Haus Goldschmieding

Haus Goldschmieding

Haus Gold­schmie­ding

Das Haus Gold­schmie­ding ist ein ehe­ma­li­ger Adels­sitz auf dem Stadt­ge­biet von Cas­trop-Rau­xel. Sei­ne Ur­sprün­ge lie­gen in ei­nem Rit­ter­gut aus dem 13. Jahr­hun­dert, des­sen Na­men sich aus den mit­tel­hoch­deut­schen Be­grif­fen „gholt“ für „Holz“ bzw. „am Wald“ und „sme­dinc“ für „Schmie­de“ zu­sam­men­setzt.

Im letz­ten Vier­tel des 16. Jahr­hun­derts wur­de das da­ma­li­ge Haus im Stil der Lip­pe­re­nais­sance von sei­nen Be­sit­zern voll­kom­men um­ge­stal­tet und prä­sen­tiert sich heu­te – in re­du­zier­ter Form – als schlich­tes Putz­ge­bäu­de, das als Re­stau­rant ge­nutzt wird.

Beschreibung

Haus Gold­schmie­ding ist ein vier­ecki­ges Her­ren­haus mit na­he­zu qua­dra­ti­schem Grund­riss und ei­nem run­den Eck­turm an sei­ner Nord­ost-Ecke, der ei­nen kon­kav ge­schwun­ge­nen Helm be­sitzt. Das zwei­ge­schos­si­ge Ge­bäu­de aus Back­stein­mau­er­werk ist weiß ver­putzt und ist von ei­nem Zie­gel­ge­deck­ten Man­sard­dach ab­ge­schlos­sen. Vor dem 17. Jahr­hun­dert war das Haus etwa dop­pelt so groß und prä­sen­tier­te sich mit ei­ner Er­wei­te­rung in Nord­west-Rich­tung, die in etwa die spie­gel­bild­li­che Form des heu­ti­gen Bau­be­stan­des be­saß. Heu­te ist das Ge­bäu­de an der Ost­sei­te um ei­nen his­to­ri­sie­ren­den, aber mo­der­nen An­bau er­gänzt, der als Re­stau­rant dient.

Von der In­nen­aus­stat­tung ist heut­zu­ta­ge noch der Fest­saal mit Bal­ken­de­cke er­hal­ten, der als be­son­de­res Prunk­stück ei­nen kunst­vol­len Re­nais­sance-Ka­min aus Baum­ber­ger Sand­stein be­sitzt. Die­ser ist viel­leicht von dem aus Kal­kar stam­men­den Bild­hau­er und Bau­meis­ter Wil­helm Ver­nukken ge­stal­tet wor­den, denn die Aus­füh­rung weist star­ke Par­al­le­len zu den auf­wän­dig ge­stal­te­ten Ka­mi­nen von Schloss Horst in Gel­sen­kir­chen auf. Er misst 3,50 × 4,15 Me­ter bei ei­ner Tie­fe von über 80 cm. Sein Sturz be­sitzt acht Bild­fel­der mit al­le­go­ri­schen Re­li­efs, da­zwi­schen fin­den sich an­ti­ken Göt­ter- und He­ro­en­dar­stel­lun­gen. Der Gie­be­lauf­bau des Ka­mins zeigt die Fa­mi­li­en­wap­pen sei­ner Er­bau­er Schell und Over­la­cker.

Geschichte

Kamin im Festsaal

Ka­min im Fest­saal

In Ver­bin­dung mit dem Rit­ter Lam­bert von Gholts­me­dinc wird Haus Gold­schmie­ding im Jahr 1275 als Grenz­fes­te des erz­bi­schöf­li­chen Reck­ling­hau­sen ge­gen die Gra­fen von der Mark erst­mals ur­kund­lich er­wähnt. Zu je­ner Zeit han­del­te es sich um ein wehr­haf­tes Haus, das – auf ei­ner In­sel ge­le­gen – von ei­ner Gräf­te um­ge­ben war. Auch die da­zu­ge­hö­ri­ge Vor­burg lag auf ei­ner ei­ge­nen In­sel und war über ei­ner Brü­cke mit der Haupt­in­sel ver­bun­den.

Ge­gen Ende des 14. Jahr­hun­derts kam der Be­sitz an die Fa­mi­lie von Alstede, de­nen die Fa­mi­lie von As­beck folg­te. Nur we­nig spä­ter war das An­we­sen im Be­sitz Wil­helms vom Over­la­cker. Nach­dem die Erb­toch­ter von Gold­schmie­ding, Anna Mar­ga­re­tha von Over­la­cker, 1583 Jo­hann von Schell zu Re­chen ge­hei­ra­tet hat­te, wech­sel­te Haus Gold­schmie­ding in den Be­sitz der Her­ren von Schell, die ih­ren Stamm­sitz im Haus Re­chen bei Bo­chum hat­ten.

Das Ehe­paar ließ das alte Ge­bäu­de ab­rei­ßen und an sei­ner Stel­le in den Jah­ren von 1583 bis 1597 ei­nen Neu­bau er­rich­ten, wo­von der präch­ti­ge Re­nais­sance-Ka­min im Fest­saal des Her­ren­hau­ses mit den Wap­pen der Ehe­leu­te und der Jah­res­zahl 1597 kün­det. Das neue Ge­bäu­de dien­te aus­schließ­lich zu Wohn­zwe­cken und wur­de an sei­nem nord­öst­li­chen und -west­li­chen Ende je­weils von ei­nem run­den Wehr­turm flan­kiert, von de­nen heut­zu­ta­ge nur noch der­je­ni­ge im Os­ten er­hal­ten ist.

Wäh­rend des 17. Jahr­hun­derts wur­de die Nord­west­sei­te des Hau­ses samt sei­nem Eck­turm ab­ge­ris­sen, so­dass in heu­ti­ger Zeit nur noch eine Hälf­te des eins­ti­gen Baus er­hal­ten ist. Sein Man­sard­dach, das in die­ser Form erst seit der Mit­te des 17. Jahr­hun­derts üb­lich war, er­setz­te ver­mut­lich ein äl­te­res Walm- oder Sat­tel­dach.

Skulpturen im Schlosspark

250 Jah­re lang war Haus Gold­schmie­ding un­un­ter­bro­chen Ei­gen­tum der Frei­her­ren von Schell, ehe es 1838 in den Be­sitz des Guts­be­sit­zers Fried­rich Klön­ne kam, der es 1872 dem iri­schen Un­ter­neh­mer Wil­liam Tho­mas Mul­va­ny ver­kauf­te. Das Her­ren­haus dien­te ihm und sei­ner Fa­mi­lie nach eng­li­scher Sit­te als Som­mer­sitz, wäh­rend sie den Rest des Jah­res auf dem Knap­pen­gut in Pem­pel­fort, heu­te ein Stadt­teil von Düs­sel­dorf, wohn­ten. Mul­va­ny leg­te ei­nen Land­schafts­gar­ten auf sei­nem Be­sitz an und för­der­te den Reit- und Pfer­de­renn­sport, in­dem er ge­gen­über dem Her­ren­haus eine Na­tur­hin­der­nis-Pfer­de­renn­bahn an­le­gen ließ.

Wil­liams Sohn, Kon­sul Tho­mas Ro­bert Mul­va­ny, nahm in den Jah­ren 1894 und 1895 noch ein­mal grö­ße­re Um­bau­ten am Haus vor. So ließ er das heu­ti­ge Ein­gangs­por­tal und die da­zu­ge­hö­ri­ge Frei­trep­pe an­le­gen. Bei der Er­neue­rung des Au­ßen­put­zes 1937 wur­de eine zu­ge­mau­er­te Tür­öff­nung frei­ge­legt, die be­wies, dass sich das Vor­gän­ger­por­tal nicht an glei­cher Stel­le, son­dern links da­von in der Mit­tel­ach­se des Fest­saa­les und der „al­ten Mit­te“ des Ge­bäu­des be­fun­den hat­te.

1905 wur­de der Bau an die Gel­sen­kir­che­ner Berg­werks-AG ver­kauft, die ihn in der Zeit von 1950 bis 1968 der „Ge­sell­schaft für mo­ra­li­sche Auf­rüs­tung“ als Gäs­te­haus über­ließ. 1968 kam Haus Gold­schmie­ding mit­samt dem da­zu­ge­hö­ri­gen Park und der Renn­bahn an die Stadt Cas­trop. Auf dem Are­al der ehe­ma­li­gen Vor­burg wur­de ein an alte For­men an­ge­lehn­ter Neu­bau er­rich­tet, der als Ho­tel dient. Das ei­gent­li­che Her­ren­haus be­her­bergt, um ei­nen An­bau er­gänzt, ein Re­stau­rant.

Das Haus wird von ei­nem weit­läu­fi­gen Park um­ge­ben, der frei zu­gäng­lich und mit zahl­rei­chen mo­der­nen Skulp­tu­ren aus­ge­stat­tet ist.

Fotostrecke Haus Goldschmieding

Lage des Haus Goldschmieding

Lizenz

© Ur­he­ber­recht für die Fo­tos auf die­sen Sei­ten be­stehen bei Bern­hard Gro­ße-Drenkpohl.
Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Haus Gold­schmie­ding aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­to­ren ver­füg­bar.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://grosse-drenkpohl.de/haus-goldschmieding/

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.

Scroll Up