Jan 052017
 
Franz-Wilhelm von Spiegel

Franz-Wil­helm von Spie­gel

Frei­herr Franz Wil­helm von Spie­gel zum De­sen­berg (* 30. Ja­nu­ar 1752 auf Schloss Can­stein (bei Mars­berg); † 6. Au­gust 1815 eben­da) war ein west­fä­li­scher Ade­li­ger, An­hän­ger der Auf­klä­rung, Be­am­ter und Mi­nis­ter des kur­köl­ni­schen Staa­tes.

Familie und Ausbildung

Franz Wil­helm von Spie­gel stamm­te aus ei­ner der füh­ren­den ade­li­gen Fa­mi­li­en des Her­zog­tums West­fa­len. Sein Va­ter Theo­dor Her­mann von Spie­gel (1712–1779) war seit 1758 Landd­rost und da­mit der höchs­te Ver­tre­ter des köl­ni­schen Staa­tes in des­sen west­fä­li­schem Ne­ben­land. Ei­ner der Halb­brü­der von Franz Wil­helm war Fer­di­nand-Au­gust (1764–1835), der spä­te­re Erz­bi­schof von Köln (ab 1825).

An­fangs wur­de von Spie­gel von ei­nem Haus­leh­rer un­ter­rich­tet. Im Al­ter von zehn Jah­ren wur­de er Page am Hofe des Kur­fürs­ten Max Fried­rich in Bonn. Sei­ne Schul­bil­dung er­hielt Franz Wil­helm am dor­ti­gen Pa­gen­in­sti­tut – ei­ner Lehr­an­stalt für den Adel des Kur­staa­tes. Ne­ben zahl­rei­chen un­qua­li­fi­zier­ten Lehr­kräf­ten wur­den die wis­sen­schaft­li­chen Fä­cher von ge­bil­de­ten Je­sui­ten be­treut. Er stu­dier­te an­schlie­ßend in Lö­wen und Göt­tin­gen vor al­lem Jura. Zu sei­nen Stu­di­en­freun­den in Göt­tin­gen zähl­te auch der spä­te­re preu­ßi­sche Re­for­mer Frei­herr vom Stein.

Wäh­rend des Stu­di­ums wur­de von Spie­gel mit den Ide­en der Auf­klä­rung ver­traut und war so­gar kur­ze Zeit un­ter dem Na­men „Fran­cis­cus Eques ab Unio­ne“ ak­ti­ves Mit­glied ei­ner Frei­mau­rer­lo­ge. Im Jahr 1802 for­mu­liert er nach­träg­lich sei­ne auf­klä­re­ri­sche Grund­po­si­ti­on, die für sein Wir­ken maß­geb­lich war. „Das, was bey fort­schrei­ten­den Ver­stan­de we­der die Cri­tik der rei­nen noch prac­ti­schen Ver­nunft aus­hält, zer­fällt in sich.“

Nach dem Stu­di­um wur­de er 1775 zu­nächst Hof­rat der Kur­köl­ner Re­gie­rung in Bonn. Trotz Ab­nei­gung ge­gen den geist­li­chen Stand, be­warb sich der Auf­klä­rer aus fi­nan­zi­el­len Grün­den um eine Dom­her­ren­stel­le. Zum Nach­weis ei­nes theo­lo­gi­schen Stu­di­ums be­gab er sich 1776 nach Rom. Im An­schluss an sei­nen Auf­ent­halt dort er­hielt er die nie­de­ren Wei­hen und be­kam eine Dom­her­ren­stel­le in Hil­des­heim. Kur­ze Zeit spä­ter kam eine Dom­her­ren­stel­le in Müns­ter so­wie die Wei­he zum Sub­dia­kon.

Landdrost im Herzogtum Westfalen

Nach dem Tod sei­nes Va­ters (1779) be­warb sich von Spie­gel mit Er­folg um des­sen Po­si­ti­on als Landd­rost und ent­warf im Sin­ne des Jo­se­phi­nis­mus eine Denk­schrift zur Re­form des Her­zog­tums: „Ge­dan­ken über die wah­ren Ur­sa­chen des Ver­falls un­se­res Lan­des und über die Art, wie sol­chem ab­zu­hel­fen ist.“ Dar­in for­der­te er un­ter an­de­rem eine ge­rech­te­re Steu­er­ver­tei­lung, staat­li­che Wirt­schafts­för­de­rungs­maß­nah­men oder die Ein­rich­tung von Ele­men­tar­schu­len vor. Zur bes­se­ren Or­ga­ni­sa­ti­on des Schul­we­sens wur­de 1781 eine Schul­kom­mis­si­on für das Her­zog­tum ein­ge­rich­tet. Für ei­nen (zu­min­dest dem Ti­tel nach) Geist­li­chen war der Vor­schlag be­mer­kens­wert alle Klös­ter und Stif­te im Her­zog­tum auf­zu­he­ben und mit dem Er­lös das Gym­na­si­um Lau­ren­tia­num in Arns­berg zu ei­ner päd­ago­gi­schen Mus­ter­an­stalt zu ma­chen.

Au­ßer­dem wid­me­te er sich der Re­form von Jus­tiz und „Po­li­zey“ in de­ren da­ma­li­ger um­fas­sen­der Be­deu­tung. Dazu ge­hör­te auch der Bau ei­nes „Zucht­hau­ses“ in Arns­berg, dem spä­te­ren Sitz der preu­ßi­schen Re­gie­rung und heu­ti­gem Ver­wal­tungs­ge­richt. Al­ler­dings wa­ren vie­le von Spie­gels auf­klä­re­ri­scher Vor­stö­ße we­nig er­folg­reich und stie­ßen im Adel, dem Kle­rus und dem Bür­ger­tum glei­cher­ma­ßen auf Ab­leh­nung. Ei­nig war sich Spie­gel mit den Stän­den al­ler­dings in dem Be­stre­ben, die Ei­gen­stän­dig­keit des Her­zog­tums ge­gen­über den An­sprü­chen Kur­kölns zu wah­ren.

Leitender kurfürstlicher Minister in Bonn

Maximilian Franz (Kurfürst von Köln)

Ma­xi­mi­li­an Franz (Kur­fürst von Köln)

Nach dem Amts­an­tritt von Kur­fürst Max Franz wech­sel­te Franz Wil­helm dann nach Bonn in die Re­gie­rung des Ge­samt­staa­tes. In die­ser Ei­gen­schaft fuhr er nun­mehr ei­nen kla­ren Kurs zur Aus­deh­nung der kur­fürst­li­chen Rech­te auch im Her­zog­tum West­fa­len. Als Mi­nis­ter wur­de er eine in ganz Deutsch­land be­kann­te und zeit­wei­se ge­fei­er­te Per­sön­lich­keit. Im Jahr 1786 wur­de er als Prä­si­dent der Hof­kam­mer so et­was wie der Fi­nanz­mi­nis­ter des Kur­staa­tes. In die­ser Ei­gen­schaft hat er mit Er­folg die Un­ord­nung in der Fi­nanz­ver­wal­tung be­sei­tigt. Dazu ge­hör­te un­ter an­de­rem auch die im Lan­des­in­ne­ren des Her­zog­tum West­fa­len lie­gen­den Zoll­pos­ten an die Gren­zen zu ver­le­gen. Ähn­li­che Zoll­re­for­men führ­te er auch für die Rhein­schiff­fahrt ein. Ein wei­te­rer Re­form­as­pekt war die Neu­ord­nung des Forst­we­sens in West­fa­len. Von Spie­gel trat auch für eine Re­form des Berg­amt des Her­zog­tum West­fa­len nach preu­ßi­schem Vor­bild ein. Au­ßer­dem küm­mer­te sich von Spie­gel um eine Re­form der Ver­wal­tung des Kur­staa­tes ins­ge­samt. An die Stel­le von ade­li­ger Günst­lings­wirt­schaft trat in An­sät­zen die Ein­stel­lung von Hof­rä­ten nach Kön­nen und Bil­dung.

Durch die gleich­zei­ti­ge Er­nen­nung zum Hof­aka­de­mie­rat wur­de er au­ßer­dem zu­stän­dig für die Bil­dungs- und Kul­tur­po­li­tik. Ins­be­son­de­re in die­sem Amt konn­te er nun­mehr auf­klä­re­ri­sche Ide­en um­set­zen. Dazu ge­hör­te eine Re­form des Ele­men­tar­schul­we­sens (Schul­pflicht, Ver­bes­se­rung der Leh­rer­aus­bil­dung usw.). Im Her­zog­tum West­fa­len wur­de Fried­rich Adolf Sau­er mit der Re­form der Leh­rer­bil­dung be­traut und durch die Ein­füh­rung der so­ge­nann­ten „Nor­mal­schu­len“ ein Stan­dard für das Ele­men­tar­schul­we­sen ge­schaf­fen. Au­ßer­dem wur­de mit den „In­dus­trie­schu­len“ der Ver­such un­ter­nom­men, ne­ben der nor­ma­len Schul­bil­dung auch ge­werb­li­che Kennt­nis­se zu ver­mit­teln. Die Gym­na­si­en in Arns­berg und Bonn er­hiel­ten neue Struk­tu­ren und die Bon­ner Aka­de­mie wur­de zu ei­ner Uni­ver­si­tät (1786) aus­ge­baut. Als Uni­ver­si­täts­ku­ra­tor for­mu­lier­te von Spie­gel das Ziel der Grün­dung un­miss­ver­ständ­lich: „der neu­en An­stalt das Ziel setzt, die Auf­klä­rung in den rhei­nisch-west­fä­li­schen Lan­den zum Sie­ge zu füh­ren!“

Da­mit konn­te sich von Spie­gel zwar der Zu­stim­mung in der auf­klä­re­ri­schen Öf­fent­lich­keit si­cher sein, er stieß, trotz Un­ter­stüt­zung durch den Kur­fürs­ten, da­mit aber auch auf er­heb­li­chen Wi­der­stand vor al­lem im Köl­ner Dom­ka­pi­tel bis hin zur Ku­rie in Rom. Man warf Spie­gel vor, Irr­leh­ren und Un­glau­ben an der Uni­ver­si­tät zu­zu­las­sen und warf ihm so­gar „de­mo­kra­ti­sche“ Ten­den­zen vor, ob­wohl sich von Spie­gel ein­deu­tig ge­gen die fran­zö­si­sche Re­vo­lu­ti­on aus­ge­spro­chen hat­te.

Das Ende des Kurstaates und letzte Lebensjahre

Mit dem Be­ginn der Re­vo­lu­ti­ons­krie­ge wur­de in Bonn eine Mi­li­tär­kom­mis­si­on ge­grün­det, de­ren Vor­sit­zen­der von Spie­gel wur­de. Zwar kühl­te sich die Be­zie­hung zwi­schen Max Franz und von Spie­gel deut­lich ab, aber er blieb im Dienst des Kur­staats. Nach der Be­set­zung des Rhein­lan­des im Jahr 1794 gin­gen gro­ße Tei­le des Staats­ge­biets al­ler­dings ver­lo­ren. Er be­stand nun­mehr über­wie­gend aus den west­fä­li­schen Lan­des­tei­len. Das Dom­ka­pi­tel wich nach Arns­berg und die Hof­kam­mer nach Bri­lon aus. Nach dem Tod von Max Franz hat­te von Spie­gel sei­nen Ein­fluss auch im Rest­staat weit­ge­hend ein­ge­büßt. Letzt­lich ohn­mäch­tig muss­te er den Über­gang des Her­zog­tum West­fa­len an Hes­sen-Darm­stadt mit­an­se­hen. Der Ver­such sich den neu­en Her­ren mit ei­ner Denk­schrift zur Sä­ku­la­ri­sa­ti­on der Klös­ter als Be­am­ter zu emp­feh­len, war letzt­lich er­folg­los.

Die Per­sön­lich­keit von Spie­gels war wi­der­sprüch­lich. In Fra­gen von Re­li­gi­on und Bil­dung war von Spie­gel ein be­deu­ten­der Auf­klä­rer. In po­li­ti­schen Fra­gen war er al­ler­dings kon­ser­va­tiv. Nach der Auf­he­bung der west­fä­li­schen Land­stän­de und ei­ni­ger Adel­s­pri­vi­le­gi­en durch die hes­sen-darm­städ­ti­sche Re­gie­rung (1806) zeig­te er sich em­pört.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Franz Wil­helm von Spie­gel aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­toren ver­füg­bar.

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