Haus Uentrop

Haus Uen­trop ist ein Was­ser­schloss im Stadt­teil Uen­trop von Hamm. Das 1720 er­rich­te­te Schloss be­fin­det sich heu­te in Pri­vat­be­sitz und ist re­stau­rie­rungs­be­dürf­tig. Seit dem 6. Fe­bru­ar 1986 steht es un­ter Denk­mal­schutz. Es ist von ei­nem Park um­ge­ben.

Lage

Das Haus Uen­trop liegt an der Zoll­stra­ße 2 im Ham­mer Stadt­teil Uen­trop. An die­sem Stand­ort be­fin­det sich der Lip­pe­über­gang nach Dol­berg. So wie Haus Stock­um der Si­che­rung des un­ter­halb von Hamm ge­le­ge­nen mär­ki­schen Ter­ri­to­ri­ums dien­te, war Haus Uen­trop dem Schutz des Lip­pe­über­gangs zwi­schen Uen­trop und Dol­berg, also der ober­halb der Stadt Hamm ge­le­ge­nen Be­sit­zun­gen, ge­wid­met.

Bauliche Beschaffenheit

Haus Uen­trop um 1860,
Samm­lung Alex­an­der Duncker

Haus Uen­trop ist ein zwei­ge­schos­si­ges, schlich­tes Back­stein­ge­bäu­de mit schma­lem Mit­tel­ri­sa­lit und Walm­dach. Über dem Haupt­por­tal fin­det man ein Dop­pel­wap­pen je­ner von Reck-Baer aus dem Jah­re 1720. Die Raum­dis­po­si­ti­on er­folgt nach dem Sche­ma des Ap­par­te­ment dou­ble. In der Ein­gangs­hal­le be­fin­det sich eine auf­wen­di­ge höl­zer­ne Trep­pe mit Zwi­schen­pos­ten und Do­cken­ge­län­der.

Das An­we­sen hat au­ßer­dem drei zwei­ge­schos­si­ge Wohn- und Wirt­schafts­ge­bäu­de aus Feld­brand­stein: Das Ge­sin­de­haus aus dem Jah­re 1849 mit Mit­tel­ri­sa­lit; eine Scheu­ne aus dem Jah­re 1860 mit Staf­fel­gie­bel und Pfer­de­stäl­le mit ori­gi­na­ler Aus­stat­tung in ih­rem In­ne­ren. Dazu ge­hö­ren ein ge­schrei­ner­ter Pfei­ler der Bo­xen, Flie­sen an den Wän­den und eine kas­set­tier­te De­cke.

Der Denk­mal­schutz re­sul­tiert aus der Be­deu­tung des An­we­sens für die Ge­schich­te der Men­schen der Re­gi­on und aus wis­sen­schaft­li­chen Grün­den im Sin­ne des § 2 Denk­mal­schutz­ge­setz. Die Denk­ma­l­ei­gen­schaft er­fasst das Ge­län­de zwi­schen Lip­pe und Gräf­te (in­klu­si­ve), das Haupt­haus, den es um­ge­ben­den Park, das Ge­sin­de­haus, die Scheu­ne und die Pfer­de­stäl­le. Nicht denk­mal­ge­schützt sind das In­ne­re des Ge­sin­de­hau­ses, der Scheu­ne (Kuh­stall) und des Pfer­de­stal­les, al­ler­dings mit Aus­nah­me des Rau­mes hin­ter dem Mit­tel­ri­sa­lit. In die­sem be­fin­den sich die Pfer­de­bo­xen.

Eine Au­ßen­be­sich­ti­gung des An­we­sens von der Stra­ße aus ist mög­lich, nicht hin­ge­gen eine In­nen­hof- oder so­gar In­nen­be­sich­ti­gung. Das Ge­bäu­de ist zwar un­be­wohnt, das Be­tre­ten ist aber trotz­dem ver­bo­ten. Die Wirt­schafts­ge­bäu­de wer­den zu land­wirt­schaft­li­chen Zwe­cken ge­nutzt.

Geschichte

Schon im Jah­re 1198 dien­te Haus Uen­trop zu­sam­men mit Haus Hei­de­müh­len den Gra­fen von Berg-Al­te­na zur Si­che­rung ih­rer Ter­ri­to­ri­al­gren­zen ge­gen das Hoch­stift Müns­ter.

1226 grün­de­te dann Graf Adolf I. von der Mark die Stadt Hamm. Zu sei­ner Burg­mann­schaft auf Burg Mark ge­hör­ten un­ter an­de­rem die Her­ren von der Re­cke, die eine Burg auf dem Stadt­ge­biet von Hamm be­wohn­ten und spä­ter in Be­sitz des An­we­sens Uen­trop ge­lang­ten.

An­ge­hö­ri­ge ei­nes Rit­ter­ge­schlechts von Uen­trop sind für die Jah­re 1325 und 1380 ur­kund­lich ver­brieft. Ein un­mit­tel­ba­rer Zu­sam­men­hang zum Haus Uen­trop ist nicht nach­weis­bar. Nach von Stei­nen stand das Haus im Jah­re 1328 im Be­sitz ei­nes ge­wis­sen Diet­rich von Grim­berg.

Ge­mäß ei­ner Ur­kun­de aus dem Jah­re 1393 gab Graf Diet­rich II. von der Mark den Be­sitz im glei­chen Jahr ei­nem Her­mann von der Re­cke aus dem mit 10 Mark Gel­des als Erb­burg­le­hen zu Ka­men.

Im 15. Jahr­hun­dert teil­ten die Her­ren von der Re­cke mit den Her­ren von der Mark den Be­sitz an dem An­we­sen.

Her­manns Sohn Alef von der Re­cke ver­band 1427 sei­nen An­teil an Haus Uen­trop mit ei­nem An­teil am be­nach­bar­ten Haus Haa­ren. Er ver­erb­te bei­de über sei­nen Sohn God­dert an des­sen Nef­fen, Al­efs En­kel Jo­hann von der Re­cke. Die­ser hei­ra­te­te 1478 Ro­rich von der Mark. Ge­gen die Zah­lung von 1.000 Gul­den, im Üb­ri­gen als Mit­gift über­schrieb ihm sein Schwie­ger­va­ter Everd von der Mark die in sei­nem Be­sitz be­find­li­che grö­ße­re Hälf­te von Haus Uen­trop. Der Schwa­ger, der jün­ge­re Everd von der Mark, ver­zich­te­te 1494 auf den Rück­kauf. Seit Jo­hann im Jah­re 1504 den Al­lein­be­sitz er­warb, steht Haus Uen­trop fest im Be­sitz der Fa­mi­lie.

Jo­hann hat­te meh­re­re Söh­ne; Erbe von Haus Uen­trop war Evert, Dros­te zu Hamm. Im Jah­re 1541 ver­lieh ihm Kai­ser Karl V. für dem Kai­ser und Reich ge­leis­te­te Diens­te ein Müh­len­pri­vi­leg. Evert hat­te ei­nen Sohn glei­chen Na­mens, der 1560 ver­starb. Das Gut war da be­reits so hoch ver­schul­det, dass sei­ne Wit­we Ger­trud von Münch­hau­sen es Mit­te der sech­zi­ger Jah­re (al­ter­na­ti­ve An­ga­be: 1579) ver­kau­fen muss­te. Käu­fer war der kle­vi­sche Mar­schall Diet­rich XV. von der Re­cke, na­mens und in Ver­tre­tung sei­nes Bru­ders Ma­thi­as, Kom­tur zu Do­blen und Herr zu Neu­en­burg im Kur­land. Des­sen zwei­ter Sohn Diet­rich be­grün­de­te die jün­ge­re Li­nie der Fa­mi­lie auf Haus Uen­trop:

  • Kon­rad von der Re­cke zu Haa­ren und Uen­trop (1630 – 1630), Ritt­meis­ter, ∞ Ger­ber­ga von Wy­lich
  • Diet­rich von der Re­cke zu Haa­ren und Uen­trop (1632 – 1656) ∞ Eli­sa­beth von der Re­cke
  • Diet­rich von der Re­cke zu Haa­ren und Uen­trop (1664 – 1693)

Diet­rich, En­kel des Be­grün­ders der Li­nie, wur­de 1677 (al­ter­na­ti­ve An­ga­be: 1688) zu­sam­men mit sei­nem Bru­der Jo­hann in den Reichs­frei­herrn­stand er­ho­ben. Sei­ne Wit­we Anna Mag­da­le­na von Bar ließ zwi­schen 1713 und 1720 das jet­zi­ge Her­ren­haus er­bau­en; die alte Burg und die Wirt­schafts­ge­bäu­de wa­ren 1679 ab­ge­brannt. Bei dem neu­en An­we­sen han­delt es sich um ei­nen zwei­ge­schos­si­gen, schlich­ten Back­stein­bau mit Mit­tel­ri­sa­lit und Walm­bach. Bau­meis­ter war Lub­bert Ha­gen aus Bentheim/Gildehaus.

Die aus Feld­brand­stei­nen er­rich­te­te Wohn- und Wirt­schafts­ge­bäu­de wur­den im Lau­fe des 18. Jahr­hun­derts hin­zu­ge­fügt.

Im Jah­re 1763 starb das Ge­schlecht der Re­cke zu Haa­ren im Man­nes­stam­mes aus. Anna Mag­da­le­nas Schwie­ger­toch­ter, En­gel Lui­se von der Re­cke zu Haa­ren, erb­te nach dem Tode ih­res ein­zi­gen Bru­ders das el­ter­li­che Haus Haa­ren, die gleich­na­mi­ge, 1716 ge­schaf­fe­ne Ju­ris­dik­ti­on über das Kirch­spiel Uen­trop, Mund­loh und die im Mär­ki­schen ge­le­ge­nen drei Din­ker­schen Bau­erschaf­ten. Durch Hei­rat in die Rei­hen des Uen­tro­per Zwei­ges der Fa­mi­lie von der Re­cke ge­lang­ten die Be­sit­zun­gen in die Hän­de der Re­cke zu Uen­trop. 1764 wur­de Jo­hann Mat­thi­as Diet­rich von der Re­cke vom Kö­nig mit den Gü­tern be­lehnt.

Die dem Haus Haa­ren 1716 ver­lie­he­ne Pa­tri­mo­ni­al­ge­richts­bar­keit über das Kirch­spiel Uen­trop und die Bau­erschaft Nord­din­ker wur­de auf Haus Uen­trop über­tra­gen.

Die Re­cke und ihre Nach­kom­men sind auf Haus Uen­trop in­zwi­schen seit über 600 Jah­ren nach­weis­bar. Haus Uen­trop ist da­mit der ein­zi­ge Rit­ter­sitz des al­ten mär­ki­schen Am­tes Hamm, der noch heu­te von dem auf­sit­zen­den Adels­ge­schlecht be­wirt­schaf­tet wird. Noch im Jah­re 1976 wohn­ten Mit­glie­der der Fa­mi­lie auf dem An­we­sen, das heu­te al­ler­dings un­be­wohnt ist. Ei­gen­tü­mer war Fried­rich-Wil­helm Frei­herr von der Re­cke.

Fotostrecke Haus Uentrop

Lage des Haus Uentrop

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