Grafschaft Lingen

Stammwappen der Grafen zu Lingen

Stamm­wap­pen der Gra­fen zu Lin­gen

Die Graf­schaft Lin­gen war ein Ter­ri­to­ri­um des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches. Sie ge­hör­te zum west­fä­li­schen Reichs­kreis und war von den Hoch­stif­ten Müns­ter und Os­na­brück so­wie der Graf­schaft Teck­len­burg um­ge­ben. Sie war un­ter­teilt in eine obe­re, zu der die Kirch­spie­le Ib­ben­bü­ren, Broch­ter­beck, Re­cke und Met­tin­gen ge­hör­ten, und eine nie­de­re Graf­schaft, zu der die Kirch­spie­le Bees­ten, Bram­sche, Fre­ren, Len­ge­rich, Lin­gen, Sc­ha­pen, Spel­le und Thui­ne ge­hör­ten. Die Ober­graf­schaft ge­hör­te spä­ter mit dem Kreis Teck­len­burg zum preu­ßi­schen Re­gie­rungs­be­zirk Müns­ter, heu­te zum Kreis Stein­furt. Die Nie­der­graf­schaft mit ei­ner Flä­che von 330 km² wur­de mit ei­ni­gen an­de­ren Ge­biets­tei­len zum Land­kreis Lin­gen ver­ei­nigt, der 1977 im Land­kreis Ems­land auf­ging.

Geschichte

Die Graf­schaft Lin­gen ge­hör­te zum Stam­mes­her­zog­tum Sach­sen und zum Ven­ki­gau. Im Ja­nu­ar 1180 ent­zog Fried­rich Bar­ba­ros­sa dem säch­si­schen Her­zog Hein­rich der Löwe die Reichs­le­hen.

Graf Nikolaus II. von Tecklenburg-Schwerin (1388–1426)

Wäh­rend der Re­gent­schaft von Graf Ni­ko­laus II. von Teck­len­burg ver­lor die­ser nach dem Krieg mit Bi­schof Otto IV. von Müns­ter und Bi­schof Diet­rich von Os­na­brück Tei­le sei­ner Nie­der­graf­schaft Lin­gen. Er muss­te Be­ver­gern-Rhei­ne, die Hälf­te der Pfar­rei Plant­lün­ne und Sc­ha­pen so­wie den Os­ten-, den Stader und Spel­ler­wald ab­tre­ten.

Graf Nikolaus III. von Tecklenburg-Schwerin (1493–1496)

Die Graf­schaft Lin­gen wur­de 1493 von der Graf­schaft Teck­len­burg ab­ge­spal­ten. Graf Ni­ko­laus III. von Teck­len­burg-Schwe­rin war durch sei­nen zweit­äl­tes­ten Sohn Ni­ko­laus ge­zwun­gen wor­den, ihm die Herr­schaft über den Kern­be­reich sei­nes Lan­des zu über­ge­ben und sich sel­ber aufs Al­ten­teil nach Lin­gen zu­rück­zu­zie­hen (Frie­dens­schluss von Hamm 1493).

1496 starb Ni­ko­laus III.; sein Erbe war sein äl­tes­ter Sohn Otto III. Er über­nahm die Graf­schaft Teck­len­burg und ver­dräng­te sei­nen Bru­der Ni­ko­laus nach Lin­gen. Der be­zog 1498 als Ni­ko­laus IV. mit sei­ner Mut­ter die Burg Lin­gen.

Graf Nikolaus IV. von Tecklenburg-Schwerin (1498–1541)

Preußen von 1801 bis 1806

Preu­ßen von 1801 bis 1806

Graf Ni­ko­laus IV. ver­such­te, sich durch Über­fäl­le auf Kauf­leu­te im be­nach­bar­ten Bis­tum Müns­ter zu be­rei­chern. Dar­auf­hin ließ der Bi­schof von Müns­ter 1518 die Graf­schaft Lin­gen für ein Jahr er­obern; Ni­ko­laus IV. muss­te flie­hen. Nach sei­ner Rück­kehr sorg­te er da­für, dass Lin­gen zu ei­ner Fes­tung aus­ge­baut wur­de. Um ei­nen star­ken Ver­bün­de­ten zu ge­win­nen, brach­te er 1526 die einst­mals un­ab­hän­gi­ge Graf­schaft in das Her­zog­tum Gel­dern ein und ließ sie sich gleich­zei­tig von Her­zog Karl von Eg­mond als Le­hen zu­rück­über­tra­gen.

Ni­ko­laus IV. blieb un­ver­hei­ra­tet. Eine stan­des­ge­mä­ße Hei­rat ver­hin­der­te sein Teck­len­bur­ger Bru­der, Graf Otto III.: Als Ni­ko­laus sich mit der Grä­fin von Nas­sau-Beil­stein ver­lo­ben woll­te, sperr­te Otto ihn ein Jahr lang ein, bis er die Hei­rats­plä­ne auf­gab. Otto hin­ge­gen hat­te ge­hei­ra­tet und ei­nen Sohn be­kom­men, Kon­rad, der ihn 1541 be­erb­te.

Graf Konrad von Tecklenburg-Schwerin (1541–1547)

Als Ni­ko­laus starb, war Kon­rad von Teck­len­burg-Schwe­rin, sein Nef­fe und Graf von Teck­len­burg, der nächs­te Ver­wand­te und erb­te die Graf­schaft Lin­gen. Wie vor 1493 wa­ren die Ge­bie­te der Graf­schaf­ten Teck­len­burg und Lin­gen wie­der in ei­ner Hand.

Es blieb je­doch das Le­hen von 1526. Karl von Eg­mond selbst hat­te 1528 Kai­ser Karl V. als Lehns­herrn sei­nes Her­zog­tums an­er­ken­nen müs­sen und war 1538 kin­der­los ge­stor­ben. Als sei­nen Er­ben hat­te er den Her­zog von Kle­ve be­stimmt. Der Kai­ser be­trach­te­te das Her­zog­tum Gel­dern je­doch als an ihn zu­rück­ge­fal­len – und da­mit nach Ni­ko­laus’ Tod auch die Graf­schaft Lin­gen. Hin­zu kam, dass Kon­rad evan­ge­lisch war und nun auch in Lin­gen die Re­for­ma­ti­on ein­führ­te; er ge­hör­te dem Schmal­kal­di­schen Bund evan­ge­li­scher Herr­scher an. 1546 ver­häng­te der ka­tho­li­sche Kai­ser die Reichs­acht über ihn.

Maximilian von Egmond, Graf von Büren (1547–1548)

Karl V. rück­te 1547 mit sei­nen Trup­pen her­an, die von Ma­xi­mi­li­an von Eg­mond, Graf von Bü­ren, an­ge­führt wur­den. Ob­wohl Kon­rad gro­ße Mü­hen auf den Aus­bau der Fes­tung Lin­gen ver­wen­det hat­te, hat­te er kei­ne Chan­ce ge­gen die Über­macht. Kon­rad muss­te dem Kai­ser Karl die Graf­schaft Lin­gen und 25.000 Ta­ler in bar über­las­sen, da­mit die Acht auf­ge­ho­ben wur­de. Der Kai­ser be­lehn­te den sieg­rei­chen Gra­fen Ma­xi­mi­li­an mit dem Lin­ge­ner Land. Ma­xi­mi­li­an wur­de am 29. Juni 1548 Lehns­graf der Graf­schaft Lin­gen. Er ver­starb aber noch im sel­ben Jahr.

Anna von Egmond, Gräfin von Büren (1548–1551)

Sei­ne Er­bin, die 1533 ge­bo­re­ne Anna von Eg­mond, wur­de nach dem Tod ih­res Va­ters Ma­xi­mi­li­an von Eg­mond Lehns­her­rin. Als sie 1551 den Prin­zen Wil­helm von Nas­sau-Ora­ni­en hei­ra­te­te, stimm­te Kai­ser Karl V. die­ser Hei­rat nur un­ter der Be­din­gung zu, dass die Graf­schaft an ihn ver­äu­ßert wird. Die Graf­schaft wur­de dar­auf­hin für 120.000 Gold­gul­den an Kai­ser Karl V. ver­kauft.

Maria von Ungarn (1551–1555)

Für Kai­ser Karl V. war die Graf­schaft Lin­gen ein Stand­ort von stra­te­gi­scher Be­deu­tung. Aus die­sem Grund über­trug Karl V. nach dem Er­werb der Graf­schaft die­se an sei­ne Schwes­ter Ma­ria von Un­garn, die Statt­hal­te­rin der Nie­der­lan­de. Das Le­hen wur­de ihr am 7. Mai 1550 über­tra­gen. Wäh­rend ih­rer Lehns­schaft wur­de 1555 das von al­ters her gel­ten­de Recht zu­sam­men­ge­fasst und als „Lin­gen­sches Land­recht“ in Kraft ge­setzt.

König Philipp II. (1555–1597)

Bei der Ab­dan­kung von Karl V. 1555 über­trug die­ser die Graf­schaft Lin­gen zu­sam­men mit sei­nen habs­bur­gi­schen Be­sit­zun­gen und den bur­gun­di­schen Län­dern auf sei­nen äl­tes­ten Sohn Phil­ipp II., der da­durch Kö­nig von Spa­ni­en wur­de.

Die Graf­schaft Lin­gen war nun eine spa­ni­sche Be­sit­zung und öst­li­cher Au­ßen­pos­ten des Welt­rei­ches von Kö­nig Phil­ipp II. Da­mit wur­de die Graf­schaft auch Ge­gen­stand des Acht­zig­jäh­ri­gen Krie­ges zwi­schen Spa­ni­en und den Nie­der­lan­den. 1597 er­ober­te Prinz Mo­ritz von Ora­ni­en Lin­gen.

Moritz von Oranien (1597–1605)

Fürst Mo­ritz von Ora­ni­en er­ober­te die Graf­schaft Lin­gen beim Feld­zug von 1597 für die Ut­rech­ter Uni­on. 1605 wur­de die Graf­schaft vom spa­ni­schen Feld­her­ren Am­bro­sio Spi­no­la zu­rück­er­obert.

Weitere Geschichte

Von 1605 bis 1632 hat­ten die Spa­ni­er noch­mals die Graf­schaft inne, nach de­ren Ab­zug aber wie­der das Haus Nas­sau-Ora­ni­en. Nach dem Tod Kö­nig Wil­helms III. von Eng­land im Jahr 1702 erb­te Kö­nig Fried­rich I. in Preu­ßen die Graf­schaft Lin­gen, die er 1707 wie­der mit der käuf­lich er­wor­be­nen Graf­schaft Teck­len­burg ver­ei­nig­te. Eine west­li­che ter­ri­to­ria­le Er­wei­te­rung der Graf­schaft er­folg­te im Jahr 1802 durch die Sä­ku­la­ri­sie­rung des Hoch­stif­tes Müns­ter.

1807 wur­de die Graf­schaft von den Fran­zo­sen be­setzt. 1809 wur­de sie dem Groß­her­zog­tum Berg (Dé­par­te­ment Ems) und 1810 an Frank­reich (De­par­te­ment Oberems) über­tra­gen. 1814 fiel die Graf­schaft wie­der an Preu­ßen; aber durch den Ver­zicht Preu­ßens auf die Nie­de­re Graf­schaft Lin­gen wur­de 1815 Lin­gen Teil des auf den Wie­ner Kon­gress neu­ge­grün­de­ten Kö­nig­rei­ches Han­no­ver. Durch die Kul­tur­ver­ord­nung vom 25. Juni 1822 so­wie den Nach­trag vom 12. März 1824 er­ging die recht­li­che Wei­sung zur Si­mul­tan­nut­zung der pro­tes­tan­ti­schen Kir­chen und Schu­len in der Graf­schaft. Die­se Ver­ord­nung wur­de aber schon 1827/1830, auf­grund des nicht en­den­den Strei­tes um die Kir­chen­nut­zung, wie­der auf­ge­ho­ben. Zu­dem wur­de 1824 die Nie­der­graf­schaft Lin­gen durch Papst Leo XII. mit dem Bis­tum Os­na­brück ver­ei­nigt.

Auf dem Neu­markt in Ib­ben­bü­ren er­in­nert das Preu­ßen­denk­mal an die Ver­bin­dung Lin­gen-Preu­ßen. Es wur­de 1902 an­läss­lich der 200-jäh­ri­gen Zu­ge­hö­rig­keit der Ober­graf­schaft Lin­gen zum Kö­nig­reich Preu­ßen auf dem Obe­ren Markt auf­ge­stellt und 1984 auf den Neu­markt um­ge­setzt.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Graf­schaft Lin­gen aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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