Grotthuß (Adelsgeschlecht)

Grott­huß, his­to­risch auch Groi­t­hus, Grott­hus, Grott­huss, Grot­haus, Gro­t­hus oder Gro­t­hu­sen ist der Name ei­nes al­ten west­fä­li­schen Adels­ge­schlechts, das sich noch im aus­ge­hen­den Mit­tel­al­ter ins Bal­ti­kum, spä­ter auch nach Han­no­ver und Preu­ßen aus­brei­te­te und mehr­fach No­bi­li­tie­run­gen in den Frei­herrn­stand er­fah­ren hat. Zwei­ge der Fa­mi­lie be­stehen ge­gen­wär­tig fort.

Geschichte

Stammwappen der von Grothus in Westfalen

Stamm­wap­pen der von Gro­t­hus in West­fa­len

Die Grott­huß (Grot­haus; im Mit­tel­al­ter la­tei­nisch de ma­gna domo) ent­stam­men wie die von Mor­ri­en dem be­reits 1174/1185 ur­kund­li­chen Ge­schlecht von Sen­den und so­mit dem west­fä­li­schen Ur­adel. Sie ent­leh­nen ih­ren Na­men dem gleich­na­mi­gen Stamm­haus Gro­ten­hus bei Nord­kir­chen, das ehe­mals Le­hen der Fürst­bi­schö­fe von Müns­ter war. Mit Theo­do­ri­cus de ma­gna domo 1269 bzw. des­sen Bru­der oder Sohn, Rit­ter Con­ra­d­us de Ma­gna domo im Jah­re 1277, wur­de das Ge­schlecht zu­erst ur­kund­lich nach die­sem Stamm­sitz ge­nannt. 1370 und 1378 wur­de der Nach­fah­re Ste­pha­nus vom Fürst­bi­schof von Müns­ter mit Gro­ten­haus be­lehnt. Das Stamm­haus blieb bis 1403 in Ge­schlechts­be­sitz.

Mit dem Deut­schen Or­den sind An­ge­hö­ri­ge in das Bal­ti­kum ge­langt, wo die Fa­mi­lie mit Otto Groi­t­hueß, Va­sall des Or­dens, am 13. Sep­tem­ber 1492 in Wier­land zu­erst ur­kund­lich er­schien.

Am 17. Ok­to­ber 1620 wur­den die Grott­huß in der 1. Klas­se der kur­län­di­schen Rit­ter­schaft im­ma­tri­ku­liert. Die Im­ma­tri­ku­la­ti­on bei der liv­län­di­schen Rit­ter­schaft er­folg­te im Jahr 1747 für das Haus Me­selau. Am 3. April 1862 wur­de dem bal­ti­schen Ge­samt­ge­schlecht die Be­rech­ti­gung zum Füh­ren des Ba­rons­ti­tels durch Se­nats­ukas (Nr. 2823) im Rus­si­schen Kai­ser­reich an­er­kannt.

1642 er­hielt die fin­ni­sche Li­nie, mit dem kö­nig­lich schwe­di­schen Ma­jor und Un­ter­jä­ger­meis­ter von Finn­land, so­wie Erb­herr auf Kjällf­järd Otto Jo­han von Gro­t­hu­sen aus dem Hau­se Me­selau († um 1650), das In­di­genat in Schwe­den und wur­de un­ter dem Na­men Gro­t­hu­sen in die Adels­klas­se der schwe­di­schen Rit­ter­schaft (Nr. 276) in­tro­du­ziert. In der 4. Ge­nera­ti­on muss die Li­nie er­lo­schen sein, des oben­ge­nann­ten Ur­en­kel Ma­gnus Rein­hold von Gro­t­hu­sen wur­de 1727 als Fähn­rich bei der In­fan­te­rie zu­letzt ge­nannt.

Die preu­ßi­sche Ge­neh­mi­gung zur Füh­rung des Frei­her­ren­ti­tels mit Al­ler­höchs­ter Ka­bi­netts­or­der er­ging in Ber­lin am 16. März 1844 für den nach­ma­li­gen kö­nig­lich preu­ßi­schen Ma­jor Lud­wig Frei­herrn von Grott­huß, Die Ge­neh­mi­gung zur Füh­rung des Frei­her­ren­ti­tels für sei­nen Sohn, den nach­ma­li­gen kö­nig­lich preu­ßi­schen Haupt­mann Vic­tor von Grott­huß, er­ging eben­falls durch Al­ler­höchs­te Ka­bi­netts­or­der in Ber­lin am 14. No­vem­ber 1867.

Der kö­nig­lich schwe­di­sche Ge­ne­ral­leut­nant und Gou­ver­neur von Wis­mar, Otto Jo­han von Gro­t­hu­sen, wur­de am 24. De­zem­ber 1687 in den schwe­di­schen Frei­her­ren­stand ge­ho­ben und 1689 bei der Frei­herrn­klas­se der schwe­di­schen Rit­ter­schaft (Nr. 80) in­tro­du­ziert. Nach ihm ist der Gro­t­hu­sen­koog be­nannt. Sei­ne Li­nie er­losch be­reits mit sei­nen Kin­dern. Sein jüngs­ter Sohn, der kö­nig­lich schwe­di­sche Ge­ne­ral­ma­jor bei der Ka­val­le­rie, Chris­ti­an Alb­rekt von Gro­t­hu­sen ist am 16. No­vem­ber 1715 an den in der Schlacht bei Stre­sow er­hal­te­nen Wun­den ver­stor­ben, ohne vor­her eine Ehe ein­ge­gan­gen zu sein oder Er­ben zu hin­ter­las­sen.

Güterbesitz

Preußen

West­fa­len

Bom­hof, Bul­ler­müh­le (1599–1634; 1659–1690), Cle­ve­hus, Da­vens­berg, El­ler­b­rock, Gro­ne, Gro­ten­hus (1269–1403), Ha­ring­hof (1323–1353), (Lü­ding­hau­sen), Me­sen­burg, Spyck, Stick und der Grothaus’sche Hof in Qua­ken­brück

Teck­len­burg

Schar­fen­berg (1562–1616)

Ost­preu­ßen

Al­brechtau, Bru­nau, Cre­mit­ten (1776–1820), Po­dol­len (1729–1820), Ober Reh­hof (1820), Ro­sen­au, Salt­ni­cken (1677), Schie­venau, Tau­er­lau­cken (1647–1677)

Bran­den­burg

Länd­chen Bär­wal­de (1760–1780)

Han­no­ver

Arens­horst (1550), Bram­sche (vor 1463), Kri­ten­stein (1605–1780), Kro­nen­burg (1562–1780), Le­den­burg (1622–1780), Vehr (1612–1650), Wim­mer (1650) und Witt­la­ge (1610–1718)

Baltikum

Liv­land

Ab­sen­au (1783–1816), Al­ten­wo­ga (1730–1788), Gro­t­hus (1582), Gro­ten­hu­sen­hof, Ke­geln, Kor­küll (1745), Ku­nal (1600), Lub­bert-Ren­zen, Me­selau (1550–1724 mit Un­ter­bre­chun­gen), Pal­te­mal, Ram­men­hof (1828–1840) und Zehr­ten

Kur­land

Ab­aus­hof (1705), Groß und Klein Ab­gul­den (1820–1848), Aris­hof (1755–1769), Alt Autz (1765), Berg­hoff und Ap­pus­sen (1820–1827), Groß Bercken (seit 1714), Ber­ken (1825), Ber­s­teln, Birs­hoff (1628), Bru­no­wi­schek, Buck­schen­höf­chen (bis 1681), Dan­nen­thal, Diens­dorf, Do­ben (1819–1831), Dur­ben (1789–1808), Ecken­gra­fen (1590–1640), Grenz­hof, Ha­sen­poth, Kap­seh­den (1618), Kro­then, Krot­tusch (1505), Kun­den (bis 1690), Lan­gen­feldt (1765), Lam­berts­hof (1859), Lee­gen (1887–1920), Le­parn­hof (1723), Le­pen (1736), Libbin­gen (1605–1700), Nab­ben (1712–1774), Neu­hof (bis 1822), Pus­senee­ken (1854–1938), Ru­hen­tal (1505–1681), Schne­peln, Schwit­ten (1505–1788 mit Un­ter­bre­chung), Schlo­cken­beck (1727–1818), Sat­ti­ken, Schwir­kaln (1576), See­mup­pen (1760), Sep­pen, Ses­sau (1760), Spah­ren, Spir­gen (1799), Stur­hof (1765), Wain­oden (1801–1920), Suschen­hof, Wil­ka­jen (1765), Zee­malden (1576) und Zer­rauxt (1734)

Li­tau­en

Weiß-Plo­ni­an (1663–1791)

Skandinavien

Finn­land

Kjällf­järd

Schwe­den

Lang­bro

Stiftungen

Die Äb­tis­sin Ma­ria von Grot­haus (* 1588; † 1659) bzw. de­ren El­tern, Ewert von Grot­haus, Herr auf Gro­ne, Rent­meis­ter zu Lin­gen 1565–94, und Anna von Cloes­ter zu Ha­vir­horst, stif­te­ten das Hoch­al­tar­re­ta­bel auf der Ost­sei­te im Kir­chen­in­ne­ren des Klos­ters Gra­ven­horst. Dar­auf deu­ten die bei­den Wap­pen von Grot­haus und von Cloes­ter hin. Hein­rich Meie­ring aus Rhei­ne hat die­ses meis­ter­haf­te Werk im Spät­re­nais­sance-Stil 1641 aus Baum­ber­ger Sand­stein ge­fer­tigt.

Kelch und Pa­te­ne des Abend­mahl­ge­schirrs der Hol­ter Kir­che wur­den 1695 von Jo­hann Jobst Hein­rich von Grot­haus ge­stif­tet. Die Saal­kir­che selbst wur­de 1770 von Ge­ne­ral Ernst Phil­ipp Fer­di­nand von Grot­haus (* 1703; † 1776) er­rich­tet. Mit ihm er­losch die Li­nie Le­den­burg im Man­nes­stamm, wor­auf die Des­zen­denz sei­ner Toch­ter Eleo­no­re, die Erb­land­mar­schal­le und Gra­fen zu Müns­ter-Le­den­burg, Frei­her­ren von Grot­haus, das Hol­ter Pa­tro­nat über­nah­men.

Wappen

Das Stamm­wap­pen zeigt in Sil­ber ei­nen un­ten vier Mal ge­zinn­ten schwar­zen Schräg­rechts­bal­ken (Brü­cke). Auf dem Helm mit schwarz-sil­ber­nen De­cken ei­nen of­fe­nen sil­ber­nen Flug mit je­weils ab­stei­gend dem Schräg­bal­ken.

Das Wap­pen der bal­ti­schen Grott­huß zeigt auf dem Helm mit schwarz-sil­ber­nen De­cken ei­nen of­fe­nen schwarz-sil­ber­nen Flug, je nach aus­wärts mit dem Schräg­bal­ken ver­wech­sel­ter Far­be be­legt.

Das Frei­herr­li­che Wap­pen (1687) ist ge­viert und mit ei­nem Herz­schild be­legt, dar­in ein vier Mal ge­zinn­ter sil­ber­ner Schräg­rechts­bal­ken, 1 in Blau ein gol­de­ner Greif in den Pran­ken vier Pfei­le hal­tend, 2 in Gold ein ge­har­nisch­ter Arm eine Kro­ne hal­tend, 3 in Gold (2, 1) bren­nen­de Gra­na­ten, 4 in Blau ein sil­ber­ner Fes­tungs­grund­riss. Zwei Hel­me mit blau-sil­ber-rot-gol­de­nen De­cken, auf dem rech­ten ein of­fe­ner schwar­zer Flug, je be­legt mit ei­nem ab­ge­le­dig­ten un­ten drei Mal ge­zinn­ten sil­ber­nen Schräg­rechts­bal­ken, auf dem lin­ken vier blaue Fah­nen.

Historische Wappenbilder

Angehörige

  • Ar­nol­dus Gro­t­hu­sen († nach 1594), Hof­meis­ter bei Si­gis­mund III. Wasa in des­sen Prin­zen­zeit
  • Otto Jo­hann von Gro­t­hu­sen (* 1627; † 1697), schwe­di­scher Ge­ne­ral­leut­nant und Kom­man­dant von Al­to­na
  • Chris­ti­an Al­brecht von Gro­t­hu­sen (* 1680; † 1715), schwe­di­scher Ge­ne­ral­ma­jor der Ka­val­le­rie und Kom­man­deur von Use­dom
  • Ernst Phil­ipp von Grot­haus (* 1703; † 1776), braun­schwei­gi­scher Ge­ne­ral der Ka­val­le­rie, kö­nig­lich groß­bri­tan­ni­scher Ge­ne­ral­leut­nant. Letz­ter agna­ti­scher Grot­haus auf Schloss Le­den­burg. Über sei­ne Toch­ter Eleo­no­re kam es in den Be­sitz von de­ren Sohn, Graf Ernst Fried­rich Her­bert zu Müns­ter-Le­den­burg, Frei­herr von Grot­haus.
  • Fried­rich Wil­helm von Grot­hau­sen († ca. 1777), hes­si­scher Leut­nant, Teil­neh­mer am Ame­ri­ka­ni­schen Un­ab­hän­gig­keits­krieg
  • Carl Diet­rich von Grott­huß (* 1728; † nach 1805), preu­ßi­scher Jus­tiz­di­rek­tor
  • Eleo­no­re von Grot­haus (* 1734; † 1794), Dich­te­rin, letz­te agna­ti­sche Grot­haus auf Le­den­burg, auf Dieck­mans Erbe und Me­sen Erbe Ksp. Bad­ber­gen Bsch. Mim­melage, mit Brü­nings Erbe Ksp. Schie­de­hau­sen Bsch. Lin­ne, mit Tön­jes Kot­ten bei der Mol­len, mit Wen­ten­hof, mit Her­man Ha­ver­manns Kot­ten Ksp. Barck­hau­sen Bsch. Lin­de, mit dem hal­ben Teil der Le­cker Müh­le, mit Haus und Hof zu Pur­ren­ha­gen Ksp. Bad­ber­gen Bsch. Mim­melage, mit Wul­ferts Erbe und mit dem Rick­haus Ksp. Bad­ber­gen, mit dem Merschhof bei und im Ksp. Os­ter­kap­peln, Mut­ter von Graf Ernst Fried­rich Her­bert zu Müns­ter-Le­den­burg, Frei­herr von Grot­haus
  • Fried­rich Wil­helm Karl Lud­wig von Grot­haus (* 1747; † 1801), Of­fi­zier, Mi­li­tär­theo­re­ti­ker und Aben­teu­rer
  • Diet­rich Ewald von Grott­huß (* 1751; † 1786), Kom­po­nist
  • Jo­hann Ul­rich von Gro­t­huss (* 1753; † 1815), Dich­ter und Lan­des­po­li­ti­ker
  • Hein­rich Wil­helm Ru­dolph Ernst von Grott­huß (* 1762; † 1816), preu­ßi­scher Land­rat
  • So­phie Leo­pol­di­ne Wil­hel­mi­ne von Grott­huis (* 1763; † 1828), Ber­li­ner Sa­lon­niè­re
  • Theo­dor von Grott­huß (* 1785; † 1822), Na­tur­wis­sen­schaft­ler, Ent­de­cker des Grott­huß-Me­cha­nis­mus
  • Eli­sa­beth von Grott­huß (* 1820; † 1896), Er­zäh­le­rin und Dra­ma­ti­ke­rin
  • Jean­not Emil von Gro­t­huss (* 1865; † 1920), Schrift­stel­ler und Pu­bli­zist
  • Kuno Frei­herr von Grott­huß (* 1879; † 1956), Schrift­stel­ler (We­ber­schiff­chen-Bü­che­rei 12)
  • Otto Frei­herr von Grott­huss (* 1936), Forst­di­rek­tor a.D., Russ­land­be­auf­trag­ter des Ver­ban­des der Bal­ti­schen Rit­ter­schaf­ten, Mit­glied der Ver­ei­nig­ten Kur­län­di­schen Stif­tun­gen und Trä­ger des Ver­dienst­or­dens 4. Klas­se „Croix de la Re­con­nais­sance“ der Re­pu­blik Lett­land für 25 Jah­re En­ga­ge­ment zur Er­hal­tung ehe­mals bal­ti­scher Kul­tur­wer­te, be­son­ders frü­he­rer Pa­tro­nats­kir­chen
  • Mo­ritz Frei­herr von Grott­huss (* 1970, Sohn von Otto Frei­herr von Grott­huss), Ju­rist, er­folg­rei­cher Se­ri­al En­tre­pre­neur und Busi­ness An­gel, Grün­der von Im­mun­ge­ne­tics AG so­wie ges­ti­gon GmbH (Exit an Va­leo)

Lizenz

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