sen, ist un­zu­tref­fend. Auch die Eu­ro­päi­schen Stamm­ta­feln ge­hen fälsch­li­cher­wei­se von die­ser Hei­rat aus. Tat­säch­lich war Bern­hard III. in zwei­ter Ehe mit Lud­gard van Kep­pel ver­hei­ra­tet.

Stammfolge

  1. Bern­hard I. von Diepen­heim (1105–1139)
    1. Lif­hard von Diepen­heim-Ahaus (1134–1154), Vor­mund des Gra­fen Hein­rich I. von Teck­len­burg
      1. Jo­hann I. von Ahaus (1177–1221)
        1. Gott­fried von Ahaus (1220–1246), 1. ∞ Ku­ni­gun­de von Ol­den­burg, 2. ∞ Gis­bert III. van Bronck­horst
          1. Jo­hann II., ge­fal­len am 9. April 1241 in der Schlacht bei lie­gnitz
          2. Adel­heid von Ahaus (1234–1279), ∞ Otto von Horst­mar
            1. Bea­trix, ∞ Fried­rich I. (Riet­berg), El­tern des Müns­ter­schen Bi­schofs Otto Bi­schof von Müns­ter
            2. Bern­hard II. von Ahaus (1255–1308), ∞ So­phia von Lohn, Schwes­ter des Her­mann II. von Lohn
              1. Jo­hann III. von Ahaus (1274–1323), ∞ Jut­ta von Och­ten
                1. Jut­ta II. (1311–1340), ∞ Her­mann von Mer­veldt
                2. Bern­hard III. (1311–1330), 1. ∞ Agnes, 2. ∞ Lud­gard van Kep­pel
                  1. Wik­bold
                  2. Jo­hann IV.
                  3. Her­mann II., ∞ Agnes von Stein­furt
                    1. Lu­dolph, ∞ Jo­han­na, Amt­mann des Bi­schofs von Ut­recht, letz­ter Dy­nast
                      1. Hein­rich von Ahaus
                      2. Jo­han­na, 1. ∞ Swe­der III. von Voorst-Kep­pel, 2. ∞ Gott­fried von Rohr-Dro­ve Nach­kom­men
                      3. Mar­ga­re­tha von Ahaus
                      4. Agnes von Ahaus Agnes II., ∞ Jo­hann van Lan­gerak, als Wit­we Äb­tis­sin
                    2. Bern­hard IV.
                    3. Agnes
                    4. Hein­rich I., ∞ Bela
                      1. Hein­rich II.(1388–1403)
                      2. Her­mann III. (1388–1448), Vi­ze­ku­rat in Ame­ron­gen, Pro­vinz Ut­recht
                      3. Eli­sa­beth,
                    5. Oda, ∞ Mat­thä­us II. von Scho­ne­vel­de Nach­kom­men
                    6. Jut­ta von Ahaus Jut­ta III., Äb­tis­sin in Vre­den
                3. Her­mann I., Dom­herr in Os­na­brück
                4. So­phia
                5. Ma­ri­na
              2. Otto (1274–1323), ∞ Mar­ga­re­tha, Dros­te in Teck­len­burg
                1. Mar­ga­re­tha (1314–1333), ∞ Jo­hann II. von Lim­burg-Styrum
                2. So­phia (1312–1353), ∞ Hein­rich von Solms
                  1. Otto (1330–1365)
                  2. Mar­ga­re­tha (1330–1338)
                  3. Si­mon (1340–1384), Dom­herr
                  4. Jo­hann (1332–1401), ∞ Irm­gard von Stein­furt
                    1. Hein­rich III. (1374–1425), ∞ Agnes von Ever­stein
                      1. Irm­gard (1408–1451)
                      2. Agnes (1408–1439), ∞ Otto van Bronck­horst-Bor­cu­lo Nach­kom­men
              3. Hein­rich II. (1343–1411)
                1. Eli­sa­beth, ∞ Wer­ner So­cker
                2. Lisa von Solms (1343–1409)
                3. So­phia (1343–1365)
                4. Gos­tia, ∞ Bern­hard I. von Solms (Bru­der von Hein­rich, Ehe­mann ih­rer Schwes­ter So­phia)
              4. Ku­ni­gun­de, Non­ne von St. Ae­gi­di
              5. Jut­ta I.
              6. N.N.

Sonstiges

Her­mann II. von Ahaus kämpf­te an der Sei­te von Hein­rich der From­me ge­gen die Mon­go­len und kam bei die­sen Kämp­fen am 9. April 1241 bei Lie­gnitz ums Le­ben. An ihn er­in­nert eine Ge­denk­ta­fel, die der Kreis­ver­trie­be­nen­ver­band Ahaus am 5. Au­gust 1951 an­läss­lich des „Ta­ges der Hei­mat­ver­trie­be­nen“ auf­ge­stellt hat. In Ahaus er­in­nern ei­ni­ge Stra­ßen­na­men an die Her­ren von Ahaus. Im Stadt­zen­trum sind das die Diepen­heim­stra­ße und die Lie­gnitz­stra­ße, im Bau­ge­biet Ves­tert die Jut­ta­stra­ße, Ot­to­stra­ße, Lu­dolphstra­ße, Hein­rich­stra­ße, Mar­ga­retha­stra­ße usw.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Herr­schaft Ahaus aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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