Haus Stapel

Haus Stapel

Haus Sta­pel

Haus Sta­pel bei Ha­vix­beck, Nord­rhein-West­fa­len, ist ei­nes der größ­ten Was­ser­schlös­ser West­fa­lens. Das 1827 fer­tig­ge­stell­te Haupt­haus wur­de im Stil des Klas­si­zis­mus er­rich­tet, die äl­te­re Vor­burg stammt aus ba­ro­cker Zeit.

Baugeschichte

Ur­sprüng­lich be­fand sich ne­ben dem Platz des heu­ti­gen Was­ser­schlos­ses eine Turm­hü­gel­burg. Als Adels­sitz ist Haus Sta­pel wohl erst im 16. Jahr­hun­dert an der Stel­le ei­nes be­reits im 13. Jahr­hun­dert be­zeug­ten, eben­falls durch eine um­ge­ben­de Was­ser­an­la­ge ge­schütz­ten Vor­gän­ger­baus er­rich­tet wor­den.

Seit dem frü­hen Mit­tel­al­ter exis­tier­ten bei Haus Sta­pel um­fang­rei­che Stau­an­la­gen, von de­nen sich tie­fe und brei­te Grä­ben im Schloss­park bis in die heu­ti­ge Zeit er­hal­ten ha­ben. In die­sen Grä­ben wur­de das Was­ser der Müns­ter­schen Aa ge­staut, um eine gro­ße Fi­sche­rei­an­la­ge zu be­trei­ben. Im Mit­tel­al­ter und in der frü­hen Neu­zeit wa­ren zahl­rei­che Ab­sti­nenz­ta­ge üb­lich, so­dass der Teich­wirt­schaft gro­ße Be­deu­tung zu­kam. Ein wei­te­res Wehr dien­te zum Be­trieb der zum Schloss ge­hö­ri­gen, nur we­ni­ge fluss­ab­wärts ge­le­ge­nen Stap­ler Was­ser­müh­le, de­ren Tech­nik in­zwi­schen zu­rück­ge­baut wur­de. Das Ge­bäu­de ist heu­te ein Pri­vat­mu­se­um, das vom letz­ten Mül­ler Heinz See­sing ein­ge­rich­tet wur­de.

Die heu­ti­gen Ge­bäu­de der Vor­burg ent­stan­den groß­teils in den Jah­ren 1607 und 1608 (die Flan­kie­rungs­tür­me und Öko­no­mie­ge­bäu­de mit Aus­nah­me des zen­tra­len Tor­turms). Sie wur­den im Lau­fe der Zeit den wech­seln­den land­wirt­schaft­li­chen Er­for­der­nis­sen an­ge­passt. Der hoch­ba­ro­cke, reich ver­zier­te Tor­turm wur­de dem Ge­bäu­de­en­sem­ble im Jahr 1719 hin­zu­ge­fügt. Des­sen Bau­meis­ter lässt sich heu­te nicht mehr mit Si­cher­heit er­mit­teln. Als mög­li­che Ar­chi­tek­ten kom­men Lam­bert Fried­rich Cor­fey, Jo­hann Con­rad Schlaun, Ma­xi­mi­li­an von Welsch, Gott­fried Lau­renz Pic­to­ri­us so­wie des­sen Bru­der Pe­ter Pic­to­ri­us der Jün­ge­re in Fra­ge, wo­bei ei­ni­ges für den letz­te­ren spricht.

Das heu­ti­ge Schloss ent­stand in den Jah­ren 1819–1827 nach Plä­nen des aus Rhei­ne stam­men­den Bau­meis­ters Au­gust Rein­king, der im Jahr der Grund­stein­le­gung im Sep­tem­ber 1819 ver­starb. Die Ti­ro­ler Meis­ter Lud­wig Fal­ger und Jo­sef Rief stuk­kier­ten die Räu­me des Her­ren­hau­ses.

Haus Sta­pel wur­de am 9. Au­gust 1989 in die Denk­mal­lis­te von Ha­vix­beck ein­ge­tra­gen. Zum Denk­mal­be­stand ge­hö­ren ne­ben dem Haupt­haus und der Vor­burg die bei­den Brü­cken zur Stra­ße und zum Gar­ten, die alte Oran­ge­rie im Park, ein Fach­werk­ge­bäu­de links der Zu­fahrts­stra­ße, die Grab­le­ge im Park mit ei­nem Hoch­kreuz, ein auf­ge­mau­er­tes Was­ser­be­cken süd­lich des Her­ren­hau­ses, drei Stra­ßen­brü­cken über Gräf­ten­ar­me bzw. die Aa, eine Kreu­zi­gungs­grup­pe an der Zu­fahrts­stra­ße, zwei Sta­tu­en an der Haupt­brü­cke (den Hei­li­gen An­to­ni­us und ei­nen Mönch dar­stel­lend), die Gräf­ten­an­la­ge und der Park, eine Bleich­hüt­te und die Sta­pels Müh­le.

Besitzergeschichte

1211 wur­de das Stap­ler Gut in ei­ner Ur­kun­de des Klos­ters Wer­den erst­mals er­wähnt. Das An­we­sen ge­hör­te stets ade­li­gen Fa­mi­li­en. Es wur­de in sei­ner ge­sam­ten Ge­schich­te nie­mals ver­kauft, son­dern ge­lang­te nur über die weib­li­che Erb­fol­ge in an­de­re Fa­mi­li­en. Seit dem 13. Jahr­hun­dert war es im Be­sitz der im Müns­ter­land weit ver­brei­te­ten Erb­män­ner-Fa­mi­lie von Kercke­rinck. Die­ser Zweig der Fa­mi­lie nann­te sich da­nach von Kercke­rinck zu Sta­pel und wur­de in der ers­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts in den erb­li­chen Reichs­frei­her­ren­stand er­ho­ben.

Rund 100 Jah­re spä­ter starb die­se Fa­mi­lie im Man­nes­stam­me aus. Die Erb­toch­ter Ma­ria The­re­sia Frei­in von Kercke­rinck zu Sta­pel (1786–1870) hei­ra­te­te im Jah­re 1801 im Al­ter von 15 Jah­ren Ernst Kon­stan­tin Frei­herr von Dros­te zu Hüls­hoff, ei­nen On­kel der Dich­te­rin An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff. Aus die­ser Ehe gin­gen 22 Kin­der her­vor, von de­nen aber nur rund die Hälf­te das Er­wach­se­nen­al­ter er­reich­te. Für die­se gro­ße Fa­mi­lie wur­de das heu­ti­ge Schloss er­baut. Die Dich­te­rin soll die Dros­te-Sta­pels, weil das Haus aus dem we­nig halt­ba­ren Baum­ber­ger Kalk­sand­stein er­baut war, „Kalk­steins“ ge­nannt ha­ben. Auch sonst äu­ßer­te sie sich we­nig freund­lich über die­sen Teil der Fa­mi­lie. Zu ih­rem Leid­we­sen muss­te die Dros­te aus fa­mi­liä­rer Hilfs­be­reit­schaft den an­geb­lich nur mä­ßig be­gab­ten Cou­si­nen auch noch Pri­vat­un­ter­richt er­tei­len. Kei­nes der ur­sprüng­lich 22 Kin­der hat­te ehe­li­che Nach­kom­men. Als das letz­te die­ser Kin­der des Schloss­erbau­ers ohne Tes­ta­ment im Jah­re 1880 ver­starb, wähl­te die Fa­mi­lie von Dros­te zu Hüls­hoff Kle­mens Fried­rich Frei­herr Dros­te zu Hüls­hoff, ei­nen nach­ge­bo­re­nen Sohn aus der be­nach­bar­ten Burg Hüls­hoff, zum Er­ben. Er war ein Nef­fe der vor­ge­nann­ten Dich­te­rin, vor­mals Land­rat von Bü­ren und ist der Ur­groß­va­ter der heu­ti­gen Be­sit­ze­rin.

Die­ser be­stimm­te sei­nen Sohn Fritz zum Er­ben, der aber zu Be­ginn des Ers­ten Welt­krie­ges schwer ver­wun­det wur­de, nicht hei­ra­te­te und An­fang der drei­ßi­ger Jah­re Er­men­gard – die Toch­ter sei­nes Bru­ders Cle­mens von Dros­te zu Hüls­hoff, Land­rat im Land­kreis Höx­ter – ad­op­tier­te, die ihm nach sei­nem Tode im Jah­re 1936 als Er­bin folg­te und mit Her­mann Jo­sef Frei­herr Raitz von Frentz ver­hei­ra­tet ist. Das Ehe­paar Raitz von Frentz hat fünf Töch­ter und ei­nen Sohn.

Die Fa­mi­lie Raitz von Frentz zog 1967 aus dem Schloss aus und be­zog ei­nen Neu­bau in der Nach­bar­schaft. Die Schloss­an­la­ge wur­de suk­zes­si­ve neu ver­mie­tet, un­ter an­de­rem an ver­schie­de­ne Künst­ler. Eine Be­sich­ti­gung der An­la­ge ist nur von au­ßen mög­lich. Le­dig­lich an zwei Wo­chen­en­den im Mai und Sep­tem­ber, an de­nen Kon­zer­te auf Haus Sta­pel statt­fin­den, kön­nen vor Kon­zert­be­ginn In­nen­hof, Gar­ten, Park, Trep­pen­haus und Fest­saal be­sich­tigt wer­den.

Haus Stapel und der Erbmännerstreit

Frei­herr Jo­hann Lud­wig von Kercke­rinck zu Sta­pel (1671–1750) war ei­ner der eif­rigs­ten Ver­fech­ter des durch sei­ne lan­ge Pro­zess­dau­er von mehr als zwei Jahr­hun­der­ten be­rühmt ge­wor­de­nen „Müns­ter­schen Erb­män­ner­streits“. Nach dem ju­ris­ti­schen Sieg der Erb­män­ner über das müns­ter­sche Dom­ka­pi­tel ließ der Frei­herr den oben ge­nann­ten präch­ti­gen Tor­turm er­bau­en. Die Pro­zess­ak­ten und Ta­ge­bü­cher aus da­ma­li­ger Zeit sind heu­te teil­wei­se noch im Ar­chiv von Haus Sta­pel vor­han­den.

Haus Stapel im Film

  • Bau­er See­sing und Herr Ba­ron. Ein Por­trät zwei­er Nach­barn, LWL-Me­di­en­zen­trum für West­fa­len 2008, ISBN 978-3-939974-00-0

Der Film von An­ge­li­ka Schlü­ter und Ju­li­an Is­fort er­zählt die Ge­schich­te der Nach­barn Heinz See­sing und Her­mann-Jo­sef Frei­herr Raitz von Frentz. Die bei­den le­ben we­ni­ge hun­dert Me­ter von­ein­an­der ent­fernt bei Haus Sta­pel. Vor der Ku­lis­se des Was­ser­schlos­ses be­rich­ten sie von ih­rem Le­ben, aber auch von der Ge­schich­te des Schlos­ses und sei­ner Be­woh­ner.

Haus Sta­pel dien­te als Ku­lis­se zu den Fil­men Das Ge­lüb­de und Die ge­lieb­ten Schwes­tern des Re­gis­seurs Do­mi­nik Graf.

Konzerte auf Haus Stapel

Seit 2011 fin­den an ei­nem Mai­wo­chen­en­de und am Tag des of­fe­nen Denk­mals im Sep­tem­ber je­weils sams­tags und sonn­tags im his­to­ri­schen Fest­saal ro­man­ti­sche Lie­der­aben­de statt. Als Prot­ago­nis­tin und künst­le­ri­sche Lei­te­rin hat Fa­mi­lie Raitz von Frentz die So­pra­nis­tin Hei­ke Hal­lasch­ka ver­pflich­tet. Sie wird be­glei­tet vom Pia­nis­ten Cle­mens Rave, der ein­mal im Jahr zu­sätz­lich ei­nen Kla­vier­abend bei Ker­zen­schein auf dem seit 140 Jah­ren im Fest­saal ste­hen­den und 2012 re­stau­rier­ten Knake­flü­gel von 1873 gibt. Je­des Kon­zert wird mit ei­nem von der Dich­te­rin An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff kom­po­nier­ten Lied ein­ge­lei­tet.

Fotostrecke Haus Stapel

Lage des Haus Stapel

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