Haus Havixbeck

Haus Havixbeck von Süden auf einer Farblithografie aus den 1860er Jahren

Haus Ha­vix­beck von Sü­den auf ei­ner Farbli­tho­gra­fie aus den 1860er Jah­ren

Das Haus Ha­vix­beck ist ei­nes der zahl­rei­chen, für das Müns­ter­land ty­pi­schen Was­ser­schlös­ser. Die An­la­ge be­fin­det sich in der Ge­mein­de Ha­vix­beck im Kreis Coes­feld und steht un­ter Denk­mal­schutz. Ob­wohl die An­la­ge manch­mal auch Was­ser­burg Haus Ha­vix­beck ge­nannt wird, han­delt es sich bei der An­la­ge je­doch um ein Schloss und nicht um eine Burg.

Das ab 1562 er­rich­te­te Haus ging aus ei­nem mit­tel­al­ter­li­chen Schul­zen­gut her­vor und kam zu Be­ginn des 17. Jahr­hun­derts durch Hei­rat an die Fa­mi­lie von Twi­ckel, in de­ren Be­sitz es sich heu­te noch be­fin­det. Die Ge­bäu­de wer­den von ihr be­wohnt und be­wirt­schaf­tet und sind des­halb für die Öf­fent­lich­keit nicht zu­gäng­lich. Die Au­ßen­an­la­gen kön­nen aber im Rah­men ei­ner Füh­rung des ört­li­chen Ver­kehrs­ver­eins be­sich­tigt wer­den.

Geschichte

Nebengebäude des östlichen Seitenflügels;links im Bild: Torturm und Rentei

Ne­ben­ge­bäu­de des öst­li­chen Seitenflügels;links im Bild: Tor­turm und Ren­tei

Haus Ha­vix­beck ging aus dem Brü­nings­hof, ei­nem Schul­zen­gut des Stif­tes St. Mau­ritz, her­vor und ge­hör­te zum da­ma­li­gen Kirch­spiel Ha­vix­beck. Nach­dem der Schul­ze Wig­bold Brun­ynck kin­der­los ver­stor­ben war, be­lehn­te der Propst von St. Mau­ritz 1369 den Rit­ter Diet­rich von Scho­ne­beck mit dem Gut. Durch Hei­rat der Cris­sel­la von Scho­ne­beck mit Swe­der oder As­sue­rus von Be­vern um da. Jahr 1450 kam das An­we­sen an die­se Adels­fa­mi­lie. 1562 be­gann Jo­hann von Be­vern mit dem Bau des heu­ti­gen Her­ren­hau­ses im Stil der Re­nais­sance, wo­von ein da­tier­ter Krag­stein kün­det.

Das Haus blieb bis 1601 im Be­sitz der von Be­vern. In jene. Jahr hei­ra­te­te die Erb­toch­ter Erm­gard (auch Er­mi­ni­gar­dia) Ru­dolph von Twi­ckel und brach­te Haus Ha­vix­beck als Mit­gift in die Ehe. Ru­dolphs Nach­fah­re Chris­toph Bern­hard wur­de 1708 von Kai­ser Jo­seph I. in den Reichs­frei­her­ren­stand er­ho­ben. Sei­ne Fa­mi­lie ist noch heu­te Be­sit­ze­rin der Schloss­an­la­ge.

Kamin im Rittersaal

Ka­min im Rit­ter­saal

Bis 1654 wur­de dem da­ma­li­gen Her­ren­haus der heu­ti­ge, west­li­che Teil an­ge­baut. 20 Jah­re spä­ter folg­te die Er­rich­tung ei­nes mas­si­ven Tor­turms und ei­nes Rentei­ge­bäu­des, ehe dem Her­ren­haus an der Süd­sei­te um 1700 mit­tig ein Por­tal­vor­bau an­ge­baut wur­de. 1711 er­wei­ter­te die Fa­mi­lie von Twi­ckel das Her­ren­haus ein kur­zes Stück nach Os­ten. Zahl­rei­che Um-, Aus- und Neu­bau­ten fan­den im 19. Jahr­hun­dert statt. Dazu zäh­len un­ter an­de­rem die Er­rich­tung von Wirt­schafts­ge­bäu­den auf der Vor­burg-In­sel zu Be­ginn de. Jahr­hun­derts, das Er­set­zen der öst­li­chen Zug­brü­cke durch eine ge­mau­er­te Brü­cke im Jahr 1831 und der Um­bau der Re­mi­se 1862. Bis in die Zeit um 1850 prä­sen­tier­te sich Haus Ha­vix­beck als eine An­la­ge, de­ren Vor- und Kern­burg auf se­pa­ra­ten In­seln stan­den, die Zwei­tei­lung wur­de je­doch zu je­ner Zeit auf­ge­ho­ben und der tren­nen­de Was­ser­gra­ben zu­ge­schüt­tet. Eben­falls noch in das 19. Jahr­hun­dert da­tiert die um­fas­sen­de Er­neue­rung der Schloss­ka­pel­le im Jahr 1881, bei der auch viel um­ge­stal­tet wur­de, so­wie die Ver­än­de­rung des Por­tal­vor­baus.

Zu den letz­ten Ver­än­de­run­gen an der Bau­sub­stanz des Was­ser­schlos­ses zähl­ten 1905 die In­stal­la­ti­on ei­ner fes­ten Brü­cke am süd­li­chen Zu­gang der Schloss­in­sel so­wie die Um­ge­stal­tung des Gie­bels am Por­tal­vor­bau des Her­ren­hau­ses im Jahr 1934, bei dem er sei­ne heu­ti­ge Ge­stalt er­hielt.

Beschreibung

Haus Ha­vix­beck ist eine drei­flü­ge­li­ge Schloss­an­la­ge, de­ren Huf­ei­sen­form sich nach Sü­den zur Vor­burg hin öff­net. Die Schloss­in­sel ist von ei­ner brei­ten Gräf­te um­ge­ben, die vom Schlaut­bach, ei­nem Ur­sprungs­arm der Müns­ter­schen Aa, ge­speist wird. Um­ge­ben sind die Ge­bäu­de von ei­nem gro­ßen eng­li­schen Land­schafts­park, der je­doch noch den re­gel­mä­ßi­gen Ba­rock­gar­ten er­ken­nen lässt. Im Park steht eine klei­ne Ka­pel­le aus dem 17. Jahr­hun­dert.

Gebäude

Kapelle des Hauses, Motiv einer alten Postkarte

Ka­pel­le des Hau­ses, Mo­tiv ei­ner al­ten Post­kar­te

Zu­gang zur Schloss­in­sel ge­währt im Sü­den eine ge­mau­er­te Brü­cke über die Gräf­te, die zu ei­nem von ba­ro­cken Pfei­lern flan­kier­ten Tor führt. Die Pfei­ler tra­gen Put­ten und wur­den um 1733 von Jo­hann Con­rad Schlaun ent­wor­fen. Glei­ches gilt für die ge­schwun­ge­ne Fut­ter­mau­er so­wie Pfei­ler, die im Gar­ten der Schloss­an­la­ge ste­hen und von Va­sen be­krönt sind. Die Ge­bäu­de der sym­me­tri­schen An­la­ge wur­den wie das 2,3 Ki­lo­me­ter ent­fern­te Haus Sta­pel mehr­heit­lich aus Baum­ber­ger Sand­stein er­rich­tet. Le­dig­lich die Ober­ge­schos­se zwei­er Bau­ten aus dem spä­ten 17. Jahr­hun­dert wei­sen Fach­werk­bau­wei­se auf.

Von Sü­den kom­mend, fal­len dem Be­trach­ter zu­erst zwei lang­ge­streck­te, ein­ge­schos­si­ge Wirt­schafts­ge­bäu­de mit Krüp­pel­walm­dach ins Auge. Sie neh­men die kom­plet­te öst­li­che und west­li­che Längs­sei­te der ehe­ma­li­gen Vor­burg­in­sel ein. Das Her­ren­haus steht als Quer­bau am nörd­li­chen Ende der Schloss­in­sel. Es er­in­nert in sei­ner Grund­form an ein west­fä­li­sches Bau­ern­haus. Ihm schlie­ßen sich an sei­nen bei­den Ende in süd­li­cher Rich­tung die Ne­ben­ge­bäu­de wie Sei­ten­flü­gel an. Dazu zäh­len an der West­sei­te eine im spä­ten 19. Jahr­hun­dert stark ver­än­der­te Schloss­ka­pel­le mit Dach­rei­ter und eine Re­mi­se, de­ren Mau­er­an­ker in Form de. Jah­res­zahl 1862 vom Ende ih­res Um­baus kün­den. Die­sen Ge­bäu­den ge­gen­über lie­gen an der an­de­ren In­sel­sei­te ein mas­si­ver, drei­ge­schos­si­ger Tor­turm von 1674, der ei­nen zwei­ten Ein­gang zur Schloss­in­sel bie­tet, und eine sich dar­an an­schlie­ßen­de Ren­tei aus etwa glei­cher Zeit. Das Tor be­sitzt an der Au­ßen­fas­sa­de ein ori­gi­nel­les Ruf­loch in Form ei­nes Lö­wen­kop­fes und die In­schrift „WERDA“. Zu ihm führt eine ge­mau­er­te, drei­bo­gi­ge Brü­cke, die über eine rund 470 Me­ter lan­ge Al­lee er­reicht wer­den kann.

Nordwest-Ansicht 1890-1892

Nord­west-An­sicht 1890-1892

Das recht­ecki­ge, etwa 48 × 13 Me­ter mes­sen­de Her­ren­haus er­hebt sich über drei Ge­schos­se und ist von ei­nem ho­hen, zie­gel­ge­deck­ten Sat­tel­dach mit Gau­ben ab­ge­schlos­sen. Sein Kern stammt – wie der acht­ecki­ge Trep­pen­turm an der Nord­fas­sa­de mit Schie­fer­helm, ver­mau­er­tem Ein­gang und Wap­pen­schmuck – aus de. Jahr 1562. Ei­sen­an­ker in Form de. Jah­res­zahl 1654 zeu­gen von dem nach­träg­li­chen An­bau des west­li­chen Ge­bäu­de­teils, und ein kur­zes Stück am öst­li­chen Ende kam erst 1711 dazu. Die für das Müns­ter­land ty­pi­schen Drei­staf­fel­gie­bel des Ge­bäu­des sind als Schau­fas­sa­de ge­stal­tet. Ihre Stu­fen be­sit­zen ku­gel­be­setz­te, halb­kreis­för­mi­ge Auf­sät­ze, de­ren Flä­chen mit ei­nem Mu­schel­re­li­ef aus­ge­füllt sind. Der Ost­gie­bel weist ne­ben dem Al­li­anz­wap­pen der Fa­mi­li­en von Twi­ckel und von Dros­te-Vi­sche­ring die Jah­res­zahl 1711 auf. Die Ge­schoss­e­in­tei­lung ist dort an­hand von Gurt­ge­sim­sen gut ab­les­bar. Der hof­sei­ti­gen Süd­fas­sa­de ist mit­tig ein Por­tal­vor­bau Stil des flä­mi­schen Früh­ba­rocks vor­ge­setzt. Ob­wohl in der sym­me­tri­schen Mit­te des Her­ren­hau­ses ge­le­gen, ist der fünf­ach­si­ge Bau­kör­per selbst un­sym­me­trisch. Der von Halb­säu­len flan­kier­te Ein­gang liegt näm­lich nicht in der zen­tra­len Mit­te des An­baus, son­dern ist et­was nach Wes­ten ver­scho­ben. Er ist von ei­nem Rund­bo­gen­gie­bel mit Wap­pen im Gie­bel­feld be­krönt. Die zwei Ge­schos­se des Vor­baus sind ver­ti­kal durch tos­ka­nisch-io­ni­sche Pi­las­ter ge­glie­dert und be­sit­zen ein auf­wän­dig ge­stal­te­tes Kranz­ge­sims als obe­ren Ab­schluss.

Inneneinrichtung

In der west­li­chen Hälf­te des Her­ren­hau­ses fin­det sich der Rit­ter­saal aus de. Jahr 1651, der die ge­sam­te Brei­te des Ge­bäu­des ein­nimmt. Die Bret­ter und die schlicht or­na­men­tier­ten Bal­ken der Holz­bal­ken­de­cke sind sicht­bar. Dies ist die ein­zi­ge sicht­ba­re Holz­bal­ken­de­cke aus die­ser Zeit in West­fa­len, denn es war zur Zeit der Er­bau­ung üb­lich, die De­cken­kon­struk­ti­on un­ter Stuck­ver­zie­run­gen zu ver­ber­gen. An der Stirn­sei­te des mit ei­nem zwei­far­bi­gen Plat­ten­bo­den ver­se­he­nen Raums steht ein gro­ßer Prunk­ka­min nie­der­län­di­scher Art mit ei­ner Wap­pen­fol­ge, die sich fries­ar­tig um den Ka­min zieht. Im Her­ren­haus exis­tie­ren zwei wei­te­re Ka­mi­ne von 1562 und 1565, die ur­sprüng­lich auf Haus Lüt­ting­hof in­stal­liert wa­ren und kunst­his­to­risch eben­falls be­mer­kens­wert sind.

Fotostrecke Haus Havixbeck

Lage des Haus Havixbeck

Lizenz

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