Dez 222016
 
Freiherr vom Stein (Gemälde von Johann Christoph Rincklake)

Frei­herr vom Stein
(Ge­mäl­de von Jo­hann Chris­toph Rinck­la­ke), 1804

Hein­rich Fried­rich Karl Reichs­frei­herr vom und zum Stein (* 25. Ok­to­ber 1757 in Nas­sau; † 29. Juni 1831 in Cap­pen­berg bei Lü­nen, West­fa­len) war ein preu­ßi­scher Be­am­ter, Staats­mann und Re­for­mer.

Ers­te prak­ti­sche Er­fah­run­gen mach­te er in der Ver­wal­tung des frü­hen Ruhr­berg­baus und der preu­ßi­schen West-Pro­vin­zen. An­schlie­ßend war er Mi­nis­ter für Wirt­schaft und Fi­nan­zen in Ber­lin. Er war zu­sam­men mit Karl Au­gust von Har­den­berg nach dem Frie­den von Til­sit der Haupt­be­trei­ber der preu­ßi­schen Re­for­men seit 1807. We­gen sei­ner an­ti­na­po­leo­ni­schen Hal­tung muss­te er be­reits 1808 ins Exil ge­hen; 1812 nahm ihn der rus­si­sche Zar Alex­an­der I. als Be­ra­ter in sei­ne Diens­te.

Wäh­rend der Be­frei­ungs­krie­ge ver­wal­te­te Stein als Lei­ter der Zen­tral­ver­wal­tungs­be­hör­de die von Na­po­le­on zu­rück­er­ober­ten Ge­bie­te in Deutsch­land und Frank­reich. Sei­ne Neu­ord­nungs­vor­stel­lun­gen für die deut­schen Staa­ten auf dem Wie­ner Kon­gress blie­ben je­doch wei­test­ge­hend wir­kungs­los. Eine be­deu­ten­de po­li­ti­sche Rol­le spiel­te er da­nach nicht mehr, blieb aber wei­ter­hin auf­merk­sa­mer Be­ob­ach­ter des po­li­ti­schen Ge­sche­hens und ver­such­te Ent­schei­dun­gen durch per­sön­li­che Kon­tak­te und Denk­schrif­ten zu be­ein­flus­sen. In sei­nen letz­ten Jah­ren ver­trat er nicht zu­letzt in sei­ner Ei­gen­schaft als west­fä­li­scher Land­tags­mar­schall vor al­lem ade­li­ge Son­der­in­ter­es­sen.

Gedenkmünze der DDR zum 150. Todestag 1981

Ge­denk­mün­ze der DDR zum 150. To­des­tag 1981

Als wich­ti­ger Mit­be­grün­der der Mo­nu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca spiel­te Stein eine nach­hal­ti­ge Rol­le für die Ent­wick­lung der Me­di­ävis­tik in Deutsch­land.

Leben

Familie und Kindheit

Stein war der Sohn von Karl Phil­ipp Reichs­frei­herr vom und zum Stein und sei­ner Frau Hen­ri­et­te Ka­ro­li­ne Lang­werth von Sim­mern, ver­wit­we­te Löw von und zu Stein­furth. Stein war das zweit­jüngs­te Kind von neun Ge­schwis­tern, von de­nen aber nur sechs das Er­wach­se­nen­al­ter er­reich­ten. Der Bru­der Jo­hann Fried­rich von (sic!) und zum Stein wur­de preu­ßi­scher Oberst, Fried­rich Lud­wig kai­ser­li­cher Oberst­leut­nant. Sei­ne Schwes­ter Ma­ri­an­ne vom Stein war Äb­tis­sin im Stift Wal­len­stein in Hom­berg (Efze). Eine wei­te­re Schwes­ter war die Grä­fin Jo­han­na Lui­se von Wert­hern. Hein­rich Fried­rich Karl wuchs im Stein’schen Schloss in der Orts­mit­te von Nas­sau auf.

Die Stadt Nassau mit dem Fürstenschloss und der Stammburg der Familie vom Stein (Merian 1655). Nach dem Verfall der Burg zog die Familie in einen mit der Zeit ausgebauten Zehnthof in den Ort Nassau

Die Stadt Nas­sau mit dem Fürs­ten­schloss und der Stamm­burg der Fa­mi­lie vom Stein (Me­ri­an 1655). Nach dem Ver­fall der Burg zog die Fa­mi­lie in ei­nen mit der Zeit aus­ge­bau­ten Zehn­t­hof in den Ort Nas­sau

Die Herr­schaft Stein war seit dem 17. Jahr­hun­dert reichs­un­mit­tel­bar. Steins Fa­mi­lie be­saß ent­lang des Rheins und der Lahn meh­re­re klei­ne Gü­ter. Ins­ge­samt mach­te der Be­sitz etwa 2400 nas­saui­sche Mor­gen aus. Als Reichs­rit­ter war sie durch Reichs­ge­set­ze ge­schützt und konn­te sich bei Strei­tig­kei­ten di­rekt an Reichs­ge­rich­te wen­den. Sie hat­te die hohe Ge­richts­bar­keit und eine herr­schaft­li­che Stel­lung in ei­ni­gen Dör­fern wie Frücht oder Schweig­hau­sen inne. Das Ein­kom­men aus die­sen Be­sit­zun­gen reich­te je­doch nicht für ein stan­des­ge­mä­ßes Le­ben aus. Da­her tra­ten auch die Ober­häup­ter des Hau­ses seit Jahr­hun­der­ten in die Diens­te grö­ße­rer Fürs­ten und Lan­des­her­ren. Karl Phil­ipp war trotz sei­ner evan­ge­li­schen Kon­fes­si­on kur­main­zi­scher Kam­mer­herr und Ge­hei­mer Rat.

Durch die häu­fi­ge dienst­li­che Ab­we­sen­heit des Va­ters lag die frü­he Er­zie­hung Steins über­wie­gend in den Hän­den der Mut­ter. Die­se war ge­bil­det und stand im Kon­takt mit dem Ge­lehr­ten Jo­hann Cas­par La­va­ter. Im Zen­trum stand für sie die sitt­lich-re­li­giö­se Er­zie­hung. Karl vom Stein war der Lieb­lings­sohn der Mut­ter. Um den Fa­mi­li­en­be­sitz zu­sam­men­zu­hal­ten, hat­te Karl Phil­ipp ei­nen Fi­dei­kom­miss ge­grün­det. Ei­ni­ge Zeit spä­ter wur­de ge­gen den Pro­test der äl­te­ren Brü­der Karl vom Stein der al­lei­ni­ge Erbe. Seit dem Tod der Mut­ter 1783 war er für die Ver­wal­tung der Reichs­rit­ter­schaft ver­ant­wort­lich, da sich der Va­ter aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den eben­falls zu­rück­ge­zo­gen hat­te. We­gen sei­ner preu­ßi­schen Be­am­ten­lauf­bahn über­trug Stein die tat­säch­li­che Lei­tung der Gü­ter­ver­wal­tung sei­ner Schwes­ter, der un­ver­hei­ra­te­ten Stifts­da­me Ma­ri­an­ne.

Nach der fran­zö­si­schen Er­obe­rung ver­kauf­te Stein sei­ne links­rhei­ni­schen Gü­ter und er­warb da­für 1802 die Herr­schaft Birn­baum in der spä­te­ren preu­ßi­schen Pro­vinz Po­sen..

Ausbildung und erste berufliche Tätigkeiten

Minister Friedrich Anton von Heynitz war ein Förderer Steins (Gemälde von Anton Graff, 1772)

Mi­nis­ter Fried­rich An­ton von Heynitz war ein För­de­rer Steins (Ge­mäl­de von An­ton Graff, 1772)

Im Al­ter von 16 Jah­ren nahm Stein 1773 ein Stu­di­um der Jura, Ge­schich­te und Ka­me­ral­wis­sen­schaf­ten (Vor­läu­fer der Wirt­schafts­wis­sen­schaft) an der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen auf. Er­heb­li­chen geis­ti­gen Ein­fluss auf ihn übte Au­gust Lud­wig Schlö­zer aus, der ver­such­te, zwi­schen mo­der­nem Ver­fas­sungs­den­ken und kon­ser­va­ti­ven Vor­stel­lun­gen von alt­deut­scher Li­ber­tät zu ver­mit­teln. Da­ne­ben stu­dier­te Stein auch bei Jo­hann Ste­phan Püt­ter, ei­nem der bes­ten Ken­ner der Ver­fas­sung und Struk­tur des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches. Wie da­mals für Stu­den­ten ade­li­gen Stan­des üb­lich, ver­ließ er die Uni­ver­si­tät 1777 ohne Ab­schluss.

Da sein Stu­di­um vor al­lem auf den Reichs­dienst aus­ge­rich­tet war, ab­sol­vier­te Stein an­schlie­ßend für ei­ni­ge Mo­na­te ein Prak­ti­kum beim Reichs­kam­mer­ge­richt in Wetz­lar. Dort trat er auch der Frei­mau­rer­lo­ge Jo­seph zum Reichs­ad­ler bei. Auf ver­schie­de­nen Ka­va­liers­rei­sen 1778/80 lern­te er Re­gens­burg als Sitz des Reichs­ta­ges, die Höfe und Re­gie­run­gen ver­schie­de­ner Ter­ri­to­ri­en des Rei­ches wie Mainz, Mann­heim, Darm­stadt, Mün­chen so­wie in Wien die Re­si­denz des Kai­sers ken­nen. Au­ßer­dem reis­te Stein in die Stei­er­mark und nach Un­garn. Da­bei in­ter­es­sier­te er sich auch für das Berg­werks­we­sen.

Vom schwedischen Buch "Illustrerad verldshistoria, femte delen", Stockholm 1878, Seite 649.

Auf Be­mü­hen sei­ner Mut­ter trat Stein 1780 in den preu­ßi­schen Staats­dienst ein. Er selbst be­grün­de­te die­sen Schritt mit sei­ner Be­wun­de­rung für Fried­rich II. und der Li­be­ra­li­tät des preu­ßi­schen Staa­tes, der kei­ne Vor­be­hal­te ge­gen Au­ßen­sei­ter kann­te und ih­nen gute Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten bot. Als Re­fe­ren­dar wur­de er in Ber­lin beim Berg­werks- und Hüt­ten­de­part­ment des Ge­ne­ral­di­rek­to­ri­ums an­ge­stellt, wo ihn Mi­nis­ter Fried­rich An­ton von Heynitz för­der­te. Stein ab­sol­vier­te eine ent­spre­chen­de Fach­aus­bil­dung, teil­wei­se an der säch­si­schen Berg­aka­de­mie in Frei­berg. Aus­ge­dehn­te Dienst­rei­sen mit dem Mi­nis­ter ver­voll­stän­dig­ten sei­ne Kennt­nis­se.

Eine ei­gen­ver­ant­wort­li­che Stel­lung nahm er 1784 im Be­reich des Berg­baus des west­fä­li­schen Teils der preu­ßi­schen Staa­ten ein. Als Di­rek­tor der Ber­gäm­ter Wet­ter an der Ruhr und Ib­ben­bü­ren war Stein für den We­ge­bau, den Ruhr­ka­nal und die Or­ga­ni­sa­ti­on des un­ter staat­li­cher Auf­sicht be­trie­be­nen Berg­baus zu­stän­dig. Da­bei in­ten­si­vier­te er die staat­li­che Auf­sicht über die Gru­ben. Er ver­bes­ser­te da­bei auch die Ver­bin­dung der Stein­koh­le­gru­ben im spä­te­ren Ruhr­ge­biet mit den Ge­wer­be­re­gio­nen im Sauer­land, Sie­ger­land und Ber­gi­schen Land.

Ver­schie­de­ne Male wur­den ihm di­plo­ma­ti­sche Pos­ten an­ge­bo­ten, die er bis auf eine Ge­sandt­schafts­rei­se 1785 nach Mainz, mit dem Ziel, den Kur­fürs­ten zum An­schluss an den Fürs­ten­bund zu be­we­gen, aus­schlug.

Im Jahr 1786 reis­te er nach Eng­land, um den dor­ti­gen Berg­bau, Ka­nal­bau und ins­ge­samt die An­fän­ge der in­dus­tri­el­len Re­vo­lu­ti­on zu stu­die­ren. Die so ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se konn­te er nach sei­ner Rück­kehr teil­wei­se im Ruhr­berg­bau­um­set­zen. Auch ge­lang es ihm, ei­nen Lie­fer­ver­trag für eine Dampf­ma­schi­ne von Boul­ton & Watt ab­zu­schlie­ßen.

Verwaltung der westlichen Provinzen

Die Schriften von Edmund Burke übten zeitweise erheblichen Einfluss auf Stein aus.

Die Schrif­ten von Ed­mund Bur­ke üb­ten zeit­wei­se er­heb­li­chen Ein­fluss auf Stein aus.

Im Jahr 1787 wur­de Stein Lei­ter der mär­ki­schen Kriegs- und Do­mä­nen­kam­mern in Hamm. In die­ser Funk­ti­on war er für die Schiff­bar­ma­chung der Ruhr ver­ant­wort­lich, ließ als ei­ner der ers­ten in Deutsch­land ei­ni­ge Mei­len be­fes­tig­ter Chaus­se­en an­le­gen und ver­zich­te­te da­bei auf die sonst üb­li­che Fron­ar­beit. Au­ßer­dem sorg­te er für eine Be­schrän­kung der Steu­ern und eine Li­be­ra­li­sie­rung der Ver­kehrs- und Ge­wer­be­be­stim­mun­gen. Im Jahr 1792 er­hielt Stein als Land­tags­kom­mis­sar die Staats­auf­sicht für die Land­stän­de der Graf­schaft Mark.

Seit 1793 war er zu­sätz­lich Prä­si­dent der Kam­mer des Her­zog­tums Kle­ve mit Sitz in Kle­ve. Sei­nen Wohn­sitz nahm er im Kle­ver Her­zogs­schloss.

Im sel­ben Jahr hei­ra­te­te er die vier­zehn Jah­re jün­ge­re Grä­fin Wil­hel­mi­ne von Wall­mo­den. Sie war Toch­ter Jo­hann Lud­wig von Wall­mo­den-Gim­borns, ei­nes han­no­ver­schen Ge­ne­rals, der ei­ner Lie­bes­af­fä­re des eng­li­schen Kö­nigs Ge­org II. ent­stamm­te. Mit ihr hat­te Stein drei Töch­ter, von de­nen Hen­ri­et­te (* 1796) und The­re­se (* 1803) das Kin­des­al­ter über­leb­ten.

Als lei­ten­der Be­am­ter war Stein in der Graf­schaft Mark für eine um­fas­sen­de Steu­er­re­form zu­stän­dig, die für die Ein­woh­ner eine Ver­rin­ge­rung der Ab­ga­ben be­deu­te­te. Den durch die kriegs­be­ding­te Teue­rung her­vor­ge­ru­fe­nen Un­ru­hen be­geg­ne­te Stein, in­dem er ge­gen den Wi­der­stand des Mi­li­tärs Ge­trei­de aus den Spei­chern der Ar­mee zu güns­ti­gen Prei­sen an die Be­völ­ke­rung ab­ge­ben ließ. Ge­gen die Ver­su­che der preu­ßi­schen Zen­tral­ver­wal­tung schütz­te Stein die Res­te der Stän­de­ver­fas­sung und der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung.

Als Stein wäh­rend des ers­ten Ko­ali­ti­ons­krie­ges im Haupt­quar­tier des Kö­nigs für die Ver­pfle­gung der Ar­mee zu­stän­dig war, wur­de er Zeu­ge der Be­la­ge­rung und des Falls von Mainz, der Haupt­stadt der Main­zer Re­pu­blik. Da­bei war er auch an der Fest­nah­me und kör­per­li­chen Miss­hand­lung des Re­vo­lu­tio­närs Fried­rich Ge­org Pape be­tei­ligt.

Im Jahr 1796 wur­de Stein zum Ober­kam­mer­prä­si­den­ten al­ler west­li­chen preu­ßi­schen Ter­ri­to­ri­en mit Amts­sitz in Min­den er­nannt. Im Auf­trag Ber­lins sorg­te er für eine För­de­rung der Wirt­schaft durch Ab­bau von Vor­schrif­ten, Zöl­len und ähn­li­chen öko­no­mi­schen Hemm­nis­sen. Zwi­schen Bie­le­feld und Os­na­brück ließ er eine be­fes­tig­te Stra­ße er­bau­en und sorg­te für die Ver­bes­se­rung des Schiffs­ver­kehrs auf der We­ser. Au­ßer­dem lei­te­te in für den ver­ei­nig­ten Ter­ri­to­ri­en Min­den-Ra­vens­berg Agrar­re­for­men ein. Dazu ge­hör­te die Ver­rin­ge­rung der Hand- und Spann­diens­te. Hin­zu ka­men Re­for­men der Ver­wal­tung in sei­nem Amts­be­reich.

Der Einzug Napoleons am 27. Oktober 1806 in Berlin war Sinnbild für die Niederlage Preußens

Der Ein­zug Na­po­le­ons am 27. Ok­to­ber 1806 in Ber­lin war Sinn­bild für die Nie­der­la­ge Preu­ßens

Po­li­tisch war Stein in die­ser Zeit ein An­hän­ger des eng­li­schen Ver­fas­sungs­sys­tems. Al­ler­dings stand er an­fangs auch der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on nicht ohne Sym­pa­thie ge­gen­über. Bei­de Ein­flüs­se führ­ten dazu, dass er dem preu­ßi­schen, auf die Bü­ro­kra­tie ge­stütz­ten Ab­so­lu­tis­mus zu­neh­mend kri­tisch ge­gen­über­stand. Al­ler­dings wan­del­te sich Steins Bild von der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on rasch. Dazu trug nicht zu­letzt der Kon­takt zu hoch­ran­gi­gen fran­zö­si­schen Emi­gran­ten bei, die in Hamm Zu­flucht ge­fun­den hat­ten. Zu die­sen ge­hör­ten nach der Hin­rich­tung Lud­wig XVI. der Exil-Re­gent Frank­reichs, der nach­ma­li­ge Kö­nig Lud­wig XVIII., und sein Bru­der Karl von An­jou (Karl X). Nach­hal­tig be­ein­druckt hat Stein in die­ser Zeit Ed­mund Bur­kes Schrift „Re­flec­tion on the Re­vo­lu­ti­on in Fran­ce.“

Ob­wohl Stein Reichs­pa­tri­ot und nicht nur preu­ßi­scher Be­am­ter war, bil­lig­te er die von Na­po­le­on dik­tier­ten ter­ri­to­ria­len Ver­än­de­run­gen im Wes­ten des Rei­ches und ins­be­son­de­re die Sä­ku­la­ri­sa­ti­on der geist­li­chen Ter­ri­to­ri­en. Von der preu­ßi­schen Zen­tral­re­gie­rung be­auf­tragt, trieb er die­se Ent­wick­lung in West­fa­len noch vor dem Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss von 1803 vor­an. Zwi­schen 1802 und 1804 lei­te­te er von Müns­ter aus die Ein­glie­de­rung der geist­li­chen Herr­schaf­ten in den preu­ßi­schen Staat. An Preu­ßen fie­len der öst­li­che Teil des Hoch­stifts Müns­ter als Erb­fürs­ten­tum Müns­ter, das Hoch­stift Pa­der­born als Erb­fürs­ten­tum Pa­der­born so­wie die Ab­tei­en Es­sen, Wer­den und das Stift Her­ford. Ins­be­son­de­re in Müns­ter stieß dies auf Kri­tik. Die­se Er­wer­bun­gen gin­gen zwar nach dem Frie­den von Til­sit wie­der für ei­ni­ge Jah­re ver­lo­ren, wur­den aber nach 1815 end­gül­tig Be­stand­teil des preu­ßi­schen Staats.

Im Jahr 1804 war Stein per­sön­lich von den Ver­än­de­run­gen im Reich un­mit­tel­bar be­trof­fen, als der nas­saui­sche Staats­mi­nis­ter Ernst Franz Lud­wig Mar­schall von Bie­ber­stein die Be­sit­zun­gen der Fa­mi­lie vom Stein be­set­zen ließ und da­mit im Klei­nen nichts an­de­res tat als Stein mit den west­fä­li­schen Bis­tü­mern im Gro­ßen. Den­noch pro­tes­tier­te Stein nach­drück­lich und (auch auf Druck von Kai­ser Franz II.) muss­te die Be­set­zung zu­nächst auf­ge­ho­ben wer­den. Die­se Epi­so­de führ­te zu ei­ner lang an­hal­ten­den Geg­ner­schaft Steins ge­gen­über Nas­sau und Mar­schall von Bie­ber­stein. Letzt­lich wur­den auch die Be­sit­zun­gen de­rer vom Stein me­dia­ti­siert. Stein ver­lor zwar sei­ne Herr­schafts­rech­te, nicht aber den Be­sitz sei­ner Gü­ter und Län­de­rei­en.

In sei­ner west­fä­li­schen Zeit prä­sen­tier­te sich Stein als über­durch­schnitt­lich tüch­ti­ger Ver­wal­tungs­be­am­ter ins­be­son­de­re in Wirt­schafts­fra­gen. Da­durch emp­fahl er sich für Auf­ga­ben in der Ber­li­ner Zen­tra­le.

Minister in Berlin und Sturz

Gottesdienst für die ersten preußischen Stadtverordneten im Jahr 1808 in der Nicolaikirche in Berlin

Got­tes­dienst für die ers­ten preu­ßi­schen Stadt­ver­ord­ne­ten im Jahr 1808 in der Ni­co­lai­kir­che in Ber­lin

1804 wur­de Stein als kö­nig­li­cher Fi­nanz- und Wirt­schafts­mi­nis­ter ins Ge­ne­ral­di­rek­to­ri­um nach Ber­lin be­ru­fen, wo er für das Ak­zi­se-, Zoll-, Fa­brik- und Kom­mer­zi­al­we­sen zu­stän­dig war. Hin­ter der Er­nen­nung steck­te vor al­lem der Ka­bi­netts­rat Carl Fried­rich von Bey­me, der in dem neu­en Mi­nis­ter ei­nen An­hän­ger ei­ner um­fas­sen­den Re­form­po­li­tik sah. Be­reits bei der Über­nah­me die­ser Auf­ga­be mach­te Frei­herr vom und zum Stein deut­lich, dass er über Preu­ßen hin­aus das ge­sam­te Deutsch­land im Blick hat­te. „Wenn man über­zeugt ist, dass Deutsch­lands Ver­ede­lung und Kul­tur fest und un­zer­trenn­lich an das Glück der preu­ßi­schen Mon­ar­chie ge­ket­tet ist, so kann man ge­wiss nicht ei­nen Au­gen­blick zwi­schen Pflicht und Per­sön­lich­keit schwan­ken, son­dern man ist zu je­der Auf­op­fe­rung der letz­te­ren be­reit.“

Stein ver­such­te als Ver­ant­wort­li­cher für den Staats­haus­halt an­ge­sichts des dro­hen­den Krie­ges die Staats­ein­nah­men zu er­hö­hen, be­müh­te sich aber auch um die An­glei­chung der re­gio­nal sehr un­ter­schied­li­chen Steu­ern und Ab­ga­ben. So wur­den im Be­reich des staat­li­chen Salz­mo­no­pols ein­heit­li­che Prei­se ein­ge­führt, die­se aber ins­ge­samt er­höht, so dass sich dar­aus er­heb­li­che Mehr­ein­nah­men er­ga­ben. In be­grenz­tem Um­fang wur­den Bin­nen­zöl­le zwi­schen ei­ni­gen Teil­ge­bie­ten der Mon­ar­chie ab­ge­schafft. Au­ßer­dem grün­de­te er das Preu­ßi­sche Sta­tis­ti­sche Bu­reau. Spä­ter ge­hör­ten zu­dem die Kö­nig­li­che Haupt­bank so­wie die See­hand­lung zu sei­nem Zu­stän­dig­keits­be­reich.

Stein ge­hör­te 1805 zur Kriegs­par­tei um Kö­ni­gin Lui­se, die ge­mein­sam mit Lou­is Fer­di­nand Prinz von Preu­ßen und Ge­ne­ral Ernst von Rü­chel ver­such­te, Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. da­von zu über­zeu­gen, Na­po­le­on ent­ge­gen­zu­tre­ten. Am 10. Mai 1805 über­gab Stein eine ent­spre­chen­de Denk­schrift, die in ih­rer ex­trem schrof­fen Art – den Au­ßen­mi­nis­ter Chris­ti­an Graf von Hau­gwitz (1752–1832) nann­te er bei­spiels­wei­se ei­nen „Mann ohne Wahr­haf­tig­keit, ei­nen ab­ge­stumpf­ten Wol­lüst­ling, schwel­gend in Ge­nüs­sen al­ler Art“ – dazu bei­trug, die Ab­leh­nung ge­gen sei­ne Vor­stel­lun­gen noch zu ver­stär­ken. Der Kö­nig lehn­te vor­erst ab und sah in der Grup­pe um Lou­is Fer­di­nand und Stein nicht zu Un­recht eine ge­gen sei­ne Po­li­tik ge­rich­te­te Fron­de. Schließ­lich gab er je­doch nach und be­fahl die Mo­bil­ma­chung. Dies führ­te zum Krieg von 1806.

Nach dem für Preu­ßen ka­ta­stro­phal ver­lau­fen­den Feld­zug flo­hen der Hof und maß­geb­li­che Po­li­ti­ker nach Kö­nigs­berg. Stein sorg­te für die Ret­tung der Staats­kas­sen und emp­fahl in Kö­nigs­berg, den Krieg ge­gen Na­po­le­on mit al­len Kräf­ten fort­zu­set­zen.

In­fol­ge der ver­lo­re­nen Schlacht bei Jena und Auer­stedt und der durch sie of­fen­kun­dig ge­wor­de­nen Ver­krus­tun­gen in Ver­wal­tung und Mi­li­tär war der preu­ßi­sche Staat zu Ver­än­de­run­gen ge­zwun­gen. Stein kri­ti­sier­te scharf die wäh­rend des Krie­ges deut­lich ge­wor­de­nen Schwä­chen der zi­vi­len und mi­li­tä­ri­schen Füh­rung und mach­te auch vor dem mon­ar­chi­schen Re­gie­rungs­stil nicht halt. Statt­des­sen for­der­te er grund­le­gen­de Re­for­men in der Struk­tur des Staa­tes, um ei­nen sta­bi­len Un­ter­bau für die Kriegs­an­stren­gun­gen zu ge­win­nen. Dazu zähl­te ins­be­son­de­re sei­ne be­reits vor Kriegs­aus­bruch ein­set­zen­de Kri­tik am bis­he­ri­gen ab­so­lu­tis­ti­schen Ka­bi­nett­sys­tem; statt­des­sen plä­dier­te er für ein Staats­mi­nis­te­ri­um aus ver­ant­wort­li­chen Mi­nis­tern, die mit dem Mon­ar­chen zu­sam­men­ar­bei­ten.

Die Auf­for­de­rung, das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um an­zu­neh­men, um den Frie­den zu er­rei­chen, lehn­te Stein schroff ab. Dies und sei­ne schar­fe Kri­tik an der bis­he­ri­gen Po­li­tik führ­ten zu sei­ner Ent­las­sung am 3. Ja­nu­ar 1807 durch Fried­rich Wil­helm III. mit der Kom­men­tie­rung „daß ich mich lei­der nicht an­fäng­lich in Ih­nen ge­irrt habe, son­dern daß Sie viel­mehr als ein wi­der­spens­ti­ger, trot­zi­ger, hart­nä­cki­ger und un­ge­hor­sa­mer Staats­die­ner an­zu­se­hen sind, der, auf sein Ge­nie und sei­ne Ta­len­te po­chend, weit ent­fernt, das Bes­te des Staats vor Au­gen zu ha­ben, nur durch Ka­pri­cen ge­lei­tet, aus Lei­den­schaft und aus per­sön­li­chem Haß und Er­bit­te­rung han­delt … . Da Sie in­des­sen vor­ge­ben, ein wahr­heits­lie­ben­der Mann zu sein, habe ich Ih­nen auf gut deutsch mei­ne Mei­nung ge­sagt, in­dem ich noch hin­zu­fü­gen muß, daß, wenn Sie nicht Ihr re­spekt­wid­ri­ges und un­an­stän­di­ges Be­neh­men zu än­dern wil­lens sind, der Staat kei­ne gro­ße Rech­nung auf Ihre fer­ne­ren Diens­te ma­chen kann.“

Die Nie­der­la­ge von 1806 stürz­te den preu­ßi­schen Staat in eine der schwers­ten Kri­sen sei­ner Ge­schich­te. Im Frie­den von Til­sit vom 7. Juli 1807 ver­lor Preu­ßen alle Ter­ri­to­ri­en west­lich der Elbe so­wie ei­nen Groß­teil der in den pol­ni­schen Tei­lun­gen ge­won­ne­nen Ge­bie­te. Da­mit büß­te der Staat etwa die Hälf­te sei­ner Ein­woh­ner ein. Dem Kö­nig­reich wur­den hohe Kon­tri­bu­tio­nen auf­er­legt. Au­ßer­dem durf­te Preu­ßen nur noch eine Ar­mee von 40.000 Mann un­ter­hal­ten und muss­te die fran­zö­si­sche Be­sat­zung in wich­ti­gen Fes­tun­gen dul­den. Ins­ge­samt 150.000 frem­de Sol­da­ten stan­den im Land und muss­ten von Preu­ßen un­ter­hal­ten wer­den.

Staatsminister und preußische Reformen

Ein Gemälde von Joseph Anton Koch zum Thema des Tiroler Aufstandes (Tirolerlandsturm 1809)

Ein Ge­mäl­de von Jo­seph An­ton Koch zum The­ma des Ti­ro­ler Auf­stan­des (Ti­ro­ler­land­sturm 1809)

Stein zog sich nach der Ent­las­sung auf sei­ne Be­sit­zun­gen in Nas­sau zu­rück. Noch im Jahr 1807 ver­fass­te er die Nas­sau­er Denk­schrift als Re­form­pro­gramm für den preu­ßi­schen Staat, wo­bei des­sen Ver­wal­tung im Zen­trum stand. Dazu ge­hör­te die For­de­rung nach Selbst­ver­wal­tung für Pro­vin­zen, Krei­se und Ge­mein­den. Da­bei griff Stein we­ni­ger auf die da­mals mo­der­ne Staats- und Ver­fas­sungs­theo­rie, son­dern auf das Vor­bild der äl­te­ren stän­di­schen Ver­fas­sung zu­rück, wie er sie in West­fa­len ken­nen­ge­lernt hat­te. Für Stein spiel­ten in die­ser Fra­ge nicht nur funk­tio­nel­le Er­wä­gun­gen, son­dern in ers­ter Li­nie po­li­tisch-päd­ago­gi­sche Zie­le eine Rol­le. In der Denk­schrift for­mu­lier­te er als Re­form­ziel: „Be­le­bung des Ge­mein­geis­tes und des Bür­ger­sinns, die Be­nut­zung der schla­fen­den und falsch ge­lei­te­ten Kräf­te und zer­streut lie­gen­den Kennt­nis­se, der Ein­klang zwi­schen dem Geist der Na­ti­on, ih­ren An­sich­ten und Be­dürf­nis­sen und de­nen der Staats­be­hör­den, die Wie­der­be­le­bung der Ge­füh­le für Va­ter­land, Selb­stän­dig­keit und Na­tio­na­leh­re.“ Die­se Schrift war, eben­so wie die von ei­nem Kreis um Karl Au­gust von Har­den­berg er­ar­bei­te­te Ri­ga­er Denk­schrift aus dem­sel­ben Jahr, eine Ba­sis für die preu­ßi­schen Re­for­men.

In Steins Denk­schrift und der von ihm ver­tre­te­nen Po­li­tik spiel­ten im­mer der Rück­be­zug auf die alt­stän­di­schen Zu­stän­de und ganz all­ge­mein auf die Ein­rich­tun­gen des al­ten Rei­ches eine Rol­le. Stein war An­tiab­so­lu­tist und An­tieta­tist, zen­tra­len Be­hör­den und der Bü­ro­kra­tie ins­ge­samt stand er skep­tisch ge­gen­über. Statt­des­sen setz­te er auf De­zen­tra­li­sa­ti­on und kol­le­gia­le Füh­rung.

Nicht zu­letzt auf Drän­gen Na­po­le­ons, der in Stein fälsch­lich ei­nen Un­ter­stüt­zer Frank­reichs sah, und der Re­form­par­tei um Har­den­berg wur­de Stein am 10. Juli 1807 zum Staats­mi­nis­ter be­ru­fen. Die An­nah­me mach­te Stein von ei­ni­gen Vor­be­din­gun­gen ab­hän­gig. Dazu ge­hör­te das Ende des Ka­bi­netts­sys­tems. Statt­des­sen soll­ten die Mi­nis­ter un­mit­tel­ba­res Vor­trags­recht beim Kö­nig er­hal­ten. Nach­dem die Er­fül­lung die­ser zen­tra­len For­de­rung zu­ge­sagt wor­den war, trat Stein das Amt an. Di­rekt zu­stän­dig war er für die Zi­vil­ver­wal­tung, über die an­de­ren Res­sorts übte er Kon­troll­funk­tio­nen aus. In den nächs­ten vier­zehn Mo­na­ten wur­den die wich­tigs­ten Re­form­ge­set­ze er­las­sen oder vor­be­rei­tet. Steins per­sön­li­cher An­teil an den ein­zel­nen Re­for­men war da­bei un­ter­schied­lich. Mit De­tail­fra­gen be­schäf­tig­te er sich kaum, vie­le Ge­set­ze wur­den im Kern von Mit­ar­bei­tern wie Theo­dor von Schön oder Lud­wig von Vincke ent­wor­fen. Aber Stein war ver­ant­wort­lich für ihre Durch­set­zung ge­gen­über dem Kö­nig und ver­schie­de­nen wi­der­stre­ben­den ge­sell­schaft­li­chen Kräf­ten.

Ei­ni­ge der Re­form­ide­en ka­men von Mit­ar­bei­tern, so das Ok­to­ber­edikt zur Bau­ern­be­frei­ung, das ei­nes der zen­tra­len Re­form­ge­set­ze war; es wur­de nur fünf Tage nach der Er­nen­nung Steins un­ter­zeich­net und be­ruh­te auf ei­nem Ent­wurf Theo­dor von Schöns. Mit ihm wur­den die Leib­ei­gen­schaft und Erbun­ter­tä­nig­keit auf­ge­ho­ben so­wie die Frei­heit der Be­rufs­wahl ein­ge­führt. Be­son­ders deut­lich war Steins Hand­schrift hin­ge­gen in der neu­en Städ­te­ord­nung vom 19. No­vem­ber 1808. De­ren Grund­kon­zep­ti­on stamm­te von sei­nem Mit­ar­bei­ter Jo­hann Gott­fried Frey. Die dort stark aus­ge­präg­te Selbst­ver­wal­tungs­idee nach dem Sub­si­dia­ri­täts­prin­zip spie­gel­te Steins aus alt­stän­di­schen Wur­zeln stam­men­de Ab­leh­nung des zen­tra­li­sier­ten und bü­ro­kra­ti­schen Staa­tes wi­der. Ge­schei­tert war er mit dem Ver­such, die Selbst­ver­wal­tung auch auf das plat­te Land aus­zu­deh­nen.

Im Be­reich der staat­li­chen Ver­wal­tung ließ Stein das bis­he­ri­ge Ge­ne­ral­di­rek­to­ri­um auf­lö­sen. Am 24. No­vem­ber 1808 trat an des­sen Stel­le ein Staats­mi­nis­te­ri­um mit fünf Fach­mi­nis­tern für In­ne­res, Fi­nan­zen, Aus­wär­ti­ges, Krieg und Jus­tiz. Au­ßer­dem wur­den zahl­rei­che, oft auch ge­gen­ein­an­der ar­bei­ten­de Son­der- und Ne­ben­be­hör­den auf­ge­löst. Im Be­reich der Zen­tral­ver­wal­tung ori­en­tier­te sich Stein an der fran­zö­si­schen Ver­fas­sung von 1791. Als be­ra­ten­des Gre­mi­um war zu­sätz­lich ein Staats­rat vor­ge­se­hen. Für die Ebe­ne un­ter­halb der Ber­li­ner Zen­tra­le kon­zi­pier­te Stein die Ober­prä­si­den­ten und die Re­gie­rungs­prä­si­di­en, wel­che die Kriegs- und Do­mä­nen­kam­mern er­setz­ten.

Die­se Po­li­tik wur­de voll­zo­gen vor dem Hin­ter­grund ei­ner schwer­wie­gen­den Fi­nanz­kri­se, her­vor­ge­ru­fen von den For­de­run­gen Na­po­le­ons. Dies zwang Stein zu ei­ner ra­di­ka­len Spar­po­li­tik. Au­ßer­dem wur­de staat­li­cher Be­sitz ver­pfän­det, hin­zu ka­men Bürg­schaf­ten.

 

Stein war seit 1812 Berater des Zaren Alexander I.

Stein war seit 1812 Be­ra­ter des Za­ren Alex­an­der I.

Nach dem er­zwun­ge­nen Aus­schei­den Steins konn­te Har­den­berg, nach ei­ner kur­zen Zwi­schen­pha­se un­ter Karl vom Stein zum Al­ten­stein, ei­nen lau­fen­den Re­form­pro­zess über­neh­men. Har­den­berg war stär­ker als der stän­disch den­ken­de Stein eta­tis­tisch aus­ge­rich­tet und ori­en­tier­te sich an mo­der­nen Vor­bil­dern. Al­ler­dings ge­lang es ihm we­gen der wach­sen­den re­stau­ra­ti­ven Ten­den­zen nicht mehr, eine Na­tio­nal­re­prä­sen­ta­ti­on um­zu­set­zen.

Ob­wohl Stein von Har­den­berg pro­te­giert wor­den war, un­ter­schie­den sich nicht nur ihre po­li­ti­schen Auf­fas­sun­gen, son­dern auch der per­sön­li­che Le­bens­wan­del deut­lich. Wäh­rend Stein ein skandal­lo­ses pri­va­tes Le­ben führ­te und kom­pro­miss­los sei­ne Zie­le ver­folg­te, war Har­den­berg di­plo­ma­ti­schen und au­ßer­ehe­li­chen Af­fä­ren nicht ab­ge­neigt. Bei­des be­stimm­te das Ur­teil von Stein über sei­nen Nach­fol­ger. Er führ­te Har­den­bergs an­geb­li­chen Man­gel an Tat­kraft auf des­sen un­glück­li­che Hand bei Er­nen­nun­gen und sei­nen ver­trau­ten Um­gang mit nichts­wür­di­gen Wei­bern zu­rück.

Antifranzösische Resistenz und Exil in Österreich

An­fangs setz­te Stein auf eine Er­fül­lungs- und Ko­exis­tenz­po­li­tik ge­gen­über Na­po­le­on. Ins­be­son­de­re die Ver­hand­lun­gen über die Höhe der Kriegs­kon­tri­bu­tio­nen und die im­mer wie­der von fran­zö­si­scher Sei­te vor­ge­brach­ten neu­en For­de­run­gen lie­ßen bei ihm im Lau­fe sei­ner Amts­zeit den Ge­dan­ken an Wi­der­stand wach­sen. Dazu trug auch der be­gin­nen­de Auf­stand ge­gen Na­po­le­on in Spa­ni­en bei. Stein setz­te auf ei­nen all­ge­mei­nen Volks­auf­stand im nörd­li­chen Deutsch­land und ein Bünd­nis mit Ös­ter­reich. Wie für Au­gust Neid­hardt von Gnei­sen­au und Ger­hard von Scharn­horst war auch für ihn das Haupt­ziel der Po­li­tik Preu­ßens, sich auf ei­nen künf­ti­gen Krieg vor­zu­be­rei­ten. Die op­po­si­tio­nel­le Hal­tung Steins ge­gen­über den Be­sat­zern kam in ei­nem ab­ge­fan­ge­nen Brief zum Aus­druck, der in der fran­zö­si­schen Re­gie­rungs­zei­tung Le Mo­ni­teur ab­ge­druckt wur­de. Na­po­le­on nutz­te den Brief dazu, Preu­ßen un­ter Druck zu set­zen und zur An­nah­me der Kriegs­kon­tri­bu­tio­nen zu zwin­gen. Von Spa­ni­en aus gab Na­po­le­on selbst ei­nen Hee­res­be­fehl, in dem er Stein zu ei­nem Feind Frank­reichs er­klär­te. Na­po­le­on be­fahl, die Be­sit­zun­gen Steins zu be­schlag­nah­men und Stein er­schie­ßen zu las­sen. Fried­rich Wil­helm III., der kei­nen Bruch mit Frank­reich ris­kie­ren woll­te, ent­ließ Stein am 24. No­vem­ber 1808 mit Dank für die ge­leis­te­ten Diens­te und der Fort­zah­lung sei­nes Mi­nis­ter­ge­halts für ein Jahr.

Heinrich Friedrich Karl vom Stein im Jahr 1821

Hein­rich Fried­rich Karl vom Stein im Jahr 1821

Noch am Tag der of­fi­zi­el­len Ent­las­sung über­sand­te Stein den Mit­glie­dern des Kö­nigs­hau­ses so­wie des Staats­ra­tes eine im We­sent­li­chen durch von Schön ver­fass­te Schrift, die spä­ter un­ter dem Na­men „po­li­ti­sches Tes­ta­ment“ be­kannt wur­de. Sie zog ei­ner­seits ein Re­sü­mee der bis­he­ri­gen Re­form­po­li­tik und sprach an­de­rer­seits die nach Steins Mei­nung nö­ti­gen wei­te­ren Ver­än­de­run­gen an. Zu letz­te­ren ge­hör­te etwa die Ge­mein­heits­tei­lung und die Auf­he­bung der Fron­ar­beit, die Ein­füh­rung ei­ner Staats­re­prä­sen­ta­ti­on, aber auch die Er­zie­hung der Ju­gend zu Re­li­gi­on und Va­ter­lands­lie­be so­wie eine Stär­kung des Adels.

Die Ent­las­sung mar­kier­te trotz der Re­for­men aber auch das po­li­ti­sche Schei­tern Steins als lei­ten­der Mi­nis­ter. Da­bei war die Zer­stö­rung sei­ner Macht­ba­sis viel­fach auf ihn selbst zu­rück­zu­füh­ren: So hat­te er sich in vie­len Be­rei­chen gleich­zei­tig Geg­ner ge­macht, de­ren Stär­ke er un­ter­schätz­te. Dazu ge­hör­te ins­be­son­de­re die Wi­der­stands­fä­hig­keit von Adel und Kro­ne. Beim Kö­nig spiel­te auch der Un­wil­len über die Selbst­herr­lich­keit Steins eine Rol­le. Nicht zu­letzt die Schroff­heit sei­nes We­sens und die Erup­ti­vi­tät sei­nes Tem­pe­ra­ments ver­rin­ger­ten zu­neh­mend sei­nen Ein­fluss. Dies wa­ren auch zen­tra­le Grün­de, wes­halb er spä­ter kei­ne wirk­li­che Füh­rungs­rol­le mehr ein­neh­men konn­te.

Nach­dem Stein vom Be­fehl Na­po­le­ons er­fah­ren hat­te, flüch­te­te er nach Böh­men und hielt sich in Brünn, Trop­pau und Prag auf. In der habs­bur­gi­schen Mon­ar­chie leb­te Stein mehr als drei Jah­re. In die­ser Zeit hoff­te er ver­geb­lich auf ei­nen Auf­stand vor al­lem in den na­po­leo­ni­schen Staa­ten Kö­nig­reich West­pha­len und Groß­her­zog­tum Berg. Mit gro­ßer Sym­pa­thie be­ob­ach­te­te er den Auf­stand der Ti­ro­ler um An­dre­as Ho­fer. Von dem Ma­ler Jo­seph An­ton Koch ließ er spä­ter ein mo­nu­men­ta­les, he­roi­sie­ren­des Ge­mäl­de schaf­fen.

Im Exil ent­warf er ver­schie­de­ne Ver­fas­sungs­kon­zep­te für eine deut­sche Ver­fas­sung; da­bei spiel­te auch die Wie­der­her­stel­lung des al­ten Rei­ches eine Rol­le. Schar­fe Kri­tik übte er an der Will­fäh­rig­keit der Rhein­bund­fürs­ten ge­gen­über den Fran­zo­sen. Mehr­fach ver­such­te Stein eine Be­gna­di­gung oder Mil­de­rung von Na­po­le­on zu er­rei­chen. Noch im Jahr 1811 sah die­ser in Stein, teil­wei­se zu Recht, den Kopf ei­nes mög­li­chen Wi­der­stands in den deut­schen Staa­ten, ver­zich­te­te aber dar­auf, Ös­ter­reich auf eine Aus­lie­fe­rung zu drän­gen. Die Äch­tung Steins ent­ge­gen al­len zwi­schen­staat­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten hat­te ihr Ziel letzt­lich nicht er­reicht, da die­ser zu ei­nem Sym­bol und ei­ner füh­ren­den Per­sön­lich­keit des an­ti­na­po­leo­ni­schen Wi­der­stan­des ge­wor­den war.

Befreiungskriege und Wiener Kongress

Im Er­war­tung des dro­hen­den Kriegs mit Frank­reich be­gann Zar Alex­an­der I., Geg­ner Na­po­le­ons an sei­nen Hof zu zie­hen. Zu die­sen ge­hör­te auch Stein, der zu ei­nem Be­ra­ter des Za­ren wur­de, ohne je­doch in ein of­fi­zi­el­les Dienst­ver­hält­nis zu tre­ten. Er be­gann nun­mehr of­fen­siv für den an­ti­na­po­leo­ni­schen Wi­der­stand zu wer­ben. So schlug er zur Ko­or­di­na­ti­on und Vor­be­rei­tung ei­nes Volks­auf­stan­des ein „Deut­sches Ko­mi­tee“ vor. Stein un­ter­stütz­te Jus­tus von Gru­ner, der von Prag aus den Auf­bau ei­nes Spio­na­ge- und Agen­ten­net­zes be­trieb. Er selbst ent­wi­ckel­te in sei­ner Pe­ters­bur­ger Denk­schrift vom 17./18. Sep­tem­ber 1812 ei­nen Plan für ei­nen er­folg­rei­chen Krieg in Deutsch­land.

Nach dem Rück­zug der Gro­ßen Ar­mee zog Stein mit dem Haupt­quar­tier des Za­ren in Rich­tung der preu­ßi­schen Gren­ze. Auf ost­preu­ßi­schem Ge­biet ließ Stein im Auf­trag des Za­ren so­fort Land­wehr­ein­hei­ten bil­den, ob­wohl Preu­ßen noch im­mer mit Frank­reich ver­bün­det war. Auch die Land­stän­de ließ er ein­be­ru­fen. Nach­dem der preu­ßi­sche Ge­ne­ral Lud­wig Yorck von War­ten­burg in der Kon­ven­ti­on von Tau­rog­gen zu den al­li­ier­ten Geg­nern Na­po­le­ons über­ge­wech­selt war, dräng­te Stein den noch im­mer zau­dern­den Fried­rich Wil­helm III. zum Sei­ten­wech­sel. Im März 1813 schloss die­ser dann, ver­mit­telt durch Stein, im Ver­trag von Ka­lisch ein Bünd­nis mit Russ­land und der Be­frei­ungs­krieg wur­de pro­kla­miert. In die­ser Zeit prä­zi­sier­te Stein sei­ne Ver­fas­sungs­vor­stel­lun­gen vom vor­an­ge­gan­ge­nen Jahr. Da­nach soll­ten nicht nur der Rhein­bund zer­schla­gen, son­dern auch die Sou­ve­rä­ni­täts­rech­te der üb­ri­gen Staa­ten, wie die Ent­schei­dung über Krieg und Frie­den, zu Guns­ten ei­nes deut­schen Kai­sers und ei­nes Reichs­ta­ges be­grenzt wer­den. Eine star­ke zen­tra­le Exe­ku­tiv­ge­walt soll­te hin­zu tre­ten. Um das Über­ge­wicht Ös­ter­reichs nicht zu groß wer­den zu las­sen, for­der­te Stein auch eine Stär­kung Preu­ßens.

Stein hat­te die Ein­rich­tung ei­ner al­li­ier­ten Zen­tral­ver­wal­tungs­be­hör­de als Be­sat­zungs­be­hör­de und als Be­schaf­fungs­stel­le für Geld, Waf­fen und Sol­da­ten vor­ge­schla­gen. Da­hin­ter steck­te vor al­lem die Ab­sicht, eine Ba­sis für die Wie­der­her­stel­lung ei­nes deut­schen Rei­ches zu er­rich­ten. Die­sem Kon­zept folg­ten die Re­gie­run­gen Preu­ßens und Russ­lands nicht. Die Auf­ga­ben blie­ben rein ad­mi­nis­tra­ti­ver Na­tur. Stein wur­de Chef die­ser Be­hör­de. Dies brach­te ihm den spöt­ti­schen Bei­na­men „Kai­ser von Deutsch­land“ ein. Zu den zu ver­wal­ten­den Ge­bie­ten ge­hör­ten ne­ben Tei­len der ehe­ma­li­gen na­po­leo­ni­schen Mo­dell­staa­ten wie West­pha­len, Berg und Frank­furt auch das Kö­nig­reich Sach­sen, des­sen Kö­nig Fried­rich Au­gust I. we­gen sei­ner Treue zu Na­po­le­on ver­haf­tet wor­den war. Ver­geb­lich plä­dier­te Stein da­für, die süd­deut­schen Rhein­bund­staa­ten zu be­set­zen. Der Ver­wal­tungs­rat wur­de am 21. Ok­to­ber 1813 fak­tisch auf­ge­löst. An sei­ne Stel­le trat das De­par­te­ment Cen­tral d’Administration, das auch für die links­rhei­ni­schen Ge­bie­te und die von den Ko­ali­ti­ons­trup­pen be­setz­ten fran­zö­si­schen Ge­bie­te zu­stän­dig wur­de. Stein hat­te auch dar­in die Lei­tung inne. Er er­hielt sei­ne Wei­sun­gen von ei­nem Di­plo­ma­ten­rat der Al­li­ier­ten.

Wäh­rend des Krie­ges und nach dem Sieg der Al­li­ier­ten leg­te Stein zahl­rei­che Vor­stel­lun­gen zur Neu­ord­nung Deutsch­lands und Eu­ro­pas vor. So­wohl sei­ne Kri­tik am rus­si­schen Plan, in Po­len ei­nen ab­hän­gi­gen Staat (Kon­gress­po­len) zu er­rich­ten, wie sei­ne For­de­rung nach ei­ner Ver­schie­bung der fran­zö­si­schen Gren­ze nach Wes­ten wur­den ab­ge­lehnt. Steins Ent­wür­fe für die Ge­stal­tung Deutsch­lands wa­ren von idea­li­sier­ten Vor­stel­lun­gen vom deut­schen Kai­ser­tum im Mit­tel­al­ter be­stimmt. Er plä­dier­te für die Er­neue­rung des Kai­ser­tums. Frei­lich woll­te er kein Zu­rück zum Zu­stand des Rei­ches im 18. Jahr­hun­dert, son­dern schlug ei­nen preu­ßisch-ös­ter­rei­chisch do­mi­nier­ten Fö­de­ra­ti­ons­staat vor. Ins­ge­samt fan­den Steins Vor­stel­lun­gen bei den maß­geb­li­chen Fürs­ten und Po­li­ti­kern kei­nen Rück­halt. Zwar war er rus­si­scher Ge­sand­ter auf dem Wie­ner Kon­gress, doch blieb sein Ein­fluss ge­ring. Zu­dem wa­ren sei­ne Po­si­tio­nen wi­der­sprüch­lich. Als ehe­ma­li­ger Reichs­un­mit­tel­ba­rer un­ter­stütz­te er die For­de­rung der me­dia­ti­sier­ten Reichs­stän­de nach Re­stau­ra­ti­on ih­rer Stel­lun­gen, an­de­rer­seits sprach er sich für eine star­ke Kom­pe­tenz des Deut­schen Bun­des und die Ein­schrän­kung der Sou­ve­rä­ni­tät der Ein­zel­staa­ten aus. Ohne Er­folg reis­te Stein noch vor Ver­ab­schie­dung der Bun­des­ak­te ab.

Verfassung für Nassau und Privatleben

Son­der­brief­mar­ke 1957 zum 200. Ge­burts­tag Frei­herr vom und zum Stein

Im Jahr 1814 er­hielt Stein die wäh­rend der na­po­leo­ni­schen Ära be­schlag­nahm­ten Gü­ter in Nas­sau mit ei­ner be­trächt­li­chen Ent­schä­di­gung zu­rück. Die Ver­wal­tung leg­te er, wie frü­her schon, in die Hän­de sei­ner Schwes­ter Ma­ri­an­ne. Im Som­mer ver­brach­te er selbst dort meist ei­ni­ge Mo­na­te. Sein Ver­such, zu­min­dest Tei­le sei­ner frü­he­ren Herr­schafts­rech­te zu­rück­zu­be­kom­men, schei­ter­te. Gleich­wohl be­tei­lig­te sich Stein an der Aus­ar­bei­tung ei­ner Ver­fas­sung für Nas­sau. Da­durch war das Land 1814 Vor­rei­ter im deut­schen Bund. Stein er­hielt eine Vi­ril­stim­me im Land­tag, büß­te den Sitz aber wie­der ein, als er sich 1818 wei­ger­te, den Un­ter­ta­nen­eid ab­zu­le­gen.

Im Jahr 1816 tausch­te Stein sei­ne Herr­schaft in der Pro­vinz Po­sen ge­gen die Gü­ter und das Ge­bäu­de des ehe­ma­li­gen Klos­ters Cap­pen­berg bei Lü­nen in West­fa­len. Im glei­chen Jah­re ver­lieh ihm der preu­ßi­schen Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. den Schwar­zen Ad­ler­or­den. Zu­sätz­lich er­warb er 1823 das ehe­ma­li­ge Klos­ter Sche­da. Zu­sam­men mit Cap­pen­berg wur­den die Be­sit­zun­gen Steins 1826 zu ei­ner Stan­des­herr­schaft er­ho­ben. Die­ser Ti­tel war an sei­ne Per­son ge­bun­den und nicht erb­lich. Stein leb­te mit sei­ner Fa­mi­lie zu­nächst über­wie­gend in Frank­furt. Nach dem Tod sei­ner Frau im Jahr 1819 mach­te er mit sei­nen Töch­tern aus­ge­dehn­te Rei­sen in die Schweiz und nach Ita­li­en. Sei­nen Frank­fur­ter Wohn­sitz gab er 1824/25 auf und hielt sich seit­her ent­we­der in Nas­sau oder auf Cap­pen­berg auf.

Die Po­si­ti­on ei­nes Bun­des­tags­ge­sand­ten, die ihm so­wohl von Ös­ter­reich wie auch von Preu­ßen an­ge­tra­gen wur­de, lehn­te Stein ab. Er war aber durch eine um­fang­rei­che Kor­re­spon­denz, die Be­su­che zahl­rei­cher Gäs­te auf Cap­pen­berg und sei­ne Lek­tü­re über das Zeit­ge­sche­hen gut in­for­miert.

Stein un­ter­stütz­te als reichs­rit­ter­li­cher Reichs­pa­tri­ot die na­tio­na­le Be­we­gung. In ei­nem Brief an Ernst von Müns­ter schrieb er „Es tut mir leid, daß Euer Ex­zel­lenz in mir den Preu­ßen ver­mu­ten … Ich habe nur ein Va­ter­land, das heißt Deutsch­land, und da ich nach al­ter Ver­fas­sung nur ihm und kei­nem be­son­de­ren Teil des­sel­ben an­ge­hör­te, so bin ich auch nur ihm und nicht ei­nem Teil des­sel­ben von gan­zer See­le er­ge­ben.“ Dar­über hin­aus kri­ti­sier­te er die Karls­ba­der Be­schlüs­se und die Dem­ago­gen­ver­fol­gung und be­grüß­te den Über­gang der süd­deut­schen Staa­ten zum Kon­sti­tu­tio­na­lis­mus. Die Zen­tral­un­ter­su­chungs­be­hör­de ver­däch­tig­te ihn da­her, die op­po­si­tio­nel­le Be­we­gung im Deut­schen Bund zu schüt­zen und zu för­dern. Er un­ter­stütz­te teil­wei­se mit er­heb­li­chen Geld­be­trä­gen die Frei­heits­be­we­gung in Grie­chen­land und stand ver­gleich­ba­ren na­tio­na­len Be­we­gun­gen, etwa in Po­len oder in Süd- und Mit­tel­ame­ri­ka, po­si­tiv ge­gen­über. Al­ler­dings lehn­te Stein die früh­li­be­ra­le Be­we­gung und die Bil­dung von po­li­ti­schen Par­tei­en ab, da sie nicht sei­nen alt­stän­di­schen Grund­sät­zen ent­spra­chen. Scharf kri­ti­sier­te er die bel­gi­sche Re­vo­lu­ti­on, da er in dem neu­en Staat eine „Pö­bel­herr­schaft“ be­fürch­te­te.

Die Monumenta Germaniae Historica

Von nach­hal­ti­ger Be­deu­tung Steins für die Ge­schichts­wis­sen­schaft war sei­ne In­itia­ti­ve zur Grün­dung der Mo­nu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca als be­deu­tends­tes Quel­len­werk zur mit­tel­al­ter­li­chen deut­schen Ge­schich­te. Ne­ben all­ge­mei­nem his­to­ri­schen In­ter­es­se spiel­ten für Stein da­bei auch na­tio­nal­päd­ago­gi­sche Grün­de und die Über­win­dung des ein­zel­staat­li­chen Par­ti­ku­la­ris­mus eine Rol­le. Be­reits seit 1814 be­müh­te sich Stein in Kon­takt mit Po­li­ti­kern und Fürs­ten um Un­ter­stüt­zung für die Edi­ti­ons­plä­ne. Kon­kre­ti­siert wur­den die­se von Wis­sen­schaft­lern und Po­li­ti­kern wie Fried­rich Carl von Sa­vi­gny, Bar­thold Ge­org Nie­buhr oder Jo­hann Al­brecht Fried­rich von Eich­horn und führ­ten am 20. Ja­nu­ar 1819 zur Grün­dung der „Ge­sell­schaft für äl­te­re deut­sche Ge­schichts­kun­de“ in Steins Woh­nung in Frank­furt. Prä­si­dent der Ge­sell­schaft zur Her­aus­ga­be der Mo­nu­men­ta wur­de Stein. Bis 1824 lei­te­te er die Ar­bei­ten per­sön­lich und über­trug sie da­nach an den His­to­ri­ker Ge­org Hein­rich Pertz. Stein selbst küm­mer­te sich wei­ter um die Or­ga­ni­sa­ti­on des Pro­jekts. Der ers­te Band mit Quel­len zur Ka­ro­lin­ger­zeit er­schien 1826.

Eine Mo­ti­va­ti­on Steins für die Mo­nu­men­ta war das Ziel, die Le­gi­ti­ma­ti­on des Adels und Steins stän­di­sches Den­ken aus der mit­tel­al­ter­li­chen Ge­schich­te her­zu­lei­ten. Dem ent­sprach die an­fäng­li­che Fi­nan­zie­rung des Pro­jekts. Aus­schließ­lich der deut­sche Adel soll­te die Kos­ten über­neh­men, bür­ger­li­che und aus­län­di­sche Un­ter­stüt­zer wur­den ab­ge­wie­sen. Auf län­ge­re Sicht konn­te dies nicht auf­recht­erhal­ten wer­den, und vor al­lem nach Steins Tod er­hielt das Pro­jekt staat­li­che Un­ter­stüt­zung.

Verteidiger adelig-ständischer Interessen

Wie sehr Steins po­li­ti­sche stän­di­sche Zie­le von de­nen der Li­be­ra­len ent­fernt wa­ren, zeig­te sich im Vor­feld der Ein­rich­tung der Pro­vin­zi­al­land­ta­ge. Er be­tei­lig­te sich an Dis­kus­sio­nen und For­de­run­gen des west­fä­li­schen Adels. An ei­ner Pe­ti­ti­on im Jahr 1818 war er maß­geb­lich be­tei­ligt. Zwar soll­ten die Bau­ern nicht von den Gre­mi­en aus­ge­schlos­sen wer­den, aber Stein ver­lang­te, dass ihre De­pu­tier­ten aus der Bau­ern­schaft selbst und nicht aus den länd­li­chen Un­ter­schich­ten oder aus der Schicht der In­tel­lek­tu­el­len kom­men soll­ten. Dar­über hin­aus kämpf­te er für be­son­de­re Adels­rech­te, wie eine erb­li­che Mit­glied­schaft in den Land­ta­gen, ei­nen Vor­zug bei der öf­fent­li­chen Stel­len­be­set­zung, ei­nen pri­vi­le­gier­ten Ge­richts­stand und Ähn­li­ches. Die­se Vor­stel­lun­gen gin­gen zu­min­dest teil­wei­se in die Or­ga­ni­sa­ti­on der Pro­vin­zi­al­stän­de ein. Für die Pro­vinz West­fa­len wur­de die Pro­vin­zi­al­ord­nung per Ge­setz am 27. März 1824 er­las­sen. Der Pro­vin­zi­al­land­tag war in vier Stän­de ein­ge­teilt. Stein ge­hör­te als Stan­des­herr au­to­ma­tisch zur Mit­glied­schaft und bil­de­te zu­sam­men mit zehn wei­te­ren Per­so­nen den ers­ten Stand. Hin­zu ka­men die Stän­de der Be­sit­zer land­tags­fä­hi­ger Rit­ter­gü­ter, der Städ­te und der Land­ge­mein­den.

Der ers­te west­fä­li­sche Pro­vin­zi­al­land­tag trat am 29. Ok­to­ber 1826 in Müns­ter zu­sam­men und tag­te etwa zwei Mo­na­te. Stein wur­de zum Land­tags­mar­schall und da­mit zum Vor­sit­zen­den er­nannt. In sei­ner Er­öff­nungs­re­de be­grüß­te er die Wie­der­ein­füh­rung der stän­di­schen Ver­fas­sung und grenz­te die­se von der „al­les um­for­men­den Ver­fas­sung“ zur Zeit der fran­zö­si­schen Vor­herr­schaft ab. Auch die fol­gen­den Ta­gun­gen der Ver­samm­lung stan­den un­ter sei­nem Vor­sitz.

Auf dem ers­ten Pro­vin­zi­al­land­tag kam es zu hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den Adels­ver­tre­tern mit Stein an der Spit­ze auf der ei­nen Sei­te und den Ab­ge­ord­ne­ten der Städ­te und Land­ge­mein­den auf der an­de­ren Sei­te. Auch in zahl­rei­chen an­de­ren Punk­ten, etwa der Er­fas­sung der ade­li­gen Be­sit­zer durch staat­li­che Ka­tas­ter als Ba­sis ei­ner Grund­steu­er, oder in der Fra­ge, ob Land­be­sitz frei ver­käuf­lich sein soll­te, zeig­te er sich als Geg­ner wirt­schafts­li­be­ra­ler Re­for­men und Ver­tei­di­ger ade­lig-stän­di­scher Vor­herr­schaft. Zur Ju­den­eman­zi­pa­ti­on wie­der­um, die er im Zuge der Städ­te­ord­nung von 1808 auf den Weg ge­bracht hat­te, ver­hielt er sich ab­leh­nend und dach­te 1816 an eine Aus­wei­sung der Ju­den an „die Nord­küs­te Afri­kas“. Er be­schwor an­ti­jü­di­sche Kli­schees in Form an­geb­li­cher, von Ju­den aus­ge­hen­der Ge­fah­ren, warn­te da­vor, dass die aus der Leib­ei­gen­schaft be­frei­ten Bau­ern in „die Hö­rig­keit an die Ju­den und an die Wu­che­rer“ ge­ra­ten wür­den, sprach von der „Ver­derb­lich­keit der jü­di­schen Hor­de“ und un­ter­stell­te jü­di­schen Ban­kiers 1823 ei­nen „Man­gel an Ehr­ge­fühl“ und „Be­frie­di­gung der Hab­sucht“.

Wie weit er sich von sei­nen Po­si­tio­nen der Re­form­zeit ent­fernt hat­te, wur­de nicht zu­letzt im Zu­sam­men­hang mit der Re­vi­si­on der Städ­te­ord­nung von 1808 deut­lich. Wäh­rend er den Ent­wurf ei­ner sol­chen Ord­nung 1831 po­si­tiv be­wer­te­te, lehn­ten ihn die Ver­tre­ter der Städ­te we­gen der vor­ge­se­he­nen stär­ke­ren staat­li­chen Kon­trol­le und Ein­schrän­kung der Selbst­ver­wal­tung ab. Al­ler­dings hielt Stein an sei­nen Vor­stel­lun­gen ei­nes ge­samt­staat­li­chen Kon­sti­tu­tio­na­lis­mus fest, wie sich wäh­rend des Pro­vin­zi­al­land­ta­ges von 1830/31 zeig­te. Da­bei gin­gen die Vor­stel­lun­gen ins­be­son­de­re des Bür­ger­tums in­zwi­schen deut­lich wei­ter als die Steins. Wäh­rend das Bür­ger­tum un­ter Ein­druck der re­vo­lu­tio­nä­ren Er­eig­nis­se von 1830 ei­nen di­rek­ten An­trag auf die Ein­be­ru­fung ei­nes ge­samt­staat­li­chen Par­la­ments for­der­te, hielt Stein die­se of­fe­ne Kampf­an­sa­ge für un­ge­bühr­lich. Ihm ge­lang es nur mit Mühe, ei­nen Kom­pro­miss durch­zu­set­zen und die For­de­run­gen an den Prin­zen Wil­helm zu rich­ten.

Tod

In sei­nen letz­ten Le­bens­jah­ren litt Stein un­ter ei­nem Lun­gen­lei­den und Herz­krank­hei­ten.

Be­gra­ben liegt Stein in der Fa­mi­li­en­gruft in Frücht bei Bad Ems, die er vom Köl­ner Bild­hau­er Pe­ter Jo­seph Im­hoff bau­en ließ. Sei­ne äl­tes­te Toch­ter, Grä­fin Giech, ver­an­lass­te nach künst­le­ri­scher Be­ra­tung durch Sul­piz Bo­is­se­rée 1836–1843 den Bau ei­ner neu­go­ti­schen Ka­pel­le dar­über, die der Münch­ner Ar­chi­tekt Jo­seph Da­ni­el Ohl­mül­ler ent­warf. Das Mar­mor­re­li­ef auf Steins Grab­denk­mal schuf 1837–1840 Lud­wig Schwan­tha­ler.

Der Grab­stein in der Fa­mi­li­en­gruft in Frücht trägt fol­gen­de In­schrift:

Hein­rich Fried­rich Karl Reichs­frei­herr vom und zum Stein
ge­bo­ren den 25sten Ok­to­ber 1757,
ge­stor­ben den 29sten Juni 1831, ru­het hier;
der Letz­te sei­nes über sie­be. Jahr­hun­der­te
an der Lahn blü­hen­den Rit­ter­ge­schlech­tes;
de­mü­tig vor Gott, hoch­her­zig ge­gen Men­schen,
der Lüge und des Un­rech­tes Feind,
hoch­be­tagt in Pflicht und Treue,
un­er­schüt­ter­lich in Acht und Bann,
des ge­beug­ten Va­ter­lan­des un­ge­beug­ter Sohn,
in Kampf und Sieg Deutsch­lands Mit­be­frei­er.
Ich habe Lust, ab­zu­schei­den und bei Chris­to zu seyn.

Nachkommen

Der Frei­herr hei­ra­te­te 1793 Wil­hel­mi­ne Mag­da­le­ne Frie­de­ri­ke von Wall­mo­den-Gim­born (* 1772; † 1819). Sie war die Toch­ter des han­no­ver­schen Feld­mar­schalls Jo­hann Lud­wig von Wall­mo­den-Gim­born und des­sen ers­ter Frau Char­lot­te Chris­tia­ne Au­gus­te Wil­hel­mi­ne von Wan­gen­heim (* 1740; † 1783). Das Paar hat­te zwei Töch­ter:

  • Hen­ri­et­te vom Stein (* 2. Au­gust 1796; † 11. Ok­to­ber 1865) ∞ 4. Ok­to­ber 1825 Fried­rich Karl Her­mann Graf von Giech (* 1791; † 1846) – Die­se Ehe blieb kin­der­los und so ging das „Stein’sche“ Erbe an die jün­ge­re Toch­ter.
  • The­re­se vom Stein (* 3. Mai 1803; † 1. Ja­nu­ar 1863) ∞ 27. Au­gust 1827 Lud­wig Fer­di­nand Graf von Kiel­mann­segg auf Gült­zow (* 1798; † 1873) – Der ein­zi­ge Sohn Lud­wig von Kiel­mann­segg (* 1830; † 1895) kam krank­heits­be­dingt nicht als Erbe in Be­tracht, so kam der Be­sitz zu­nächst an die äl­tes­te Toch­ter.
    • Loui­se von Kiel­mann­segg (* 1833; † 1901) ∞ 1863 mit ih­rem Cou­sin The­del Graf von Kiel­mann­segg dem Sohn von Edu­ard von Kiel­man­segg – Da Loui­se kin­der­los ver­starb, ging 1901 der Stein’sche Be­sitz an ihre jün­ge­re Schwes­ter.
    • Mat­hil­de von Kiel­mann­segg (* 1838; † 1914) ∞ 1858 mit Al­brecht Graf von der Gro­eben (* 1818; † 1864) – Das Erbe ging an ih­ren Sohn.
      • Uni­co Graf von der Gro­eben (* 1861; † 1924) – Nach sei­nem Tod ging der Be­sitz an des­sen Schwes­ter.
      • The­re­se von der Gro­eben (* 1859; † 1938) ∞ 1886 Graf Alex­an­der von Ka­nitz (* 1848; † 1940) – Sie ver­zich­te­te zu­guns­ten ih­res ein­zi­gen Soh­nes auf das Erbe.
        • Al­brecht Graf von Ka­nitz (* 1891; † 1975) ∞ Ilse von Borcke (* 1899; † 1991) – 1969 über­nahm der Sohn die Stein’schen Gü­ter.
          • Carl Al­brecht Graf von Ka­nitz (* 1940; † 2002) ∞ 1969 Do­ro­thea von Fran­ken­burg u. Lud­wigs­dorf (* 1946)
            • Se­bas­ti­an Graf von Ka­nitz (* 1971)

Nachleben und Forschung

Schloss Cappenberg

Schloss Cap­pen­berg

Nach sei­nem Tod wur­de Stein nicht nur Ge­gen­stand his­to­ri­scher Dar­stel­lun­gen, son­dern sei­ne Per­son und sein Wir­ken wur­den von un­ter­schied­li­chen Sei­ten po­li­tisch ver­ein­nahmt. Ernst Mo­ritz Arndt be­grün­de­te 1858 eine Tra­di­ti­on der kri­tik­lo­sen Stein-Ver­eh­rung. Eine ers­te sechs­bän­di­ge Stein-Bio­gra­phie ver­fass­te Ge­org Hein­rich Pertz nach 1849. Hin­ter ei­ner quel­len­ge­sät­tig­ten Dar­stel­lung ver­barg sich da­bei der Ver­such, das Bild ei­nes so­wohl an­ti­re­vo­lu­tio­nä­ren wie an­ti­re­stau­ra­ti­ven na­tio­nal ge­sinn­ten Li­be­ra­len zu zeich­nen.

In den 1870er Jah­ren ver­such­ten so­wohl Li­be­ra­le wie auch Kon­ser­va­ti­ve, sich auf Stein zu be­ru­fen. Aber auch der Staat und die Mon­ar­chie be­gan­nen, Stein für sich zu re­kla­mie­ren. Als 1872 ein Denk­mal für ihn auf der Stamm­burg der Steins in Nas­sau ein­ge­weiht wur­de, war ne­ben Otto von Bis­marck auch Kai­ser Wil­helm I. an­we­send. Drei Jah­re spä­ter wur­de ein Denk­mal auf dem Dön­hoff­platz in Ber­lin ein­ge­weiht, für das vor al­lem Li­be­ra­le, un­ter­stützt vom Staat, Gel­der spen­de­ten. Wäh­rend des Kai­ser­reichs ent­stan­den die ers­ten an­spruchs­vol­len wis­sen­schaft­li­chen Bio­gra­phi­en. Der eng­li­sche His­to­ri­ker John Ro­bert See­ley deu­te­te Stein als Li­be­ra­len und ent­schie­de­nen Geg­ner Na­po­le­ons. Bei ei­ner For­schungs­kon­tro­ver­se, vor al­lem zwi­schen Ernst von Mei­er und Max Leh­mann, der eine wich­ti­ge Bio­gra­phie über Stein vor­leg­te, ging es um die Fra­ge, ob Stein von den Ide­en der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on be­ein­flusst wor­den war. Leh­mann be­ton­te da­bei eine Nach­ah­mung der fran­zö­si­schen Ent­wick­lung.

Hugo Preuß und auch die So­zi­al­de­mo­kra­ten ver­such­ten, Stein für die Re­pu­blik in An­spruch zu neh­men. Für Preuß war Stein „Deutsch­lands größ­ter in­ne­rer Staats­mann“, des­sen Ziel letzt­lich der „de­mo­kra­tisch selbst re­gie­ren­de Staat“ ge­we­sen sei. Der Mar­xist Franz Mehring lob­te Steins Pa­trio­tis­mus und sei­ne Durch­set­zungs­fä­hig­keit ge­gen­über ei­nem zau­dern­den Kö­nig. Vor die­sem Hin­ter­grund wur­de der hun­derts­te To­des­tag Steins als Vor­läu­fer der Re­pu­blik ge­fei­ert. Zahl­rei­che Schu­len wur­den zu die­ser Zeit nach Stein be­nannt. Da­ne­ben er­schien mit Ger­hard Rit­ters Stein-Bio­gra­phie eine be­deu­ten­de neue In­ter­pre­ta­ti­on. Die­ser be­ton­te die alt­stän­di­schen Wur­zeln Steins in der Tra­di­ti­on des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches. Er sti­li­sier­te ihn zwar zu ei­nem Na­tio­nal­hel­den, sah aber in­nen­po­li­tisch Bis­marck als wich­ti­ge­re Per­son an. Franz Schna­bel wie­der­um ver­such­te, Stein als kon­sti­tu­tio­nel­len Li­be­ra­len zu deu­ten. Auch Na­tio­nal­so­zia­lis­ten wie Adolf Hit­ler und Al­fred Ro­sen­berg ver­such­ten, Stein für sich zu re­kla­mie­ren. Die neue na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ge­mein­de­ord­nung be­rief sich aus­drück­lich auf Stein. Erich Bot­zen­hart, Her­aus­ge­ber der ers­ten Ge­samt­aus­ga­be der Schrif­ten Steins, sah in ihm gar ei­nen Vor­läu­fer des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg ver­such­ten auch die bei­den deut­schen Staa­ten Stein für sich zu ver­ein­nah­men. In Rhein­land-Pfalz wird alle drei Jah­re die Frei­herr-vom-Stein-Pla­ket­te für lang­jäh­ri­ge kom­mu­nal­po­li­ti­sche Tä­tig­keit ver­lie­hen. Im Jahr 1952 wur­de in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Frei­herr-vom-Stein-Ge­sell­schaft ge­grün­det mit dem Ziel, die Ide­en und Ge­dan­ken Steins wis­sen­schaft­lich zu be­trach­ten und der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich zu er­hal­ten. Die Ge­sell­schaft gab ver­schie­de­ne Schrif­ten zu Ein­zel­as­pek­ten aus dem Le­ben und dem Wir­ken Steins her­aus. Wis­sen­schaft­lich be­deut­sam war die Neu­aus­ga­be der Schrif­ten Steins durch Walt­her Hubatsch. Die­ser war 1957 an der Aus­rich­tung des zwei­hun­derts­ten Ge­burts­ta­ges Steins füh­rend be­tei­ligt. Die DDR ver­such­te Steins Re­vo­lu­ti­ons­ge­sin­nung etwa aus sei­nen Äu­ße­run­gen von 1813 ab­zu­lei­ten. Gor­don A. Craig wies auf die Tat­sa­che hin, dass der Frei­herr vom Stein län­ge­re Zeit hin­durch so­wohl in der west- wie in der ost­deut­schen For­schung ähn­lich po­si­tiv be­ur­teilt wur­de. Eine frü­he­re Aus­ga­be des Hand­buchs der deut­schen Ge­schich­te be­zeich­ne­te ihn als den „bes­ten Staats­mann, über den Deutsch­land da­mals ver­füg­te“. Das Pen­dant aus der DDR, die Deut­sche Ge­schich­te in drei Bän­den, be­zeich­ne­te ihn als den „be­deu­tends­ten deut­schen Staats­mann der ers­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts“.

Ins­be­son­de­re seit den spä­ten 1960er Jah­ren wur­de das Wir­ken Steins in Tei­len der bun­des­deut­schen For­schung eher kri­tisch ge­se­hen. Hans-Ul­rich Weh­ler ur­teil­te im ers­ten Band sei­ner Ge­sell­schafts­ge­schich­te: „Die Be­deu­tung Steins ist bis­her maß­los über­schätzt wor­den. Mit die­sem zeit­wei­lig früh­li­be­ral ge­färb­ten, vor­wie­gend je­doch alt­stän­disch-ro­man­ti­sie­rend den­ken­den, re­form­kon­ser­va­ti­ven Be­am­ten konn­te sich […] die gro­ße Mehr­heit ei­ner äl­te­ren His­to­ri­ker­ge­nera­ti­on bis hin zu ei­nem wah­ren Stein­kult iden­ti­fi­zie­ren.“ Nach Mei­nung Weh­lers setz­te sich die For­schung so­wohl über Steins nur kurz­zei­ti­ge po­li­ti­sche Spit­zen­stel­lung wie auch sei­ne teil­wei­se „ab­strus-re­ak­tio­nä­ren An­schau­un­gen“ hin­weg. Ganz ähn­lich äu­ßer­te sich auch Bar­ba­ra Vo­gel. Sie sprach da­von, dass Stein von der deut­schen Ge­schichts­schrei­bung stets mit ei­ner Hoch­ach­tung be­han­delt wor­den ist, die im um­ge­kehr­ten Ver­hält­nis zu sei­nen greif­ba­ren Leis­tun­gen als Re­for­mer steht.

In jüngs­ter Zeit be­gann eine Re­la­ti­vie­rung die­ser schar­fen Kri­tik etwa durch Paul Nol­te oder durch die jüngs­te Bio­gra­phie Steins von Heinz Duch­hardt. Die­ser ver­zich­tet weit­ge­hend auf eine Eti­ket­tie­rung und ver­sucht statt­des­sen, die Kom­ple­xi­tät von Steins Han­deln und Per­son dar­zu­stel­len. Tho­mas Nip­per­dey zeich­ne­te eben­falls ein nicht ein­deu­ti­ges Bild. Stein war da­nach ein kon­ser­va­ti­ver Re­for­mer, in­so­fern als er an Tra­di­tio­nen, Stän­de und kor­po­ra­ti­ve Struk­tu­ren an­zu­knüp­fen ver­such­te und ei­nen un­ge­brems­ten Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus ab­lehn­te. Aber er war eben­falls mo­dern, da er auf die Teil­nah­me der Bür­ger an den öf­fent­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten dräng­te. Da­bei ging es ihm in ers­ter Li­nie um den Staats- und erst in zwei­ter Li­nie um den Wirt­schafts­bür­ger. Au­ßer­dem war Stein, laut Nip­per­dey, Mo­ra­list, der die Ide­en der Selbst­stän­dig­keit, der Bil­dung und der Na­ti­on auch in sei­nen prak­ti­schen Maß­nah­men zu ver­wirk­li­chen such­te.

Ehrungen

Das Stein'sche Denkmal

Das Stein’sche Denk­mal

  • Frei­herr vom Stein wur­de 1816 Eh­ren­bür­ger von Bre­men und Frank­furt am Main.
  • 1921 bis 1923 ließ die Lan­des­bank der preu­ßi­schen Pro­vinz West­fa­len Not­mün­zen mit dem Kopf­bild Karl Frei­herr vom und zum Stein mit der Um­schrift „Mi­nis­ter vom Stein Deutsch­lands Füh­rer in schwe­rer Zeit 1757–1831“ prä­gen.
  • Zahl­rei­che Stra­ßen, Schu­len, Plät­ze und Ka­ser­nen, aber auch eine Ju­gend­her­ber­ge (in Alt­lü­nen, nahe bei Cap­pen­berg) wur­den nach ihm be­nannt.
  • Nach Frei­herrn vom Stein wur­de die Ze­che Mi­nis­ter Stein in Dort­mund be­nannt.
  • 1879 wur­de die Kor­vet­te SMS Stein der kai­ser­li­chen Ma­ri­ne nach ihm be­nannt.
  • 1981 wur­den so­wohl in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als auch in der DDR Ge­denk­mün­zen zum 150. To­des­tag aus­ge­ge­ben
  • 1957 und 2007 er­schie­nen deut­sche Brief­mar­ken zu sei­nem Ge­den­ken.
  • Seit ca. 1952 bis 2002 wur­den Ver­wal­tungs­ge­büh­ren­mar­ken in vie­len deut­schen Städ­ten und Ge­mein­den mit sei­nem Bild­nis ver­wen­det.
  • Von der Wis­sen­schaft­li­chen Buch­ge­sell­schaft wird seit den 1950er Jah­ren die Frei­herr vom Stein-Ge­dächt­nis­aus­ga­be von Quel­len zur Ge­schich­te des Mit­tel­al­ters mit deut­scher Über­set­zung her­aus­ge­ge­ben.

Denmäler

  • Für die Stadt Nas­sau (Lahn) ent­warf Bau­rat Edu­ard Zais ein Denk­mal in der Form ei­ner go­ti­schen Fia­le, in dem ein Stand­bild des Reichs­frei­herrn Karl von und zum Stein nach dem Mo­dell des Bild­hau­ers Jo­han­nes Pfuhl Auf­stel­lung fand. Das Denk­mal wur­de am 9. Juli 1872 im Bei­sein von Kai­ser Wil­helm I. ein­ge­weiht. Im Zwei­ten Welt­krieg schwer be­schä­digt, wur­de das rui­nö­se Denk­mal 1952 ge­sprengt und ab­ge­tra­gen.
  • Der aus Löwenberg/Schlesien stam­men­de Bild­hau­er Pfuhl über­eig­ne­te das Mo­dell des Stand­bil­des der Stadt Bres­lau. Dort wur­de es zu­nächst im Rem­ter des Rat­hau­ses auf­ge­stellt. Im Jah­re 1910 fand das Stand­bild ei­nen neu­en Stand­ort in der Al­ten Bör­se.
  • Am 28. Juni 1953 weih­te Bun­des­prä­si­dent Theo­dor Heuss in der Stadt Nas­sau ein neu­es Denk­mal ein.
  • Das Ber­li­ner Denk­mal, von den Ber­li­ner Bild­hau­ern Her­mann Schie­vel­bein und Hugo Ha­gen ent­wor­fen und Gie­ßer Her­mann Gla­den­beck in Bron­ze ge­gos­sen, wur­de am 26. Ok­to­ber 1875 auf dem Dön­hoff­platz an der Leip­zi­ger Stra­ße ent­hüllt. Seit 2003 steht es vor dem Ab­ge­ord­ne­ten­haus in der Nie­der­kirch­ner­stra­ße.
  • Am 30. März 1901 weih­te Kai­ser Wil­helm II. in der Sie­ges­al­lee das Denk­mal für Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. ein. Die­se Fi­gu­ren­grup­pe war ein Werk des Ber­li­ner Bild­hau­er Gus­tav Eber­lein. Nach Kriegs­zer­stö­run­gen und Ab­tra­gung fand die Her­me des Frei­herrn vom Stein schließ­lich eine neue Auf­stel­lung auf ei­nem mo­der­nen Be­ton­so­ckel in der Span­dau­er Mönchs­al­lee.
  • Eine auf­wän­di­ge In­schrift­ta­fel mit ei­nem Re­li­ef­me­dail­lon Stein’s im Links­pro­fil, flan­kiert von zwei nach­denk­li­chen Kraft­prot­zen, des Bild­hau­ers Hugo Le­de­rer im Erd­ge­schoss­be­reich an der Fas­sa­de zur Frei­herr-vom-Stein-Stra­ße des Rat­hau­ses Ber­lin-Schö­ne­berg weist auf den Na­mens­ge­ber der Stra­ße hin. Ur­sprüng­lich han­del­te es sich um ein ei­gen­stän­di­ges Denk­mal, das gleich­zei­tig mit dem Rat­haus im April 1914 ent­hüllt wer­den soll­te. Es fiel aber be­reits im Som­mer des­sel­ben Jah­res ei­ner Ver­kehrs­re­gu­lie­rung der Frei­herr-vom-Stein-Stra­ße zum Op­fer und wur­de zum Wand­re­li­ef am Rat­haus um­ge­stal­tet.
  • Eine Büs­te nach dem Mo­dell des Bild­hau­ers Fritz Sc­ha­per war in der Ruh­mes­hal­le im Ber­li­ner Zeug­haus auf­ge­stellt. Die Büs­te gilt als ver­schol­len.
  • Seit am 26. Sep­tem­ber 1878 auf dem Köl­ner Heu­markt das Rei­ter­stand­bild des Preu­ßen­kö­nigs Fried­rich Wil­helm III. fei­er­lich ent­hüllt wur­de, ist vom Stein dort auch da­bei. Sein Stand­bild ist als eine der zahl­rei­chen As­sis­tenz­fi­gu­ren, die den So­ckel be­völ­kern, an der Rück­sei­te zu fin­den. Den Ge­samt­ent­wurf zum Denk­mal lie­fer­te Bild­hau­er Gus­tav Blä­ser, Sta­tik und So­ckel Ar­chi­tekt Hein­rich Strack.
  • An der rech­ten Ecke der Rat­haus­fas­sa­de in Wet­ter an der Ruhr ist seit dem 20. De­zem­ber 1909, dem Tag der Rat­haus­ein­wei­hung, das Bron­ze­stand­bild zu se­hen. Die In­schrift am So­ckel „FREIHERR / VON / u.ZUM STEIN“ be­zeich­net den von Bild­hau­er Ri­chard Grütt­ner dar­ge­stell­ten Staats­mann.
  • Seit dem 29. Juni 1931 wur­de am Haus Vor­derroß­gar­ten 50 in Kö­nigs­berg i.Pr. zur Er­in­ne­rung an sei­nen Wohn­sitz im Win­ter 1806/07 bei dem Po­li­zei­di­rek­tor Jo­hann Gott­fried Frey eine Ge­denk­ta­fel mit dem Re­li­ef­bild des Po­li­ti­kers ent­hüllt. Schöp­fer war der Bild­hau­er Ru­dolf Dau­dert. Seit der Zeit „un­ter so­wje­ti­scher Ver­wal­tung“ ist die Ge­denk­ta­fel ver­schol­len.
  • Am 18. Ok­to­ber 1842 er­öff­ne­te Kö­nig Lud­wig I. ober­halb von Do­naus­tauf die Ge­denk­stät­te Wal­hal­la. Zu den ers­ten Büs­ten, die hier auf­ge­stellt wur­den, zähl­te auch die Büs­te Stein’s, die der Bild­hau­er Jo­han­nes Leeb be­reits 1825 in Car­ra­ra-Mar­mor ge­pi­ckelt hat­te.
  • Von glei­cher Hand ge­schaf­fen wur­de eine vom-Stein-Büs­te, die einst­mals in der Ruh­mes­hal­le des Frei­herr-vom-Stein-Tur­mes auf dem Kais­berg nahe dem Ruhr­tal bei Ha­gen-Vor­hal­le zu se­hen war. Der Turm, ein Ent­wurf des Ar­chi­tek­ten Fried­rich Schmidt aus Has­pe) wur­de am 17. Ok­to­ber 1869 ein­ge­weiht. Spä­ter ka­men die Büs­ten von Adolf Dies­ter­weg (seit 1874), Lud­wig Na­torp (vor 1883) und Fried­rich Harkort (1883) hin­zu. In den Nach­kriegs­wir­ren wur­de die Ruh­mes­hal­le ge­plün­dert und zer­stört und ge­plün­dert, die Büs­ten sind ver­schol­len.
  • Eine Büs­te auf ei­nem mo­der­nen Kalk­stein­so­ckel steht in Mar­burg vor der Al­ten Uni­ver­si­tät.

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