Grafschaft Altena

Ter­ri­to­ri­um im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich

Graf­schaft Al­te­na
Burg Altena nach Wiederaufbau der Westwand | Foto: Dr.G.Schmitz

Burg Al­te­na
Foto: Dr. Gre­gor Schmitz [CC BY-SA 2.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wiki­me­dia Com­mons

Herr­schafts­form Graf­schaft
Herrscher/Regierung Graf
Heu­ti­ge Region/en DE-NW
Hauptstädte/Residenzen Burg Al­te­na; nach der Erb­tei­lung: Burg Isen­berg, Burg Nien­brüg­ge, Burg Mark
Dy­nas­ti­en Li­nie Berg-Al­te­na; Haus Isen­berg; Haus Mark (Adels­ge­schlecht)
Sprache/n Deutsch; West­fä­li­scher Dia­lekt, Sauer­län­der Platt
Auf­ge­gan­gen in Graf­schaft Mark (1198/1262)

Die Graf­schaft Al­te­na war ein ab der Ber­gi­schen Erb­tei­lung von 1161 im Ent­ste­hen be­grif­fe­nes Ter­ri­to­ri­um im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich. Die Graf­schaft um­fass­te un­ge­fähr Be­sitz­schwer­punk­te und Rech­te im Ge­biet der heu­ti­gen Ort­schaf­ten Neu­en­ra­de, Lü­den­scheid, Plet­ten­berg und Mein­erz­ha­gen an der Vol­me. Der Mit­tel­punkt war die heu­ti­ge Stadt Al­te­na an der Len­ne.

Geschichte

Entstehung

Das Ge­biet der spä­te­ren Graf­schaft Al­te­na ge­hör­te ver­mut­lich seit der Hei­rat von Adolf von Hu­vi­li (Hö­vel) (= Adolf II. von Berg) aus dem Haus der Gra­fen von Berg mit Adel­heid von Arns­berg in den 1120er Jah­ren zur Graf­schaft Berg. So­mit hat­te das Haus Berg sei­ne Be­sit­zun­gen in das Ge­biet des heu­ti­gen Ruhr­ge­biets und des Sauer­lan­des aus­ge­dehnt.

Nach Dar­stel­lung des His­to­ri­kers Jo­hann Di­ede­rich von Stei­nen (1685–1759) sol­len die Brü­der Adolf und Eber­hard, Nach­fah­ren des Gra­fen von Kle­ve und Teis­ter­band, die­ses Ge­biet um 1108 im Be­reich der Len­ne von Kai­ser Hein­rich V. für treue Diens­te er­hal­ten ha­ben und dort die Burg Al­te­na er­rich­tet ha­ben.

Von Stei­nen ver­warf da­mit die Dar­stel­lung von Levold von Nor­t­hof. Die­ser leg­te den Bau der Burg Al­te­na auf das Jahr 1000 und Otto III. zu­rück und be­haup­te­te, es han­de­le sich bei den Grün­dern und Ur­vä­tern der Mär­ker um zwei Brü­der ei­ner Li­nie der rö­mi­schen Ur­si­ni.

Die ei­gen­stän­di­ge Graf­schaft Al­te­na ent­stand auf­grund ei­ner Erb­tei­lung 1161, durch die sich mit Eber­hard I. von Berg-Al­te­na eine Ne­ben­li­nie von den Gra­fen von Berg ab­spal­te­te. Die­ser Fa­mi­li­en­zweig nann­te sich Gra­fen von Al­te­na; ihr Sitz war die Burg Al­te­na.

Altenaische Erbteilung

Eber­hard I. von Berg-Al­te­na starb am 23. Ja­nu­ar 1180. Spä­tes­tens in die­sem Jahr kam es zwi­schen sei­nen Söh­nen Ar­nold von Al­te­na und Fried­rich von Berg-Al­te­na, de­ren Ver­hält­nis nicht ganz span­nungs­frei ge­we­sen zu sein scheint, zu ei­ner Er­baus­ein­an­der­set­zung, in de­ren Fol­ge die vä­ter­li­che Erb­mas­se akri­bisch ge­teilt wur­de. Nach Uta Vah­ren­holt-Hu­land war Fried­rich von Al­te­na der In­itia­tor der Erb­tei­lung, für de­ren Art es in West­fa­len kein Bei­spiel gibt. Im Ge­gen­satz zur Berg-Al­te­nai­schen Ter­ri­to­ri­al­tei­lung von 1161 han­delt es sich hier um eine Ge­men­ge­tei­lung. Ge­recht­sam­kei­ten, Al­lo­den und Le­hen wur­den pein­lich ge­nau nach fol­gen­dem Tei­lungs­prin­zip ge­trennt:

  • Bei­de Brü­der be­sa­ßen ge­mein­sa­me, un­teil­ba­re Rech­te an dem­sel­ben Ob­jekt.
  • Bei­de Brü­der ver­füg­ten über ge­trenn­te Rech­te an dem­sel­ben Be­sitz.
  • Bei­de Brü­der hat­ten ver­schie­de­ne Gü­ter oder Rech­te an dem­sel­ben Ort.
  • Bei­de Brü­der be­sa­ßen Rech­te und Be­sit­zun­gen in be­nach­bar­ten Or­ten.

Nach die­sem Tei­lungs­mo­dus ging man auch bei der Auf­tei­lung der Graf­schaft Hö­vel zu Wer­ke, die hier­bei, ge­nau wie die Graf­schaf­ten Bo­chum und Al­te­na, zer­split­tert wur­de. Die Groß­graf­schaft Hö­vel be­stand aus drei Co­mi­ta­ten, den Graf­schaf­ten Wa­ren­dorf, Ah­len und Unna. Wa­ren­dorf und Ah­len la­gen nörd­lich der Lip­pe im Bis­tum Müns­ter, das Co­mi­tat Unna hin­ge­gen süd­lich der Lip­pe. Die Co­mi­ta­te wur­den nun zwi­schen den Brü­dern ge­teilt. Der Go Wa­ren­dorf fiel Ar­nold zu, der Go Telg­te ge­lang­te an Fried­rich.

Im Fal­le des Co­mi­tats Ah­len kam der Go Rin­ke­ro­de, in dem auch die alte Haupt­burg Hö­vel lag, die sich zu­vor in Ar­nolds Be­sitz be­fun­den hat­te, an Fried­rich von Al­te­na. Der Go Ah­len wur­de Ar­nold zu­ge­teilt. Bei der Tei­lung des Co­mi­tats Unna er­hielt Ar­nold den Go Ben­ker Hei­de, Fried­rich den Go Unna. Im Go Ben­ker Hei­de, un­mit­tel­bar an der Lip­pe, nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter von sei­ner ehe­ma­li­gen Burg Hö­vel ent­fernt, lag Nien­brüg­ge – la­tei­nisch auch No­vus Pon­te ge­nannt.

Ver­mut­lich erst in den neun­zi­ger Jah­ren wur­de auch die Graf­schaft Bo­chum ge­teilt. Hier­bei er­hielt Fried­rich den grö­ße­ren Go Bo­chum. Ar­nold wur­de mit dem klei­ne­ren Go Hat­tin­gen und der an­schlie­ßen­den Vog­tei der Reichs­ab­tei Es­sen ab­ge­fun­den. Au­ßer­dem be­kam er noch die Krum­me Graf­schaft zu­ge­spro­chen.

Auch bei der Tei­lung der Graf­schaft Al­te­na war Ar­nolds Teil der Klei­ne­re. Ihm fiel der Go El­sey zu, die Zwerg­herr­schaft Osteric/Oesterich und der nörd­li­che Teil der ehe­mals arns­ber­gi­schen Hälf­te des 1103 zwi­schen Köln und Arns­berg ge­teil­ten Co­mi­tats Men­den. Fried­rich be­kam den Süd­teil, wie auch den Go Iser­lohn und den gro­ßen Go Lü­den­scheid. Auch die al­te­nai­schen Rech­te an der Graf­schaft Val­bert-Plet­ten­berg wur­den Fried­rich über­tra­gen.

Die Al­te­nai­sche Tei­lung war kein Pro­zess, der in ei­nem Zuge durch­ge­führt wur­de, son­dern zog sich ver­mut­lich bis in die neun­zi­ger Jah­re hin. Als Fried­rich von Al­te­na 1199 starb, muss er je­doch un­um­kehr­bar voll­zo­gen ge­we­sen sein. An­sons­ten hät­te Fried­richs Sohn, Adolf I. Graf von Al­te­na, der spä­te­re Adolf I. von der Mark, wohl kaum un­wi­der­spro­chen das Erbe des Va­ters an­tre­ten kön­nen.

Ob­wohl Ar­nold und Fried­rich, bei­de zu glei­chen Tei­len, ihre Stamm­burg Al­te­na von Köln zu Le­hen tru­gen, zog sich Ar­nold schon früh dar­aus zu­rück. Er ver­kauf­te sei­nen An­teil nicht an sei­nen Bru­der, son­dern an sei­nen Lehns­herrn, den Erz­bi­schof Phil­ipp von Heins­berg. Nach Phil­ipps Tod ge­lang­te der An­teil der Burg dann wie­der an ihn zu­rück, bis er sie 1200 an Adolf von Al­te­na ver­äu­ßer­te, den ehe­ma­li­gen Köl­ner Erz­bi­schof und Her­zog von West­fa­len. Der Ver­kauf sei­nes Burg­an­teils ist mög­li­cher­wei­se als feind­li­cher Akt ge­gen sei­nen Bru­der zu se­hen, da der Erz­bi­schof den An­teil an Frem­de be­lehn­te, die nun ne­ben Fried­rich auf der Burg Ein­zug hiel­ten.

Ge­nau­so ist al­ler­dings denk­bar, dass der Erz­bi­schof der ei­gent­li­che In­itia­tor der Al­te­nai­schen Erb­tei­lung war. Das To­des­jahr Eber­hards, das Jahr 1180, ist zu­gleich das Jahr, in dem Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sa auf­grund des Spruchs säch­si­scher Fürs­ten mit der Geln­häu­ser Ur­kun­de sei­nem Vet­ter Hein­rich dem Lö­wen, dem da­mals mäch­tigs­ten Reichs­fürs­ten, u. a. das Stam­mes­her­zog­tum Sach­sen ent­zog. Ein Teil des ehe­ma­li­gen Sach­sen wur­de in die Hän­de des Erz­bi­schofs von Köln ge­ge­ben, der von nun an den Ti­tel ei­nes Her­zogs von West­fa­len führ­te. Das auf die­se Wei­se ent­stan­de­ne Her­zog­tum West­fa­len um­fass­te aber bei wei­tem nicht das gan­ze säch­si­sche bzw. west­fä­li­sche Ge­biet und hat­te so­mit von nun an das Ent­ste­hen be­deu­ten­der, kon­kur­rie­ren­der Ter­ri­to­ri­en in sei­ner un­mit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft zu fürch­ten. Die Al­te­nai­sche Erb­tei­lung könn­te so­mit ei­nes der Mit­tel ge­we­sen sein, mit de­nen Erz­bi­schof und Her­zog Phil­ipp von Heins­berg die Ent­ste­hung ei­ner gro­ßen ter­ri­to­ria­len Herr­schaft in Kon­kur­renz zu sei­nem Her­zog­tum schon im An­satz zu ver­hin­dern such­te. Er könn­te also Ar­nold von Al­te­na zu dem Ver­kauf ge­nö­tigt ha­ben.

Da­für spricht auch das wei­te­re Vor­ge­hen Phil­ipps im Hin­blick auf die be­nach­bar­ten Ade­li­gen und ihre Gü­ter. Der Adel die­ser Zeit war auf­grund sei­ner ge­sell­schaft­li­chen Ver­pflich­tun­gen und des dar­aus fol­gen­den aus­schwei­fen­den Le­bens­stils in stän­di­ger Geld­not. Phil­ipp von Heins­berg in­ves­tier­te gro­ße Sum­men, um die Al­lo­di­en und Lehns­rech­te an den Be­sit­zun­gen sol­cher Ade­li­ger auf­zu­kau­fen. Die so er­wor­be­nen Gü­ter be­lehn­te er dann an den Ver­käu­fer zu­rück, wo­bei er sich zu­gleich des­sen Va­sal­len­treue si­cher­te. Auf die­se Wei­se si­cher­te und ver­grö­ßer­te er sei­nen Ein­fluss, zu­nächst im Kampf ge­gen Hein­rich den Lö­wen, spä­ter zur Fes­ti­gung sei­ner Herr­schaft über das Her­zog­tum West­fa­len. So ver­kauf­te auch Fried­rich von Berg-Al­te­na das in der Nähe von Nien­brüg­ge ge­le­ge­ne Flur­stück Wi­se­berg, das sein Va­ter Eber­hard für ihn er­wor­ben hat­te, an den Köl­ner Erz­bi­schof. Aus die­sem Ver­kauf stamm­te das Geld für den An­kauf bzw. Auf- und Aus­bau der mär­ki­schen Be­sitz­tü­mer, den Ober­hof Mark und das Ge­län­de des spä­te­ren Burg­hü­gels, auf dem zu­guns­ten von Fried­richs Sohn Adolf, dem spä­te­ren Gra­fen Adolf I. von der Mark, die Burg Mark er­rich­tet wur­de. Auch das Ge­län­de des Ober­hofs bzw. der Burg war auf die­se Wei­se in den Be­sitz des Köl­ner Erz­bi­schofs ge­langt. Phil­ipp hat­te die mär­ki­schen Gü­ter um 1170 von dem Edel­herrn von Rü­den­berg Ra­bo­do von der Mark an­ge­kauft. Als das Ge­schlecht de­rer von Rü­den­berg we­nig spä­ter im Man­nes­stamm aus­starb, fiel der mär­ki­sche Be­sitz an den Köl­ner Erz­bi­schof zu­rück, der ihn spä­ter an Fried­rich von Berg-Al­te­na über­gab.

Fried­richs Bru­der Ar­nold ver­fuhr mit Burg Nien­brüg­ge ganz ähn­lich. Der Aus­bau Nien­brüg­ges war not­wen­dig ge­wor­den, weil Graf Ar­nold die ehe­ma­li­ge Re­si­denz, Burg Hö­vel, im Zuge der Al­te­nai­schen Erb­tei­lung an sei­nen Bru­der Fried­rich von Berg-Al­te­na ab­tre­ten muss­te und auch die Burg Al­te­na für ihn ver­lo­ren war. Kurz nach ih­rer Fer­tig­stel­lung ver­pfän­de­te Ar­nold die Burg Nien­brüg­ge mit den bei­den Acker­gü­tern Wes­ter­win­kel und Hees­sen an den Köl­ner Erz­bi­schof. Phil­ipp von Heins­berg be­lehn­te den Be­sitz nach Ar­nolds Va­sal­len­schwur an die­sen zu­rück. So wur­de die Burg Nien­brüg­ge wie­der an Ar­nold über­ge­ben, der für den Ver­kauf 500 Gold­stü­cke er­hielt. Nach der Neu­be­leh­nung er­stell­te er für die auf dem Klos­ter­hof Hö­vel woh­nen­den Or­dens­frau­en etwa zwei Ki­lo­me­ter öst­lich von der Burg Nien­brüg­ge eine neue Un­ter­kunft und un­ter­stell­te den weib­li­chen Or­den un­ter die Haus­re­gel der Zis­ter­zi­en­ser. Im Jah­re 1193 wur­de Ar­nold wie­der Ei­gen­tü­mer der Be­sit­zung. Adolf I. von Al­te­na, neu­er Erz­bi­schof von Köln, un­ter­stütz­te die Edel­leu­te, die zum Teil eng mit ihm ver­wandt wa­ren, in­dem er ih­nen die Bur­gen und Al­lo­den, die Phil­ipp von Heins­berg ge­kauft hat­te, zum Ei­gen­tum zu­rück­gab.

In der Fol­ge die­ser Erb­tei­lung nutz­ten bei­de Brü­der die Burg Al­te­na nur noch be­suchs­wei­se. Wäh­rend Ar­nold sich mit Nien­brüg­ge und Isen­berg neue Wohn­sit­ze an der Lip­pe und in Hat­tin­gen er­rich­te­te, ver­füg­te Fried­rich ne­ben dem ei­ge­nen Erbe Burg Hö­vel mög­li­cher­wei­se noch über die alte Burg Kri­cken­beck im Rhein­land – Erbe sei­ner Frau Al­ve­ra­dis von Kri­cken­beck-Mil­len­donk, Toch­ter des Gra­fen Rai­ner – und viel­leicht auch schon über den Ober­hof Mark, auf des­sen Wei­den die Burg Mark er­rich­tet wur­de.

Die Grafschaften Altena-Isenberg und Altena-Mark

Spä­tes­tens seit dem Er­werb des Ober­ho­fes Mark und dem Bau der Burg Mark – ver­mut­lich noch durch Fried­rich von Berg-Al­te­na – vor bzw. um 1198 bil­de­te ein Teil von Al­te­na und die Mark eine Dop­pel­herr­schaft. Der an­de­re Teil, das ar­nold­sche Erbe form­te die lang­sam die Graf­schaft Al­te­na-Isen­berg aus. De­ren Gra­fen Ar­nold und spä­ter Fried­rich auch Vög­te des Stif­tes Es­sen wa­ren.

Altena-Mark

Ver­mut­lich muss man Fried­rich als ers­ten Gra­fen von Al­te­na-Mark an­se­hen, der die Gü­ter bei Hamm er­warb die spä­ter der gan­zen Graf­schaft den Na­men ga­ben. Sein Sohn Adolf I. hin­ge­gen nennt sich be­reits nach der neu­en Burg Mark. Er nennt sich erst­mals 1202 Graf von der Mark, als er sich in ei­ner Ur­kun­de als puer Co­mes de mar­ca be­zeich­net. Das mit­tel­al­ter­li­che puer be­deu­tet sinn­ge­mäß Kna­be oder Knap­pe und nicht wie oft ge­mut­maßt Jung­graf. Of­fen­bar hat­te er also zu die­sem Zeit­punkt sei­ne Aus­bil­dung zum Rit­ter noch nicht ab­ge­schlos­sen. Schon 1205 in ei­ner wei­te­ren Ur­kun­de heißt es nur noch Co­mes de mar­ca. Dies stimmt auch mit den da­mals üb­li­chen Zeit­räu­men für die Aus­bil­dung zu Rit­tern über­ein, zwi­schen dem 14. und 21. Le­bens­jahr dien­te der Kna­be als Knap­pe am Hof ei­nes „frem­den“ Herrn, der sei­ne Aus­bil­dung über­nahm. Wäre er erst wie ei­ni­ge His­to­ri­ker an­neh­men, 1194 ge­bo­ren, hät­te er in die­sem Jahr we­der Zeu­ge eine Be­ur­kun­dung sein kön­nen, noch wäre er 1205 ein fer­ti­ger Rit­ter ge­we­sen. Da­her kann an­ge­nom­men wer­den, dass Adolf wohl schon zu Be­ginn der 1180er Jah­re ge­bo­ren wur­de. Un­ter sei­ner Ägi­de ent­wi­ckel­te sich Al­te­na-Mark zum Kern des spä­ter wich­tigs­ten welt­li­chen Ter­ri­to­ri­ums in West­fa­len. Nach dem Schei­tern der Li­nie Isen­berg ver­ein­te er die Graf­schaft Al­te­na wie­der. Ge­biets­ker­ne die­ser spä­te­ren grö­ße­ren Graf­schaft la­gen im Raum Hamm, süd­lich der Lip­pe, Ka­men, Unna und um Al­te­na. Erst spä­ter – nach 1225/43 – tra­ten auch die isen­ber­gi­schen Erb­tei­le hin­zu.

Altena-Isenberg

Ar­nold von Al­te­na starb zwi­schen 1206 und 1209, über den ge­nau­en To­des­zeit­punkt Ar­nold von Al­tenas gibt es in der Li­te­ra­tur un­ter­schied­li­che An­ga­ben. Nach Jo­seph Prinz ver­starb Fried­richs Va­ter am 3. Mai des Jah­res 1206 oder 1207. Jo­sef Lap­pe aus Lü­nen da­tiert den Tod Ar­nolds eben­falls auf das Jahr 1207. Nach Rein­hold Stirn­berg ver­starb Ar­nold be­reits An­fang des Jah­res 1209. Rib­heg­ge hin­ge­gen be­rich­tet, dass Ar­nold und sein äl­tes­ter Sohn Eber­hard 1209 an dem Al­bi­genser­kreuz­zug teil­nah­men und da­bei bei­de ums Le­ben ka­men. Da sich das Kreuz­fah­rer­heer erst Mit­te des Jah­res 1209 ver­sam­mel­te, kann der To­des­zeit­punkt nach die­ser Ver­si­on erst in der zwei­ten Jah­res­hälf­te des Jah­res 1209 ge­le­gen ha­ben.

Fest zu ste­hen scheint je­den­falls, dass Ar­nold von Al­te­na be­reits vor sei­nem Sohn Eber­hard ver­starb.

Fried­rich von Isen­berg, ein jün­ge­rer Sohn Ar­nolds von Al­te­na, war ur­sprüng­lich für eine kirch­li­che Lauf­bahn vor­ge­se­hen und nach Stirn­berg Dom­herr zu Köln. Er trat je­doch von die­sen Äm­tern zu­rück und wur­de Mit­re­gent sei­nes Bru­ders Eber­hards. Stirn­berg ver­mu­tet, dass der Tod sei­nes Bru­ders 1209 ab­seh­bar ge­we­sen sein könn­te, was die­sen Schritt er­klärt. Al­ter­na­tiv kann es je­doch auch eine rei­ne Vor­sichts­maß­nah­me ge­we­sen sein, um in kreu­zungs­be­ding­ter Ab­we­sen­heit Ar­nolds, Eber­hards von dem Isen­berg kein Macht­va­ku­um ent­ste­hen zu las­sen und die Ver­wal­tung Isen­bergs und der Vog­tei Es­sen zu si­chern. In je­dem Fall kam spä­tes­tens 1209 Fried­rich von Isen­berg auf den Gra­fen­stuhl und wur­de Vogt von Es­sen.

Zwi­schen ihm und der Äb­tis­sin von Es­sen – Adel­heid – kam es spä­ter zu Span­nun­gen, die schließ­lich auch Papst, Kai­ser und den deut­schen Kö­nig be­schäf­ti­gen und den Erz­bi­schof En­gel­bert von Köln, Er­zie­her des deut­schen Kö­nigs, Reichs­ver­we­ser, Her­zog von West­fa­len und Graf von Berg das Le­ben kos­ten soll­ten. Um für den Rechts­streit mit dem Stift ge­rüs­tet zu sein, hat­te Fried­rich die Isen­ber­ger Vog­tei­rol­len er­stel­len las­sen, wor­in sorg­fäl­tig sei­ne Rech­te als Vogt und die zu­ge­hö­ri­gen Gü­ter auf­ge­zeich­net wa­ren. Die klei­ne Vog­tei­rol­le stammt aus den Jah­ren vor 1220, die gro­ße aus dem Jahr 1221. Die Äb­tis­sin hat­te un­ter­des­sen den Erz­bi­schof von Köln um Hil­fe an­ge­ru­fen, der je­doch wohl über sei­nen na­hen Ver­wand­ten Fried­rich schüt­zend die „un­tä­ti­ge“ Hand hielt. Die Äb­tis­sin Adel­heid über­ging in der Fol­ge den Erz­bi­schof und wand­te sich an den Papst und den Kai­ser mit der Bit­te um Hil­fe ge­gen Fried­rich, der dem Klos­ter mehr neh­me als ihm zu­stün­de. Dies und die be­reits zu­vor er­las­se­ne päpst­li­che Or­der, die Kir­chen­gü­ter dem Zu­griff der Vög­te zu ent­zie­hen, wa­ren die Grün­de, die 1225 En­gel­bert zum Han­deln zwan­gen. Fried­rich lehn­te es je­doch ab, die Vog­tei über Es­sen nie­der­zu­le­gen und da­für mit Geld­leis­tun­gen ent­schä­digt zu wer­den. Da­her be­rief der Erz­bi­schof die Ed­len West­fa­lens im No­vem­ber 1225 nach Soest auf ei­nen Fürs­ten­tag, um den ent­stan­de­nen Streit bei­zu­le­gen. Doch konn­te man sich in Soest nicht ei­ni­gen, und so ver­tag­te man sich auf ein wei­te­res Tref­fen ei­ni­ge Tage spä­ter zu Köln. Ge­mein­sam bra­chen Fried­rich und En­gel­bert in Soest auf, der Erz­bi­schof woll­te auf dem Weg zu Schwelm eine Kirch­wei­he durch­füh­ren, Fried­rich ent­we­der auf die nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter ab­seits der bi­schöf­li­chen Stra­ße von Soest nach Köln ge­le­ge­ne Burg Isen­berg oder zu den wei­te­ren Ge­sprä­chen nach Köln rei­sen. Doch zu den Ge­sprä­chen in Köln kam es nicht mehr. Am 7. No­vem­ber 1225 ge­riet En­gel­bert bei Ge­vels­berg in ei­nen Hin­ter­halt und wur­de mit mehr als vier­zig schwe­ren – 1978 an den Kno­chen nach­ge­wie­se­nen – Ver­let­zun­gen ge­tö­tet. We­ni­ge die­ser Schlä­ge hät­ten nach An­sicht der Ge­richts­me­di­zi­ner si­cher aus­ge­reicht, En­gel­bert zu tö­ten. Seit­dem gibt es zahl­rei­che Theo­ri­en über die Mo­ti­ve des Mor­des und dar­über, ob es ein Mord war oder doch nur eine miss­glück­te Ent­füh­rung. Als Quel­le zum Ge­sche­hen gibt es nur die Le­bens­ge­schich­te En­gel­berts von Berg, die der Mönch Cae­sa­ri­us von Heis­ter­bach im Auf­trag der köl­ni­schen Kir­che ver­fasst hat.

In der Fol­ge des An­schla­ges wird En­gel­bert dem mit­tel­al­ter­li­chen Rechts­brauch ent­spre­chend in Köln ge­kocht, um das Fleisch von den Kno­chen zu lö­sen, das Fleisch in ei­nem der Tür­me des al­ten Köl­ner Doms be­stat­tet und die Kno­chen in Tü­cher ge­hüllt, um sie bei der An­kla­ge­er­he­bung vor­zei­gen zu kön­nen. So ge­rüs­tet, er­hob der Elekt Hein­rich von Müllen­ark am 1. De­zem­ber 1225 auf dem Hof­tag zu Nürn­berg Kla­ge ge­gen Fried­rich als Haupt­ver­schwö­rer und ver­lang­te, ihn in Acht und Bann zu schla­gen. Der an­ge­sichts der Kno­chen sei­nes Er­zie­hers ver­mut­lich tief be­trof­fe­ne min­der­jäh­ri­ge Kö­nig, der zu­dem ge­ra­de hat­te hei­ra­ten wol­len – En­gel­bert soll­te ei­gent­lich die Trau­ung voll­zie­hen –, über­ging die Ein­wän­de des Adels, dass man Fried­rich nicht in Ab­we­sen­heit und ohne Mög­lich­keit der Ge­gen­re­de ver­ur­tei­len kön­ne. Dar­auf brach ein Tu­mult los, bei dem meh­re­re Ad­li­ge zu Tode ge­quetscht wur­den.

Die Köl­ner setz­ten ein Kopf­geld auf Fried­rich aus, in Höhe von 2100 köl­ni­schen Mark (1 Mark = 233,8123 g Sil­ber). Als die­ser auf dem Rück­weg vom Papst, zu dem er mit sei­nen Brü­dern dem Bi­schof von Müns­ter und dem Bi­schof von Os­na­brück ge­flo­hen war, ver­ra­ten und an Köln aus­ge­lie­fert wur­de, stell­te ihn Müllen­ark vor Ge­richt, wo­bei er Klä­ger und Rich­ter in ei­ner Per­son war und da­mit wi­der mit­tel­al­ter­li­chem Rechts­brauch han­del­te. Im Bei­sein sei­ner schwan­ge­ren Frau So­phie von Lim­burg ver­ur­teil­te man ihn und flocht Fried­rich vor dem Se­ve­r­instor auf das Rad.

Wiedervereinigung der Grafschaft Altena

Adolf I. Graf von der Mark stell­te sich spä­tes­tens nach dem Mord kon­se­quent an die Sei­te Kölns und be­setz­te das isen­ber­gi­sche Erb­teil des Al­te­nai­schen Gra­fen­hau­ses mit Bil­li­gung der köl­ni­schen Kir­che. Die isen­ber­gi­sche Burg und Stadt Nien­brüg­ge bei Hamm wur­de ge­schleift und die Bür­ger in den Ham zwi­schen Ahse und Lip­pe, etwa 1 km wei­ter öst­lich Um­ge­sie­delt. Adolf ver­lieh der neu­en Sied­lung das Stadt­recht am Ascher­mitt­woch 1226. Die Burg Isen­berg wur­de eben­falls durch köl­ni­schen und mär­ki­sche Trup­pen be­setzt und ge­schleift, ei­ni­ge Ki­lo­me­ter Fluss­auf­wärts in Blan­ken­stein er­rich­te­te Adolf da­für die Burg Blan­ken­stein. Das Erbe der Gra­fen von Berg ging den Nach­fah­ren des in der Haupt­li­nie er­lo­sche­nen Hau­ses Berg den Li­ni­en Al­te­na-Mark und Al­te­na-Isen­berg je­doch ver­lo­ren. Es ging wie von En­gel­bert Jah­re zu­vor be­stimmt nach sei­nem Tod an sei­ne Nich­te und de­ren Nach­fah­ren.

Isenberger Wirren

Haupt­ar­ti­kel: Isen­ber­ger Wir­ren

Seit 1225 hat­te Adolf fast alle isen­ber­gi­schen Gü­ter ein­ge­zo­gen – die Vog­tei Es­sen ging an das Erz­bis­tum. Doch 1232 for­der­ten die ver­blie­be­nen Brü­der und der Sohn Fried­richs das Erbe zu­rück. Un­ter­stützt von sei­nen On­keln, dem Bi­schof von Os­na­brück, dem Her­zog von Lim­burg und Gra­fen von Berg, kam es kurz, nach­dem Adolf I. die For­de­run­gen ab­ge­lehnt hat­te, zur Feh­de. Die Kämp­fe führ­ten in elf Jah­ren je­doch nur zu ge­rin­gen Ge­län­de­ge­win­nen der Isen­ber­ger und zu ei­nem mi­li­tä­ri­schen Patt. 1243 ver­kauf­te Adolf I. zu­erst das müt­ter­li­che Erbe Kri­cken­beck an sei­nen Schwa­ger Otto von Gel­dern, wo­bei un­klar bleibt, ob es ge­schah, um Kriegs­kos­ten zu be­zah­len, oder als Dank für Hil­fen wäh­rend der Feh­de. Zwei Mo­na­te spä­ter en­de­te der Kon­flikt mit ei­nem Ver­trag über die Isen­berg – Be­sit­zun­gen im Müns­ter­land, wel­cher die Krum­me Graf­schaft und die wäh­rend der Feh­de er­rich­te­te Burg Ho­hen­lim­burg als Kern der win­zi­gen Graf­schaft Lim­burg aus dem vä­ter­li­chen Be­sitz ein­brach­te. Je­doch muss­te Diet­rich die­se als Dank für die Hil­fe des Gra­fen von Berg von die­sem zu Le­hen neh­men. Auch der Name Lim­burg war ein Dank an sei­ne Un­ter­stüt­zer aus dem Haus Lim­burg im heu­ti­gen Bel­gi­en.

Adolf I. hin­ge­gen konn­te ei­nen er­heb­li­chen An­teil der isen­ber­gi­schen Gü­ter be­hal­ten. Die Krum­me Graf­schaft im Raum Bo­chum fiel spä­ter wie­der an die Mär­ker, auch die Vog­tei über das Stift Es­sen und die Ab­tei Wer­den fie­len ih­nen wie­der zu.

Erbteilung in Altena und Mark

Nach dem Tod Adolf I. von der Mark, Al­te­na und Kri­cken­becks über­nahm des­sen Sohn Otto von der Mark, Graf von Al­te­na 1249 bis 1262 mit dem Ein­ver­ständ­nis von des­sen Bru­der En­gel­bert I. Graf von der Mark kurz­zei­tig die Herr­schaft in der Graf­schaft Al­te­na. Otto ord­ne­te die Ver­wal­tung in Al­te­na neu und er­rich­te­te auf der Burg Al­te­na ei­nen neu­en Pa­las. Er starb 1262 als letz­ter am­tie­ren­der Graf von Al­te­na.

Das Ende der Grafschaft Altena – 1262

Mit dem Tod Ot­tos fiel die Graf­schaft Al­te­na wie­der an En­gel­bert I. und wur­de mit der Graf­schaft Mark ver­schmol­zen. Ihr Name ver­schwand nun dau­er­haft zu Guns­ten des Na­mens Graf­schaft Mark. Schon ab 1225 wur­de der Ti­tel vom Herr­scher­haus kaum noch ge­nutzt. Nur Otto ver­wand­te ihn noch­mals von 1249 bis 1262.

Herrscher der Grafschaft Altena

Linie Berg-Altena

  • 1161–1180 Eber­hard I. von Berg-Al­te­na

Al­te­nai­sche Erb­tei­lung 1180

Linie Berg-Altena-Isenberg

  • 1180–1206/9 Ar­nold von Al­te­na
  • 1206/9–1209 Eber­hard von Al­te­na-Isen­berg
  • 1209–1225 Fried­rich von Isen­berg
  • 1225–1301 Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg, Ers­ter Graf von Lim­burg er­hob bis 1243 An­sprü­che auf Al­te­na-Isen­berg. Ver­lor je­doch den größ­ten Teil von Al­te­na-Isen­berg an Adolf I. von der Mark

Linie Berg-Altena-Mark

  • 1161–1198 Fried­rich von Berg-Al­te­na, Graf von Al­te­na und Kri­cken­beck; er­warb ver­mut­lich nach 1180 die Mark
  • 1198–1249 Adolf I. von der Mark, Graf von der Mark, Al­te­na und Kri­cken­beck; zog 1225 Al­te­na-Isen­berg ein, ver­kauf­te 1243 Kri­cken­beck und be­hielt im Frie­den mit Diet­rich von Al­te­na-Isen­berg und dem Lim­bur­gern wei­te Tei­le Al­te­na-Isen­bergs.
  • 1249–1262 Otto von der Mark, letz­ter Graf von Al­te­na

Nach 1262 blieb Al­te­na bei Mark und der Ti­tel so­wie die Graf­schaft gin­gen in der Graf­schaft Mark auf. Die Li­nie Adolfs I. herrsch­te bis zu ih­rem Er­lö­schen 1609 in der Mark.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Graf­schaft Al­te­na aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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