Fürstentum Lippe

Fürs­ten­tum Lip­pe
Wap­pen Flag­ge
Großes Wappen des fürstlichen Hauses Lippe, mit der Lippe'schen Rose im Herzschild  
Lan­des­haupt­stadt Det­mold
Re­gie­rungs­form Kon­sti­tu­tio­nel­le Mon­ar­chie
Staats­ober­haupt Fürst
Letz­tes Ober­haupt Leo­pold IV.
Dy­nas­tie Haus Lip­pe
Ver­fas­sung 1836
Wahl­ge­setz 1876
Be­stehen 1789 bis 1918
Flä­che 1215 km² (1910)
Ein­woh­ner 150.937 (1910)
Be­völ­ke­rungs­dich­te 114 Ein­woh­ner pro km²
Wäh­rung Gold­mark (ab 1875)
Re­li­gio­nen 95,3 % evan­ge­lisch
3,9 % ka­tho­lisch (1910)
Ent­stan­den aus Graf­schaft Lip­pe
Auf­ge­gan­gen in Frei­staat Lip­pe
Stim­men im Bun­des­rat 1 Stim­me
Kfz-Kenn­zei­chen L

Das Fürs­ten­tum Lip­pe war ein deut­sches Fürs­ten­tum. Es ent­stand 1789 durch Er­he­bung der Graf­schaft Lip­pe zum Reichs­fürs­ten­tum.

Zu­nächst war das Fürs­ten­tum Lip­pe ein zum Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­kreis zäh­len­des Ter­ri­to­ri­um im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich. Es über­dau­er­te das Ende des Rei­ches für kur­ze Zeit im Rhein­bund, be­stand im 19. Jahr­hun­dert im Deut­schen Bund und im Deut­schen Reich fort und ging 1919 im Frei­staat Lip­pe auf.

Geschichte

Leo­pold I. (1767–1802) wur­de 1789 der ers­te Fürst zur Lip­pe. Nach­dem Lip­pe 1866 dem Nord­deut­schen Bund bei­getre­ten und 1871 Teil des Deut­schen Rei­ches ge­wor­den war, starb Fürst Wol­de­mar am 20. Juli 1895 kin­der­los. Der Ti­tel ging dar­auf­hin no­mi­nell auf sei­nen nicht re­gie­rungs­fä­hi­gen Bru­der Alex­an­der über; die Re­gent­schaft trat zu­nächst der von Fürst Wol­de­mar tes­ta­men­ta­risch dazu be­stimm­te Prinz Adolf zu Schaum­burg-Lip­pe an.

Da die gräf­li­chen Li­ni­en Lip­pe-Bies­ter­feld und Lip­pe-Wei­ßen­feld eben­falls An­sprü­che auf Re­gent­schaft und Nach­fol­ge er­ho­ben, er­gab sich dar­aus der bis ins Jahr 1905 an­dau­ern­de lip­pi­sche Erb­fol­ge­streit. Der schaum­burg-lip­pi­sche An­spruch wur­de da­bei vom deut­schen Kai­ser Wil­helm II. (mit des­sen Schwes­ter Prinz Adolf ver­hei­ra­tet war) ak­tiv un­ter­stützt.

Ein beim Reichs­ge­richt in Leip­zig an­ge­sie­del­tes Schieds­ge­richt ent­schied die An­ge­le­gen­heit je­doch 1897 zu­guns­ten von Graf Ernst zur Lip­pe-Bies­ter­feld, der dar­auf­hin die Re­gent­schaft über­nahm. Den­noch wur­den ihm auf An­wei­sung Wil­helms II. die ihm zu­ste­hen­den Eh­rer­wei­sun­gen und die An­re­de „Er­laucht“ durch in Lip­pe sta­tio­nier­tes Mi­li­tär ver­wei­gert. Dar­auf­hin wand­te sich der ge­lähm­te Graf­re­gent in ei­nem Rund­schrei­ben an die deut­schen Bun­des­fürs­ten und be­schwer­te sich über den Kai­ser – ein nie da­ge­we­se­ner Vor­gang, der die öf­fent­li­che Mei­nung in Deutsch­land stark be­weg­te und für die Bies­ter­fel­der Po­si­ti­on ein­nahm.

Nach dem Tod des Graf­re­gen­ten Ernst im Jahr 1904 über­nahm des­sen Sohn Leo­pold die Re­gent­schaft. Als im dar­auf­fol­gen­den Jahr auch Fürst Alex­an­der ver­starb und das Reichs­ge­richt das Erb­fol­ge­recht des Hau­ses Lip­pe-Bies­ter­feld end­gül­tig an­er­kann­te, be­stieg er als Fürst Leo­pold IV. den Thron.

Nach dem Ers­ten Welt­krieg, am 12. No­vem­ber 1918, dank­te Fürst Leo­pold IV. ab. Aus dem Fürs­ten­tum wur­de ein Frei­staat im Ver­ban­de des Deut­schen Rei­ches.

Staatsaufbau und Verwaltungsgliederung

Nach­dem 1819/20 der Ver­such ei­ner Ver­fas­sungs­ge­bung an den Stän­den ge­schei­tert war, kam es 1836 zu ei­nem ers­ten Grund­ge­setz, das 1849 li­be­ra­li­siert und in den Jah­ren 1853, 1876 und 1912 zu­nächst re­stau­riert und im Fol­gen­den dann ste­tig mo­der­ni­siert wur­de. Das 1876 ein­ge­führ­te Wahl­recht lös­te eine bis da­hin die längs­te Zeit weit­ge­hend stän­disch ge­präg­te Ver­fas­sung ab und führ­te das Drei­klas­sen­wahl­recht ein – mit­nich­ten also ein Wahl­recht, das eine all­ge­mei­ne und gleich­be­rech­tig­te de­mo­kra­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­ons­mög­lich­keit der Bür­ger bot. Lip­pe wan­del­te sich da­mit aber im­mer­hin zu ei­ner kon­sti­tu­tio­nel­len Mon­ar­chie. Ein Land­tag wur­de 1836 ein­ge­setzt, der die le­gis­la­ti­ve Ge­walt im vom Lan­des­herrn ge­währ­ten Rah­men maß­geb­lich ver­kör­per­te. Die höchs­te Lan­des­be­hör­de war das Ka­bi­netts­mi­nis­te­ri­um, wel­chem die hö­he­ren Ver­wal­tungs- und Jus­tiz­be­hör­den un­ter­ge­ord­net wa­ren. Die hö­he­re Lan­des­ver­wal­tungs­be­hör­de war das Re­gie­rungs­kol­le­gi­um. 1868 wur­den die fürst­li­chen und staat­li­chen Be­sit­zun­gen ge­trennt. Dem Fürs­ten blieb ein um­fang­rei­ches Do­ma­ni­al­ver­mö­gen (dar­un­ter die Schlös­ser, Do­mä­nen, Fors­te, Erb­pacht­gü­ter, das Bad Mein­berg und die Sa­li­ne in Uf­len), das nach sei­ner Ab­dan­kung größ­ten­teils dem Staat zu­fiel (vgl. auch Do­mä­nen­fra­ge).

Als Ober­lan­des­ge­richt fun­gier­te lan­ge Zeit das preu­ßi­sche Ober­lan­des­ge­richt Cel­le (Staats­ver­trag vom 4. Ja­nu­ar 1879). In des­sen Ge­richts­be­zirk Det­mold wur­den die Amts­ge­rich­te Al­ver­dis­sen, Blom­berg, Det­mold, Ho­hen­hau­sen, Horn, Lage, Lem­go, Oer­ling­hau­sen und Sal­zu­flen ein­ge­rich­tet. Die Ex­kla­ven Lip­pero­de und Cap­pel ge­hör­ten zum preu­ßi­schen Amts­ge­richt Lipp­stadt. Be­vor Lip­pe sich an das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le band, war es seit 1817 ge­mein­sam mit dem Her­zog­tum Braun­schweig und den Fürs­ten­tü­mern Schaum­burg-Lip­pe und Wal­deck dem Oberap­pel­la­ti­ons­ge­richt in Wol­fen­büt­tel un­ter­stellt. Als die­ses Wol­fen­bütt­ler Ge­richt auf­ge­löst wur­de, wur­de eine In­te­ri­mis­ti­sche Oberap­pela­ti­ons­ge­richts­kom­mis­si­on ge­grün­det, die über die Lip­per Pro­zes­se Auf­sicht führ­te. Be­reits 1857 schloss man sich dann dem han­no­ver­schen Oberap­pel­la­ti­ons­ge­richt Cel­le an, das ab 1866 in­fol­ge der preu­ßi­schen An­ne­xi­on Han­no­vers zum preu­ßi­schen Ap­pel­la­ti­ons­ge­richt hin­un­ter­ge­stuft wur­de, bis es 1879 in das Ober­lan­des­ge­richt um­ge­wan­delt wur­de, dem Lip­pe bis 1944 an­ge­hö­ren soll­te.

1879 wur­den im Fürs­ten­tum die fünf Ver­wal­tungs­äm­ter Blom­berg, Bra­ke, Det­mold, Schöt­mar und Lip­pero­de-Cap­pel ein­ge­rich­tet. Die Städ­te Barn­trup, Blom­berg, Det­mold, Horn, Lage, Lem­go und Sal­zu­flen so­wie der Fle­cken Schwa­len­berg blie­ben amts­frei. 1906 er­hielt Schwa­len­berg die Be­zeich­nung Stadt.

Das Fürs­ten­tum Lip­pe war so­mit 1910 in acht amts­freie Städ­te so­wie in fünf Ver­wal­tungs­äm­ter mit drei­zehn Äm­tern ge­glie­dert:

  • Amts­freie Städ­te Barn­trup, Blom­berg, Det­mold, Horn, Lage, Lem­go, Sal­zu­flen und Schwa­len­berg
  • Ver­wal­tungs­amt Blom­berg (Äm­ter Blom­berg, Schie­der und Schwa­len­berg) mit 45 Ge­mein­den und ei­ner Flä­che von 199,36 km²
  • Ver­wal­tungs­amt Bra­ke (Äm­ter Bra­ke, Ho­hen­hau­sen, Stern­berg-Barn­trup und Va­ren­holz) mit 64 Ge­mein­den und ei­ner Flä­che von 364,60 km²
  • Ver­wal­tungs­amt Det­mold (Äm­ter Det­mold, Horn und Lage) mit 64 Ge­mein­den und ei­ner Flä­che von 375,05 km²
  • Ver­wal­tungs­amt Lip­pero­de-Cap­pel (Amt Lip­pero­de-Cap­pel) mit 3 Ge­mein­den und ei­ner Flä­che von 7,66 km²
  • Ver­wal­tungs­amt Schöt­mar (Äm­ter Oer­ling­hau­sen und Schöt­mar) mit 34 Ge­mein­den und ei­ner Flä­che von 158,06 km²

Fürsten

Leopold IV. von Lippe

Leo­pold IV. von Lip­pe

Die Gra­fen zu Lip­pe stamm­ten aus dem hoch­ad­li­gen Haus Lip­pe, des­sen ers­tes Ober­haupt 1123 er­wähnt wur­de. Die meis­ten Fürs­ten stamm­ten aus der Li­nie Lip­pe-Det­mold. Nach hef­ti­gen Erb­strei­tig­kei­ten ging die Re­gent­schaft zu­nächst auf die Li­nie Schaum­burg-Lip­pe über (die Län­der Schaum­burg-Lip­pe und Lip­pe wa­ren aber nur ver­bun­den und nicht ver­ei­nigt), zu­letzt auf die Li­nie Lip­pe-Bies­ter­feld, die bis da­hin kein ei­ge­nes Ter­ri­to­ri­um be­saß. Be­reits 1720 be­ab­sich­tig­te der rö­misch-deut­sche Kai­ser, Graf Si­mon Hein­rich in den Reichs­fürs­ten­stand zu er­he­ben. Die da­mit ver­bun­de­nen Kos­ten von 4400 Reichs­ta­lern konn­ten al­ler­dings erst 1789 von ei­nem Nach­fol­ger, Leo­pold I., auf­ge­bracht wer­den. Erst mit 69 Jah­ren Ver­spä­tung konn­te das zum west­fä­li­schen Reichs­gra­f­en­tum zäh­len­de Haus Lip­pe-Det­mold den Ti­tel ei­nes Fürs­ten er­wer­ben. Das Land wur­de zu ei­nem Reichs­fürs­ten­tum. Eine um­fas­sen­de Macht­ent­fal­tung blieb aber auch den Fürs­ten durch die ge­rin­ge Grö­ße des Lan­des und die sich dar­aus nur ein­ge­schränkt er­ge­ben­de Sou­ve­rä­ni­tät bei­spiels­wei­se in mi­li­tä­ri­schen Fra­gen, vor al­lem durch die star­ke Stel­lung der Stän­de, ver­wehrt.

Be­reits 1836 wur­den ein Land­tag ein­be­ru­fen und die Macht der Fürs­ten durch eine Ver­fas­sung ein­ge­schränkt. Der letz­te Fürst dank­te in der No­vem­ber­re­vo­lu­ti­on 1918 ab, durf­te aber wei­ter­hin im Det­mol­der Schloss woh­nen. Die Nach­fah­ren des letz­ten Fürs­ten nen­nen sich Prin­zen zur Lip­pe. Sie le­ben bis heu­te im Schloss zu Det­mold. Der­zei­ti­ges Ober­haupt der Fa­mi­lie ist seit 1987 Ar­min Prinz zur Lip­pe-Det­mold. Die Fürs­ten Lip­pes wa­ren:

  • 16. De­zem­ber 1789 bis 4. April 1802:
    Fürst Leo­pold I. (1767–1802)
  • 4. April 1802 bis 1. Ja­nu­ar 1851:
    Fürst Leo­pold II. (1800–1851)
    • 4. April 1802 bis 3. Juli 1820:
      Re­gent­schaft Fürs­tin Pau­li­ne zur Lip­pe (1769–1820), Wit­we des Fürs­ten Leo­pold I.
  • 1. Ja­nu­ar 1851 bis 8. De­zem­ber 1875:
    Fürst Paul Fried­rich Emil Leo­pold III. (1821–1875)
  • 8. De­zem­ber 1875 bis 20. März 1895:
    Fürst Wol­de­mar (1824–1895)
  • 20. März 1895 bis 13. Ja­nu­ar 1905:
    Fürst Karl Alex­an­der (1831–1905)
    • 1895–1897:
      Re­gent­schaft Prinz Adolf zu Schaum­burg-Lip­pe (1859–1916)
    • 1897–1904:
      Re­gent­schaft Graf Ernst zur Lip­pe-Bies­ter­feld (1842–1904)
    • 1904–1905:
      Re­gent­schaft Graf Leo­pold zur Lip­pe-Bies­ter­feld (nachm. Fürst Leo­pold IV.)
  • 25. Ok­to­ber 1905 bis 12. No­vem­ber 1918:
    Fürst Leo­pold IV. (1871–1949)

Staatsministerium

Friedrich Wilhelm Helwing

Fried­rich Wil­helm Hel­wing

Laurenz Hannibal Fischer

Lau­renz Han­ni­bal Fi­scher

Die höchs­te Lan­des­be­hör­de war das Staats­mi­nis­te­ri­um, dem die hö­he­ren Ver­wal­tungs- und Jus­tiz­be­hör­den un­ter­ge­ord­net wa­ren. Die hö­he­re Lan­des­ver­wal­tungs­be­hör­de war das Re­gie­rungs­kol­le­gi­um.

Amts­zeit Staats­mi­nis­ter
1810–1828 Karl Fried­rich Funk von Senf­ten­au
1829–1832 Fried­rich Wil­helm Hel­wing
1832–1848 Wil­helm Ar­nold Eschen­burg
1848–1850 Fried­rich Si­mon Leo­pold Pe­tri
1850–1853 Chris­ti­an Theo­dor von Mei­en
1853–1855 Lau­renz Han­ni­bal Fi­scher
1856–1868 Alex­an­der von Oheimb
1868–1872 Carl Theo­dor Held­man
1872–1875 Adal­bert von Flott­well
1876–1885 Au­gust Eschen­burg
1885–1889 Hugo Sa­mu­el von Richt­ho­fen
1889–1895 Fried­rich Otto Her­mann von Wolff­gramm
1895–1897 Karl Fried­rich von Oert­zen
1897–1899 Karl Gus­tav Os­kar Mie­sit­scheck von Wisch­kau
1900–1912 Max von Ge­ve­kot
1913–1918 Karl Lud­wig von Bie­den­weg

Vertretung im Bundesrat

Im Bun­des­rat des Deut­schen Rei­ches ver­füg­te Lip­pe über eine Stim­me. Der Ver­tre­ter wur­de durch den Lan­des­herrn aus­ge­wählt. Durch das ge­rin­ge Stim­men­ge­wicht im von Preu­ßen do­mi­nier­ten Bun­des­rat (17 Ver­tre­ter) war Lip­pe prak­tisch ohne Be­deu­tung; es zähl­te mit wei­te­ren 16 Län­dern zu der Grup­pe von Klein­staa­ten, die mit je­weils nur ei­ner Stim­me re­prä­sen­tiert wa­ren.

Wirtschaft

Hoffmann’s Stärkefabriken um 1890

Hoffmann’s Stär­ke­fa­bri­ken um 1890

Ne­ben ei­ner Tex­til­in­dus­trie, die sich auf den An­bau von Flachs und die Ver­ar­bei­tung zu Lei­nen stütz­te, ver­füg­te das Fürs­ten­tum über eine be­rühm­te Meer­schaum­in­dus­trie in Lem­go, eine Sa­li­ne in Sal­zu­flen (1878: 24.800 Zent­ner Koch­salz) und eine noch heu­te exis­tie­ren­de Holz­in­dus­trie mit zahl­rei­chen Sä­ge­müh­len, de­ren Roh­stoff aus den aus­ge­dehn­ten Wäl­dern des Lan­des stamm­te. Be­son­de­re Be­deu­tung er­lang­te wie im be­nach­bar­ten Preu­ßen auch die Zi­gar­ren­in­dus­trie, die wie auch zu­nächst die Tex­til­in­dus­trie in teils pro­to­in­dus­tria­lis­ti­scher Ar­beits­tei­lung im Ver­lags­sys­tem or­ga­ni­siert war. Da­ne­ben gab es Bier­braue­rei­en (u. a. Stra­te und Fal­ken­krug), Zie­ge­lei­en, eine Zu­cker­fa­brik in Lage und Öl­müh­len. Größ­tes In­dus­trie­un­ter­neh­men war wohl die Stär­ke­fa­brik Hoff­mann.

Für die In­dus­trie war der Bau der Lip­pi­schen Bahn (1880) so­wie der Lip­pi­schen Ne­ben­bahn (1895) be­deut­sam, die bei­de den An­schluss an die Stamm­stre­cken der Köln-Min­de­ner Ei­sen­bahn-Ge­sell­schaft si­cher­stell­ten. Wirt­schaft­li­che Be­deu­tung er­lang­ten auch die lip­pi­schen Staats­bä­der in Bad Mein­berg und Bad Sal­zu­flen bzw. die Sa­li­ne in Bad Sal­zu­flen. Ins­ge­samt war Lip­pe aber im­mer ein agra­risch ge­präg­ter Staat, der zu den wirt­schaft­lich schwä­che­ren Län­dern des Rei­ches zähl­te. In­dus­trie exis­tier­te (bei­spiels­wei­se re­la­tiv zum nörd­lich ge­le­ge­nen Ra­vens­ber­ger Land) nur in ge­rin­gem Um­fang und ba­sier­te wie die Tex­til- und Holz­in­dus­trie di­rekt auf den land- oder forst­wirt­schaft­li­chen Res­sour­cen des Lan­des.

Dies war u. a. eine Fol­ge des gro­ßen stän­di­schen Ein­flus­ses und der zu Be­ginn der In­dus­tria­li­sie­rung we­nig wirt­schafts­freund­li­chen Hal­tung des Mon­ar­chen. Sei­ne wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen la­gen vor al­lem in der Si­che­rung der ei­ge­nen wirt­schaft­li­chen Macht, die sich bis zu­letzt we­ni­ger aus Steu­ern denn aus dem di­rek­ten Ein­kom­men der fürst­li­chen Do­mä­nen, Fors­te, Sa­li­nen und Staats­bä­der er­gab. Die lip­pi­schen Wan­der­ar­bei­ter (sie­he auch Lip­pi­sche Zieg­ler) wa­ren eine Fol­ge die­ser wirt­schaft­li­chen Schwä­che. Die löss­be­deck­ten Bör­de­land­schaf­ten im Wer­re- und Be­ga­tal er­mög­lich­ten im­mer­hin eine aus­kömm­li­che Land­wirt­schaft. In der we­nig frucht­ba­ren Sand­land­schaft Sen­ne da­ge­gen war in­ten­si­ve Land­wirt­schaft kaum mög­lich. Be­deu­tung er­lang­ten hier vor al­lem die Hal­tung von Wei­de­tie­ren und die Zucht der Sen­ner Pfer­de beim fürst­li­chen Jagd­schloss Lops­horn.

Militär

Lipper Schütze (rechts) in der Fürstendivision

Lip­per Schüt­ze (rechts) in der Fürs­ten­di­vi­si­on

Am 5. Mai 1807 wur­de ein lip­pi­sches Ba­tail­lon auf­ge­stellt, das, un­ter Ein­be­zie­hung ei­ner schaum­bur­gisch-lip­pi­schen Kom­pa­nie, das II. Ba­tail­lon des 5. In­fan­te­rie­re­gi­ments der Fürs­ten­di­vi­si­on des Rhein­bun­des bil­de­te. 1867 schloss Lip­pe eine Mi­li­tär­kon­ven­ti­on mit Preu­ßen und ge­hör­te fort­an dem Er­satz­be­zirk des VII. Ar­mee­corps, 13. Di­vi­si­on, 26. In­fan­te­rie-Bri­ga­de, an. Am 27. Mai 1867 wur­de zur Ein­glie­de­rung der Lip­per in das preu­ßi­sche Heer die Fürs­ten­di­vi­si­on auf­ge­löst. Die Lip­per wur­den vor al­lem für das preu­ßi­sche 6. west­fä­li­sche In­fan­te­rie­re­gi­ment Nr. 55 ver­wen­det. Der Re­gi­ments­stab und das 3. Ba­tail­lon wa­ren zu­letzt (1918) in Det­mold be­hei­ma­tet. Die Uni­form der Lip­per war um etwa 1815 fran­zö­sie­rend in weiß-blau-rot ge­hal­ten. Die­se Uni­form wur­de auch auf dem Not­geld der Stadt Det­mold um 1920 ab­ge­bil­det, und sie bleibt durch die Ge­stal­tung der Fla­sche der Spi­ri­tuo­se Lip­per Schüt­ze in Er­in­ne­rung. Spä­tes­tens ab 1867 tru­gen die Lip­per die ge­wöhn­li­che preu­ßi­sche Uni­form und wa­ren dann nur noch durch die Lip­per Ko­kar­de in den Lan­des­far­ben gelb-rot-gelb (Ab­bil­dung) beim III./IR 55 zu er­ken­nen.

Im ei­gent­li­chen Sin­ne hat­te also Lip­pe spä­tes­tens 1867 kein ei­ge­nes Mi­li­tär mehr und sah sich auch da­vor kaum im Stan­de, eine aut­ark ope­rie­ren­de Trup­pe in Re­gi­ments­stär­ke auf­zu­stel­len. Eine Ka­ri­ka­tur die­ser mi­li­tä­ri­schen Schwä­che zeich­net das Lied Lip­pe-Det­mold eine wun­der­schö­ne Stadt, das sich zu ei­ner Art Re­gio­nal­hym­ne des Lip­per­lan­des ent­wi­ckel­te. Dar­in sieht sich ein lip­pi­scher Ge­ne­ral be­reits nach Ver­lust ei­nes Man­nes nicht mehr in der Lage, die Kam­pa­gne fort­zu­füh­ren. Das oben be­reits er­wähn­te Not­geld ist nach der text­li­chen Vor­la­ge des Lie­des ge­stal­tet. Eine ge­wis­se Be­deu­tung er­lang­te Lip­pe we­ni­ger durch sei­ne Sol­da­ten denn mit der An­la­ge des Trup­pen­übungs­plat­zes Sen­ne.

Währung

1875 wur­de die im gan­zen Kai­ser­reich ein­ge­führ­te Gold­mark auch Zah­lungs­mit­tel im Fürs­ten­tum. Die Vor­der­sei­te, das Avers, konn­te bei den Mün­zen zu 2, 3, 5, 10 und 20 Mark von den Glied­staa­ten des Rei­ches ge­stal­tet wer­den. In Lip­pe er­schie­nen in die­ser Zeit Mün­zen zu 2 Mark (1906) und 3 Mark (1913); bei­de zei­gen das Por­trät des re­gie­ren­den Fürs­ten Leo­pold IV.

Wappen

Orden und Ehrenzeichen

Als sou­ve­rä­ner Staat ver­gab Lip­pe auch Or­den und Eh­ren­zei­chen. Die meis­ten Or­den und Eh­ren­zei­chen stam­men aus der Zeit des Fürs­ten­tums, aber auch in der Re­pu­blik wur­den wei­ter­hin Or­den ver­lie­hen. Dies wa­ren u. a.:

  • Ret­tungs­me­dail­le für hel­den­haf­te Ret­tung von Le­ben oder Be­sitz
  • Or­den für Kunst und Wis­sen­schaft
  • Lip­pi­scher Haus­or­den, ge­mein­sa­mer Haus­or­den des Hau­ses Lip­pe für Ver­diens­te am lip­pi­schen oder schaum­burg-lip­pi­schen Fürs­ten­haus
  • Leo­pold Or­den für Ver­diens­te um den Staat
  • Kriegs­ver­dienst­kreuz für Tap­fer­keit im Krieg
  • Kriegs­e­h­ren­kreuz für hel­den­mü­ti­ge Tat für Hel­den­tum im Krieg
  • Mi­li­tär-Ver­dienst­me­dail­le für Mi­li­tär­an­ge­hö­ri­ge
  • Kriegs-Eh­ren­me­dail­le für Ver­diens­te um die öf­fent­li­che Wohl­fahrt, ins­be­son­de­re in der Pfle­ge der ver­wun­de­ten und er­krank­ten Krie­ger
  • Ber­tha-Or­den, Frau­en­ver­dienst­or­den in vier Klas­sen

Bevölkerung

Das Fürs­ten­tum (1887: 1.215,20 km²) zähl­te

  • 1871: 111.135 Ein­woh­ner
  • 1881: 112.452 Ein­woh­ner
  • 1885: 123.212 Ein­woh­ner
  • 1905: 145.610 Ein­woh­ner
  • 1910: 150.937 Ein­woh­ner

Zum Ver­gleich: Der heu­ti­ge, 1.246,29 km² gro­ße Lan­des­teil von Nord­rhein-West­fa­len zählt

  • 2008: 355.178 Ein­woh­ner

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Fürs­ten­tum Lip­pe aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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