Dez 272016
 

Die Frei­her­ren von Fürs­ten­berg sind ein rhei­nisch-west­fä­li­sches Adels­ge­schlecht. Es führt sei­nen Na­men nach der kur­köl­ni­schen Lan­des­burg Fürs­ten­berg in Ense-Höin­gen im Kreis Soest, und wird 1295 mit Her­man­nus de Vors­ten­berg erst­mals ur­kund­lich er­wähnt. Die Fa­mi­lie ist nicht mit dem süd­deut­schen Fürs­ten­haus Fürs­ten­berg ver­wandt.

Geschichte

Mittelalter

Wappen derer von Fürstenberg

Wap­pen de­rer von Fürs­ten­berg

Die si­che­re Stamm­rei­he be­ginnt mit Wil­helm von Vors­ten­berg (er­wähnt 1319–1349), Rich­ter und Burg­mann zu Werl. Stamm­ver­wandt wa­ren sie mit den um 1200 er­schei­nen­den Her­ren von Bi­no­len. Im 13. und 14. Jahr­hun­dert wa­ren die Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge Ge­folgs­leu­te der Kur­fürs­ten von Köln und auch der Gra­fen von der Mark. Seit dem 14. Jahr­hun­dert dien­ten sie vor al­lem den Kur­fürs­ten und si­cher­ten die Gren­ze zur Graf­schaft Mark. Als sol­che stell­ten sie Burg­män­ner für die Bur­gen ih­rer Lan­des­her­ren etwa auf der na­mens­ge­ben­den Burg Fürs­ten­berg oder in Werl.

Ne­ben der Ver­bin­dung mit dem üb­ri­gen Nie­der­a­del gab es auch Be­rüh­rungs­punk­te mit dem städ­ti­schen Bür­ger­tum. Seit dem 14. Jahr­hun­dert sind zahl­rei­che Stadt­häu­ser oder Adels­sit­ze der Fa­mi­lie nicht nur im Her­zog­tum West­fa­len, son­dern auch etwa in Dort­mund, Soest, Os­na­brück und so­gar in Köln und Mainz be­kannt.

Die Fa­mi­lie Fürs­ten­berg stieg wäh­rend der Feh­den des 14. und 15. Jahr­hun­derts zu ei­nem wohl­ha­ben­den und wich­ti­gen Ge­schlecht mit Be­sit­zun­gen an Ruhr und Hell­weg auf. Ihr Haupt­sitz wur­de die Burg Wa­ter­lap­pe im Nor­den des Fürs­ten­bergs. War die Fa­mi­lie im 14. Jahr­hun­dert vor al­lem auf Burg Wa­ter­lap­pe kon­zen­triert, bil­de­te sie im 15. und 16. Jahr­hun­dert ver­schie­de­ne Li­ni­en aus. In der ers­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts ent­stan­den die Li­ni­en Höl­ling­ho­fen und Ne­heim. Von der Li­nie Höl­ling­ho­fen spal­te­te sich die Li­nie Bü­de­rich-Hör­de ab, aus der wie­der­um die kur­län­di­sche Li­nie in Med­dum (Me­du­mu, Be­zirk Daugav­pils) ab­stamm­te. Aus der Li­nie Wa­ter­lap­pe gin­gen im 16. Jahr­hun­dert die Li­nie Stir­pe her­vor. Wei­te­re Li­ni­en des 16. Jahr­hun­derts wa­ren die in Gel­dern, Ne­heim-Neu­fürs­ten­berg und her­vor­ge­hend aus der Li­nie Ne­heim die Li­nie Ne­heim-Sen­den. Vie­le der Li­ni­en star­ben aus. Von den Fa­mi­li­en­zwei­gen in West­fa­len exis­tier­te im 17. Jahr­hun­dert noch die in Wa­ter­lap­pe.

Burg Waterlappe (Mutmaßlicher Zustand vor 1680 (Kupferstich von Fr. Wlh. v. Schorlemer 19. Jhd.))

Burg Wa­ter­lap­pe (Mut­maß­li­cher Zu­stand vor 1680 (Kup­fer­stich von Fr. Wlh. v. Schor­le­mer 19. Jhd.))

Die Hei­rats­krei­se im Spät­mit­tel­al­ter um­fass­ten vor al­lem den Rit­tera­del im Her­zog­tum West­fa­len und den an­gren­zen­den Ge­bie­ten. Hin­zu tre­ten Pa­tri­zi­er­fa­mi­li­en etwa aus Soest, Dort­mund und Os­na­brück. Die Nach­kom­men des frü­he­ren Ka­no­ni­kers Gott­hard von Fürs­ten­berg ver­ban­den sich stark mit städ­ti­schen Füh­rungs­fa­mi­li­en eher klei­ne­rer Städ­te. Nur ein­mal ist eine Ehe­ver­bin­dung zwi­schen zwei Li­ni­en der Fa­mi­lie nach­weis­bar.

Der Grund­be­sitz kon­zen­trier­te sich im spä­ten Mit­tel­al­ter im Be­reich des Her­zog­tum West­fa­len in­klu­si­ve der an die Graf­schaft Mark ge­fal­le­nen Soes­ter Bör­de. Auch in der üb­ri­gen Graf­schaft Mark hat­te die Fa­mi­lie Be­sit­zun­gen. Wei­ter ent­fernt leb­ten die Li­ni­en in Gel­dern, Sen­den oder Wer­ne. Die meis­ten der Be­sit­zun­gen au­ßer­halb der Kern­ge­biets ka­men durch Hei­rat an die Fa­mi­lie. An­ders war es mit dem käuf­li­chen Er­werb von Be­sit­zun­gen und Wein­ber­gen am Rhein un­ter an­de­rem in der Nähe von Mainz seit dem 16. Jahr­hun­dert.

Die Fa­mi­lie ge­hör­te seit dem Mit­tel­al­ter zum Stifts­adel. Zahl­rei­che nach­ge­bo­re­ne Söh­ne und Töch­ter tra­ten in den geist­li­chen Stand ein. Da­mit ein­her ging für die­je­ni­gen, die ein hö­he­res kirch­li­ches Amt an­streb­ten, meist eine uni­ver­si­tä­re Aus­bil­dung. Der Ka­no­ni­ker Her­mann von Fürs­ten­berg etwa stu­dier­te um 1497 in Bo­lo­gna. Prä­ben­den hat­te die Fa­mi­lie häu­fig im Klos­ter Him­mel­pfor­ten, wo Ur­su­la von Fürs­ten­berg um 1514 Äb­tis­sin war, im Klos­ter Oeling­hau­sen, im Klos­ter Pa­ra­dies, im Klos­ter Sieg­burg (1516 war Jo­hann von Fürs­ten­berg Abt) oder im Klos­ter Sche­da inne. Mar­ga­re­te von Fürs­ten­berg war um 1542 Äb­tis­sin im Klos­ter Wel­ver und Cor­du­la von Fürs­ten­berg um 1560 im Stift Ge­se­ke. Da­ne­ben gin­gen aus der Fa­mi­lie eine Rei­he von Welt­geist­li­chen her­vor. Erst seit 1471 ge­lang­ten mit Fried­rich von Fürs­ten­berg in Hil­des­heim ers­te Mit­glie­der der Fa­mi­lie auf Dom­her­ren­stel­len.

Friedrich von Fürstenberg (1510-1567)

Fried­rich von Fürs­ten­berg (1510–1567)

Die Fürs­ten­ber­ger dien­ten auch im Spät­mit­tel­al­ter vor­nehm­lich den Erz­bi­schö­fen von Köln als Lan­des­her­ren im Her­zog­tum West­fa­len. Ei­ni­ge von ih­nen wa­ren im 15. Jahr­hun­dert Frei­schöf­fen beim Ober­frei­stuhl in Arns­berg. Auch an an­de­ren Ge­rich­ten wa­ren Mit­glie­der der Fa­mi­lie Rich­ter. Wen­ne­mar von Fürs­ten­berg war um 1371/72 Amt­mann in Arns­berg. Be­reits früh tra­ten Mit­glie­der der Fa­mi­lie als Kre­dit­ge­ber für ihre fürst­li­chen Her­ren auf. Wen­ne­mar von Fürs­ten­berg († 1387) schul­de­ten die Erz­bi­schö­fe von Köln 700 Gul­den. Gott­hard von Fürs­ten­berg hat 1445 ein Dar­le­hen von 5000 Gul­den ver­ge­ben. Da­für er­hielt er als Pfand Burg und Stadt Ne­heim. Die­ses Pfand blieb 120 Jah­re bei der Fa­mi­lie. In der Fol­ge wa­ren die Fürs­ten­ber­ger dort Amt­mann be­zie­hungs­wei­se Drost mit Wohn­sitz im Dros­ten­hof (Ne­heim). Eben­falls im Amt Werl stell­te die Fa­mi­lie seit dem spä­ten 15. Jahr­hun­dert den Drost. Mit der Ent­ste­hung der Land­stän­de hat­ten die Fürs­ten­bergs be­deu­ten­den Ein­fluss auch auf dem Land­tag. Ei­ni­ge An­ge­hö­ri­ge der Fa­mi­lie wa­ren 1437 an der ers­ten Erb­lan­des­ver­ei­ni­gung zur Be­gren­zung der Macht des Lan­des­her­ren be­tei­ligt.

Eine hohe Zahl von Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen ka­men als Deutsch­or­dens­rit­ter bis nach Liv­land. Be­son­ders aus der Li­nie Höl­lig­ho­fen-Bü­de­rich-Hör­de ka­men seit der zwei­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts eine Rei­he von Or­dens­rit­tern. Aus ei­ner Ne­hei­mer Li­nie stamm­te etwa der Land­meis­ter Liv­lands Jo­hann Wil­helm von Fürs­ten­berg. Die­ser ge­riet 1560 durch Ver­rat in rus­si­sche Ge­fan­gen­schaft, er­kann­te den­noch die Herr­schaft von Iwan dem Schreck­li­chen nicht an und starb 1568 in Mos­kau. Nach dem Ende der Or­dens­herr­schaft ent­wi­ckel­ten sich An­ge­hö­ri­ge der Fa­mi­lie zu welt­li­chen Guts­be­sit­zern und bil­de­ten neue Li­ni­en aus.

Frühe Neuzeit

Grundzüge der Familienpolitik

Den Ver­än­de­run­gen der Neu­zeit pass­te sich die Fa­mi­lie Fürs­ten­berg in be­mer­kens­wer­ter Wei­se an. Etwa seit dem 16. Jahr­hun­dert er­hiel­ten fast alle männ­li­chen Fa­mi­li­en­mit­glie­der eine gute, meist aka­de­mi­sche Aus­bil­dung. Die­se Tra­di­ti­on en­de­te erst am Ende des 18. Jahr­hun­derts. Die Aus­bil­dung emp­fahl die Mit­glie­der der Fa­mi­lie für an­spruchs­vol­le Auf­ga­ben im Dienst der Lan­des­her­ren oder der Kir­che.

Fried­rich von Fürs­ten­berg hat durch sein Tes­ta­ment von 1564 die Fa­mi­li­en­po­li­tik für die kom­men­den Jahr­hun­der­te vor­ge­zeich­net. In dem Tes­ta­ment wur­de die Un­teil­bar­keit des Be­sit­zes fest­ge­legt. Die­sen soll­te ein Erbe er­hal­ten. Die an­de­ren männ­li­chen Söh­ne wur­den mit Kir­chen­pfrün­den ver­sorgt. Im Jahr 1660 wur­de das Tes­ta­ment zum Vor­bild ei­nes neu ge­grün­de­ten Fa­mi­li­en­fi­dei­kom­miss. Die­ser war der zwei­te in ganz West­fa­len. Da­nach ging das Erbe nicht au­to­ma­tisch auf den äl­tes­ten Sohn über. Der Erb­las­ser hat­te viel­mehr das Recht, ei­nen Er­ben zu be­stim­men. Strei­tig­kei­ten hat ein in­for­mel­ler Fa­mi­li­en­rat, dem die an­ge­se­hens­ten Fa­mi­li­en­mit­glie­der an­ge­hör­ten, ge­klärt.

Ne­ben dem kirch­li­chen Dienst spiel­te das Mi­li­tär oder der Hof­dienst kei­ne Rol­le. Die Töch­ter, so­fern sie nicht ver­hei­ra­tet wur­den oder in ein Stift ein­tra­ten, wur­den ab­ge­fun­den. Von 29 männ­li­chen Fürs­ten­ber­gern, seit der Zeit Fried­richs bis zum Ende des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches, hat­ten 23 geist­li­che Stel­len, meist als Dom­her­ren. Ver­tre­ten wa­ren sie vor al­lem in den Dom­ka­pi­teln von Pa­der­born, Hil­des­heim, Müns­ter aber auch in Mainz und Salz­burg. Die An­ge­wie­sen­heit der Fa­mi­lie zur Ver­sor­gung auf Klös­ter und Stif­te ver­stärk­te ihre Par­tei­nah­me für den Ka­tho­li­zis­mus noch.

Die Fa­mi­lie war mit ih­rer Hin­wen­dung zum Dienst in der Kir­che ei­ner­seits und der Ver­bun­den­heit mit dem Her­zog­tum West­fa­len an­de­rer­seits aus­ge­spro­chen er­folg­reich. Al­lein drei Fa­mi­li­en­mit­glie­der wur­den zu geist­li­chen Lan­des­her­ren ge­wählt (Diet­rich, Fer­di­nand, Franz Egon). Bei wei­te­ren schei­ter­te dies nur an den po­li­ti­schen Ge­ge­ben­hei­ten (Wil­helm, Jo­hann Gott­fried). Wei­te­re zwei Fürs­ten­ber­ger stie­gen in füh­ren­de Mi­nis­ter­stel­len in ei­nem geist­li­chen Staat auf (Franz, Fried­rich Chris­ti­an). Eben­falls zwei wa­ren als Landd­ros­ten Ver­tre­ter des Kur­fürs­ten im Her­zog­tum West­fa­len (Kas­par, Fried­rich). Sechs Fa­mi­li­en­mit­glie­der wur­den Dom­propst.

Die Kon­zen­tra­ti­on auf den kirch­li­chen Dienst zwang dazu, die Stifts­fä­hig­keit zu er­hal­ten. Die Dom­ka­pi­tel ver­lang­ten eine Ah­nen­pro­be, die min­des­tens 16 ade­li­ge Vor­fah­ren auf­wei­sen muss­te. Hei­ra­ten kam da­her nur im Kreis die­ses Stifts­adels in Fra­ge. Nicht zu­letzt die­se Ein­engung der Hei­rats­krei­se führ­te dazu, dass die ver­schie­de­nen noch im 16. und 17. Jahr­hun­dert be­stehen­den Li­ni­en bis auf die der Fürs­ten­berg-Her­drin­gen aus­star­ben. Erst im 19. Jahr­hun­dert kam es wie­der zur Aus­bil­dung von Sei­ten­li­ni­en.

Entwicklung

Den ei­gent­li­chen Grund­stein für den Be­deu­tungs­ge­winn der Fa­mi­lie leg­te Fried­rich. Er er­warb die Pfand­schaft der Äm­ter Bil­stein und Wal­den­burg. Sein Sohn Kas­par füg­te noch die Pfand­schaft des Am­tes Fre­de­burg hin­zu. Die­se Äm­ter blie­ben über Ge­nera­tio­nen im Be­sitz der Fa­mi­lie. Hin­zu kam die Erb­vog­tei über die Klös­ter Graf­schaft und Ewig so­wie das Ge­richt Ober­kir­chen. Ins­ge­samt kon­trol­lier­ten die Fürs­ten­bergs etwa ein Vier­tel des ge­sam­ten Her­zog­tums West­fa­len. 1594 er­warb Kas­par die Burg Schnel­len­berg, die zum Haupt­sitz wur­de, bis die­ser im 19. Jahr­hun­dert auf das 1618 er­wor­be­ne Schloss Her­drin­gen ver­legt wur­de; bei­de be­fin­den sich bis heu­te im Fa­mi­li­en­be­sitz.

Fried­richs Söh­ne Kas­par und Diet­rich von Fürs­ten­berg wa­ren im 16./17. Jahr­hun­dert ent­schie­de­ne Geg­ner der Re­for­ma­ti­on und tru­gen dazu bei, dass das Her­zog­tum West­fa­len und das Bis­tum Pa­der­born ka­tho­lisch blie­ben. Bei­de wa­ren auch für He­xen­pro­zes­se in ih­rem Ein­fluss­be­reich zu­min­dest mit­ver­ant­wort­lich. Die Schwes­tern Ot­ti­lia und Anna wa­ren nach­ein­an­der Äb­tis­sin­nen im Klos­ter Oeling­hau­sen. Ot­ti­lia war zu­dem Äb­tis­sin im Stift Heer­se.

In der nächs­ten Ge­nera­ti­on war der Haupter­be Fried­rich von Fürs­ten­berg. Die­ser war Landd­rost des Her­zog­tums West­fa­len und da­mit Stell­ver­tre­ter des Köl­ner Kur­fürs­ten in die­sem Ge­biet. Sein Bru­der Jo­hann Gott­fried war Dom­herr und Prä­si­dent des kur­main­zi­schen Ra­tes.

Der Stamm­hal­ter wur­de in der fol­gen­den Ge­nera­ti­on Fried­rich. Die­ser war west­fä­li­scher Rat und kur­köl­ner Di­plo­mat. Sein Bru­der Cas­par Diet­rich war so­wohl Kup­fer­ste­cher und Ma­ler, da­ne­ben aber auch Al­chi­mist und Rei­te­roberst. Jo­hann Adolf war Dom­herr, Di­plo­mat und der Er­bau­er der Adolfs­burg bei Ober­hun­dem, die er sei­nem Nef­fen Fer­di­nand ver­erb­te. Franz Wil­helm war Land­kom­tur der Deutsch­or­dens-Ball­ei West­fa­len und Er­bau­er der Or­dens­kom­men­de Mül­heim a.d. Möh­ne. Wil­helm war Ge­sand­ter, päpst­li­cher Ge­heim­käm­me­rer, Dom­propst in Müns­ter und Dom­de­chant in Salz­burg.

Fürstbischof Dietrich IV.; Gemälde um 1600 in der Theologischen Fakultät Paderborn

Fürst­bi­schof Diet­rich IV.; Ge­mäl­de um 1600 in der Theo­lo­gi­schen Fa­kul­tät Pa­der­born

Ei­ner der be­deu­tends­ten Ver­tre­ter der Fa­mi­lie war Fer­di­nand von Fürs­ten­berg. Der Fürst­bi­schof von Pa­der­born und spä­ter auch Müns­ter gilt als Ver­tre­ter des Ba­rock­ka­tho­li­zis­mus und för­der­te maß­geb­lich Küns­te und Bil­dung im ka­tho­li­schen West­fa­len. Im Ge­gen­satz zu Diet­rich von Fürs­ten­berg gilt er als Frie­dens­fürst mit her­vor­ra­gen­den in­ter­na­tio­na­len Kon­tak­ten, die nach Rom und Pa­ris reich­ten.

Auch im 18. Jahr­hun­dert spiel­ten die Fürs­ten­bergs eine be­deu­ten­de Rol­le in West­fa­len. Franz-Wil­helm (1729–1810) war der füh­ren­de, auf­klä­re­risch ge­sinn­te Po­li­ti­ker (Mi­nis­ter) des Fürst­bis­tums Müns­ter und sein Bru­der Franz-Egon (1737–1835) war letz­ter Fürst­bi­schof von Pa­der­born und Hil­des­heim.

Seit Be­ginn ih­rer Ge­schich­te war die Fa­mi­lie auch im ge­werb­li­chen Be­reich, etwa im Mon­tan­be­reich, ak­tiv. Be­son­ders en­ga­giert war Chris­ti­an Franz Diet­rich in die­sem Be­reich. Er be­trieb meh­re­re Ham­mer­wer­ke, be­saß Berg­wer­ke und grün­de­te Be­trie­be zur Far­ben­her­stel­lung. Seit Ende des 18. Jahr­hun­derts kon­zen­trier­te sich die Fa­mi­lie aber mehr auf den Agrar- und Forst­be­reich.

19. und 20. Jahrhundert

Zum letz­ten Mal konn­te Cle­mens Lo­thar von Fürs­ten­berg (1725–1791) den Be­sitz des Hau­ses in ei­ner Hand ver­ei­ni­gen. Nach sei­nem Tod kam es zur Auf­tei­lung des Er­bes. Fried­rich-Leo­pold (1766–1835) setz­te die Haupt­li­nie fort und be­kam die west­fä­li­schen und rechts­rhei­ni­schen Gü­ter. Er konn­te durch den Kauf von Gü­tern, vor al­lem nach der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on, den Be­sitz stark ver­meh­ren (Klos­ter Graf­schaft, Klos­ter Oeling­hau­sen und Schloss Hu­gen­po­et). Sein Bru­der Theo­dor (1772–1828) wur­de Be­grün­der des rhei­ni­schen Fa­mi­li­en­zweigs mit Sitz in Stamm­heim bei Köln. Dazu ge­hör­ten auch die Be­sit­zun­gen am Rhein, dar­un­ter auch die Herr­schaft Se­venum. Der drit­te Bru­der Cle­mens be­kam die Be­sit­zun­gen an der Maas (mit Burg Ob­sin­nich in Re­mers­da­al). Nach­dem die­ser ohne Er­ben ge­stor­ben war, fie­len die Gü­ter an die Stamm­hei­mer Li­nie.

Fürstbischof Ferdinand II. – Stifterbild für das Franziskanerkloster in Paderborn von Johann Georg Rudolphi 1672

Fürst­bi­schof Fer­di­nand II. – Stif­ter­bild für das Fran­zis­ka­ner­klos­ter in Pa­der­born von Jo­hann Ge­org Ru­dol­phi 1672

Nach dem Tod von Fried­rich Leo­pold wur­de des­sen Be­sitz noch ein­mal ge­teilt. Graf Franz Egon (1818–1902) setz­te die Haupt­li­nie in Her­drin­gen fort. Hin­zu ka­men eine Rei­he von Gü­tern und die Ge­recht­sa­me im Sauer­land. Er war auch Bau­herr des 1844–1853 vom Köl­ner Dom­bau­meis­ter Zwir­ner er­bau­ten Schlos­ses Her­drin­gen. Cle­mens (1791–1844) er­hielt die Herr­lich­keit Horst und zwei wei­te­re Gü­ter. Er wur­de Be­grün­der der Li­nie Fürs­ten­berg-Bor­beck. Theo­dor (1797–1879) wur­de Be­grün­der der Li­nie Fürs­ten­berg-Hei­li­gen­ho­ven. Jo­hann Fried­rich (1799–1746) be­grün­de­te die Li­nie Fürs­ten­berg-Kört­ling­hau­sen. Von die­ser Li­nie zweig­ten spä­ter wei­te­re Zwei­ge wie die Li­nie Fürs­ten­berg-Gim­born. Franz Fried­rich (1802–1860) war Be­grün­der der Li­nie Fürs­ten­berg-Eg­ge­ring­hau­sen. Adolph (1805–1880) be­grün­de­te die Li­nie Fürs­ten­berg-Lörs­feld und Jo­seph (1810–1880) die Li­nie Fürs­ten­berg-Muf­fen­dorf.

Auch im 20. Jahr­hun­dert hat die Fa­mi­lie be­deu­ten­de Kir­chen­män­ner, u. a. den Kar­di­nal Ma­xi­mi­li­en Frei­herr v. Fürs­ten­berg (1904–1988) oder den Vi­ze­prä­si­dent der Deut­schen As­so­zia­ti­on des Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser Rit­ter- und Hos­pi­tal-Or­dens und ehe­ma­li­gen Bot­schaf­ter Pe­ter Frei­herr von Fürs­ten­berg, her­vor­ge­bracht.

Adelstitel

Die Fa­mi­lie er­hielt den Reichs­frei­her­ren­stand in Wien am 26. April 1660 für meh­re­re Fa­mi­li­en­mit­glie­der.

Der aus ei­ner der bal­ti­schen Li­ni­en stam­men­de An­dre­as von Fürs­ten­berg er­hielt am 14. Juni 1731 den schwe­di­schen Frei­herrn­stand. Da sei­ne Söh­ne un­ver­hei­ra­tet blie­ben, starb die­se Li­nie schon 1761 im Man­nes­stamm aus, die Be­sit­zun­gen ka­men über sei­ne Toch­ter Mag­da­le­ne Eu­phemia (1710–1778) an die Fa­mi­lie von Kirch­bach.

Li­nie Her­drin­gen: Preu­ßi­scher Gra­fen­stand als Graf von Fürs­ten­berg-Her­drin­gen, an den Fi­dei­kom­miss-Be­sitz Her­drin­gen ge­bun­den (Pri­mo­ge­ni­tur), am 16. Ja­nu­ar 1843 für Franz Egon Frei­herr von Fürs­ten­berg auf Her­drin­gen, Mit­glied des preu­ßi­schen Her­ren­hau­ses und Erbtruch­sess im Her­zog­tum West­fa­len.

Li­nie Stamm­heim: Preu­ßi­scher Gra­fen­stand als Graf von Fürs­ten­berg-Stamm­heim, an den Be­sitz Stamm­heim ge­bun­den (Pri­mo­ge­ni­tur), am 15. Ok­to­ber 1840 für den kö­nig­lich preu­ßi­schen Kam­mer­herrn Franz Egon Graf von Fürs­ten­berg auf Stamm­heim. Die­se Li­nie starb 1925 aus.

Bel­gi­sche Li­nie: Adels­na­tu­ra­li­sa­ti­on als Ba­ron de Furs­ten­berg am 18. April 1887 für Cle­mens Frei­herr von Fürs­ten­berg. Bel­gi­scher Gra­fen­stand als Comte de Furs­ten­berg (Pri­mo­ge­ni­tur) am 3. Ja­nu­ar 1964 für Land­wirt­schafts-In­ge­nieur We­nemar Frei­herr von Fürs­ten­berg.

Wappen

Wappen der von Fürstenberg und der ausgestorbenen Edelherren von Grafschaft - sowie das Wappen der Fürstenbergs nach der Wappenvereinigung mit dem der Herren von Grafschaft mit Diplom von Leopold I. von 1660

Wap­pen de­rer von Fürs­ten­berg und der aus­ge­stor­be­nen Edel­her­ren von Graf­schaft – so­wie das Wap­pen der Fürs­ten­bergs nach der Wap­pen­ver­ei­ni­gung mit dem der Her­ren von Graf­schaft mit Di­plom von Leo­pold I. von 1660

Das Stamm­wap­pen zeigt in Gold zwei rote Bal­ken. Auf dem Helm mit rot-gol­de­nen De­cken ste­hen zwei mit je zwei ro­ten Bal­ken be­leg­te gol­de­ne Fa­sa­nen­fe­dern.

Die Helm­zier schwank­te im Lauf der Ent­wick­lung. Am An­fang stan­den zwei Hör­ner. Seit dem 14. und vor al­lem 15. Jahr­hun­dert wur­den die­se von den ge­nann­ten Fe­dern er­setzt.

Das frei­herr­li­che Wap­pen von 1660 ist ge­vier­teilt: 1 und 4 das Stamm­wap­pen, 2 und 3 in Gold zwei rote Pfäh­le (der aus­ge­stor­be­nen Edel­her­ren von Graf­schaft). Zwei Hel­me mit rot-gol­de­nen De­cken, rechts der Stamm­helm, auf dem lin­ken zwei rote (oder gol­de­nen) Büf­fel­hor­ner mit Pfau­en­fe­dern an den Mün­dun­gen be­steckt (von Graf­schaft).

Linien und Besitzungen

Zum Stamm­be­sitz zählt die Burg Schnel­len­berg mit dem im 19. Jahr­hun­dert zum Haupt­wohn­sitz um­ge­stal­te­ten Schloss Her­drin­gen so­wie Schloss Adolfs­burg, alle im Sauer­land ge­le­gen.

  • Burg Schnel­len­berg
  • Schloss Her­drin­gen
  • Schloss Adolfs­burg

Ab 1835 ent­stan­den aus der Her­drin­ger Li­nie fol­gen­de Ne­ben­li­ni­en:

  • Schloss Bruch­hau­sen
  • Schloss Eg­ge­ring­hau­sen
  • Schloss Gim­born
  • Schloss Hei­li­gen­ho­ven (1928 ver­kauft)
  • Schloss Hu­gen­po­et
  • Schloss Lörs­feld (Zweig er­lo­schen, jetzt Be­sitz des Zwei­ges Hu­gen­po­et)
  • Schloss Bor­beck (1941 ver­kauft)
  • Schloss Kört­ling­hau­sen
  • Kom­men­de Muf­fen­dorf (Zweig er­lo­schen, 1896 ver­kauft)
  • Schloss Stamm­heim (Köln) (Zweig er­lo­schen, 1928 ver­kauft)
  • Haus Bitz (1785–1940 im Be­sitz der Fa­mi­lie)
  • Burg Ba­chem

Familienmitglieder

Franz Egon von Fürstenberg (Ölgemälde um 1790)

Franz Egon von Fürs­ten­berg (Öl­ge­mäl­de um 1790)

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Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Fürs­ten­berg (west­fä­li­sches Adels­ge­schlecht) aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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