Grafen von Hövel

Die Gra­fen von Hö­vel wa­ren ein Adels­ge­schlecht, des­sen im Her­zen West­fa­lens ge­le­ge­ne Graf­schaft seit der Er­rich­tung von Burg Hö­vel im heu­ti­gen Bockum-Hö­vel (nun­mehr Stadt­be­zirk der Stadt Hamm) be­deu­ten­den Ein­fluss auf die ge­sam­te Re­gi­on aus­üb­te. Zu Zei­ten ih­rer größ­ten Aus­deh­nung er­streck­te sich die Graf­schaft Hö­vel über die ge­sam­te süd­lich von Müns­ter ge­le­ge­ne Re­gi­on. Letz­ter Graf von Hö­vel war Fried­rich von Isen­berg. Nach sei­ner Hin­rich­tung we­gen der Ver­stri­ckung in den Mord an dem Köl­ner Erz­bi­schof En­gel­bert I. von Berg er­losch die Li­nie der Gra­fen von Hö­vel.

Geschichte

Über die Her­kunft der Gra­fen von Hö­vel gibt es in der Li­te­ra­tur zwei ver­schie­de­ne An­ga­ben. Die ers­te stützt sich auf eine mit­tel­al­ter­li­che Quel­le, den so­ge­nann­ten An­na­lis­ta Saxo. Die­se be­nennt ei­nen Bern­hard aus dem Ge­schlecht der Gra­fen von Werl, der eine Toch­ter na­mens Ida und eine En­ke­lin na­mens Adel­heid hat­te. Nach den Be­schrei­bun­gen des An­na­lis­ta Saxo wäre die­ser Bern­hard mit Bern­hard I. von Werl zu iden­ti­fi­zie­ren, Sohn des Gra­fen Her­mann I. von Werl, des­sen äl­tes­ter Sohn Her­mann II. von Werl Stamm­va­ter der Gra­fen von Arns­berg war. Bern­hard I. von Werl soll im Jah­re 1003 die Graf­schaft Hö­vel als Erbe er­hal­ten und da­mit die Li­nie der Gra­fen von Hö­vel be­grün­det ha­ben. Um sei­ne Be­sit­zun­gen bes­ser re­gie­ren kön­nen, habe er um 1003 die Burg Hö­vel er­rich­ten las­sen und sie von da an als Re­si­denz ge­nutzt. Seit­her habe er sich Bern­hard von Werl-Hö­vel oder auch Bern­hard von Hö­vel ge­nannt. Die En­kel­toch­ter Bern­hards, Adel­heid von Lauf­fen, habe schließ­lich Adolf von Berg-Hö­vel aus dem Ge­schlecht der Gra­fen von Berg ge­hei­ra­tet und da­bei die Graf­schaft Hö­vel als Erbe mit in die Ehe ge­bracht.

Nach den neue­ren For­schun­gen Paul Lei­din­gers, der seit Jahr­zehn­ten mit den Gra­fen von Werl be­fasst ist, hat es nie ei­nen Gra­fen von Hö­vel aus dem Hau­se Werl ge­ge­ben. Lei­din­ger hat fest­ge­stellt, dass sich die Le­bens­da­ten Bern­hards I. von Werl nicht bzw. nur un­ter gro­ßen Mü­hen mit den An­ga­ben zu Bern­hard im An­na­lis­ta Saxo zu­sam­men­füh­ren las­sen. An­ders ist dies bei Bern­hard II. von Werl. Hin­zu kom­me, dass Ida von Hö­vel nicht die ein­zi­ge Erb­toch­ter ei­nes Gra­fen Bern­hard von Werl ge­we­sen sein kön­ne. Als Toch­ter von Bern­hard I. hat­te sie nach dem An­na­lis­ta Saxo Schwes­tern, die nach säch­si­schem Erbrecht zu glei­chen Tei­len ge­erbt hät­ten. Lei­din­ger geht des­halb von ei­ner Ver­wechs­lung aus. Der im An­na­lis­ta Saxo ge­nann­te Bern­hard sei in Wirk­lich­keit mit Bern­hard II. von Werl zu iden­ti­fi­zie­ren, Vor­fah­re der Gra­fen von Arns­berg. Eine Graf­schaft Hö­vel habe es also zu­nächst nicht ge­ge­ben; die Län­de­rei­en hät­ten viel­mehr im Be­sitz der Arns­ber­ger ge­stan­den. Erst als im Jah­re 1124 das Ge­schlecht der Gra­fen von Arns­berg im Man­nes­stamm er­losch, sei Hö­vel durch Erb­tei­lun­gen in die Hän­de Adolfs II. von Berg ge­langt, der so­mit auch der ers­te Graf von Hö­vel ge­we­sen sei.

Es ist so­mit un­ge­wiss, ob die Graf­schaft Hö­vel schon um 1003 oder erst um 1124 her­um ent­stan­den ist. 1180 wur­de sie im Zuge der Al­te­nai­schen Erb­tei­lung in ih­ren nörd­lich und ih­ren süd­lich der Lip­pe ge­le­ge­nen Teil ge­spal­ten. Grob be­trach­tet, ging der nörd­lich der Lip­pe ge­le­ge­ne Teil an die al­te­na­isch-mär­ki­sche Sei­ten­li­nie der Gra­fen von Berg, der süd­lich der Lip­pe ge­le­ge­ne Teil an die isen­ber­gi­sche Li­nie, die auch den Ti­tel Graf von Hö­vel wei­ter­führ­te.

Die Graf­schaft Hö­vel wur­de zu Zei­ten ih­rer größ­ten Aus­deh­nung im Wes­ten von Dort­mund be­grenzt – die Stadt Dort­mund selbst ge­hör­te nicht zu ih­rem Ge­biet. Im Nord­wes­ten er­streck­te sich die Graf­schaft bis nach Wes­ter­win­kel (heu­te im Asche­ber­ger Orts­teil Her­bern ge­le­gen) und Sto­ckum (heu­te zu Wer­ne ge­hö­rig). Im Nor­den grenz­te sie an das Herr­schafts­ge­biet Müns­ters, so dass der Ein­fluss der Hö­ve­ler Gra­fen sich bis Telg­te und Fre­cken­horst er­streck­te. Im Os­ten reich­te die Graf­schaft bis an die Be­sit­zun­gen Pa­der­borns her­an. Im Sü­den ge­hör­ten Werl und die um Soest ge­le­ge­nen Ge­bie­te (ohne die Stadt Soest) zum Ein­fluss­be­reich der Gra­fen von Hö­vel.

Seit Adolf II. von Berg er­streck­te sich Hö­vels Ein­fluss­ge­biet über Ka­men und Unna bis zum Reichs­stift Es­sen (ohne die Stadt Es­sen) und Isen­berg, im Sü­den bis nach Al­te­na.

Die Graf­schaft wur­de zu­nächst von Burg Hö­vel aus re­giert. Spä­ter ver­la­ger­te Eber­hard I. von Berg-Al­te­na die Re­si­denz in die von ihm er­bau­te Burg Nien­brüg­ge, die er als Si­che­rungs­pos­ten für die Graf­schaft Hö­vel hat­te er­bau­en las­sen. Von dort aus hat­te er eine bes­se­re Kon­trol­le über sei­ne Al­lo­den. Als durch die Al­te­nai­sche Erb­tei­lung Burg Hö­vel für den isen­ber­gi­schen Teil der Fa­mi­lie, der den Gra­fen­ti­tel wei­ter­führ­te, ver­lo­ren ging, wur­de der Aus­bau Nien­brüg­ges als Er­satz­re­si­denz deut­lich for­ciert und vor­an­ge­trie­ben.

Die fol­gen­de Dar­stel­lung der ver­schie­de­nen Ge­nera­tio­nen des Hö­ve­ler Adels­hau­ses geht von den Schluss­fol­ge­run­gen aus, wie sie sich aus dem An­na­lis­ta Saxo er­ge­ben. Schließt man sich Lei­din­gers For­schun­gen an, be­ginnt die Li­nie der Gra­fen von Hö­vel erst mit Adolf II. von Berg; die vier­te Ge­nera­ti­on der Gra­fen von Hö­vel wäre nach die­ser Auf­fas­sung die ers­te Ge­nera­ti­on. Burg Hö­vel wäre dann eben­falls deut­lich spä­ter er­baut wor­den.

Bernhard von Werl, geb. um 983

Der um 983 ge­bo­re­ne Bern­hard von Werl er­hielt nach un­si­che­rem For­schungs­stand ganz Mit­tel­west­fa­len als Erbe; wo­mög­lich auch das Reichs­stift Es­sen. Um das Jahr 1003 soll Bern­hard in sei­ne Graf­schaft um­ge­zo­gen sein, um eine bes­se­re Über­sicht zu ha­ben – in die­sem Gau la­gen sei­ne meis­ten Co­mi­ta­te. Er fand die güns­tigs­te Stel­le an der gro­ßen Heer­stra­ße, die vom Hell­weg zur Ost­see ver­lief, und zwar kurz hin­ter der Lip­pe­furt in ei­ner Sen­ke des nörd­li­chen Hü­gels. Von hier aus konn­te er den ge­sam­ten Haarstrang über­se­hen. Er er­bau­te sich hier eine Burg und nann­te sich des Hü­gels we­gen nur noch Graf Bern­hardus de Hu­vi­li, Graf von der Graf­schaft Hu­vi­li. In den Jah­ren von 1015 bis 1025 muss Graf Bern­hard von Hö­vel ge­hei­ra­tet ha­ben. Sei­ne Ehe­frau blieb mit Na­men un­be­kannt. Etwa im Jahr 1020/25 ge­bar sei­ne Ehe­frau ihm eine Toch­ter. We­gen des zu der da­ma­li­gen Zeit herr­schen­den „Ida-Kul­tes“ nann­te er sei­ne Toch­ter Ida. Orts­hei­mat­pfle­ger Schro­eder geht da­von aus, dass Bern­hard, wie es da­mals üb­li­che Ge­pflo­gen­heit war, zur Fei­er des freu­di­gen Er­eig­nis­ses der Ge­burt auf dem Hü­gel eine Ei­gen­kir­che ge­stif­tet habe und dass hier die Ur­sprün­ge der St.-Pankratius-Kirche in Hö­vel lie­gen. Der Hei­li­ge Pan­kra­ti­us, ei­ner der Vier­zehn Not­hel­fer, wur­de zu die­ser Zeit hoch ver­ehrt. Bern­hard sei da­mit dem Vor­bild sei­nes Groß­va­ters ge­folgt. Die Ei­gen­kir­che habe nicht dem Bi­schof un­ter­stan­den. Für die Un­ter­hal­tung der Kir­che und des Pries­ters habe Bern­hard selbst auf­kom­men müs­sen. Nach der da­ma­li­gen Bau­wei­se müs­se es ein klei­nes, aus Holz ge­zim­mer­tes Kirch­lein ge­we­sen sein.

Graf Bern­hard von Hö­vel hat sich fast nur im Ge­fol­ge des Kai­sers und des Erz­bi­schofs He­ri­bert von Köln auf­ge­hal­ten. Auch beim Bi­schof Mein­werk von Pa­der­born war er des Öf­te­ren an­zu­tref­fen. Er schenk­te dem Abt des neu­ge­grün­de­ten Klos­ters bei Deutz ei­nen Hof mit meh­re­ren Grund­stü­cken in Rha­de bei Al­te­na. Gleich­zei­tig ist ur­kund­lich ver­merkt, dass er ver­schie­de­ne Ober­hö­fe in der Bau­erschaft As­sen in Lipp­borg und in Hon­sel, etwa 6 km von Werl ent­fernt, käuf­lich er­warb.

Nach Schro­eder stif­te­te Bern­hard bald nach der Stif­tung der Ei­gen­kir­che St. Pan­kra­ti­us in Hö­vel er­neut eine Ei­gen­kir­che in Her­rin­gen. Dies muss um die Jah­re 1032/35 ge­we­sen sein. Er bat den Abt des Klos­ters Deutz, die­se Kir­che ein­zu­wei­hen. Die­ser Bit­te kam der Abt ger­ne nach, da Graf Bern­hard von Hö­vel ihm erst vor kur­zer Zeit den Hof bei Rha­de ge­schenkt hat­te.

Erste Generation – Ida von Hövel, geb. um 1020/25

Bern­hard hat­te kei­nen Sohn. Durch sei­ne ein­zi­ge Toch­ter ging sein Be­sitz an an­de­re Fa­mi­li­en über, ins­be­son­de­re an die Gra­fen von Berg. Etwa in den Jah­ren 1050/55 muss sei­ne Toch­ter Ida von Hö­vel den Edel­herrn Hein­rich von Lauf­fen ge­hei­ra­tet ha­ben. Die be­trächt­li­che Ent­fer­nung von der Burg Hö­vel bis zum Ne­ckar zeigt, wie weit die Gra­fen mit ih­ren Fa­mi­li­en her­um­ge­reist sind. Viel­leicht reis­ten sie, wie es zu die­ser Zeit üb­lich war, im Ge­fol­ge des Kai­sers, Kö­nigs oder ei­nes Bi­schofs. Kurz nach der Ge­burt ei­ner Toch­ter mit Na­men Adel­heid muss ihr Va­ter Hein­rich von Lauf­fen ver­stor­ben sein; denn nach der Chro­nik der Burg Lauf­fen soll der Leich­nam des Edel­herrn von Lauf­fen von Mäu­sen auf­ge­fres­sen wor­den sein. Schro­eder geht da­von aus, dass für ih­ren Groß­va­ter, Graf Bern­hard von Hö­vel, die Ge­burt Adel­heids von Lauf­fen er­neut An­lass war, auf sei­nem Grund und Bo­den in Bockum (frü­he­re Schreib­wei­se Bu­chem, Bo­chem oder Buk­heim) aus Holz ein Kirch­lein zu er­rich­ten. Er habe die Kir­che dem Hei­li­gen Sankt Ste­pha­nus ge­wid­met, der zu den ers­ten ge­mar­ter­ten Chris­ten ge­hör­te – da­von zeu­ge noch heu­te die St.-Stephanus-Kirche in Bockum (Stadt­be­zirk Bockum-Hö­vel der Stadt Hamm). Ste­pha­nus wur­de in der Zeit um 1050 hoch ver­ehrt. Gleich­zei­tig habe Bern­hard ei­nen weib­li­chen Or­den nach Hö­vel ge­holt, der noch kei­ner Ge­mein­schaft an­ge­schlos­sen war. Die­sen habe er auf dem heu­ti­gen Klos­ter­ho­fe an­ge­sie­delt. Die­ser Hof soll nach den ge­mach­ten Fun­den schon zur Rö­mer­zeit be­sie­delt ge­we­sen sein; denn man fand 1803 rö­mi­sche Lan­zen­spit­zen und klei­ne­re Huf­ei­sen, die von Maul­tie­ren ge­tra­gen wur­den. Der Pfar­rer Sutt­hoff scheint die­se Fun­de iden­ti­fi­ziert zu ha­ben. Dass die Ver­mu­tung stimmt, sei im Jah­re 1927 er­neut durch Mu­se­ums­di­rek­tor Bän­f­er aus Hamm be­stä­tigt wor­den; denn Mau­rer fan­den beim Aus­schach­ten des Kel­lers auf der Klos­ter­müh­le ein rö­mi­sches Schwert und ver­schie­de­ne an­de­re Ge­gen­stän­de. Der On­kel der Adel­heid war Bru­no von Lauf­fen, der Erz­bi­schof in Trier war. Durch sei­ne Ver­mitt­lung hei­ra­te­te die Mut­ter Ida von Lauf­fen, eine ge­bo­re­ne von Hö­vel, den säch­si­schen Gra­fen von Er­ti­ni­burg.

Zweite Generation – Adelheid von Lauffen, geb. um 1050/60

Die En­ke­lin des Gra­fen Bern­hard von Hö­vel, Adel­heid von Lauf­fen, hei­ra­te­te um das Jahr 1070 den Gra­fen Adolf von Berg-Hö­vel, ur­kund­lich er­wähnt als Adolf de Hu­vi­li. Des­sen Va­ter, Graf Adolf Graf von Berg, war um die­se Zeit be­reits Vogt im Deutz­gau, au­ßer­dem Vogt von Ger­res­heim, Wer­den und Berg. Nach des­sen Tode wur­de Adolf von Berg-Hö­vel erb­li­cher Vogt von Deutz und durch die Hei­rat mit Adel­heid Her­ren­vogt vom Klos­ter Hö­vel so­wie erb­li­cher Vogt vom Reichs­stift Es­sen und vom Reichs­klos­ter Wer­den. Erbe der Graf­schaft Hö­vel konn­te Adel­heid von Berg noch nicht wer­den, da ein männ­li­cher Ab­kom­me aus dem Ge­schlech­te der Wer­ler Gra­fen, und zwar Graf Her­mann vom Gro­nin­ger­land, noch leb­te. Aber es dau­er­te nicht mehr lan­ge, bis sie die Erb­schaft an­tre­ten konn­te, denn Her­mann von Gro­nin­ger­land ver­starb kin­der­los we­ni­ge Jah­re spä­ter. Jetzt wur­de Adolf von Berg-Hö­vel in den Adels­stand de­rer von Hö­vel er­ho­ben. Die Ur­groß­mutter sei­ner Frau war die Toch­ter des Kö­nigs Kon­rad von Bur­gund und ihr On­kel, Bru­no von Lauf­fen, war Erz­bi­schof von Trier. Adolf I. von Berg-Hö­vel war sehr viel in Be­glei­tung des Erz­bi­schofs Anno in Köln. Im Bei­sein des Erz­bi­schofs von Köln un­ter­zeich­ne­te er die ge­schlos­se­nen Ver­trä­ge stets mit Adolf von Hö­vel. Zu­sätz­lich war Adolf noch Graf im Auelgau/Siegburg.

Mit Adel­heid von Lauf­fen zeug­te Adolf ei­nen Sohn, Adolf I. von Berg. Nach dem Tod ih­res Gat­ten im Jah­re 1090 hei­ra­te­te Adel­heid er­neut, und zwar Fried­rich I. von Som­mer­schen­burg. Die Hoch­zeit muss – je nach Quel­le – 1090 oder 1093 statt­ge­fun­den ha­ben. Eine An­ga­be, nach der sie ih­ren ers­ten Gat­ten 1090 und ih­ren zwei­ten 1120 ge­ehe­licht ha­ben soll, ist of­fen­sicht­lich un­rich­tig, da ihr ers­ter Gat­te 1090 nicht mehr leb­te. 1120 ist viel­mehr das To­des­da­tum Fried­richs, ih­res zwei­ten Ehe­man­nes.

Dritte Generation – Adolf I. von Berg, geb. um 1078

Nächs­ter Graf von Hö­vel war Adolf I. von Berg. Er war ver­hei­ra­tet mit Adel­heid von Kle­ve, Toch­ter des Gra­fen Rüt­ger II. Mit ihr zeug­te Adolf I. drei Söh­ne, und zwar Adolf II. von Berg, Ever­hard von Berg und Bru­no II. von Berg. Aber schon nach der Ge­burt sei­nes drit­ten Kin­des starb Adolf I. von Berg.

Durch die Hei­rat sei­ner Mut­ter Adel­heid von Lauf­fen mit Adolf von Berg-Hö­vel ist die­se Li­nie der ehe­ma­li­gen Gra­fen von Werl und Hö­vel in der Li­nie der Gra­fen von Berg auf­ge­gan­gen – Adolf I. gilt als Be­grün­der des Ber­ger Gra­fen­ge­schlechts. Die Wer­ler Gra­fen sind so­mit die Vor­fah­ren der Gra­fen von der Mark, den spä­te­ren Grün­dern der Graf­schaft Mark und der Stadt Hamm.

Vierte Generation – Adolf II. von Berg, geb. um 1095

Adolf II. von Berg‘ (* um 1095; † 12. Ok­to­ber 1170 in Oden­thal-Al­ten­berg) war der Sohn von Adolf I. von Berg (auch ge­nannt Adolf I. de Mon­te) und re­gier­te von 1115 bis 1160 die Graf­schaft Berg. In den Ur­kun­den und Do­ku­men­ten wur­de er zum ers­ten Mal 1115 ge­nannt. Er war zu die­sem Zeit­punkt Graf und Vogt der Be­ne­dik­ti­ner­ab­tei Wer­den und un­ge­fähr 20 Jah­re alt. 1120 hei­ra­te­te er die Toch­ter Adel­heid des Gra­fen von Arns­berg und fes­tig­te so sei­nen Be­sitz in West­fa­len. Folgt man den For­schun­gen Lei­din­gers, war es die­se Ver­bin­dung zum Hau­se Arns­berg, die Adolf II. zum Erbe Hö­vels ge­macht hat. Die zwei­te Ehe schloss Adolf um 1127 mit ei­ner Nich­te des Köl­ner Erz­bi­schofs Fried­rich I. von Schwar­zen­burg. Adolf II. war der Grün­der von Schloss Burg. 1133 wur­de von ihm die alte Stamm­burg der Gra­fen von Berg, die Burg Ber­ge in Oden­thal-Al­ten­berg, an den Zis­ter­zi­en­ser-Or­den über­ge­ben. Im Jahr 1138 war er Vogt der Ab­tei Sieg­burg. Fer­ner war er Vogt von Wer­den, Dünn­wald, Deutz und Cap­pen­berg so­wie der rechts­rhei­ni­schen Be­sit­zun­gen des Dom­stif­tes. Von gro­ßer wirt­schaft­li­cher und po­li­ti­scher Be­deu­tung für die Graf­schaft Berg war die Kon­trol­le der Han­dels­we­ge zwi­schen Köln und Dort­mund so­wie der Sil­ber­reich­tum des Ber­gi­schen Lan­des, der durch Münz­prä­gun­gen ab dem zwei­ten Drit­tel des 11. Jahr­hun­derts do­ku­men­tiert ist. Auch Adolf II. von Berg ließ in Wild­berg, Bens­berg und Sieg­burg Mün­zen schla­gen. Wie an­de­re deut­sche Fürs­ten be­tei­lig­te er sich an den Kreuz­zü­gen, sein Sohn Adolf fiel 1148 vor Da­mas­kus. Im Jah­re 1152 ließ er die Burg Al­te­na aus­bau­en. Im Jahr 1160 gab er die Äm­ter ab und wur­de Mönch in Al­ten­berg. Er starb sehr wahr­schein­lich am 12. Ok­to­ber 1170 und wur­de zu­erst in der Mar­kus­ka­pel­le, dem äl­tes­ten Ge­bäu­de Al­ten­bergs aus dem Jahr 1125, be­gra­ben. Nach­dem das Quer­schiff des Al­ten­ber­ger Doms fer­tig­ge­stellt war, wur­den die Ge­bei­ne an­läss­lich des Be­gräb­nis­ses von Propst Kon­rad 1313 in den Dom über­führt.

Die Söh­ne Eber­hard I. von Berg-Al­te­na († 1180) und En­gel­bert I. von Berg († 1189) teil­ten nun das Ter­ri­to­ri­um un­ter sich auf. Dazu ge­hör­te auch die Graf­schaft Hö­vel, de­ren Graf Adolf seit 1128 war.

Adolfs an­de­re Söh­ne hat­ten kirch­li­che Äm­ter inne: Fried­rich II. von Berg war von 1156 bis 1158 Erz­bi­schof von Köln, Bru­no III. von Berg war Köl­ner Erz­bi­schof von 1191 bis 1193, und Adolf war Abt des Klos­ters Wer­den von 1160 bis 1174.

Fünfte Generation – Eberhard I. von Berg-Altena, geb. um 1130

Der um 1130 ge­bo­re­ne und am 23. Ja­nu­ar 1180 ver­stor­be­ne Eber­hard I. von Berg-Al­te­na war der Sohn von Graf Adolf II. von Berg und Irm­gard von Was­ser­burg. Sein Bru­der war Graf En­gel­bert I. von Berg († 1189), mit dem er in lang­jäh­ri­gem Streit lag. Er war ver­hei­ra­tet mit Adel­heid von Cuyk-Arns­berg. Sei­ne Kin­der wa­ren Graf Adolf von Berg-Al­te­na, Erz­bi­schof Adolf I. von Al­te­na (* 1157, † 1220), Graf Ar­nold von Al­te­na (* ca. 1150, † 1209), Graf Fried­rich von Berg-Al­te­na (* 1173, † 1198) und sei­ne Toch­ter Oda († 1224), ver­hei­ra­tet mit Graf Si­mon von Teck­len­burg.

Eber­hard von Berg war ver­mut­lich der Er­bau­er der ers­ten Burg Nien­brüg­ge und Graf von Hö­vel seit 1166.

Sechste Generation – Arnold von Altena, geb. vor 1150

Graf Ar­nold von Al­te­na (* ver­mut­lich vor 1150; † nach 1206, ver­mut­lich 1209) war der Sohn von Eber­hard I. von Berg-Al­te­na. Er ließ zu­sam­men mit sei­nem Bru­der, dem Köl­ner Erz­bi­schof Adolf I., die Isen­burg bei Hat­tin­gen er­rich­ten und ver­füg­te über vie­le Lie­gen­schaf­ten. Ar­nold war der Bru­der von Graf Fried­rich von Berg-Al­te­na (* 1173, † 1198), ei­nem an­de­ren Sohn von Eber­hard I. von Berg-Al­te­na und Va­ter von Graf Adolf I. von der Mark. Fried­rich war es, der den Ober­hof Mark zu­guns­ten sei­nes Soh­nes zur Burg Mark aus­bau­en ließ.

Nach dem Tode sei­nes Va­ters Eber­hard wur­de die Graf­schaft im Rah­men der Al­te­nai­schen Erb­tei­lung ge­spal­ten. Ar­nold und sein Bru­der Fried­rich von Al­te­na teil­ten den ge­sam­ten Be­sitz un­ter sich auf. Das Ver­hält­nis zwi­schen den Brü­dern scheint also nicht ganz span­nungs­frei ge­we­sen sein. Nach Uta Vah­ren­hold-Hu­land war Fried­rich von Al­te­na der In­itia­tor der Erb­tei­lung, für de­ren Art es in West­fa­len kein Bei­spiel gibt. Im Ge­gen­satz zur Berg-Al­te­nai­schen Ter­ri­to­ri­al­tei­lung von 1161 han­delt es sich hier um eine Ge­men­ge­tei­lung. Ge­recht­sam­kei­ten, Al­lo­den und Le­hen wur­den – für da­ma­li­ge Ver­hält­nis­se mit un­ge­wöhn­li­cher Ge­nau­ig­keit – nach fol­gen­den Tei­lungs­prin­zi­pi­en ge­trennt:

  • Bei­de Brü­der be­sa­ßen ge­mein­sa­me, un­teil­ba­re Recht an dem­sel­ben Ob­jekt.
  • Bei­de Brü­der ver­füg­ten über ge­trenn­te Rech­te an dem­sel­ben Be­sitz.
  • Bei­de Brü­der hat­ten ver­schie­de­ne Gü­ter oder Rech­te an dem­sel­ben Ort.
  • Bei­de Brü­der be­sa­ßen Rech­te und Be­sit­zun­gen in be­nach­bar­ten Or­ten.

Nach die­sem Tei­lungs­mo­dus ging man auch bei der Auf­tei­lung der Graf­schaft Hö­vel zu Wer­ke, die hier­bei, ge­nau wie die Graf­schaf­ten Bo­chum und Al­te­na, zer­split­tert wur­de. Die Groß­graf­schaft Hö­vel be­stand aus drei Co­mi­ta­ten, den Graf­schaf­ten Wa­ren­dorf, Ah­len und Unna. Wa­ren­dorf und Ah­len la­gen nörd­lich der Lip­pe im Bis­tum Müns­ter, das Co­mi­tat Unna hin­ge­gen süd­lich der Lip­pe. Die Co­mi­ta­te wur­den nun zwi­schen den Brü­dern ge­teilt. Der Go Wa­ren­dorf fiel Ar­nold zu, der Go Telg­te ge­lang­te an Fried­rich.

Im Fal­le des Co­mi­tats Ah­len kam der Go Rin­ke­ro­de, in dem auch die alte Stamm­burg Hö­vel lag, die sich zu­vor in Ar­nolds Be­sitz be­fun­den hat­te, an Fried­rich von Al­te­na. Der Go Ah­len wur­de Ar­nold zu­ge­teilt. Bei der Tei­lung des Co­mi­tats Unna er­hielt Ar­nold den Go Ben­ker Hei­de, Fried­rich den Go Unna. Im Go Ben­ker Hei­de, un­mit­tel­bar an der Lip­pe, nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter von sei­ner ehe­ma­li­gen Burg Hö­vel ent­fernt, lag Nien­brüg­ge.

Die Al­te­nai­sche Tei­lung war kein Pro­zess, der in ei­nem Zuge durch­ge­führt wur­de, son­dern zog sich ver­mut­lich bis in die neun­zi­ger Jah­re hin. Als Fried­rich von Al­te­na 1199 starb, muss er je­doch un­um­kehr­bar voll­zo­gen ge­we­sen sein. An­sons­ten hät­te Fried­richs Sohn, Graf Adolf I. von Al­te­na, der spä­te­re Adolf I. von der Mark, wohl kaum un­wi­der­spro­chen das Erbe des Va­ters an­tre­ten kön­nen.

Ob­wohl Ar­nold und Fried­rich, bei­de zu glei­chen Tei­len, ihre Stamm­burg Al­te­na als Le­hen von Köln be­sa­ßen, zog sich Ar­nold schon früh dar­aus zu­rück. Er ver­kauf­te sei­nen An­teil nicht an sei­nen Bru­der, son­dern an sei­nen Lehns­herrn, den Erz­bi­schof Phil­ipp von Heins­berg. Nach Phil­ipps Tod ge­lang­te der An­teil der Burg dann wie­der an ihn zu­rück, bis er sie 1200 an sei­nen Bru­der Adolf von Al­te­na ver­äu­ßer­te, den ehe­ma­li­gen Köl­ner Erz­bi­schof und Her­zog von West­fa­len. Der Ver­kauf sei­nes Burg­an­teils ist mög­li­cher­wei­se als feind­li­cher Akt ge­gen sei­nen Bru­der zu se­hen, da der Erz­bi­schof den An­teil an Frem­de be­lehn­te, die nun ne­ben Fried­rich auf der Burg Ein­zug hiel­ten. Ge­nau­so ist al­ler­dings denk­bar, dass der Erz­bi­schof der ei­gent­li­che In­itia­tor der Al­te­nai­schen Erb­tei­lung war, um die Mög­lich­keit der Ent­ste­hung ei­ner gro­ßen ter­ri­to­ria­len Herr­schaft in sei­nem Her­zog­tum schon im An­satz zu ver­hin­dern. Er könn­te also Ar­nold zu dem Ver­kauf ge­nö­tigt ha­ben.

Als Kon­se­quenz dar­aus ließ Ar­nold die Burg Nien­brüg­ge und die Isen­burg aus­bau­en bzw. er­rich­ten.

Graf Ar­nold von Hö­vel und Al­te­na hat­te neun Söh­ne, die alle ver­sorgt wer­den woll­ten. Er ver­stand es aber, dass sechs Söh­ne den geist­li­chen Be­ruf er­grif­fen – drei wur­den Fürst­bi­schö­fe und drei Propst oder Dom­herr. Die drei an­de­ren wur­den welt­li­che Gra­fen, und zwar der äl­tes­te und die bei­den jüngs­ten Söh­ne. Der jüngs­te, ge­nannt Wil­helm Graf von Isen­berg, erb­te die Burg Isen­berg und ver­starb als Le­di­ger. Adolf von Al­te­na hei­ra­te­te in das Ge­schlecht de­rer von Arns­berg-Hol­te ein und nann­te sich Graf von Hol­te. Eber­hard erb­te die Graf­schaft Al­te­na und ver­starb 1209 un­ver­hei­ra­tet.

Siebte Generation – Friedrich von Isenberg, geb. vor 1193

Da­durch wur­de Ar­nolds zweit­äl­tes­ter Sohn, Fried­rich von Isen­berg, zum Er­ben der vä­ter­li­chen Gü­ter, ins­be­son­de­re auch der Stadt und Burg Nien­brüg­ge. Fried­rich, bis da­hin Dom­herr zu Köln, re­si­gnier­te und trat sein Erbe als Graf von Isen­berg-Nien­brüg­ge-Hö­vel an. Bis min­des­tens 1212, mög­li­cher­wei­se 1214 blieb Fried­rich Ge­folgs­mann des wel­fi­schen Kai­sers Otto IV., bis Otto im Kampf um die Kai­ser­kro­ne dem stau­fi­schen Kö­nig Fried­rich II. un­ter­lag und Graf Fried­rich von Al­te­na, so wie vie­le Ad­li­ge, die Fron­ten wech­sel­te. Die­se un­ter­schied­li­che Po­si­tio­nie­rung der Ade­li­gen schuf für Fried­rich un­güns­ti­ge Aus­gangs­be­din­gun­gen in den spä­te­ren Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den ur­sprüng­lich dem Wel­fen treu­en Ade­li­gen und dem Fried­rich dem Stau­fer zu­ge­wand­ten Köl­ner Erz­bi­schof.

1214 hei­ra­tete­Fried­rich von Isen­berg So­phia von Lim­burg, die Toch­ter von Wal­ram III. (Graf von Lu­xem­burg und ab 1221 Her­zog von Lim­burg a.d. Maas).

Ar­nold von Al­tenas Sohn Fried­rich von Isen­berg ging als der Mör­der des Erz­bi­schofs En­gel­bert I. von Köln, der auf Be­fehl des Paps­tes und mit Bil­li­gung des Kai­sers die Er­pres­sun­gen Fried­richs ge­gen das Reichs­stift Es­sen un­ter­bin­den soll­te, in die Ge­schich­te ein.

Mit Fried­rich von Isen­berg en­de­te die Li­nie der Gra­fen von Hö­vel. Für sei­ne Be­tei­li­gung an dem Mord an Erz­bi­schof En­gel­bert I. von Köln aufs Rad ge­floch­ten, wur­den sei­ne Be­sitz­tü­mer un­ter an­de­ren Edel­leu­ten auf­ge­teilt.

Hier ist ins­be­son­de­re Graf Adolf I. von der Mark zu nen­nen, der Nien­brüg­ge schleif­te und in der Fol­ge die Stadt Hamm grün­de­te. Die rest­li­chen Be­sitz­tü­mer der Graf­schaft Hö­vel wur­den un­ter der Re­gent­schaft des Fürst­bi­schofs Graf Diet­rich von Al­te­na in das Fürst­bis­tum Müns­ter ein­ver­leibt. Da der Fürst­bi­schof die Go­ge­richts­bar­keit über die Re­gi­on aus­üb­te, hat­te Adolf I. qua­si kei­ne ei­ge­ne Herr­schafts­ge­walt in den nörd­lich der Lip­pe ge­le­ge­nen Ge­bie­ten und gab die Herr­schaft dort des­halb ganz auf.

Im Üb­ri­gen be­fan­den sich die Herr­schafts­ge­bie­te de­rer von Berg-Al­te­na – in den Jah­ren nach 1180 müh­se­lig auf­ge­teilt – nun wie­der in ei­ner Hand. Dies sind die An­fän­ge der Graf­schaft Mark.

Zu den Grafen von Hövel siehe auch

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