Haus Beckedorf

Haus Be­cke­dorf war eine Was­ser­burg in der heu­te zu Wer­ne ge­hö­ren­den Bau­erschaft Horst, ganz in der Nähe des heu­ti­gen Bau­ern­ho­fes Möl­len­hof. Sie lag rechts von der heu­ti­gen Land­stra­ße, die von Bock­um nach dem zu Asche­berg ge­hö­ren­den Her­bern führt (Her­ber­ner Stra­ße). Der Rit­ter­sitz wur­de um 1500 er­rich­tet und 1855 ab­ge­bro­chen.

Beckedorf

Der Name Be­cke­dorf wird in sei­ner ur­sprüng­li­chen Form „Bi­cken­t­hor­pe“ oder „Bi­cke­dor­pe“ be­reits in Ur­kun­den aus den Jah­ren 1193, 1267, 1337 und 1342 ge­nannt. Er be­deu­tet „Bau­erschaft am Bach“.

1193 schenk­te Bi­schof Her­mann II. von Kat­zeneln­bo­gen dem Klos­ter Cap­pen­berg ei­nen gro­ßen Zehn­ten (12 Den­a­re) und ei­nen gro­ßen Zehn­ten (2 Den­a­re) aus dem Gut Hein­richs und acht Den­a­re aus ei­nem an­de­ren Hof, bei­de in Be­cke­dorf ge­le­gen. In Be­cke­dorf gab es ein Frei­bank­gut, des­halb er­wäh­nen die Ur­kun­den des 13. und des 14. Jahr­hun­derts meh­re­re freie Män­ner, die als Schöf­fen am Frei­stuhl zu Nor­dick auf­tra­ten. So kam es 1267 zu ei­ner Ver­hand­lung am Fehm­stuhl zu Nor­dick (Ber­le), bei der Her­man in Be­cke­dorf als frei­er Mann un­ter den Schöf­fen auf­trat. 1337 und 1342 trat Joh. de Bi­cke­dro­pe ne­ben Eber­hardus auf.

Bauzustand

Die Burg­an­la­ge ist nicht er­hal­ten. Bis etwa 1965 war der Burg­platz noch deut­lich zu er­ken­nen. Er wur­de durch die Gräf­te, al­tes Zie­gel­mau­er­werk und eine Grup­pe ur­alter Kas­ta­ni­en ein­ge­grenzt. Da­nach wur­de der Platz im Rah­men der Flur­be­rei­ni­gung ein­ge­eb­net. Er wird heu­te land­wirt­schaft­lich ge­nutzt.

Geschichte

Haus Be­cke­dorf soll um 1500 durch Gert von Hö­vel er­baut wor­den sein. Die­ser war der Sohn ei­nes an­de­ren Gert von Hö­vel, der sei­nen Wohn­sitz auf Haus Stock­um hat­te. Letz­te­res ging der Fa­mi­lie ver­lo­ren, als Gert von Hö­vel der Jün­ge­re und sein Bru­der Gö­de­ke (auch: Gö­de­cke oder Go­dert) von Hö­vel we­gen Felo­nie (Treue­bruch ge­gen den Lehns­her­ren) ih­res Le­hens an Burg Stock­um für ver­lus­tig er­klärt wur­den. Gert von Hö­vel bau­te dar­auf­hin Be­cke­dorf als sei­nen neu­en Wohn­sitz und nann­te sich von nun an „Gert de Hü­ve­le auf Burg Be­cke­dorf“. An­ders als Haus Stock­um war Be­cke­dorf kein sei­tens des Klos­ters Her­fords ver­lie­he­nes Le­hens­gut, son­dern Al­lo­di­al­be­sitz.

Auf in­stän­di­ges Bit­ten wur­de Gert de Hü­ve­le im Jah­re 1505 wie­der mit Stock­um be­lehnt, wäh­rend Gö­de­ke de Hü­ve­le dau­er­haft aus­ge­schlos­sen blieb. Da­mit be­gann eine über Jahr­hun­der­te an­dau­ern­de Feh­de um den Be­sitz der Gü­ter Stock­um und Be­cke­dorf. Ihr Ver­lauf ist im Bei­trag zu Haus Stock­um aus­führ­lich be­schrie­ben.

1568 nahm Berndt von Hö­vel ein Dar­lehn auf, für das er die Zah­lung ei­ner Ren­te von sechs Mal­ter Rog­gen schul­de­te. Für die­se For­de­rung ver­bürg­te sich Her­mann von Mer­veldt zu Wes­ter­win­kel, dem im Ge­gen­zug die Gü­ter aus dem Erbe Schul­ze Wes­sels als Si­cher­heit ge­bo­ten wur­den. 1728 muss­te der Graf von Mer­veldt schließ­lich als Bür­ge für die Schul­den auf­kom­men, auch hat­te er an­de­re gro­ße For­de­run­gen. Des­halb gin­gen die zu Be­cke­dorf hö­ri­gen Gü­ter Schul­ze Wes­sel, Schüt­te und Sie­penk­ort an ihn.

Der letz­te Be­sit­zer Be­cke­dorfs aus der Fa­mi­lie von Hö­vel trugt den Na­men Bit­ter. Als er um 1640 starb, ver­säum­ten es die Vor­mün­der sei­ner Schwes­ter, für sie die Im­mis­si­on in die Gü­ter zu er­wir­ken. Dar­auf­hin ließ sich Jo­hann von Has­sen­kamp im­mit­tie­ren. Nach ei­nem Ur­teil des Reichs­kam­mer­ge­richts zu Wetz­lar zu Un­guns­ten Has­sen­kamps ging der Be­sitz an den Frei­herrn von Böh­mer (Boymer/Bäumer), der in­zwi­schen alle Gü­ter der von Hö­vel in Erb­pacht be­saß.

Letz­te Erb­toch­ter die­ser Fa­mi­lie war Anna So­phia Eli­sa­beth, Be­sit­ze­rin Be­cke­dorfs von 1701 bis 1726 und ver­hei­ra­tet mit Graf Al­bert Franz von Thi­en­ne. Als sie 1726 ver­starb kam Be­cke­dorf per tes­ta­men­ta­ri­scher Ver­fü­gung aus ih­rem To­des­jahr 1752 bei Tei­lung der Gü­ter un­ter die ver­schie­de­nen Er­ben an den Gra­fen von Li­gné­vil­le. Die­ser wie­der­um starb um 1800 im Krieg ge­gen Frank­reich, wor­auf­hin Jo­seph Graf von Gour­ci Erbe und Lehns­in­ha­ber von Haus Be­cke­dorf wur­de.

1809 er­klär­te Na­po­le­on Bo­na­par­te alle Le­hen zu frei­en Gü­tern. Dar­auf­hin ver­kauf­te der Graf von Gour­ci das Gut noch im glei­chen Jahr an Jo­han­nes Da­vid von Schle­brüg­ge. Der am 8. Ok­to­ber ge­bo­re­ne von Schle­brüg­ge war zwi­schen 1807 und 1814 Mai­re (Bür­ger­meis­ter) von Wer­ne. Am 9. Au­gust 1816 wur­de er dann zum „Land­rät­li­chen Co­mis­sa­ri­us“ des neu ge­bil­de­ten Krei­ses Lü­ding­hau­sen. In die­ser Po­si­ti­on er­hielt er die Er­laub­nis, sei­ne Ge­schäf­te auf Haus Be­cke­dorf zu er­le­di­gen. 1818 wur­de von Schle­brüg­ge zum Land­rat be­för­dert. Die Kreis­ver­wal­tung blieb aber wei­ter­hin auf sei­nem Gut Be­cke­dorf. Erst 1828 ver­leg­te er die Kreis­ver­wal­tung nach Lü­ding­hau­sen. Sein Sohn Franz von Schle­brüg­ge zog 1813 als frei­wil­li­ger Jä­ger mit nach Frank­reich.

1855 kauf­te Karl Graf von Mer­veldt zu Wes­ter­win­kel Haus Be­cke­dorf. Die­ser ließ noch im glei­chen Jahr den al­ten Bau ab­bre­chen. Das Grund­stück ge­hört den Mer­veldts aber noch im­mer.

Die Herren von Beckedorf als Markenrichter

Die Her­ren von Be­cke­dorf wa­ren Mar­ken­rich­ter im Han­loh, ei­ner Mark des Kirch­spiels Bock­um.

Patronatsrecht an der Stephanuskirche Bockum

Mit dem Be­sitz an Burg Be­cke­dorf war zu­gleich das Pa­tro­nats­recht über die Pfar­re Bock­um ver­bun­den, re­prä­sen­tiert durch die Ste­pha­nus­kir­che. Der Pa­tro­nats­herr und die Pa­tro­nats­her­ren hat­ten frü­her das Vor­schlags­recht für den In­ha­ber ei­ner Pfarr­stel­le, der dann of­fi­zi­ell vom Bi­schof er­nannt wur­de. Fer­ner war die Pa­tro­nats­fa­mi­lie für die Aus­stat­tung der Kir­che zu­stän­dig. Auch hat­te sie das Recht der Grab­le­gung in die­ser Kir­che.

In­ha­ber des Pa­tro­nats­rechts wa­ren so­mit zu­erst die Her­ren von Hö­vel, da­nach die von Boy­mer, dann die Gra­fen von Li­gné­vil­le, dann die Gra­fen von Gour­ci, dann Herr von Schle­brüg­ge zu Be­cke­dorf und schließ­lich die Gra­fen von Mer­veldt von Wes­ter­win­kel. Bei die­sen liegt es auch jetzt noch und wird von ih­nen bis zum heu­ti­gen Tage aus­ge­übt. Auch nach den Pfän­dun­gen des Jah­res 1568 blieb das Pa­tro­nats­recht bei den Be­sit­zern des Hau­ses Be­cke­dorf; für das Jahr 1571 wird Ber­nard von Hö­vel in den bi­schöf­li­chen Vi­si­ta­ti­ons­pro­to­kol­len na­ment­lich als Pa­tron des Pa­tro­nats zu Bock­um ge­nannt.

In der Ste­pha­nus­kir­che zu Bock­um fin­det sich ein Wap­pen ei­ner In­ha­be­rin des Pa­tro­nats­rechts. Das Wap­pen „Zur­müh­len“ zeigt oben ei­nen rechts ge­wand­ten ge­krön­ten Lö­wen, der eine Li­lie in den Pran­ken hält, un­ten hin­ge­gen die un­te­re Hälf­te ei­nes grau­en na­tur­far­be­nen Mühl­steins. Auf dem Wap­pen­schild be­fin­det sich eine In­schrift, und zwar: obi­it – 1804 – 25. aprili – ae­ta­tis 29 (sie starb – 1804, am 25. April – im Al­ter von 29 Jah­ren). Im Kir­chen­buch der da­ma­li­gen Pfarr­kir­che St. Ste­pha­nus im bi­schöf­li­chen Ar­chiv in Müns­ter heißt es über die 1804 Ver­stor­be­ne: Cla­ra Ber­nar­di­ne von Schle­brüg­ge, geb. Zur­müh­len, Ehe­frau des Herrn von Schle­brüg­ge, Be­sit­ze­rin des Gu­tes Be­cke­dorf, 29 Jah­re alt, ver­stor­ben am 25. April mor­gens um 1/2 11 im Kin­des­bett, der Un­ter­zeich­ne­te (Pfar­rer Jo­seph Ku­mann) hat die Ver­stor­be­ne per­sön­lich ge­kannt, be­gra­ben am 27. April, Erb­be­gräb­nis, hin­ter­lässt ei­nen Gat­ten und fünf mi­ne­re Kin­der.

Lage des Haus Beckedorf

Lizenz

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