Grafschaft Mark

Ter­ri­to­ri­um im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich
Graf­schaft Mark
Wap­pen

Kar­te
Grafschaft Mark im 12. bis 15. Jahrhundert
Graf­schaft Mark im 12. bis 15. Jahr­hun­dert
Al­ter­na­tiv­na­men Graf­schaft Marck
Ent­stan­den aus West­fa­len­gau
Herr­schafts­form Graf­schaft
Herrscher/Regierung Graf
Heu­ti­ge Region/en DE-NW
Reichs­tag für Mark mit Kle­ve: Reichs­fürs­ten­rat, Welt­li­che Bank: 1 Vi­ril­stim­me; 3 Stim­men im Städ­te­rat, rhei­ni­sche Bank für Duis­burg, Soest, We­sel
Reichs­ma­tri­kel 45 Rei­ter, 270 Fuß­sol­da­ten, 500 Gul­den (1522, für Mark mit Kle­ve)
Reichs­kreis Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­scher Reichs­kreis
Hauptstädte/Residenzen Stadt Hamm, Stadt­burg Hamm, Burg Al­te­na, Burg Mark (bei Hamm)
Dy­nas­ti­en Haus Mark; Ho­hen­zol­lern, Li­nie Bran­den­burg-Preu­ßen
Konfession/Religionen ge­mischt (über­wie­gend evan­ge­lisch)
Sprache/n Deutsch; West­fä­li­scher Dia­lekt im Über­gangs­ge­biet von Sauer­län­der Platt zu Müns­ter­län­der Platt
Flä­che 1500 km² (Ende 18. Jh.)
Ein­woh­ner ca.100.000 (Ende 18. Jh.)
Auf­ge­gan­gen in Groß­her­zog­tum Berg (1807)

Die Graf­schaft Mark (re­gio­nal auch „Die Mark“ ge­nannt) war ein Ter­ri­to­ri­um des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches deut­scher Na­ti­on im Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­kreis. Sie ge­hör­te seit dem 17. Jahr­hun­dert zu Bran­den­burg-Preu­ßen.

Die Graf­schaft er­streck­te sich zu bei­den Sei­ten der Ruhr ent­lang von Vol­me und Len­ne, zwi­schen dem Vest Reck­ling­hau­sen, der Frei­en Reichs­stadt Dort­mund, dem Fürst­bis­tum Müns­ter, der Graf­schaft Lim­burg, den Her­zog­tü­mern West­fa­len und Berg, der Graf­schaft Gim­born, der Reichs­ab­tei Wer­den und dem Reichs­stift Es­sen.

Die Gra­fen von der Mark zähl­ten im Hoch­mit­tel­al­ter zu den mäch­tigs­ten und ein­fluss­reichs­ten west­fä­li­schen Re­gen­ten im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich. Ihr Name geht auf ihre Re­si­denz Burg Mark bei dem heu­te zur Stadt Hamm ge­hö­ren­den Dorf Mark zu­rück. Er lebt heu­te wei­ter im Na­men des Mär­ki­schen Krei­ses und in der geo­gra­phi­schen Be­zeich­nung Mär­ki­sches Sauer­land.

Geografie

Die Graf­schaft Mark um­fass­te eine Flä­che von un­ge­fähr 3000 km² und er­streck­te sich so­wohl in Nord-Süd-Rich­tung zwi­schen Lip­pe und Ag­ger wie in West-Ost-Rich­tung zwi­schen Gel­sen­kir­chen und Bad Sas­sen­dorf über un­ge­fähr 75 km.

Die in Ost-West-Rich­tung flie­ßen­de Ruhr trennt das Ge­biet der Graf­schaft in zwei land­schaft­lich sehr un­ter­schied­li­che Be­rei­che, die nörd­li­che, frucht­ba­re Tief­ebe­ne der Hell­weg-Bör­den und das süd­li­che, raue Mit­tel­ge­bir­ge des Sauer­lan­des.

In Süd-Nord-Rich­tung wird der süd­li­che Teil der Graf­schaft von der Len­ne durch­quert. Im Be­reich der un­te­ren Len­ne be­fand sich bis 1808 die nach 1243 ent­stan­de­ne Graf­schaft Lim­burg, die ein Le­hen der Gra­fen von Berg war.

Stamm­sitz der Gra­fen von der Mark war seit den 1220er Jah­ren die Burg Mark bei Hamm, wel­che ih­nen auch den Na­men gab. Zu­vor hat­ten sie als Gra­fen von Al­te­na ih­ren Haupt­sitz auf der Burg Al­te­na im Sauer­land.

Städte

Die Gra­fen von der Mark und ihre spä­te­ren Rechts­nach­fol­ger be­grün­de­ten ver­schie­dent­lich Sied­lun­gen oder stat­te­ten die­se mit Stadt­rech­ten aus. Die äl­tes­te die­ser Grün­dun­gen ist die mär­ki­sche Re­si­denz­stadt Hamm, die am Ascher­mitt­woch 1226 als Plan­stadt ge­grün­det wur­de und ei­nen wich­ti­gen Über­gang über die Lip­pe an der Gren­ze zum Fürst­bis­tum Müns­ter schütz­te. Das Ham­mer Stadt­recht ist von dem nur un­we­sent­lich äl­te­ren Lipp­städ­ter Stadt­recht über­nom­men. Das Ham­mer Recht wur­de von den Gra­fen des Ge­schlechts de­rer von der Mark bei al­len wei­te­ren Ver­lei­hun­gen des Stadt­rechts bis zu ih­rem Aus­ster­ben im Man­nes­stamm 1609 als Vor­bild ge­nom­men. In Hamm so­wie in Iser­lohn und Unna wur­den auch Mün­zen ge­prägt.

Eine Son­der­rol­le un­ter den mär­ki­schen Städ­ten nahm die Stadt Soest ein. Sie ist die äl­tes­te Stadt im Ter­ri­to­ri­um der Graf­schaft Mark und er­hielt bei ih­rem Über­gang an die Graf­schaft nach der Soes­ter Feh­de 1444–1449 ei­nen Son­der­sta­tus, der ihr weit­ge­hen­de Frei­hei­ten ge­währ­te bzw. die al­ten Frei­hei­ten, die sie im Her­zog­tum West­fa­len ge­nos­sen hat­te, er­hielt.

Die zweit­äl­tes­te Stadt der Graf­schaft, wel­che ihr je­doch nur teil­wei­se zu­ge­ord­net wer­den kann, ist das Kon­do­mi­ni­um Lipp­stadt. Erst­mals er­lang­ten die Gra­fen von der Mark ei­nen Teil der Herr­schafts­rech­te 1376 im Rah­men von Erb­strei­tig­kei­ten der Edel­her­ren zur Lip­pe (Grün­der­ge­schlecht von Lipp­stadt) mit den Teck­len­bur­ger Gra­fen, bei de­nen sie als Ver­mitt­ler zwi­schen den Feh­de­par­tei­en auf­tra­ten. Mit dem Über­gang der Graf­schaft an die Mark­gra­fen von Bran­den­burg 1609 und end­gül­tig 1666 ver­ein­nahm­ten die neu­en Her­ren Lipp­stadt als Fes­tungs­stadt für das ent­ste­hen­de Kö­nig­reich Preu­ßen.

Stadtrechtsverleihungen durch die Grafen von der Mark bis 1609

  • Hamm (Sied­lungs­grün­dung und Stadt­rech­te seit Ascher­mitt­woch 1226)
  • Iser­lohn (ver­mut­lich 1237 Stadt­rech­te, ab 1240 Münz­prä­gung)
  • Lü­den­scheid (Stadt­wer­dung 1268, Er­wäh­nung als Op­pi­dum erst 1278)
  • Lü­nen (1279 Er­wäh­nung als Op­pi­dum, mär­ki­sches Stadt­recht 1341)
  • Ka­men (äl­tes­tes Stadt­sie­gel 1284, Be­stä­ti­gung der Stadt­rech­te 1346)
  • Unna (Stadt­recht seit 1288 nach der Schlacht von Wor­rin­gen)
  • Berg­neu­stadt (Plan­stadt er­rich­tet ab dem 13. Mai 1301)
  • Hol­ten (Stadt­recht seit 1310)
  • Bo­chum (Stadt­recht seit 1321)
  • Hör­de (Stadt­rech­te seit 1340)
  • Neu­en­ra­de (Stadt­rech­te seit dem 7. Juli 1355)
  • Hat­tin­gen (Stadt­be­fes­ti­gung im Jahr 1396 gilt als Stadt­wer­dung)
  • Bre­cker­feld (Stadt­recht seit 1396)
  • Schwer­te (1397 vol­les Stadt­recht)
  • Plet­ten­berg (Stadt­recht seit 1397)
  • Schwelm (Stadt­recht seit 1496 bzw. 1590)

Freiheiten

  • Vol­mar­stein (Frei­heit ab 1342)
  • Wet­ter (Frei­heit ab 1355)
  • Blan­ken­stein (Frei­heit 1355 be­stä­tigt)
  • Al­te­na (Frei­heit ab 20. De­zem­ber 1367)
  • West­ho­fen (Frei­heit ab dem 14. Jh.)
  • Wat­ten­scheid (Frei­heit ab 1417)
  • Cas­trop (Frei­heit ab 1470)

Stadtwerdungen ab 1609 bis zur Gründung der Provinz Westfalen

Geschichte

Grafschaft Mark (1180–1391)

Märkische Residenz- und Hauptstadt Hamm, Merianstich von 1647. Ansicht der befestigten Stadt von Norden her über die Lippe hinweg.

Mär­ki­sche Re­si­denz- und Haupt­stadt Hamm, Me­ri­an­stich von 1647. An­sicht der be­fes­tig­ten Stadt von Nor­den her über die Lip­pe hin­weg.

In den Jah­ren 1160/61 spal­te­ten sich die Gra­fen von Al­te­na von den Gra­fen von Berg ab. Die so ent­stan­de­ne Graf­schaft Al­te­na wur­de ab 1180 in ei­ner er­neu­ten Erb­tei­lung zwi­schen den Söh­nen des Gra­fen von Al­te­na auf­ge­teilt. Der jün­ge­re Sohn Adolf er­hielt um 1198 die Be­sit­zung um den Ober­hof Mark bei Hamm. Die­se war um 1170 von dem Edel­herrn von Rü­den­berg, Ra­bo­do von der Mark, an den Köl­ner Erz­bi­schof Phil­ipp von Heins­berg ver­äu­ßert und an Ra­bo­do zu­rück­be­lehnt wor­den und war da­nach ent­we­der im Wege des Ver­kaufs von Ra­bo­dos Lehns­recht oder durch Neu­be­leh­nung nach Ra­bo­dos Tod an Adolfs Va­ter Fried­rich von Berg-Al­te­na ge­langt. Adolfs Va­ter er­rich­te­te 1198/1199, kurz vor sei­nem Tod, zu­guns­ten sei­nes neu­ge­bo­re­nen Soh­nes auf dem zum Ober­hof Mark ge­hö­ren­den Burg­hü­gel die Burg Mark. Adolf ver­leg­te sei­nen Haupt­sitz dort­hin, und er, wie auch das von ihm ab­stam­men­de Ge­schlecht, nann­te sich fort­an „von der Mark“.

In der Schlacht von Wor­rin­gen 1288 kämpf­te Graf Eber­hard I. von der Mark auf der Sei­te Bra­bants und sei­nes Ver­wand­ten, des Gra­fen von Berg. Eber­hard be­zog so­mit Stel­lung ge­gen sei­nen Lehns­herrn, den Erz­bi­schof von Köln, in des­sen Funk­ti­on als Her­zog von West­fa­len. Da Bra­bant mit sei­nen Ver­bün­de­ten sieg­reich war, konn­te die Graf­schaft Mark in der Fol­ge­zeit die Vor­macht­stel­lung im süd­li­chen West­fa­len er­lan­gen und wur­de po­li­tisch von Köln un­ab­hän­gig.

Das Foto zeigt eine Bodenmarkierung auf der Hauptburg des Burghügels in der Mark in Hamm. Diese markiert den früheren Standort des Palas von Burg Mark.

Das Foto zeigt eine Bo­den­mar­kie­rung auf der Haupt­burg des Burg­hü­gels in der Mark in Hamm. Die­se mar­kiert den frü­he­ren Stand­ort des Pa­las von Burg Mark.

En­gel­bert III. von der Mark er­warb 1359 von den Gra­fen von Sayn die Lehns­herr­schaft über Bil­stein und Fre­de­burg. 1363 starb die Li­nie der Her­ren von Bil­stein aus; die Herr­schaft wur­de von En­gel­bert ein­ge­zo­gen und ver­blieb bis zum Ende der Soes­ter Feh­de in der Hand der Gra­fen von der Mark. Mit dem Frie­dens­schluss ge­lang­ten Bil­stein und Fre­de­burg an Kur­köln.

1388 und 1389 be­tei­lig­te sich En­gel­bert an der Gro­ßen Dort­mun­der Feh­de; sein Haupt­bünd­nis­part­ner war der Köl­ner Erz­bi­schof Fried­rich III. von Saar­wer­den. Die Feh­de en­de­te mit ei­nem Frie­dens­schluss un­ter Ver­mitt­lung Soests. Dort­mund zahl­te je 7000 Gul­den an Mark und Kur­köln; die „frei­wil­li­ge“ Zah­lung, die auf Druck Soests zu­stan­de kam, wur­de je­doch nicht im Frie­dens­schluss fest­ge­hal­ten. Mi­li­tä­risch hat­ten we­der Mark und das Erz­bis­tum Köln noch die Stadt Dort­mund die Ober­hand ge­won­nen. Dort­mund er­litt je­doch er­heb­li­chen wirt­schaft­li­chen Scha­den und war da­her zu die­sem Kom­pro­miss­frie­den ge­zwun­gen. En­gel­bert be­fand sich fast wäh­rend sei­ner ge­sam­ten Re­gie­rungs­zeit im Krieg mit dem Erz­stift Köln und an­de­ren Her­ren in West­fa­len. Er starb 1391 an der Pest.

Kleve-Mark (1391–1521)

Burg Altena - Foto von HaPe39

Burg Al­te­na – Foto von HaPe39

Adolf III. von der Mark, der Sohn Adolfs II. von der Mark und Mar­ga­re­tes von Kle­ve, er­warb 1368 die Graf­schaft Kle­ve. Nach dem Tod sei­nes äl­te­ren Bru­ders En­gel­bert III. von der Mark, der ohne männ­li­che Nach­kom­men 1391 starb, trat er des­sen Nach­fol­ge als Graf von der Mark an, und bei­de Graf­schaf­ten wur­den erst­mals in Per­so­nal­uni­on ver­ei­nigt. 1417 wur­de die Graf­schaft Kle­ve zum Her­zog­tum er­ho­ben und die Herr­scher nann­ten sich nun Her­zö­ge von Kle­ve und von der Mark. Bei­de Ter­ri­to­ri­en ge­hör­ten spä­ter zum Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­kreis. Als Fol­ge der Soes­ter Feh­de (1444–1449) ge­lang­te die Stadt Soest mit der Soes­ter Bör­de un­ter die Herr­schaft des Her­zogs von Kle­ve und Mark und da­mit in enge Ver­bin­dung zur Graf­schaft Mark. Das Ver­hält­nis der Stadt Soest zu ih­ren neu­en Her­ren war von sehr weit­ge­hen­der Selbst­ver­wal­tung ge­prägt.

Das äl­tes­te Schatz­buch Schat­boik in Mark aus dem Jah­re 1486 wird heu­te im Staats­ar­chiv Müns­ter auf­be­wahrt. Die an Her­zog Jo­hann II. zu zah­len­de all­ge­mei­ne Land­steu­er wur­de auf den Land­ta­gen zu Wi­cke­de am 24. April und 4. Mai 1486 be­schlos­sen. Wei­te­re Steu­er­lis­ten zur Er­he­bung der Tür­ken­steu­er stam­men aus 1542 und 1598.

Vereinigte Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg (1521–1609) und Brandenburg-Preußen (1609–1807)

Wappen der Grafen von Mark

Wap­pen der Gra­fen von Mark

1521 starb Jo­hann II. von Kle­ve-Mark, und sein Sohn Jo­hann, seit 1511 Her­zog von Jü­lich-Berg, trat auch die Nach­fol­ge in Kle­ve-Mark an. Er bil­de­te da­mit die Ver­ei­nig­ten Her­zog­tü­mer Jü­lich, Kle­ve und Berg, wo­durch er zum mäch­tigs­ten Fürs­ten im deut­schen Wes­ten wur­de.

1609 starb das Herr­scher­ge­schlecht des Hau­ses Mark im Man­nes­stamm aus, und die Graf­schaft Mark ge­lang­te bei der Tei­lung der Her­zog­tü­mer Jü­lich-Kle­ve-Berg zu­sam­men mit dem Her­zog­tum Kle­ve und der Graf­schaft Ra­vens­berg zu­nächst pro­vi­so­risch und 1666 beim Erb­ver­gleich dann de­fi­ni­tiv an den Kur­fürs­ten und Mark­gra­fen von Bran­den­burg (Jü­lich-Kle­vi­scher Erb­fol­ge­streit).

In der Graf­schaft exis­tier­ten ins­be­son­de­re seit der preu­ßi­schen Zeit, nicht zu­letzt auch ge­för­dert durch eine mer­kan­ti­lis­ti­sche Wirt­schafts­po­li­tik, ver­schie­de­ne über­re­gio­na­le be­deut­sa­me vor­in­dus­tri­el­le Ver­dich­tungs­zo­nen. Dazu zähl­ten die Draht­her­stel­lung im Raum Al­te­na und die Her­stel­lung von Sen­sen an der En­ne­per­stra­ße. Vor die­sem Hin­ter­grund wur­de auch der Stein­koh­le­berg­bau ge­för­dert.

Im Jahr 1753 kam es zu ei­ner grund­sätz­li­chen Neu­ord­nung der zi­vi­len Lo­kal­ver­wal­tung; es wur­den nun ge­trenn­te Ver­wal­tungs- und Ge­richts­be­zir­ke ein­ge­rich­tet. Die Graf­schaft Mark be­stand fort­an aus vier „Land­rät­li­chen Krei­sen“ (Al­te­na, Hamm, Hör­de und Wet­ter) und zwei „Steu­er­rät­li­chen Krei­sen“ (Städ­te-Kreis nord­wärts der Ruhr und Städ­te-Kreis süd­wärts der Ruhr) so­wie aus sechs Land­ge­richts­be­zir­ken (Al­te­na, Bo­chum, Ha­gen, Hamm, Lü­den­scheid und Unna).

Großherzogtum Berg (1807–1813)

In­fol­ge des Vier­ten Ko­ali­ti­ons­kriegs wur­de die Graf­schaft 1807 im Frie­den von Til­sit von Preu­ßen an Frank­reich ab­ge­tre­ten. Na­po­le­on ver­band durch ein De­kret vom 1. März 1808 die Graf­schaft Mark so­wie wei­te­re Ge­bie­te mit dem im Zu­sam­men­hang der Grün­dung des Rhein­bun­des 1806 ent­stan­de­nen Groß­her­zog­tum Berg. Mit der Ein­füh­rung fran­zö­si­scher Ver­wal­tungs­struk­tu­ren im Groß­her­zog­tum wur­de die Graf­schaft Mark dem Ruhr­de­par­te­ment zu­ge­ord­net.

Mit Na­po­le­on Bo­na­par­tes Nie­der­la­gen in Russ­land und bei der Völ­ker­schlacht bei Leip­zig so­wie Na­po­le­ons ers­ter Ab­dan­kung en­de­te die groß­her­zog­li­che Herr­schaft. Als zu­vor preu­ßi­scher Be­sitz fiel die Graf­schaft Mark schon Ende 1813 an Preu­ßen zu­rück. Der mär­ki­sche Be­sitz Preu­ßens wur­de in der Schluss­ak­te des Wie­ner Kon­gres­ses (1815) be­stä­tigt.

Preußen (1813–1918)

Am 30. April 1815 wur­de die Graf­schaft Mark in die preu­ßi­sche Ver­wal­tungs­re­form ein­be­zo­gen; der Re­gie­rungs­sitz wur­de trotz ur­sprüng­lich an­de­rer Ent­schei­dung von Hamm nach Arns­berg ver­legt, so dass die Graf­schaft ein Teil des neu­ge­schaf­fe­nen Re­gie­rungs­be­zirks Arns­berg wur­de, der auch das ehe­mals kur­köl­ni­sche Her­zog­tum West­fa­len um­fass­te und den süd­li­chen Teil der preu­ßi­schen Pro­vinz West­fa­len bil­de­te. Kurz dar­auf wur­de die Ver­wal­tung durch die neu­ge­bil­de­ten Krei­se er­gänzt. Der Name der Graf­schaft Mark blieb als re­gio­na­le Land­schafts­be­zeich­nung er­hal­ten; zu­dem wur­de der Ti­tel Graf von der Mark bis 1918 vom preu­ßi­schen Kö­nig bzw. Deut­schen Kai­ser ge­führt.

Verwaltungsgliederung

Bis 1753

Vor 1753 gab es fol­gen­de Ver­wal­tungs­be­zir­ke:

  1. Amt Al­te­na
  2. Amt Blan­ken­stein
  3. Amt Bo­chum
  4. Amt Ca­men
  5. Amt Hamm
  6. Amt Hör­de
  7. Amt Iser­lohn
  8. Amt Lü­nen
  9. Amt Neu­en­ra­de
  10. Amt Neu­stadt (ab 1631 selb­stän­di­ge Herr­schaft Gim­born-Neu­stadt, heu­te Berg­neu­stadt)
  11. Amt Plet­ten­berg
  12. Amt Schwer­te
  13. Stadt Soest mit Soes­ter Bör­de (in ei­ner Son­der­stel­lung)
  14. Amt Unna
  15. Amt Wet­ter

1753

1753 wur­de im Wege ei­ner Ver­wal­tungs­re­form in der Graf­schaft Mark die Kreis­ver­fas­sung ein­ge­führt. Die Graf­schaft wur­de in vier Krei­se ein­ge­teilt. Die­se wa­ren

  1. der Ham­mi­sche Kreis
  2. der Ho­er­di­sche Kreis
  3. der Al­te­nai­sche Kreis
  4. der Wet­ter­sche Kreis

Ab 1815

Das Ge­biet der Graf­schaft Mark um­fass­te die Krei­se Al­te­na, Bo­chum, Dort­mund, Ha­gen, Hamm, Iser­lohn (teil­wei­se) und Soest (teil­wei­se). Da­mit war die Graf­schaft als Ver­wal­tungs­ein­heit end­gül­tig nicht mehr exis­tent.

Heu­te ent­spricht die­ses Ge­biet in sei­ner Ge­samt­heit un­ge­fähr dem En­ne­pe-Ruhr-Kreis, dem Mär­ki­schen Kreis, Tei­len des Krei­ses Soest und des Krei­ses Unna, den kreis­frei­en Städ­ten Bo­chum, Ha­gen und Her­ne so­wie gro­ßen Tei­len von Dort­mund, der Süd­hälf­te von Gel­sen­kir­chen bis zur Em­scher, klei­ne­ren Tei­len von Es­sen und den süd­lich der Lip­pe lie­gen­den Stadt­be­zir­ken von Hamm.

Herrscher

Johann I. von Kleve-Mark

Jo­hann I. von Kle­ve-Mark

Die ers­ten Herr­scher ent­stamm­ten der Sei­ten­li­nie Berg-Al­te­na des Hau­ses Berg. Berg er­losch 1225 im Man­nes­stamm; das Erbe ging an die Erb­toch­ter und da­mit an das Haus Lim­burg. Das ver­blie­be­ne Haus Berg-Al­te­na teil­te sich 1180 in die Li­ni­en Al­te­na-Isen­berg und Al­te­na-Mark. Aus der Li­nie Al­te­na-Mark er­wuchs das Haus Mark, das bis zum Jahr 1609 die Graf­schaft Mark in­ne­hat­te. 1609 er­losch das Haus Mark, nach­dem der letz­te Her­zog von Jü­lich, Kle­ve und Berg, Graf von der Mark und zu Ra­vens­berg, Herr zu Ra­ven­stein, kin­der­los und geis­tes­krank ver­stor­ben war.

Das Erbe in der Graf­schaft Mark tra­ten die Mark­gra­fen von Bran­den­burg aus dem Haus Ho­hen­zol­lern 1609 zu­nächst ge­mein­sam mit dem Haus Pfalz-Neu­burg an; das Kon­do­mi­nat der erb­be­rech­tig­ten Fürs­ten en­de­te je­doch schon bald mit dem Jü­lich-Kle­vi­schen Erb­fol­ge­streit in ei­ner De-fac­to-Erb­tei­lung, die 1666 end­gül­tig be­stä­tigt wur­de. Die Graf­schaft lös­te sich nach den Ko­ali­ti­ons­krie­gen als Ver­wal­tungs­ein­heit end­gül­tig im preu­ßi­schen Ge­samt­staat auf; der Ti­tel des Gra­fen von der Mark wur­de je­doch erst mit der Ab­dan­kung Kai­ser Wil­helms II. auf­ge­ho­ben.

Haus Berg-Altena

Gra­fen von Berg-Al­te­na

Gra­fen von der Mark, Al­te­na und Kri­cken­beck

  • 1180–1198 Fried­rich, er­warb die Mark nach 1180.
  • 1198–1249 Adolf I., ver­kauf­te das müt­ter­li­che Erbe Kri­cken­beck im Jahr 1243 an den Schwa­ger Otto Graf von Gel­dern. Gilt als Be­grün­der des Hau­ses Mark.

Haus Mark

Gra­fen von der Mark (Al­te­na ging 1262 end­gül­tig in Mark auf)

  • 1249–1277 En­gel­bert I.
  • 1277–1308 Eber­hard II.
  • 1308–1328 En­gel­bert II., erb­te die Graf­schaft Aren­berg und teil­te bei sei­nem Tod das Erbe zwi­schen sei­nen Söh­nen Adolf II. und Eber­hard. Die­ser wur­de der zwei­te Graf von der Marck-Aren­berg und be­grün­de­te die­se neue Sei­ten­li­nie.
  • 1328–1346 Adolf II.
  • 1346–1391 En­gel­bert II.. ver­erb­te Mark an sei­nen jün­ge­ren Bru­der Adolf II.. von der Mark, der be­reits dem letz­ten Gra­fen von Kle­ve nach­ge­folgt war und da­für das Erz­bis­tum Köln ab­ge­legt hat­te.

Gra­fen von Kle­ve, der Vier­gra­fen des Rei­ches und Gra­fen von der Mark

Johann III.

Jo­hann III.

Her­zö­ge von Kle­ve (ab 1417) und Gra­fen von der Mark

  • 1398–1448 Adolf IV.
  • 1437–1461 Ger­hard, Graf von der Mark zu Hamm, Graf zur Mark (nur Re­gent in der Graf­schaft, durf­te den Ti­tel Graf von der Mark nur mit Zu­satz zu Hamm füh­ren.)
  • 1448–1481 Jo­hann I.
  • 1481–1521 Jo­hann II., der From­me

Her­zö­ge von Jü­lich, Berg und Kle­ve, Gra­fen von der Mark und von Ra­vens­berg

  • 1521–1539 Jo­hann II.., der Fried­fer­ti­ge
  • 1539–1592 Wil­helm V., der Rei­che; auch Her­zog von Gel­dern (1538–1543)
  • 1592–1609 Jo­hann Wil­helm, der Gute; vor­mals Bi­schof von Müns­ter, starb ohne Kin­der und geis­tig um­nach­tet

Haus Hohenzollern

Wappen der Grafschaft Mark

Wap­pen der Graf­schaft Mark

  • 1609–1619 Jo­hann Si­gis­mund
  • 1619–1640 Ge­org Wil­helm
  • 1640–1688 Fried­rich Wil­helm, ge­nannt der Gro­ße Kur­fürst
  • 1688–1713 Fried­rich I., Kur­fürst und Mark­graf von Bran­den­burg, Her­zog von Preu­ßen, ab 1701 Kö­nig in Preu­ßen
  • 1713–1740 Fried­rich Wil­helm I./III., Kö­nig in Preu­ßen, Kur­fürst und Mark­graf von Bran­den­burg, ge­nannt „der Sol­da­ten­kö­nig“
  • 1740–1786 Fried­rich II. Kö­nig in Preu­ßen, Kur­fürst und Mark­graf von Bran­den­burg, ab 1772 Kö­nig von Preu­ßen, ge­nannt Fried­rich der Gro­ße oder volks­tüm­lich „der Alte Fritz“
  • 1786–1797 Fried­rich Wil­helm II., Kö­nig von Preu­ßen, ge­nannt „der di­cke Lü­der­jahn“ (Be­deu­tung: „Tau­ge­nichts“)
  • 1797–1840 Fried­rich Wil­helm II.., Kö­nig von Preu­ßen
  • 1840–1861 Fried­rich Wil­helm IV., Kö­nig von Preu­ßen (aus Krank­heits­grün­den über­gab er die Re­gent­schaft am 7. Ok­to­ber 1858 an sei­nen Bru­der Wil­helm I.)
  • 1861–1888 Wil­helm I., ab 1858 Re­gent, ab 1861 Kö­nig von Preu­ßen und ab 1871 ers­ter Kai­ser des Deut­schen Rei­ches
  • 1888–1888 Fried­rich II.., Kö­nig von Preu­ßen und Deut­scher Kai­ser, der „99-Tage-Kai­ser“
  • 1888–1918 Wil­helm II. letz­ter Kö­nig von Preu­ßen und letz­ter deut­scher Kai­ser so­wie Graf von der Mark

Wappen

Das Wap­pen der Graf­schaft trägt ei­nen aus drei sil­ber­nen und ro­ten Schach­rei­hen be­stehen­den Quer­bal­ken, den mär­ki­schen Schach­brett­bal­ken, auf gelb-gol­de­nem Grund. Die­ses ist heu­te Wap­pen der Stadt Hamm. Des Wei­te­ren taucht der Schach­brett­bal­ken im Kreis­wap­pen und in al­len Wap­pen der Ge­mein­den des Mär­ki­schen Krei­ses, au­ßer den Städ­ten Bal­ve und Men­den (die nicht zur Graf­schaft Mark ge­hör­ten), so­wie in den Wap­pen des Krei­ses Unna, des En­ne­pe-Ruhr-Krei­ses und wei­te­rer Kom­mu­nen der Re­gi­on auf.

Karten vom 13. Jh. bis 1791

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Graf­schaft Mark aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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