Große Dortmunder Fehde

Deutschland 1378

Deutsch­land 1378

In der Gro­ßen Dort­mun­der Feh­de sah sich die Reichs­stadt Dort­mund in den Jah­ren 1388 bis 1389 An­grif­fen und ei­ner Be­la­ge­rung durch Trup­pen des Köl­ner Erz­bi­schofs, der Mär­ki­schen Gra­fen und 20 an­de­rer Städ­te aus­ge­setzt.

Vorgeschichte

Der Köl­ner Erz­bi­schof Fried­rich III. von Saar­wer­den hat­te so­wohl 1346 von Kö­nig Karl IV. als auch 1375 von des­sen Nach­fol­ger Wen­zel Pfand­rech­te an Dort­mund er­hal­ten, konn­te die­se je­doch nicht wirk­sam wer­den las­sen. Trotz­dem war es auf­grund von in­ter­nen Aus­ein­an­der­set­zun­gen nie zu ei­nem Bünd­nis mit den mär­ki­schen Gra­fen ge­kom­men. Als die­se über­wun­den wa­ren, ver­such­ten sie Dort­mund zu un­ter­wer­fen.

Ablauf

Am 21. Fe­bru­ar 1388 er­reich­te der Feh­de­brief des Köl­ner Erz­bi­schofs den Dort­mun­der Rat, am Tag dar­auf der des Gra­fen von der Mark. Der Erz­bi­schof ver­lang­te den Hul­di­gungs­eid von den Bür­gern. Dem Gra­fen von der Mark bot die strit­ti­ge Hin­rich­tung der Agnes von der Vier­be­cke zehn Jah­re zu­vor ei­nen An­lass zur Feh­de. Da­mit be­gann die Gro­ße Feh­de. Der Ko­ali­ti­on ge­gen Dort­mund schlos­sen sich zahl­rei­che Lan­des­her­ren an, un­ter ih­nen die Erz­bi­schö­fe und Kur­fürs­ten von Mainz und Trier, die Bi­schö­fe von Augs­burg, Bam­berg, Müns­ter, Pa­der­born und Os­na­brück, die Pfalz­gra­fen bei Rhein so­wie die Her­zö­ge und Gra­fen von Jü­lich-Berg-Ra­vens­berg, Würt­tem­berg, Mo­ers, Spon­heim, Braun­schweig-Lü­ne­burg, Teck­len­burg, Riet­berg und Hol­stein-Pin­ne­berg. Hin­zu ka­men ei­ni­ge klei­ne­re west­fä­li­sche Städ­te und rund 1.200 An­ge­hö­ri­ge des land­säs­si­gen Nie­de­ren Adels.

Die­se Ko­ali­ti­on er­scheint zu­nächst über­mäch­tig, doch nahm ein Groß­teil der Ko­ali­tio­nä­re nur pro for­ma an die­sem Krieg teil. Ent­spre­chend wur­de auch kein an­sons­ten üb­li­ches Söld­ner­heer auf­ge­stellt. Sei­ner­seits konn­te sich Dort­mund auf die star­ken Stadt­mau­ern ver­las­sen. Au­ßer­dem warb die Stadt noch 70 Rit­ter, 49 Pi­ke­nie­re und 29 eng­li­sche Bo­gen­schüt­zen an und konn­te auf die Un­ter­stüt­zung vier ade­li­ger Hel­fer set­zen, die wei­te­re 79 Rei­ter auf ei­ge­ne Kos­ten stell­ten. Dem­ge­gen­über war die Un­ter­stüt­zung der ver­bün­de­ten Städ­te eher schwach. Le­dig­lich Lü­beck, Stral­sund, De­ven­ter und Zwol­le ge­währ­ten be­schei­de­ne Dar­le­hen von ins­ge­samt 2.000 Gul­den. Of­fen­bar wur­de die Trag­wei­te des An­griffs, der ge­mein­sam mit dem Krieg ge­gen den Süd­deut­schen Städ­te­bund den Auf­takt zu ei­ner Rei­he von Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen ei­ner Stadt und ei­ner Fürs­ten­ko­ali­ti­on bil­de­te, nicht er­kannt. Nach­dem die Stadt am 22. Fe­bru­ar die Feh­de er­wi­der­te, folg­ten un­mit­tel­bar dar­auf die ers­ten Kriegs­hand­lun­gen.

Die Erz­bi­schöf­li­chen er­rich­te­ten ihr La­ger nörd­lich des Burg­tors und bau­ten die Ro­ven­burg auf. In ei­nem Ver­such, die Stadt von der Au­ßen­welt ab­zu­schnei­den und aus­zu­hun­gern, lie­ßen sich die mär­ki­schen Trup­pen im Wes­ten der Stadt an der Em­scher bei der Stadt­müh­le nie­der und ris­sen die­se ab, um mit den Stei­nen ei­nen Turm zu bau­en. Nach ers­ten Schüs­sen am 24. Fe­bru­ar be­gann die ei­gent­li­che Be­schie­ßung der Stadt durch die mär­ki­schen Trup­pen am 17. April. Dort­mund er­wi­der­te die Ka­no­na­de und rich­te­te da­bei wohl er­heb­li­chen Scha­den un­ter den An­grei­fern an. Nach ei­nem ers­ten Aus­fall der Dort­mun­der am 29. Mai folg­ten wäh­rend der gan­zen Dau­er der Feh­de ins­ge­samt schät­zungs­wei­se 110 wei­te­re Aus­fäl­le. Bei ers­ten Ver­mitt­lungs­ver­su­chen tru­gen die Erz­bi­schöf­li­chen und Mär­ker ihre For­de­run­gen am 24. Juni vor; die­se wur­den aber von den Dort­mun­dern rund­weg ab­ge­lehnt. Wei­te­re Ver­mitt­lungs­ver­su­che gab es wäh­rend der ge­sam­ten Feh­de. Nach den ers­ten ge­schei­ter­ten Ver­hand­lun­gen wur­de die Be­schie­ßung am 30. Juni in­ten­si­viert; ins­ge­samt 238 stei­ner­ne Ku­geln zer­stör­ten aber le­dig­lich ei­ni­ge Ge­bäu­de und tö­te­ten eine Kuh und zwei Schwei­ne. Bei hef­ti­gem Ge­gen­feu­er aus Dort­mund am 10. Juli wur­de wohl auch ein mo­der­nes Pul­ver­ge­schütz ein­ge­setzt. Die­se Waf­fe ver­setz­te die An­grei­fer der­ma­ßen in Schre­cken, dass sie den Be­la­ge­rungs­ring lo­cker­ten, so dass die Dort­mun­der nun wie­der die Fel­der vor der Stadt­mau­er be­wirt­schaf­ten konn­ten.

Da die Stadt noch vor der Feh­de grö­ße­re Ge­trei­de­vor­rä­te an­ge­legt hat­te, er­schien nun ein Aus­hun­gern der Stadt als aus­sichts­los. Dort­mund ließ sich trotz ent­spre­chen­der Pro­vo­ka­tio­nen nicht zu ei­ner of­fe­nen Feld­schlacht ver­lei­ten, son­dern kon­zen­trier­te sich auf die oben ge­nann­ten Aus­fäl­le, die wohl auch zur Ver­sor­gungs­si­che­rung not­wen­dig wa­ren. Am 3. Ok­to­ber ge­lang da­bei die Zer­stö­rung der Ro­ves­burg; am 12. De­zem­ber setz­ten die Ver­tei­di­ger Schü­ren in Brand, um so die Be­sat­zung der Hör­der Burg her­aus­zu­lo­cken. Die Dort­mun­der woll­ten dann mit ei­ner cir­ca 600 Mann star­ken Trup­pe die Stadt ein­neh­men, was je­doch miss­lang. Nach­dem kein Sieg ei­ner der bei­den Sei­ten oder eine güt­li­che Ei­ni­gung in Sicht war, ver­such­te Dort­mund die Feh­de zu be­en­den, in­dem es den Gra­fen von der Mark am 27. April 1389 vor das Dort­mun­der Frei­ge­richt zum Spie­gel stell­te. Als die­ser aber im Ge­gen­zug Dort­mund vor den mär­ki­schen Frei­stuhl in Ka­men lud, zog die Stadt die An­kla­ge wie­der zu­rück und rief das Kö­nig­li­che Kam­mer­ge­richt an. Kö­nig Wen­zel for­der­te aber le­dig­lich die Be­la­ge­rer schrift­lich auf, von ih­rem An­sin­nen ab­zu­se­hen. Durch die lan­ge Be­la­ge­rungs­zeit zer­mürbt, be­gan­nen dann un­ter der Ver­mitt­lung der Stadt Soest ernst­haf­te Ver­hand­lun­gen am 4. No­vem­ber. Zu­nächst war Dort­mund zu kei­nen Zu­ge­ständ­nis­sen be­reit; erst auf Druck der Soes­ter Ver­hand­lungs­füh­rung er­klär­te sich die Stadt zu ei­ner „frei­wil­li­gen Zah­lung“ von je 7000 Gul­den an Kur­köln und die Graf­schaft Mark be­reit. Die­se frei­wil­li­ge Zah­lung wur­de aber nicht im Frie­dens­ver­trag fest­ge­hal­ten; of­fen­bar lag den Dort­mun­dern viel dar­an, auch nur den An­schein ei­ner Nie­der­la­ge zu ver­hin­dern, der sonst of­fen­bar ge­wor­den wäre. Zu­min­dest si­cher­te man sich so ei­nen Frie­den mit er­ho­be­nem Haupt und konn­te den für eine Han­dels­stadt le­bens­wich­ti­gen Han­del wie­der auf­neh­men.

Abschluss und Folgen

Am 20. No­vem­ber 1389 en­de­te die Feh­de. Un­mit­tel­bar nach dem Frie­dens­schluss am 22. No­vem­ber wur­de die Be­la­ge­rung auf­ge­ho­ben, die Ge­fan­ge­nen aus­ge­tauscht und der frü­he­re Zu­stand rechts­för­mig wie­der her­ge­stellt.

Die Stadt hat­te sich er­folg­reich ge­gen eine Streit­macht von über 1200 Rit­tern be­haup­ten kön­nen. Da­nach war die Stadt hoch ver­schul­det, größ­te Ein­zel­gläu­bi­ger wa­ren die Rit­ter von Strün­ke­de. Die Kos­ten der Feh­de und des Frie­dens­schlus­ses, rund 60.000 Gul­den, wa­ren so hoch, dass viel­fach an­ge­nom­men wur­de, die­ses Er­eig­nis hät­te den Nie­der­gang Dort­munds aus­ge­löst. Hohe städ­ti­sche Steu­ern als Fol­ge der Ver­schul­dung sorg­ten im Jah­re 1400 für Un­ru­he un­ter den Bür­gern Dort­munds.

Die Stadt Dort­mund war nach dem Frie­dens­schluss sehr dar­auf be­dacht, den An­schein ei­ner Nie­der­la­ge zu ver­mei­den und so­gar den Ein­druck ei­nes Sie­ges zu er­we­cken. So ent­stand die Re­dens­art „So fast as Düörpm“ (hoch­deutsch „So fest wie Dort­mund“), die bis ins 18. Jahr­hun­dert als Ei­gen­be­zeich­nung zur Er­in­ne­rung an die­se Er­eig­nis­se ver­wen­det wur­de.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Gro­ße Dort­mun­der Feh­de aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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