Dez 29 2016

Franz Wilhelm von Fürstenberg

Franz Wilhelm von Fürstenberg als Landkomtur des Deutschen Ordens

Franz Wil­helm von Fürs­ten­berg als Land­kom­tur des Deut­schen Or­dens

Franz Wil­helm von Fürs­ten­berg (* 29. Sep­tem­ber 1628 auf Schloss Her­drin­gen; † 2. Sep­tem­ber 1688 in Mül­heim) war Rit­ter des Deut­schen Or­dens und zu­letzt Land­kom­tur der Ball­ei West­fa­len. Er gilt als der be­deu­tends­te west­fä­li­sche Land­kom­tur zwi­schen Re­for­ma­ti­on und Sä­ku­la­ri­sa­ti­on. Er hat un­ter an­de­rem das heu­ti­ge Ge­bäu­de der Kom­men­de Mül­heim er­bau­en las­sen.

Frühes Leben

Franz Wil­helm war der Sohn Fried­richs von Fürs­ten­berg und Anna Ma­ri­as, ge­bo­re­ne von Ker­pen. Ei­ner sei­ner vie­len Brü­der war der Bi­schof Fer­di­nand von Fürs­ten­berg.

Franz Wil­helm war, wie vie­le sei­ner Ge­schwis­ter, früh für den geist­li­chen Stand vor­ge­se­hen. Be­reits im Al­ter von neun Jah­ren er­hielt er 1637 die ers­te Ton­sur. Zu­sam­men mit sei­nem äl­te­ren Bru­der Fer­di­nand be­such­te er das Gym­na­si­um der Je­sui­ten in Sie­gen. Spä­ter wech­sel­te er auf das Gym­na­si­um in Pa­der­born und ab 1646 auf das Gym­na­si­um Pau­li­num in Müns­ter.

Der 1618 ge­bo­re­ne Fried­rich von Fürs­ten­berg war nach dem Tod der El­tern für die Er­zie­hung von Franz Wil­helm zu­stän­dig. Aus fi­nan­zi­el­len Grün­den kam für die­sen eine aka­de­mi­sche Aus­bil­dung nicht in Fra­ge. Auch auf die in der Fa­mi­lie üb­li­che Grand Tour muss­te er ver­zich­ten. Be­mü­hun­gen um Dom­prä­ben­den schei­ter­ten. Je­doch ge­lang ihm, auch durch die Für­spra­che sei­nes Pa­ten­on­kels Fürst­bi­schof Franz Wil­helm von War­ten­berg, der Ein­tritt in den Deut­schen Or­den.

Aufstieg im Orden

Franz Wil­helm von Fürs­ten­berg trat am 14. Fe­bru­ar 1650 in den deut­schen Or­den ein. Er brach­te nur ei­nen Har­nisch und zwei Pfer­de mit. Ers­te Sta­ti­on war die Kom­men­de Mül­heim. Die Quel­len be­zeich­nen ihn 1651 als Öko­no­mie-In­spek­tor. Sein No­vi­zi­at leis­te­te er 1652 und 1653 am Haupt­sitz des Or­dens in Mer­gen­theim ab. Da­nach kehr­te er als Haus­kom­tur nach Mül­heim zu­rück. Sei­ne vom Or­den vor­ge­se­hen Mi­li­tär­dienst­ver­pflich­tung leis­te­te er ver­mut­lich in Mal­ta ab. Sei­nen äl­te­ren Bru­der Wil­helm ge­lang es an­läss­lich ei­ner di­plo­ma­ti­schen Mis­si­on im Jahr 1660, vom Hoch­meis­ter Leo­pold Wil­helm von Ös­ter­reich die Zu­sa­ge zu er­hal­ten, dass Franz Wil­helm die nächs­te frei­wer­den­de Stel­le ei­nes Kom­tur er­hal­ten soll­te. Noch im sel­ben Jahr er­hielt er die Kom­men­de Os­na­brück. Die­se war die kleins­te und ärms­te west­fä­li­sche Kom­men­de.

Franz Wil­helms Ein­kom­men ver­bes­ser­te sich, als ihn sein Bru­der Bi­schof Fer­di­nand 1616 zum Hof­mar­schall des Fürst­bis­tums Pa­der­born er­nann­te. Da­mit war er der Vor­ste­her des bi­schöf­li­chen Haus­hal­tes und ein na­her Ver­trau­ter sei­nes Bru­ders. Die­sen be­glei­te­te er 1664 zum Reichs­tag nach Re­gens­burg.

Er war dann von 1664 bis 1671 Kom­tur der Kom­men­de Bra­ckel. Die­se ver­pach­te­te er je­doch zur Be­wirt­schaf­tung wei­ter. Als der müns­ter­sche Fürst­bi­schof Chris­toph Bern­hard von Ga­len sei­nen Krieg ge­gen die Nie­der­lan­de vor­be­rei­te­te, ver­such­te er, Franz Wil­helm von Fürs­ten­berg in Dienst zu neh­men. Ins­be­son­de­re auf An­ra­ten sei­nes Bru­ders Wil­helm lehn­te Franz Wil­helm ab, zu­mal der Hoch­meis­ter Jo­hann Cas­par von Am­prin­gen die­sen Schritt kaum ge­bil­ligt hät­te.

Koadjutor der Ballei Westfalen

Im Jahr 1666 bat der alte bis­he­ri­ge west­fä­li­sche Land­kom­tur Jo­hann Wi­nold von Westrem um die Zu­ge­sel­lung ei­nes Ko­ad­ju­tors. Er hielt da­für Franz Wil­helm von Fürs­ten­berg für ge­eig­net. Noch im sel­ben Jahr wähl­te ein Ka­pi­tel der Ball­ei Fried­rich Wil­helm zu Ko­ad­ju­tor. Als Fol­ge die­ses Auf­stiegs in eine be­deu­ten­de Or­dens­stel­le ver­zich­te­te er zu Guns­ten ei­nes Nef­fen auf die ihm zu­ste­hen­den An­tei­le an den Fa­mi­li­en­gü­tern.

Als Ver­tre­ter des Land­kom­turs über­nahm Franz Wil­helm Ver­ant­wor­tung für die Ball­ei West­fa­len. De­ren Si­tua­ti­on war höchst schwie­rig. Ins­ge­samt gab es 1651 nur noch 10 Rit­ter und Pries­ter. Die St. Ge­orgs Kom­men­de in Müns­ter be­stand nur noch dem Na­men nach und war mit Mül­heim ver­ei­nigt. Die Kom­men­de Mül­heim war hoch ver­schul­det. Ab­ge­se­hen von den Pacht­gel­dern aus Bra­ckel brach­ten nur die Kom­men­den Wel­heim und Wal­den­burg noch nen­nens­wer­tes Ein­kom­men ein. Als Fol­ge ei­nes Ur­teils des Reichs­hof­ra­tes ging die Wal­den­burg 1670 dem Or­den ver­lo­ren und fiel an die Fa­mi­lie von Fürs­ten­berg. Al­ler­dings nahm die­se den Be­sitz aus Rück­sicht auf Franz Wil­helm erst zwan­zig Jah­re spä­ter in Be­sitz. So­lan­ge pro­fi­tier­te der Or­den noch von die­sen Ein­künf­ten.

Landkomtur

Bis zum Tod des bis­he­ri­gen Land­kom­turs im Jahr 1671 führ­te Franz Wil­helm sein Amt als Hof­mar­schall wei­ter. Da­nach wur­de er selbst Land­kom­tur. Noch im sel­ben Jahr hielt er das ers­te Ball­ei­ka­pi­tel ab. Sein Ver­hält­nis zum Hoch­meis­ter von Am­prin­gen war freund­schaft­lich. Bei­de sa­hen sich im Ziel ei­nig, den Nie­der­gang des Or­dens auf­zu­hal­ten. In sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich nahm Franz Wil­helm nur äu­ßerst we­ni­ge neue Rit­ter auf, um so die Schul­den der Ball­ei ab­tra­gen zu kön­nen. Nicht zu­letzt durch eine stren­ge Rech­nungs­prü­fung schaff­te er es, die Schul­den der Kom­men­de und der Ball­ei bis 1682 zu be­glei­chen. Durch die Si­che­rung von al­ten Be­sitz­ur­kun­den konn­te er Be­sitz­an­sprü­che auf­recht­erhal­ten. Weil für den Or­den ver­lust­brin­gend, un­ter­stütz­te er nicht die ge­plan­te Wie­der­grün­dung der St. Ge­orgs Bru­der­schaft in Müns­ter. Per­sön­lich leb­te Franz Wil­helm ver­gleichs­wei­se be­schei­den.

Be­reits 1677 war die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on so sta­bil, dass Franz Wil­helm mit dem Neu­bau der Kom­men­de in Mül­heim be­gin­nen konn­te. Als Ar­chi­tek­ten konn­te er Am­bro­si­us von Oel­de ge­win­nen. Es ge­lang ihm, sei­nen Bru­der Bi­schof Fer­di­nand 1681 dazu zu be­we­gen, der Or­dens­kir­che St. Mar­ga­re­tha ei­nen be­deu­ten­den Be­trag zu stif­ten.

Franz Wil­helm ver­fass­te 1682 eine Schrift, die sich mit der Ver­wal­tung der Land­kom­men­de be­fass­te. Sie trug den Ti­tel: „Gründ­li­che und wahr­haf­te Nach­richt von der Land­kom­tu­rei Mül­heim Ge­rech­tig­kei­ten, ur­alten Her­kom­men und Ge­bräu­chen, wie dann auch üb­li­chen Ver­hal­tun­gen in dem Haus­we­sen.“ Ne­ben all­ge­mei­nen Be­schrei­bun­gen und Dar­le­gun­gen ent­hält die Schrift auch per­sön­li­che No­ti­zen und Er­in­ne­run­gen. Er hob auch her­vor, dass bei al­ler Spar­sam­keit die Pflicht zum Al­mo­sen­ge­ben nicht ver­ges­sen wer­den dür­fe. Au­ßer­dem gab er Hin­wei­se zur zweck­mä­ßi­gen Ver­wal­tung.

Der Land­kom­tur starb über­ra­schend, nach­dem er sich auf dem Rück­weg von ei­ner Wall­fahrt nach Werl eine Ver­let­zung zu­ge­zo­gen hat­te.

Lizenz

Die­ser Ar­ti­kel ba­siert auf dem Ar­ti­kel Franz Wil­helm von Fürs­ten­berg aus der frei­en En­zy­klo­pä­die Wi­ki­pe­dia und steht un­ter der Dop­pel­li­zenz GNU-Li­zenz für freie Do­ku­men­ta­ti­on und Crea­ti­ve Com­mons CC-BY-SA 3.0 Un­por­ted (Kurz­fas­sung). In der Wi­ki­pe­dia ist eine Lis­te der Au­to­ren ver­füg­bar.

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